Internetsucht?

Wie viel Zeit verbringt ihr online? Und wie okay findet ihr das?

 

Hintergrund: Wenn ich in den Urlaub fahre, nehme ich meinen Rechner nicht mit. Jedes Mal stelle ich fest, wie gut mir das tut. Ich lese mehr, schreibe mehr offline, denke mehr, habe mehr Ideen, habe weniger das Gefühl, meinen Kopf zuzumüllen und Zeit zu verschwenden. Jedes Mal nehme ich mir vor, das Zuhause nicht zu vergessen und aufzuhören, mich ständig stundenlang „sinnlos“ durch’s Netz zu klicken.

Und trotzdem passiert’s mir immer wieder. Ständig. Um nicht zu sagen täglich. Ich komme dadurch nicht zum lesen, nicht zum Nähen, treffe mich weniger mit echten Menschen, gucke weniger bewusst Filme, rede weniger mit K., beschäftige mich manchmal nicht mit P. und mache keine Musik. Das Internet frisst meine Zeit auf.

Zeit für Diät oder wieder übertriebene Selbst-Observation / -optimierungszwänge?

H. Walsh „Ich will schlafen“ ((Ready for 2))

Ich bin krank. Weil Krankheit flachliegen mit sich bringt, lese ich “ Ich will schlafen “ von Helen Walsh.

Ich habe gestern die ersten 200 von etwa 300 Seiten gelesen. Bisher finde ich es… befremdlich. Es geht um eine Rachel (Anfang 30), die ein Kind bekommt. Sie will ihr Kind sowohl allein bekommen als auch erziehen. Das ganze ist zwar erfrischend, weil das Ding eindeutig ein ROMAN ist. Das ist also kein reiner Erfahrungsbericht. Es ist irgendwie auch Fiktion. Fakt ist aber auch, dass man so etwas, solche Gedanken, solche Details meiner Meinung nach nicht schreiben kann, wenn man sie nicht wenigstens teilweise selbst durchlebt hat. Denn: Es geht in dem Buch vor allem um postnatale Depressionen.

(ZEIT-Interview mit Helen Walsh)

Und tatsächlich schildert Walsh stellenweise in einer gewissen „Rohheit“ mütterlich-übermüdete Gedanken, die mir bisher bei dem Thema noch nicht untergekommen ist. Sowohl sich selbst als „Versagerin“ gegenüber als auch dem Kind.

Zwei Dinge passieren während dem Lesen mit mir:

1. Ich finde das befremdlich.

Man schaut der Protagonistin also ab Zeitpunkt der Geburt beim überfordert sein zu. Bei einigen Stellen muss ich schlucken und auch schmunzeln, weil ich mich erinnere, dass auch mir dieses ans Kind gefesselt sein, das Stillen, das nicht schlafen können, die Verantwortung, das nicht fliehen können, das Entgleiten der Zeit neben all dem Kümmern und verarbeiten manchmal einfach zu viel.. zu „krass“ war. Ich wollte  Zeit für mich, die Geburt verarbeiten und überhaupt mit all den Erlebnissen und Emotionen klarkommen, in Ruhe. Und genau das geht nun einmal nicht, wenn man gerade ein Kind bekommen hat. Im Fall von Rachel auch noch ganz allein. Ja, das kann schwierig sein. Und wenn ich mir zusätzlich noch vorstelle, dass ich schon 10 Jahre länger mein eigenes, selbst bestimmtes Leben gelebt hätte und Entscheidungen für niemand anderen außer mich selbst treffen musste… Vielleicht käme man dann schneller zu diesen verzweifelten Endlos-Abgrund-Gedanken.

ABER: Mich stört das unreflektierte. In letzter Zeit stört mich das ständig – nicht nur in der Literatur, sondern auch im echten Leben. Die Menschen nehmen sich, ihre Erfahrungen und Erlebnisse viel zu wichtig. Ständig denkt Mensch, er sei etwas besonders außergewöhnliches. Ich neige auch dazu, von Zeit zu Zeit, meine eigenen Gedanken und Empfindungen zu überhöhen. Aber irgendwie erzwinge trotzdem immer wieder einen Rückschritt: Ich bin nicht der Nabel der verdammten Welt! Ich bin höchstwahrscheinlich nicht die erste und auch nicht die einzige, die diese oder jene Gedanken hat. Es gibt keinen verdammten Grund an dieser Tatsache zu verzweifeln. Es gibt Menschen auf dieser Erde, die TATSÄCHLICH Probleme haben – existenzielle Probleme. Dagegen sind diese Hirnpupse Kinkerlitzchen. So gehe ich jedenfalls damit um. Was nichts daran ändert, dass auch ich dunkle Phasen und Stunden habe.

