Zuhause.

Einer der schönsten Momente am Kinderhaben ist, wenn das Kind nach dem Auswärtsschlafen wieder nach Hause kommt!

Ich denke keinen Moment an nicht vorhandene Zeit für mich, die stressigen Mama-Momente oder meine mittlerweile vermutlich glatt gepressten Backenzahn-Oberflächen. (Ich habe mir scheinbar anscheinend angewöhnt meine Zähne zusammenzubeißen, wenn ich merke, dass P.s Schreien, Rumhampeln beim Wickeln, 1000. Versuch die Schuhe anzuziehen, Essen durch die Küche schmeißen uuuund so weiter mich latent aggressiv machen. Aggressionen, die natürlich nicht ans Kind gehören, die aber nun mal leider da sind. Ich bin sehr gespannt, was mein Zahnarzt dazu sagt. Jedenfalls sind dadurch endlich meine – seit mittlerweile 6 Jahren angekündigten -Weisheitszähne am Herauswachsen.)

Ich freue mich einfach, dass mein Kind da ist. Dass mein Kind sich freut, wenn es mich sieht. Dass es mich mit “Mama” begrüßt und sich mir in die Arme wirft. Dass wir so ein kleines bezauberndes Etwas in unserem Leben haben. Dass dieser kleine Murkel so unschuldig ist und die ganze Scheiße da draußen Welt noch vor sich hat. Dass mich das kleine Etwas lehrt, den Moment (und nur den) zu schätzen und zu genießen. Dass ich durch sie gelernt habe, dass jeder Tag einzigartig ist.

Ich denke daran, dass sie mich davor bewahrt hat noch jahrelang besinnungslos durch die Welt zu slaufen, mit einem Knick im Kopf und der sinnlosen Suche nach dem großen Ganzen und vor allem dem Sinn dahinter. Dafür bleibt (zum Glück) nicht mehr viel Zeit. Sie ist mein Sinn und bringt mir bei, worum es eigentlich und letztendlich hier in meinem Leben geht. (Siehe dazu auch mein Artikel: “Fressen, Scheißen und Liebe” bei Urlaub unter Wölfen)

K. denkt nicht mehr daran, dass ihm sein Junggesellendasein vielleicht fehlt. Daran, dass er irgendwie mal anders war. Es ist ihm nicht wichtig, dass er noch dies und jenes tun müsste und ab morgen wieder die ganze Woche schuften gehen muss, um das kleine Etwas und mich zu ernähren. Dass er vielleicht überfordert ist mit seiner Versorgerrolle. Dass er das Verlangen hat noch irgendwas “zu reißen” in seinem Leben und er nicht weiß, wie er das realisieren soll. Dass auch ihm die Zeit für sich und außerfamiliäre Aktivitäten fehlt.

Er freut sich einfach, dass sein Kind da ist. Er freut sich, dass sein Kind sich freut, wenn es ihn sieht. Dass es ihn mit “Papa” begrüßt und sich ihm in die Arme wirft. Über ihre kleinen Hände um seinen Hals, ihren kleinen P.o., der gerade noch so in eine seiner Hände passt, über ihre sprießenden Haare und darüber, dass sie für uns so vollkommen ist.

Er denkt daran, dass er die Hoffnung schon aufgegeben hatte. Dass er sich innerlich schon mit dem Gedanken angefreundet hat kinderlos älter zu werden. Dass er vor 2 Jahren nicht damit gerechnet hat, kaum anderthalb Jahre nach dem Kennenlernen seiner viel zu jungen Freundin doch noch Vater zu werden und tatsächlich eine Tochter zu bekommen, die er sich schon lange gewünscht hat. Er stellt sich vor, wie sie sein wird, wenn sie älter wird. Wenn sie beginnt zu laufen, zu sprechen und zu verstehen. Wenn er ihr Gute-Nacht-Geschichten vorliest und sie von ihrem Tag im Kindergarten erzählt.

Wir sind nicht gestresst. Wir fühlen uns wohl, verkatert wie wir sind. Wir hängen zusammen in P.s Zimmer ab und sind genau da, wo wir sein wollen. Zuhause.

