Fassung? Verloren!

Verdammt. VerdammtVerdammtVerdammt. Vorhin habe ich mich (für mein Dafürhalten) zum ersten Mal P. gegenüber so richtig die Fassung verloren. Ich fühle mich furchtbar. Wie muss sie sich erst fühlen? Ach Mann… :-(

Folgende Situation:

Nach dem gemeinsamen Spielen im Indoor-Spielplatz mit unseren befreundeten Kids sind wir immer erst recht spät zu Hause. Das P. hatte vorgestern Nacht eine Magenverstimmung (nachts ein komplett vollgek*tztes Kind aus dem Bett holen, Bett neubeziehen, heulendes Kind + dessen Haare waschen macht so richtig Laune). Also hat sie gestern nicht viel gegessen. Heute war sie wieder in der Kita, ihr ging es gut.

Wir kamen also nach Hause, sie war schon ziemlich nölig, weil sie im Kindergarten nur noch selten mittags schläft. Ich hab mich ans Kochen gemacht, sie durfte Maulwurf gucken. Soweit so gut.

Seit neuestem isst P. gern Fruchtzw*erge. (Davon kann man halten, was man will, wir hatten jetzt gerade auch mal welche da) Abends gibt es die hier eigentlich nicht. Sie hat sich einen aus dem Kühlschrank geholt und wollte den Essen. Ich hab mich auf den Kompromiss eingelassen: Erst Kartoffeln, dann der Fruchtzw*rg.

Großer großer Fehler!

Sie brüllt, sie schreit, sie zetert, sie flippt aus… Verständlich, klar. Aber irgendwann zehrt es trotzdem an den Nerven… Ich wollte hier aber nicht von dem Deal abweichen. „Wenigstens ein Stück Kartoffel kosten, dann kannst du deinen ‚Gark‘ essen.“ – nichts zu machen.

P. schmeißt sich auf den Boden und brüllt, brüllt, brüllt. Dann klettert sie zu mir auf den Schoß. Ich bleibe noch immer ruhig. Sie schnieft und guckt mich tränenüberströmt an: ‚Guuuuaaaaaaaaark!‘ – Ich: ‚Erst ein kleines Stück Kartoffel kosten, nur ein klitzekleines Stück!‘ Sie haut mich. Ich setz sie runter. Sie haut mich wieder.

Ich bin richtig genervt. Ich sage zu ihr, dass sie mich nervt. Und dass es mich nervt, dass sie nicht ein kleines Stück von der verkackten Kartoffel essen will, dann kann sie doch ihren verdammten Quark haben. Dann gibt es jetzt keinen Quark. Pech gehabt. Noch größeres Theater. Ich befinde mich in der Zwickmühle, meine Neeeerven… Der Geist ist willig, aber die Mutter ist schwach.

Immernoch Gebrüll. Ich sage, dass sie doch einfach in ihr Zimmer gehen soll. Oder ob sie nicht doch einfach ein Stück… und dann kriegst du doch deinen ver*ickten sch*iß Quark!“ – ‚RÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!! Neeee-äh-äh-äh-iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin!!!!!!‘ Und ich? Kann’s nicht mehr hören. Mehrere Sicherungen knallen durch.

Ich stehe auf, nehme die Gabel mit dem Stück Kartoffel, halte ihren Kopf fest und versuche ihr die Gabel in den Mund zu stopfen. P. wehrt sich (natürlich), ich heule fast. Sie sowieso. Sie würgt die Kartoffel raus und…

… kotzt die komplette Küche voll.

Fazit: 

Ich fühle mich schrecklich. Richtigrichtig schrecklich. Das war einer meiner bisher finstersten Mutter-Momente. Ich schäme mich. Ich weiß nicht, wie ich nach so einer Aktion mit meiner 2-jährigen Tochter umgehen soll. Sie war ziemlich verstört. Klar, sowas kennt sie von mir ja nicht…

Ich habe überlegt, ob ich was dazu schreibe, denn ich bin da wirklich nicht stolz drauf. Aber ich hab’s gemacht. Weil auch das dazu gehört. Und weil’s passiert ist. Ich bin keine verdammte Super-Mom…

Und übrigens weiß ich noch immer nicht: Hätte ich sie den Quark dann essen lassen sollen anstatt auf  „wenigstens kosten“ zu bestehen? Hätte ich lieber das Abendessen beenden sollen?

P.S.: Ich hätte hier gern die Regel, dass sie das Essen wenigstens probiert. Dann muss sie es auch nicht essen, wenn sie nicht mag… Ich hab hiermit enorme Probleme, weil sie sich meistens einfach weigert. Mich kotzt das tierisch an. Aber nur zur Klärung: Mein Kind muss prinzipiell nichts essen, was sie nicht will! Und schon gar nicht aufessen. Davon halte ich nichts.

