Schwanger sein: So war die 28. Woche

Die letzte Woche war irgendwie auch nicht viel besser. So ’ne chronische Sinusitis ist ätzen – immer dann, wenn man denkt, dass der Mist vorbei ist, kommt es wieder zurück. Donnerstag Abend war hier Chaos, Sturm, Unwetter-Kack – dadurch fuhren keine Bahnen, ich kam gerade aus meiner Uni-Stadt gependelt und klebte am Unwetter-stürmisch-regnerisch-kalten Bahnhof für über 1,5 Stunden fest. Super. Freitag war dann der drückende Kopf (also meiner) auch wieder da…

T. bewegt sich echt stark. Die Ärztin und die Hebamme haben mir ein bisschen gezeigt, wie man die Lage des Babys ertasten kann. Faszinierend, das. Seitdem versuche ich manchmal zu erraten, was ich  da erfühle und es kommt mir vor, als könnte ich T. so richtig durch die Bauchdecke streicheln. Er reagiert darauf extrem mit Pränatalgymnastik.

P. singt dem Bauch neuerdings Lieder vor und sie schlingt ihre Arme um meine Hüfte und küsst meinen Bauch: „Ooooooh, dicker Bauch!“ – ich denke, dass sie ganz schön verwundert sein wird, wenn der Bauch dann plötzlich nicht mehr dick ist. Wenn wir Dinge aussortieren oder sie Sachen nicht findet, dann behauptet sie jetzt „Das gehört jetzt dem T.“ – Haha ;-) Der Arme!

Beim Laufen fühle ich mich als hätte ich einen kleinen, festen Ball zwischen den Beinen. Es drückt echt ziemlich heftig nach unten und manchmal durchfährt mich ein stechender Messer-Schmerz, sodass ich nicht weiterlaufen kann. Meine Hebamme hat mir einen Beckengürtel empfohlen. Sie meinte, dass das unter anderem daran liegt, dass die Hormone alles weich machen und das Becken nicht mehr so gut „hält“ – der Gürtel drückt die Beckenknochen etwas zusammen und stabilisiert das Ganze dann beim Laufen. Ich werde meine Gyn beim nächsten Termin darauf ansprechen.

Oh. Und ich hatte einen echt strangen Traum: T.s Geburt, quasi. K, P und meine Mutter (wtf?) sind im Kreißsaal. Folgende Szene: Die Schwester/Hebamme kommt zur Tür hinein, mit dem kleinen T. im Handtuch – es guck nur das Gesicht heraus, wie bei P. damals. Er wird mir in die Arme gelegt. Alle sind happy. Nur ich wundere mich und bin extrem verwirrt. Ich kann mich nicht daran erinnern, ihn geboren zu haben. Ich liege zwar auf dem Kreißsaalbett, unten auch alles blutig, fühle mich erschöpft… Aber ich kann mich nicht erinnern, wie es ablief. Die Erinnerung ist einfach komplett weg. Ich fühle mich ganz ganz komisch… K und meine Mom sind aber ganz normal… Ich fühlte mich wie um meine Geburt betrogen und wünschte mir in dem Moment nur, ich hätte die Geburt bewusst erlebt… Versuche mir zu erklären, dass ich ihn wahrscheinlich geboren habe, aber so konzentriert oder voller Schmerzen war, dass ich wie „weg“ war…

In letzter Zeit habe ich immer Mal wieder recht panisch an die Geburt gedacht… Ich habe Angst, dass mich die Schmerzen wieder so wegballern. Obwohl ich mich dieses Mal natürlich schon besser vorbereitet fühle. Ich habe Angst, dass unter der Geburt etwas schief geht. Ich habe Angst, wieder das Gefühl zu haben, es einfach nicht zu schaffen. Ich habe mir mehr als einmal gewünscht, ich könnte T. einfach so haben, ohne dieses… äh… „Erlebnis“. Es ist, als hätte mir der Traum gesagt: Doch. Du brauchst die Geburt. Bewusst.