Auch in „Ich will schlafen“ treffe ich wieder eine Person, die der Meinung ist, dass es NIEMANDEM so geht wie ihr. Dass sie ganz allein diese Erfahrungen macht. Dass sie die große Ausnahme ist, bei der alles schief und anders läuft. Außerdem eine Person, die sich so sehr irgendwelchen Erwartungshaltungen und Normen hingibt, dass es mir manchmal fast schlecht wird. Auch wenn ich das kenne… Wo bleibt der „Eigentlich weiß ich, dass ich mich nicht von diesen Dingen einschüchtern/bestimmen lassen sollte“-Turn? Da wird dann der Windelkauf in übermüdeten Zustand zum Horrortrip und das Stillen in der Öffentlichkeit zum Fiasko… Über allem schwebt „Was sollen bloß die Leute denken?“ Am meisten scheint Rachel damit zu kämpfen zu haben, irgendeinem Bild nicht zu entsprechen. Deshalb kann sie sich auch keine Hilfe suchen. Wer schon am „Nimm mir das Kind mal ab, ich muss schlafen!“ scheitert, hat irgendetwas grundlegend nicht verstanden, oder?

Und überhaupt: Was mich wirklich nervt bei dieser ganzen Eltern-Gesellschaft-Nummer, ist dieses ständige „Boooar! Das hat ja noch niiiiie jemand so offen gesagt“-Gehabe. In jeder verdammten Elternzeitung und jedem 3. Beitrag über Eltern – oder Schwangerschaft, ob nun eher alternativ oder konventionell – taucht irgendwas in Richtung „Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann ist Elternsein doch gar nicht immer schön, sondern auch ziemlich anstrengend.“ auf. Bei gutefeindinnen gab’s auch schon mal einen Aufreger zu dem Thema. Ständig geht es um die ach so großen Ansprüche „der Gesellschaft“ (welcher eigentlich?) an die armen, dauer-überforderten Eltern. Und immer wieder liest man von Müttern, die „jetzt mal echt ganz offen“ darüber sprechen, wie fertig und müde sie zum Teil waren, aber dass man das ja „öffentlich nicht zeigen“ darf, weil ja von einem erwartet wird, die strahlend-glückliche Mami zu sein, die dann auch noch den Haushalt schmeißt und Essen kocht. Insbesondere wenn es um postnatale Depressionen geht, ist das das Bild, was vermittelt wird: Die armen Mamis unter Druck, weil angeblich von ihnen erwartet wird, perfekt zu sein und dann können sie da noch nichtmal drüber reden, weil sie ja dann gleich von der Gesellschaft verstoßen werden.

Bullshit, sag ich! Hier werden Mütter wieder einmal mehr dargestellt wie unmündige verhuschte Dinger, die gar nicht wissen wie ihnen geschieht. Vor allem aber als Menschen, die unbedingt einem angeblich von außen geforderten Bild entsprechen wollen! Denn das ist ja die Voraussetzung dafür, diesen Druck überhaupt zu empfinden und daraufhin unter dem Nichtäußern seiner „wahren Gefühle“ zu leiden. Ich finde nicht, dass die meisten Frauen/Mütter so sind. Und wenn welche doch so sind, dann finde ich sie ziemlich doof. Klar sind Eltern gestresst. Aber das sollten sie nicht sein, weil sie irgendeinem Bild nicht entsprechen können, sondern weil Kinder halt stressig sein können und man plötzlich sehr wenig Zeit für sich hat.

Das mit den Erwartungen ist doch überhaupt nicht mehr so extrem! Wer erwartet denn wirklich noch glücklich-strahlende Eltern? Das gibt’s doch nur noch in der Windelwerbung! Und das weiß m.E. auch so gut wie jeder. Viel mehr habe ich das Gefühl, dass noch 10 mal nachgehakt wird, ob „wirklich alles in Ordnung“ ist, weil die Themen Babyblues und postnatale Depressionen so sehr in aller Munde sind. Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, dass Elternschaft relativ problemlos abläuft. Es ist doch eher der Gegenteil der Fall! An jeder Ecke bekommt man Broschüren und Erziehungsratgeber nachgeschmissen. Es gibt Beratungsangebote noch und nöcher. Ich habe mit meinen Mit-Muddis fast ausschließlich darüber geredet, was am Kinder haben scheiße anstrengend ist und tue das auch nach wie vor.

