Von Leuten, die (nicht) für’s Elternsein gemacht sind

Das P. entwickelt sich weiter in Richtung coole Socke, logisch.

Wenn ich sie frage: „Wie macht der Rio?“ antwortet sie: „Keine Macht für niemand!“ – HaHa! (Nur Dorobots entzückende L. kann da vülleiiicht mithalten!) Sie tanzt, sobald sie Musik hört. Sie singt laut „echte“ (Hänsel und Gretel, Schneeflöckchen, …) und fantastische („Alle meine Beine guggn guggn gööö…“) Lieder. Sie redet weiterhin sehr viel wunderschönen Quatsch. Sie rennt beim Anziehen vor uns weg und freut sich einen Ast darüber. Sie spielt Rollenspiele. Sie redet mit allem (Menschen, Kuscheltiere, Stühle, Besteck, Bäume, Straßenschilder, Straßenbahnen, …). Es macht jetzt Spaß, mit P. in den Zoo zu gehen.*

Sie will Zuhause zunehmend weniger ins Bett, bei Oma aber schon. Sie isst nichts, was grün ist oder auch nur annähernd gesund aussieht. Sie würde Süßigkeiten essen bis sie kotzt (was aber bisher noch nie passiert ist, nach Weihnachten 1 hatte sie aber „immerhin“ schon mal Bauchschmerzen von alle dem Mist!)

Ich liebe das P. mit allem drum und dran, das ist keine Frage! Und ich finde sie ganz schön cool.

Und trotzdem erwische ich mich schon wieder an einem Abend wie diesem hier beim Googeln von solchem Kack wie „Manchmal keine Lust aufs Kind“. Alles nur, weil mich nach wie vor mein beknacktes schlechtes Gewissen quält!

Und das trotz Freundschaftsbrille, die zunehmend besser funktioniert, aber halt nicht beständig. Trotz Uni, die mich wieder quasi „teilzeitkinderlos“ sein lässt und dafür sorgt, dass K. inzwischen prozentual fast mehr Zeit mit P. verbringt als ich. Trotz Kita-Platz von 9 bis 16 Uhr. Trotz meinen Eltern, bei denen P. häufig mal übernachtet. Ich komme mit der Fremdbestimmtheit, die das Kinderhaben mit sich bringt, einfach nicht dauernd gut klar. Und ich finde dann Artikel wie den hier von feministmum oder Foren-Einträge wie solche, die meine Grübelei füttern…

Ich fühle mich manchmal einfach „zerrissen“.

Beispiel:

Abend, etwa 19 Uhr. Ich stehe in der Küche und mache – ausnahmsweise, denn im Normalfall kocht K. – etwas zu Essen für K. und mich. Das P. – die heute schon eher gegessen hat – wird von K. bettfertig gemacht, obwohl der gerade erst vor einer Stunde nach Hause kam und selbst eine Auszeit bräuchte. Ich höre die beiden rumalbern. Ich bin elendig fertig, müde, sofareif und unendlich dankbar, dass er das Abendprogramm mit ihr übernimmt. Ich will griesgrämig vor mich hin glotzen können und ich will mir nicht die Backenzähne noch tiefer ins Zahnfleisch rammen. (Seitdem P. auf der Welt ist, beiße ich in Stress-Situationen, in denen ich zwar innerlich aufgebracht weil überstrapaziert bin, aber das nicht an ihr auslassen will, weil sie ja „nichts dafür kann“ die Zähne extrem fest aufeinander… Ein Versuch der Stress-Kompensation, der einfach so passiert ist.)

Ich merke, dass ich mich eigentlich mit sinnlosem Kram beschäftigen will und ich fühle mich schlecht deswegen. (Bin ich nicht einfach nur eine faule Sau, die lieber rumgammeln will anstatt sich mit ihrem Kind zu beschäftigen?) Ich weiß, dass ich eigentlich noch Texte für die Uni lesen will/muss. Ich will eigentlich endlich mal diesen Film sehen, den ich vor 4 Wochen aufgenommen habe. (Hm, sehr sehr wichtige Sache…) Ich denke, ich müsste mal wieder raus, um ein paar Freunde zu treffen. Sonst habe ich bald gar keine mehr. Aber ich bin (mal wieder) viel zu fertig. Ich merke, dass ich mich gern mal wieder wirklich ausgiebig und wach (!) mit einem Thema, was mich interessiert, beschäftigen würde.