Trächtigkeitsstatus aktuell:

  • Letztes Schwangerschaftsdrittel, im 8. Monat
  • 29. SSW (rechnerisch), 28 Wochen + 0–6 Tage schwanger
  • 12 Wochen bis zum ET
  • 6 Monate nach Befruchtung
  • T. ist 26 Wochen alt
  • 183. bis 189. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby komplett: ca. 39 cm
  • Scheitel-Steiß-Länge: ca. 26 cm
  • Durchmesser des Köpfchens: 7 – 8 cm
  • Gewicht: ca. 1200 g
  • Fußlänge: ca. 6 cm

Im 8. Monat jetzt… Phieuw.

Ich habe mal meinen altern Mutterpass rausgekramt – Vergleiche fetzen ja irgendwie. Bei 29+5 habe ich damals (im August 2010) 73,4 kg gewogen. Jetzt bin ich bei 76,6 kg. 3 kg mehr als 2010, allerdings bin ich mit 5 kg mehr gestartet. Ich habe jetzt aktuell ziemlich genau 10 kg zugenommen seit Start der 2. Schwangerschaft im *schnief* Dezember. Bei der letzten Schwangerschaft waren es um die Zeit etwa 12. Ist jetzt also gar nicht soooooo schlimm, wie es sein könnte/wie ich dachte.

Das Baby kann jetzt womöglich bitter schmecken – jedenfalls wurden bei Untersuchungen schon mimische Reaktionen auf bitteren Geschmack beobachtet.

T. liegt schon seit Wochen mit dem Kopf nach unten, auch in dieser Woche… Er ist im übrigen nach wie vor immer gegen 23 Uhr ziemlich aktiv.

Ach herrje bin ich gerade sentimental, dass ich mit T. zum letzten Mal ein so kleines Baby haben werde… Der kleine Kopf und so. Hach. Hach. Hach…

Noch 83 Tage bis zum errechneten Termin.

Quellen:

http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/Embryology/Woche27.htm

Schwanger sein: So war die 27. Woche

Aus dem grippalen Infekt hat sich eine Nasennebenhöhlenentzündung entwickelt. Chronisch. Geil. Brauch ich neben Neurodermitis, Allergien, Asthma und Morbus Crohn echt ganz ganz dringend. Was ist nur mit diesem Körper los? Eine einzige Fehlkonstruktion.

Das hieß für mich: Noch eine Woche nicht in die Uni. Zum HNO und irgendwelche Nasentampons da reingesteckt bekommen und 40 Minuten mit einem Ultraschall-Gerät auf den Wangen rumfahren. Sinupret darf ich in der Schwangerschaft bei Nasennebenhöhlenentzündung wohl auch nehmen. Und abschwellendes Nasenspray… Armer T., so viel Mist in meinem Körper…

Und natürlich: No way to lern for the Prüfungen. Die rücken derweil trotzdem unaufhaltsam näher und meine Demenz macht es echt nicht unbedingt einfacher. Ich will, dass August ist!

Apropos August: Wo ist der verdammte Frühling? Ist doch echt ätzend. Kalt-kalt-kalt-arschkalt. Regen-Regen-Regen. 40 Grad im Schatten. Und nichts dazwischen… Schwanger sein bei 30 Grad, mit Nebenhöhlenentzündung und Pendeln mit ÖPNV ist echt extrem nervig.

Außerdem fällt mir auf, dass ich extrem Geräuscheempfindlich und dadurch superschnell genervt bin. Scheiß Baustelle vor dem Fenster, zum Beispiel. Die fangen kurz vor 7 an und hören vor 20 Uhr abends nicht auf mit Rumnerven. Die bauen ein HAUS. Das geht noch ewig so weiter. Ich träume mich auf’s Land! (Wo ich es nach spätestens zwei Monaten wahrscheinlich auch schrecklich fänd…)

Apropos Träumen: Wir wollen Anfang August dann doch nochmal in den Urlaub fahren. Und möglichst vorher einen fahrbaren Untersatz besorgen. Ich hoffe wirklich, dass die entsprechenden Finanzen rechtzeitig bei uns eintreffen. Ich muss unbedingt nochmal weg bevor T. kommt… Meint ihr, dass das zu knapp ist? Termin ist ja erst Mitte September und wir werden nicht ins Ausland fahren.