Vielleicht ist das ungerecht einigen Müttern/Eltern gegenüber, aber ich habe das Gefühl, wer sich heutzutage noch unter dem angeblichen Druck von außen, eine perfekte Mutter sein zu müssen, leidet, der ist ein stückweit auch selber Schuld. Das muss heute einfach wirklich nicht mehr sein. „Die Gesellschaft“ gibt hierzu meiner Meinung nach keinen Anlass mehr. In diesem Fall hat man wohl eher ein Problem, dass man sich allgemein zu sehr von der Meinung anderer abhängig macht. Genau diesem Muster folgt leider auch Walsh und auch Muttergefühle von Rike Drust. Ich finde es okay, dass so über Elternschaft geschrieben wird und ich les sowas auch ganz gerne, weil ich allgemein gern Sachen lese, die was mit meinem eigenen Leben und Problemchen zu tun haben. Aber ich finde es bekloppt, dass diese Sachen derzeit immer unter so einem „Boar, wie mutig! Eine Muttiiii, die mal sagt, wie’s wirklich ist!“-Ding laufen. Das hat nichts mit Mut zu tun. Offen über seine Gefühle und Probleme – auch bezüglich der Elternschaft – zu sprechen, ist irgendwie sowas wie das Mindeste.

Was mich dann wirklich irgendwie aufregt ist, dass solche Bücher auch gerne mal in die Feminismus-Ecke geschoben werden. Das ist dann der größte Quark! Wenn die Mütter, die so über Mutterschaft schreiben, sich irgendwie schon fast damit brüsten den armen, unglücklichen, mundtot gemachten Muttis „da draußen“ endlich eine wahrhaftige Stimme zu geben und auch Medien und Verlage bereitwillig so tun als würden die Autorinnen das Thema Mutterschaft damit als gar nicht so kuschelig-rosarot entlarven, finde ich das blöd. Weil eben die dann auch von unmündigen, unselbstbewussten Frauen ausgehen. Es ist vollkommen okay, solche Dinge zu schreiben. Tue ich in diesem Blog ja auch zur Genüge. Aber ich denke nicht, dass ich damit irgendeinem Auftrag hinterherkomme oder ICH endlich mal die Wahrheit über Elternschaft schreibe. Für mich ist das gut zum Reflektieren, Verarbeiten, Tipps einholen und zum Kontakt knüpfen zu Menschen, die Elternschaft vielleicht ähnlich angehen wie ich. Wenn sich die ein oder andere dadurch animiert fühlt, auch mal mehr zu reflektieren und Gefühle und Gedanken unverschleiert zu äußern, ist das super. Aber das maße ich mir nicht an, weil ich „euch da draußen“ für mündig und intelligent halte. Also lasst uns darüber reden, schreiben, singen… wie das so ist Eltern zu sein und was für Probleme wir haben. Aber bitte nicht darüber, wie geil wir sind, weil wir darüber so reden.

2. Ich bin bereit.

Erstaunlicherweise macht sich bei mir während des Lesens aber auch noch etwas ganz anderes bemerkbar: Der tatsächliche und selbst empfundene Wunsch nach einem zweiten Kind. Seitdem K. und ich uns darauf geeinigt haben, dass wir es 2013 noch einmal darauf ankommen lassen wollen, macht sich das in mir breit. Vor einigen Monaten habe ich noch gesagt, dass es noch nicht richtig ist, solange ich das nur „für P.“ will… Damit sie ein Geschwisterchen hat. Was ein ziemlich hinrissiger Grund dafür sein dürfte, weil ich ja vorher nicht wissen kann, ob das P. mit ihrem Geschwisterkind gut klar kommen wird. Ich muss das schon auch selbst wollen.

Beim Lesen des „Geburtsberichts“ und alle der Dinge habe ich deutlich gemerkt: Ich bin es. Ich bin bereit. Ich kann mir das alles wieder vorstellen. Schwanger sein. Gebären. Stillen. Tragen. Kümmern. Wie absurd, dass das gerade jetzt passiert. Kurz bevor ich mich endgültig aus der eher Elternzeit wieder in eine eher Studium-Zeit begebe. Wenn alles klappt, wird ein Jahr studiert und dann noch einmal für No. 2 pausiert.

Ich stelle mir all die Sachen schön vor. Ich habe das Gefühl, dass ich die No. 2 mit viel mehr Gelassenheit erwarten kann. Ich habe auch Respekt. Insbesondere vor einigen organisatorischen Fragen… Wenn man dann mal frei haben will, muss man schließlich zwei Knirpse loswerden. Aber nichtsdestotrotz: Das fühlt sich richtig an. Und dass sich das richtig anfühlt, fühlt sich gut an.