Meine ständige Schlaffness kotzt mich an. Mein Drang, mich mit sinnlosem Scheiß zu beschäftigen kotzt mich an. Es nervt mich zwar, dass ich mich nach solchen Dingen „sehne“, aber es nervt mich auch, dass mich das nervt und dass ich nicht einfach akzeptieren kann, dass ich nun einmal so und nicht anders empfinde… Vor allen Dingen finde ich, dass alles das nicht wichtig sein sollte, denn das Wichtige ist mein Kind, meine Familie. Eine sinnvollere Art, seine Zeit zu verbringen als mit so einem kleinen Menschen, gibt es doch kaum.

Es ist nicht so, dass ich zu nichts komme. Ich finde schließlich Zeit zum Schreiben (nachts). Ich finde ab und zu Zeit zum Weggehen (nachts). Ich finde Zeit zum interneten (nachts). Ich finde ein wenig Zeit zum Lesen (nachts, selten). Ich konnte mich für ein Studium entscheiden, was mich wirklich interessiert (tagsüber). Dass ich also an diesen Luxusproblemen so rumkaue, das kotzt mich auch an!

Mich nervt, dass ich keine Balance finde: Ich kann nicht akzeptieren, dass ich manchmal mehr und manchmal weniger Lust auf Kinderbespaßung habe, so wie ich manchmal mehr und manchmal weniger Lust auf Uni habe, auf Job, auf Kochen, … Dass das menschlich ist, das weiß ich, ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Ich fühle mich trotzdem ziemlich schlecht, weil ich mir selber viel zu oft innerlich einen echt harten Tritt verpassen muss, um so eine Aktion wie heute (ein ganzer Tag im Zoo) durchzuziehen. An anderen Tagen muss ich mich überreden, überhaupt (mit dem Kind) aus dem Haus zu gehen. Manchmal will ich allein sein mit mir und meinen Themen. Mit mir und meiner ab und zu ziemlich negativen Welt- und vor allem Menschensicht. Ich will nicht raus, will niemanden treffen, niemanden sehen, nichts bestimmtes tun oder müssen. Ich kann nicht einmal sagen, WAS ich genau an solchen Tagen / in solchen Momenten möchte, denn eigentlich möchte ich nicht sein. Müßiggang trifft es vielleicht noch am ehesten.

Zurück zum Problem:

Ich weiß nicht so richtig „aus mir selbst heraus“, was ein „gutes Maß“ ist bezüglich Ich-Zeit und Kind-Zeit / Mir selbst gerecht werden bzw. das Leben aushalten/klar kriegen einerseits und für das Kind da sein andererseits… Ich denke darüber nicht die ganze Zeit nach… Aber ich schleppe halt ein schlechtes Gewissen mit mir rum, z.B. weil K. und ich ab und zu Gespräche darüber führen, wer das Kind abends ins Bett bringen „muss“. Da bin ich wieder bei dem Punkt: Das hat sie einfach nicht verdient. Ich fühle mich grauenhaft deswegen. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn Leute so über die Zeit mit euch reden/denken/fühlen würden? Also: Wieviel Zeit für mich/das Kind ist „okay“? Wieviel Zeit 1) so richtig intensiv mit dem Kind (also spielen, zusammen sein, ganz da sein), 2) bei dem Kind (im gleichen Raum, mit etwas anderem beschäftigt), 3) „Lass mich mal für mich sein, weil ich was machen muss“ und 4) „Ich brauch meine Ruhe, einfach nur meine Ruhe“… Mich kotzen Tanten an, die mir sagen „das musst du doch selbst wissen“ / „das musst du doch spüren“ / „das macht man doch instinktiv“… Pffft! Also lese ich Juul und Hodgkinson und all die tollen Leute, die mir die Selbstvorwürfe nehmen und sagen: „Das ist okay!“ – Ja, ich weiß, dass es das theoretisch ist bzw. sein sollte. Aber es fühlt sich trotzdem so falsch an…

Wahrscheinlich fühle ich mich zerrissen, weil ich zu viel in zu wenig Zeit möchte:

Ich möchte Mutter. Ich möchte Freundin. Ich möchte denkend, belesen, vernunftbegabt. Ich möchte nicht dauernd müde und schlapp. Ich möchte Entspannung und Loslass-Zeit.