SMS-Verkehr

K. fragt mich, nach einem eher unschönen Abend gestern, gerade per SMS: “Alles okay bei euch?”

Meine Antwort würde so aussehen:

“P. hat gerade ein großes GLAS Ananassaft in der Küche verteilt, das Glas ist kaputt und der Ananassaft so ziemlich überall. Während sie einen Tobsuchtsanfall bekommen hat, weil plötzlicher Anfall von “Ich bin völlig übermüdet und will JETZT meine Flasche, Mutter! SO-FORT!!!”, habe ich mir den Kopf an den verdammt niedrigen Dachschrägen, die dir an unserer Wohnung so gut gefallen haben, aufgehauen. Als ich P. die Flasche machen wollte, ist mir das Pulver umgekippt und hat sich mit dem Ananassaft vermengt. Ich habe es dann geschafft sie mit Flasche ins Bett zu legen und wollte noch schnell bevor ich das Chaos in der Küche beseitige, den Luftbefeuchter in meinem Zimmer aufstellen, was deiner Meinung nach gut für die Atemwege sein soll. Das mindestens 3 Kilo schwere Ding ist mir dann (vollständig gefüllt) vom Schrank auf den Kopf geknallt. Davon mal abgesehen, dass P. ihre Flasche zwar gemütlich geleert hat, ihr diese Verschnaufpause aber gereicht zu haben scheint und sie jetzt wieder am Brüllen ist, ist wirklich ALLES bestens.”

(-_-) Noch Fragen?

Zeigt her eure Kindheit!

Ich starte jetzt mal meine erste Mitmach-wie auch immer die verrückten Blogger sowas offiziell nennen-Staffelstab-Aktion:

Zeigt der Welt doch mal eine Seite (oder auch mehrere) aus eurem Kinder-Tagebuch oder Poesiealbum! Falls sowas nicht vorhanden ist, darf es auch gerne eine andere Erinnerung sein!

Warum? Weil ich das schön, nostalgisch, interessant und zum Herbst passend finde.

(Und jaaaa, ihr habt Recht, weil ich noch neu im Bloggerland bin und euch alle kennenlernen will, wozu mich alle anderen erstmal kennen lernen müssen ;) Also immer schön zum Initiator (nämlich mir ;-p) dieser Aktion verlinken!)

Ich geb direkt weiter an FRAU AGI von OUR LITTLE VIB und bedanke mich damit nochmal für den Super-Kommentar gestern :-* Würde mich freuen, wenn du mitmachst!

Ähm, ja. Willkommen in meinem 10-jährigen Hirn.Ich hab so ziemlich jede Woche einen anderen “Boy” toll gefunden.

Es gibt aber auch jede Menge “Ich bin jetzt mal ne Weile SingEL”-Seiten in diesem Tagebuch… Erwähnte ich, dass ich 10 war?! Nun ja. Da muss man sich schon ab und zu mal von dem harten Beziehungsalltag erholen…

Sehr beachtlich finde ich den letzten Satz auf der linken Seite: “Was ich komisch finde: Geri war die Anführerin der Spice Girls, und ausgerechnet sie geht.”

Das erklärt dann auch einiges. Endlich mal die Gefühle sortiert und übersichtliche Tortendiagramme für alle Kerle gemacht. Hätte man eigentlich später beibehalten sollen.

Freue mich schon auf eure Einträge :)

Streit. Es wird lauter.

Wir sind cholerisch. Wenn wir uns streiten brüllen wir uns nach wenigen Minuten an. Ich weiß das eigentlich vorher. Ich weiß, dass ich das eigentlich nicht will. Wenn es losgeht, versuche ich am Anfang noch halbwegs sachlich zu bleiben.

Er provoziert mich. Ich merke, wie ich wütender werde. Jedes Mal merke ich, wie mir in diesen Momenten seine Art auf den Sack geht. Wir können nicht streiten. Er will Recht haben. Ich will, dass er mal nachgibt. Er diskutiert bis aufs Messer, egal worum es geht und ob er oder ich das Ausgangsproblem haben. Er geht sofort in die Verteidigung. Es ist nicht wichtig, WAS ich anspreche. Sobald es ihn nur minimal kritisiert, ist alles verloren. Er geht sofort in eine Notwehr-Haltung. “Aber ich, aber ich, aber ich”.