Studieren mit Kind?

Ein Monat also noch bis zum Studium. Leise – okay manchmal auch laute – Bedenken schwirren mir im Kopf… Wie war das bei euch so mit dem Uni-Kind/Familie-Spagat? Hat’s gut geklappt? Habt ihr Geheim-Tipps und Achtung-Schreie für mich?

Mir schwirrt’s da so um:

  • Geld

Ich habe immer noch keinen BaFög-Bescheid. Und eigentlich keinen Bock auf die Rückzahlung, die mir dann in ein paar Jahren im Nacken hängt. Versuch 1 ein Stipendium zu bekommen ist in der letzten Etappe gescheitert. Da gäbe es zusätzlich zum BaFög-Satz noch 150 Euro für Bücher + extra Kinderzuschuss. Versuch 2 für ein Teilstipendium läuft. Info darüber bekomme ich Ende September. Nächste Versuche für Vollstipendium werden im 2. Semester – oder so – gestartet. Ich studiere nicht in meiner Stadt, sondern muss täglich pendeln zu beschissenen Tarifen. 110 Euro Semesterticket für die Stadt dort und jeden Monat um die 80 für die andere Hälfte der Strecke hier.

Und ich muss realistischerweise eingestehen: Wir leben über unseren Verhältnissen, bezahlen einfach zu viel Miete. Aber jetzt umziehen? Ich will in diesem Viertel bleiben. Und hier eine familientaugliche und bezahlbare Wohnung zu bekommen, ist echt nicht so easy. Ich mache mir Sorgen, wegen dem Geld. Weiß, dass neben Studium und P. kaum Zeit sein wird, richtig zu arbeiten. Und eine chronische Krankheit schleppe ich ja auch noch rum. Für die wäre das ein gefundenes Fressen.

  • Zeit

Wie wird das mit dem pendeln? Kriegen wir (ich und der Crohn) das auf die Reihe ohne durchzudrehen? Wird das mit K.s Arbeits- und P.s Betreuungszeiten klappen? Der Studiengang setzt viel auf Selbststudium. Schaffe ich das… rein zeitlich? Kommt das P. dann nicht zu kurz? 40 Stunden pro Woche soll man schon einplanen… motiviert bin ich auch. Aber dann seh ich wieder das P. vor mir… „Mama… Bilän?“

  • Druck

Ich kenne mich doch. Ich mach mich immer viel zu heiß, mir selbst zu viel Druck. Falls irgendein Stipendium klappen sollte, wird sich das noch erhöhen. Auch da wird das Bauchmonster sich freuen. („Juhu, die stresst sich, dann leg ich mal mit los!“) Werde ich es dieses Mal schaffen, halbwegs entspannt zu bleiben, meinen Fähigkeiten zu vertrauen? Immerhin bin ich nun doch ein paar Jahre und Erfahrungen älter und benehme mich hoffentlich nicht mehr so… seltsam.

  • Zukunft

Wir haben uns auf einen Zeitraum für Nr. 2 geeinigt. Ab Anfang nächsten Jahres werden wir das Thema angehen. Das fühlt sich richtig an, auch wenn sich der etwaige Studienabschluss dadurch wieder verschiebt. Aber ich denke, dass dieses erneute Babyjahr für mich in 10 Jahren weniger eine Rolle spielen wird als der Fakt, dass ich dann 2 Kinder mit einem guten Altersabstand habe. Denn was den angeht, spielen die Jahre ja irgendwie doch eine Rolle. Aber: Wie wird die Organisation dann laufen? Wird das so einfach sein, wieder zu unterbrechen und dann mit 2 Kindern Haus- und Abschlussarbeiten zu schreiben? Und dann stünde auch wieder die Suche nach einem Betreuungsplatz an *seufz*

  • Engagement

Und bei all den Dingen: Wo bleibt die Zeit für die Rettung der Welt? Bisher hab ich zwar viel im Kopf, aber wenig „vorzuweisen“. Ich versuche mir einzuhämmern, dass das, was ich studiere und damit vorhabe ja in gewisser Weise schon zu „etwas Gutes tun“ zählt.

  • Gernemach

Haha. Singen, Musik schreiben, Texten, Nähen, Kultur… Verschieb ich dann wohl alles auf in 10 Jahren.

