Heulesusentum, Angsthasenbehavior & Zickigkeit

Tjaaa… Was machen die geneigten Elternmenschen denn, wenn das Kind eindeutig heulsuserisch-angsthäslich-zickiges Verhalten an den Tag zu legen pflegt?

Jajajajajaaa… „Die Wohlmeinenden“ haben da sicher Recht, wenn sie sagen: Ein Kind ist nun einmal wie es ist. Kinder müssen hin- und angenommen werden, in ihrer Gänze akzeptiert und geliebt werden. Ich bin mir sicher, dass es schlaue Leute gibt, die das richtigerweise anmerken.

ABER: Wie kommt denn eine zweijährige Tochter von ziemlich lässigen und offenen Eltern (…ächem…frei gewähltes Beispiel selbstverständlich…) dazu, bei kleinsten Berührungen durch andere Kinder durchzudrehen? Sich fußballeresk an den Arm zu greifen und weinend in sich zusammenzusinken, nachdem sie an der Stelle leicht von einem fiesen kleinen (10 Monate alten) Jungen gestriffen wurde?

Woher kommen bitte die theatralischen „Noooooooaaaaaaaaaaaaain, Nungeeeeeeeeeeeee!!!“-Tobsuchtsanfälle, wenn sich ein kleiner 8,5 Monate alter Kerl im Sandkasten, rein zufällig robbend(!) circa in die Richtung ihres Eimers bewegt? Was ist das bitte für eine Scheiß-Aktion, wenn die kleine T. aus der KiTa gerade süßestens mit einer Püppi spielt und das P. schnurgerade zu ihr läuft, ihr die Puppe aus der Hand reißt und „Nein! Meins!“ keift, sodass die kleine T. ganz verstört zurückbleibt – schließlich sind die beiden sonst eigentlich dickste Freunde.

Warum guckt die kleine C. – in unserem Buggy sitzend – total entspannt in eine andere Richtung, während das P. vor ihr rumpelstilzchenmäßig rumhüpft und brüllt… So sehr, dass ich mich kurz vergewissern muss, dass sie nicht gerade einen mittelschweren epileptischen Anfall hat?! Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass sich sogar schon die anderen Kinder in P.s Alter denken „Boar, wie stressig ist die denn drauf?“, weil sie bei jedem Scheiß ausflippt? (<– Ironie!)

Wir lassen die Kinder eigentlich fast alles unter sich „regeln“ und versuchen, so wenig wie nur möglich in ihre Streitereien, ihr Spiel, ihr Miteinander einzugreifen. Dann zickt das P. halt und das C. lacht sich darüber kaputt.

Hmmm, ich muss mich offensichtlich damit „abfinden“: Mein Kind ist gerade nicht sonderlich entspannt. Mein Kind ist – in der Hinsicht, zumindest momentan – nicht „cool“. Sie ist nicht das lässige Playground-Kid, das mit allen anderen problemlos Freundschaften schließt, sondern eher das, bei dem sich die anderen Eltern freuen, wenn wir endlich nach Hause gehen… Eigentlich ist sie sogar oft ziemlich hysterisch. Soweit so wenig dramatisch. Dann ist das jetzt halt so.

Ich frage mich aber trotzdem, auch interessehalber, folgende Dinge:

  1. Inwiefern bin ich dafür (erzieherisch) verantwortlich? Gibt es da Sachen, mit denen man diese Tendenzen „begünstigt“?
  2. Liegt das dann doch an der individuellen Persönlichkeit und hat eher etwas mit Veranlagung / Charakter zu tun?
  3. Reicht ein einmaliges Erlebnis aus, um so ein Verhalten zu „verursachen“?*
  4. Wie wirkt man den Tendenzen denn „entgegen“? Also ein bisschen „cooler“ darf sie schon sein…

Nachtrag

Ich befürchte, dass diese ganze Ausführung total falsch rüberkommt! Aber… what the fuck… Ich denke und hoffe, dass einige trotzdem wissen, was ich meine. Oder die Gedanken kennen… Es geht nicht darum, dass mein Kind unbedingt meinen Vorstellungen total entsprechen soll oder so… Eher um… soziale Kompetenzen… Ich habe ihr das Buch „Meins! Nein, meins!“ besorgt und sie LIEBT ES und fühlt bei der „Meine, nein meine“-Geschichte richtig mit. Es ist ihr aktuelles Lieblingsbuch. Sagt auch einiges, oder?

Übrigens: Auch ich finde die Bezeichnung „zickig“ im Bezug auf ein Kleinkind nicht toll… Ich kann es auch nicht leiden, wenn Eltern ihre kleinen Kinder „spaßigerweise“ Zimtzicke oder so ähnlich nennen. Ich finde das ganz schrecklich. Aber die Bezeichnung trifft ihr Verhalten in den spezifischen Situationen recht gut. Sollt jemandem ein bezeichnenderes Wort einfallen, gern in den Kommentaren darauf hinweisen!

