Becoming pregnant: Making Of

(oder: Eine Hysterikerin wird schwanger)

Prolog

Wer sich das hier reinziehen will, dem empfehle ich die Lektüre in möglichst entspannter Haltung und häppchenweise. Mitzudenken ist hier weder von Nöten noch zu erwarten. Diese Schilderungen bedienen lediglich den allgemeinen Voyeurismus oder wahlweise die Langweile ;) 

Teil 1 – Vorgeplänkel, Hirnsülze, Erklärendes

(Ja, das Making of wird veröffentlicht vor Beginn der eigentlichen Dokumentation. Crazy, ne? Im ernst: Das ist wichtig, um zu verstehen, warum und so… Na, lest selbst:)

Ich beichte: Ich bin hysterisch. Raserei, Hysterie, Aufregung, Unentspanntheit, Gereiztheit, Angespanntheit, … Alles Wörter, die auf mich und meine Zustände wahrscheinlich oft zutreffen.

Ich bin zum Beispiel wahnsinnig aufgeregt vor ersten Dates. War ich schon immer. Ich kann an nichts – also: an GAR NICHTS – anderes denken, wenn ich mich verknallt habe. Ich komme mit Prüfungssituationen nicht klar. Ich habe Lampenfieber. Okay, das klingt wahrscheinlich noch ziemlich normal. Bis zu einem gewissen Grad ist es das wohl auch.

Aber: Ich kann Ereignisse, die unaufhaltbar näher kommen, deren Zeitpunkt ich aber nicht selbst bestimmen kann und die eine gewisse Wichtigkeit mit sich bringen, nicht einfach auf mich zukommen lassen. Genau genommen kann ich eigentlich gar nichts und niemanden einfach auf mich zukommen lassen, wenn es mir auch nur ein kleinwenig wichtig ist. Ich bin ein Kontrollfreak! Eine zeitlang hat mich selbst der Gedanke, die Wohnung verlasen zu müssen, extrem unter Druck gesetzt, sodass ich es ein halbes Jahr lang nur noch im äußersten Notfall getan habe.

Wenn etwas mehr oder weniger Großes ansteht, dann kreisen meine Gedanken NUR noch – will heißen: ausschließlich und immer wieder von vorn – um diese eine Sache. Das ist total anstrengend. Ich kann unter gar keinen Umständen davon ablassen, mich mit etwas anderem beschäftigen oder mich ablenken. Ich schlafe schlecht, bekomme Kopfschmerzen, bin gereizt und vermutlich unausstehlich. Ich wandle in einer eigenen Welt herum, will in Ruhe gelassen werden, bin kaum ansprechbar, bevor „es“ nicht endlich überstanden ist. Ich kann es einfach nicht ertragen, nicht zu wissen, was mich erwartet, wie und ob etwas so klappt wie ich es will oder nicht… Die Spannung macht mich volkommen wahnsinnig! So sehr, dass ich in einer solchen Situation wirklich denke, den Verstand zu verlieren. So sehr, dass ich flüchten, weglaufen, mich einfach davor drücken will. Ich habe mit verschiedenen Techniken versucht das in den Griff zu bekommen – Yoga, Entspannungstechniken, nachgeben, mich dafür nicht verurteilen, mir die (nicht schlimmen) Konsequenzen klarmachen, an Leute denken, denen es viel schlimmer geht, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, Saufen, viel weggehen, gar nicht weggehen, Beziehung führen, keine Beziehung führen, reden, nicht reden und schreiben, schreiben, schreiben… Alles mögliche (außer Tabletten). Unter anderem deshalb habe ich meine Bandtätigkeiten (vorerst) aufgegeben und stark daran gezweifelt, ein Studium (bzw. eine gewisse Zeit über selbst das Verlassen des Hause) bewältigen zu können. Unter anderem deshalb existiert dieser Blog.

Eine entspannte Schwangerschaft, in der man einfach alles so auf sich zukommen lassen kann, ist unmöglich, wenn man so ein Mensch ist. Trotzdem: Irgendwann Ende 2012 entschieden wir uns also tatsächlich, dass wir ein zweites P. möchten. Eigentlich irgendwie wahnwitzig.