Ich möchte eine entspannte, ehrliche und sinnvoll agierende Mutter sein. Ich möchte Bescheid wissen über gestern, heute und morgen, um kluge Entscheidung aufgrund meines eigenen Denkens treffen zu können und nicht aufgrund irgendwelcher Konventionen. Ich möchte geliebt werden und mich liebenswert fühlen. Ich möchte mal mit etwas meinen Lebensunterhalt verdienen, was ich vertretbar finde. Ich möchte mich einmischen, anstatt nur zuzulassen und rumzumeckern. Ich möchte fair sein. Ich möchte Filme gucken und Bücher lesen und – ganz allgemein – verschiedene Welten und Köpfe entdecken (können). Ich möchte schreiben. Und für all das brauche ich Zeit.

Und ich weiß (verstandsmäßig) auch, dass es total unnötig ist, all diese Dinge auf einmal realisieren zu wollen. Ich bin 24 und wenn alles normal läuft, dann hab ich noch jede Menge Zeit und werde ziemlich viele Lebensphasen durchleben. Wenn man Kind alt genug ist um (theoretisch) auszuziehen, bin ich gerade einmal knapp über 40 (so alt wie K. jetzt!)… Also: Warum der Stress? Ich weiß es nicht. Er ist halt da.

Ich finde Herangehensweisen wie „Das ist eine Phase in deinem Leben und in dem deines Kindes, die ganz schnell vorbeigeht und die es sich zu genießen lohnt“ total richtig und gut. Und es klappt ja auch oft, mit dem Genießen. Und immerhin wünschen wir uns „trotzdem“ noch ein Kind. Vor allem deshalb, weil ich besser damit klarkomme, zwei spielende (und auch streitende) Kinder zu betreuen als ein Einzelkind zu bespaßen, glaube ich.

Mein Kind (und auch ich), wir verändern und entwickeln uns und jaha und alles das ist super! Aber ich frage mich trotzdem manchmal und immer wieder, woran es liegt, dass ich das Zusammensein mit meinem Kind häufiger als es mir selbst lieb ist irgendwie als „Arbeit“ empfinde (wie feministum das im oben verlinkten Artikel auch beschreibt) und ich das Gefühl, dass ich jetzt eigentlich lieber etwas anderes machen würde, meinem Kind gegenüber ertragen und auch irgendwie „vertreten“ muss. Genau das ist nämlich MEIN Problem: ICH komme für MICH damit zwar zurecht. Es ist mein Empfinden und es sind meine Bedürfnisse, ich bin nun einmal kein Roboter und das ist auch gut so. Punkt. Und eben, ich bin kein Roboter! Genau deshalb fühle ich mich auch meinem Kind gegenüber schlecht, wenn ich lieber für mich allein andere total „sinnlose“ und unwichtige Dinge machen will anstatt mit ihr zusammen sein zu wollen, Spaß dabei zu haben, es toll zu finden… Weil sie nichts „dafür kann“, weil sie nicht „daran schuld“ ist! Weil sie nicht ganz besonders anstrengend ist, sondern sehr entzückend und toll! Ich würde diese Gedanken „Uäääh! ICH WILL JETZT NICHT … “ (kümmern / spielen / rausgehen / andere treffen / auf den Spielplatz / zur Musikgruppe / Straßenbahn fahren / zum Kindergarten gehen, um sie abzuholen / aufstehen / die nächsten Stunden keine Sekunde für mich haben / essen kochen, was nicht gegessen wird) am liebsten weglöschen. Das mögen ja ganz natürliche Empfindungen sein und zu einer authentischen Mutter gehören, aber ich finde sie scheiße, ich fühle mich schlecht wenn ich sie habe und ich hätte sie gern nicht. Punkt.

Ich stelle mir in dunklen Momenten dann solche – hier ein klitzekleinwenig überspitzt formulierte (!) – Fragen wie:

  • Gibt es tatsächlich Leute, denen das Elternsein mehr liegt als anderen? Die so (wie oben beschrieben) nicht oder nur sehr selten empfinden? Menschen, die das Elternsein so voll und ganz ausfüllt?
  • Sind diese Leute weiser? Dümmer? Entspannter? Selbstloser? Haben sie weniger persönlichen Ehrgeiz? Oder haben sie ein Helfersyndrom? Was ist deren Geheimnis und wo kann ich es kaufen?
  • Muss man sich „schlecht“ fühlen, wenn man so nicht ist? Ist man deshalb weniger zum Elternsein „geeignet“ und hätte lieber ganz darauf verzichten sollen?
  • Was passiert mit meinem Kind, wenn ich Dinge sage wie: „P., wenn du dauernd so rumheulst, dann nervt mich das, okay? Ich will jetzt meine Ruhe haben.“ ? Fühlt sie sich dann nicht furchtbar abgelehnt und ungewollt? Sie merkt doch sicher, dass ich manchmal überreden muss und eigentlich gar nicht will… Was ist die Lösung dafür? Es sein lassen? (Meistens kommt die Lust ja mit dem Tun.)
  • Wird das meinem Kind schaden? Wird es weniger „sozio-emotionale Ressourcen“ abbekommen und eine mehr oder minder ausgeprägte Bindungsstörung davon tragen?
  • Liegt das am Alter? Empfinden Leute, die schon mehr Leben selbstbestimmt „verlebt“ haben mehr Automatik-Erfüllung bei der ganzen Sache? Haben sie weniger Sehnsucht nach selbstbestimmter Zeit? Würde es mir also nicht so gehen, wenn ich 10-20 Jahre älter wäre? Ist es – bei der Konstitution – doch besser später Kinder zu bekommen, wenn man diesem inneren Konflikt aus dem Weg gehen will?
  • Oder liegt es vorrangig am Charakter? Bin ich einfach eine, der ihre persönliche „Selbstverwirklichung“ und Horizonterweiterung / Weiterentwicklung / Expression zu wichtig ist und die deshalb auch in 10, 20, 30 Jahren die gleichen Probleme hätte? Weil sie diese Probleme immer dann hat, wenn sie nicht frei über ihre Zeit verfügen kann?
  • Kann Mensch das überhaupt überwinden? Wie kann Mensch sein Empfinden überarbeiten? Und sollte Mensch das überhaupt tun?

Diskussion erwünscht.

*((Ich sehe Zoos nicht unkritisch, kleine Anregung zur Zookritik hier, aber ich nutze sie aus Freizeitgestaltungsgründen mit Kleinkind. Das mag verwerflich sein, aber so sieht’s nun einmal derzeit aus. Vielleicht kann ich mich hier mal noch zu mehr Konsequenz durchringen. Angemerkt sei dennoch, dass der Leipziger Zoo seine Sache schon vergleichsweise gut, weil sowas wie „artgerecht“ macht. Käfige – wenn auch goldene – als Attraktion für Menschen sind und bleiben es trotzdem))

** Ich habe die Mützen noch nicht fertig, Sorry Sia und kraehenmutter

9 Kommentare zu “Von Leuten, die (nicht) für’s Elternsein gemacht sind

  1. Gaaaanz kurz: Du machst dir zu viele Gedanken, in deinem Alter normal und gut. Es gibt in der Tat Menschen die sind zum Elternsein geschaffen und andere nicht. Ich muß auch schonmal meinen inneren Schweinehund überwinden um etwas mit meinen Kindern zu machen. Und mich kotzt diese Mutter-Haushaltmaschinerie an – waschen-Abwasch-Kochen und das in Dauerschleife….das Leben muß doch mehr sein?? Du machst dir viele Gedanken, die ich verstehe, nach vollziehen kann, für die ich keine Zeit mehr habe und deshalb lese ich gern bei dir, ich schmarotze nämlich, ich laß dich so viel Zeit vorm Rechner verbringen und schreiben und denke dann, ähm ja hättest genauso geschrieben ;-) Das Leben wird dir Antworten geben, klingt ziemlich altklug ich weiß, wer aber bitte kann heute sagen was dem Kind „schadet“ oder ob es überhaupt „Schaden“ nimmt bei den verschiedesten Formulierung. Kann man überhaupt im Alltag immer alles „gut“ fürs Kind ausformulieren?