* Als sie etwa 12 Monate alt war und so langsam laufen gelernt hatte, war ich mal mit ihr auf dem Spielplatz. Sie hat sich zum ersten Mal auf den Rutschturm getraut und stand da ganz oben, mich stolz angrinsend und ich grinste zurück. Ein toller Moment war das. Bis plötzlich hinter ihr so ein ((piiiiep)) ver((piiiiiiiiep))tes ((piiiiiep)) ((piiiep piiiiiiep)) Mädchen auftauchte. Sie war etwa 5 (?) Jahre alt und schubste das, mich nach wie vor unschuldig und freudig angrinsende P. harrsch vom Rutscheingang weg. Das P. fiel natürlich hin, mit dem Kopf an das Spielgerüst. Sie weinte noch nicht einmal, sie guckte einfach nur schockiert und irgendwie fassungslos. (So fassungslos wie ein 12 Monate altes Kind halt gucken kann) Das … … … Mädchen guckte sie sehr, sehr finster an, verzog ihr Gesicht ekelhaft hexenmäßig und brüllte ihr ins Gesicht „Du rutschst jetzt hier nicht! Jetzt kommt die Schajenn dran!“ P. war vollkommen fertig und aufgelöst. Sie hat wirklich gezittert! Ohne Mist! Und ich auch so ein bisschen. Ich hätte der blöden Kuh am liebsten eine geklatscht. Danach hat das P. mehrere Monate nicht mehr rutschen wollen. Bis dahin war sie wirklich fröhlicher und „unvoreingenommener“ anderen gegenüber…

Es funktioniert! (+ Liebeserklärung)

Die vielen Gespräche der letzten Zeit mit K. und anderen Menschen, das viele Schreiben und auch eure Antworten auf meine Fragen, vielleicht auch der Beginn des Studiums, in dem ich mich ja nun auch fachlich mit pädagogischen Themen auseinandersetze, scheint etwas zu bewirken. Weniger bei meinem kleinen P. als bei mir.

Ja, ich komme zunehmend besser klar. Auch wenn das komisch klingt, weil mein Artikel über die „Grenzen-Problematik“ (höhö!) ja erst vorgestern hier erschienen ist. Das gärt und entwickelt sich ja alles schon länger. Und was soll ich sagen? Es funktioniert. JUHUUU!

Ich bin konsequenter. Und ich weiß, dass das gut ist. Ich sage Dinge wie „Ja, das Messer ist runtergefallen. Du kannst es selbst aufheben oder es bleibt liegen. Ich hebe es nicht auf.“ oder auch „P, wenn du einfach rumbrüllst, dann möchte ich nicht mehr weiter essen.“ Wundersamerweise Dinge, die ich vorher nie so klar ausgesprochen habe, die aber ganz einfach funktionieren. Das P. sagt dann „Doch Essen!“ und es geht friedlich weiter.

Ich bin interessierter. Eine Kommilitonin meinte, sie fände meinen Tipp mit der „Geschwister-Taktik“ total gut. Das hatte ich bis dato vor Gram über die schlechte Stimmung von mir und P. schon wieder fast vergessen. Aber es ist tatsächlich ein guter Tipp! Und wenn ich bei all der Mütterlichkeit und den Fragen im Kopf meinem Kind einfach mal wieder interessiert beim Spielen und „sich verhalten“ zugucke, dann löst sich ganz viel „Ätz!!!“ in „Hach…“ oder „Ach deshalb!“ auf. So einem Kleinkind beim Welterkunden und Reagieren beobachten kann nämlich echt spannend sein.

Ich bin ausgeglichener. Tatsächlich bewirkt die „gerechtere“ Verteilung des D.A.K. („Dienst am Kind“) in und mit mir wahre Wunder. Trotz organisatorischem Stress und innerer Anspannung ob all der neuen Menschen, Themen und Fristen, die auf mich einströmen, fühle ich mich mit meiner Familie wohler. Weil ich nicht mehr immer und jeden Nachmittag alleine entscheide, was ich mit meinem Kind nun anstellen soll, auch dann, wenn ich eigentlich das Bedürfnis habe, meinen Kopf und mich mal mit etwas anderem zu beschäftigen. K.’s Dienste sind jetzt verteilter, er holt das P. regelmäßig aus der Kita ab und die beiden mich dann vom Bahnhof. K. ist nicht mehr einmal im Monat eine Woche ganz weg. K. und ich waren sogar 2x in dieser Woche gemeinsam OHNE KIND frühstücken! Luxus! Es kommt so etwas wie Paarzeit auf und es tut uns gut. Uns allen! (Btw. bestätigt sich hier meine Vermutung, dass MEINE ideal-utopische (?) Vorstellung von Familie wäre: Beide Eltern = Teilzeit.)

Kleinkinder sind (auch) toll! Ehrlich! ;-)

Das versprochene Nach-Reichen der Gegenseite. Das ist mir wirklich, wirklich wichtig! Ich nutze diesen Blog (so wie übrigens jegliche „Output-Optionen“) immer eher als Spucknapf und Kompensations-Instrument. Ich bin nicht so gut über Sachen zu schreiben, die ganz toll und entzückend sind und ich komme auch selbst mit den Zuckerguss-über’s-Kind-Artikeln nicht gut klar. Ich les das nicht so gerne. Das klingt immer so nach übertriebener Mutterliebe und Protzen und Schürze tragen und Putzfimmel und Reihenhaus und Angst vor Nonkonformität… Ich krieg davon jedenfalls immer ein kleines bisschen Gänsehaut. Ich kaue lieber Probleme und Fragen durch, zeige lieber die andere, irgendwie auch normale Seite des Elternseins und… ja… kotze ein bisschen ab. Aber zugegeben: Vielleicht entsteht dadurch ein bisschen der falsche Eindruck?

Nun ja: Hier also mein Versuch für alle Eltern, die vielleicht hier mitlesen, jüngere Kinder haben und sich bei jedem neuen Artikel denken: „ACH DU SCHEISSE! WIE WERDE ICH MEIN KIND LOS BEVOR DAS MIT IHM PASSIERT???“, von den anderen, total schönen Kleinkind-Seiten zu erzählen:

  1. Sie lernen sprechen!

    Das ist das tollste und lustigste und beste überhaupt. Der wundervolle „Quark“, der jeden Tag aus P. rauspurzelt ist so entzückend und herzallerliebst, dass auch ich die Zuckerguss-Quetsche nicht unterdrücken kann. Oder auch einfach: Wenn Kinder sprechen lernen, das fetzt! Die ganze unverdorbene Kreativität und Phantasie kommt da zum Ausdruck. P. singt z.B. ganz oft Phantasie-Liedchen, manchmal Quatsch-Texte auf bekannte Kinderlied-Melodien („Alle meine Hüte, swimmen aufen See!“) oder ganz neue Kreationen wie „Kommt die kleine Schnecke. Und die Augen. Und die kleine geeeeeeelbe Erdbeere“.

