Nierenstein-OP :-( Schon wieder Krankenhaus

Ach ja, auch hier nochmal der Vollständigkeit halber: Ich war die letzten Tage nochmal mit T. im Krankenhaus…

Der Nierenstau, der in der 38. Woche festgestellt wurde und wegen dem ich schon da für 2-3 Tage im Krankenhaus lag, wurde nämlich doch nicht vom drückenden T. verursacht. Sondern von einem Stein! Da der 1,5 cm groß war und den Harnleiter verschlossen hatte, musste ich direkt operiert werden… Am Dienstag kam’s raus, am Mittwoch sollte schon die OP stattfinden. Ich bin zur Urologin gegangen, weil ich am Montag plötzlich wieder so fiese Nierenschmerzen hatte, dass ich beim Laufen vor Schmerzen heulen musste.

Puh! Ich fand das alles echt scheiße und ungerecht… Hab mir vor allem Sorgen um P. gemacht, die ja schon mit meinem ersten Krankenhaus-Aufenthalt Probleme hatte und wegen der ich den zweiten (nach der Geburt von T.) extra kurz gehalten habe. Aber das lies sich nun nicht ändern…

T. und ich sind also am Mittwoch wieder auf die Wöchnerinnen-Station gezogen *seufz* Als wäre es einfach unmöglich, sich davor zu drücken… Das Team begrüßte mich wie eine alte Bekannte. Irgendwie frustrierend. Insgesamt hab ich nun 6 Nächte dort verbracht. Ich wurde Mittwoch gegen 13:00 operiert, zum Glück unter Vollnarkose! Ich hatte echt Angst, dass die mich nur örtlich betäuben wollen. T. bekam dann Pre-Nahrung von K. – Zeit für’s Abpumpen war leider nicht mehr und eine Milchladung musste ich verwerfen nach der Propofol-Narkose. Der Stein konnte zum Glück komplett entfernt werden (Endoskopisch gesucht und zertrümmert). Hurra! Das Schlimmste war der riesige Kathether, den sie mir gelegt haben und der mich komplett (!) lahm gelegt hat… Ich konnte T. nicht allein aus dem Bett heben, nicht wickeln und mich kaum bewegen. Toll! Doch noch eine quasi-Kaiserschnitt-Erfahrung. Wir nehmen halt irgendwie alles mit…

Bis heute – Freitag – mussten wir drin bleiben. Die OP ist aber wirklich sehr gut verlaufen und weil meine Harnleiter gut ausgesehen haben, hat mir der Doc noch nicht einmal so ne beknackte Doppel J-Schiene eingesetzt. Davor hatte ich wirklich Angst, weil ich von so vielen schlechten Erfahrungen damit gelesen hatte… Alles gut soweit also. Auch mit P. Dadurch dass der Krankenhaus-Aufenthalt viel kürzer als befürchtet war, hat P. einfach 2 schöne Tage mit ihrer Omi verbracht und von dem Mist gar nichts mitbekommen. Glück im Unglück irgendwie.

Jetzt hoffe ich einfach, dass wir endlich mal ankommen dürfen, die Nierenstauung zurückgeht und mein Körper mich und meine Familie jetzt erst einmal eine Weile in Ruhe lässt. Es nervt nämlich. Und eigentlich habe ich gerade weder Zeit noch Lust, genervt zu sein. Eigentlich bin ich nämlich nach wie vor ganz schön glücklich.

Die ersten Tage mit neuem Baby… Was war wichtig?

Wenn ich jetzt wem sagen müsste, was in den ersten Tagen gut und wichtig für uns war… Was wäre das? (Eine lose Sammlung…)

Dies und das:

Das Baby unmittelbar nach der Geburt direkt auf den Bauch liegen haben ist sooo toll. Hormon-Flut!

Familienzimmer im Krankenhaus ist viel besser als Zimmer mit anderen Frauen und deren Babys teilen. Wir hatten bei P. ein Familienzimmer und 4 Tage im Kokon verbracht. Das war wirklich fantastisch. Da dieses Mal kein Zimmer frei war, musste K. nach der Geburt von T. nach Hause und ich in ein Zimmer mit einer anderen Frau und deren Baby. Das hat mich echt gestört und ich wollte einfach nach Hause, für uns sein. Im Familienzimmer kann man das gut. Beim zweiten Kind geht das auch Zuhause super. Für mich die absolut richtige Entscheidung!