Positives? Gab’s die Woche echt nicht viel… La Wampe wächst wie wild. Der Nabel ploppt sicher bald. T. bewegte sich zeitweise deutlich weniger, sodass ich mit dem Angelsound nachgehört habe, ob alles okay ist. Aber jetzt ist er wieder ständig am Rumpeln. Hach ja.

Trächtigkeitsstatus aktuell:

  • 3. Schwangerschaftsdrittel, im 7. Monat
  • 28. SSW (rechnerisch), 27 Wochen + 0–6 Tage schwanger
  • 13 Wochen bis zum ET
  • (fast) 6 Monate nach Befruchtung
  • T. ist tatsächlich 25 Wochen alt
  • 176. bis 182. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby komplett: ca. 37 cm
  • Scheitel-Steiß-Länge: ca. 25 cm
  • Durchmesser des Köpfchens: 7 – 8 cm
  • Gewicht: ca. 1 – 1,5 kg
  • Fußlänge: ca. 6 cm
Oha, letztes Trimester!
T. dürfte jetzt langsam nicht mehr so knöchern aussehen, er legt sich eine Fettschicht an. Außerdem kann er seine Augen jetzt willentlich auf und zumachen – verrückt! Er macht die Augen jetzt zu, wenn er schläft ;-) Wenn ich den Bauch frei mache, wird er oft plötzlich ruhig. Vielleicht staunt er über die Helligkeit? T.s Gehirn entwickelt sich offenbar in dieser Woche auch nochmal ziemlich heftig… Augenbrauen, Wimpern und Kopfhaare wachsen.
Noch 90 Tage  bis zum errechneten Termin.

Kinderwut (1)

Auslöser für markerschüterndsten Wutanfälle der P. im Mai:

(1)

Weil Papa sagt, dass der Schwimmring nicht mit in die Kita darf.

(2)

Weil es aber wirklich eine Zumutung ist, den Keller (nach dem Wegschließen des Fahrrads) verlassen zu müssen.

(3)

Weil das Brötchen durch’s Essen immer kleiner wird (und gefälligst wieder groß werden soll).

(4)

Weil diese fiesen kleinen Kinder einem das neue Sandspielzeug wegnehmen.

(5)

Weil noch 1 (2, 3, 4) Eis jetzt echt drin sein müssen!
(Das P. war im Mai 2013 2,5 Jahre (31 Monate) alt.)

Neue Abteilung: Kinderwut

Analog zum Kindermund gibt es jetzt hier eine „Kinderwut“-Kategorie.

Kleinkinder flippen ja ständig wegen so Dingen aus, bei denen man sich als Erwachsener schon manchmal… ähm… nun ja… ein wenig „wundert“. Weil ich mich an diese Sachen genauso erinnern will, wie an die Quatsch-Sätze von P., bekommt ihr in Zukunft also auch hin und wieder P.s verrückteste Anlässe für ihre kleinkindlichen  Trauer- und/oder Wutanfälle!

Viel – was auch immer – damit ;-)

Schwanger sein: So war die 26. Woche

Ich hab so ein nerviges Gefühl des Herzrasens. Klar, besonders wenn ich auf dem Rücken liege. Auf der Seite zieht der Bauch aber nach unten. Ich fühle mich allgemein ständig so kurzatmig, als wäre ich nervös. Ist aber sicher normal… Ich muss mich manchmal anstrengen, dann nicht in „Panik“ zu verfallen, weil es durch ruhiges Atmen nicht unbedingt besser wird. Ablenkung bringt noch am meisten. Mann, was bin ich froh, wenn das Semester rum ist und ich guten Gewissens einen Gang zurückschalten kann.