Ich stelle immer wieder fest, dass ich zu viel auf einmal will und deshalb ständig innerlich unaufgeräumt bin. Ich hab ständig so ein „Hmmm… Wieder nicht geschafft / genug gemacht“-Gefühl, was mir regelmäßig von der Innenseite meines Kopfes gegen den Schädel zu knallen scheint und mich zuweilen nicht schlafen lässt.

Und diese GedankenGedankenGedanken… Uaaaaaaah!!! Einerseits bin ich total verkopft-grübelt und mache mir über jeden Scheiß Gedanken. Andererseits bin ich aber der Meinung, dass Mensch sich selbst nicht so immens wichtig nehmen sollte und Sinnfragen allgemein ziemlich sinnlos sind, weil es nun einmal keine großen Antworten gibt. Ergo: Nicht nur die Welt ist widersprüchlich, sondern auch ich. Daraus kann jetzt irgendjemand schlau-begabtes ein fantastisches Gleichnis machen-texten-malen, ich lass es mal einfach so stehen. Oder versuche es zumindest.

Über Vorzeigetum und Geschwistergedanken

5 Tage waren wir in der tschechischen Pampa, um den Teil der Familie zu besuchen. Ewig lange Zugfahrten bei glühender Hitze, viele fremde Gesichter und eine unbekannte Sprache inklusive. Vor der Reise haben wir uns echt Gedanken gemacht, wie das P. das so mitmachen wird. Mit Bravour.

Kleine Kinder sind anscheinend doch echt belastbarer als ich oftmals so denke. Man muss sie einfach mitnehmen, mitmachen lassen und sie einbinden. Das P. ist ja eh immer ausgeglichener, wenn viel Action ist. Sie wird eher „unangenehm“, wenn nichts los ist und sie sich langweilt. Auf jeden Fall war und bin ich schwer begeistert von meinem Kind, das den ganzen, teilweise echt anstrengenden Trip sehr gut mitgemacht hat. Mit lachen und brabbeln und Leute bespaßen und all den Dingen, weshalb kleine Kinder halt Spaß machen. Woher kommen nur diese frohen Gemüter? Ist das vielleicht tatsächlich ein Zeichen dafür, dass wir (bisher) nicht so viel „falsch“ gemacht haben?

Das P. ist total aufgeweckt und quatscht mit noch nicht einmal 2 schon wie ein Wasserfall. Neuerdings sagt sie „unser“ (unser Bad, unser Hause, …) und das finde ich schon echt weit. Wir haben einfach immer normal mit ihr geredet und nicht wie mit einem verblödeten Halb-Menschen oder für was auch immer Eltern ihre Kinder halten, die sie tagaus tagein mit so einem „Dutzi“-Gesäusel belatschern… Sie schläft wirklich, wirklich gut und zwar bis 8:30 morgens – und das schon seit Ewigkeiten. Ohne schreien lassen oder sonstige Dramen. Wir haben einfach von Anfang an abends feste Abläufe und die immer beibehalten bzw. leicht ergänzt oder verändert. Sie isst ein bisschen zu viel Süßkram, das müssen wir echt krampfhaft eindämmen und sie ist ein recht forderndes Kind… Aber ansonsten… Glück gehabt? Gut gemacht? Keine Ahnung.

Was mir aber auch wieder aufgefallen ist: Ich kann nicht so dauerhaft und ständig Kinderbespaßung machen. Ich will dann einfach mal ab und zu meinen Kopf wegbewegen von der Kinderaktion und hin zu meinen Sinnfragen bzw. der dazu passenden Lektüre. Unterwegs fiel mir das wieder extrem auf. Sowohl mein Bruder als auch K. halten die Kleinkindbespaßung länger und Buddha-mäßiger durch als ich. Ich hab darauf einfach irgendwann keine Lust mehr und versuche das mit „Mein Kind soll ja auch für sich oder mit Gleichaltrigen die Welt entdecken, ich find’s doof, sie andauernd zu bespielen“-Kram zu rechtfertigen. Manchmal bekomme ich die Quittung dafür: „Gibst du Mama deine Hand?“ – „Nein. Papi!“ Hm. Aber ich KANN und ich WILL einfach nicht dauernd… Ist das jetzt schlimm? Kümmere ich mich dann echt zu wenig direkt um sie? Muss ich dauernd, dauernd, dauernd total bei ihr und ihrem Kram sein? Ich bin mir da nach wie vor manchmal unsicher.