    Das wollt und dürft ihr nicht verpassen, schon allein dafür „lohnt“ sich jede Kleinkind-Phase allemal!

  2. Sie zeigen uns die Welt!

    Zum Beispiel: „Alles ist Spielzeug! Ich brauche kein extra Spielzeug, Mama. Kauf nicht immer so viel Rotz!“ Kleinkinder kommen auf so viele tolle Ideen… Diese Art von Phantasie, die hat man als Erwachsener einfach nicht mehr. Und ein bisschen erklären sie uns damit die Welt neu, finde ich. Das P. hat bei einem unserer letzten Abendbrote zum Beispiel eine Sandwich-Gurke über ihren Finger gelegt und festgestellt, dass das nun eine Rutsche ist. Woraufhin erst ihre Finger und dann die Physalis die Gurken-Rutsche ausprobieren durften. Kuscheltier-Mäuse werden genauso verabschiedet wie Bücher, Lineale und Schränke. Alle Menschen werden begrüßt, egal ob man sie kennt oder nicht. Überall wird Freundschaft geschlossen, kleinste Gemeinsamkeiten (und sei es nur ein Blick, der sich trifft) reichen aus, um kurzfristige Freundschaften zu schließen.

  3. Sie zeigen uns, wer wir sind!

    Immer wieder faszinierend: Kleine Kinder spüren, womit oder mit wem ihre Eltern ein Problem haben, bevor sie sich selbst darüber im klaren sind. Bist du unentspannt, sind sie es auch. Bist du dir bei einer Sache nicht sicher, sind sie es sich auch nicht. Kannst du etwas oder jemanden nicht leiden, reagieren sie dementsprechend auf die Situation. Willst du dich aus Angst (die du aber eigentlich überwinden willst) vor etwas drücken, drängen sich dich dazu es doch zu tun. Kleinkinder sind ein Spiegel ihrer Eltern. Sagt man nicht, dass Großeltern erst an ihren Enkeln sehen, ob sie gute Eltern gewesen sind? Ich denke, dass das sowas von wahr ist!

  4. Es macht Spaß und es macht Sinn!

    Ich frage mich das immer mal, wenn ich gerade den Impuls verspüre, dass ich keine Lust ein Kleinkind-Kram habe: Was würde ich jetzt tun, wenn ich kein Kind hätte? Rumhängen. Smalltalk mit irgendwelchen Leuten führen. Irgendwas tun. Jede Kneipentour und jedes Konzert mitnehmen. Tolles Ding. In diesen Momenten wird mir sehr oft klar, dass ich froh bin. Froh, dass ich nach der Uni nicht in meine WG fahre und abends ein paar Drinks zum einschlafen brauche. Froh, dass ich irgendwelchen Quatsch machen nicht mehr als meinen Lebensinhalt bezeichne. Froh, dass ich mich nie allein fühle. Froh, dass ich mich nicht mehr ständig fragen muss, wohin mich mein Leben führen soll und wofür ich das alles tue. Froh, dass ich einen Grund habe, nach Hause zu fahren. Froh, dass ich mich auf mein Zuhause freue. Froh, dass ich eine Familie habe.

  5. Liebe.

    Die Liebe, die Mensch von seinen eigenen Kindern entgegengebracht bekommt ist immens. Ehrlich, unvoreingenommen, rein… Das haut mich immer wieder um. Das war so von Anfang an. Aber ein Kleinkind hat ja noch einmal ganz neue Möglichkeiten, zu zeigen, dass es einen mag und braucht. Wenn dem Plapperkind dann plötzlich, neben haufenweise anderen Wörtern, „Hab Mama auch lieb“ aus dem Mund purzelt und es einen anstrahlt. Wenn das Kind beim Abholen in einem Affenzahn von gaaaaaanz hinten im Kita-Garten bis nach gaaaaaaaaaaaanz vorn zur Eingangstür gerannt kommt, um sich einem in die Arme zu werfen. Wenn man abends zusammen auf dem Sofa hängt und das kleine Große zu einem auf den Bauch geklettert kommt und man dann da so liegt und kuschelt und „Der kleine Maulwurf“ guckt. Wenn man am Samstagmorgen 10:00 die Zimmertür aufmacht, um das Kind zu wecken und man es 1. so vorfindet:

und man 2. mit einem fröhlichen „Hallo Mamaaaaaaaa! Gut deslafen?“ empfangen wird. Wenn man abends im Bad bei gedämpften Licht tanzend Ella Fitzgeralds „Tenderly“ hört und sich ein kleiner Kopf ganz entspannt in den Nacken schmiegt und sich zwei Ärmchen um den Hals schlingen…

Dann… ja, dann ist der ganze Nerv vergessen und es ist einfach toll, ein kleines Kind zu haben, mit dem man seine Zeit verbringen darf.

Grenzen (Ja! Schon wieder!)

Ich bin mir sicher, dass ich mich wiederhole. Aber es drängt. Insofern müsst ihr da jetzt durch.

Ich empfinde nämlich diverse mütterlich-elterliche Zwiespalte bezüglich der Sache mit den Grenzen. Dem irgendwie wenigstens ein bisschen “autoritär” sein. Dem “Jetzt reicht’s aber echt mal”. Dem “Hör auf damit!” einerseits. Und dem Respektieren der Wünsche und Gefühlsregungen meines Kindes. Dem Zeigen, dass sie okay ist, wie sie ist andererseits.

