Grenzen (Ja! Schon wieder!)

Ich bin mir sicher, dass ich mich wiederhole. Aber es drängt. Insofern müsst ihr da jetzt durch.

Ich empfinde nämlich diverse mütterlich-elterliche Zwiespalte bezüglich der Sache mit den Grenzen. Dem irgendwie wenigstens ein bisschen “autoritär” sein. Dem “Jetzt reicht’s aber echt mal”. Dem “Hör auf damit!” einerseits. Und dem Respektieren der Wünsche und Gefühlsregungen meines Kindes. Dem Zeigen, dass sie okay ist, wie sie ist andererseits.

Es ist so: Das P. neigt immer wieder zu recht anstrengenden Phasen bzw. Tagen. An diesen Tagen geht eigentlich gar nichts. Also es macht irgendwie gar nichts wirklich Spaß. Beinahe alles ist mit Anstrengung verbunden. Das liegt daran, dass das P. in diesen Phasen gern mal:

  1. wahnsinnig empfindlich ist, was Kinder angeht. Die dürfen in ihrer Gegenwart – außerhalb des Kindergartens – eigentlich gar nichts tun, außer so weit wie möglich weg von ihr an die Wand gucken vielleicht. Ausnahmsweise.
  2. alles, aber auch wirklich alles mit heulen und brüllen und ningeln und motzen kommentiert. Jedes wollen. Alles, was ihr nicht passt. Eigentlich jede Situation. Tatsächlich. Heulen und Ningeln ohne Unterbrechung bis das Muttertier bekloppt im Kopf wird und genervt reagiert („Hör. Jetzt. Auf. Zu. Schrei. Hen!“). Oder verzweifelt („Bitte! BITTE! Hör auf zu schreien!“). Oder beides („Waaaah!“).

Gründe dafür hab ich weitgehend erörtert. Nach der KiTa, in der sie keinen Mittagsschlaf mehr macht, ist große Nachmittagsaction mit weiteren Kindern einfach zu viel für sie. Insbesondere wegen dem fehlenden Schlaf. Wahrscheinlich wäre nach Hause gehen und dort ruhig spielen besser als andere Situation mit wieder anderen Kindern. Schade, aber wohl wahr und verständlich.

Andererseits spielt sie an anderen, vom Ablauf her ähnlichen Tagen, wieder ganz entspannt mit Kindern und ist weniger fordernd und „zickig“. Es ist dermaßen anstrengend, wenn sie andere Kinder so ankeift, weil sie z.B. nur in ihre Richtung schauen. (Dazu sei an dieser Stelle auch gern noch einmal der Artikel empfohlen, den schon glücklich scheitern und mama007 empfohlen haben: klick!) Das ist quasi nicht-gesellschaftsfähig. Nicht, weil mir das peinlich wäre, sondern weil es keinen Spaß macht. Ihr nicht, mir nicht und den Leuten, mit denen wir uns treffen auch nicht. Allerdings ist das vorher auch nicht abzuschätzen wie sie so drauf ist. Und: Ja klar, mein Kind „darf“ auch Launen haben. Soll sie sogar!

Aber es geht mir dabei vor allem um so prinzipielle Sachen wie zum Beispiel:

  • Wegrennen, zwischen 2 Autos in Richtung Straße, und das lustig finden
  • „Ich will das. Nein, ich will das. Nein, ich will doch das. Oder das. Und das. Gib mir das da! SOFORT!“ beim Essen
  • überhaupt das ständige, ununterbrochene Verlangen und Fordern nach irgendwas in einem unerträglichen Dauerquängel-Ton
  • das bereits erwähnte hauen-anschreien anderer Kinder, obwohl die nicht wirklich etwas anschreienswertes tun
  • Sich in irgendwelche (für uns! für sie nicht!) sinnlosen Situationen schlimm reinsteigern und stundenlang heulen ohne sich zu beruhigen

Wie reagiert man da schlau? Also schlau im Sinne von: Ich respektiere sie, aber zeige ihr auch, dass sie meine Grenzen respektieren und akzeptieren muss. Und ein dauerschreiendes Kleinkind geht mir mit der Zeit deutlich an meine Belastungsgrenze! Ich kann dann einfach irgendwann nicht mehr. Und dann kann ich auch nicht mehr „cool“ reagieren.

Natürlich ist für sie wahrscheinlich jedes dieser Ereignisse irgendwie eine schlimme Sache. Aber ich denke auch, dass sie mittlerweile einfach weiß, dass wir auf Quängelei und Brüllen/Heulen halt in irgendeiner Form reagieren. Aber die Konsequenz, von heute auf morgen gar nicht mehr darauf zu reagieren, ist doch auch nicht richtig oder etwa doch? Aber welche ist es dann?

Ich habe versucht, ihr das zu erklären. Sie versteht ja eigentlich schon wirklich sehr viel. Aber das anscheinend dann doch noch nicht. Ich versuche, ihr zu erklären, dass ich nicht will, dass sie so schreit und dass ich sie so nicht verstehen kann. In allen möglichen Varianten. Aber ich glaube nicht, dass sie weiß, was ich meine. Sie findet das normal, denke ich. Sie hat es halt so gelernt. Ich will was –> ich fordere es ningelnd-schreiend-heulend ein –> ich bekomme es. Ich will etwas nicht –> ich wehre mich ningelnd-schreiend-heulend dagegen –> es erfolgt irgendeine Reaktion. Mama will nicht, dass ich etwas mache –> ich mache es trotzdem und finde das lustig.

Any ideas?