Und dann gibt es da aktuell noch so ein Thema im Kopf: Kaum hab ich den Studienplatz sicher – und auch aus anderem aktuellem Anlass – dreht sich das Gedankenkarussell ((jedes Mal muss ich googeln wie dieses blöde Wort geschrieben wird! K-A-R-U-S-S-E-L-L)) in eine andere Richtung… Japp, es ist: Die Geschwisterfrage. Es soll eins geben und das P. wird nicht jünger. Mein Bruder und ich sind 4 Jahre auseinander und das ist schon fast zu viel. Andererseits: Das P. ist gerade aus dem ersten gröbsten raus und ich bin froh, mich mal wieder anderen Dingen zuwenden zu können und freue mich auf mein Studium. Das dann gleich wieder unterbrechen für die Babyzeit? Und überhaupt: Ein Säugling? Jetzt ganz bald? Kann ich mir gar nicht vorstellen… Andererseits bin ich mir fast sicher, dass ich es in 10 Jahren lieber eher und damit näher zusammen gemacht hätte… Und wer weiß schon, wann und ob es noch ein 2. Mal so schnell klappt? Und dann kommen da auch noch solche Artikel

Und dann war da noch…

… meine Tochter.

Im „echten“ Leben kommt sie natürlich nicht so kurz wie hier im Blog, in letzter Zeit. Tatsächlich nutze ich aber oft die Zeit, die mir dann mal bleibt zum Nachdenken über anderes. Das ist ja das, was mir tagsüber oft fehlt, weil man vom Schreibtisch direkt in die KiTa hastet und dann nachmittags und abends vorrangig Kinderbespaßung betreibt.

Also: Wir haben August und das P. ist morgen ziemlich genau 22 Monate alt. Und ja, sie hat sich schon wieder verändert. Aber sowas von…

Das P. mit 22 Monaten – Eckdaten:

  • Größe: ca. 88 cm
  • Schuhgröße: 23 cm
  • eigener Wille auf einer Skala von 1 (schwach) bis 10 (stark ausgeprägt): 5-8

Was sie jetzt neuerdings so macht:

Sie bewertet Situationen. Sie sagt zum Beispiel „Mensch“, wenn sie etwas umwirft, auskippt, rumschmiert, anmalt und genau weiß, dass wir das Mist finden. Sie sagt „nis slimm“, wenn sie hinfällt. Sie hat Angst und merkt sich bzw. erinnert sich an beängstigende Situationen… Letztens gab’s einen heftigen Wolkenbruch und K. und sie sind ganz nass geworden… Das hat sie schwer beeindruckt, aber auch beängstigt. Seitdem: „Mama! Regen! Ristis dolle! Alles nass! Alle beide!“ Sie sagt dann im übrigen auch „Angst haben!“.

„Jaaaaaaaaaaaa!“ – Sie freut sich in bestimmten Situationen unübersehbar einen Ast ab. Zum Beispiel, wenn wir sie von der KiTa abholen oder sie mal irgendwas in der Glotze gucken darf. Das ist vielleicht süß *. .*

Sie benutzt unbestimmte Artikel. Und zwar so richtig: „Eine Gabel“ – „Ein Messer“ – „Ein Ball“ – „Ein Zuhg“. Überhaupt: REDEN! Mittlerweise benennt sie eigentlich so ziemlich alles irgendwie und oft auch „richtig“. Ansonsten finde ich den Kindermund aber nach wie vor sehr entzückend und hoffe, dass es davon noch ganz viel geben wird…

Ich ist ich ist ich ist meins… Wir sind auf jeden Fall deutlich in der „Is auch“ – „Leine machen“ – „Meine“ – „Haben“-Phase angekommen. Insbesondere in Situationen mit anderen Kids zeigt sich das ganz deutlich. Außerdem hat sie so merkwürdige Anwandlungen: Wenn ein Kind sie „plötzlich“ berührt – egal ob besonders unsanft oder nicht – kreischt sie wahnsinnig laut und fängt an zu heulen. Das ist z.B. so eine Sache, die mich echt ganz schön nervt und die ich mir auch nicht erklären kann. Warum macht sie das? Sie spielt ansich ja trotzdem mit anderen Kindern. Aber da tickt sie regelmäßig aus. Sowohl nachmittags, wenn wir mit anderen Kids unterwegs sind als auch in der KiTa. Seltsam. Immerhin sagt sie aber jetzt auch „NEIN! Will nis!“, was ich ziemlich praktisch finde.

„Mama helf dia“ – Ich soll ihr bei irgendwas helfen. Ist ’ne ziemlich süße Art der Aufforderung, wie ich finde.

Irgendwie fing sie plötzlich mit „Mami“ statt „Mama“ an und auch mit Papi, Omi, Opi… Fragt mich nicht.