Es ist so: Das P. neigt immer wieder zu recht anstrengenden Phasen bzw. Tagen. An diesen Tagen geht eigentlich gar nichts. Also es macht irgendwie gar nichts wirklich Spaß. Beinahe alles ist mit Anstrengung verbunden. Das liegt daran, dass das P. in diesen Phasen gern mal:

  1. wahnsinnig empfindlich ist, was Kinder angeht. Die dürfen in ihrer Gegenwart – außerhalb des Kindergartens – eigentlich gar nichts tun, außer so weit wie möglich weg von ihr an die Wand gucken vielleicht. Ausnahmsweise.
  2. alles, aber auch wirklich alles mit heulen und brüllen und ningeln und motzen kommentiert. Jedes wollen. Alles, was ihr nicht passt. Eigentlich jede Situation. Tatsächlich. Heulen und Ningeln ohne Unterbrechung bis das Muttertier bekloppt im Kopf wird und genervt reagiert („Hör. Jetzt. Auf. Zu. Schrei. Hen!“). Oder verzweifelt („Bitte! BITTE! Hör auf zu schreien!“). Oder beides („Waaaah!“).

Gründe dafür hab ich weitgehend erörtert. Nach der KiTa, in der sie keinen Mittagsschlaf mehr macht, ist große Nachmittagsaction mit weiteren Kindern einfach zu viel für sie. Insbesondere wegen dem fehlenden Schlaf. Wahrscheinlich wäre nach Hause gehen und dort ruhig spielen besser als andere Situation mit wieder anderen Kindern. Schade, aber wohl wahr und verständlich.

Andererseits spielt sie an anderen, vom Ablauf her ähnlichen Tagen, wieder ganz entspannt mit Kindern und ist weniger fordernd und „zickig“. Es ist dermaßen anstrengend, wenn sie andere Kinder so ankeift, weil sie z.B. nur in ihre Richtung schauen. (Dazu sei an dieser Stelle auch gern noch einmal der Artikel empfohlen, den schon glücklich scheitern und mama007 empfohlen haben: klick!) Das ist quasi nicht-gesellschaftsfähig. Nicht, weil mir das peinlich wäre, sondern weil es keinen Spaß macht. Ihr nicht, mir nicht und den Leuten, mit denen wir uns treffen auch nicht. Allerdings ist das vorher auch nicht abzuschätzen wie sie so drauf ist. Und: Ja klar, mein Kind „darf“ auch Launen haben. Soll sie sogar!

Aber es geht mir dabei vor allem um so prinzipielle Sachen wie zum Beispiel:

  • Wegrennen, zwischen 2 Autos in Richtung Straße, und das lustig finden
  • „Ich will das. Nein, ich will das. Nein, ich will doch das. Oder das. Und das. Gib mir das da! SOFORT!“ beim Essen
  • überhaupt das ständige, ununterbrochene Verlangen und Fordern nach irgendwas in einem unerträglichen Dauerquängel-Ton
  • das bereits erwähnte hauen-anschreien anderer Kinder, obwohl die nicht wirklich etwas anschreienswertes tun
  • Sich in irgendwelche (für uns! für sie nicht!) sinnlosen Situationen schlimm reinsteigern und stundenlang heulen ohne sich zu beruhigen

Wie reagiert man da schlau? Also schlau im Sinne von: Ich respektiere sie, aber zeige ihr auch, dass sie meine Grenzen respektieren und akzeptieren muss. Und ein dauerschreiendes Kleinkind geht mir mit der Zeit deutlich an meine Belastungsgrenze! Ich kann dann einfach irgendwann nicht mehr. Und dann kann ich auch nicht mehr „cool“ reagieren.

Natürlich ist für sie wahrscheinlich jedes dieser Ereignisse irgendwie eine schlimme Sache. Aber ich denke auch, dass sie mittlerweile einfach weiß, dass wir auf Quängelei und Brüllen/Heulen halt in irgendeiner Form reagieren. Aber die Konsequenz, von heute auf morgen gar nicht mehr darauf zu reagieren, ist doch auch nicht richtig oder etwa doch? Aber welche ist es dann?

Ich habe versucht, ihr das zu erklären. Sie versteht ja eigentlich schon wirklich sehr viel. Aber das anscheinend dann doch noch nicht. Ich versuche, ihr zu erklären, dass ich nicht will, dass sie so schreit und dass ich sie so nicht verstehen kann. In allen möglichen Varianten. Aber ich glaube nicht, dass sie weiß, was ich meine. Sie findet das normal, denke ich. Sie hat es halt so gelernt. Ich will was –> ich fordere es ningelnd-schreiend-heulend ein –> ich bekomme es. Ich will etwas nicht –> ich wehre mich ningelnd-schreiend-heulend dagegen –> es erfolgt irgendeine Reaktion. Mama will nicht, dass ich etwas mache –> ich mache es trotzdem und finde das lustig.

Any ideas?

Kleinkindliches Drama – 1. Akt

Bitteschön, dankeschön und auf Wiedersehen! So oder so ähnlich denkt ein Teil von mir, nachdem ich das P. derzeit nach den allmorgendlichen Start-„Schwierigkeiten“ dankbar (!) in der KiTa abgeliefert habe. Ich bin dann fest entschlossen: Heute ist es soweit. Ich hebe alles Geld, was sich auf dem Konto befindet, ab – das sind so etwa 150 Euro – und fahre zum Flughafen. Ich buche ein One-Way-Ticket nach mirwurschtwohin und schlage mich dort als mirwurschtalswas durch. Den Rest werde ich schon nach und nach vergessen. Nur raus hier! Das erträgt doch kein normaler Mensch!

