Kleinkindliches + Privates

Das P. war in den letzten Tagen irgendwie so ein klitzekleines bisschen, also so ein ganz klein wenig … … … SIE WAR TOTAL NERVIG! Entschuldigt, aber das kann Mensch echt nicht anders nennen. Ja sicher, alles kleinkind-typisch und so. Aber wenn man selbst kein Kleinkind (oder Buddhist_in oder Esotheriker_in oder Mönch_in) ist, dann kann man das einfach nur anstrengend finden.

Man kommt zum Beispiel nicht vorwärts. Niemals. Also WIRKLICH niemals. Das P. untersucht momentan von Kackehaufen über Baustellen bis zu den verdreckten Autos einfach alles, was uns begegnet. Sie sammelt Stöcke und Kastanien, um sie direkt danach wegzuschmeißen und dann einen dramatischen Kreischanfall zu bekommen, weil sie weg sind. „Mamaaaaaa! Raaausholäääääään!“ schreit’s nachdem sie die Dinger minutenlang begeistert in die Öffnungen des Gullideckels gestopft hat. Warum verlernen wir diese Sofortlöschen-Mechanismus eigentlich wieder? Wie geil wäre das denn, wenn wir uns immer, nachdem wir etwas ziemlich beknacktes oder aber nicht vorausschauendes gemacht haben, direkt beim nächstbesten Menschen beschweren und eine sofortige Wiederumkehrung der Tatsachen einfordern könnten, ohne dabei auch nur den Anflug eines schlechten Gefühls oder -wissens haben zu müssen?! Herrliche Vorstellung!

Sie rennt zwischen parkende Autos auf die Straße und lacht sich dabei einen Ast ab. Natürlich kommt genau in dem Moment ein Auto. Ich bin so verdammt schlecht im „jetzt aber mal ernst“-sein. Und sie nimmt mich das auch selten. Das nervt mich. Sie steht auf dem Bordstein, blinzelt mich an, hebt IN ZEITLUPE das Bein… Ich sage „Neeeeeein, P., nicht auf die Straße gehen!“, sie guckt mich fordernd an und stampft mit dem Fuß absichtlich auf die Straße. Haaaaach… Und da soll mal einer ernst bleiben!

Und dann sind da natürlich noch diese Ausraster. Oh Mann… sind die zuweilen anstrengend, vor allem wenn einer nach dem anderen kommt.

  • Mama macht die Badtür zu? Ich raste aus!
  • Abends gibt’s keinen Apfelsaft? Ich raste aus!
  • Ich soll alleine laufen? Ich raste aus!
  • Mama trägt mich auf der Schulter und nicht auf dem Arm? Ich raste aus!
  • Mama trägt mich auf dem Arm? Jetzt will ich wieder runter und raste deshalb aus!
  • Ich will JETZT (in den unmöglichsten Situationen) Wutsch fahren. Geht nicht? Ich raste aus!
  • Ich soll die grüne und nicht die lila (Winterjacke) anziehen? Ich raste aus!
  • Mama gibt mir den Fruchtriegel ohne Papier? Ich raste aus!
  • Ich soll nach gerade mal 3,5 Stunden auf dem Spielplatz nach Hause? Ich raste aus!
  • Nach 1,5 Stunden Abendessen soll ich fertig werden? Ich raste aus!
  • Hose / Pullover / Strümpfe ausziehen? Ich raste (aber sowas von) aus!
  • Keine Gummistiefel bei 30 Grad? Geht’s noch?
  • Keine Matschhose im Bett? WARUM DENN NICHT???