37 Kommentare zu “Fassung? Verloren!

  1. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was ich dazu sagen soll, aber es brennt mir unter den Nägeln, mich dazu zu äußern. Klar, es ist mutig, so etwas offen zuzugeben. Und klar, wir geraten alle an unsere Grenzen, vor allem mit Trotzphasenkindern. Ich weiß das auch, und auch ich bin meinem Kind gegenüber schon laut geworden und hinterher tat es mir Leid und ich habe meinem Kind auch einmal im Affekt auf die Finger gehauen, als sie mit den Worten „Mama guck, *** Buch puttmacht!“ genüsslich einige Seiten eines Buches zerriss. (hinterher habe ich sie in den Arm genommen und ihr gesagt dass das ganz bös von Mama war und dass es mir unheimlich Leid tut)
    Aber…bitte sei mir nicht böse…hier bist du eindeutig zu weit gegangen; egal wie blank die Nerven liegen, SOWAS darf einfach nicht passieren. Was hast du denn davon, wenn du sie mit so massivem Druck zum Probieren zwingst, noch dazu so kurz nach nem Magen-Darm-Infekt? Das ist instinktlos, unnütz und, sorry, aber auch irgendwie ganz schön gemein.
    Und wie konnte es passieren, dass du dich so dermaßen in diese Fruchtzwergsache reinsteigerst? Und ist dir denn nicht zwischendrin mal klar geworden, dass das P. gar nicht mehr selbst aus seiner Wut rauskommt?
    Bitte, ich weiß es ist vllt jetzt nicht richtig all das zu schreiben wo du dir eh schon Vorwürfe machst (ZURECHT!), aber ich musste das jetzt loswerden.
    Falls du das noch nicht getan hast – und das kannst du auch morgen noch tun – entschuldige dich bei deinem Kind, nochmals und nochmals und nochmals. Erkläre ihr, dass das was du gemacht hast, einfach nur schrecklcih und schlimm und dumm war und dass es dir Leid tut und es nicht ihre Schuld war.
    Bitte. Bitte. Bitte.
    Und lass so etwas NIE wieder passieren. Geh raus aus dem Raum wenn sich sowas wieder anbahnt. Und überleg dir doch auch, ob das was du verlangst/durchsetzen willst, nicht auch in bestimmten Situationen unnütz oder zumindest gerade nicht zweckdienlich ist.

    • @Adrienne
      Boah, also mal ehrlich, ich kotz gleich.
      Ich finde deinen Kommentar ziemlich kontraproduktiv.
      Meine subjektive Meinung hat sicher keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, aber m e i n e r Ansicht nach sind Leidensdruck und Selbstvorwürfe die die Verfasserin gegenwärtig durchlebt MEHR als deutlich zur Geldtung gekommen. Scheiße, mir standen die Tränen in den Augen und zwar weil mir _BEIDE_ Leid taten. Also warum jetzt hier völlig sinnfrei noch mehr Vorwürfe in den Raum stellen und den Zeigefinger heben, meine Fresse, es war ja wohl mehr als deutlich zu lesen, wie schlecht es ihr geht und wie sehr sie diesen Vorfall bereut.

      Ich für meinen Teil hab zuersteinmal ziemliche Hochachtung. Es bedarf nämlich ziemlicher Eier so´ne Story öffentlich zu machen – und sich damit selbst als nicht perfekt zu „outen“. Gibt ja genug Leute, bei denen wird „nur mal im Affekt auf die Finger gehauen“ – und sich dann wochenlang für diese ´Misshandlung´ beim Kind entschuldigt.
      Geschenkt.

      Zum Eigentlichen:
      Im Gespräch mit meinem Vater über das Thema Schwierigkeitsgrad(e) in der Kindererziehung hat er etwas zu mir gesagt, das ich/wir uns sehr zu Herzen genommen haben. „…die WIRKLICHEN Fehler in der Kindererziehung machen nur DIE, die fehlerhaft mit ihren Fehlern umgehen.“
      Fand ich total großartig ausgedrückt und irgendwie echt weise.

      Keiner von uns ist perfekt und es wäre schlimm, wenn unsere Kinder mit dieser wahnwitzigen Idee großwerden würden. Die Kunst ist es, Fehler zuzugeben, sich zu entschuldigen, Schwächen einzugestehen und eben nicht auf der „höheren Ebene“ zu verharren, – die man da im Affekt eingenommen hat.

      Nur n kurzes Bsp. aus meiner Kindheit: meine Mam hat mich ein einziges Mal in meinem Leben wirklich „verkloppt“. Sie hat mir die Hosen runtergezogen und echt wirklich den Hintern versohlt. Da war ich 10. ….zuvor war sie die 8 Etagen des Plattenbaus in dem wir wohnten binnen Sekunden nach oben gerannt, weil sie von unten mit ansehn musste, wie ich ich am OFFENEN Fenster stand (zur Erinnerung: 8.(!) Stockwerk), mich am Fensterrahmen festhielt um nach meinen Eltern Ausschau zu halten (ich versuchte quasi um die Hausecke zu schauen). Kein Scheiß.

      Klar hab ich damals die Welt nicht verstanden, körperliche Gewalt existiert(e) bei uns einfach nicht. Bis zu diesem Tag. Und na klar war ich TOTAL verstört, bis sie sich mir am nächsten erklärt hat. Sich entschuldigt hat. Mich in den Arm nahm und mir unter Tränen klarmachte, dass sie einfach nur ne Scheißangst um mich und quasi so ne Art totalen Nervenzusammenbruch hatte. Ich war erst 10 und hab das kapiert und irgendwie auch gerechtfertigt und entschuldigt. Weil sie mir verständlich gemacht hat, dass sie mich nicht bestrafen wollte, sondern ihre komplette Verzweiflung, ihre Angst, ihre Fassungslosigkeit …keine Ahnung, ich kann heut nicht mehr 1 zu 1 widergeben, wie das Gespräch verlief. Fakt ist, dass ihre Umgangsweise mit dem Fehler, den sie definitiv gemacht hat und der nicht mehr rückgängig zu machen war, mMn eine gute Mutter ausmacht. Denn sie hat mir im Nachhinein die „Schuld“ genommen, indem sie ihre Schwäche eingestanden hat. Und meiner Meinung nach geht´s letzten Endes schon irgendwie darum.

      Fehler machen is völlig ok (JA, auch solche wie diesen hier!) – wie man danach damit umgeht ist das Entscheidende und dass man sie als solche erkennt. Ich finde, du hast alles richtig gemacht, wenn du dich P. erklärt und dich entschuldigt hast. Ich bin davon überzeugt, dass die Kleine das verstanden hat – Kinder sind schließlich keine Idioten. Und schließlich sollte man ihnen die Chance nicht nehmen, ihre Eltern auch MIT ihren Schwächen und schlechter Laune zu lieben – wir lieben unsere Kinder schließlich auch „am Stück“.