Ich dreh noch durch! Mittlerweile passiert das fast täglich. Im Normalfall halten Streitthemen nie lange, es knallt kurz aber heftig. Aber selbst das ändert sich langsam bei mir. Ich merke, wie es mich jedes Mal tiefer trifft. Ich kann damit nicht umgehen. Streits können mal explosiv sein, aber ich ertrage nicht mehr, das jeder Kleinst-Konflikt eskaliert. Mein Kopf denkt mich kaputt. Ich will weg. Will mir das nicht mehr antun. Will nicht immer das Arschloch sein und danach die Wut in mich rein fressen.

Zum Teil sind die Kommunikationsprobleme wohl klischeehaft männlich-weiblicher Art. Ich will reden und klären. Er will… Ja. WAS will er eigentlich? Er will, dass ich aufhöre. Oder besser: Gar nicht erst mit irgendwas anfange. Problem. Es gibt nun mal Auseinandersetzungen. Es funktioniert nicht, dass er immer ablockt.

Es funktioniert auch nicht, dass ich immer weiter bohre, auch wenn ich will, dass er endlich einmal etwas einsieht oder zugibt. Was niemals passiert. Wir sind beide stur, wollen im Recht sein, das letzte Wort haben. Ich kann zumindest DAS so sehen. Wir BEIDE tun das so. Würde ich IHM das sagen, würde er mich auslachen. Er ist in seinen Augen völlig unschuldig. Ich provoziere, ich diskutiere, ich lasse nicht locker, ich fange an zu streiten.

Beispiel: Er sagt er steht am nächsten Morgen auf. Das Kind steht um acht an meinem Bett. Ich habe erst um vier schlafen können. Er beschwert sich, dass er müde sei. Ich will das nicht einsehen. Ich bin auch müde. Ich will auch mal schlafen. ich stehe ständig morgens auf und lasse ihn aus-schla-fen. Und viel wichtiger: ER hat gestern Abend zugestimmt, als ich fragte, ob er den Frühdienst mit P. übernehmen kann. Ich stecke das sehr, sehr, SEHR oft weg, wenn ich (trotz Abmachung) dann doch nicht ausschlafen kann. Das Thema hat letztens bereits einen Knacks bekommen, als er laut behauptete, dass er das Gefühl habe nie wieder ausschlafen zu können. Woraufhin ich anmerkte, dass ich ihn schon recht häufig ausschlafen lasse. Wie auch immer. Auch dieses Thema ist ausgeartet. Kann man nicht verstehen, dass ich mich angegriffen fühle, wenn er meine “Opfer” (“Gut, dann lass ich ihn mal schlafen, obwohl ich selbst…”) überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt und viel besser noch: Leugnet? (“Wann konnte ICH denn bitte das letzte Mal ausschlafen” – “LECK MICH!”). Der Morgen endet so, dass er in P.s Zimmer pennt und sie um acht an meinem Bett steht. Ich bin noch nicht mal sauer, werde aber langsam pissig, weil ich dann (selbstverständlich) aufstehe, während er friedlich in P.s Zimmer ratzt. Einige Minuten später sage ich zu ihm, dass es doch nett wäre, wenn er wenigstens mit aufstehen könnte. Die nachfolgende Diskussion endet mit schreienden Eltern, weinendem Kind und Kaffeesatz an der Küchenwand. Ich hänge hier und habe Wut im Bauch. Ich möchte ihn anbrüllen und sagen, dass ER mit der Scheiße angefangen hat. ER hätte aufstehen müssen, weil ER es gestern Abend zugesagt hat. Und ICH hätte schlafen müssen dürfen. Und zwar BIS ich wach werde. VON ALLEINE. Geben und nehmen. So läuft das. In meiner Welt.

Anstattdessen darf ich mir anhören, dass er keine Wahl gehabt hätte, “Nein” zu sagen und vieles in der Art. Großartig. Meine Lieblings-Nummer. Er antizipiert. Er verwendet immer und immer und immer wieder in Streitsituationen dieses Argument: “Ich hatte ja keine Wahl, denn du hättest etwas dagegen gehabt”. Das kommt, wenn es um Freizeitgestaltung geht, um abends weggehen, seine Meinung sagen oder halt früh aufstehen. Und ES KOTZT MICH AN. Ich werde das Thema an dieser Stelle nicht weiter ausführen, weil es vermutlich dazu führt, dass eine Menge Schimpfwörter in diesem Text auftauchen werden. Ich hasse es.

