(Offensichtlich) überfordertes P.

Mein Kind scheint gestresst zu sein. Vermutlich, weil ich es bin.

Kurz zu den letzten Tagen und Wochen: Ich habe mich bei einer großen deutschen Stiftung um ein Stipendium beworben. Drei Auswahlrunden, alles lief super. Ich wurde nach Berlin zum Auswahlworkshop eingeladen. Auch die Diskussion und die Gespräche dort liefen sehr, sehr gut. Das Stipendium bekomme ich nicht, obwohl ich wohl einen (Zitat) „außerordentlich positiven Eindruck bei der Auswahlkommission hinterlassen“ habe. Man fördere das Studium und nicht das Vorhaben. Zudem könne man die Wahl meines Studiengangs (Erziehungswissenschaften) nicht in Verbindung mit meinem Vorhaben bringen (Reformieren der Kinderbetreuung insbesondere im Kleinkindbereich sowie Gründung einer KiTa nach eigenem Konzept). Das verstehe wer will. Wie soll man sich denn für ein Stipendium bewerben, ohne dabei Bezug auf seine Absichten zu nehmen? „Man fördert das Studium, nicht die Vorhaben nach dem Studium“ – Kann mir das mal jemand erklären?

Wie auch immer. Ehrgeizig, wie ich nun einmal offensichtlich bin, habe ich mich echt darüber geärgert. Oder ich bin frustriert, sagen wir’s so. Ich habe mich echt ins Zeug gelegt für dieses Stipendium bei genau dieser Stiftung. Und – ich bin mal so „arrogant“ – ich bin echt der Meinung, dass ich es verdient hätte! Da hätte mein verdammter Überehrgeiz endlich mal einen tatsächlichen Nutzen gehabt. Und ich hätte mich auch gerne bei der Stiftung eingebracht, blablabla… Es hätte einfach gepasst. Die Enttäuschung kann ich echt nicht gut wegstecken. Und nun kommen wir zu meinem P.

Bevor die letzten 2 Wochen anbrachen, war das P. für einige Wochen ein wirklich entspanntes Kind. Das heißt: Sie ist nicht andauernd ausgetickt und es hat einfach Spaß gemacht, sich mit ihr zu beschäftigen. Es heißt nicht, dass sie nie unleidlich war. Aber es hat irgendwie alles gut gepasst. Ich hatte mich auch einfach gut auf sie eingestellt und wenn sie mal „schlechte Laune“ hatte oder sich lauthals über irgendetwas beschwert hat, dann habe ich das eher interessant als nervtötend gefunden und versucht, mich in sie hineinzuversetzen. Ich habe mich gefragt, was in diesem Kleinkind-Kopf und -Herz gerade vorgeht und wie „Wow“ das auch irgendwie ist, dass sie sich über eine scheinbare Kleinigkeit so wahnsinnig aufregen kann.

Dann brachen die letzten zwei Wochen an. Ich hatte das unstillbare Bedürfnis nach Hirnfutter! Natürlich auch wegen des bevorstehenden Auswahlworkshops – wie gesagt: Ich wollte dieses Stipendium unbedingt! Ich habe Nachrichten gelesen, Bildungslücken geschlossen, war hier und da aktiv usw. usf. Und es hat mir gut getan. Es hat mir wirklich gut getan.

Aber dem P. hat es nicht gut getan. Sie hat gemerkt, dass sie nicht mehr die  Hauptattraktion war. Sie hat gemerkt, dass Mama beim Spielen versucht heimlich Nachrichten zu lesen oder noch schnell was zu Ende zu schreiben. Ich habe mich mehr als zwei Mal gefühlt wie damals in der Schule, als man heimlich unter der Bank Zettelchen geschrieben hat, damit der Lehrer es nicht mitbekommt. Nur dass es jetzt genau andersrum war. Ich habe heimlich Weiterbildung betrieben, sozusagen. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich mir (mal wieder) die Schlafenszeit meiner Tochter herbeigesehnt habe, damit ich mich „endlich “ wieder ganz meinen Essays, Dossiers und Wikipedia-Artikeln widmen konnte. Ja, mir tat das auch leid, aber ich war mir sicher, dass sich dieser Aufwand und diese kurze Nicht-ganz-da-Zeit lohnen würde im Hinblick auf 3 Jahre Förderung durch die Stiftung. (Haha. Die Rechnung ging schonmal nicht auf!)

Und prompt wurde das P. krank. Schlau angestellt. Und ich bin mir sicher, dass es was mit der irgendwie veränderten Situation zu tun hatte. „Die Mama ist nicht mehr ganz für mich da“ – sowas bekommt so ein Kleinkind wahrscheinlich echt total schnell mit. Die Situation wurde dadurch nicht unbedingt einfacher, das P. war nun nicht mehr vormittags in der KiTa, ich musste eigentlich auch arbeiten und eigentlich wollte ich gern wissen, wissen, wissen. Das P. war unausgeglichen und nörgelig. Ich war gestresst und habe mir Hilfe geholt: Meine Oma kam einen Vormittag, meine Mutter kam einen Nachmittag.