      • @ Adrienne Du bist natürlich gemeint mit der Supermom.
        Ich kotz da auch gleich.
        Moody alles ist gut. Ich kann mir die Situation bildlich vorstellen und ich glaube da stand Wille der Mama gegen Wille des Kindes. Und ja du solltest „Sieger“ bleiben und nein das Essen reinstopfen war nicht ok. Aber so doof und fies das klingt, es passiert.
        Ganz liebe Grüße

  2. deine offenheit tut gut, weil ich schon jetzt weiß, dann in irgendeinem furchtbaren mutter-tochter-moment bei mir daran zu denken und dadurch zu wissen, dass so etwas jeder_m passieren kann. nur wer schwächen erkennt, kann wachsen. ich denke, auch du wirst dich oft daran erinnern und allein zu wissen, soetwas nicht zu wollen, wird dir helfen, als mutter zu wachsen. ich würde mir einfach eine exitstrategie für solche situationen überlegen. ein bestimmtes lied zu singen anfangen zb, dann kommt ihr beide aus der machtkampfsituation raus. vielleicht wirds sogar lustig-überdreht. und du erinnerst dich dabei daran, dass konsequenz nicht immer der richtige weg ist. aber das sind nur meine gedanken dazu… alles liebe und mach dich nicht zu viel fertig!

  3. oh mann oh mann oh mann, keine ahnung, was ich gemacht hätte und ich finds gut, dass dus aufgeschrieben hast! und ich finds auch gut, dass du deutlich sagst, dass du das eigentlich scheisse fandest. is ja so… manchmal macht man eben sachen, die einem hinterher leid tun. bei kindern wiegt das iwie schwerer, eben weil die noch nicht so viel verstehen können, wie erwachsene, warum man jetzt vll genervt war und sich doof verhalten hat… aber egal, das kind ist im brunnen, man kann das nicht rückgängig machen und deswegen find ich den satz von melmoep toll, geh damit um :)

  4. P.S.
    „Und übrigens weiß ich noch immer nicht: Hätte ich sie den Quark dann essen lassen sollen anstatt auf ”wenigstens kosten” zu bestehen? Hätte ich lieber das Abendessen beenden sollen?“

    Ich fand den Ansatz: „Dann gibt es eben auch keinen Quark“ im Zuge der Ereignisse eigentlich schon ziemlich gut und glaube, dass ich´s so gemacht hätte. Und ne halbe Stunde später (und nach genug Ablenkung) hätte ich ihr den doofen Quark gegeben – damit sie nich ohne Essen in´s Bett geht. :)

  5. Vielleicht einfach: machen lassen.

    Wenn Quark daheim ist, darf Kind ihn auch essen.
    Kind könnte dir/mir das ja auch nicht verbieten. (Ich/du kann es nur, weil wir größer/stärker sind, aber das ist ein schwacher Grund.)

    Und wenn es nicht probieren mag, dann probiert es eben nicht. Ich/du/er/sie/es mag auch nicht immer probieren. Das ist doch kein Drama.

    • „Und wenn es nicht probieren mag, dann probiert es eben nicht. Ich/du/er/sie/es mag auch nicht immer probieren. Das ist doch kein Drama.“

      Prinzipiell (bei nem guten „Esser“) sicher nicht, aber ich kann das schon nachvollziehen, ich hab das Problem mit meinem Sohn auch. Eigentlich würde er viel mehr essen (denn wenn´s nämlich zufällig durch Ablenkung o.ä. in seinem Mund landet, dann ist er mitunter drauflos als gäb´s kein Morgen) – aber der 1. Happen is irgendwie immer „Kampf“ und wenn wir den verlieren, dann bleibt der Teller voll und der Magen leer. Und sowas kann sehr wohl „zum Drama“ wenn dein Kinderarzt euch mit hochgezogen Augenbrauen fragt, warum der Kleine mit seinen 1,7 Jahren die 10kg-Grenze noch nich geknackt hat und was ihr ihm eigentlich zu Essen anbietet. Wenn M. nur essen würden, was er will…dann würde es jeden Tag Spinat und Schokolade geben…

      Desweiteren ist der ´Erwachsenen – Kind – Vergleich´ nicht an JEDER Stelle der Richtige. Klar, das Einzige worin wir Erwachsene uns von Kindern unterscheiden sind die Erfahrungen/das Wissen, ansonsten sind die Kleinen ja mit allem ausgestattet, was wir auch haben (Instinkte u.s.w.). Nur gehört es auch zu unseren Pflichten, sie Erfahrungen machen zu lassen. Will sagen: ich/du/er/sie-Erwachsener will auch nich immer probieren – das is kein Drama – stimmt. Weil ich/du/er/sie-Erwachsener aber auch schon n paar Jahre auf´m Buckel haben und während dieser Zeit schon ziemlich viel probiert hat (ob gewollt oder nicht). Ne Zweijjährige, die _NIE_ was probieren muss, folgt u.U. irgendwann ihrem Instinkt und isst schließlich nur noch das, was sie kennt und wovon sie weiß, dass es ihr schmeckt.
      Dass DAS aber nicht der richtige Weg sein kann und wir dem Kind mit solchen Erziehungskonsequenzen keinen Gefallen tun, ist für mich irgendwie eindeutig….
      Ne wirkliche Lösung kann ich aber leider auch nich bieten. Wir haben mit einer Psychologin über M.´s Essverhalten gesprochen, weil wir uns Sorgen gemacht haben. Sie meinte lediglich, dass wir mehr Gelassenheit lernen müssten. Sie fand es krass, dass wir M. bis zu 3 verschiedene Dinge anbieten am Esstisch und total verzweifeln, wenn er dann trotzdem nichts davon zu sich nimmt. Sie gab uns den Tipp, ihm lediglich eine Mahlzeit zu bieten – diese aber ggfalls zu variieren („du möchtest die Karotten nicht-ok, dann nehmen wir sie vom Teller runter…“) und wenn er nicht isst, dann isst er nicht. Wir sollten das „durchstehen“ und auch nicht den Fehler machen, ihm dann aus lauter Verzweiflung Dinge zu kochen, die er zu 100% essen wird. So erzieht nämlich 1. das Kind die Eltern und 2. erschafft man sich einen Tyrannen.