Es macht mich ohnmächtig. Ich fühle mich ungerecht behandelt, angegriffen, in meiner grundlegenden Persönlichkeit kritisiert. Ich kann das genauso wenig ab, wie er. Wer bin ich denn? Warum macht sein Kopf diese vertrocknete Alte aus mir? Hallo??? Als hätte ICH, gerade I-C-H ein Problem damit, wenn er abends rausgeht. Ich tue das viel häufiger als er. Als hätte ich irgendein Problem damit, wenn er sich abends ein verdammtes Bier vom Späti holt (hat er doch vor einigen Tagen tatsächlich behauptet). Ist das Ding mit der vollkommen überzogenen Rücksichtnahme nicht eigentlich ein Frauen-Ding? Dann brauch ich mich auch nicht über fehlende Leidenschaft wundern. Hätte ich so ein ätzend beschneidendes Bild von ihm in MEINEM Kopf, dann wäre ich auch grundlegend angepisst.

Und dann schreit man. Einer lauter als der andere. Und einer hat das Kind auf dem Arm. Ich find’s zum kotzen, dass wir uns nicht mal dann soweit unter Kontrolle haben. Man sieht es ihr richtig an: Sie weiß überhaupt nicht, was eigentlich los ist. Wenn nur einer schreit, weint sie recht schnell, weil sie vermutlich denkt, dass sie angeschrien wird. Schreien beide, ist sie einfach nur … verstört. Mann! ich will das nicht. Ich will kein Elternpaar sein, dass das Kind traumatisiert, weil man sich ständig anbrüllt wie zwei Bekloppte. Was soll man tun? Keiner von uns hat das scheinbar unter Kontrolle. Oder nur einer im entsprechenden Moment, wodurch der andere wieder so wütend wird, dass er am Ende doch auch ausrastet. “Warum bleibt der jetzt so scheiße ruhig?”

Ja. Man wird Eltern. Aber man bleibt auch Mensch. Was tun mit den eigenen unmöglichen Seiten, wenn sie sich nicht so ohne weiteres verbannen lassen? Aufgeben?

Äs is ä Kreuz.

Hmmm.

Kennt ihr das? Wenn der Kopf so vollgeknallt ist mit Schmonz, dass nur ein “Hmmm” rauskommt, wenn einer was konkretes wissen will?

Irgendwie bin ich ein bisschen überfordert. Weil wieder am Arbeiten, ein bisschen nur, aber doch zu viel, so zwischen Tür und Angel. Ohne KiTa. Immer nur in den Schlafpausen von P.. Und dann noch beschissen werden von unseriösen Auftraggebern. Versuchen sich nicht zu ärgern. Und man tut es ja trotzdem. Vertane Zeit. Verschwundenes Geld. Und wieder: Ärger.

Irgendwie bin ich ein bisschen sentimental. Das P. ist 1. Sie ist E-I-N-S. Um ihren Geburtstag herum haben wir alle paar Stunden auf die Uhr geschaut und überlegt, was wir ein Jahr zuvor gerade gemacht haben. Wie oft ich schon gestorben bin. Ob das P. schon da war. Was wir gedacht, gefühlt, erwartet haben. Wir haben abends meine Tagebücher rausgekramt und ich habe mich gewundert, dass ich tatsächlich ganz genau den Kreißsaal beschrieben habe. Ich weiß nicht wohin mit dieser Sentimentalität. K. meint, ich soll sie aushalten und genießen. Ich kann das nicht. Ich fühle mich immer wie ein Stein. Wo ist die Zeit hin, frage ich mich und weiß, dass diese Gedanken so mamamäßig klischeehaft sind. Ich weiß noch, wie ich schon am 2. Lebenstag von P. dachte: Ich begreife erst jetzt, was es heißt, dass jeder Tag einzigartig ist und genossen werden will. Manchmal schaffe ich es und manchmal nicht. Und manchmal ärgere ich mich am Ende des Tages, dass ich wieder den halben Tag nur damit beschäftigt war, darauf zu warten, dass P. schläft. Nur um irgendwas sinnloses zu machen. Dabei ist doch irgendwie jeder Moment ein bisschen kostbar.

