Kleine ‚Girassungs‘

(„Girassungs“ heißt ‚Überraschung‘ auf p.nisch.)

Manchmal möchte ich meiner Tochter gern eine Freude machen. Ich würde ihr dann gern ein Überraschungsei, ein Stück Schoki oder sonstwas geben. Als kleine Überraschung/Freude/Erheiterung… Mir ist manchmal einfach danach. Manchmal würde ich ihr auch gern ein kleines lustiges Video zeigen oder ähnliches.

Aber meistens macht das einfach keinen Spaß.

Am Freitag war ich zum Beispiel einkaufen und hab ihr so ein Ei auf den Maltisch gelegt. Als ich sie von der Kita abgeholt habe, habe ich angekündigt, dass Zuhause eine kleine Überraschung auf sie wartet. ‚“Girassungs?“ fragt sie und freut sich. Damit kann sie seit dem Geburtstag schon etwas anfangen.

Hier wird wieder das Thema „Maß“ gestriffen: Sie entdeckt die Freude, freut sich, spachtelt sie freudig erregt weg – was bei P. ausschließlich in Form von STOPFEN passiert – und fordert (mit noch vollem Mund): „PMOCH MEEEEHA, PFMAMA? PMOCH MEHA PIRAFFUNG?!“ Ich sage dann sowas wie: „Die Schokolade war  die Überraschung, mein Schatz. Mehr gibt es nicht.“ Mittlerweile sage ich ihr oft auch schon vorher, dass es nur dieses eine gibt.

Und dann verfällt sie – na klar – in einen mittelschweren Tobsuchtsanfall, heulen und kreischen und (neuerdings): „Donnerwetter!“ schimpfen und theatralisch den Arm vor die Augen schmeißen inklusive. Und ich bin nicht genervt aber, na sagen wir mal: Ich finde es schade, dass das das Resultat ist.

Also: Einfach lieber sein lassen, weil sie da noch zu jung für sind? Oder den Tobsuchtsanfall als gegeben hinnehmen, weil Lerneffekt?

 

(Das P. ist 25 Monate alt)

8 Kommentare zu “Kleine ‚Girassungs‘

  1. Ganz platt würde ich sagen: wenn du feststellst, dass du ihr mit der Freude, die du beabsichtigst zu machen, keine Freude machst, sondern der Frust überwiegt, dann lass es doch einfach. Es wäre ja egoistisch, jemanden zu beschenken, weil man seine Freude teilen möchte, aber derjenige ärgert sich in der Summe mehr darüber. Alltagspraktisch habe ich auch schon oft das eine Stück Schokolade bereut, was ich meinem Zweijährigen unüberlegt gegeben habe (aus denselben Gründen – allerdings bockt er nur kurz und flippt nicht so aus). Diese ganze aufgebaute Spannung mit vorheriger Ankündigung halte ich für P.s Alter tatsächlich für eine Überforderung. Lernen kann sie an spontanen kleinen Freuden die Frustrationstoleranz vermutlich erstmal besser ;-). Schönen Abend!

  2. ich muss das p. unbedingt mal kennen lernen!
    habe jedes mal tränen in den augen vor lachen und herzflattern, weil es sich so süß anhört!

    sollte es jemals so weit sein, verspreche ich auch, keine piraffung bereit zu stellen!

  3. Ich würde es genauso weitermachen wie du es machst! Allerdings vielleicht vorher noch mehr reden („es gibt EINE Überraschung“ …) und ggf ankündigen, dass es morgen noch eine gibt wenn nicht geweint wird hinterher. ansonsten morgen keine. das kann man natürlich nicht ewig fortführen aber einen Versuch wär’s Wert! bei meiner Tochter funktioniert das.

  4. Du sprichst mir aus de Seele – und meine Kinder sind schon ein wenig älter (4 und 7) und der Tobsuchtsanfall eher klein, aber man macht ihnen eine Freude und sofort kommt: MEHR. Vielleicht sind das einfach Kinder. Ich lasse es trotzdem nicht sein, denn manchmal kommt auch mittlerweile echte Freude über winzige Kleinigkeit….also, nicht aufgeben, wächst sich alles aus…;-)

  5. Ich selbst mag keine Überraschungen. Jedenfalls nicht, wenn sie angekündigt werden. Sich dazu zu verhalten finde ich meist mühsam, weil man ja die_den Schenker_in nicht enttäuschen will und ich einfach überraschungsmäßig eher unentspannt-unspontan bin und mich schnell überrumpelt fühle usw. Ich fühle also ein bisschen mit P. mit, wenn sich Erwartungen aufbauen (kiloweise Schokolade :-) oder was auch immer) und die dann enttäuscht werden. Wenn ich die absurde (?) Parallele zwischen mir und einem Kleinkind ziehen müsste, würde ich empfehlen: Überraschungen nicht ganz abschaffen, aber vielleicht als Versuch einmal nicht ankündigen? Dann fällt zwar die Vorfreude weg (die mir selber unbekannt ist), aber möglicherweise gibts auch keine Enttäuschung? Sondern einfach eine schlichte Im-Moment-Freude?

  6. Muss eine Überraschung was zu essen sein? Wenn du sie mit einem Pixi-Büchlein oder etwas ähnlichem überraschst, gäbe es vielleicht dieses „meha“ nicht?

  7. Weiter machen; zum einem freust du dich vorher deiner Tochter einen Gefallen zu machen und zum anderen lernt das Kind enorm viel dabei.
    Meine Großen habe das gelernt und fordern nicht mehr „mehr“, nur der 18 Monate Stritzel der verfällt genau in diesen Tobsuchtsmodus.

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