      Uns fällt das sehr schwer, es geht sicher niemandem gut damit, das eigene Kind im vollen Bewusstsein darüber mit leerem Magen ins Bett zu bringen. Aber es stimmt schon: letzten Endes ist es seine Entscheidung und er muss lernen, dass er wenigstens probieren muss. Wenn´s ihm nicht schmeckt, liegen die Dinge völlig anders, – dann wird improvisiert und u.U. sogar ne zweite Mahlzeit gekocht. Aber eben erst dann.

  6. „Wenn Quark daheim ist, darf Kind ihn auch essen.
    Kind könnte dir/mir das ja auch nicht verbieten. (Ich/du kann es nur, weil wir größer/stärker sind, aber das ist ein schwacher Grund.)“

    Mhm, ich schreib hier mehr als die Bloggerin…aber DAS muss ich jetzt mal noch loswerden.

    Also sorry, aber wir haben auch Bier im Haus. Und Kaffee. Und Chips + Schokolade. Diese Tatsache berechtigt meinen Sohn allerdings (noch) nicht, das alles zu konsumieren. M. darf sich auch Dinge nehmen und sie einfach essen, logisch gehört hier alles „allen“. Aber es gibt Grenzen, weil man das Kind beschützen muss.

    Und nachdem ich meinen Lachanfall nun hinter mir habe, äh….wie meinen? „Kind könnte dir/mir das ja auch nicht verbieten. (Ich/du kann es nur, weil wir größer/stärker sind, aber das ist ein schwacher Grund.)“
    Ja klar, kann mein Kind mir das nich verbieten weil mein Kind nämlich keine Ahnung von irgendwelchen Konseqeunzen, Ernährungsmaßstäben und weißderKuckuck was hat. Ich muss jetzt hier echt aufpassen, dass ich nich unverschämt werde, aber sorry: ich hasse so Eltern die ihre Kinder behandeln, als stünden sie auf einer Ebene – ich frag mich immer, wer da wen verarscht – die Eltern das Kind oder die Eltern sich selbst.
    Wir behandeln unseren Sohn mit Respekt und versuchen auf seine Wünsche, Launen u.s.w. bestmöglich einzugehen. Aber genau DAS erwarten wir auch von ihm. Er muss – ebenso wie wir – Regeln befolgen und diese Regeln machen WIR nicht weil wir die Stärkeren sind (so ein Quatsch!) sondern (zumindest gegenwärtig) die Klügeren/die Erfahrenen. Er lernt die Welt erst kennen und wenn wir das Glück haben, ihn zu einem vernünftigen, klugen, selbstständigen Mann zu erziehen – erst DANN kann er uns Dinge verbieten, denn erst dann erfüllt er alle nötigen (nachvollziehbaren) Kriterien, dies tun zu können. Das wird sich dann sicher nich um´s Essen von Quark handeln, aber das spielt letzten Endes keine Rolle. WIR müssen vor unseren Kindern rechtfertigen können, warum wir Dinge verbieten, wenn wir sie verbieten. Und ebenso müsste ein Kind das ja auch. Nur KANN es das doch gar nicht, weil ihm der Horizont dafür fehlt. Eltern solcher Kinder sind dann die, die in unserer Praxis stehen (ich bin Kinderkrankenschwester) und beiläufig erzählen, das Kind wäre eben der Meinung gewesen, alles Süßigkeiten die der Schrank hergab auf einmal essen zu müssen. Und nun hätte es Magenschmerzen und würde brechen.
    Sorry, aber sowas läuft für mich unter Gefährdung des Kindswohls. Es würde mich echt interessieren, wie solche Eltern reagieren wenn das Kind plötzlich auf die Idee kommt, dass es alleine in den Kindergarten gehen/mal das Auto fahren/oder Papas Wiskeyvorrat durchprobieren will. Ihr schüttelt jetzt mit dem Kopf, aber WER erklärt den Kleinen denn den Unterschied zwischen Whiskey („nein, das darfst du nicht, das dürfen nur Erwachsene?!“) und „Klar kannst du soviel Schokolade essen bis zu kotzt.“ ???
    Sorry, werd ich NIE verstehen diese eigenartige Erziehungs….na hier….dingens…- prinzipien.

    • Ich glaube, hier hast du aber was missverstanden. Der Unterschied liegt bei „Wenn Quark daheim ist“ – denn da steckt die Verantwortung der Eltern drin, auf die die Schreiberin m.E. hinaus wollte. Wenn der Quark da ist UND das Kind da ran kommt, ist man als Erwachsener „selber schuld“ wenn man sich solche Machtkämpfe einhandelt. Klar bestimmt der Erwachsene, was auf den Tisch kommt, und das Kind darf in diesem Rahmen aussuchen, was es essen nöchte. In erweitertem Sinne würde bei uns dazu zählen, dass das Kind das essen kann, wo es gewöhnt ist, sich alleine zu bedienen. Man hat ja als Erwachsener die Verantwortungshoheit darüber, was für das Kind erreichbar ist. Ich denke, das hat nichts mit zu partnerschaftlicher Erziehung zu tun. Und wie ich Moody verstehe, war auch das in etwa ihr Dilemma.