Irgendwie bin ich ein bisschen herbstig. Der Sommer überfordert mich oft, weil er von mir verlangt ständig rauszugehen. Ja! Luxus-Probleme. Ich habe oft Couch-Potato-Phasen, in denen ich am liebsten den ganzen Tag in der Bude hängen will. Manchmal fühle ich mich draußen nicht wohl, das hat was mit meiner Gesundheit zu tun. Macht mein Kopf nicht mit, mit Kind. Man muss doch raus. Muss doch was sehen, von der Natur. Und überhaupt und sowieso. Abends habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht draußen war. Im Sommer kommt mir der nahende Herbst immer gelegen, weil ich mir einbilde, dass er mich weniger unter Druck setzen wird. Wenn er dann da ist, kotzt er mich an. Er ist grau und maximal fünf Tage bunt. Er macht mir bewusst, dass wieder fast ein Jahr durch ist. Er kündigt den Winter an. Er ist stürmisch und kalt und nass und bäh. Ich gebe zu viel Geld, was ich nicht habe, für “Funktions-Klamotten” aus, die ich meine zu brauchen.

Irgendwie bin ich ein bisschen frustriert. Die Uni hat wieder angefangen, aber nicht für mich. Ich habe keinen Platz für mein Wunsch-Studium (Soziale Arbeit) bekommen, obwohl die Hochschule bei mir um die Ecke ist und wir einen Platz in der Campus-KiTa sicher gehabt hätten. 3000 Bewerber. 70 Plätze. NC bei 1,4. Und nicht mal mit dem Durchschnitt sind alle Bewerber ins Studium bekommen. Ich kann das Wort “Zufallsgenerator” nicht mehr hören. Ich habe nur Chancen über den Härtefall-Antrag reinzukommen, aber (Zitat Studienberatung): “Das müssen Sie verstehen, Frau J., wir haben Ihren Antrag anerkannt und sie sind auch auf Platz 7 der Härtefälle. Aber dieses Jahr haben sich eine Blinde und ein Rollstuhlfahrer beworben, die haben natürlich Vorrang. Und das Kind können wir nicht berücksichtigen. Das haben Sie sich ja selbst ausgesucht.” Ähm. Ja. Ist klar. Muss ich ir-gend-was dazu sagen??? Die Paralympics der Studienbewerber. Mann ey. In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Irgendwie bin ich ein bisschen gekränkt. Die Gründe hier breitzulatschen (breit zu latschen?) ginge mir zu weit, deshalb verweise ich dezent auf folgenden Artikel von Svenja und füge hinzu, dass es bei uns umgekehrt ist.

Irgendwie bin ich ein bisschen dddoingggg. Weil ich eigentlich finde, dass man sich nicht ständig beschweren sollte(, was mich nicht daran hindert es trotzdem ständig zu tun). Weil ich eigentlich weiß, dass man sich prinzipiell glücklich schätzen sollte, hier leben, sich ein Lebensmodell aussuchen und halbwegs frei entscheiden zu können, wer, wie und was mein sein und leben möchte. Weil ich eigentlich denke, dass diese nervtötende prä-post-pubertäre-watweeßickwasfüreine-Phase auch irgendwann mal durch ist und man sich (so etwas ähnliches wie) arrangiert mit sich und der Welt. Weil ich eigentlich so glücklich über mein P. bin, die jeden Tag unglaubliche Fortschritte macht und anfängt mich zu verstehen.

Aber nun ja… Wie sagt man so schön? Irgendwas ist halt immer. Man möge mir den Schmonz aus dem Hirn schmeißen. BITTE!

GEBURTSBERICHT (2)

Heute vor einem Jahr:

… sind die Wehen langsam stärker geworden (10:00)

… hatte ich Hunger, konnte aber nichts essen (10:30)

… sind wir gezwungen worden spazieren zu gehen (11:00)

… sind die Wehen in 5 Minuten Abständen gekommen und ich musste veratmen (11:30)

… hab ich realisiert, dass es doch ein bisschen was anderes ist, als Regelschmerzen (12:00)

… sind meine Eltern gekommen (12:30) und bis zur Geburt geblieben… (Nur im Hintergrund! Danke dafür :-*)

… habe ich gedacht, dass es jetzt ja nicht mehr lange dauern kann (13:00)

… CTG und wehenfördernde Mittelchen (14:00)

… Wanne (15:00)

… Wanne (16:00)

… Wanne (17:00)

…. Höllenqualen, aber die Gewissheit, dass es nach der Wanne bestimmt gleich losgehen wird (17:30)

