Im Zweifel für den Zweifel…

Die Tage sind zu kurz und die Gedanken irgendwie zu schwergängig, deshalb ist es hier relativ still geworden, obwohl ich gerade erst angefangen habe. Ich habe zur Zeit wieder den ein oder anderen Texterjob angenommen zur Aufbesserung der verdammt beschissenen (drei Ausrufezeichen ! ! !) finanziellen Situation in der wir gerade stecken. Ich hoffe nach wie vor, dass wir nur darin STECKEN und nicht darin versinken werden. Bin aber irgendwie zwischendrin auch guter Dinge und versuche das alte Punkrock-Herz rauszuschälen und „it’s just material, baby!“ wirklich zu denken. Tu ich aber nicht. Es ist scheiße, wenn das Geld knapp ist. Es ist scheiße, scheiße, scheiße. Und es führt zu Problemen zwischen K. und mir. Und eigentlich gibt es darüber nicht viele Worte zu verlieren, aber im Kopf ist es trotzdem.

Wir haben es irgendwie nicht geschafft den Urlaub mit in den Alltag zu nehmen. Und das nervt mich. In Italien hat’s wieder gekribbelt zusammenzusein und es hat gefetzt, dass genau wir genau da waren. Das war verliebt. Vorher war die Grundstimmung bei uns schon eher mies und sobald das Kind im Bett lag, wollte jeder seinen kram erledigen, der andere war irgendwie sowas wie störend und die eigenen Gedanken immer latent in Richtung „Lass mich, nerv nicht, frag nicht.“. Und auch nichts los im Bett, was die Gesamtsituation nicht unbedingt verbessert hat.

Urlaub dann. Trotz Stress und einem Rieskrach war alles schönstens. Und die Entscheidung für ein zweites Kind ist gefallen. Mich hat das glücklich gemacht. Wahrscheinlich, weil ich mir dachte, dass da viel zwischen uns ist und viel davon groß, wenn er sich für eine Nummer 2 entscheidet. Ich war so voller Vorfreude und wollte das der ganzen Welt mitteilen. Das hab ich ärgerlicherweise auch getan. Hier im Leben, im Netz, im Herz. Alles war auf „Wir machen noch ein Baby“ gepeilt.

Tja. Ja. Nein. Vielleicht.

Das Gefühl ist relativ schnell verschwunden. Direkt an den Urlaub folgte eine K.-MegahypersupervielArbeit-Woche. Und der Trott kam zurück. Ich hatte zum Glück im Urlaub recht viel verstanden, was mein unser Kind angeht. Dass SIE das ist, was ich gerade tue. Dass das eine ehrenvolle  und gute Beschäftigung ist und dass ich wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben in eine Situation kommen werde, in der ich mich ohne weitere Nebenverpflichtungen (m)einem Kind widmen kann. Seitdem geht es mir besser und ich spüre nicht mehr solche Zwänge, den Kopf zu füttern und die Tage vollzuknallen. Ich versuche unsere gemeinsame Zeit zu genießen und das klappt auch ganz gut. Obwohl K. in der Woche nach dem Urlaub de facto nicht Zuhause war, fühlte ich mich nicht überfordert mit P. und ich habe K. auch nicht verdammt, weil er mich mit dem Kind alleine lässt, (ich kann nicht bestreiten, dass ich vorher mal ab und zu Gedanken der Art hatte, wenn ich einfach ein liebes, im Idealfall schlafendes Kind wollte, um meinen Kram machen zu können. Und sei es nur mal in Ruhe zu denken und zu sich zu kommen).

(Okay, ich verstricke mich gerade)

Worauf ich hinaus will: Wir haben uns letzte Nacht richtig, richtig, RICHTIG gestritten. Wegen einer bescheuerten Aussage von K., die er seiner Meinung nach aber im Halb-Glimmer von sich gegeben hat. Es ging um unsere Nr. 2. Der Tag gestern war sehr, sehr schön, das kleine P. war Zucker, wir sentimental, weil der 1. Geburtstag ansteht. Wir haben einfach Zuhause rumgegammelt, wir drei. Und wir waren wirklich so sehr wir drei. Das hat mich dazu veranlasst „nachts“ (gegen 22 Uhr) zu bemerken, wie schwer es mir fällt, mir an solchen Tagen vorzustellen, dass da noch mal so viel Gefühl für ein 2. Kind sein kann und (davon abgesehen) dass ich mich frage, ob wir das wirklich schaffen werden mit einer kleinen P., die kaum 2 Jahre alt ist und einem Neugeborenen. Er war wohl schläfrig und antwortete für mich nicht nachvollziehbares auf die Frage, ob er die Nummer 2 auch wirklich will… Wie auch immer, alles ist ausgeartet und am Ende habe ich geheult und er gebrüllt und alles war kacke.