      • Mhm, nö glaub ich nich. Ich glaube die Situation ist nicht entstanden, weil das P. an ein Lebensmittel _rankam_. Sie hatte in dem Moment Appetit drauf und letzten Endes spielt´s keine Rolle ob sie nun drankam oder nicht…es hätte den Knatsch so oder so gegeben (auch wenn sie zu Moody in die Küche gegangen wäre und gefragt hätte:“Mama, darf ich nen Quark/Schokolade/wasauchimmer haben“). Die Antwort der Textverfasserin wäre dieselbe gewesen…- „erst Kartoffel…“u.s.w.

  7. Vielen Dank, dass du über diese furchtbare Situation geschrieben hast. Dazu gehört viel Mut und viel Ehrlichkeit!
    Auch von mir hörst du nur aufmunternde Worte: mach dich nicht fertig, soetwas passiert – auch wenn es das nicht sollte. Ich habe mal den schönen Satz gelesen: Kinder sind robust und in der Lage mit nicht perfekten Eltern aufzuwachsen.
    Den Vorschlag von AufZehenspitzen schreibe ich mir in die Erziehungsfibel: Ein Lied zu singen um selbst runter zu kommen, das könnte funktionieren.
    Ich hätte den Punkt vielleicht erst einmal in sein Zimmer gebracht, damit wir uns beide beruhigen. (Das hat zumindest meine Mama immer so gemacht.) Nach zwei Minuten nachgucken, ob das Kind sich beruhigt hat und dann… ich glaube, ich hätte ihm den Quark auch nicht gegeben… Wäre das nicht die vielbeschworene und absolut notwendige Konsequenz??? Aber bei mir ist das ja noch graue Theorie.
    Euch alles Gute! & Lieben Gruß!

  8. Ohje, ich wollte gar keinen Kommentarstrom provozieren. Nur eben sagen, wie es auch gehen kann. Und hier passt es mit: was P’chen sich selbst organisiert, darf er auch essen, ziemlich gut.
    Was dann im Umkehrschluss für mich heißt: Süßigkeiten liegen so, dass P’chen nicht dran kommt und/oder die Tür zu meinem Zimmer ist zu/…
    Kaffee/Bier/… hat nur die/der, der ihn trinkt in Tasse/Glas/Flasche und probieren ist dann für P’chen erlaubt, wenn es fragt – und wenn ich nicht möchte, dass P’chen probiert, muss ich das eben auf wannanders verschieben. Bisher klappt es so ganz gut und Erklärungen gibt es eben auch dazu.

  9. Naja, jeder (v-)erzieht sein Kind wie er möchte, das ist ja die Freiheit, die wir als Eltern haben.

    Sorry, aber mir schwillt da komplett der Kamm – und wir würden SO nicht leben wollen. Was macht ihr denn, wenn euer Kind älter/größer wird und Türen aufkriegt oder an die (bis dato unerreichte) Schokolade rankommt? Baut ihr dann eure Regale knapp unter der Decke und versteckt den Bierkasten beim Nachbarn oder wie? Soweit käm´s noch, dass ich – nur weil ich nich möchte dass mein Sohn meinen Morgenkaffee probiert – den auf „später“ verschiebe, – also quasi heimlich trinke, hä? Und nein, M. bekommt KEINEN einzigen Schluck Kaffee, – ich als Medizinerin weiß nämlich, was das neurologisch bei nem Kleinkind auslösen kann! Und wenn ich Bock auf gefüllte Weinbrandpralinen habe, dann esse ich die und zwar sofort. Und wenn M. die probieren will, dann biete ich ihm entweder eine Alternative an oder lasse ihm seinen Wutanfall.
    Ich will mir gar nicht ausmalen, was deine beschriebene Theorie für Konsequenzen hat.
    Nein.
    UNSER Sohn wird mit der Gewissheit groß, dass es Dinge gibt, die er (noch) nicht darf und die ihm verboten sind. Und JA, das soll ihm auch bewusst sein, denn alle Dinge die wir ihm verbieten, haben ihre Begründung und dienen seinem Schutz. Es ist nämlich auch verboten bei ROT über die Straße zu gehen, mit Fremden mitzugehen etc…

    • Ich glaube, es kommt hier doch auch auf das Alter das Kindes an. Ich bin auch kein Fan von KIndersicherungen, weil die Kinder dann die Auseinandersetzungen mit Gefahren nicht lernen können. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob wir hier von einem Zweijährigen oder einer Vier- und Sechsjährigen reden. Natürlich macht es mehr Sinn bei einem größeren Kind, dass es die Tabuzonen weiß, als sie vor ihm zu verstecken. Bei einem Zweijährigen vermeide ich aber sinnlose Machtkämpfe und Diskussionen, wenn ich ihm nicht alle Verlockungen in Reichweite stelle. Das muss man doch hier alles nicht so schwarz und weiß und emotionsgeladen diskutieren ;-).

  10. Sorry, aber ich bin leider ein sehr leidenschaftlicher und emotionaler Typ, – Diplomatie gehört nich so zu meinen Stärken :-)
    Natürlich möchte ich nicht, dass sich hier jmd angegriffen fühlt, aber ich sage meine Meinung eben immer etwas unverblümt.

    Und meiner Meinung nach ist es kein „Machtkampf“ (weder mit einem 2jährigen noch mit einem Sechsjährigen), wenn er mit meinen Ernährungsgewohnheiten ode Bedürfnissen umgehen (lernen) muss. Selbstverständlich befriedige ich irgendwelche Gelüsste nicht ausnahmslos vor dem Kind – aber ich nehme diesbezüglich nur genausoviel Rücksicht, wie bei anderen Personen. Will sagen: klar genehmige ich mir zum Fürhstück kein riesen Stück der Lieblingssahnetorte meines Mannes/meiner besten Freundin wenn er/sie eine Stunde später nen Termin zur Blutentnahme hat und darum morgens nüchtern bleiben muss. Aber das hat eher was mit gegenseitiger Rücksichtnahme (=Ausnahme!) zu tun, als mit Erziehung.