Überhaupt: Die Woche war nicht gut. Ich war krank (grippaler Mistscheiß) und hatte darauf absolut keinen Nerv. Krank, das heißt: Zuhause bleiben und Decke auf den Kopf fallen lassen. Viel zu viel Zeit zum Grübeln und in Löcher fallen. Bei all den Depri-Phasen, in die ich so rutsche zweifle ich „komischerweise“ aber nicht an der Schwangerschaft selbst oder daran, dass wir ein zweites Kind bekommen. Es ist mehr so unbestimmtes Zeugs à la „Die Welt da draußen…“ oder wahlweise „Die Menschen da draußen…“ oder (am häufigsten) „Ich hier drinnen vs. die Welt da draußen…“. Und Kopf in den Sand geht mit Kleinkind schlecht, das wissen viele von euch. Was macht ihr, wenn ihr krank seid und das Kind gesund ist und bespaßt werden will? Ich hab sie dann am Wochenende zu meinen Eltern gegeben, wo sie auch ’ne Menge Spaß hatte und hab mich unglaublich schlecht gefühlt deswegen… Fragt mich nicht, warum. Sie ist total gern dort. Pfft. Mütter!

Ich hab das mit der Taschenlampe auf den Bauch mal ausprobiert und es klappt! Also T. reagiert da auf jeden Fall ziemlich heftig drauf. Ich weiß jetzt nicht, ob ihm das gefällt oder eher erschreckt, aber ich lass es lieber. Sieht also alles danach aus, als würde er seine Augen schon wieder aufhaben. Auch wissenschaftliche Quellen sagen: Ab jetzt kann man nachweisen, dass die Bauch-Babys schon auf Umweltreize (Geräusche und Licht) reagieren.

Eigentlich hat er zwischen 22:45 und 0:15 seine aktive Zeit. Ich hab festgestellt, dass er sich zu beruhigen scheint, wenn ich singe. (Ja, ich singe dann…) Gestern hat er den ganzen Tag ununterbrochen rumgezappelt. Zum Teil fand ich das fast anstrengend, weil es wirklich keine Pause gab. Was war nur los? Als ich auf dem Sofa lag und meine Hand unterhalb der Rippen etwas stärker in den Bauch „schob“ (klingt jetzt brutaler als es war), konnte ich einzelne kleine Gliedmaßen spüren. Ich weiß nicht, ob Hände oder Füße, aber es war bewegend und ich hätte ihn in dem Moment lieber auf dem Bauch als darin gehabt… Dieses Gefühl ist manchmal wirklich stark. Also das Gefühl, sein Baby jetzt richtig haben zu wollen.

Hm, was noch? Ich träume verrückt-wirr-buntes Zeug. Meine Füße sind wahnsinnig schwer und schlafen ständig ein… Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das das so stark in der ersten Schwangerschaft hatte. Es nervt. Ich kreise, lege hoch und sollte mal Wechselduschen machen… Ich bin extrem nah am Wasser gebaut und heule ständig bei jedem Mist los. Ich habe nicht wirklich Lust auf Menschen.

Es ist die Zeit angebrochen, in der ich mich extrem masssiiiiiiiv und „un-“ fühle. Die Zeit, in der die Schwangerschaft dann eigentlich auch vorbei sein darf, wenn’s nach mir ginge. Das einzig wirloch Schöne sind im Moment für mich die Baby-Bewegungen. Das ist auch das einzige, woran ich mich nach der Schwangerschaft mit P. mit Sehnsucht erinnert habe und was ich fast schade finde, weil ich es höchstwahrscheinlich nie wieder selbst erleben werde…

Von meiner Gyn habe ich noch nichts gehört – scheint mit Zucker, Abstrich und Ringelrötel-AK also alles soweit in Ordnung zu sein. Das Magnesium scheint gegen das Stechen/Ziehen im Bauch sehr gut zu helfen. Der Druck nach unten verschwindet natürlich nicht so einfach…