Am Samstag bin ich dann nach Berlin gefahren. Das P. musste zu meiner Mutter, weil K. arbeiten musste. Meine Mutter hatte Rufbereitschaft, weshalb sie den Sonntag vormittag mit meinem Ziehvater verbracht hat und dann kam auch noch meine (wieder andere) Oma dort zu Besuch. Am Sonntag Abend kam das P. mit Fieber zu K. zurück. Und ich war noch immer in Berlin. Tatsächlich habe ich – um ehrlich zu sein – ein bisschen den Überblick verloren und rückblickend betrachtet ist es ganz logisch, dass das alles ein bisschen zu viel für das P. war. Dann war ich bei meiner Heimkehr am Montag Nachmittag auch nicht sonderlich gut drauf und hatte meine Stimmung gestern so überhaupt nicht im Griff. Ich war einfach richtig deprimiert, weil das nicht geklappt hat.

Und nun hat das P. anscheinend genug. Sie ist quängelig und unausgeglichen. Sie schreit schnell, wenn jemand ihr ohne Vorwarnung zu nahe kommt (das hatte sie sich zwischenzeitlich wieder abgewöhnt) und regt sich extrem schnell auf. Sie ist nicht mehr so mitteilungsfreudig und irgendwie einfach ein bisschen „anders drauf“. Ich bin mir sicher, dass sich alles das auch wieder legen und normalisieren wird. Aber es zeigt mir ganz deutlich: Regelmäßige Abläufe, klare Strukturen und Bezugspersonen, nicht zu viele Wechsel und kein allzu großes Durcheinander… Das ist für so ein Kleinkind einfach sehr wichtig, sonst gerät es ganz schnell aus der Balance und wird (im wahrsten Sinne des Wortes) unsicher. Ganz einfach, weil ihm (dem Kleinkind) die Sicherheit von Zuhause fehlt.

Ansonsten kann das P. im übrigen auch sehr entzückend sein – wir steuern auf die 21 Monate zu. Heute morgen hat sie zum Beispiel das tolle Wort „HALLOFON“ erfunden. Außerdem bildet sie jetzt auch aus „falschen Wörtern“ Verben ;) Sie sagt zu Creme zum Beispiel „Mingä“ und „eincremen“ heißt bei ihr jetzt halt folgerichtig „einmingen“. Tihi.

Und bei euch so? ;-)

Okay, ich schummle…

Um die/den ein oder andere/n von euch noch mitzuziehen, werde ich wohl am Anfang auch einiges aus meinem anderen Blog hier verlinken:

Heute hab ich über kritische Massen, die Dinge, mit denen ich mich gerade beschäftigte und die Frage, wie man sich im Sinne der Dinge, die man verändern will, einsetzen kann, gebloggt. Wenn’s interessiert, der schaue hier.

Blog: Gesellschaft politisch?

Meine Lieben, ich habe einen neuen:

http://gesellschaftpolitisch.wordpress.com/

Ich weiß nicht alles, würde aber am liebsten alles wissen. Wenigstens aber so viel wie möglich. Warum? Um ein eigenverantwortliches Leben nach bestem Wissen und Gewissen führen zu können und begründbare Entscheidungen treffen zu können. Derzeit weiß ich vermutlich noch nicht einmal viel. Meine (natürlich nur selbst empfundene) intellektuelle Verwahrlosung aufgrund fehlenden geistigen Inputs hat mich wirklich frustriert.

Die Bewerbung bei der Böll-Stiftung, das nahende nochmal von vorn-Studium und mein tiefes Bedürfnis nach VERSTÄNDNIS der Dinge, die hier so abgehen hat mich überrollt und in den letzten Wochen habe ich (endlich) wieder angefangen mich intensiv mit den Dingen zu beschäftigen, die auf der Welt so passieren. Dabei fallen mir immer wieder eklatante (und mir selbst peinliche) Wissenslücken auf. Oder ich habe direkt eine Meinung im Kopf, weiß aber gar nicht wieso. Oder mir fehlt Basiswissen, Hintergründe oder einfach der Durchblick. Oder ich bin sofort Feuer und Flamme für oder gegen eine Sache und frage mich, wieso man das eigentlich anders sehen sollte.

Bisher habe ich meine Gedanken und Überlegungen in meinen zahlreichen Notizbüchern festgehalten. Weil ich aber mittlerweile einen Schreibkrampf habe und mich ein bisschen im Kreis drehe, wollte ich etwas handfesteres. Deshalb der neue. Ich dachte, dass diese Themen, die mir so durch den Kopf geistern und die damit verbundenen Fragen vielleicht nicht nur mich, sondern auch andere interessieren. Ich will mich selbst testen und wissen, ob ich mehr oder weniger komplizierte und aktuelle Sachverhalte in einen verständlichen Artikel gepackt bekomme. Ich hab das einfach Lust drauf. Auch, um bestimmte Themen dann vielleicht ein stückweit abschließen zu können. Außerdem sollte Babykram & Kinderkacke nicht mit ständig mit meinen Gequatsche zu aktuellem Zeitgeschehen und Ereignissen oder Dingen, die ich nicht raffe, zugemüllt werden. Ich hoffe, das ist in eurem Sinne?