…. “Ja Frau J., ihr Muttermund ist jetzt 3 cm geöffnet.” (18:00)

… Ich sterbe (18:03)

… Wehenfördernde Mittel + Schmerzmittel (18:10)

… Hölle (18:30)

… Kotzen (18:40)

… bin ich nicht mehr aufnahmefähig (19:00)

… “Gut, der Muttermund ist jetzt 8 cm offen” (19:10)

… “Wir gehen jetzt in den Kreißsaal” (19:20)

… Schaffe ich es nicht vom Bett in den Kreißsaal (19:30)

… Kreißsaal (19:45)

… verlange ich eine PDA, weil ich sonst ohnmächtig werden würde (19:50)

… kommt der Anästhesist und labert mich voll (20:00)

… soll ich irgendwo unterschreiben (20:05)

… wird an mir rumgefummelt (20:08)

… sterbe ich zum 5. Mal (20:10)

… beschwöre ich mein Kind, damit aufzuhören (20:12)

… nehme ich es zurück und sage ihr, dass sie weitermachen soll (20:13)

… “Die Betäubung wirkt in etwa 20 Minuten” (20:15)

… bringe ich den Anästhesisten auf qualvolle Weise um (20:16)

… wirkt die PDA (20:30)

… habe ich endlich eine Pause und kann wieder atmen und reden (20:40)

… verspüre ich regelmäßig einen kleinen Druck (20:50)

… lässt die Wirkung der PDA wieder nach (21:30)

… rieche ich immer noch überall Curry (21:40)

… die PDA hört auf zu Wirken, die Wehen werden wieder stärker (21:50)

…. PRESSWEHEN setzen langsam ein (22:00)

… will ich nicht, dass die Hebamme immer weggeht (weil ich weiß, dass es noch dauert) (22:10)

… soll ich mehrfach die Position ändern (22:30)

… “Da muss was ganz großes durch was ganz kleines durch, das dauert (22:35)

… Sturmwehen (22:50)

… sollte ich pinkeln gehen – Trick von der Hebamme, weil ich immer zu sehr auf den Kopf gepresst habe (23:00)

… hat geklappt (23:05)

… “Frau J., ich sehe bereits die Haare ihres Kindes, sie hat eine Beule auf dem Kopf, das ist aber nichts schlimmes und geht wieder weg” (23:06)

… “Frau J., ihr Kind liegt bereits sehr lange im Becken… Sie liegt quer, deshalb dauert das so lange….” (23:07)

… “Sie veratmen jetzt noch 3 Wehen und dann holen wir ihr Kind!” (23:08)

… guckt die Hebamme plötzlich sehr ernst (23:10)

… werde ich schnell auf die Kreißsaal-Liege befördert und mir wird erklärt, dass jetzt alles schnell gehen muss, weil P. keine Luft mehr bekommt (23:12)

… kommen zwei weitere Hebammen rein, eine von ihnen stellt sich neben mich, begrüßt mich und wartet kurz… (23:13)

… auf die nächste Wehe (23:14) und wirft sich dann auf meinen Oberkörper, kurz unter meine Rippen und schiebt P. mit voller Kraft mit raus (23:15)

… sitzt P. ganz klein und zusammengesunken und grau und verquollen mit einer großen Beule auf dem Kopf bei der Hebamme auf der Hand (23:15)

… und gibt kaum einen Laut von sich (23:16)

… sterbe ich weitere 10 Tode, weil ich denke, dass sie es eventuell nicht schafft (23:17)

… kann die Hebamme mir  nicht sagen, dass alles okay ist, weil sie den Apgar-Test macht, woran ich nicht denke (23:18)

… schreit P. endlich (23:20)

… denke ich: “Es ist vorbei. Ich muss nicht mehr gebären. Keine Wehen mehr. Ich bin nicht mehr schwanger.” (23:21)

… denke ich: “Sie hat keine Augenbrauen. Warum hat sie keine Augenbrauen?” (23:22)

… denke ich: “Ich bin total überwältigt. Müsste ich nicht heulen können?” (23:23)

… bekomme ich mein Kind, in ein Handtuch gewickelt auf die Brust gelegt (23:24)

(Fortsetzung folgt)

GEBURTSBERICHT (1)

Heute vor einem Jahr:

- ist mir jetzt gerade die Fruchtblase geplatzt… (23:30)

- sind wir im Krankenhaus angekommen (0:00)

- wurde uns mitgeteilt, dass unser Kind in spätestens 48 Stunden da sein wird (0:30)

- hat das CTG schon leichte Wehen angezeigt, von denen ich aber noch nichts gemerkt habe (1:00)

- wurde K. nach Hause geschickt und ich in Zimmer No. 5 (1:30)

- sollte ich schlafen (1:45) – HA! HA!!