    Mit Tabuzonen erst anzufangen, wenn die Kinder älter sind, ergibt für mich überhaupt keinen Sinn und führt mMn nach einfach nur zu extremen Problemen und kompletter Verwirrung (beim Kind). Wie kann man denn tatsächlich davon ausgehen, dass man nen Kind mit derlei „Praktiken“ zur Selbstständigkeit erziehen könnte? Das funktioniert doch rein logisch überhaupt nicht?!

  11. Btw…in der Diskussion ging´s aber eigentlich auch gar nicht darum, dem Kind Verlockungen in Reichweite zu stellen, sondern alltägliches vor dem Kind zu verstecken und Normaliäten wie bspweise den elterlichen Kaffee am Morgen BEWUSST vor dem Kind zu _verstecken_.

  12. Um die Quote zu erfüllen und dem Fingerjucken zum Trotz, werde auch ich als Vater mal meinen Senf dazu abgeben.
    Erstmal möchte auch ich moody meinen Respekt für soviel Ehrlichkeit und Mut aussprechen. Sicherlich war dein Verhalten falsch. Aber wir sind alle nur Menschen und machen Fehler. Lass dir den Kommentar von Adrienne nicht zu nahe gehen. Denn hier geht es nicht um Wertigkeiten.
    Es ist genauso falsch seinem Kind auf die Finger zu hauen, wie ihm eine Kartoffel in den Mund zu stopfen. Da gibt es kein besser oder schlechter. Daraus lernen und es in Zukunft besser machen, ist sicherlich angebrachter als mit erhobenem Zeigefinger dazustehen.
    Zu der Diskussion zwischen melmoep und Paula möchte ich auch gerne was sagen.
    Wir leben in einer Gesellschaft deren Existenz auf Regeln, Normen und Gesetzen beruht. Wir als Eltern haben die Aufgabe unsere Kinder „gesellschaftsfähig“ zu machen. Das heißt der Balanceakt von Erziehung besteht darin, seinem Kind soviel Freiheiten zu geben, dass es sich frei entfalten und entwickeln kann und es so stark zu begrenzen, dass es in dieser Gesellschaft existieren und überleben kann.
    Jeden Tag trifft mein Kind Entscheidungen und von Tag zu wird die damit verbundene Herausforderung größer. Ich kann aber mein Kind jetzt noch keine Entscheidungen fällen lassen, deren Konsequenzen nicht begreifbar sind. Also schütze ich mein Kind mit Regeln. Bei rot stehenbleiben, kein Alkohol, kein Kaffee, nicht mit der Kettensäge spielen und verdammt nochmal auch kein Nachtisch vor dem Essen.
    Ich halte es für kompletten Unsinn, alles Mögliche vor seinem Kind zu verstecken oder heimlich Dinge zu tun. Kinder sind nicht bescheuert und durchaus in der Lage Regeln zu begreifen und zu akzeptieren. Nur weil mein Kind an etwas rankommt, darf es das noch lange nicht essen, damit spielen oder ähnliches. Was würde ich meinem Kind antun, wenn es zu Hause alles darf und plötzlich damit konfrontiert wird, dass das vor der Haustür nicht funktioniert?
    Das fängt bei der Selbstbedienung mit Nahrung an und hört beim Wutausbruch mit Schlagen und Treten auf.
    Ja ich begrenze mein Kind beim Ausdrücken seiner Gefühle, denn Gewalt gibt’s weder zu Hause noch wo anders. Denn ich möchte auch nicht, dass er seinen Gefühlen als Teenager mit einer Pumpgun Ausdruck verleiht.
    Mein Kind darf nicht alles essen, was es in die Finger bekommt. Darf aber jederzeit danach fragen und dann erklär ich ihm (genau wie moody, dass gemacht hat), dass vorher noch was anderes gegessen werden muss oder gebe im das OK. Gewisse Erfahrungen muss man sein Kind nicht machen lassen. Sei es der schmerzende Süssigkeitenbauch, der aus der Hüfte eiternde Bus oder die Überdosis Heroin.
    Wir sind da um unsere Kinder zu beschützen, so lange bis sie reif genug sind zu entscheiden, was gut und was schlecht ist. Das geht nun mal zwangsläufig nicht ohne Regeln. Verstecken und Verheimlichen ist der perfekte Weg um seinen Kindern jede Chance auf Selbstständigkeit und die Fähigkeit der Meinungsbildung zu nehmen.

  13. übrigens kann die Konsequenz einer hoch oben versteckten Süßigkeit auch sein, dass da Kind sich einen Stuhl holt, hoch klettert und sich das Genick bricht. Aber das nur am Rande…

  14. Genau das meinte ich mit Scharz/Weiß- ich hab doch nie geschrieben, dass man damit erst anfängt, wenn die Kinder älter sind. Und in sonnigen, entspannten Momenten am sonntäglichen Frühstückstisch kann ich gern auch mal mit anderthalbjährigen über Nutella ohne Ende Ja/Nein diskutieren. Wenn das Kind und ich aber angeschlagen und müde sind, dann erspare ich mir und ihm so eine Situation nach Möglichkeit (uns allen passieren solche Sachen – das soll kein Vorwurf an moody sein), zum Beispiel in dem ich die Fruchtzwerge einfach außer Reichweite deponiere. Wenn ich das nicht getan habe, ist es meine Verantwortung als Erwachsenen und es wäre komplett unfair, das an dem Kind auszulassen. Also kann ich mir den Kampf sparen (und ja – in solcher Konstellation ist es ein Kampf, weil die Bedingungen komplett ungünstig und nicht mehr rational besser einstellbar sind) und einfach mal nachgeben. Nur verrennt man sich eben genau in solchen blöden Situationen in seinen eigenen Prinzipien, so what. Wir sind alle nicht perfekt.

    Und jetzt noch mal ein dickes Sorry an Moody für unsere Auswüchse hier im Kommentarbereich ;-).