6,5 Minuten später finde ich mich furchtbar und schreibe anstattdessen dieses:

KLEINKINDLICHES DRAMA

Die Protagonisten:

  • Mutter
  • Vater
  • Kind (2 Jahre)

Akt 1.1 – Schlafzimmer

Oktober. Eigentlich golden, hier aber eher verhangen-trübe. Kurz nach Dämmerung. Schlafzimmer. Dumpfes Geblög aus dem Kinderzimmer ist zu hören.

(Kind:) Rabääääääääh! Maaaamaaaaa!!! KOMM! HIER! HER! Rabäääääääää!!!

Elterliches, allmorgendliches Umdrehen und krampfhaft-hoffnungsvolles Kopfkissen über die Ohren ziehen. Ich-will-noch-ein-bisschen-liegen-bleiben-Grunzlaute werden ausgetauscht.

Vater: … hrchmpf chüüüü (tut als würde er noch tief und fest schlafen)

Mutter: Das ist jetzt aber nicht dein Ernst?

Vater: …

Mutter (verärgert): Hallohooo?! Ich hab dich was gefragt, verdammt noch mal!

((Kind: Rääääääääääääääääääääääää! MAMA! PAPA!!! AUSSESLAFEN!))

Vater: (lunzt betont verschlafen unter dem Kopfkissen hervor): Was is’n?

Mutter (resigniert): Na was wohl? Deine Tochter ist WACH!

Vater: Und?

Mutter: Oh Mann, du kotzt mich echt total an!

Mutter ab. Vater zieht sich die Decke über den Kopf und stöhnt.

Vater (nuschelnd): … Jeden … verdammten … Morgen …

Akt 1.2 – Kinderzimmer

Schlafzimmer. Fast vollständige Dunkelheit. Ein kleiner Spalt Licht scheint durch die fast vollständig zugezogenen Verdunkelungsrollos. Das Kind liegt mit dem Kopf am Bettrand und schlägt „Mama“-schreiend die Beine gegen die Gitterstäbe.

Kind: MAMAMAMAMAMAMAMAMAMAMAAAAAAA… Oh! (sieht die Mutter) Hallo! (grinst)

Mutter (gähnend): Hallo, mein Schatz. Hast du gut geschlafen?

Kind (Blick verdunkelt sich): MAMA! AUSSESLAFEEEEEEEEEEEN!

Mutter (in Panik geratend): Alles gut! Wir gehen jetzt ins Bad, ziehen uns…

Kind (Tränen herauspressend): NEEEEEEIN! NIS BAD GEHN! NEEEEEEIN! FRÜSTRÜCKEN!!!

Mutter (versucht Genervtheit zu verbergen): Wir gehen ins Bad und dann gehen wir Frühstücken.

Kind (kreischend): NEEEIN! NEIIIIIN! NEEEEEEEEIN! IS SPIEL NOCH!

Mutter: (-.-)

Das Kind nimmt sich ein Feuerwehrauto und beginnt – scheinbar betont vertieft – zu spielen. Die Mutter setzt sich frustriert auf’s Bett. (Alternativ: Die Mutter läuft ins Schlafzimmer und zieht dem Vater die Bettdecke weg).

Mutter: Wir gehen jetzt ins Bad. Wir müssen dich anziehen. Dann gehen wir frühstücken und in den Kindergarten.

Kind: NEEEEEEIN! MÖSTE NIS! DAHAUSE BLEIBEN!

Mutter: Jetzt gehen wir erstmal ins Bad.

Die Mutter nimmt das strampelnde Kind und trägt es ins Bad. Auf dem Weg geht sie im Schlafzimmer vorbei und hält das schreiende Kind dem Vater neben den schlafenden Kopf.

Akt 1.3 – Badezimmer

Mutter (betont spielerisch): So jetzt ziehen wir mal ganz schnell den Schlafanzug aus und…

Kind (tobsuchtwütend): NEEEIN! MAMA! NEEEEIN! (Die Stimme bricht) nis slafsug.. an.. siehn…!

Das Kind haut der Mutter mehrmals auf die Hände, wenn diese versucht, den Schlafanzug auszuziehen. Mit viel Mühe gelingt es ihr immerhin, das Oberteil auszuziehen.

Kind: Mickimaus ansiehn!

Mutter: Mickmaus ist noch nass, wir müssen etwas anderes anziehen, zum Beispiel das Kleid mit den Sternen.

Kind (herzzereißend weinend): NEIIIIIIN! MAMA!!! MICKIMA-MA-MA – (schluchz) – HUS A-A-N-SIE-HI-N!

Mutter (versucht die Ablenkungstaktik): Ohhhh, was haben wir denn hier? Was ist denn auf dem Buch drauf?

Kind (schlägt der Mutter das Buch aus der Hand): M-I-C-K-I-M-A-U-S  O-B-A-T-E-I-H-Ä-L ANSIEHN!!!

Mutter (harrsch): NEIN! BASTA!

Die Mutter zieht das heulende Kind an.

Akt 1.4 – Schlafzimmer

Der Vater schläft. Auftritt Mutter und Kind. 

Mutter: Ich muss mich jetzt auch anziehen.

Kind: NEEEEIN! NIS ANSIEHN! FRÜSTRÜCKEN! NETZ!

Mutter: Erst ziehe ich mich an und dann können wir frühstücken.

Kind: NEEEEEEEIN!

Mutter: Du kannst auch allein in die Küche gehen, ich komme gleich. (Mutter öffnet den Schrank)

Kind: NEEEEEEIN! SRANK SUUUU-MACHÄN!!! NEEEEINNN! NIS DOCH!

Vater: Hcccchmooopf… Och Manno!