Irgendwie dachte ich, obwohl ich mich durch meine ständige Selbstbeobachtung mittlerweile ziemlich gut kenne, es würde nicht ganz so schlimm werden. Ich dachte, ich wäre mittlerweile etwas älter geworden, hätte dazu gelernt, könnte besser mit mir und ‚damit‘ umgehen… „Ich hab gar nicht die Zeit dafür, mich da extrem hineinzusteigern. Schließlich studiere ich und habe ein Kind zu versorgen! Check DAS mal, Kopf!“ dachte ich mir. Dabei drückte ich auf den „Ja, ich möchte die 40er-Packung Ovulationstests bestellen“-Button und schrieb meine Top 5 der männlichen und weiblichen Vornamen ins Tagebuch. Das war ein halbes Jahr bevor das Hibbeln überhaupt wirklich losging! *kopfschüttel* Wie bescheuert das ist!

Teil 2: Vorbereitungen

Ovulationstests, 40 Stück. 10 verschiedene Zyklus-Apps. ALLES, wirklich ALLES lesen über Ovulation, Zyklus, Befruchtung, … (Ich könnte jetzt vermutlich jemandem bei seiner Doktorarbeit über ein verwandtes Thema sachdienliche Hinweise geben.)

Mit K. sprechen. Mindestens 300 Mal: „Willst du das auch wirklich? Haben wir uns das gut überlegt? Ist das für uns die richtige Entscheidung? Sag mir nochmal, warum du das willst!“

Berechnen. Wenn Befruchtung im Dezember, dann Geburtstermin im August, Befruchtung Januar – Geburtstermin September usw. Wenn meine letzte Menstruation dann und dann war, ist mit dem ES ab da zu rechnen, also Testen ab dem und dem Tag.

Mit K. streiten über DIE wichtigste Sache.

Testen. Beobachten. Hyperventilieren. (Warum sind Hormontests für Hysterikerinnen überhaupt frei verkäuflich??)

Femibion 1 nehmen.

Warum kann ich die Sache nicht einfach entspannt angehen? Warum bin ich nur so … unentspannt? Ich ärgere mich, denn ich muss zugeben: Mir bereitet das doch teilweise einen gewissen (Hmmmmnn… Wie würde meine Therapeutin es ausdrücken?) ‚Lustgewinn‘. Ich liebe es, mich in Themen zu vergraben, sie mir nach und nach zu erschließen und schließlich zu verstehen. Noch mehr liebe ich es, wenn ich durch (Denk- und Horizonterweiterungs-)Arbeit zu einem gewünschten Ergebnis/Ziel komme. HA! Und geklappt hat’s ja schließlich, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Es wäre mir echt recht geschehen, wenn ich hätte länger warten müssen. Dann hätte ich mal wieder üben können, dass man geduldig sein muss. Mein ‚Fleiß‘ zahlt sich leider viel zu oft aus.

Was tut die gemeine Hysterikerin, wenn sie sich vermehren will?

Zunächst: Sie informiert sich. Sie liest, sie wälzt, sie studiert, sie untersucht, sie vergleicht, sie findet heraus und sie denkt. sie denktdenkt viel, denkt mehr und noch mehr und zu viel… viel zu viel!, sie hinterfragt, googelt, googelt lange, liest Foren, Bücher, Hilfeseiten, Erfahrungsberichte… Und das alles vorbereitend (!!!) Während andere schon längst auf ihrem (im Idealfall) potenten Partner hocken und (im noch idealeren Fall) einfach oft genug im Monat p*ppen, sitzt die Hysterikerin nächtelang vorm Rechner und plant. Bloß nichts dem Zufall überlassen!

