Sie klebt.

Und zwar an MIR!

Jeder anderweitige Personenkontakt wird weitgehend verweigert. Andere Menschen sind aber auch äußerst furchteinflößend. Papa zum Beispiel. Oder das seltsame Kind im Spiegel. Oder Oma. Alle komisch.

Das ist jetzt in etwa die dritte und bisher schlimmste Fremdel-Phase oder besser: Anhänglichkeits-Phase. Das fing in Italien schon an (okay, ungewohnte Umgebung), dann ging es hier weiter (okay, Umstellung auf Zuhause) und hört auch nach zwei Wochen nicht auf (okay, ich habe abgestillt. okay, sie ist krank).

Sie wirft sich entrüstet auf den Boden, wenn ich kurz auf Toilette gehen will. Sie setzt sich fordernd auf die Schienbeine und streckt mir die Arme entgegen – das heißt: „Ich will JETZT auf deinen Arm. S-o-f-o-r-t!“ Manchmal bekomme ich diese „Aufforderung“ allerdings nicht mit und steige über sie hinweg, wenn sie mir „im Weg“ sitzt. Das darauf folgende Schauspiel hat sich gewaschen: Da wird getreten und gezetert und sich auf den Boden geworfen (bevorzugt mit dem Hinterkopf zuerst) und keine Ruhe gegeben, bis sich endlich komme und sie hoch nehme. Und vor allem: Nicht wieder irgendwo absetzen. Das würde mir ja so passen, jetzt, wo ich e-n-d-l-i-c-h gekommen bin, um sie rumzuschleppen, gibt sie diese hart erkämpfte Position – verständlicherweise – so schnell nicht wieder auf.

Zugegeben: Oft finde ich das geradezu rührend und ich kann es auch wirklich nachvollziehen. Das Stillen fehlt und sie braucht jetzt doppelt so viel Nähe. Sie entdeckt ihre Welt mal wieder neu, ist auch sehr interessier im Moment und fühlt sich zudem nicht wirklich wohl in ihrer Haut, weil sie krank ist. Außerdem verbringen wir auch sehr viel Zeit zu zweit. Aber oft ist es dann doch mehr als schwer zu organisieren. Wohin mit dem Klebstoffkind beim Kochen? Wenn man aufs Klo will. Oder sich waschen, umziehen, Schuhe anziehen, irgendwas schweres/giftiges/klebriges/heißes bewegen. Oder wenn der Arm irgendwann einfach mal weh tut… Oder man (man möge es mir verzeihen) einfach mal 5 Minuten ohne Anhang sein will.

Weil mich so etwas interessiert (und euch vielleicht und hoffentlich auch) folgt jetzt mein erster „Magazintext“ zum  Thema:

➷➷➷ FREMDELN & ANHÄNGLICHKEIT

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