In der ersten Nacht nach der Geburt das Baby anlegen und danach auf dem eigenen Bauch schuckeln und beim Einschlafen zugucken. Unbezahlbar!

Eine Nachsorgehebamme ist echt eine super Sache. Sie müssen gar nicht viel machen, geben einem aber einfach das Gefühl und die Sicherheit, dass alles in Ordnung ist.

Das Ding mit dem Stillen:

Ich hab T. direkt im Kreißsaal angelegt. Und kurz vorm Schlafen etwa 15 Minuten. Das hat die Hebamme auf der Wöchnerinnen-Station mir so empfohlen. Der Milcheinschuss kommt im Normalfall so 3 bis 5 Tage nach der Geburt… In den ersten 1 bis 3 Tagen scheint es wirklich gut und wichtig zu sein, dass man das Baby oft anlegt. Ich war mir irgendwie unsicher, ob da überhaupt genug rauskommt und er genug Flüssigkeit bekommt. Ich hab ihn nicht geweckt, weil ich denke, dass er sich den Schlaf holt, den er braucht… Wenn er aufwacht, lege ich ihn direkt an. An jede Brust etwa 10 bis 15 Minuten. Wenn er dabei einpennt… Hm… Das hab ich mal so, mal so gemacht. Ori hat einen Beitrag zum Thema Stillen / Clusterfeeding geschrieben. Gerade das zum Clusterfeeding fand ich ganz interessant. Also die Info, dass es einfach Zeiten gibt, gerade in der allerersten Zeit, in denen Babys ganz oft hintereinander kommen. Für mich ist es nicht sooo leicht zu unterscheiden, ob er, wenn er wach ist und schreit a) an die Brust zum trinken will, b) Nähe / Nuckeln will, c) Probleme mit dem Bauch hat (da hat’s nämlich ganz schön rumgerumpelt und er hat auch braunes Zeugs – wohl geschlucktes Fruchtwasser und Blut – erbrochen) oder d) einfach mal meckern muss, weil ja schließlich alles noch neu und anders / viel ist. Ich mache es jetzt so: Sobald er wach wird und meckert, lege ich ihn sofort an. Eine Brust – wickeln – andere Brust. Danach ist er jetzt – an Tag 5 – dann meistens eine Weile wach und guckt rum. Dann kuscheln, rumtragen, ein bisschen bequatschen… Meistens fängt er dann irgendwann an zu meckern. Ich versuche dann eigentlich erstmal, ihn irgendwie anders zu beruhigen. Also nicht direkt wieder anzulegen. Das hab ich nämlich bei P. gemacht, die dadurch zur Dauernucklerin wurde. Ich trage ihn rum, hüpfe mit ihm auf dem Pezzi-Ball (SUPER SACHE!!!), schuckle ihn, kuschele ihn oder lasse in an meinem Finger saugen. Wenn das nach ner Weile alles nichts bringt und er sich dann so richtig aufregt und ich auch das Gefühl habe, dass er eindeutig „sucht“ (also so nickende Kopfbewegungen macht und den Mund auf und zu wie ein Fisch), dann lege ich ihn auch durchaus nochmal an. Die ersten Tage hat er eigentlich meist geschrien, wenn er wach wird. In den ersten Tagen habe ich ihn dann sehr oft hintereinander an der Brust gehabt. Sicher auch okay für den Milcheinschuss, aber schmerzhaft für die Brüste. Heute ist die Milch bei mir so richtig da. Also so, dass es läuft. Und jetzt kommt er ziemlich genau aller vier Stunden. So kann es ruhig weitergehen…