  2. Liebe moody, ich war bei Nr. 1 vermutlich ähnlich alt wie du jetzt und die Gedanken, die du formulierst, kommen mir sehr sehr bekannt vor. Ich habe mich auch immer gefragt, ob das Mamasein anderen einfach mehr liegt, ob ich ein egoistisches A**loch bin, wenn ich noch anderes möchte als Tüdeltü mit dem Kind, ich fühlte mich beschissen, weil ich leicht genervt war, nur mit halbem Herz bei der Sache, weil im Kopf immer 10000 Dinge herumspukten. Tja, und es geht mir heute auch noch so, phasenweise, tageweise, stundenweise, unterschiedlich. Der Wunsch nach selbstbestimmter Zeit ist riesig, sie ist mir heilig, so sehr, dass ich selbst Freundinnen absage, um ein paar Stunden für mich alleine zu haben. Das Alter scheint zumindest bei mir nicht recht zu helfen … Das Einzige (!), was mich wirklich beruhigt, ist, dass meine Tochter trotzdem eine wunderbare, ausgeglichene, fröhliche junge Frau geworden ist. Sie hat mich ausgehalten mit all meinen Launen, mit Ecken & Kanten. Und ich glaube tatsächlich, dass sie mich als ganze Person liebt. Das lässt hoffen für Kind 2 :-) Ich wünsche dir viel Kraft, genügend freie Zeit, Gelassenheit und den Mut, dem schlechten Gewissen einfach mal den Mund verbieten. Liebe Grüße!

  3. zum alter, also zu deinem … ich denke nicht, dass es eine altersfrage ist. ist nur eine mutmaßung, aber ich bin 30, also älter, und hab mich schon vor dem kind unabhängig und ohne auf andere rücksicht zu nehmen „selbstverwirklicht“, wenn man so will (studium, job, reisen), aber will damit selbstverständlich jetzt nicht aufhören. aber das ist ja gut. es ist gut, in bewegung zu sein. es ist gut, mehr zu wollen. manchmal ist es nervig, aber blende nicht aus, was du deinem kind damit schönes (und wichtiges!) vermittelst und lernst. und manche dinge, kannst du vielleicht vor ihr verbergen (zB die diskussion, wer mit bettbringen dran ist, kann ja hinter dem kinderrücken geführt werden). und vielleicht merkt p. ja, dass sie dich manchmal zu was überreden muss. na und? du bist halt eine erwachsene und tust lieber erwachsenen-sachen, das ist ja grundsätzlich keine schlimme erkenntnis für ein kind, denke ich. umso schöner, wenn es ihr dann manchmal gelingt, dich zu überreden. kann man auch als erfolg sehen.
    liebe liebe liebe. die zu spüren ist meiner meinung nach das wichtigste. liebe sollte nicht an taten gebunden werden. in keine richtung. …. das schreibt sich alles sehr einfach, aber kommt nicht von ungefähr: ich habe grad neulich einen blogeintrag zu ähnlichen gedanken nicht veröffentlicht, weil ich meinen unwillen, manchmal mutter zu sein, im moment nicht teilen wollte. aber es geht mich nicht selten ähnlich wie dir, wobei es mir (noch) gelingt, das kind außen vor zu lassen, weil ich eben glaube, dass das nicht unbedingt furchtbar ist (s.o.) … mich selbst belastet die eigene innere zerrissenheit nur manchmal auch.

  4. ich habe beim 2, kind gemerkt, dass es mir besser geht wenn ich mich 100 % auf das muttersein einlasse, habe nichts mehr für mich verlangt, Muttersein als job gesehen, wenn zeit für mich abfiel schön und gut, die habe ich gerne genutzt aber diese ewige unzufriedenheit, weil ich während ich mit den Kindern zu tun hatte,oft an vermeintlich interessantere Aktionen denken musste hätte mich auf Dauer zermürbt. Also hab ich mich voll drauf eingelassen und alles andere auf später verschoben, denn es kommt eine lebensphase in der man wieder unendlich viel zeit zur verfügung hat, da passt schon noch einiges rein.Aber jetzt ist jetzt und jetzt ist family time angesagt mit mittlerweile 3 kindern und dieses leben ist lustig,bunt,etwas gaga aber zur zeit voll die erfüllung.

  5. Ist es nicht „normal“, dass die Pflicht zuweilen drückt?! Auch als ich an meiner Diss. geschrieben habe – die Erfüllung all meiner Träume – habe ich immer wieder mit den Gegebenheiten gehardert. Dabei bin wirklich gerne Wissenschaftlerin und Autorin. Ich denke mit der Mutterschaft ist es genauso. Ich glaube nicht, dass das Kind darunter leidet. Der Liebe tut es schließlich keinen Abbruch. Solange das Genervt-Sein kein Dauerzustand ist und wir uns immer wieder auch auf die Kinderwelt einlassen (können), würde ich mir keine Sorgen machen und das eigene Empfinden akzeptieren.

