Welt-Gedanken: Fragen und Widersprüche

Es läuft vieles schief auf diesem Planeten. Ich hadere immer und immer wieder mit widersprüchlichen Grundsatzfragen, auf die ich keine Antwort weiß. Vielleicht kennt ihr ja welche…

Thema: Konsum, Globalisierung, Fairtrade. Aufhänger für mich – davon abgesehen, dass ich mir über diese Themen ständig wieder das Hirn zermartere  – ist eine Reihe, die aktuell montags im Ersten läuft: Markencheck. Der letzte drehte sich um Lidl, morgen geht es um McDonalds (sick!) und am 23.01. wird H&M unter die Lupe genommen – das interessiert mich persönlich am meisten. Im Netz habe ich außerdem noch ältere Markenchecks zu Ikea, Ferrero, Aral und Aldi gefunden – die liefen im Herbt 2011 im WDR (aktuell sind die auch noch in der WDR Mediathek zu finden).

So.

Ich persönlich bin in meiner Altersgruppe vermutlich ein ziemlich durchschnittlicher Verbraucher, würde ich sagen. Essen kaufe ich zum Beispiel hauptsächlich bei Rewe oder im Bioladen, wenn ich es mir leisten kann. Auch mal bei Netto. Und selten bei Aldi. So gut wie nie auf dem Markt. Meine Klamotten sind fast ausschließlich von H&M. Die Einrichtung meiner Wohnung besteht zu 89% (wenn nicht sogar mehr) aus Ikea-Möbeln. Drogeriebedarf  bei dm. Oder Rossmann. Oder Schlecker. Alles hier in der Nähe. Ich arbeite gerne mit den Rechnern von Apple.

Und: Ich fühle mich nicht unbedingt gut dabei.

Da tun sich Abgründe auf:

Wie soll man sich in der westlichen* Welt (als „Normalverbraucher“) verhalten?

Was ist richtig?

Es ist ziemlich klar, dass ein Shirt für 4,95 Euro nicht oder nur schwer fair sein kann. Das wird noch deutlicher, wenn man die Etiketten studiert: Made in China, Indonesia, India, Bangladesh.

Es ist ziemlich klar, dass irgendwas komisch ist, wenn man im Supermarkt (und auch in den meisten Obst- und Gemüseläden)  nur sehr schwer oder gar nicht Obst und Gemüse aus der Region oder wenigstens aus Deutschland bekommt. Frischware also, die nicht in Israel oder Südafrika geerntet, in Polen gewaschen und in Südspanien verpackt wird.

Es ist aber auch ziemlich schwierig die ganze Zeit „ökologisch, fair und ökonomisch“ zu leben. Bio aus dem Bioladen oder Reformhaus – bei uns gibt es sogar einen großen Biomarkt inklusive Drogerieartikel und Klamotten – ist einfach teuer. Ich kann mir das nicht immer leisten.

Also mehr schuften, damit man fair leben kann und die eigenen Ansprüche runterschrauben. Aber ist die Antwort wirklich:

Mehr Arbeiten um „korrekt“ leben zu können?

Ich weiß nicht, ob das die Antwort ist. Oft  begibt man sich in ein weiteres Karussell aus Fragen und Widersprüchen. Wenn man selbstständig arbeitet und etwas macht, was man selbst gut vertreten kann, dann ist die finanzielle „Ausbeute“ meist nicht die beste. Jedenfalls keine, die regelmäßig einen Wocheneinkauf für die Familie im Biomarkt für etwa 100 Euro, statt 40 bis 60 zulässt. Wer dick „Kohle machen“ will und kann, dem ist es vielleicht auch egal. Es stellt sich oft der nächste Fragenkatalog: Für wen soll und kann ich arbeiten? Wer ist heutzutage nicht in irgendetwas krummes verstrickt? Widerspricht viel Gewinn nicht irgendwie prinzipiell meinen eigenen Grundsätzen??

Was ist fair?