(Ein paar Tage später dann:) Najaaa… Also ein paar Tage war der Rhythmus echt bilderbuchmäßig. Ideale 3-4 Stunden zwischen der Stillerei. Auch nachts. Dann gab/gibt es inzwischen aber auch Tage, die waren/sind brustmäßig schon eher anstrengend… Und ich frag mich, ob man so ein Baby echt immer gleich anlegt, sobald es quäkt? Also… T. quäkt, sobald er aufwacht… Und meistens leg ich ihn dann schon an.. Das beruhigt ihn halt. Und meist trinkt ja auch… Irgendwie… Najaaa… Ich weiß auch nicht… Ist Brustnuckeln nun okay oder nicht? Bin mir nicht sicher…

Hm… Klamotten für’s Baby:

Also für den Herbst jetzt sind kurze Bodys und Pullover drüber gut. Oder Wickelbodys und ’ne Jacke drüber. Was mich nervt gerade ist, dass ich eigentlich fast nur Zeug zum Knöpfen habe und es gerade aber doof finde, ihm zwei Bodys übereinander anzuziehen. Ansonsten bin ich Fan von „Wohlfühlhosen“… Also breiter Bund oben. Draußen bräuchte man jetzt so ’nen mitteldicken Anzug, gerade wenn man trägt. Dafür hab ich auch noch nicht so richtig eine Lösung. Der eine, den ich für ihn besorgt habe – Größe 50 – ist jetzt schon arg knapp und ich muss die Hände so nervig reinfummeln. Da brauche ich unbedingt eine Alternative für. Ansonsten: Wir haben 300.000 paar Socken. Braucht jemand welche? Wir haben sooooo viele Neugeborenen-Socken geschenkt bekommen, hatten aber selber noch sooooo viele übrig und eigentlich reichen ja so 3-5 Stück. Mützen haben wir auch viel zu viele. Weil jeder zweite natürlich ne süße Babymütze anschleppt.

Dinge, die ich vergessen hatte zu besorgen / Was ich empfehlen kann:

Pelzy Vorlagen. Ganz wichtig! Und die einzigen, die Sinn machen. Alle normalen Binden sind scheiße, weil mit Plaste und viiiiiel zu klein. Man unterschätzt den Wochenfluss total. Und Netz-Schlüpper sind sinnvoll. Es sei denn, ihr könnte welche aus dem Krankenhaus mitnehmen. Trockene Babytücher… Feuchttücher hatte ich da, aber die trockenen hatte ich vergessen. Einen wirklich (!) guten Still-BH. Allerdings ist das echt schwer vorher zu besorgen. MultiMam Balsam, Wollfett und MultiMam Kompressen. Eine Mutter im Monatsforum hat die Mercurialis Perennis Tinktur 20% als Wundermittel gegen wunde/schmerzende Brustwarzen empfohlen. Ich hab mir das bestellt und heute mal probiert. Erster Versuch wirkte gut. Ich werde noch einmal berichten, ob es langfristig was bringt. Dicke Socken mit Noppen sind für mich auch gerade unverzichtbar. Bei dm gibt’s immer so tolle dicke Socken mit ABS-Noppen. Ein zweites Stillkissen (ich bin mit meinem Stillkissen von Theraline sehr zufrieden!) – wir pennen im Bett und hängen tagsüber auf unserem großen Sofa. Das hin und her schleppen vom Stillkissen hat mich schon am 2. Tag genervt.

Ich trage ja total gern und stehe gar nicht auf Kinderwägen. Meine Lieblings-Freundin J. hat mir ihren Storchenwiege Babycarrier ausgeliehen, weil ich mit dem Tuch nicht sooo gut klarkomme, glaub ich. P. hab ich in der Manduca getragen, von Anfang an, weil ich da noch nicht wusste, dass man das halt nicht soll am Anfang, wegen der Stegbreite, weil da die Beine wohl überspreizt werden. Mit dem Carrier geht das toll, weil man die Stegbreite einstellen kann, sodass sie dem Abstand der Kniekehlen vom Kind entspricht und sie in einer guten angehockten Haltung drin hängen. Finde ich super, wollte ich erwähnen, weil ja viele nach einer Komforttrage suchen, wenn sie nicht mit dem Tuch gut zurecht kommen und sich fragen, welche man direkt nach Geburt nehmen kann. Mein erster Eindruck von dem Babycarrier ist wirklich sehr positiv!

