In was für einer Zeit leben wir eigentlich?

Eigentlich hatte ich versucht herauszubekommen, welche Themenbereiche denn nun eigentlich auf welcher politischen Ebene entschieden werden. International, Europa, Bundesebene, Länderebene, Kommunale Ebene – und auf jeder Ebene gibt es Neben-, Unter- und Überebenen, Räte, Präsidenten, Vorsitzende, Parteien, Fraktionen, Oberhäupter, Repräsentanten, Ausschüsse, Arbeitsgruppen, Initiativen, … Da kann man schon mal den Überblick verlieren.

Schlussendlich – oder eher irgendwo mittendrin – bin ich doch wieder bei mir und dem hier angekommen, dem Weltgebäude, dem Berühmten. Und ich frage mich (mal wieder), inwiefern ich mich nun einbringen kann, will und sollte. Ich bin zum Beispiel Mitglied der Grünen Jugend und versuche da einzusteigen und mitzumischen. Gar nicht so einfach neben Job und Kind. Irgendwie fühle ich mich als Quereinsteigerin, aber schon allein bei den verschiedenen Terminen und Themen komme ich manchmal nicht mit oder denke mir bei dem ein oder anderen: Das Thema ist einfach nicht wirklich meins… Also wichtig, ja. Aber irgendwie keins, bei dem ich mich wirklich engagiert einbringen könnte.

Irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass tatsächlich (neben dem eigenen Leben) etwas größeres zu bewegen doch schwerer ist als es scheint.

Ich finde die Sache mit den Kita-Plätzen so verdammt wichtig. Und Bildung ganz allgemein. Nur gehen diese Themen so verdammt unter neben all der Kriselei. Ist doch zum verrückt werden. Und dann versucht man diesen ganzen Blörbs rund um die Banken-Euro-Finanz-(watweeßickinwatfüreenerwirgrademawiedersinn)-Krise irgendwie zu checken, und? Man (also ich) checkt es einfach doch nicht wirklich. Insofern frage ich mich auch (ganz ehrlich) wofür oder wogegen ich mich im Falle eines Volksentscheids zum Thema Wirtschaft Europas entscheiden sollte? Und ich möchte wette(r)n, dass es der/dem einen oder anderen/m Abgeordneten/m genauso gehen dürfte. Entscheiden tun sie trotzdem. Und überhaupt: Mir wird das schon wieder alles viel zu viel…

Da überfällt mich wieder das Gefühl, dass heute alles so dermaßen ineinander verstrickt und verflochten ist, dass keiner mehr den Überblick zu haben scheint. Alle versuchen immer den brüchigen Putz mit einer neuen Schicht Kitt wieder hinzubekommen, merken aber nicht, dass das Haus ganz grundsätzlich schon viel zu viele Macken hat und dass, kaum hat man das eine Loch gestopft, die Fassade an anderer Stelle zu bröckeln beginnt. Und wir machen weiter und denken uns trotzdem ab und zu: „Naja, aber beklagen kann ich mich eigentlich nicht. Es könnte ja auch schlimmer sein. Eigentlich hab ich’s doch ganz gut.“ Hab ich das?

Ich habe nicht unbedingt das Gefühl, dass ich mit meiner Orientierungslosigkeit allein bin. Klar, die Menschen nehmen das sicher unterschiedlich stark wahr und sicher, es gibt auch viele, die sich über derlei Dinge nicht den Kopf zerbrechen (wollen). Aber wenn ich mich frage: In was für einer Zeit leben wir eigentlich? Dann kommen mir folgendes Dinge in den Sinn:

  • Internet, digitale Kultur, Vernetzung, Kommunikation
  • Stumpfsinn, Entertainment, Unterhaltungskultur
  • Fremdbestimmung, Banken, GEEEEEEEEELD, Investition, Krisen, Kopflosigkeit
  • Großunternehmen, Öl, Profit, ohne Rücksicht auf Verluste
  • Korruption, Gier, Scheinheiligkeit, Unaufrichtigkeit, Schmierentheater
  • Bündnisse, Verträge, Partnerschaften, Deals, Übereinkommen
  • Individualismus, jeder ist sich selbst der nächste
  • Was zählt? Wohlstand = meine Familie, mein Haus, mein Einkauf, mein Auto, mein Besitz, mein Urlaub
  • Konsumgesellschaft, Besitz anhäufen, Rücksichtslosigkeit, Zerstörung
  • Globalisierung, andere für sich arbeiten lassen, Ausbeutung
  • aber auch: kluge Köpfe, Umdenken, anders machen wollen, Kultur, Literatur
  • Und am steht? Kapitulation ob der wahnwitzigen (und scheinbar unveränderbaren) Größenverhältnisse. Oder?
Ich denke mir viel zu oft, dass ich nicht weiß, wie sich etwas ändern soll, solange „die Menschen“ so verdammt miserabel und egoistisch sind. Ich schließe mich da selbst nicht aus. Manchmal bin ich mir selbst zu anstrengend und ich denke mir: Du lebst nur einmal, warum machst du es dir so schwer und vergrübelst deine Zeit? Ich kann nicht anders.