Ich würde mich natürlich freuen, wenn der ein oder andere auch „drüben“ mal vorbeischauen und senfen würde.

Netzwerk gestresster Mütter

Weil mama007 im „Netzwerk gestresste Mütter“ ;) tief blicken lässt, will ich euch auch mal mitteilen, was die Menschleins so suchen und wie und warum auch immer sie darüber zuweilen auf Babykram & Kinderkacke stoßen.

Meine erwähnenswertesten Suchanfragen über die Internetmenschen ihren Weg zu mir gefunden haben:

ausgefallene betten
Die meisten (!) kamen und kommen tatsächlich über diesen Suchbegriff hierher. Und zwar wegen diesem Foto-Beitrag hier über … ausgefallene Betten

new girl hört auf zu schreien
Auch wenn ich kein Fan von  degnlisch bin, hoffe ich sehr, dass es geklappt hat

die welt retten
Kann ja nicht schaden, den dabei zu haben, nech? Bin ich etwa ein GUTMENSCH???

baby schlechte laune
wie nett formuliert

über sofa hängen
interessante Vorstellung

baum nähen
Anleitung bitte an wtf@babykram.witz

sind wehen stärker wie presswehen
Das heißt ALS! AHAAALS!

wölfe im bett
Bitte???!?!

scheiß autoimmunerkrankungen
Kann ich nur bestätigen

wie mami den alltag mit baby beginnt
ähm. rede ich wirklich so?

hirnsuppe schwangerschaft
in dieser kombination irgendwie mehr als seltsam

crazy babykram
sollte  ich eventuell darüber nachdenken den Blog umzubenennen?

kann man da raus gehen wenn das kind hustet
Da bekommt das Theme „Long Tail Optimierung“ eine ganz neue Dimension

wann isst die welt untergang
hmm, lecker, „die welt untergang“ war schon immer eine meiner Lieblingsspeisen

mein kind ist ein pascha
meins auch ;)

((Einige ziemlich obszöne Suchbegriffe sind auch dabei. Aber ich habe nach wie vor nicht herausgefunden, warum man darüber bei mir landet.))

Übrigens: Jetzt auch hier noch einmal an prominenter Stelle: Ich freue mich über eine direkte Vernetzung mit euch via facebook!

Netzwerk gestresster Mütter

Die Welt vor Rio 2012

Klima der Gerechtigkeit – Rio+20

 

Wer immer schon mal wissen wollte, wie sich unsere jeweiligen Regierungen die Zukunft des Planeten vorstellen und in welchen Punkten sie sich einig sind und in welchen nicht, dem empfehle ich wärmstens die Lektüre des neuen Entwurfs der Abschlusserklärung der Rio2012-Konferenz, die seit dem 2. Juni vorliegt.  [Wer sich jedoch fragt, wie wir die drängensden Probleme der Welt – Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Armut, Hunger usw. – lösen können, der sollte sich lieber woanders umschauen. Da wird man hier eher nicht fündig.]

Wo stehen wir im Prozess? Im Januar wurde der erste Entwurf des Abschlussdokuments, der sog. Zero Draft, veröffentlicht, stolze 19 Seiten lang (den Inhalt habe ich hier kritisiert). Dieser wurde dann im Januar und März verhandelt und auf über 200 Seiten aufgebläht. Im Mai haben die Delegierten und der UN Generalsekretär dann festgestellt, dass sie so niemals bis Rio fertig werden. Daraufhin wurde eine weitere Verhandlungsrunde einberufen und ein neuer Entwurf von ca. 80-Seiten präsentiert. Diesen wiederum haben also die Regierungsvertreter/innen vom 29. Mai bis 2. Juni in New York diskutiert und nun liegt die neue Fassung vor, um die es hier nun geht.

Zur Erinnerung: Es gibt drei größere Themenkomplexe (auch wenn meine Einteilung nicht ganz genau dem offiziellem Dokument und Verhandlungsprozess entspricht). Dazu versuche ich kurz zu skizzieren, worin sich die Regierungen einig sind und worin nicht. Das ist im übrigen auch gar nicht schwer zu verstehen. Denn der aktuelle Entwurf vermerkt praktischerweise hinter jedem Satz oder Paragraphen, wer diesen jeweils ergänzen, verändern oder löschen will.

Ichglaubichbinsenil

Ich schreib hier seelenruhig meinen Artikel und merke nicht einmal ansatzweise, dass ich quasi exakt den gleichen schon am Montag geschrieben habe?!

Jetzt komm ich mir blöd vor. Als Beweis lass ich das mal so stehen.

Was kommt denn nach der Schwangerschafts- und Stilldemenz? Kleinkindbetreuungsdemenz??