  15. Man weiß also als Mutter einer gegenwärtig angeschlagenen Zweijährigen dass die sicher gleich nen „Frustzwerg“ möchte und rennt daher (während man sie mitm Maulwurf ablenkt) nachm Jacke ausziehen erstmal schnell zum Kühlschrank und verbarrikadiert den Scheiß Quark irgendwo auf´m Balkon?! Und dann stapelt man dort gleich noch alles an Schokolade, Pudding, Joghurt…naja, quasi so alles was eben nich „Kartoffel“ is?! Nur um der beschriebenen Situation aus´m Weg zu gehen???
    Also mal ehrlich Leute, verarscht ihr mich?
    Die Situation war keineswegs vorhersehbar für Moddy und NEIN auch in einer solchen Situation gibt man letztlich NICHT nach. Denn sonst hat man genau dieses Theater einen Tag später wieder, und wieder, und wieder und schlimmer und schlimmer.

    Und ich weiß gar nicht was du meinst, die Bedingungen waren komplett rational und Moody hat nen total klassschen Tobsuchtsanfall eines Kindes in P.s Alter beschrieben. Dass ihre Reaktion nicht adäquat war steht auf nem völlig anderen Blatt.

    Aber es ist natürlich auch eine effektive Form mit diesen (völlig altersgerechten und wichtigen) Wutanfälle umzugehen, indem man alles erdenkliche tut um sie zu vermeiden. So lernt das Kind zwar keine Grenzen, aber man hat zumindest mehr seine Ruhe.

    Natürlich vermeiden auch wir das Süßigkeitenregal an der Kasse im Supermarkt. Aber nicht um jeden Preis. Uns ist es lieber wir haben n paarmal Theater und dann hat er begriffen, dass wir nicht nachgeben, als dass wir unseren alltäglichen Einkauf ständig ohne ihn organisieren müssten und IMMER Stress haben, wenn er dann doch mal nen Laden von innen sieht…
    Das is doch auch für das Kind vieeeil stressfreier. Statt das es täglich ausrasten muss um seinen Willen zu kriegen, kennt es die Grenze(n). Das macht es sicher im Umgang mit solchen Situationen und gibt ihm Halt.

  16. Ich möcht hier meinen Senf auch mal noch dazu geben.

    Nüchtern betrachtet hätte ich in der Situation das Kind ohne Essen ins Bett gesteckt .Vorher noch Alternative Obst angeboten. Das ist bei uns immer eine mögliche Alternative zu jedem Essen. Diese fertigen Quarks sind schlechtweg Süßigkeiten und keine Mahlzeit. Wenns nach mir ginge gäbe es sowas bei uns gar nicht. Ich esse sowas nicht, bereite mein Essen fast ausschließlich selbst und frisch zu. Leider verdrückt mein Mann gesüßte Quarks und Joghurts in rauhen Mengen. Locker 1 kg davon am Abend, nach dem richtigen Essen. Bin ich mit dem Junior Abends allein, was unter der Woche öfters vorkommt, essen wir nach dem Essen als Nachtisch zusammen Obst. Wenns aufgeschnitten auf dem Tisch steht kann er dazu eigentlich nie nein sagen. Isst der Papa mit, gibt es als Nachtisch einen kleinen Joghurt oder Quark, aber erst nachdem das Kind gegessen hat. Möchte er das nicht ist er m.M.n. satt und kann ohne ins Bett gehen. (Er ist auch noch nie hungrig Nachts aufgewacht!)
    Ich habe probiert mein Kind komplett selbst entscheiden zu lassen, das funktioniert beim essen nicht. (Bei anderen Dingen wie fernsehen schon, da will er nach ner halben Stunde lieber was malen oder so.) Er würde sich tatsächlich den ganzen Tag nur von Kuchen, Quark und Schokolade + Obst ernähren. Das geht natürlich nicht. Satt gegessen wird mit richtiger Nahrung, für den süßen Zahn darfs schon mal was Süßes sein. Kämpfe ums Essen gabs bei uns nie. Wenn Kind keinen Hunger hatte mußte er nicht essen, aber eben auch nichts Süßes. Er ist jetzt 3 1/2 und war nie schlecht genährt. Es gibt immer Phasen in denen er sehr gut isst und Phasen in denen er kaum Hunger hat. Daran hab ich mich gewöhnt und ich bin da ganz gelassen.
    Er kennt da meine Meinung auch und versuchts gar nicht erst. In dem Punkt bin ich so eiskalt weil ich die „Fertigprodukte“ als total schädlich ansehe und nicht ruhig schlafen könnte. Ich bin mir also so sicher in meiner Meinung das ein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber gar nicht aufkommen kann wenn ich ihm das verbiete. Ich denke wenn man von etwas so total überzeugt ist, kommt das auch so deutlich beim Kind an!