Wovon ich gerade echt mehr gebrauchen könnte:

Bequeme (!) Hosen für Zuhause. Jogging-Hosen, die am Bund nicht zu eng sind. Stillshirts bzw. Shirts zum Aufknöpfen. Irgendwelche doofen Zeitschriften… (Fernseher oder Buch ist mir zu viel Input, aber ich kann tagsüber nicht pennen…)

Für den Kopf (und überhaupt und sowieso):

Einfach abschalten. Scheiß auf die Brustwarzen, die weh tun. Scheiß auf die Müdigkeit, die dir von Tag zu Tag mehr in den Kopf steigt. Scheiß auf die Wehmütigkeit, weil das Baby jeden Tag älter wird. Scheiß auf die Geburtsverletzungen. Nimm ruhig Ibuprofen in den ersten Tagen gegen die schmerzhaften Nachwehen. Trink viel, viel Wasser (ich trinke zu wenig).

Und davon mal abgesehen:

Ach, es ist sooooooooo schön :-)) Sein Kopf ist soooooo weich und wenn man den kleinen Po auf dem Arm hat… Hach. Große Liebe für den kleinen Mann. Echt.

T.s Geburt (3)

Geburtswanne… „Ich kann nicht mehr“ – „Ja ich weiß, jetzt warte mal, das Schmerzmittel wirkt in 10 Minuten. Dann hast du wieder Pausen zwischen den Wehen.“ – „Aber ich glaube, dass die Wehen nichts bringen.“ – „Doch, sag das nicht. Die bringen was, ganz bestimmt. Wir müssen doch auch vorwärts kommen.“ Immer wieder sagt sie das. Und sie hat Recht. Ja, stimmt. Hier geht es ja um etwas. Schon bei der Geburt von P. hatte ich das zwischenzeitlich immer wieder aus den Augen verloren.

Es ist mir zu viel jetzt, wenn jemand redet. Muss mich irre konzentrieren… „Atme die Wehe mal richtig weg“ hat die Hebamme vorhin gesagt. Der Gedanke hilft irgendwie. Druck kommt… Steigert sich… Weeeeg Wehe… Weeeeg… Pause… Muss mich festhalten… Liege links gekauert… Wechsele ab und zu die Seite… Unglaubliche Anstrengung. Versuche mich auf die sechs Atmenzüge pro Wehe zu konzentrieren und irgendwie nicht untenrum zu verkrampfen. Es soll vorbei sein. Es soll einfach vorbei sein… Ich kann nicht mehr. Es drückt wahnsinnig. Trotzdem merke ich, dass es noch nicht so weit ist. Gucke immer wieder zur Uhr. Die Zeit kriecht. Und dann irgendwie doch nicht. Ich weiß nicht. Grausam, dass niemand mir sagen kann, wie lange ich diesen Zustand hier noch ertragen muss. Kaum noch Kraft. Mutlos. Willenlos. Diese verdammten Schmerzen…

Tür auf. Hebamme kommt rein… „PDA? Kann ich eine PDA haben?“ – „Ja… Oder warte… Wie ist denn der Druck?“ – „Ja. Da.“ – „Warte, ich muss mal tasten…“ … … … … … „Das sind… Moment… Ich glaube… Also wenn mich nicht alles täuscht, dann ist dein Muttermund jetzt 10 cm offen! Ich kann es nicht versprechen, weil man das in der Wanne immer schlecht tasten kann… Aber ich glaub, er ist offen.“ – „Wie? Ja? Ehrlich?“ – „Ja! Und das ist gut! Aber da können wir keine PDA mehr machen…! – „Aber ich kann nicht mehr. Ich brauch ein Schmerzmittel. BITTE! Ich schaffe das nicht sonst…“ – „Aber das andere ist noch nicht lange genug her, wir müssen noch warten.“ Muss heulen… „Bitte, ich ertrag das nicht… Ich…“ – „Ja… Okay… Aber ich muss dir was Anderes geben.“ – „Okay…“

20:36

Hab nach PDA gebettelt. Wohl keine PDA mehr heute. Hebi hat in der Wanne getastet. 10 cm offen! Vielleicht noch eine Stunde… Jetzt noch ein anderes Schmerzmittel bekommen…

