Im Wandel…

Das ist, was mir im Kopf ist.

Geburtstag ist also durch. Kurz vorm alljährlichen Zahlendreher kriege ich immer so kleine sentimental-umwälzerische Anfälle. Ich denke, grüble und schreibe dann noch mehr als ich es ohnehin schon tue und überhaupt und sowieso. Dabei geht es vor allem um Zwischenmenschlichkeiten und mein bzw. das menschliche Denken. Wie und wo sind sie warum so wie sie sind?

In letzter Zeit hatte ich außerdem keinen Bock auf bloggen. Das kam auch aus dem Kopf. Ist das Bloggen nicht auch irgendwie Ausdruck dieser ganzen verdammten Profilierungs- Geltungsdrang-, Anerkennungsmaschinerie? „Guckt mich an, ich hab was zu erzählen, reagiert auf mich, ich bin alles, aber nicht normal!“ Bullshit. Wir sind alle scheiße normal. Manchmal geht’s ja auch genau darum: Bin ich normal, wenn ich so denke, fühle und ticke?

Ach quatsch! (Achtung! Zynismus oder so!) Mir geht’s da insgeheim schon um meinen total flashig-außergewöhnlichen Geist. Und da den ja in meinem direkten Umfeld keiner wahrnehmen will – warum bloß, die Banausen! – muss ich halt die anonymen Weiten des Internets bemühen.

Dieses Geheische nach Aufmerksamkeit schmeckt mir ganz und gar nicht, aber es ist schon immer ein Teil von mir. Und das es mir nicht schmeckt, macht es auch nicht weniger wahr.

Ich beschäftige mich also derzeit viel mit den Hintergründen von Anerkennung, Bestätigung, Geltungsdrang, Narzissmus… Ich finde meine dunklen Ecken in einigem wieder, in einigem so halb und in anderem so gar nicht.

Ich liebe mich selbst nicht, tendiere eher zum übermäßigen Selbstzerfleischen. Ein gewisser Menschenüberdruss (und das schreib ich nur so, um das böse Wort „Hass“ zu vermeiden) wohnt mir inne, obwohl ich ihn nicht leiden kann. Es gibt so Tage, an denen ertrage ich niemanden „da draußen“, weil die draußen mir immer wieder einen Spiegel der Gesellschaft vorhalten, zu der ich wohl oder übel auch gehöre und die ich an anderen Tagen sogar besser machen möchte. Andererseits die Anpassung: Ich versuche mich an jede soziale Situation anzupassen, vorher schätze ich unterbewusst ab, was mein Gegenüber mag und was nicht, welche meiner Interessen da gut ankommen könnten und welche eher nicht. Das passiert ganz automatisch. Ich werde hypernervös vor Situationen, in denen sich Leistungsdruck mit Uneinschätzbarkeit mischen. Und wirke am Ende doch total souverän. Ein Rätsel. Ich habe Lampenfieber, schlimmes. Eben das führt dazu, dass ich an die Bandzeit zwar auch viele toller Erinnerungen habe, aber ich trotzdem einen Teufel tun werde, mich so schnell nochmal auf eine Bühne und damit den Bewertungen einer halbwegs anonymen, missmutigen Masse zu stellen. Aber mir fehlt das singen und das musikalische Kreativsein.

– ich verliere mich gerade im Geschwafel –

Ich stelle fest, dass es mir manchmal schwer fällt mit Menschen. Weil ich so viel mit mir beschäftigt bin. Aber nicht, weil ich mich so super oder so interessant finde. Ich hab’s nicht unter Kontrolle. Durchleuchte mich, bis in jeden scheiß Winkel. Ich finde Gedanken, Entwicklungen, Empfindungen interessant – das, was einen prägt und Menschen zu dem macht, was sie sind. Ich bin mein dauerndes Forschungsobjekt. Ich kann mich einfach nicht in Ruhe lassen.

Teilweise habe ich das akzeptiert und versuche damit umzugehen, auch in anderen Bereichen die Denkfähigkeiten einzusetzen. Man hat ja nur sich und muss einfach mit sich klarkommen. Manchmal habe ich das Gefühl, mich so durchzukauen, weil ich eben nicht einfach so mit der Welt und der Menschheit klarkomme. Ich frage mich, warum es so viele böse, dumme und sinnlose Menschen und Entwicklungen gibt. Warum nicht einfach alle ihren Verstand benutzen. Das frage ich mich automatisch. Und ich versuche die Antworten – anscheinend – wenigstens teilweise in mir zu finden. Klarzukommen. Mir fundiertes Wissen anzueignen und Meinungen zu bilden. Eben nicht dumm zu sein.