- habe ich an alles gedacht (dramatisch gesagt: Mein ganzes LEBEN zog an mir vorbei), außer an die Geburt (2:30)

- habe ich mit meiner besten Freundin telefoniert (3:00), die einen Schnaps auf mich getrunken hat

- habe ich mich gefragt, warum mir niemand gesagt hat, dass sich Wehen anfühlen wie dolle Regelschmerzen (03:30)

- konnte ich immer noch nicht schlafen (4:00)  - genau wie die drei Tage davor

- habe ich ein ziemlich gutes Schlafmittel bekommen (5:00)  (“Ich werde ALLES schaffen, ich bin Supermann! HAHA!)

- habe ich trotzdem nicht geschlafen (06:00)

- wurde es langsam wieder hell (06:30)

- habe ich K. angerufen (und gefragt, wo er bleibt… “Ich komme gleich”)

- Muttermund noch nicht geöffnet, CTG normal (07:00)

- war K. noch nicht wieder da (08:00)

- immer noch nicht (08:30)

- war ich langsam echt sauer (09:00)

- war er endlich da (09:30) “Sorry, ich bin noch mal eingeschlafen”

—- Forsetzung folgt —-

Edit
Übrigens: Alle die via Google wegen dem “Geburtsticker” bzw. “Schwangerschaftsticker” kommen… Die gibt es zum Beispiel hier und hier ;)

Im Zweifel für den Zweifel…

Die Tage sind zu kurz und die Gedanken irgendwie zu schwergängig, deshalb ist es hier relativ still geworden, obwohl ich gerade erst angefangen habe. Ich habe zur Zeit wieder den ein oder anderen Texterjob angenommen zur Aufbesserung der verdammt beschissenen (drei Ausrufezeichen ! ! !) finanziellen Situation in der wir gerade stecken. Ich hoffe nach wie vor, dass wir nur darin STECKEN und nicht darin versinken werden. Bin aber irgendwie zwischendrin auch guter Dinge und versuche das alte Punkrock-Herz rauszuschälen und “it’s just material, baby!” wirklich zu denken. Tu ich aber nicht. Es ist scheiße, wenn das Geld knapp ist. Es ist scheiße, scheiße, scheiße. Und es führt zu Problemen zwischen K. und mir. Und eigentlich gibt es darüber nicht viele Worte zu verlieren, aber im Kopf ist es trotzdem.

Wir haben es irgendwie nicht geschafft den Urlaub mit in den Alltag zu nehmen. Und das nervt mich. In Italien hat’s wieder gekribbelt zusammenzusein und es hat gefetzt, dass genau wir genau da waren. Das war verliebt. Vorher war die Grundstimmung bei uns schon eher mies und sobald das Kind im Bett lag, wollte jeder seinen kram erledigen, der andere war irgendwie sowas wie störend und die eigenen Gedanken immer latent in Richtung “Lass mich, nerv nicht, frag nicht.”. Und auch nichts los im Bett, was die Gesamtsituation nicht unbedingt verbessert hat.

Urlaub dann. Trotz Stress und einem Rieskrach war alles schönstens. Und die Entscheidung für ein zweites Kind ist gefallen. Mich hat das glücklich gemacht. Wahrscheinlich, weil ich mir dachte, dass da viel zwischen uns ist und viel davon groß, wenn er sich für eine Nummer 2 entscheidet. Ich war so voller Vorfreude und wollte das der ganzen Welt mitteilen. Das hab ich ärgerlicherweise auch getan. Hier im Leben, im Netz, im Herz. Alles war auf “Wir machen noch ein Baby” gepeilt.

Tja. Ja. Nein. Vielleicht.