Weeeeeeg, Wehe, weeeeg… Du sollst weg gehen… Jede Wehe ist eine Wehe weniger… Jede Wehe ist eine Wehe, die nicht wieder kommt… Weeeeeg, Wehe, weeeeeg…

„Wenn du Druck merkst, dann kannst du auch schon mal versuchen mit zu pressen!“ Startschuss? Ja? Ich darf was machen??! Wehe kommt… Komm raus, komm raus, bitte bitte, komm raus… Drücke wie verrückt… „Nicht so doll! Zwischendurch atmen! Nur drücken, wenn du wirklich Druck merkst und nicht mehr veratmen kannst!“ – Wie? Jetzt doch nicht? Ich dachte, jetzt handelt es sich nur noch um Minuten? „Das Problem ist, dass dein Kind wahrscheinlich wirklich groß ist. Der Kopf ist noch nicht ganz da, wo er hin soll. Das Beste wäre, wenn du aus der Wanne kommst und…“ – Raus aus der Wanne? NEIN! NICHT! RAUS! AUS! DER! WANNE! aufgarkeinenfall!!! – „NEIN! Ich will nicht aus der Wanne! Ich will nicht aus der Wanne raus! Ich will wirklich nicht… Ich will hier drin bleiben!“ – „Ja, das verstehe ich. Aber hier draußen haben wir einfach mehr Möglichkeiten. Da kannst du dich noch ein bisschen bewegen und die Position ändern, damit er noch weiter nach unten rutschen kann!“ – „Ich kann mich nicht bewegen. Das schaffe ich nicht!“ – „Du musst mir da vertrauen, wirklich! Er schafft das sonst nicht…“ – „Ich will aber nicht. Ich kann nicht. Ich will hier drin bleiben.“ – „Okay… Dann geh aber mal in der Wanne auf die Knie. Du musst die Position ändern“ Zurücksinken. Wimmern. Wehenpause… Aufrichten… Zittere… K hält mich. „Und jetzt schieb mal mit nach unten, wenn du Druck merkst. Ich schaue mal, ob ich schon was tasten kann…“ Wehe kommt… Drücken… „ATMEN! Und ja los, komm, schieb nochmal!“ Wie? Geht’s jetzt schon los? „Der grenzt schon.“ – „Der Kopf?“ – „Ja… Aber er muss noch weiter runter!“ Hebamme raus… Schlechtes Zeichen. Wenn die gehen, dann dauet’s noch.

10 Minuten später wieder Tür auf. Hebamme mit Ärztin und einer anderen Hebamme rein. „Es wäre wirklich unbedingt notwendig, dass du raus kommst! Wir kriegen die Herztöne auch nicht mehr so gut.“ – Ärztin: „Sie müssen wirklich raus, Frau J. Ihrem Kind wird das langsam zu anstrengend. Er muss jetzt raus.“ – Diese Sprüche kenne ich. Die kenne ich gut. Aber es heißt auch, dass es nicht mehr so lange dauern kann. Gucke zur Uhr. 21:06. Wasser wird abgelassen. Dauert ewig. „Mach ein paar Wehen im Stehen!“ Ha! Ja, klar. Im Stehen. Er soll jetzt aber da raus.. Mache jetzt alles. An K.s Hals hängen, wenn die Wehe kommt. Nimmt die Verspannung etwas. Wehen im Stehen… Die Hölle!