Mutter (zum Vater): Du bleibst jetzt mal ganz ruhig!!

Vater: Zick mich halt nicht so an!

Mutter: Leck mich am Arsch!

Kind: Lek mis an As.

Mutter und Vater (zum Kind): NEIN! Das sagt man nicht!

Kind (lacht): Sat ma nis.

Akt 1.5 – Küche

Kind sitzt im Kinderstuhl am Küchentisch. Die Mutter sieht sich orientierungslos um.

Mutter: So. Jetzt können wir frühstücken. Was möchtest du denn essen?

Kind: Müsi.

Mutter (freudig): Fantastisch! Also Müsli… Wollen wir…

Kind: Nein! Nis Müsi! Noghurt essen!

Mutter: Joghurt? Okay, dann Joghurt. (holt den Joghurt aus dem Kühlschrank)

Kind: Aufmachen!

Mutter: Ja, bin doch schon dabei. (zieht den Deckel ab)

Kind: NEEEEEEIN! NEEEEEEEEIN! NEEEEEEEEEEIN! (bricht in Tränen aus)

Mutter (entgeistert): Was zur….?

Auftritt Vater.

Vater: Was ist denn hier schon wieder los?

Mutter: Ich habe – ehrlich – keine Ahnung.

Kind: NEIN MAMA! NIS NOGURTMÜSI! NIS AUFMACHEN!

(nach einigen Verständigungsproblemen stellt sich heraus, dass das Kind sich daran stört, dass die Mutter den Joghurtdeckel einfach abgemacht hat, anstatt dies das Kind tun zu lassen)

Vater (zum Kind): Möchtest du Müsli essen?

Kind (zum Vater): Ja, bitte Papa. (strahlt)

Mutter: …

Vater holt die grüne Plastikschüssel und will das Müsli in diese füllen.

Kind: NEEEEIN! NEEEEEEIN! NEEEEEIN, PAPA! NIS! IS MACH DAS! BAUE SÜSSEL!

Mutter (zum Vater): Ha-Ha! (grinst gehässig)

Vater (gibt dem Kind die blaue Schüssel, lässt das Kind das Müsli einfüllen): So. Mit Milch?

Kind: Ja, bitte Papa, Mis!

Vater holt die Milch aus dem Kühlschrank und gießt diese auf das Müsli. 

Kind (rastet vollkommen aus, fällt fast vom Stuhl, läuft blau an): NEIN! RABÄÄÄH! NEEEEEEIN! NIS! NEEEEEEEEEEIN!!! RABÄÄÄÄH (Flecken entstehen im Gesicht)

Vater und Mutter: ? ? ?

(nach einigen Verständigungsproblemen stellt sich heraus, dass das Kind sich daran stört, dass der Vater, die Milch einfach so auf das Müsli gekippt hat, anstatt dies das Kind tun zu lassen. Umständliche Umfüllaktionen – von der blauen ohne Milch wieder in die Grüne und zurück – sind wenig erfolgreich. Schließlich möchte das Kind doch Müsli MIT Milch.)

Ungefähre Dauer der Aufführung: 15 – 20 Minuten. Jeden verdammten Morgen.

2. Geburtstag

Ach ja… Da war ja was…

Dieses möchtegern-cool umgehen mit dem Geburtstag des eigenen Kindes ist natürlich aufgesetzt! Ich war hibbelig vorher und ich hab ein Geburtstagtischlein (MIT TISCHDECKE!!!) für das P. vorbereitet, Geschenke eingepackt und Muffins gebacken. Ich habe Freunde und Familie eingeladen, Kaffee kredenzt (mehr schlecht als recht) und bin um das P. rumscharwenzelt wie nichts Gutes… Schließlich war das hier der erste Geburtstag, den sie so richtig mitbekommt. Wir waren in den letzten Wochen bei drei verschiedenen Kindergeburtstagen. Und immer musste das P. ganz tapfer die kleinen, verführerischen Geschenkchen an die Geburtstagskinder übergeben. Das war echt hart, glaube ich. Einige Wochen haben wir uns mit ihr über „debutztag“, „desenk“ und „rotes hüpfeferd, feuawehr und rümelmonsta“ unterhalten und immer sagen müssen „Bald, mein Schatz…“: Jetzt war’s also endlich soweit!

Und die Bilanz?

  • viel zu viele Geschenke! (obwohl es von uns nur 3 ausgewählte Sachen gab! Ich schwöre!)
  • ein ziemlich krankes P., die sich dafür aber echt sehr gut gehalten hat
  • Besuch von 10 bis 21 Uhr
  • insgesamt etwa 20 – 25 Leute auf 130 qm
  • 2 Familien mit Kindern von 5 haben wegen Krankheit und Urlaub abgesagt
  • 1 kotzendes Kind (mit Anlauf in den Maulwurf-Koffer)
  • 1 Kind mit – durch Anfassen der Wunderkerze – verbrannter Hand :-(
  • „bilän mit desenke“ statt Essen
  • das P. isst tatsächlich den ganzen Tag Süßkram, wenn sie kann
  • 1,5 Stunden Gitarre üben des 9-jährigen Cousins auf der E-Gitarre
  • das P. zieht sich zurück und guckt Bücher an, wenn’s zu viel ist (cool!)
  • am Tag nach der Party wird krank gemacht

Beliebtestes Geschenk bis jetzt ist ein Holz-Kipper, der schon durch einige Generationen meiner Familie gewandert ist – gutes Kind!

Also ich denke, dass es schlimmer mutti-mäßig geht. Ich habe viel zu wenig Essen vorbereitet und jeder sollte was mitbringen. Wir haben eigentlich ein Picknick im Park geplant und am Abend vorher noch kurzfristig umdisponiert. Es gab keine Programmpunkte, keinen aufwändigen Kuchen und keine Bespaßung. Im Prinzip hab ich das tatsächlich mal – ausnahmsweise – auf uns zukommen lassen (können). Und das war auch echt okay so. Kann ich nur empfehlen!