Rituale: Abends zieht sich jetzt noch länger… Essen, Sandmann gucken, kurz ein Abstecher in ihr Zimmer, Bad, Badewanne/Waschen + Musik hören (Ella Fitgerald („Horch! Siiik!“), Fréhel („Oma singt“)

dann in ihr Zimmer, Buch aussuchen, Buch vorlesen, „bissen kuseln“ und dabei singen, „deine bett gehn“, hinlegen, DIE Decke!, Otto (Spieluhr) anmachen, Mimi oder „Monstakissen“ zum Kuscheln, Kuss und – puuuuh – fertig. Hat sich einfach so ergeben ;-)

Die letzten vier Backenzähne kommen derzeit raus… „Mama weh! Hier! Und hier auch!“

Und sonst?

Wir sind jetzt so richtigrichtig in diesem typischen Kleinkind-Ding angekommen, glaub ich. Meistens findet sie alles total spannend. Sie klettert überall drauf (gerne auch mal über Stühle und Heizung zum OFFENEN (!) Dachfenster), malt alles an, will alles aufmachen, anfassen, „haben“. Wenn nicht = Stress. Wenn Dinge nicht gehen, die sie sich in den Kopf gesetzt hat = Drama (Beispiel? Wir haben jetzt ’ne Matroschka und es ist jedes Mal ein riesiges Problem, dass man die kleinste „tolle Püppi“ nicht aufmachen kann…). Manche Sachen will sie einfach partout nicht, why ever: Heute morgen wollte sie weder Hose noch Jacke anziehen. Und ihre HotteHü-Tasche, die sie seit neuestem ständig mit sich rumschleppt, musste auch auf jeden Fall mit in die KiTa. Sonst: Verweigerung. Momentan finde ich das meistens noch recht unterhaltsam. Mal sehen wie lange noch ;-)

★-Lieder

  • Backe, backe Kuchen (All-Time-Favourite)
  • Ringelrosen (Dank Dorobot, die wir im Juli besucht haben)
  • Alle meine Entchen
  • Alle Leut, alle Leut geh’n jetzt nach Haus‘
  • Hensel und Gretel
  • Bobo
  • Sandmann lieber Sandmann
  • Schlaf mein Kindchen

Im übrigen komme ich mit eben oben erwähnter Bespaßung mittlerweile besser klar. Ich nehme mir gar nichts anderes mehr vor in der Zeit, sondern stelle mich darauf ein, meine Nachmittage mit meiner Tochter zu verbringen. Meistens finde ich das auch richtig gut. Sollte mein Kopf dabei doch mal wieder abdrehen, weil Kind oder ich anstrengend drauf sind, hilft mir zum einen Jesper (bin immer noch bei „Das kompetente Kind“ – so viel zu meiner Lesegeschwindigkeit) und zum anderen ein anderer Blickwinkel. Immer dann, wenn ich merke, dass mein Kind mir auf den Sack zu gehen droht, wechsle ich „einfach“ die Perspektive und versuche mich schnell raus aus der Mutter und hin zu einer eher geschwisterlichen Sichtweise zu katapultieren. Klappt erstaunlich gut. Das Kind einer Freundin oder meines Bruders würde ich ja auch nicht anraunzen, nur weil es typische kindermäßige Sachen macht. Dann kann ich viel besser entscheiden, was ich auch fernab vom Routine-Nerv scheiße finde und dann auch äußere (Saftbecher immer wieder auf dem Küchentisch entleeren zum Beispiel) und was halt nur meine eigene Genervtheit ist, die ich nicht an meinem Kind auslassen mag.

Im Wandel…

Das ist, was mir im Kopf ist.

Geburtstag ist also durch. Kurz vorm alljährlichen Zahlendreher kriege ich immer so kleine sentimental-umwälzerische Anfälle. Ich denke, grüble und schreibe dann noch mehr als ich es ohnehin schon tue und überhaupt und sowieso. Dabei geht es vor allem um Zwischenmenschlichkeiten und mein bzw. das menschliche Denken. Wie und wo sind sie warum so wie sie sind?

In letzter Zeit hatte ich außerdem keinen Bock auf bloggen. Das kam auch aus dem Kopf. Ist das Bloggen nicht auch irgendwie Ausdruck dieser ganzen verdammten Profilierungs- Geltungsdrang-, Anerkennungsmaschinerie? „Guckt mich an, ich hab was zu erzählen, reagiert auf mich, ich bin alles, aber nicht normal!“ Bullshit. Wir sind alle scheiße normal. Manchmal geht’s ja auch genau darum: Bin ich normal, wenn ich so denke, fühle und ticke?