Und heute? Heute zweifle ich. Und ich weiß nicht, wie viel das mit den blöden Antworten seinerseits zu tun hat, die er ja nicht so gemeint haben will. In seinen Antworten war kein „wir“ und das hat mich verletzt. Es klang, als hätte er damit nichts zu tun. Vermutlich war ich auch mal wieder in meiner Kitsch-Stimmung und wollte ein bisschen romantisch rumsülzen, möglichst inhaltsfrei („Ja Schatz, natürlich will ich ein 2. Kind mit der tollsten Frau der Welt“ zum Beispiel) und kein „Musst du ja wissen und jetzt lass mich schlafen“ (Ja! Ich übertreibe!).

Ich hab mir heute versucht uns vorzustellen, uns 4. Und ich habe uns überfordert gesehen. Ich bilde mir ein, mich ertappt zu haben. Ich möchte auf jeden Fall ein 2. Kind. Aber vielleicht möchte ich es nicht jetzt. Ich glaube, der Gedanke das mehr oder weniger unfreiwillige zweite Jahr Elternzeit mit einer Schwangerschaft und einem weiteren persönlichen „Großereignis“ am Ende (klingt das jetzt sehr furchtbar?) wortwörtlich zu „füllen“, hat mir gefallen und den Wunsch verstärkt… Andererseits denke ich immer noch, dass es auf lange Sicht gesehen eine gute Entscheidung wäre. Die positiven Dinge daran, dass ich schon früh meine beiden Kinder bekommen habe und diese einen kurzen Abstand zueinander haben, würden wir aber erst nach vermutlich recht anstrengenden Anfangsjahren (mit zwei sehr kleinen Kindern) haben… Ich weiß es nicht. Ich will einerseits und finde unsere Gedanken und Argumente überzeugend, andererseits habe ich Angst und bin mir nicht sicher, ob es nicht „zu viel des Guten“ wäre. Wir würden es schaffen, wenn es passieren würde. Aber sollten wir es wirklich darauf anlegen?

Ich bin verwirrt.

6 Kommentare zu “Im Zweifel für den Zweifel…

  1. mhm. also ich bin ja der meinung, dass ein kind nur in eine stabile beziehung geboren werden sollte. ich will damit nicht behaupten, dass es eure nicht wäre, sondern nur, dass ihr euch dessen zumindest sicher sein solltet. sicher würdet ihr irgendwie klar kommen, wenn es einfach passieren würde.. aber du selbst zweifelst ja daran, ob das reicht, ob ihr es darauf anlegen solltet. und ich glaube nicht, dass das reicht um mit vollem herzen „JA!“ zu einem zweiten kind zu sagen. mein rat wäre folglich: werdet euch eurer selbst sicher. du für dich, er für sich und ihr für euch als paar.
    ich kann deine beschreibung von jenem abend ziemlich gut nachvollziehen. solche ähnlichen auseinandersetzungen hatten wir phasenweise auch (auch wenns dabei (noch) nicht um ein zweites kind ging, aber der kern war derselbe). angesichts der tatsache, dass es bei uns nun wieder rosazuckerwattewelt herrscht, würde ich behaupten, dass dieser große streit nicht eure ganze beziehung anzweifeln lässt. aber er macht schon deutlich, dass es wohl unsicherheiten gibt. (vor allem bei ihm wirkt es so, aber ich kann mich natürlich auch irren). es hilft alles nichts: ich denke, ihr solltet darüber reden. in einem ruhigen moment. vielleicht das kindprojekt außenvor lassen und nur sehen, was von euch als paar noch da ist und wo vielleicht etwas verloren gegangen ist. man kann ja alles wiederfinden, weisst du, man muss es nur wollen. ich drück dir die daumen, dass es sich so fügt, wie du es dir wünscht ♥

  2. Oh, ich hoffe, ihr habt euch dann gut wieder vertragen? So unbedachte Äußerungen, die dann später doch nicht so gemeint waren, können echt blöd sein, gerade wenn noch Stress und Müdigkeit dazukommt, passiert sowas bei uns auch ab und zu.