Wanne leer. Raussteigen. Bin klatschnass. Soll das nasse Shirt ausziehen. Jede Bewegung bringt mich um. Will sterben. Auf’s Kreißsaalbett. Endspurt jetzt? Will es endlich zu Ende bringen. Es soll vorbei sein. Sehe hier keine Ende gerade… Geht immer einfach weiter… Will nicht mehr. Kann nicht mehr. Nur noch Schmerz, alles nur noch Schmerz und Druck. Vierfüßler. „Schieb mit, wenn du Druck spürst. Aber übertreib es nicht! Erst die Wehe veratmen und dann pressen“ … … „Leg dich vor der nächsten Wehe mal linksseitig. Danach rechtsseitig. Dann kann er nochmal gut rutschen!“ – „Ich… Was? Ich kann nicht…“ – „Doch du schaffst das, wir helfen dir doch! Wir sind alle da!“ ABER IHR HABT DIE SCHEISS SCHMERZEN NICHT, VERDAMMT! Der Druck nach unten ist zu krass. Liege rechts. 21:45. Hebamme vor meinem Gesicht. „Du, ich muss jetzt wirklich los. Du schaffst das! Ich weiß das! Es dauert jetzt wirklich nicht mehr lange!“ – „Wie lange noch???“ – „45 Minuten maximal“ – FÜNFUNDVIERZIG? WIE? WAS??? WARUM????? – „Und minimal?“ – „Puh, das kann ich nicht sagen… sofort… 10 Minuten… Ich weiß es nicht.“ Hebamme geht. Will sterben. 45 Minuten. Das schaffe ich nicht. Das schaffe ich nicht. Wie kann das noch so lange dauern?

Tür auf. Engel rein. S.! MEINE LIEBLINGSHEBAMME… Meine WUNSCH-HEBAMME!!! In mir blüht was auf. Wie frisch sie aussieht. Lächelt, reibt sich die Hände mit Desinfektionsmittel ein. „So, dann bringen wir das mal zu Ende, ja?“ – „Du… HEY!“ Muss grinsen. Hole Luft. Tanke Mut.

„Geh nochmal hoch in den Vierfüßler und häng dich mit dem Oberkörper da über die Lehne!“ K. hinter’m Kreißsaalbett, hält meine Hände fest. „Und wenn eine Wehe kommt, dann drückst du mal mit. Dann schauen wir mal, wo wir sind.“ Druck kommt. Wou… Die wird stark… Scheiße, die wird richtig stark… Und S. ruft plötzlich „Jaaa, komm! Los! Sehr gut! Schieb weiter… Los! Noch ein Stück! Atmen! Und nochmal drücken! Ja!“ – „Oh Gooott!“ Fuck! Was ist das? Das brennt? DAS BRENNT!!! Oh Mein Gott… Was ist? Ist da? Ist das ein Stück vom Kopf? „Jaaa, ich weiß, das tut jetzt weh… Du musst atmen… ruhig atmen… Und in der nächsten Wehe nochmal richtig mit schieben, okay? Du schaffst das!“ Nächste Wehe kommt… Verdammt… Ich werd ohmächtig, glaub ich… „Los! Ja! Gut! Nochmal drücken, ja, loos, weiter, noch ein Stück, jaaa… … Oh… Hallo Bambi!“ ( – Ja, ich verstehe BAMBI, sie hatte aber BLONDIE gesagt ;-) -) Wehenpause… „Guck mal runter an dir!“ … Hhhha… Oh. Mein. Gott. Da ist… Sein Kopf… Sein Haarschopf! Ich kann ihn sehen. Oh mein Gott!!! „Du kannst es mal anfassen, wenn du willst…“ Hhhha… Oh Mann… Diese Wärme… Feucht, warm, weich und… lebendig… Halb drinnen, halb draußen. Ein Stück Körper…  Nächste Wehe kommt… „Nochmal drücken… Los, genau dahin wo’s am meisten weh tut… Da hin musst du drücken… Jaaa… Looooos, weiter… Komm, noch ein Stück…“ Ddddddha… Stille… Sie dehnt etwas? Es brennt… Muss atmen… Atmen… Gleich wird er da sein… Gott, es brennt… Das ist unmenschlich! Hebamme spricht mit dem Baby…. „Ja, du meckerst wohl schon?“ Schaue nach unten… Etwas mehr ist da zu sehen… Merke, wie sich etwas bewegt. IN MIR! Unglaublich.