Warum aber braucht Mensch dazu noch andere, die einem sagen, dass das was man ist und wie man ist und was man macht, in Ordnung, toll oder wenigstens okay ist? Warum kann man sich nicht loslösen davon?

Any Buchtipps?

P.S.: Im übrigen habe ich die Zusage für meinen Studienplatz bekommen :-) Ab Oktober also Erziehungswissenschaften, mit Pendeln und so. Gespannt, ich bin.

6 Kommentare zu “Im Wandel…

  1. Ich habe auch Probleme mit diesem Heischen nach Aufmerksamkeit. V. a. auf Facebook. Davor graut mir. Diese Ausstellung von Identitäten … Es gefällt mir auch nicht, wohin diese Entwicklung gehen kann. Andererseits ist Kommunikation mit anderen immer besser als Nicht-Kommunikation. Oder? Und ein Blog, naja, ist dann doch auch Kommunikation. Sehr wichtige Kommunikation. Ja, eh … manche Blogger_innen haben möglicherweise etwas viel Geltungsdrang. Und? Ist doch bei Journalist_innen auch so. Braucht es auch ein bisschen, denn man setzt sich z.T böser, unfairer, angriffiger Kritik aus, weil man es nie allen recht „schreiben“ kann, soll und darf (!!) – das ist nervenaufreibend/-kostend und da hilft es, wenn ein bisschen Geltungsdrang einen antreibt, den Job weiter zu machen. (als Journalistin habe ich da vielleicht aber zu Schreiben und Veröffentlichen ein anderes Bild?). Egal … ich verliere mich jetzt auch :) Ich lese deinen Blog jedenfalls sehr sehr gerne und bin dankbar dafür, dass du deine Gedanken und Unsicherheiten teilst. Das wirkt authentisch und nicht als cool umgehängtes Etikett – und schon gar nicht narzisstisch! Hm … was ich eigentlich sagen wollte: Gratuliere zum Studienbeginn!

    • Stimmt… Meine Therapeutin spricht in dem Zusammenhang gerne von einem Lustgewinn, der das Denken und natürlich demzufolge auch auch das Veröffentlichen der eigenen Gedanken mit sich bringt…

      Und ansonsten: Danke für die Blumen und ich geb’s gern zurück ;) Auch wenn ich viel zu selten zum Blögstöbern komme, obwohl es ansich ja besser wäre als facking facebook.

  2. Ich gratuliere herzlich zum Studienplatz. Das ist eine tolle Sache. Ich erinnere mich immer sehr gerne an meine Studienzeit und an den Zauber des Anfangs. :-) Bin gespannt von deinen Erfahrungen zu lesen!

    • Herzlichsten ;) Bei mir ist es ja schon der 2. Beginn – begonnen wurde schon mal, mit Anglistik aber. Aber trotzdem ist es jetzt irgendwie spannend und ich freu mich, weil’s eine Richtung ist, die mich tatsächlich interessiert und die mir Inhalte für meine berufliche Wunsch-Beschäftigung liefert.

  3. Ich gratuliere zum Studienplatz! Und ich freu mich, mal wieder etwas von dir zu lesen! Für mich sind deine Posts immer Denkanstöße. Man kann dich gar nicht lesen, ohne danach noch ein bisschen zu überlegen, ob und inwieweit man dir zustimmt oder eben auch nicht!

  4. Liebe moody…es gibt sie,die profilierungssüchtigen spotlightheischenden Menschen,die hier im Netz wie auch im realen Leben das Dasein nur immer glänzend und von aller Welt beachtet ertragen…aber denen galt nicht mein erster Gedanke beim Lesens deines posts…sondern dir und allen anderen wunderbaren blogger_innen,die in meinem Kopf Sachen anstoßen,mich beflügeln oder mir auch den Wind aus schon gehissten Segeln nehmen,die mir kleine nach frischem Wind riechende Stückchen Mut schenken mich in neue Richtungen aufzumachen und die mein kleines Hasenherz so zu berühren vernögen…ich mag deine blogeinträge,,,die aus dem Kopf und die aus dem Herz,immer bereichernd:).

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