Habe mir übrigens dieses Video zur Geburt angeschaut und finde es irgendwie gut. Ich habe vor 2 Wochen leicht panikartige Angst-Anfälle bekommen und aus irgendeinem Grund hat mich das Video beruhigt. Vielleicht, weil man es anhand dessen recht gut nachvollziehen kann, was da passiert… Die Wehen überhaupt als Kontraktionen der Gebärmutter zu begreifen (und nicht als „irgendwas schmerzhaftes Sinnloses“), durch die der Gebärmutterhals verkürzt, der Muttermund geöffnet und das Baby nach unten geschoben wird… Das bringt mir was. Ich hoffe, dass diese Geburt für mich erträglicher, weil bewusster werden wird. Das letzte Mal bin ich da einfach so reingestürzt, wusste weder wie mir geschieht, noch was mich danach eigentlich erwartet. Jetzt bin ich vorbereitet und ich weiß, was kommt und dass es geht. Ich hoffe, daran werde ich dann auch denken…

Trächtigkeitsstatus aktuell:

  • 2. Schwangerschaftsdrittel, im 7. Monat
  • 27. SSW (rechnerisch), 26 Wochen + 0–6 Tage schwanger
  • 14 Wochen bis zum ET
  • “echtes” Alter meines Babys: 24 Wochen (5,5 Monate, nach Befruchtung)
  • 169. bis 175. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby komplett: ca. 34 – 37 cm
  • Scheitel-Steiß-Länge: ca. 24 cm
  • Durchmesser des Köpfchens: 6,6-7,7 cm
  • Gewicht: ca. 850 – 1000 g
  • Fußlänge: ca. 6 cm
Die letzten Wochen im Bauch braucht so ein Baby wohl vor allem, um Fettpolster anzulegen und eine reife Lunge zu bekommen. Wenn es danach geht, wie die Menschen-Babys im Vergleich zu anderen Frischlingen nach der Geburt so drauf sind, müssten sie ja eigentlich noch etwa ein Jahr länger im Bauch bleiben.
T. ist heute 169 Tage alt – „in echt“, also seitdem er angefangen hat sich zu entwickeln. Ich hab noch 98 Tage bis zum ET – unter 100. Uiuiui.

Liebende Mutter. Zweifelnder Kopf.

Reflektieren und Erziehen, das bedeutet für mich:

Ich versuche zu erkennen, was dir und uns gut tut. Ich versuche, dir und uns nicht zu schaden.

Ich versuche, mir darüber im Klaren zu sein (und auch dir irgendwann klarzumachen), dass meine Sicht der Welt und mein Umgang mit den Menschen, mein Umgang mit mit mir und dir nur mein Versuch ist. Und nicht die Wahrheit. Deinen Weg musst du selbst herausfinden. Irgendwann. Irgendwie.

Ich will dir gern vermitteln, dass es Sinn macht, darüber nachzudenken, wie man zur Welt und den Anforderungen der Zeit steht. Dass es Sinn macht, zu versuchen, bestimmte Zusammenhänge und Funktionsweisen zu verstehen. Und dass es Sinn macht, sich zu fragen, wie man sich verhalten will. Was man tun, was lassen, was man gut finden will und was nicht. Dass es Sinn macht, nicht einfach alles nur hin- und anzunehmen. Dass Sinn macht, von einem „Jemand“ zu einem „Selbst“ zu werden. Und dass das wahrscheinlich am ehesten geht, indem man nachdenkt.

Das ist nicht leicht, weil ich mir darüber bewusst bin, dass du zunächst vor allem Klarheit und Sicherheit brauchst, um dich entwickeln zu können.

Ich möchte gern, dass du dir selbst vertrauen kannst und dass du weißt, dass du auch mir vertrauen kannst. Ich möchte ehrlich zu dir sein. Und doch zeige ich dir jeden Tag eine heile Welt und nette Menschen, obwohl ich weder das eine, noch das andere so sehe. Weil ich dich liebe. Ich bringe dir bei, dir die Zähne zu putzen und die Haare zu kämmen. Ich sage „jaaaa“, wenn du nach Gummibären fragst und „bitte“ gesagt hast. Ich wasche deine Sachen, wenn sie dreckig sind und kaufe dir solche, in denen du schön aussiehst. Weil ich will, dass du ankommst in der Welt da draußen. Weil ich nicht will, dass du aufgrund von Ausgrenzung leiden musst. Obwohl ich doch finde, dass es viel wichtiger wäre, dass die Welt mit dem Ausgrenzen aufhört. Aber du sollst nicht das Versuchsobjekt sein, an dem ich feststelle, wie weit sie damit schon ist. Dir soll es gut gehen. Obwohl ich weiß, dass es schlauen Köpfen allgemein wohl häufiger eher schlecht als gut geht. Dass „mir geht es gut“ einen nicht zum Nachdenken bringt.