Ich wälzte Foren und Statistiken. Ich habe in gefühlt mindestens 300 verschiedene „Quellen“ gelesen, wann so ein Ovu-Test im Normalfall wirklich positiv ist (wenn die Testlinie dicker ist als die Kontrolllinie), wann der ES dann voraussichtlich bevorsteht (in max. 48 Stunden), warum das überhaupt so ist (LH = ‚Eisprungauslöser‘ –> wird ausgeschüttet und verursacht Freigabe der Eizelle an den Eileiter), wie lange die Eizelle dann befruchtungsfähig ist (12-24 Stunden), wie lange S*ermien überlebensfähig sind (normalerweise etwa 3 Tage, manchmal 5 in Ausnahmefällen 7), wohin die Eizelle wandert und wie lange sie braucht (unterschiedlich), wie die Sperm*en die überhaupt finden (Duftstoffe), wann mit der Einnistung zu rechnen ist (5 bis 10 Tage nach Eisprung), wie die genau abläuft (hochspannend! Unser Körper ist so eine alienmäßige Angelegenheit!) und wann die Ausschüttung von Schwangerschaftshormonen beginnt. Phieuw…

Teil 3: Wir stellen uns scharf

Wir einigen uns. Wir wollen. Ab November 2012. Uhuuu, wie aufregend! (Ach ja: wir wollten nach September 2011 schon einmal, dann aber wieder doch nichtUnd dann also doch… Mann, sind wir konsequent!) Nur doof, dass mein Körper gerade dann (scheinbar) nicht mitmachen wollte: Weder Regelblutung noch Eisprung liesen sich nach dem 17.11. blicken. Der nächste Eisprung kam erst zu Weihnachten…

Ab dem Moment, in dem es ausgesprochen war, konnte ich kaum an etwas anderes denken: WannistmeinEisprung WannwarenmeineTage Wannbinichfruchtbar Wannkönnteesklappen WannwäreGeburtstermin WannistmeinEisprung WannwarenmeineTage…

Warum eigentlich? Ich bin nicht einmal so eine Übermutter und will eigentlich auch gar keine sein! Ich möchte vor allen Dingen zwei Kinder, die füreinander als Kinder „da sein“ können, gemeinsam spielen, streiten und alles in allem eine coole Kindheit zusammen haben, mit jemandem der sie viel besser versteht als die doofen Erwachsenen. Nicht mehr. Und nicht weniger. Warum also die ganze Aufregung? Und dann waren auch noch Weihnachtsferien… Keine UNI, die mir das Hirn verstopft und freie Bahn für’s heiß machen…

Ich habe mich wohl in dieser Hinsicht einfach nicht unter Kontrolle.

K. meint, ich müsste mal lernen, das (und damit mich) so zu akzeptieren wie es ist (ich bin). Wahrscheinlich hat er recht damit. Natürlich hat er recht damit! Dann bin ich halt bescheuert. Akzeptiert (oder so ähnlich).

Weihnachten war hier jedenfalls ziemlich… kuschelig ;-)

7 Kommentare zu “Becoming pregnant: Making Of

  1. hihi, klingt anstrengend! ich glaub, ihr könnt euch jetzt echt freuen, dass es so schnell geklappt hat, dann kannst du entspannen und den kopf wieder freier machen ;) oder geht das die nächsten 40 wochen jetzt so weiter? dann wünsch ich dir trotzdem eine entspannte schwangerschaft!! ommmmm!! :)

  2. Herrlich, wie du den ganzen Wahnsinn hinausschrei(b)st.Ich bin in puncto Kinderplanung umgekehrt wahnsinnig gewesen, ziemlich ungeplant und unbekümmert.Durch DIch habe ich wieder angefangen Tagebuch zu schreiben. So eine Tagesreflexion wirkt echt heilsam, hatte ich ganz vergessen.
    Ich wünsche Dir und deinem Würmchen faszinierende 9 Monate.

  3. Du hast echt ’nen Knall. Das mag ich so an dir, wenn ich deinen Blog lese :-)
    Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Untermieter. Du musst es positiv sehen, das zweite Kind bekommt bei dir so viel Hype wie das Erste. Bei mir ist die zweite Schwangerschaft irgendwie „untergegangen“, eigentlich traurig, aber am Ende liebt man beide Kinder gleich doll und nur darauf kommt es an.
    Liebe Grüße britpott

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