 

Und wieder mal wieder eine Frage, die mich in dem Zusammenhang direkt interessiert: Wie handhabt ihr denn das bei euch mit Kindergeburtstagen und vor allem Spielzeug- bzw. Geschenkeflut? Gebt ihr der Familie Anweisungen, was geschenkt werden soll? Fliegt dafür „altes“ Spielzeug weg? Tauscht ihr regelmäßig aus? Wie viel haben eure Kinder so?

+ + + + + + +

Und ach ja: Babykram & Kinderkacke ist der aktuelle Blog der Woche auf nido.de! Zu lesen gibt es ein kleines Interview mit meiner Wenigkeit inkl. Props in Richtung meiner Lieblings-Blogger_innen (DorobotaufZehenspitzenglücklich scheitern,unsichtbareskraehenmutter) und Mit-Verwendung eurer Antworten aus der „Was meint ihr?“-Umfrage von vor … 4 Wochen (?) – mein Dank an dieser Stelle noch einmal an alle, die sich daran beteiligt haben! Ich freu mich :-)

Konsum (Update)

Vor geraumer Zeit hatte ich ja unter anderem diesen Artikel zum Thema fairer Konsum, Bio, saubere Kleidung etc. geschrieben und mich gefragt, wie Mensch sich denn „heutzutage“ in einer Industrienation verhalten soll / kann / darf / muss, um sowas wie „fair“ zu sein. Das ist jetzt 10 Monate her. Zeit für ein Update. Denn: Die Fragen beschäftigen mich natürlich nach wie vor.

Ernährung. In der Zwischenzeit leben wir noch immer zu 98% fleischlos – alle 2 Monate gibt es mal eine (Bio-)Hühnersuppe und 1x im Monat Fisch. Wir essen wahrscheinlich viel zu viele Milchprodukte (Milch, Joghurt, Käse, Sahne, Schmand, Creme Fraîche, sauere Sahne, Butter, Frischkäse, …). Wir hatten viele Monate eine regionale Bio-Kiste, mit der ich aber nur partiell gut klarkam, weil ich einfach nicht ständig so viel koche. Und das teure Gemüse in die Tonne hauen ist ja fast noch schlimmer als den Billig-Kram kaufen. Die neue und mir gut gefallende Variante heißt: Wochenmarkt. Das verbindet viel Gutes. Man geht bewusster einkaufen, man „strengt“ sich fast ein bisschen an. Man quatscht mit den Herstellern über ihr Obst und Gemüse und darüber, wo die Pilze herkommen. Und man macht dabei noch nebenbei quasi einen Familienausflug. Das fühlt sich gut an. Ich benutze den Bio-Supermarkt häufiger und achte auch im normalen Supermarkt ziemlich darauf, was ich kaufe. Alles tierische möglichst Bio. Es erschreckt mich, dass ich in vielen Wochen keine Äpfel aus Deutschland dort bekomme. Dafür aus Neuseeland. Und es erschreckt mich noch mehr, wie vielen Leuten das nach wie vor total egal ist. Da ist sie wieder, die eigene Haustür.

Wohnen. Wir leben in einer 130qm-Wohnung im Dachgeschoss. Das ist teuer und eigentlich zu viel Raum für 2,5 Menschen. Unser größtes Problem ist, dass uns ein Balkon fehlt und die Miete zu hoch ist. Einrichtungsmäßig sind die Möbel aus K.s Erbe gemischt mit den I.kea-Anschaffungen meiner ersten Wohnung. Das ist wahrscheinlich auch nicht okay. Aber Geld, Zeit und Kraft für einen Umzug…? Und wo denn hin? Neubau? Altbau? Sanierter Altbau? Und der Stadtteil? Möglichst der hier. Der ist alternativ, wird allgemein als studentisches In-Viertel bezeichnet. Stichwort Gentrifizierung. Also unsanierter Altbau im Randgebiet? Oder energie-effiziente Kernsanierung?  Wie „darf“ Mensch städtisch leben? Eigentlich will ich am liebsten: Ein Hausprojekt mit mehreren Freunden, Familien usw. beziehen, alles selbst renovieren und da wohnen. Gemeinschaftlich. So ähnlich wie es unsichtbares beschrieben hat.

Energie. Unser Stromanbieter (naturstrom) hat uns die Info geschickt, dass wir für nächstes Jahr 12 Euro weniger Strom pro Monat zahlen müssen. Also bringen die StandBy-Steckdosen und der ganze Kram doch was. Dafür haben wir uns vor ein paar Monaten einen (immerhin gebrauchten) Trockner angeschafft, weil mich das ständige Wäschewaschen und Aufhängen so unglaublich genervt hat. Ich freue mich immer noch bei jedem Waschgang über die Zeitersparnis, verpasse mir aber zeitgleich einen kleinen, imaginären Peitschenhieb ob meiner Faulheit und dem Betrügen meiner Ideale.

Fortbewegung. Immerhin: Wir haben uns nach wie vor kein Auto angeschafft und haben es auch nicht vor. Das ist gut. Die Preise der Verkehrsbetriebe ärgern mich. Ich fange ab nächste Woche an zu pendeln und kriege Schweißhände bei dem Gedanken, was mich das kostet. Wir haben 3,5 Fahrräder und einen Fahrradanhänger, den wir eigentlich nicht benutzen. Sollten wir den verkaufen, obwohl wir Nr. 2 planen? Dann brauchen wir doch wieder einen, oder? Also lieber noch warten. Dafür hat das P. einen Fahrradsitz, mit dem sie sich gern rumkutschieren lässt. Den haben wir neu gekauft, weil die Gebrauchtpreise fast höher waren als die Neupreise. Ist das jetzt „schlecht“?