Es ist schwierig für mich zu wissen, dass du dich an meinem Umgang mit der Welt (zunächst jedenfalls) orientierst. Dass du denkst, ich wüsste, wie das geht, mit dem Leben.

Ich kann dir nur zeigen, dass das da draußen in etwa so läuft und dass dies und das so und so funktioniert und dass sich Menschen hier in etwa so und so verhalten, wenn sie keinen Stress haben wollen. Und dass ich dies und jenes eher gut oder eher schlecht finde. Ich kann dich mit 2, 3, 4, 5, … Jahren nicht fragen, wie du das so siehst. Das wäre wohl zu viel. Ich weiß nicht, wann der richtige Zeitpunkt für diese und jene Zweifel ist… Und ob es von Mutter zu Kind überhaupt einen dafür geben wird. Ich weiß, dass ich dir weniger zeigen werde, als es mir klug erscheint. Weil ich es wichtig finde, dass du die fiesen und dunklen Seiten der Weltmedaille selbst entdeckst und an die für dich passende Stelle in deinem eigenen Werteschrank hängst. Ich will das nicht vorwegnehmen, weil ich es dir nicht abnehmen kann. Nicht abnehmen will. Nicht abnehmen darf.

Ich kann es kaum abwarten, wie es sein wird, wenn du feststellst, dass die Dinge anders sind. Nicht so eindeutig. Nicht so glatt. Und ich habe Angst davor. Ich kann es kaum ertragen, dass du dich (und mich) dann vielleicht fragen wirst: „Warum hast du mir das nicht gesagt?“

Ich kann nur sagen: Es gibt kein eindeutig und für alle immer richtig oder falsch. Es gibt nur das draußen und das drinnen. Und weil wir immer mal ins Draußen müssen (oder auch wollen), müssen wir herausfinden – uns entscheiden – wie das Innen mit dem Außen zurechtkommen kann. Für die einen ist das Anpassung, für die anderen ist es Verweigerung. Für die einen ist es Rückzug, für die anderen ist es Offenheit. Für viele mag es problematisch sein, für einige wenig bedeutsam. Die einen suchen bewusst, die anderen stolpern so rein, die nächsten schwimmen mit. Aber müssen, müssen es alle. Das ist eine der wenigen Wahrheiten, die ich kenne und wohl eine, die man am schwersten vermitteln kann ohne vorzusagen. Denn: Das Außen wird dem Innen einfach begegnen. Es wird mit ihm umgehen, es verletzten, es einengen und überfordern. Das Außen ist kompliziert, unübersichtlich, unklar, zufällig und ziemlich unstet. Das Innen kann ziemlich verletzlich sein.

Weil ich dich liebe, hätte ich dafür gerne ein Rezept. Ich würde dir nur zu gern beibringen wie das gehtdas Leben. Das Zurechtkommen. Das Mitschwimmen ohne unterzugehen. Aber die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht. Und das ist wohl die schwerste, unbarmherzigste und verdammt verunsicherndste Wahrheit überhaupt. So verunsichernd, dass ich gar nicht weiß, ob ich will, dass du sie jemals herausfindest. Ob ich nicht lieber doch stark aussehend bleiben will. Für dich.

Aber für dich da sein, das kann ich und das werde ich. Dir helfen, dich auffangen, dich unterstützen, wo es nur geht. Das Innen vor dem Außen schützen, wenn es sein muss, wenn du es willst und zulassen kannst. Dein Innen ist sicher hier, bei mir.

