Kindermund (5)

Ich schiebe dem P. gestern Abend beim täglich Joghurt-Spachteln achtsamerweise die Ärmel hoch, damit die nicht vom Joghurt getränkt werden. P. verzieht das Gewicht, lässt ihre beiden Augenbrauen zu einem einzigen, tiefsitzenden Balken verschmelzen, ihre Augen fühlen sich mit Tränen und sie sagt finster:

Nein, Mama! Nis‘ lustis‘! Sinn keine Freunde meha!

Ich sage zur ihr: „Ach doooooch, klar, sind wir noch Freunde!“ Und das P.?

Nein, Mama! Nis‘ doch Freunde! Keine Freunde meha!

*schnüff*

Sehr niedlich war dann gestern noch beim konzentrierten Beobachten der Raufasertapete:

Guck, Mama: Regen! 

 

(Das P. ist 23 Monate alt)

Edit: Jetzt hab ich doch in der ersten Version des Postings tatsächlich den Namen vom P. ausgeschrieben! Wer aufgepasst hat, weiß den jetzt also ;-) Aber nicht verraten!

Kleinkindliches + Privates

Das P. war in den letzten Tagen irgendwie so ein klitzekleines bisschen, also so ein ganz klein wenig … … … SIE WAR TOTAL NERVIG! Entschuldigt, aber das kann Mensch echt nicht anders nennen. Ja sicher, alles kleinkind-typisch und so. Aber wenn man selbst kein Kleinkind (oder Buddhist_in oder Esotheriker_in oder Mönch_in) ist, dann kann man das einfach nur anstrengend finden.

Man kommt zum Beispiel nicht vorwärts. Niemals. Also WIRKLICH niemals. Das P. untersucht momentan von Kackehaufen über Baustellen bis zu den verdreckten Autos einfach alles, was uns begegnet. Sie sammelt Stöcke und Kastanien, um sie direkt danach wegzuschmeißen und dann einen dramatischen Kreischanfall zu bekommen, weil sie weg sind. „Mamaaaaaa! Raaausholäääääään!“ schreit’s nachdem sie die Dinger minutenlang begeistert in die Öffnungen des Gullideckels gestopft hat. Warum verlernen wir diese Sofortlöschen-Mechanismus eigentlich wieder? Wie geil wäre das denn, wenn wir uns immer, nachdem wir etwas ziemlich beknacktes oder aber nicht vorausschauendes gemacht haben, direkt beim nächstbesten Menschen beschweren und eine sofortige Wiederumkehrung der Tatsachen einfordern könnten, ohne dabei auch nur den Anflug eines schlechten Gefühls oder -wissens haben zu müssen?! Herrliche Vorstellung!

Sie rennt zwischen parkende Autos auf die Straße und lacht sich dabei einen Ast ab. Natürlich kommt genau in dem Moment ein Auto. Ich bin so verdammt schlecht im „jetzt aber mal ernst“-sein. Und sie nimmt mich das auch selten. Das nervt mich. Sie steht auf dem Bordstein, blinzelt mich an, hebt IN ZEITLUPE das Bein… Ich sage „Neeeeeein, P., nicht auf die Straße gehen!“, sie guckt mich fordernd an und stampft mit dem Fuß absichtlich auf die Straße. Haaaaach… Und da soll mal einer ernst bleiben!

Und dann sind da natürlich noch diese Ausraster. Oh Mann… sind die zuweilen anstrengend, vor allem wenn einer nach dem anderen kommt.

  • Mama macht die Badtür zu? Ich raste aus!
  • Abends gibt’s keinen Apfelsaft? Ich raste aus!
  • Ich soll alleine laufen? Ich raste aus!
  • Mama trägt mich auf der Schulter und nicht auf dem Arm? Ich raste aus!
  • Mama trägt mich auf dem Arm? Jetzt will ich wieder runter und raste deshalb aus!
  • Ich will JETZT (in den unmöglichsten Situationen) Wutsch fahren. Geht nicht? Ich raste aus!
  • Ich soll die grüne und nicht die lila (Winterjacke) anziehen? Ich raste aus!
  • Mama gibt mir den Fruchtriegel ohne Papier? Ich raste aus!
  • Ich soll nach gerade mal 3,5 Stunden auf dem Spielplatz nach Hause? Ich raste aus!
  • Nach 1,5 Stunden Abendessen soll ich fertig werden? Ich raste aus!
  • Hose / Pullover / Strümpfe ausziehen? Ich raste (aber sowas von) aus!
  • Keine Gummistiefel bei 30 Grad? Geht’s noch?
  • Keine Matschhose im Bett? WARUM DENN NICHT???