    Zu Deiner konkreten Situation, die war ja alles andere als nüchtern. M.M. : voll normal! Das geht jeder Mutter mal so. Außer vielleicht denjenigen die sonst nichts zu tun haben und noch ein Kindermädchen an der Hand und ne Haushaltshilfe. Mach Dich bloß nicht fertig deswegen aber sei ehrlich zu Deinem Kind! Ich überlege im Nachhinein immer warum ich so ausgeflippt bin und stelle fest, es sind immer Sitationen in denen ich überfordert bin. Nicht mit dem Kind an sich, sonder mit allem, Job, Haushalt, Partnerschaft und KIndererziehung. Wenn der Tag mies war und Du fix und fertig noch schnell möglichst gut Dein Pflichtprogramm abspulen möchtest (weil eigentlich ist man nur noch reif füs Bett oder Sofa) und dann das Kind aber nicht mitspielt und mit seinem Verhalten alles noch unnötig kompliziert, dann flippt man schon mal aus. Das geht den Menschen wie den Leuten. Bei uns z.Bsp. mit dem waschen. Statt schneller Katzenwäsche ist es manchmal unmöglich das Kind am Waschbecken zu behalten. Ich erkläre ihm dann ganz ehrlich das ich auch keinen Bock drauf hab und total kaputt bin, aber wenn er mitmacht gehts viel schneller vorbei, gemacht werden muß es nun mal. Auch wenns nicht immer sichtbar fruchtet, ist glaube ich diese Authentizität sehr wichtig. Er darf wissen das ich keine Lust hab, das ich genervt und kaputt bin, aber das es nichts mit ihm zu tun hat, das ich ihn trotzdem immer lieb hab.
    Wenn ich dann mal ausgeflippt bin entschuldige ich mich. Ich habe dann hinterher stark das Bedürfnis es wieder gut zu machen, ihn ihm keine Zweifel an meiner Liebe aufkommen zu lassen. Ich rede dann mit ihm drüber und sage das ich Fehler gemacht hab und erkläre wie ich mich dabei gefühlt hab. Mittlerweile erklärt er mir dann wie es ihm geht und ich merke das er auch mich versteht. Solche Momente sind mit die innigsten überhaupt, weil man Luft abgelassen hat, geredet hat, Gefühle gezeigt hat und Liebe! Also, in jeder Krise steckt auch die Chance auf etwas ganz Großartiges! Das geht natürlich mit ner 2jährigen noch nicht in dem Maße aber ich denke verstehen tut P. das auch schon.
    Auch sollten solche Ausbrüche nicht täglich vorkommen, eine ausgeglichene Mutter ist schon besser. Gelegentliche Ausbrüche sind normal, menschlich, real und ehrlich gesagt auch nicht unsympatisch. Kommt das öfter vor, sollte man wohl die Gesamtumstände überdenken und wenn möglich die allgemeine Belastung herunterfahren, sich Pausen gönnen. Dann stimmt was mit dem eigenen Leben nicht.

    Danke für Deine Offenheit, Deinen Mut das hier zu thematisieren! Dich anzugreifen ist hier völlig fehl am Platz, ich denke Du hast eine sehr gesunde Einstellung zu dem Thema und das P. kann sich glüclich schätzen solch eine Mama zu haben!
    Diejenigen die wirklich gravierende Fehler machen merken es doch nicht einmal, geschweige denn das sie drüber nachdenken. Das ist bedenklich! Eine Mutter die sich darüber Gedanken macht ist immer auf dem richtigen Weg!

    Liebe Grüße Shiva

  17. Ich möchte hierzu noch meine Gedanken beisteuern…

    Ich finde es sehr mutig, diese Zeilen, die du über diese konkrete Erfahrung geschrieben hast, niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Ich muss gestehen, es tut weh, dies zu lesen, doch es ist ein großer Schritt darüber zu schreiben. Als Mutter macht man Fehler – genauso, wie jeder Mensch Fehler macht.

    Die Frage ist, wie man damit umgehen will. Einen Schritt zurückgehen, überlegen, reflektieren ist immer ein guter Weg. Vielleicht findet man darin auch einen guten Ansatz, wie man in Zukunft solche Situationen im Vorfeld vermeiden kann. Im Affekt macht man vieles, was man sich vorher vielleicht nie vorstellen konnte. Und danach fragt man sich, wie konnte man nur? Das Leben ist ein Lernprozess. Mit jedem Entwicklungsschritt wird man vor neuen Herausforderungen gestellt. Ich selbst habe 2 Kinder und stand und stehe immer wieder vor neuen Aufgaben. Was man immer miteinbeziehen sollte, ist der Zustand des Kindes. Es gab bei uns sogar Situationen, dass ein Sohn den Nachtisch zuerst bekommen hat – danach wurde aber auch anstandslos das eigentliche Essen gegessen. Es war aber klar, dass das eine Ausnahme war und zu diesem Zeitpunkt, war das Kind in einer echt schlechten Verfassung. So ist alles friedlich und gut verlaufen und alle waren zufrieden. Und es kam dann eigentlich nie mehr vor, dass vor dem Essen genascht wurde. Ausnahmen dürfen sein, vor allem, wenn es dem Kind nicht gut geht. Manchmal hilft es auch, sich kurz raus aus der Situation zu nehmen, durchzuatmen und in Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen soll. Mir ist klar, dass jedes Kind, jede Mutter, jede Familie anders ist. Wenn man selbst reflektiert und sich wirklich eine bessere Lösung sucht und sich damit auseinandersetzt, hat man schon einiges gewonnen.

  18. eigentlich haben melmoep1979 und shiva alles gesagt, was ich mir auch gedacht habe. du bist keine fucking pädagogenmachine die den ganzen tag relaxt durch die gegend läuft. du bist ein mensch und machst fehler. und aus diesen lernst du. deine tochter hat dir bestimmt schon verziehen. jetzt musst du´s nur noch dir selber verzeihen…
    kopf hoch, ich finde, du machst das alles sehr gut!

  19. Ach ja, den Quark hätte es bei mir auch nicht gegeben – egal wie alt! Und ich nehm in diesen Situation mein Kind und stopfe es ins Bett und mach die Türe erstmal zu damit ich runter komme und wieder halbwegs vernünftig reagieren kann. Und ja es ist mutig das hier zur Disskussion zu stellen, Hut ab.
    So 3 Kommentare reichen .-)

  20. Macht es mich zur Supermom, wenn ich kritisiere, WIE der Ausbruch sich gestaltet hat?! Ja? Ok. Dann bin ich wohl eine Supermom. Wenn man mich bewusst missverstehen will, bittesehr.
    Moody, du kennst mich, sogar persönlich. Wir haben uns bereits nach der Geschichte unterhalten. Du weißt das einzuordnen, denke ich, glaube ich, glaube ich zu wissen. Insofern – alles Bestens.

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