Eine liebende Mutter. Ein kritischer Kopf. Das ist, was ich bin. Das ist, was ich sein will. Das ist unendlich schwer.

Schwanger sein: So war die 25. Woche

Hey, ich hatte letzte Woche falsch beziffert… Die 25. Woche war ja am Montag erst durch.

Tjaja… Irgendwie war das anstrengend. Am Anfang der Woche hatte ich echt mit meiner Müdigkeit zu tun und ab mittags Kreislaufprobleme – ich hab da so ein beengendes Gefühl im Brustkorb und es fühlt sich an, als hätte ich Herzrasen (was ich de facto aber gar nicht hab), total unangenehm. Und wie immer: P. reagiert dementsprechend und ist genauso angespannt und schlecht gelaunt wie ich selbst. Das Wetter tat natürlich sein übriges. Seit Pfingsten hat’s hier ja dauergeregnet… Die Prüfungen rücken näher, die tägliche Pendelei, mein Kopf kann sich nicht konzentrieren, ich schaffe es kaum die Texte zu den Seminaren zu lesen, das BA-System nervt mich, weil man sich eigentlich überhaupt nicht tiefergehend mit einem Thema beschäftigen kann und überall nur so durchrast. Ich hatte ’nen ganz schönen Hänger und mich laufend gefragt, wo meine positive Stimmung aus dem April eigentlich hin ist… Wahrscheinlich mit dem Regen in L.s Kanalisation gespült.

T. veranstaltet währenddessen andauernd Pränatalgymnastik im Bauch, die auch von außen gut zu sehen ist. Bupp… Bupp… BuppBupp. Ist das seltsam, wenn ich im Seminar sitze und gerade ganz bei einem Thema bin und plötzlich hüpft es unter den Rippen… Da kommt man ja sowas von raus ;-) Wie soll das erst bei den Prüfungen werden?

Verrückt ist das doch: Am Anfang der Schwangerschaft war ich sooooo hibbelig (ob es klappt?) und dann besorgt (ob es bleibt?) und dann hysterisch (wah! es bleibt!) und dann am zweifeln (oh je, ob das mal gut geht…) und dann übermüdet (ich! will! nicht! lass! mich!), dann ganz zufrieden (hach, Frühling, hach, wachsender Bauch, hach, tolle Familie…) und ab der 23. Woche kamen dann die Wehwehchen wieder, die Überforderung und Genervtheit… Ganz schönes auf und ab…

Beim Laufen hatte/habe ich ja diesen heftigen Druck nach unten hin zum Schambein und das Stechen im Bauch. Meine Ärztin hat mir Magnesium aufgeschrieben und ja, es ist besser seitdem. Ich soll vor allem auch etwas ruhiger machen. An diesem Freitag habe ich einen Termin bei meiner Hebamme… Meine Gyn hat auch einen Innen-Ultraschall aufgrund meiner Beschwerden gemacht und mir erklärt, dass der Muttermund noch sehr fest verschlossen ist und der Gebärmutterhals laaaaaaaang (6,5 cm). Wieder was gelernt: Offensichtlich verkürzt sich der GMH zum Ende der Schwangerschaft. Und ich frage mich jetzt: Hat die Geburt bei P. deshalb vielleicht so lang gedauert? Hat sie sich deshalb nicht so richtig gedreht oder einmal zu viel (sie lag unten dann quer)? Oder lag das mit der ewigen Dauer eher daran, dass ich einen vorzeitigen Blasensprung (38+0) hatte und der Druck auf den Muttermund dadurch einfach zu schwach war? Der war ja nach 16 Stunden erst bei 3 cm

T. liegt/lag übrigens bereits mit dem Kopf nach unten, beim letzten FÄ-Termin jedenfalls.

Am Ende der Woche hatte ich das Gefühl, aus dem Loch wieder raus zu sein. Dafür war ich dann von K. genervt. Das ist ja so eine Sache, die ich wirklich den Hormonen (oder der Belastung?) zuschiebe: Ich kann nicht an mich halten. Wenn ich genervt bin, bin ich genervt und kann das nicht einfach unterdrücken oder nicht so tragisch nehmen. Wenn ich traurig-sauer-müde bin genauso.