Kleidung. Ich nähe immer mehr Klamotten selbst, leiste mir aber keine Öko-Stoffe. Ich kaufe deutlich weniger Klamotten ein und habe bei jedem Teil, was ich neu kaufe immerhin ein richtig schlechtes Gewissen. Ganz lassen kann ich es aber nicht. Oder es wenigstens auf wirklich nötiges beschränken. Das ärgert mich. Immerhin: Ich habe ausgemistet und viele Sachen auf einem Flohmarkt verkauft oder gespendet. Das hat sich auch gut angefühlt. Sich eingrenzen, weniger besitzen. Weniger, einfach von allem. Ich versuche Klamotten für das P. selber zu machen oder Second Hand zu kaufen. Das ziehe ich auch in 80% der Fälle durch. Aber ich mache mir nichts vor: Kaufräusche kriegen mich immernoch. Im Urlaub zum Beispiel. An einem Schlechtwetter-Tag sind wir doch tatsächlich in so eine Mega-Mall gefahren. Is‘ ja alles so schön billig da. Nach all dem Beschränken ging’s richtig mit mir durch… Ich falle immer wieder auf H&M rein. Danach hab ich mich gefühlt als müsste ich kotzen… Das fühlte sich an wie die Fress-Attacke eines Bulimie-Kranken.

Engagement. Ich will, will, will mich engagieren. Aber ich weiß einfach nicht wo. Am liebsten würde ich Bildungsarbeit in genau diesen Bereichen machen. Die Leute zum Nachdenken über ihr Konsumverhalten bringen. Zum Hinterfragen der eigenen Wertvorstellungen. Wenn ich an die weiteren Versuche denke, ein Stipendium zu bekommen, wird mir ganz anders, weil ich kaum Faktisches in den Spalten zu „gesellschaftspolitisches Engagement von … bis …. bei Organisation xyz“ vorzuweisen habe. Ich finde einfach keine Organisation, der ich mich sofort anschließen will. Ich bin Mitglied der Grünen Jugend, kann aber mit ganz vielen Sachen wenig anfangen. Mir ist das zu jugendlich, irgendwie. Ich spiele mit dem Gedanken, mich beim der Organisation Ökolöwe zu engagieren, bin mir aber auch da nicht sicher. Am liebsten wäre mir was eigenes, was ich gestalten kann. So wie das hier. Gehöre ich auch zur „Generation Man müsste mal„? Okay, ich will im Bereich der „Bildungsoptimierung“ tätig sein. Ich denke, dass Bildung der Schlüssel ist. Ich will alles – meine Lebens- und Denkzeit – darauf verwenden, dass begriffen wird, wie unglaublich wichtig Bildung ist. Von der Krippe bis zur Hochschulreife. Von der besseren Ausbildung und Bezahlung für Erzieher_innen über sinnvollere Bildungskonzepte bis zu durchdachten Lehrplänen für Schulen. Deshalb studiere ich Pädagogik. Aber reicht das? Warum fang ich nicht sofort an, wenn es mir doch so wichtig ist? Mache ich mir etwas vor?? Sitze ich am Ende wieder hier, schreibe Marketingkonzepte und gestehe mir ein, dass all der Idealismus nichts bringt und mich nur krank macht? Dieses ewige schlechte Gewissen…

Achtsamkeit. Ich achte auf Inhaltsstoffe und Zucker und Fett und Transportwege. Auf Fußabdrücke und Lieferanten und Arbeitsbedingungen… Aber ehrlich? Es wird mir echt alles zu viel und ich weiß überhaupt nicht, woran ich mich halten soll. Was ist denn nun „gesund“ und gleichzeitig fair und bio und ökologisch und saisonal und frisch und … na, wenigstens okay? Manchmal denke ich mir: „Oh Mann. Ich geb’s auf. Mein schlechtes Gewissen und meine Unzulänglichkeitsgefühle kotzen mich nur noch an! Ich scheiße drauf, ein guter Mensch zu sein. Es funktioniert einfach nicht“ Aber ich kann es nicht abstellen.

Konsum = Glück? In meiner Stadt gibt es seit geraumer Zeit einen weiteren der eh schon zu viel vorhandenen Konsumtempel. Und alle freuen sich. Die Zeitungen freuen sich, weil sie einen eigenen Media Store in dem Ding haben. Die Leute freuen sich, weil die Freunde jetzt endlich wieder Jobs haben. Die „Verbraucher“ (wie ich dieses Wort „liebe“…) freuen sich, weil sie jetzt statt 5 H&M’s 6 zur Auswahl haben und alles so schön glitzert und blinkt. Die Freunde moderner Architektur freuen sich, weil jetzt noch ein stahl-gläserner Klotz die Innenstadt „verschönert“. Und ich bekomme Gänsehaut. Einfach nur Gänsehaut. Wirklich. Warum nehmen so unglaublich viele Menschen das Konzept „Konsum = Glück = Lebensinhalt eines modernen Menschen“ so kritiklos hin? Irgendwo hab ich mal gelesen:

Konsumieren hält Menschen vom Denken ab.

Mittlerweile sehe ich das genauso. „Ich kaufe, also bin ich.“

Eine Fragebogen zum Thema „Nachhaltige Stadtfinanzierung“ fragt mich, was ich besser finde, um Einnahmen in die Stadt zu spülen: Kürzungen, Einnahmesteigerung oder Wachstum. Tolle Auswahlmöglichkeiten. Ich hätte gern die Auswahlmöglichkeit „Umdenken“ gehabt…