Ursachenforschung an „nah am Wasser“-Tagen

Als das P. auf die Welt kam fand ich mit am verrücktesten die Wandlung von irgendeinem Menschen zu einem Menschen, der sich ständig fragt „Was ist jetzt schon wieder los?“. Plötzlich hat Mensch da ein Bündel, für dessen Wohlergehen man sich verantwortlich zeichnet. Babys äußern ihr Unbehagen ziemlich lautstark und immer ziemlich ähnlich.

Klar, da gibt es Leute, die dir erzählen: „Du musst nur genau hinschauen, dann siehst du auch was los ist!“ und es gibt die „Sie hat Kolliken!“- „Sie zahnt!“ -„Sie hat Bauchweh!“-„Sie ist reizüberflutet!“-„Sie hat Verspannungen!“-Fraktion, also die, die irgendwie immer eine Erklärung brauchen haben für den Pups der beim Baby quer hängt.

Am besten zu uns passte eine Erklärung in Richtung „Du bist doch auch mal scheiße drauf und kannst nicht genau sagen warum!“ Genau, so ist es. Also beim Baby die drei Hauptursachen abklappern: Hunger/Durst? Windel voll? Müde? Und wenn alle drei nicht hinhauen, dann muss man da (meistens) durch… Beruhigen, da sein. Manchmal ist natürlich wirklich was und jaaaaa, auch wir sind zum Osteopathen gerannt, weil ja alle Babys Verspannungen haben und jaaa, auch ich habe mir Vorwürfe gemacht, als mein Baby von der Flaschenmilch gekotzt hat, weil aus meiner Brust einfach nichts mehr rauskommen wollte…

Das mit der Ursachenforschung wird – entgegen meiner Hoffnung – aber nicht mit stetigem Alter besser. Jedenfalls (offensichtlich) nicht, solange die Kinder Kleinkinder sind. Mein Kind kann nun mittlerweile sprechen, aber wenn sie einen Ninegltag hat, an dem sie alle drei Minuten heult oder ningelt / irgendwas will, dann fühl ich mich immer schnell an die erste Zeit mit einem Neugeborenen erinnert. Denn beständig frage ich mich oder auch wir Eltern fragen uns gemeinsam: „Was hat sie nur??“

Und dann geht das Rätselraten los. Das Kind hängt brüllend auf des Vaters Arm und die Eltern spekulieren wie wild:

„Die letzten Tage war einfach zu viel Action, wir hätten heute Zuhause bleiben sollen!“

(Kann sein…)

„Das liegt einfach daran, dass ihr die Routine fehlt – es sind ja gerade Feiertage, keine Kita und so…“

(Ja, letzte Woche war sie einen Tag mit mir, dann mit dir und dann mit Oma zusammen… Ging auch…)

„Wer weiß, vielleicht ist sie auch einfach müde?! Schließlich hat sie keinen Mittagsschlaf gemacht.“

(Möglich, allerdings macht sie den schon seit etwa einem Jahr nicht mehr wirklich.)

„Oder sie hat hunger?“

(Wir waren vor etwa 10 Minuten essen.)

„Vielleicht tut ihr was weh? Sie hat vorhin gesagt, in ihrem Mund tut was weh!“

(Ja und heute morgen haben ihre Ohren, danach der Bauch und vor 5 Minuten der Po schrecklich weh getan.)

„Es könnte sich auch ein Infekt ankündigen! In der Kita geht doch gerade was rum…“

(…)

Aber das Gemeine ist: Bei mir/uns ist das so ein Selbstläufer… Obwohl ich weiß, dass es 1. im Moment des Dramas keinen Sinn macht, über dessen Ursache nachzugrübeln und es 2. sehr viel sinnvoller wäre, dem Kind Sicherheit zu suggerieren, anstatt es noch mehr zu verunsichern, indem man rumrätselt, woran das Geblög nun gerade liegen könnte…

Ich freue mich auf Zeiten, in denen das P. einfach etwas klarer sagen kann: „Mama, ich habe Zahnschmerzen, guck mal hier ((aaaaah))!“ oder so… Nach der Rumrätselei bin ich immer selbst total erschöpft und fühle mich zudem noch hilflos oder erwarte Schlimmes…

Das P. hatte jetzt so ziemlich genau einen Monat eine sehr tolle Phase, die sehr unanstrengend und vorrangig schön war. Gestern war sie schon eher weinerlich und heute (Zoo) war es kaum zu ertragen – für alle. Wir haben das dann abgebrochen und sind nach Hause gefahren. Hier ist sie auf dem Sofa direkt weggepennt – passiert sonst nie… Und schon rätselt der Kopf wieder los…

„Es könnte ja auch daran liegen, dass…“ *seufz*

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