Es ist natürlich zum Kotzen, dass die Näherin, die mein Shirt genäht hat, unter beschissensten Bedingungen ihren Hungerlohn „verdient“. Bis zu 16 Stunden Arbeit in Fabriken, die in Sachen Arbeitsschutz und Arbeiterrechte unter aller Sau sind. Widrigste Bedingungen. Ein „Lohn“, der diesen Namen nicht mal verdient hat. Trotz der Plackerei Hunger, Armut, keine Bildung für die Kinder. Kinderarbeit. Das ist schlimm. Sehr schlimm. Was kann ICH in meinem Alltag tun?

Wo kann man denn überhaupt einkaufen?

Und dann ist da auch noch die Frage: Ist das überhaupt die richtige Herangehensweise? Wenn ich (und sehr viele mehr) zum Beispiel H&M boykottieren würden. Würde dann nicht die Näherin aus Bangladesch ihren Job verlieren? Ein aussichtsloser Teufelskreis und Abwägungen, die kaum zu ertragen sind… Ist es „besser“, dass diese Leute einen beschissenen Job haben oder ist es nicht noch schlimmer, wenn sie gar keinen haben?? Wie kann man solche Ketten dazu bewegen, mehr für ihre Klamotten zu verlangen, sodass die Leute ordentlich entlohnt werden und wenigstens unter normalen Bedingungen arbeiten können.

Und ist es jetzt „gut“ zu versuchen nur noch regionale Produkte zu kaufen? Zum Beispiel über Ökokisten oder ähnliches. Milch und Eier beim Bauernhof um die Ecke, wenn denn da einer sein sollte. Was wäre das Resultat, wenn das alle machen würden? Wäre das wirklich „richtig“?

Oder alles selfmade?

Selbst wenn man sich entscheidet zum Beispiel Klamotten nicht mehr zu kaufen, sondern zu nähen: Ist der Stoff denn „fair“? Wo kommt die Baumwolle her? Auch die Bauern, die diese in irgendwelchen Schwellen- oder Dritte Welt-Ländern anbauen werden meistens viel zu schlecht bezahlt.

Und wenn ich selbst nähe und selbst anbaue und mich nur noch von „Eigenproduktion“ ernähre – Stichwort Selbstversorgerzelle. Nieder mit dem Handel! Nieder mit der Wirtschaft! Ich bin raus! Ist das der Weg??? Sind wir dann nicht irgendwann wieder im Mittelalter??? Wäre das „gut“, „richtig“ und „fair“?

Höhere Ebenen!

Eins dürfte wohl relativ klar sein: Der einzelne scheint an den aktuellen globalen Umständen wenig bis nichts ändern zu können. Die wohl sinnvollste Reaktion und Aktion dürfte wohl sein: Versuchen die Sache politisch anzugehen. Bestrebt sein, die Politik zum Handeln und Ändern zu bewegen. Wie realistisch ist es, dass etwas passiert? Und vor allem: WAS soll und muss eigentlich passieren, damit es „besser“ wird? Wie geht das, dass alle die gleichen Voraussetzungen und Bedingungen haben?

Ich bin verwirrt und überfordert. Und nicht nur ich, oder?

Wer sieht denn noch durch? Das ist alles viel zu verworren. Begreift noch irgendjemand diese vielschichtigen Strukturen, diese tonnenschwere Probleme? Diesen Sumpf aus Korruption, Geld, Macht und Sklaverei. Es gibt viel zu viele unterschiedliche Interessen und Ausgangssituationen weltweit. Zu viel Geschichte. Und zu viele Arschlöcher.

Ich will das nicht!

Ich will nicht, dass sich Menschen unter abartigen Bedingungen „für uns“ versklaven, damit wir unseren Lebensstandard halten können! Was können wir tun?? Was ist der richtige Weg???

Was meint ihr?

*Edit: Vormals stand hier „westlich zivilisierte Welt“. Allerdings hat Luc mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Begriff bescheuert ist und in die absolut falsche Richtung geht. Deshalb hab ich ihn nachträglich entfernt.

