Es funktioniert! (+ Liebeserklärung)

Die vielen Gespräche der letzten Zeit mit K. und anderen Menschen, das viele Schreiben und auch eure Antworten auf meine Fragen, vielleicht auch der Beginn des Studiums, in dem ich mich ja nun auch fachlich mit pädagogischen Themen auseinandersetze, scheint etwas zu bewirken. Weniger bei meinem kleinen P. als bei mir.

Ja, ich komme zunehmend besser klar. Auch wenn das komisch klingt, weil mein Artikel über die „Grenzen-Problematik“ (höhö!) ja erst vorgestern hier erschienen ist. Das gärt und entwickelt sich ja alles schon länger. Und was soll ich sagen? Es funktioniert. JUHUUU!

Ich bin konsequenter. Und ich weiß, dass das gut ist. Ich sage Dinge wie „Ja, das Messer ist runtergefallen. Du kannst es selbst aufheben oder es bleibt liegen. Ich hebe es nicht auf.“ oder auch „P, wenn du einfach rumbrüllst, dann möchte ich nicht mehr weiter essen.“ Wundersamerweise Dinge, die ich vorher nie so klar ausgesprochen habe, die aber ganz einfach funktionieren. Das P. sagt dann „Doch Essen!“ und es geht friedlich weiter.

Ich bin interessierter. Eine Kommilitonin meinte, sie fände meinen Tipp mit der „Geschwister-Taktik“ total gut. Das hatte ich bis dato vor Gram über die schlechte Stimmung von mir und P. schon wieder fast vergessen. Aber es ist tatsächlich ein guter Tipp! Und wenn ich bei all der Mütterlichkeit und den Fragen im Kopf meinem Kind einfach mal wieder interessiert beim Spielen und „sich verhalten“ zugucke, dann löst sich ganz viel „Ätz!!!“ in „Hach…“ oder „Ach deshalb!“ auf. So einem Kleinkind beim Welterkunden und Reagieren beobachten kann nämlich echt spannend sein.

Ich bin ausgeglichener. Tatsächlich bewirkt die „gerechtere“ Verteilung des D.A.K. („Dienst am Kind“) in und mit mir wahre Wunder. Trotz organisatorischem Stress und innerer Anspannung ob all der neuen Menschen, Themen und Fristen, die auf mich einströmen, fühle ich mich mit meiner Familie wohler. Weil ich nicht mehr immer und jeden Nachmittag alleine entscheide, was ich mit meinem Kind nun anstellen soll, auch dann, wenn ich eigentlich das Bedürfnis habe, meinen Kopf und mich mal mit etwas anderem zu beschäftigen. K.’s Dienste sind jetzt verteilter, er holt das P. regelmäßig aus der Kita ab und die beiden mich dann vom Bahnhof. K. ist nicht mehr einmal im Monat eine Woche ganz weg. K. und ich waren sogar 2x in dieser Woche gemeinsam OHNE KIND frühstücken! Luxus! Es kommt so etwas wie Paarzeit auf und es tut uns gut. Uns allen! (Btw. bestätigt sich hier meine Vermutung, dass MEINE ideal-utopische (?) Vorstellung von Familie wäre: Beide Eltern = Teilzeit.)

Kleinkinder sind (auch) toll! Ehrlich! ;-)

Das versprochene Nach-Reichen der Gegenseite. Das ist mir wirklich, wirklich wichtig! Ich nutze diesen Blog (so wie übrigens jegliche „Output-Optionen“) immer eher als Spucknapf und Kompensations-Instrument. Ich bin nicht so gut über Sachen zu schreiben, die ganz toll und entzückend sind und ich komme auch selbst mit den Zuckerguss-über’s-Kind-Artikeln nicht gut klar. Ich les das nicht so gerne. Das klingt immer so nach übertriebener Mutterliebe und Protzen und Schürze tragen und Putzfimmel und Reihenhaus und Angst vor Nonkonformität… Ich krieg davon jedenfalls immer ein kleines bisschen Gänsehaut. Ich kaue lieber Probleme und Fragen durch, zeige lieber die andere, irgendwie auch normale Seite des Elternseins und… ja… kotze ein bisschen ab. Aber zugegeben: Vielleicht entsteht dadurch ein bisschen der falsche Eindruck?

Nun ja: Hier also mein Versuch für alle Eltern, die vielleicht hier mitlesen, jüngere Kinder haben und sich bei jedem neuen Artikel denken: „ACH DU SCHEISSE! WIE WERDE ICH MEIN KIND LOS BEVOR DAS MIT IHM PASSIERT???“, von den anderen, total schönen Kleinkind-Seiten zu erzählen:

  1. Sie lernen sprechen!

    Das ist das tollste und lustigste und beste überhaupt. Der wundervolle „Quark“, der jeden Tag aus P. rauspurzelt ist so entzückend und herzallerliebst, dass auch ich die Zuckerguss-Quetsche nicht unterdrücken kann. Oder auch einfach: Wenn Kinder sprechen lernen, das fetzt! Die ganze unverdorbene Kreativität und Phantasie kommt da zum Ausdruck. P. singt z.B. ganz oft Phantasie-Liedchen, manchmal Quatsch-Texte auf bekannte Kinderlied-Melodien („Alle meine Hüte, swimmen aufen See!“) oder ganz neue Kreationen wie „Kommt die kleine Schnecke. Und die Augen. Und die kleine geeeeeeelbe Erdbeere“.

    Das wollt und dürft ihr nicht verpassen, schon allein dafür „lohnt“ sich jede Kleinkind-Phase allemal!