Wir leben hier auf Kosten anderer, die durch unseren rücksichtslosen Lebensstil vor die Hunde gehen. Und wir sind trotz Besitz, weitgehender Freiheit und PiPaPo nicht glücklich. Weil die (scheinbaren) Freiheiten zu groß sind? Weil uns keiner sagt, wo’s lang geht? Weil wir zwar unglücklich sind solange wir zu wenig haben, aber gleichzeitig doch wissen, dass viel auch nicht glücklicher macht? Weil man überall hingehen könnte und vielleicht auch sollte, wir aber ahnen, dass uns das „DEM (unseren) SINN“ aber auch nicht näher bringt und Menschen überall Mensch bleiben. Und davon abgesehen: Perfekte Menschen will ja auch keiner.

Als ob ich selbst so sozial wäre! Menschen gehen mir schnell auf den Sack. Ich habe angefangen, mir „Das Dorfexperiment“ anzusehen und habe zwischendurch mit Lachkrampf und Gänsehäuten kämpfen müssen. Warum können Menschen, die ökologisch und fair miteinander umgehen wollen sich nicht trotzdem benehmen wie Menschen und nicht wie (Sorry!) gehirnamputierte Öko-Zombies?

Und am Ende steht doch irgendwie wieder der trübe Gedanke: Diesem Planeten hätte nichts schlimmeres als der Mensch passieren können! (Und dabei komme ich mir selber blöd vor.)

Also alle Ideale über den Haufen werfen und sich freuen, dass man am Leben ist? Mitnehmen, was man kriegen kann und einfach entspannen? Sich „mal locker machen“? Das Leben genießen? Oder auswandern (wohin?) ? Es ganz sein lassen und „aussteigen“ (geht nicht -> Verantwortung)?

Ich kann nicht wirklich etwas dagegen machen: Beim Versuch, mich irgendwo sinn- (und nicht gewinn-)bringend einzumischen, komme ich mir vor wie beim Kampf gegen Windmühlen *seufz* und meine eigenen Versuche „political correctness“ zu leben und zu konsumieren, werden mir manchmal selbst zu viel.

Gerade wäre ich ganz gerne eine Kuh. Muh. Als ich klein war, habe ich mir überlegt, wie es wäre, wenn ich als Schulhefter wiedergeboren werden würde… Vielleicht sollte ich mir einfach eine nette Sekte suchen und mich auf die Reinkarnation konzentrieren? Damit wäre das Problem des Diesseits jedenfalls geklärt…

6 Kommentare zu “In was für einer Zeit leben wir eigentlich?

  1. Danke für den Link! Ich hab schon öfter Dokus über solche alternativen Wohn- und Lebenskonzepte gesehen und mich würde interessieren, was du jetzt so extrem fandest? Ich meine, dass solche Projekte alle möglichen Unikate und Sonderlinge anziehen, ist ja relativ klar. Aber es hat eben alles seine zwei Seiten der Medaille und die Frage ist, wie du dir eine andere Welt denn wirklich vorstellen würdest? Es ist ja doch alles irgendwie ein Kontinuum und auf der einen Seite sind die komplett gedankenlosen egoistischen Klimakiller und ganz am anderen Ende sind eben esoterische Meditierende ;-), man kann das eine halt nicht ganz ohne das Andere haben. Und es sind eben diese Menschen, die die Energie und den Elan aufbringen, eine andere Welt nicht nur zu träumen, sondern auch zu versuchen. Menschen wie du und ich sind halt „gemäßigter“, aber bleiben oft bei Gejammer (sorry…) und Worten stehen. Und wer bestimmt dann, ab wann es hirnamputierter Ökofimmel ist? Wenn man einen Baum doch lieber ohne groß nachdenken fällen will? Oder weil einem das „Gedankenschicken“ an einen lieben Menschen, der gerade operiert wird, too much ist? Ich denke zudem, dass da medial viel manipuliert und verzerrt wird. Guck dir den Kreis am Ende an, da sind so viele Menschen dabei, die nicht interviewt und gezeigt wurden, bestimmt, weil sie eben relativ normal sind und nicht dazu taugen, eine Doku aufzuziehen, die doch immer auch Provokation sein und Widerspruch heraufbeschwören soll (oder eben Geläster über die blöden Ökos… sowas nervt doch auch irgendwie). Sorry für den Sermon, aber ich finde die Diskussion, die du anzettelst echt spannend (wie du schon bemerkt haben dürftest).