14 Kommentare zu “Welt-Gedanken: Fragen und Widersprüche

  1. Um ganz ehrlich zu sein, diese Thema ist mir zu kompliziert. Ich kaufe ein, wie es gerade passt. Meine Lebensmittel kaufe ich meist in Billigsupermärkten. Wenn ich anstatt 80€ nur 45€ zahle, hat mein Konto es besser. ICH kann es mir nicht leisten woanders mein Geld zu lassen, solange es auch hier in Dt so viel Ungerechtigkeit herrscht. Jeder sollte zuerst vor seiner eigenen Tür kehren, bevor er andere Hauseingänge putzt.

  2. nun. wenn ich mal so mich und meine familie betrachte. mein mann verdient gut. und wir leben dementsprechend auch gut. wir wohnen in einem kleinen reihenhäuschen, haben einen mittelklassewagen, leisten uns oft auswärts essen, ausflüge, eintritte. das kind hat ein bett, das sie benutzen kann und trotzdem haben wir nun ein neues gekauft. nur weil es „noch besser“ passt. gestern ein neuer teppich, heute bestellen wir die möbel, demnächst eine neue dusche und all so scherzchen. dafür kaufen wir hauptsächlich im aldi. beziehen klamöttchen meist runtergesetzt. ernähren uns eher schlecht als recht. aber: wir hätten die wahl. statt eines teppichs im wohnzimmer oder neuer möbel für die tochter könnten wir locker 3 monate nur im bioladen anstatt im aldi einkaufen gehen. mir ist zwar klar, dass das nicht für jeden gilt und manche sich weder auto noch gesundes und faires essen kaufen können, aber genauso gibt es sicher viele leute, die (genau wie wir) wählen könnten. wer hat wohl eine wohnung, in der nicht einfach massig zeug rumsteht? zeug, dass einfach luxus ist, selbst wenn man glaubt, man bräuchte es? es gibt in dem bereich ja auch genug experimente und soweit ich mich erinnere reichen uns so rund 100 gegenstände um immernoch halbwegs „komfortabel“ leben zu können. was ich damit sagen will (und ich beziehe das auch nicht auf dich, weil ich um eure lebensverhältnisse ja gar nicht weiß): viele hätten die wahl. und sie wählen auch. sie entscheiden sich nur hauptsächlich für „unfair“.
    aber so insgesamt: wir überlegen auch. allerdings aus andren gründen. ich schaue nur bedingt auf „fair“ oder „nicht fair“. in erster linie bin ich egoistisch. ich möchte das, was für mich gut ist. und wenn ich _daneben_ auch noch einen beitrag zur umwelt/fairen arbeitsbedingungen/sonstwas leisten kann, dann freut es mich. aber auch nur dann. was für mich „gut“ ist, bewegt sich aber auch weg von h&m und aldi. vor allem die lebensmittelindustrie ist etwas, was mich immer wieder erschreckt. man muss gar nicht tief graben um praktisch von einem skandal in den nächsten zu rutschen. und in der bekleidungsindustrie sieht es nicht wesentlich besser aus. mein weg hier ist übrigens: second hand. klar, sind auch diese kleidungsstücke mal unter fiesen bedingungen hergestellt worden, soweit denke ich auch noch. aber für mich ist das ein guter kompromiss.
    aber so umfassend alle pros und contras berücksichtigen geht vermutlich nicht. ich wüsste jedenfalls nicht im ansatz, welcher weg „der richtige“ sein sollte. denn wie du ja selbst schon gesagt hast, es folgt immer ein ellenlanger rattenschwanz. die frau ganz ohne job in china eben. oder wie auch immer. ich weiß nicht, was besser ist. ich kann es nicht beantworten.
    tja. langsam setzt bei mir aber auch ein denkprozess ein. es kann nicht sein, dass eine pizza für 99Cent unter „fairen“ bedingungen produziert wurde. wir hätten gerne „gut“, „fair“ und „billig“ in einem produkt vereint, aber das läuft halt nicht. so langsam lerne ich, dass nahrung, kleidung und alles eben einen gewissen wert hat. haben muss. nun ja. aber was das (wenn es denn dann mal vollständig in meinem kopf angekommen ist) dann für meinen alltag bedeutet, kann ich noch nicht sagen. man wird sehen.