Ich frage mich, was P. denn nun von der Sache wirklich versteht. Sie kuschelt und küsst den Bauch und redet mit T… Aber wie wird sie dann reagieren, wenn er da ist?

Das interessiert mich wirklich: An die Mehrfachmamas: Wie haben eure Kinder auf den Neuankömmling reagiert? 

Trächtigkeitsstatus aktuell:

  • 2. Schwangerschaftsdrittel, im 7. Monat
  • 26. SSW (rechnerisch, nach Durchschnitts-Mens)
  • 25 Wochen + 0–6 Tage (ärztliche Berechnung)
  • Fruchtwassermenge: ca. 0,5 Liter
  • “echtes” Alter meines Babys: 23 Wochen (5,5 Monate, nach Befruchtung)
  • 162. bis 168. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge insgesamt: ca. 33 – 35 cm
  • Scheitel-Steiß-Länge: ca. 23 cm
  • Durchmesser des Köpfchens: 6,5-7,5 cm
  • Gewicht: ca. 800 – 900 g
  • Fußlänge: ca. 5 cm

T. soll wohl jetzt langsam auf Licht reagieren. Ich werde das nächste Woche mal probieren und euch berichten. Außerdem übt er Atmen… Ach und das Baby isst/schmeckt mit.

Noch 103 Tage bis zum errechneten Termin.

 

Quellen:
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/Embryology/Woche24.htm
http://www.liliput-lounge.de/schwangerschaft/schwangerschaftskalender/26-woche/

Kindermund (14): „Fingerneger“

Der Mai war – wie ich finde – Kindergequatsche-mäßig bei P. ziemlich spektakulär. Sie spricht jetzt viel deutlicher („Ich möchte mir das bitte einmal anschauen, Papa.“) und sehr viel sehr tollen Kinderkram.

(1)

Anfang Mai, es ist warm, wir gehen nach der Kita ein Eis im nahgelegenen Eiscafé essen. (Okay, 2 Eis.) P. verlangt nach der 2. Kugel „Is will noch mear, Mama!“

Ich: „Du hattest schon 2 Eis, ich finde, das reicht.“

P: „Ich finde das normal!“

(2)

Wir sind bei Freunden zum Grillen. Es gibt geschnittenes Brot und dazu Knoblach-Butter, die sich in einer wurstförmigen Verpackung befindet.

„Mama, is will auch Brot mit Vanille-Wurst!“

(3)

„Papa, du bist ein Süßer und ich bin eine Süße und Mama ist auch eine Süße!“

(4)

Sie schaut auf ein Bild von einem Elefanten, der mit dem Rüssel eine Gitarre anschlägt:

„Der hat gerüsselt die Gitarre an!“

(5)

Im Urlaub fuhren wir mit dem Fahrrad durch einen Wald, der von K. „Zauberwald“ genannt wurde. Seitdem ist alles mit mindestens 2 Bäumen ein Zauberwald. Und alles in der Umgebung zaubert gleicht mit:

„Oar, ein Zauberwaaaaaaald! Und ein Zauberstein! Und ein Zauber-Mülleimeeaar!“

(6)

Die All-Time-Aussagen von P. waren:

„Böse/r xyz!“ / „Olle/r xyz!“

„Das geht goar nis!“

„Das is zu ängääää!“ (= Das ist mir zu eng!)

„Is will das wohl!“

„Doch!“

(7)

Ich finde auch ihre „-chen“-Endung so super… Sie sagt -„sjen“… Also:

„Brötsjen“ / „Mäusjen“ / „Häusjen“

(7)

Und ratet mal… Was sind/ist denn:

  • Holzschlangen = ?
  • Strandkörper = ?
  • Fingerneger = ?
  • auslichtern = ?

(P. war 31 Monate – also ca. 2,5 Jahre – alt.)