  2. Sie zeigen uns die Welt!

    Zum Beispiel: „Alles ist Spielzeug! Ich brauche kein extra Spielzeug, Mama. Kauf nicht immer so viel Rotz!“ Kleinkinder kommen auf so viele tolle Ideen… Diese Art von Phantasie, die hat man als Erwachsener einfach nicht mehr. Und ein bisschen erklären sie uns damit die Welt neu, finde ich. Das P. hat bei einem unserer letzten Abendbrote zum Beispiel eine Sandwich-Gurke über ihren Finger gelegt und festgestellt, dass das nun eine Rutsche ist. Woraufhin erst ihre Finger und dann die Physalis die Gurken-Rutsche ausprobieren durften. Kuscheltier-Mäuse werden genauso verabschiedet wie Bücher, Lineale und Schränke. Alle Menschen werden begrüßt, egal ob man sie kennt oder nicht. Überall wird Freundschaft geschlossen, kleinste Gemeinsamkeiten (und sei es nur ein Blick, der sich trifft) reichen aus, um kurzfristige Freundschaften zu schließen.

  3. Sie zeigen uns, wer wir sind!

    Immer wieder faszinierend: Kleine Kinder spüren, womit oder mit wem ihre Eltern ein Problem haben, bevor sie sich selbst darüber im klaren sind. Bist du unentspannt, sind sie es auch. Bist du dir bei einer Sache nicht sicher, sind sie es sich auch nicht. Kannst du etwas oder jemanden nicht leiden, reagieren sie dementsprechend auf die Situation. Willst du dich aus Angst (die du aber eigentlich überwinden willst) vor etwas drücken, drängen sich dich dazu es doch zu tun. Kleinkinder sind ein Spiegel ihrer Eltern. Sagt man nicht, dass Großeltern erst an ihren Enkeln sehen, ob sie gute Eltern gewesen sind? Ich denke, dass das sowas von wahr ist!

  4. Es macht Spaß und es macht Sinn!

    Ich frage mich das immer mal, wenn ich gerade den Impuls verspüre, dass ich keine Lust ein Kleinkind-Kram habe: Was würde ich jetzt tun, wenn ich kein Kind hätte? Rumhängen. Smalltalk mit irgendwelchen Leuten führen. Irgendwas tun. Jede Kneipentour und jedes Konzert mitnehmen. Tolles Ding. In diesen Momenten wird mir sehr oft klar, dass ich froh bin. Froh, dass ich nach der Uni nicht in meine WG fahre und abends ein paar Drinks zum einschlafen brauche. Froh, dass ich irgendwelchen Quatsch machen nicht mehr als meinen Lebensinhalt bezeichne. Froh, dass ich mich nie allein fühle. Froh, dass ich mich nicht mehr ständig fragen muss, wohin mich mein Leben führen soll und wofür ich das alles tue. Froh, dass ich einen Grund habe, nach Hause zu fahren. Froh, dass ich mich auf mein Zuhause freue. Froh, dass ich eine Familie habe.

  5. Liebe.

    Die Liebe, die Mensch von seinen eigenen Kindern entgegengebracht bekommt ist immens. Ehrlich, unvoreingenommen, rein… Das haut mich immer wieder um. Das war so von Anfang an. Aber ein Kleinkind hat ja noch einmal ganz neue Möglichkeiten, zu zeigen, dass es einen mag und braucht. Wenn dem Plapperkind dann plötzlich, neben haufenweise anderen Wörtern, „Hab Mama auch lieb“ aus dem Mund purzelt und es einen anstrahlt. Wenn das Kind beim Abholen in einem Affenzahn von gaaaaaanz hinten im Kita-Garten bis nach gaaaaaaaaaaaanz vorn zur Eingangstür gerannt kommt, um sich einem in die Arme zu werfen. Wenn man abends zusammen auf dem Sofa hängt und das kleine Große zu einem auf den Bauch geklettert kommt und man dann da so liegt und kuschelt und „Der kleine Maulwurf“ guckt. Wenn man am Samstagmorgen 10:00 die Zimmertür aufmacht, um das Kind zu wecken und man es 1. so vorfindet:

und man 2. mit einem fröhlichen „Hallo Mamaaaaaaaa! Gut deslafen?“ empfangen wird. Wenn man abends im Bad bei gedämpften Licht tanzend Ella Fitzgeralds „Tenderly“ hört und sich ein kleiner Kopf ganz entspannt in den Nacken schmiegt und sich zwei Ärmchen um den Hals schlingen…

Dann… ja, dann ist der ganze Nerv vergessen und es ist einfach toll, ein kleines Kind zu haben, mit dem man seine Zeit verbringen darf.

3 Kommentare zu “Es funktioniert! (+ Liebeserklärung)

  1. Gelassenheit und das möglichst immer, läßt uns meist intuitiv richtig reagieren. Mir fehlt im Alltag ganz oft die Gelassenheit, Hektik, Stress und Ärger lassen mich ganz oft ne ganz doofe Mama sein. Aber ich sage mir solange ich selber reflektiere und meine Fehler erkenne, gehts noch. Schöne Liebeserklärung ans Kind, halt sie fest :-)

  2. Ich finds auch ne schöne Zusammenfassung. Und sie sagt eigentlich alles. Ist man selbst gelassener, wird das Leben leichter, sogar manchmal, OHNE dass sich beim Kind was geändert hat. Aber in der Folge der zunehmenden Gelassenheit passieren dann meist die lang ersehnten Änderungen auch beim Kind. Leider verpasst man undankbarer Weise oft den Moment, ab dem es plötzlich easy ist…

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