Woran das Anstrengendsein liegt, kann ich mir denken. Davon mal abgesehen, dass Frau oder Herr Kleinkind natürlich ihren eigenen Willen haben, nach wie vor entdecken und immer noch damit rumprobieren, hat sie ganz offensichtlich einen Sprung gemacht. Seit dieser Woche macht sie nämlich was sehr, sehr entzückendes: Rollenspiele. Sie spricht mit ihrem Teddy („Wollen wir d’s baue Feuerweha-Buch guggä? Warte! Is hole! Gumm gleis wieda!“). Sie bringt ihre „tolle Püppi“ und den Teddy abends in ihre (Schuhkarton-)Bettchen und deckt sie mit Stoffwindeln zu – der Teddy kriegt immer die lila, die Puppe immer die weiße Windel als Decke. Irgendein Mitgefühl-Schalter hat sich da in den letzten Tagen umgelegt. Bei den „Der kleine Maulwurf“-Filmchen, die wir mittlerweile fast täglich anschauen ((müssen))…

…hat sie bei zwei Folgen plötzlich richtig stellvertretend für die Figuren Angst. In der einen schleppt ein Fuchs das Häschen in einem Sack weg, in der anderen regnet es so doll, dass die Maus auf’s Dach ihres Hauses klettern muss und allein nicht mehr runterkommt. Die Moral von der Geschicht ist, dass der Maulwurf immer alles wieder heile macht. Aber kurzzeitig bummert P.s Herz wie verrückt und ich frage mich, ob ich die Folgen ein paar Monate überspringen sollte… Sogar abends erzählt sie mir vom „böse Fudz Häsen Aua demacht“ und guckt dabei ganz bedröppelt.

Tatsächlich war das P. heute zum Glück wieder „normal“. Wenn sich dieses super-anstrengende „ich heule-brülle-kreische wegen JEDER Kleinigkeit“-Verhalten also immer nach 2 Tagen mit einigen entspannteren Tagen abwechselt, dann kann ich damit auch ganz gut leben.

In der Zwischenzeit hilft in solchen Phasen wohl oder übel nur immer (und immer und immer) wieder bis 10 (.000) zählen und ruhig bleiben, was mir – wider Erwarten – meistens ziemlich gut gelingt und ansonsten zieht bei mir auch immer noch die Geschwister-Taktik. Immer wenn ich drohe, den Kopf zu verlieren, tue ich so als wäre das P. ein Kind, auf das ich aufpassen muss (und nicht meins). Dann behandle ich sie kurzzeitig so und es klappt um Welten besser – zu einem weniger nahen Kind hätte man wahrscheinlich ein etwas distanziertes Verhältnis und man wäre noch mehr auf der Hut, um nicht ungerecht zu sein. Das hilft mir total.

Nächste Woche geht dann das Studium und damit auch das Pendeln und ganz allgemein der neue Lebensabschnitt los. Im Dezember wollen wir unseren 1. Übungszyklus für No. 2 starten. Ich kann mir das mit uns zu 4t manchmal mehr und manchmal weniger, manchmal besser und manchmal schlechter vorstellen, aber irgendwie fühlt es sich richtig an. Das P. wird nächsten Sonntag 2. Die beste Freundin geht für 1/2 Jahr nach Kairo. Der Herbst 2012 bringt irgendwie ganz schön viel Veränderung mit, finde ich…

1. (Blog-)Geburtstag

Da hab ich doch glatt den 1. Babykram-Jahrestag verschwitzt…

Am 01. September 2011 habe ich (im Italien-Urlaub) Babykram & Kinderkacke angelegt und den ersten Post veröffentlicht.

Und was sagt die Statistik? Seitdem gab es:

  • 154 Artikel
  • 389 Kommentare
  • die meisten Kommentare von der kraehenmutter und von unsichtbares (Danke :-*)
  • 429 Tags
  • 30 Follower
  • 425 Aufrufe am verkehrsreichsten Tag (06. Januar 2012)
  • 20.875 Aufrufe der Startseite
  • einen, mit Abstand am häufigsten geklickte Artikel (der hier)
  • 5.533 Leute, die über Suchmaschinen kamen
  • am häufigsten über den Suchbegriff ‚ausgefallene Betten‘ (na toll)
  • 1.362 Leute, die via Facebook gekommen sind
  • 1.141 Leute, die über die mädchenmannschaft hier gelandet sind

Na dann, zünden wir mal ’ne Kerze oder Feuerwerk oder tröten in eine Tröte oder was man so macht zu so einem Anlass.

Ich werfe ausnahmsweise mal ein Stöckchen und Frage die kraehenmutter und unsichtbares:

Wofür brennt ihr? Wer oder was begeistert euch so richtig? Und wie hat sich das seit dem Mutterwerden verändert?

 

Ich brenne jetzt für das Kind. Das war vorher (logischerweise) nicht so. Für alles, was sie macht und kann, quatscht und singt. Ich brenne darauf, etwas zu bewegen, meine Lebenszeit sinnvoll einzusetzen, endlich mit dem Studium zu beginnen. Ich brenne für richtig gute, intelligente Filme (Was sind eure Lieblingsfilme?). Ich brenne für spannende Lebensläufe und Wissen. Ich brenne für Musik, die den Ton trifft und was auslöst. Ich brenne für’s Schreiben (manchmal).