    und jetzt reichts mal, mein blabla. :)

    • Danke dir… Ich stelle gerade fest, dass es doch ein sehr breites Spektrum an Meinungen gibt zu diesem Thema… Wahrscheinlich, weil es halt alle was angeht, jeder konsumiert ja. Ich erwische mich regelmäßig bei so selbstmitleidigen (Blöd-)Gedanken wie „Warum kann ich nicht in einer anderen Zeit leben, in der alles noch „einfacher“ war… Oder: „Warum muss ich ein Mensch sein? Warum kann ich nicht ein Schwein sein.“ (Wobei hier das eine das andere natürlich nicht ausschließt)

      Wichtig ist allemal: Dass diese Sachen ins Bewusstsein rücken. Dass es der Masse immer wichtiger wird auch darauf zu schauen. Mit Bio hat es z.B. ja schon mehr oder weniger geklappt – da sind die Anbieter der Nachfrage gefolgt. (wobei da natürlich fragwürdig ist, wie Bio das Bio von Aldi ist…)

  3. ich glaube, dass man an Klamotten schlicht und einfach sparen kann. Seit ich mir angesichts eines lächerlich vollen Kleiderschranks vorgenommen habe, nur noch Zeug zu kaufen, das nicht aus Plastik ist und von dem ich nicht schon 2 Varianten habe, konsumiere ich weniger und überlegter und kann es mir leisten, in der EU hergestellte Sachen zu kaufen (ich habe nicht viel Geld). Die Kleidungsindustrie, die erwachsenen Frauen sagt, dass es nicht nur Sommer- und Winterkollektion gibt, sondern auch Frühjahrs-, Herbst- und Urlaubsmode, darüber hinaus Partykleidung und Klamotten für Arbeit und Freizeit lebt von der Idee, dass man sich selbstverwirklichen kann mit dem was man trägt und ernährt sich von unseren Unsicherheiten. Sicher auch hier gilt: Spaß an Klamotten haben ist voll ok, aber alles eben in einem vernünftigen Rahmen.
    Essen finde ich auch schwierig. Leicht ist es ja, einfach keine Fertigsachen zu kaufen und Obst und Gemüse nach Saison. Ich achte schon darauf, dass alles mindestens aus Europa ist (Aber: Ich hab fast immer Bananen da. das ist falsch), aber alles bio ist nicht drin.

  4. Gute Fragen, ehrlich.
    Denn auch die Klamotten aus dem Weltladen zB werden in Indonesien,Bangladesh und Indien produziert. Aber der Schwerpunkt ist halt der, dass die nicht ausgebeutet werden, sondern sich ebenfalls ein halbwegs gutes Leben leisten können.
    Ich würd mal sagen, die Hälfte der Alltagslebensmittel bio, der Rest vom Supermarkt, das Gleiche bei der Kleidung mit ein bisschen Selfmade (verleiht sogar eine persönlichere Note) plus die Frage ob das alles auch nötig ist und zweimal Hackbraten in der Woche wirklich nötig ist…
    Ansonsten- das, was catzenkind so sagt. :)

  5. Schwieriges Thema, über das ich auch schon viel nachgedacht habe. Eine zeitlang war ich da auch recht engagiert: vegan, möglichst viel bio, möglichst wenig Kram kaufen. Aber es ist eben so, dass man das alles immer von mindestens zwei Seiten sehen kann. Soll man möglichst wenig kaufen wegen Ressourcen und so? Oder eher möglichst viel wegen Wirtschaft, Arbeitsplätze, Geld für Forschung? Ist kein Arbeitsplatz wirklich besser als ein schlechter Arbeitsplatz, wenn man in einem Land lebt, dass kein nennenswertes Sozialsystem hat? Viele dieser Länder kommen ja auch nach und nach doch auf ein höheres Level was Wohlstand, Gesundheit und so angeht, also ist der bisherige Weg vielleicht doch der richtige? Aber „dürfen“ die jetzt Armen überhaupt so reich werden wie wir, immerhin werden dann ja noch mehr Ressourcen verbraucht als jetzt und die Umwelt geht noch schneller den Bach runter. Andererseits bringt da ja vielleicht auch die Forschung bald Lösungen, wie bisher schon so oft.