„Mit der nächsten Wehe ist er da!“ – „Ja? Was? Okay… Okay…“ Wehenpause. Dauert lange… Kralle mich an K.s Armen fest. Atme… Letzte Reserven rausholen. Mit der nächsten muss es klappen. Ich kann nicht mehr länger. Es brennt so wahnsinnig. Warum dauert das so lange? Wie jetzt? Kommt keine Wehe mehr… Plötzlich ist da wieder die Oberärztin. Gucke auf die Herztöne. Ziemlich niedrig. Ärztin drückt auf meinem Bauch rum. Alle warten. Nichts passiert. Scheiße! SCHEIßE!!! Das war’s jetzt… Es geht nicht weiter… Ärztin: „Ich glaub, jetzt kommt was“ sagt sie. Oh ja… Merke es. Da kommt der Druck. Von ganz unten… Okay… Okay… Das wird heftig. Ich will ihn raus haben… Okay… Da kommt sie… Hole Luft… Schiebe… „Ja, ganz nach unten, du musst ganz nach unten drücken, da wo es richtig weh tut… Jaaa! Komm… Weiter! Jaaa! Noch ein Stück… Noch ein Stück… Nochmal Luft holen und nochmal so doll du kannst…“ Schiebe… Hole Luft… Und dann… auf einmal…

… … …

RRRRUUUTSCH

… … …

Dieses wahnsinnige Gefühl! Genau an dieses Gefühl bei P.s Geburt erinnere ich mich auch noch klar und deutlich… Nicht nur der Schmerz, den man spürt, wenn das Kind unten am Ausgang hängt – dieses Brennen – lässt so urplötzlich nach, sondern der gesamte Druck, der sich über 9 Monate in einem gesammelt hat, geht mit einer Sekunde raus. Ein irres, einzigartiges, abgefahrenes, wahnsinnig atemberaubendes Gefühl!

Und da liegt er. Unter mir. Auf dem Rücken. Alle Gliedmaßen von sich gestreckt, noch durch die Nabelschnur mit mir verbunden… und guckt… und röchelt… hustet… verzieht das unglaublich zerknautschte Gesicht und… UÄÄÄÄÄÄH! UÄÄÄÄÄH! UÄÄÄÄÄH!

„Oh Gott… Oh mein Gott… Oh Gott… Ich hab’s geschafft… Es ist vorbei… Oh Gott, es ist vorbei… Es ist vorbei… Ich hab’s geschafft. Da ist er… Oh Goooott…“

„Wird auch gleich ganz rosig“ sagt die Hebamme… Sie haben ihn dann ganz kurz weggeholt (er brauchte wohl eine Sauerstoffdusche, hab ich danach erfahren…), „Mensch, schwer bist du…“ sagt sie und schlägt ihn schnell in ein gelbes Handtuch ein. Genau wie P. vor drei Jahren…

Ich kann unmöglich beschreiben, wie erleichtert ich war. Deshalb zeig ich euch diesen Moment… Weil ich denke, dass das mehr sagt als alles, was ich dazu schreiben könnte…

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Ich hab mein kleines schweres Baby auf dem Arm… „Oh Gott, ich hab es geschafft… Ich hab echt nicht mehr daran geglaubt…“ Er quäkt, er guckt, ich rieche ihn… Es ist wirklich etwas ganz ganz einmaliges, zum allerersten Mal einen kleinen neuen Menschen zu spüren. Diese Schwere, diese Wärme, die Bewegungen… Das ist wirklich der Hammer.

T. ist da. Endlich ist er da! 16.09.2013. 22:03. 4325 Gramm. 54 cm. 38 cm Kopfumfang . Keine Geburstverletzungen.

Ich bin unendlich erleichtert. Und glücklich.

T.s Geburt (2)

Hebamme geht raus. Ärztin geht raus. K. starrt auf die Zahlen vom CTG. „Machst du dir Sorgen?“ – „Nein. Ja… Ich weiß nicht… Er ist jetzt bei 180… 177.. 179…“ – „Kannst du mir bitte nicht die Zahlen vorlesen? Das macht mich wuschig…“

Es geht los… Irgendwas geht los. Die Schwangerschaft wird ein Ende haben. Heute noch. Sehr wahrscheinlich jedenfalls. Da sind Wehen auf dem CTG… Die Herzfrequenz scheint ja normal zu werden. Die werden doch nicht wirklich einen Kaiserschnitt machen?! Warum regt er sich denn nur so auf? Ich schaue mich um… Heute wird hier vielleicht mein Kind liegen… Wahnsinn!

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10:58

Kaiserschnitt steht jetzt nicht mehr direkt im Raum, er beruhigt sich jetzt. Aber es wird dann angetrieben, denke ich. Kann ich jetzt aber noch nicht sagen.