Ansonsten brenne ich – seit ich alles so unglaublich nervenzerreibend hinterfrage – leider nicht mehr für viel. Ich kann nicht anders, denn immer dann, wenn ich irgendetwas versuche total toll oder sinnvoll zu finden, fallen mir wieder die Widersprüche ein und die Missstände und der ganze Kladderaddatsch.

Ich war auf jeden Fall vorher begeisterungsfähiger, denke ich. Das liegt aber nicht nur an der Geburt, sondern vor allem an meinem Denkzwang.

Kindermund (4)

Es wird Zeit für die neuesten Wortschätze, die so nigelnagelneu gar nicht mehr sind, weil das P. einfach sooo viel quatscht, dass ich mit dem aufschreiben gar nicht nachkomme. Und sie wiederholt jetzt wirklich alles. Ich meine wirklich A-L-L-E-S ! Das wird jetzt also der Kindermund von Anfang August bis Anfang September. Das P. ist 22 bzw. 23 Monate alt.

Lolette = Toilette
tolle Püppi = kleinste Figur in der Matroschka
Luftbong = Luftballon
Wrerg = Zwerg
wrarz = schwarz
Fernseh-Dino = Fernbedienung
Oma Hanna = Johanna
Susalis = Physalis
noggok = Joghurt
Lulu = Lutscher (Wo’s mein Lulu?)
Mieni = sie selbst
Kamerad = Kamera
fatich = fertig
Roranse = Orange
Kätsi = Quetschtüte

Nein, Mama! Mach das nis!
Mama! Setz! Dis! Hin!
Will nis!
Smekt nis!

  • Immer-und-ständig-Frage 1: Wassä tolle Fahbä? = Was ist das für eine Farbe?
  • Immer-und-ständig-Frage 2: Oh! War’n das? = Was war das?
  • Immer-und-ständig: Nein, Mama!
  • zählen: 1, 2, 2, 4, 8, 9, 10, 4, …
  • immer mal zwischendurch: Soooo machen wir das!
  • wenn ihr etwas zu viel ist, sagt sie das magische Wort: Lassinruhä!
  • spielt mit dem Verschluss der Feuchttücherpackung und sagt: Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu
  • als sie die Farben angefangen haben zu interessieren, hat sie uns ständig irgendwas gebracht oder auf irgendwas gezeigt und fragt lautstark: Mama?! Wassä tolle Fahbä??
  • wacht plötzlich aus dem Schlaf auf und sagt: Mama! Weißer Vogel unnan Bett. Piep macht! 
  • nimmt den Regenschirm und sagt: Mama! S’regät! Ein Sürm! Kömma gehn!
  • ich bin mit ihr auf einer öffentlichen Toilette und sie ruft laut: Mamaaaa! Mumu saubäääär! ;-)
  • Der alte P.g Perego-Stuhl hat so eine Mittelstrebe, die einzeln bei uns rumlag. Sie sieht das Teil und sagt: Ein Pulla
  • Das italienische Restaurant im Urlaub hieß nur noch Mann in Baum, nachdem der Kellner nach dem Abkassieren plötzlich in den Büschen hinter unserem Tisch verschwand (weil dahinter der Hintereingang zur Küche war) – P. war vollkommen verblüfft
  • Wir haben schon alle lange aufgegessen und wollen langsam den Tisch abräumen. Plötzlich nimmt P. ihr Besteck, setzt eine wichtige Miene auf und sagt distinguiert Nein Mama! Is ess noch!
  • Das P. sortiert den Käse vom Brot, schafft es aber nicht und weist ihren Vater an: Papa wegräumen!
  • Das P. will irgendetwas haben, bekommt es aber nicht gleich. Sie zeigt energisch auf eine leere Stelle und fordert: DA LANG!
  • Wir sitzen im Auto, eine kleine Stadtlandschaft zieht draußen vorbei. Erst ein See, dann Busse, dann ein Acker mit Traktor. Das P. fängt an zu singen: Wasser, Wasser, viele Busse, Trekkor, Trekkor.
  • Ich möchte ihr die Hose ausziehen und sie sagt doch allen ernstes: Nein, Mama! Die bleibt an! *lach*

(Nido Blog der Woche-Fragebogen) Helft mir mal!

Nido.de hat mich angeschrieben und gefragt, ob ich mitmachen will, beim Blog der Woche… Dazu gibt es einen kleinen Fragebogen und ich will euch da mal bei einigen Fragen Fragen mit einbeziehen. Ihr als Leser von Babykram & Kinderkacke  könnt das sicher besser einschätzen als ich selbst. Davon mal abgesehen: In gewisser Weise ist es ja auch für mich interessant zu wissen ;-)

Also sagt doch mal:

  1. Wen könnte das {der Blog und die Themen} interessieren?
  2. Was hat der Blog, was andere nicht haben?
  3. Wie oft sollte man reinschauen?
  4. Lieblingseintrag aus dem Blog, den ihr anderen besonders ans Herz legen würdet?

Vielleicht möchte sich ja jemand daran beteiligen (und seine Stimme dann vielleicht bald auf nido.de finden ;-). Ich würde mich sehr freuen!

Eure moody