    So kann man wirklich ewig hin und her überlegen und wo ich früher mal so sicher war, was richtig und was falsch ist, kann ich jetzt auch nur noch sagen: Ich weiß es nicht.
    Was ich dazu auch interessant finde und was einen, wie ich finde, etwas positiveren Blick auf die Welt gibt, sind fir Statistiken, die Hans Rosling in seinen Präsentationen verwendet. http://www.ted.com/talks/hans_rosling_shows_the_best_stats_you_ve_ever_seen.html

  6. Wichtige Überlegungen – mich hat der Lidl-Check auch mal wieder aufgerüttelt… besonders was die Klamotten angeht. Und das Dilemma liegt auf der Hand – ist es für die Frauen vielleicht noch schlimmer keinen Job zu haben? Wenn ich meinem Muckelchen einen Body überziehe und mir dabei überlege, dass die Frau die ihn genäht hat, ihrem Baby niemals einen solchen anziehen kann, wird mir schlecht… Leider fehlt uns im Moment das Geld faire Kleider zu kaufen, dafür sparen wir über Secondhand – ein Kompromiss.
    Allerdings sollte uns bei allen Überlegungen klar sein: Es gibt keine wirkliche Wertschöpfung (sie entsteht erst durch Angebot und Nachfrage) Es gibt Werte/ die getauscht werden – sich aber nicht vermehren…Wenn ich Geld bekomme, dann nehme ich es jemand anderem ab – oder wenn ich viel Geld verdiene mit einem super Job, dann geben es meine Kunden woanders nicht mehr aus und jemand geht pleite oder kauft bei Lidl.
    Wir leben in einer Konsumgesellschaft, die es einem sehr schwer macht, mit einem reinen Gewissen zu kaufen – vor allem wenn man wenig Geld hat. Wir müssen eben die Augen, Ohren und das Herz offen halten – und je nach Möglichkeiten fair kaufen… Wir kaufen z.B. nur fairen Kaffee und wenn Fleisch, dann nur bio.. 1 x in der Woche gibts eine Gemüsetüte mit Bioobst und Gemüse aus der Region.. Schritt für Schritt..

    Liebe Grüße
    perle

  7. Ich werde richtig wütend, wenn einem in Foren oder Blogkommentaren diese Einstellung begegnet: „Ist mir zu kompliziert“, „kann ich mir nicht leisten“ etc.etc. Gerade, dass wir uns offenbar leisten können zu sagen: „Da hab ich nicht das Geld für“, das ist unser Luxus. Die Kinder, die an den Giften bei der Produktion unserer Billigschokolade, Billig-T-Shirts etc. sterben, die können nicht überlegen, ob sie sich das leisten können. Und Äpfel, Kartoffeln und Möhren aus regionalem Anbau auf dem Wochenmarkt kann sich jeder leisten. Von mir aus missioniere ich niemanden (ich beteilige mich nur gern an solchen Diskussionen, die müsste es viel öfter geben, Danke dafür!!), ich kann auch keinem vorschreiben, was er sich nach seinen Prioritäten meint, leisten zu können. Aber sich darüber Gedanken zu machen und sich zu informieren, und dann zu entscheiden, wo man seine persönliche Schmerzgrenze zieht, das kann jeder machen und das kostet gar nichts. Zu wissen, auf Basis welchen grenzenlosen Leids unser Konsum tw. ermöglicht wird und dann die Schultern zu zucken und zu sagen: „wenn ich was anders mache, hilft das eh nichts“, das macht mich richtig sauer. Du hast recht, dass man nie sicher sein kann, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat, aber man hat einen wichtigen Beitrag geleistet, wenn man sich vorher informiert und VERSUCHT hat, ethisch besser zu konsumieren. Besonders beliebt auch das Argument: „wenn du nur das und das machst, aber dann hier und da wieder nicht konsequent bist, dann ist es falsch, lächerlich oder sinnlos“. Das stimmt nicht! Jede einzelne bewusstere Kaufentscheidung ist was wert. Und auch, die eigenen Standards mal zu überdenken: wenn ich denke, ich kann einen teureren Wocheneinkauf nicht stemmen, liegt das vielleicht daran, dass ich – wie viele Deutsche – einfach viel zu wenig für Lebensmittel ausgebe(n will), und zu viel für Technik, KfZ, Miete, Nebenkosten? Wieviele T-Shirts brauche ich wirklich und müssen die neu sein?
    ICh bin dankbar für jeden Denkanstoß.