    Ich will ja auch irgendwann noch ein zweites Kind, aber abgesehen davon, dass mein Freund da jetzt nicht mitmachen würde, möchte ich auch selbst noch ein paar Jahre warten und erstmal studieren um vielleicht unsere finanzielle Situation doch irgendwann nochmal verbessern zu können. Außerdem schreckt mich auch die Vorstellung 2 Kleinstkinder auf einmal zu haben, ich weiß ja auch nicht ob das zweite wieder so „pflegeleicht“ werden wird wie das Erste.
    Aber natürlich gibt es auch gute Argumente für einen kleinen Altersabstand. Wenn man beide Kinder kurz hintereinander bekommt, muss man dann später nicht nochmal ganz von vorne anfangen, wenn das erste schon aus dem Gröbsten raus ist, sie können gut miteinander spielen… Ich kann mir vorstellen, dass das eine schwierige Entscheidung sein kann.

  3. so, ich habe lange überlegt ob ich überhaupt was dazu schreibe, denn zwangsläufig bringt das auch die gedanken über die eigene situation wieder ins kreisen.

    als ich gelesen habe, dass ihr an kind nummer 2 basteln wollt, war ich zuallererst sehr neidisch.
    wie bekommen andere paare das hin, eine offensichtlich so stabile und harmonische beziehung zu führen, dass sie überhaupt noch über ein 2.kind nachdenken können?!? so kurz nach dem ersten? und wie schaffen die das, überhaupt das dafür notwendige zu praktizieren?

    daher hat es mich ein bisschen beruhigt, zu lesen, dass es anscheinend doch ganz normal ist, wenn nicht alles glatt läuft.
    wenn auch bei anderen die nerven mal blank liegen, die fetzen fliegen, lebenentwürfe aufeinander prallen. (und man den abend gemeinsam schweigend in unterschiedlichen zimmern verbringt…)

    ich schreib jetzt einfach mal ein bisschen was von meinem kopfsalat dazu auf, was mir so täglich durch den kopf schwirrt:

    1. ich bin definitiv für einen kurzen abstand zwischen geschwistern, finde gemeinsames aufwachsen toll und man ist halt noch nicht so freiheits-verwöhnt, wie man das bei einem 8jährigen wäre.
    trotzdem sehe auch ich ein, dass ich es mir ehrlich gesagt, momentan noch nicht vorstellen kann, tatsächlich 2 kleine wurschtel angemessen zu versorgen, ohne dabei durchzudrehen.
    ich fürchte, männer sehen das oft realistischer.
    das tut weh.
    ich möchte grenzenlose energie besitzen, alles schaffen können, was ich will, keine persönlichen limits haben.

    2. ein kind zu haben macht ja einfach auch spaß.
    es ist so toll, solch einen wurm zu lieben, dass frau dieses gefühl natürlich gern ins unendliche multiplizieren würde.
    schwanger zu sein ist auch aufregend (in der vorstellung), eine 2. geburt eine neue herausforderung – denn irgendwie ist der alltag bei aller herzenswärme dann doch eintönig.

    3. es nervt, in dieser hinsicht noch von jmd anderen abhängig zu sein.
    wäre es allein meine entscheidung, würde ich meinen wunsch nach einem 2. kind sicher vorsichtiger formulieren und genauer überdenken.

    4. warum will ich überhaupt noch ein weiteres kind?
    stelle ich mir die zukunft dann einfacher vor? wird dadurch die beziehung besser/fester?

    5. was fehlt momentan in meinem leben, damit ich vollkommen/halbwegs glücklich bin und zufrieden mit dem bin, was ich habe? warum habe ich das gefühl, ich bräuchte noch mehr?

    letztendlich ist es wohl das typische hätte-wäre-könnte: wissen, ob die beziehung stabil genug ist, die eigene kraft ausreicht, es die totale erfüllung wäre oder ein alptraum usw… wird frau es erst, wenn frau es macht. (oder auch nicht und ob das nicht-tun die richtige entscheidung ist, wird sich auch erst in der zukunft zeigen.)

    ich wünsch dir/euch eine weise entscheidung mit der alle beteiligten leben können!

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