Kinder sind doch nicht…

… ständig unzufrieden.

Dieser Gedanke kam gerade kurz nach dem Frühstück. Eine Ecke meines Ichs dachte offensichtlich mal wieder an „Oh Mann, heute Nachmittag… Was machen wir denn? Seit Tagen machen wir irgendwie nicht wirklich was. Aufstehen, anziehen, Frühstück, raus zur Kita, von der Kita abholen, nach Hause, ein bisschen Spielen, Laura gucken, Abendessen, Bett. Armes P.“ – „Schwachsinn!“ dachte sich das Contra. Denn am Dienstag hatten wir zum Beispiel laaaange Besuch und Mittwoch gehen wir zur Musikgruppe mit anschließenden Spielen im Indoor-Spielplatz. P. wirkt ausgeglichen, davon abgesehen, dass sie nicht in die Kita will morgens (dann aber doch Spaß hat). Kinder brauchen nicht ständig Abwechslung, regelmäßige Abläufe geben ja auch Sicherheit. „Du und deine scheiß Komplexe!“

Mein Kind erwartet nicht ständig etwas Anderes oder Besseres von mir.

Ich hab mich erwischt! Ich unterstelle meiner kleinen zweijährigen Tochter den gleichen gedanklichen Mist wie dem Rest der Menschheit. Ich habe ständig ein schlechtes Gewissen, weil sich ein Teil von mir einbildet, „die Anderen“ würden irgendwas von mir erwarten. Mehr rausgehen, mehr abends weggehen, mehr Kunst, mehr cool, mehr relaxt, mehr Erlebnisse, mehr mehr mehr… Eigentlich weiß ich, dass das Quatsch ist (meistens) und eigentlich will ich, dass mir das egal ist, denn meine Werte sind das nicht. Aber diese Komplexe habe ich schon seit ich denken kann. Und jetzt denkt es sich also auch in mir, dass mein Kind Dinge von mir verlangt, die ich nicht bringen kann. Und dann geht mein Ich in seine trotzige „Nö, will nicht… Ich kann das nicht.“-Haltung und mich plagt unverzüglich das schlechte Gewissen…

Oh Mann, verkorkstes Ich! Das, was man kleinen Kindern bei all dem Trotzverhalten ja wirklich hoch anrechnen kann ist, dass sie ihren Eltern bedingungslosen Liebes-Kredit geben. Kindern nehmen uns Eltern doch im Prinzip (bis zu einem bestimmten Alter) genau so wie wir sind, ohne zu hinterfragen, warum wir so sind oder dies oder das tun oder lassen… Das soll uns nicht davon befreien, zu reflektieren, was wir tun. Aber wir sollten kein schlechtes Gewissen haben, weil wir meinen, unsere Kinder würden überzogene Erwartungen an uns stellen. Schon der Rest der Menschheit hat wenigere an uns als wir uns einbilden, wir sind ja nicht der Nabel der Welt. Aber die Einbildung klappt hier ganz gut und ist schwer zu überwinden. Aber hey! Kinder! Kinder sind vermutliche einige der wenigen Menschen, die tatsächlich frei von Erwartungen anderen Menschen gegenüber sind… Also: Schlechtes Gewissen? Bitte nicht aus dem Grund!

2 Kommentare zu “Kinder sind doch nicht…

  1. Weisst du, wenn dein Kind zufrieden scheint – dann lasses doch einfach so wie es ist! Unser Sohn hatte bis er 4 war nur wenige „Aussentermine“, weder unter der Woche noch am Wochenende. Immer wenn wir was unternehmen wollten, fand er es doof, war sofort platt u.s.w. Mittlerweile ist es schon etwas anders, abwr er bittet sich Ruhezeiten explizit aus. Letzter Satz dazu: „warum muss ich am Wochenende raus? Immer muss ich schon in der Kita raus und spielen. Jetzt will ich auch mal zuhause bleiben! „. Hatt er irgendwie auch Recht.

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