  8. gutes thema,
    was mir manchmal hilft, wenn mir vor den vielen moralischen abgründen in meiner nächsten umgebung ganz schwindelig wird: >choose your battles<. weiß nicht welcher schlaue mensch das irgendwann das erste mal so formuliert hat, aber es funktioniert.
    klar, man kann sich nicht immer gleichzeitig fair kleiden, bio ernähren, sozial engagieren, vorurteilsbewusst verhalten, die tageszeitung zuende lesen und gewaltfrei mit allen arschlöchern der welt kommunizieren. (und gleichzeitig genug geld verdienen, mittagessen kochen und den wocheneinkauf erledigen)
    trotzdem heißt das für mich nicht, dass ich deswegen trotzig den kopf in sand stecke, weil ich mir den ganzen mist ja nicht ausgedacht habe und ohnehin nichts ändern kann. aber, wie moody2366 sagt, gut dass sowas wenigstens bewusst ist und fast alle fangen doch irgendwo für sich an, oder? irgendwas ist einem eben am wichtigsten, man hat die nötigen ressourcen dafür oder genug zeit.
    um doch noch einen beitrag zur generallösung zu geben: ich stimme catzenkind zu, man kann doch oft ganz gut damit anfangen, sich zu überlegen, was am eigenen konsumverhalten eigentlich lebensnotwendig, was lifestyle und was freiwilliger oder unfreiwilliger überfluss. und das schockierende an so preiszusammensetzungen in der bekleidungsindustrie finde ich immer, dass man die hungerlöhne gut und gerne verdoppeln könnte und dann würde das t-shirt auch nur 10cent mehr kosten. ganz gute kampanien (auch zum ganz niederschwelligen mitmachen) macht da, finde ich die clean cloth company. die setzten nicht auf boycott oder den parallelmarkt für die, die es sich leisten können/wollen, sondern auf useren einfluss als konsument_innen.

  9. ohje, ich sehe das wie anne, kann es nur nicht in so nette worte fassen…

    mit jedem teil, dass über den ladentisch wandert, setzen wir ein statement.
    daran halte ich mich.
    wir sind ALLE unermesslich reich, müssen nicht hungern, haben ein warmes zuhause, können bei bedarf zum arzt, usw…unglaublich, von welch hohem ross so einige in die welt schauen und sich selbst bemitleiden.
    wir haben so ein verdammtes glück, hier geboren worden zu sein, leben zu dürfen; dieses privileg ist keine persönliche errungenschaft, sondern einfach nur zufall.
    umso unverständlicher, dass sich so viele nen dreck um das (u.a. durch uns verursachte) leid anderer scheren.

  10. Wieso (westliche) zivilisierte Welt? Was heisst zivilisiert? Was zählt für Dich zu der unzivilisierten Welt? Ich finde keinen Grund für dieses Adjektiv und auf den ersten Blick klingt das für mich nach Kolonialrassismus.

    • Ähm. Ich denke nicht, dass das Kolonialrassismus ist. Ich habe da tatsächlich schlichtweg eine „gebräuchliche“ Formulierung benutzt und (eventuell / vermutlich) die Wortwahl nicht ausreichend bedacht. Bei näherer Betrachtung ist der Begriff tatsächlich ziemlich schwachsinnig. Danke für den Hinweis.

  11. Pingback: Konsum (Update) | BABYKRAM & KINDERKACKE

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