  6. auch auf die gefahr hin, hier für diesen beitrag nur unkenrufe zu ernten und gar nicht gut anzukommen, möchte ich meine meinung zu der thematik preisgeben.

    mir geht es fast ehrlich gesagt so gut wie nie so, wie du oben beschreibst! mein kind ist knapp anderthalb und ich bin unwesentlich älter als du und ich liebe meinen mamajob ziemlich uneingeschränkt. sehnsucht nach (mehr) zeit für mich habe ich nur sehr selten, da ich von vornherein wußte, dass ich mit kind sehr, sehr wenig davon habe werde und voll darauf eingestellt war. ich wollte mein kind unbedingt haben und es fällt mir (ehrlich!) sehr leicht mit den mit-kind-verbundenen-einschränkungen umzugehen. ich weiß, meine zeit kommt später wieder. das ist der lohn des frühen kind-bekommens.

    meine mutter hat ihre selbstverwirklichungen und ihre eigenen bedürfnisse immer sehr wichtig genommen. obwohl außer dieser grundsätzlichen tatsache meine kindheit völlig in ordnung und normal verlief, habe ich mich sehr lange latent ungewollt und sogar zeitweise ungliebt gefühlt. meine mutter hat drei kinder bekommen, trotz der tatsache, dass sie nicht wirklich bereit war, für die jahre, in denen die kinder (sehr) klein sind, ihre bedürfnisse entsprechend zurückzustellen. sie hat uns nicht vernachlässigt oder oft allein gelassen. aber sie wollte im prinzip neben dem leben mit ihren kindern auch ein leben, als hätte sie keine kinder führen. mal alleine urlaub, weggehen, mamas-ungestörte-zeit usw. es war alles nicht schlimm oder total verkehrt, aber es war eine uns bewusste tatsache und hatte auf jeden fall eine wirkung auf mich und meine geschwister. kinder merken, wie sehr sich die eigenen eltern ins zeug legen und ziehen spätestens ab dem grundschulalter auch vergleiche, wie es eltern von anderen kindern so machen. kurzum: ich habe immer für mich gedacht: hätte sie mal lieber nur ein kind bekommen und sich wenigstens dem mit voller hingabe und bereitschaft und geduld gewidmet.

    wahrscheinlich auch deshalb widme ich mich meinem mama-job mit meiner ganzen energie und ohne jedes „Ich-komme-hier-zu-kurz“-gegrübel. dazu muss man sich ja nicht selbst aufgeben. zeit für ein, zwei mal sport jede woche, jeden tag teilzeit arbeiten, mädelsabende – all das fällt ja ab. und das reicht eben jetzt auch. mein kind hat das verdient. und wenn ich mitte vierzig bin und mein kind groß, bleiben noch viele viele viele jahre, in denen ich nur an mich und meinen mann denken kann.

    • Auch wenn der Kommentar schon länger her ist, will ich dazu noch was loswerden: Mütter sind unterschiedlich, wie jeder andere Mensch auch. Ich bin eher eine Mutter wie die Themenerstellerin (ich lese hier heute zum ersten Mal und finde den Namen gerade nicht, sorry), mich macht es schlicht kirre, wenn ich nicht mal einen Gedanken zu Ende denken kann, ich leide ebenfalls unter chronischer Hinterfrageritis und seit ich mir das eingestanden bin, dass ich eben so bin UND Kinder habe, geht es mir viel besser, als wenn ich mir deswegen ein schlechtes Gewissen mache, weil ich meine, doch ganz anders sein zu müssen. Ich schreibe seit neuestem auch wieder ausführlich über mich als Mutter und merke, wie gut es mir tut, auch mal „unorthodoxe“ Gedanken zuzulassen. Ich bin Mutter, aber eben nicht nur. Und beides braucht und bekommt sein Recht.
      Und ehrlich gesagt, was deine Mutter getan hat, finde ich vollkommen legitim, dennoch ist es natürlich schade, dass es solche Gefühle von Vernachlässigung bei dir ausgelöst hat. Ich glaube aber nicht daran, dass die Mütter per se die besseren sind, die sich und ihre Bedürfnisse gegenüber dem Kind zurückstellen.
      PS: Bei solchen Diskussionen frage ich mich immer: Machen sich Väter auch solche Gedanken?

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