    • Danke für deinen Kommentar :-)

      Erstmal: Das war ein Frustposting, wie man vielleicht gemerkt hat ;) Ich persönlich habe ja meinen Weg (hoffentlich) gefunden, wie ich ein bisschen was an der Welt verändern kann, indem ich mich für gute Kinderbetreuung einsetze, forsche und selbst im Idealfall Plätze nach eigenem Konzept zur Verfügung stelle.

      Und was die Doku anging: Das war einfach das spontane Gefühl, was ich dabei hatte: Ich könnte mir nicht vorstellen, mit diesen Menschen zusammenzuleben, wenngleich ich das Konzept sehr überzeugend finde. Es ist mir zu „Samthandschuh“, glaube ich. Für mich gehört zum Leben auch laute Musik, Ausrasten und auch mal nicht korrekt sein… Ich kann z.B. auch nicht wirklich etwas mit Spiritualität anfangen. Genauso wenig mit Eurythmie und auch nach wie vor rect wenig mit Yoga. Dieses krampfhafte zu sich selbst und der inneren Ruhe finden, hm… Ich weiß nicht… Mir kommt das auch alles irgendwie unnatürlich vor, gerade weil „solche Leute“ (ich weiß, über einen Kamm scheren ist nicht gut) so krampfhaft versuchen sich „natürlich“ zu verhalten.

      Ich mag dieses hypersensible (harmoniesüchtig, über ALLES reden, damit nur keine Konflikte aufkommen) an mir selbst schon nicht besonders und kann mir deshalb schwer vorstellen, dass es mir gut tun würde in so einer Gemeinschaft zu leben.

      Meine Vorstellung von einer Kommune ist eine supertolle, aber ich würde dabei trotzdem gerne mit „coolen“ Menschen zusammenleben, die „normale“ Worte benutzen, vielleicht Squash spielen gehen und trotzdem darauf achten sich biologisch/öko/fair zu ernähren / zu leben. Urban Gardening entspricht mir persönlich und meiner Weltanschauung da z.B. mehr – rein von den Menschen her. Ich finde es einfach schade, dass Menschen, die diesen öko-fairen Lebensstil für sich „entdecken“ und diesen leben wollen, das oftmals gleich so sektenmäßig angehen – ich finde das auch deshalb schade, weil innerhalb dieser Bewegung z.T. die Individualität verloren geht… Ist dich schon auffällig, dass viele die diesen Part leben dann auch plötzlich automatisch YogaPilatesPiPaPo toll finden…

  2. Du hast ja Recht ;-). Ich ärgere mich auch immer, dass es bei der Beschäftigung mit diesen Themen immer irgendwann den Zeitpunkt gibt, wo man plötzlich im Gespräch mit so einem abgefahrenen Typ ist und sich fragt, wie das passieren konnte… Wenn man sich im Bildungsbereich engagiert, sitzen in den Veranstaltungen, bei Juul und Hüther z.B., garantiert auch immer die Eltern, die ihre Kinder gar nicht beschulen wollen, sondern autark in einer Gemeinschaft mit freier Liebe und Edelsteinen aufwachsen lassen möchten. Das scheint ein notwendiges Übel zu sein, andererseits trainiert es auch die eigene Offenheit und Toleranz, zu schauen, was einem diese Leute vielleicht noch an Inspiration geben können. Wie gesagt, wir bewegen uns auf einem Kontinuum und wo die Grenzen fließend sind, kann nur jeder nach seinen eigenen Werten, Vorerfahrungen und subjektiven Theorien entscheiden, ab wann er „aussteigt“. Das heißt ja nicht, dass diese Grenzsetzung aber allgemeingültig wäre.Genau wie die Definition „cool“…Und theoretisch hindert einen auch keiner, sein eigenes „Dorfprojekt“ zu gründen, wo eben die Leute leben, mit denen man selber gut klar kommt.

    • „andererseits trainiert es auch die eigene Offenheit und Toleranz“

      Ja ;-) Das stimmt wohl. und ist ja auch irgendwie gut. Ich finde es für mich persönlich auch immer irgendwie heilsam, Menschen zu begegnen, die Teile meiner Anschauung teilen und trotzdem Parts an sich haben, bei denen ich nicht mitgehe – sich von anderen abzugrenzen und auch mal eindeutig „achduscheissegehtjagarnicht“ zu denken, muss ja auch sein… auf dem Weg zur Menschwerdung ;)

      „Und theoretisch hindert einen auch keiner, sein eigenes “Dorfprojekt” zu gründen, wo eben die Leute leben, mit denen man selber gut klar kommt“

      Auch ja. Keiner, außer man selbst ;)

  3. Pingback: Kita-tatataaaa… (Engagement und so) | BABYKRAM & KINDERKACKE

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