Ach quatsch! (Achtung! Zynismus oder so!) Mir geht’s da insgeheim schon um meinen total flashig-außergewöhnlichen Geist. Und da den ja in meinem direkten Umfeld keiner wahrnehmen will – warum bloß, die Banausen! – muss ich halt die anonymen Weiten des Internets bemühen.

Dieses Geheische nach Aufmerksamkeit schmeckt mir ganz und gar nicht, aber es ist schon immer ein Teil von mir. Und das es mir nicht schmeckt, macht es auch nicht weniger wahr.

Ich beschäftige mich also derzeit viel mit den Hintergründen von Anerkennung, Bestätigung, Geltungsdrang, Narzissmus… Ich finde meine dunklen Ecken in einigem wieder, in einigem so halb und in anderem so gar nicht.

Ich liebe mich selbst nicht, tendiere eher zum übermäßigen Selbstzerfleischen. Ein gewisser Menschenüberdruss (und das schreib ich nur so, um das böse Wort „Hass“ zu vermeiden) wohnt mir inne, obwohl ich ihn nicht leiden kann. Es gibt so Tage, an denen ertrage ich niemanden „da draußen“, weil die draußen mir immer wieder einen Spiegel der Gesellschaft vorhalten, zu der ich wohl oder übel auch gehöre und die ich an anderen Tagen sogar besser machen möchte. Andererseits die Anpassung: Ich versuche mich an jede soziale Situation anzupassen, vorher schätze ich unterbewusst ab, was mein Gegenüber mag und was nicht, welche meiner Interessen da gut ankommen könnten und welche eher nicht. Das passiert ganz automatisch. Ich werde hypernervös vor Situationen, in denen sich Leistungsdruck mit Uneinschätzbarkeit mischen. Und wirke am Ende doch total souverän. Ein Rätsel. Ich habe Lampenfieber, schlimmes. Eben das führt dazu, dass ich an die Bandzeit zwar auch viele toller Erinnerungen habe, aber ich trotzdem einen Teufel tun werde, mich so schnell nochmal auf eine Bühne und damit den Bewertungen einer halbwegs anonymen, missmutigen Masse zu stellen. Aber mir fehlt das singen und das musikalische Kreativsein.

– ich verliere mich gerade im Geschwafel –

Ich stelle fest, dass es mir manchmal schwer fällt mit Menschen. Weil ich so viel mit mir beschäftigt bin. Aber nicht, weil ich mich so super oder so interessant finde. Ich hab’s nicht unter Kontrolle. Durchleuchte mich, bis in jeden scheiß Winkel. Ich finde Gedanken, Entwicklungen, Empfindungen interessant – das, was einen prägt und Menschen zu dem macht, was sie sind. Ich bin mein dauerndes Forschungsobjekt. Ich kann mich einfach nicht in Ruhe lassen.

Teilweise habe ich das akzeptiert und versuche damit umzugehen, auch in anderen Bereichen die Denkfähigkeiten einzusetzen. Man hat ja nur sich und muss einfach mit sich klarkommen. Manchmal habe ich das Gefühl, mich so durchzukauen, weil ich eben nicht einfach so mit der Welt und der Menschheit klarkomme. Ich frage mich, warum es so viele böse, dumme und sinnlose Menschen und Entwicklungen gibt. Warum nicht einfach alle ihren Verstand benutzen. Das frage ich mich automatisch. Und ich versuche die Antworten – anscheinend – wenigstens teilweise in mir zu finden. Klarzukommen. Mir fundiertes Wissen anzueignen und Meinungen zu bilden. Eben nicht dumm zu sein.

Warum aber braucht Mensch dazu noch andere, die einem sagen, dass das was man ist und wie man ist und was man macht, in Ordnung, toll oder wenigstens okay ist? Warum kann man sich nicht loslösen davon?

Any Buchtipps?

P.S.: Im übrigen habe ich die Zusage für meinen Studienplatz bekommen :-) Ab Oktober also Erziehungswissenschaften, mit Pendeln und so. Gespannt, ich bin.

Kindermund (2)

Das P. qutascht ja momentan wie ein Wasserfall ;-) Die Perlen der letzten Wochen:

Reisraffl
Mama helft dia (Wenn man ihr bei etwas helfen soll)
Paktika / Pratika / Prakitka (Paprika)
Hose… (Wo ist die)
fükkedükken (frühstücken)
Metterring (Schmetterling)