Das Gefühl ist relativ schnell verschwunden. Direkt an den Urlaub folgte eine K.-MegahypersupervielArbeit-Woche. Und der Trott kam zurück. Ich hatte zum Glück im Urlaub recht viel verstanden, was mein unser Kind angeht. Dass SIE das ist, was ich gerade tue. Dass das eine ehrenvolle  und gute Beschäftigung ist und dass ich wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben in eine Situation kommen werde, in der ich mich ohne weitere Nebenverpflichtungen (m)einem Kind widmen kann. Seitdem geht es mir besser und ich spüre nicht mehr solche Zwänge, den Kopf zu füttern und die Tage vollzuknallen. Ich versuche unsere gemeinsame Zeit zu genießen und das klappt auch ganz gut. Obwohl K. in der Woche nach dem Urlaub de facto nicht Zuhause war, fühlte ich mich nicht überfordert mit P. und ich habe K. auch nicht verdammt, weil er mich mit dem Kind alleine lässt, (ich kann nicht bestreiten, dass ich vorher mal ab und zu Gedanken der Art hatte, wenn ich einfach ein liebes, im Idealfall schlafendes Kind wollte, um meinen Kram machen zu können. Und sei es nur mal in Ruhe zu denken und zu sich zu kommen).

(Okay, ich verstricke mich gerade)

Worauf ich hinaus will: Wir haben uns letzte Nacht richtig, richtig, RICHTIG gestritten. Wegen einer bescheuerten Aussage von K., die er seiner Meinung nach aber im Halb-Glimmer von sich gegeben hat. Es ging um unsere Nr. 2. Der Tag gestern war sehr, sehr schön, das kleine P. war Zucker, wir sentimental, weil der 1. Geburtstag ansteht. Wir haben einfach Zuhause rumgegammelt, wir drei. Und wir waren wirklich so sehr wir drei. Das hat mich dazu veranlasst “nachts” (gegen 22 Uhr) zu bemerken, wie schwer es mir fällt, mir an solchen Tagen vorzustellen, dass da noch mal so viel Gefühl für ein 2. Kind sein kann und (davon abgesehen) dass ich mich frage, ob wir das wirklich schaffen werden mit einer kleinen P., die kaum 2 Jahre alt ist und einem Neugeborenen. Er war wohl schläfrig und antwortete für mich nicht nachvollziehbares auf die Frage, ob er die Nummer 2 auch wirklich will… Wie auch immer, alles ist ausgeartet und am Ende habe ich geheult und er gebrüllt und alles war kacke.

Und heute? Heute zweifle ich. Und ich weiß nicht, wie viel das mit den blöden Antworten seinerseits zu tun hat, die er ja nicht so gemeint haben will. In seinen Antworten war kein “wir” und das hat mich verletzt. Es klang, als hätte er damit nichts zu tun. Vermutlich war ich auch mal wieder in meiner Kitsch-Stimmung und wollte ein bisschen romantisch rumsülzen, möglichst inhaltsfrei (“Ja Schatz, natürlich will ich ein 2. Kind mit der tollsten Frau der Welt” zum Beispiel) und kein “Musst du ja wissen und jetzt lass mich schlafen” (Ja! Ich übertreibe!).

Ich hab mir heute versucht uns vorzustellen, uns 4. Und ich habe uns überfordert gesehen. Ich bilde mir ein, mich ertappt zu haben. Ich möchte auf jeden Fall ein 2. Kind. Aber vielleicht möchte ich es nicht jetzt. Ich glaube, der Gedanke das mehr oder weniger unfreiwillige zweite Jahr Elternzeit mit einer Schwangerschaft und einem weiteren persönlichen “Großereignis” am Ende (klingt das jetzt sehr furchtbar?) wortwörtlich zu “füllen”, hat mir gefallen und den Wunsch verstärkt… Andererseits denke ich immer noch, dass es auf lange Sicht gesehen eine gute Entscheidung wäre. Die positiven Dinge daran, dass ich schon früh meine beiden Kinder bekommen habe und diese einen kurzen Abstand zueinander haben, würden wir aber erst nach vermutlich recht anstrengenden Anfangsjahren (mit zwei sehr kleinen Kindern) haben… Ich weiß es nicht. Ich will einerseits und finde unsere Gedanken und Argumente überzeugend, andererseits habe ich Angst und bin mir nicht sicher, ob es nicht “zu viel des Guten” wäre. Wir würden es schaffen, wenn es passieren würde. Aber sollten wir es wirklich darauf anlegen?

Ich bin verwirrt.