Woran das Anstrengendsein liegt, kann ich mir denken. Davon mal abgesehen, dass Frau oder Herr Kleinkind natürlich ihren eigenen Willen haben, nach wie vor entdecken und immer noch damit rumprobieren, hat sie ganz offensichtlich einen Sprung gemacht. Seit dieser Woche macht sie nämlich was sehr, sehr entzückendes: Rollenspiele. Sie spricht mit ihrem Teddy („Wollen wir d’s baue Feuerweha-Buch guggä? Warte! Is hole! Gumm gleis wieda!“). Sie bringt ihre „tolle Püppi“ und den Teddy abends in ihre (Schuhkarton-)Bettchen und deckt sie mit Stoffwindeln zu – der Teddy kriegt immer die lila, die Puppe immer die weiße Windel als Decke. Irgendein Mitgefühl-Schalter hat sich da in den letzten Tagen umgelegt. Bei den „Der kleine Maulwurf“-Filmchen, die wir mittlerweile fast täglich anschauen ((müssen))…

…hat sie bei zwei Folgen plötzlich richtig stellvertretend für die Figuren Angst. In der einen schleppt ein Fuchs das Häschen in einem Sack weg, in der anderen regnet es so doll, dass die Maus auf’s Dach ihres Hauses klettern muss und allein nicht mehr runterkommt. Die Moral von der Geschicht ist, dass der Maulwurf immer alles wieder heile macht. Aber kurzzeitig bummert P.s Herz wie verrückt und ich frage mich, ob ich die Folgen ein paar Monate überspringen sollte… Sogar abends erzählt sie mir vom „böse Fudz Häsen Aua demacht“ und guckt dabei ganz bedröppelt.

Tatsächlich war das P. heute zum Glück wieder „normal“. Wenn sich dieses super-anstrengende „ich heule-brülle-kreische wegen JEDER Kleinigkeit“-Verhalten also immer nach 2 Tagen mit einigen entspannteren Tagen abwechselt, dann kann ich damit auch ganz gut leben.

In der Zwischenzeit hilft in solchen Phasen wohl oder übel nur immer (und immer und immer) wieder bis 10 (.000) zählen und ruhig bleiben, was mir – wider Erwarten – meistens ziemlich gut gelingt und ansonsten zieht bei mir auch immer noch die Geschwister-Taktik. Immer wenn ich drohe, den Kopf zu verlieren, tue ich so als wäre das P. ein Kind, auf das ich aufpassen muss (und nicht meins). Dann behandle ich sie kurzzeitig so und es klappt um Welten besser – zu einem weniger nahen Kind hätte man wahrscheinlich ein etwas distanziertes Verhältnis und man wäre noch mehr auf der Hut, um nicht ungerecht zu sein. Das hilft mir total.

Nächste Woche geht dann das Studium und damit auch das Pendeln und ganz allgemein der neue Lebensabschnitt los. Im Dezember wollen wir unseren 1. Übungszyklus für No. 2 starten. Ich kann mir das mit uns zu 4t manchmal mehr und manchmal weniger, manchmal besser und manchmal schlechter vorstellen, aber irgendwie fühlt es sich richtig an. Das P. wird nächsten Sonntag 2. Die beste Freundin geht für 1/2 Jahr nach Kairo. Der Herbst 2012 bringt irgendwie ganz schön viel Veränderung mit, finde ich…

11 Kommentare zu “Kleinkindliches + Privates

  1. O ich erinnere mich zu gut an diese Zeit.Ein heilpraktiker hat mir damals empfohlen mit den Kindern spazierenzugehen.Er war kinderlos und ich fragte ihn ob er schon mal mit einem 2 Jährigen spazierengegangen wäre.Das wäre ungefähr so,als würde man die ganze zeit mit 10 kmh durch die Gegend fahren……sein erstaunen ist mir noch in Erinnerung:))))
    und ich liebe den kleinen Maulwurf!

    http://xeniana.wordpress.com/

  2. Ich wünsch dir viel Erfolg, Ruhe, Gelassenheit usw. fürs Neue. Und dein „ich raste aus“ hat mich zum schmunzeln gebracht – überall das Gleiche (oder heißts das Selbe?).
    Schicken Freitag wünsch ich.

  3. ohje ich bekomme wieder etwas schiss vor der zukunft.
    leider bin ich ja auch meisterhaft im „ich raste aus weil“ – hunger, durst, müde, laut, leise…mal schauen, wie das so wird.

    und ich kanns nach jedem lesen bei dir immer weniger erwarten, bis hier auch endlich mal losgeplappert wird!

    „fudz“ heissen bei uns übrigens die furze (fürze?) :D

  4. Pingback: Es funktioniert! (+ Liebeserklärung) | BABYKRAM & KINDERKACKE

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