Hebamme. „So, das Kind reagiert gut auf die Infusion, die Herztöne sind ja schon schön runtergegangen. Aber sie sind noch nicht im grünen Bereich. Frau J., wir würden jetzt gern einen Wehentropf anschließen. Wir müssen einfach sehen, wie das Kind darauf reagiert. Im Idealfall werden die Wehen, die sie schon haben, stärker und die Geburt beginnt.“ – „Und im nicht-Idealfall?“ – „Es kann auch sein, dass ihr Kind gestresst reagiert. Dann müssen wir handeln.“ – „Handeln heißt dann Kaiserschnitt.“ – „In dem Fall schon, ja. Aber wir schauen erst einmal. Es kann auch sein, dass sie Wehen bekommen, sich aber noch nichts weiter tut… Das können wir nicht sagen.“ – „Ich habe Angst vor dem Wehentropf. Ich wollte das eigentlich nicht.“ – „Sie brauchen keine Angst haben. Wir beginnen ganz langsam. Und das gute an dieser Form ist ja, dass wir sofort abstellen können, wenn irgendetwas schief geht.“ – „Ich habe aber Angst vor Sturmwehen.“ – „Wenn es zu schnell zu heftig wird, dann stellen wir den Tropf ab. Außerdem können wir auch mit Schmerzmitteln arbeiten. Wir müssen einfach sehen, wie ihr Kind auf stärkere Wehen reagiert.“

Sie untersucht mich. Der Muttermund ist 2 cm geöffnet… 1 cm mehr als bei der Gyn letzte Woche. Der Wehentropf wird angeschlossen. 12 ml pro Stunde zunächst. „Sie melden sich, wenn Sie etwas brauchen, ja?“

11:21

Wehentropf gibt’s jetzt. Stresstest und im Idealfall Geburstbeginn. Mumu ist bei 2 cm.

11:30

Hab Angst. Wehentropf läuft. Fangen langsam an… Erstmal hoffen, dass er nicht überreagiert…

12:19

Wehentropf gerade hoch gestellt. Noch okay. Sie hat gesagt, dass ich nicht mit Baby im Bauch rausgehe. Frequenz sieht jetzt gut aus. Ärztin ist sehr zufrieden.

12:45

Hebamme meinte, dass er sich vorhin wohl  doof verkeilt hat. Deshalb der Dauerdruck und die hohe Frequenz. Jetzt ist alles gut. Frequenz bei 140. Kein Dauerschmerz mehr. Ich freu mich! Mann, ich hatte vorhin echt kurz Schiss. Ein Stresser ist das…

Seine Herzfrequenz ist wieder normal. Will kommunizieren. Mit den Frauen im Forum. Über die Facebook-Seite vom Blog. Mit J. Mit meiner Mama. Mit der ganzen Welt. Hier! Hallo! Ich! Bekomme! Ein Baby! Wunder des Lebens und so… Wahnsinn! Ah! Bin so aufgeregt-hibbelig-überdreht. Fühle mich mutig. Heute wird ein einschneidender Tag. Ich stehe hier kurz vor einem Riesenereignis… Vor einer Grenzerfahrung… In ein paar Stunden werde ich so dermaßen… Egal… Wir bekommen unser Baby. CTG anstarren… immer und immer wieder. Die Herzfrequenz hat sich vollständig normalisiert. Die Wehen sind regelmäßig und drücken zunehmend.

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„Frau J., Ihre Mutter ist hier. Darf Sie rein?“ Ha! Das war mir so klar… Aber ich bin froh. Erstmal alle Neuigkeiten mitteilen. Bin immernoch mutig. Heute geht es los. Endlich passiert etwas. Schmerzen kommen, ja. Aber dieser Zustand… Dieser elendige Zustand… Der hat ein ENDE! ENDLICH!!! Das ist besser als schwanger sein. Besser als weiter Angst haben. Besser als… Besser als alles! Alles. Wird. Gut. Mein Baby… Oh Mann… Ich muss echt aufpassen, dass ich nicht hyperventiliere.

Schichtwechsel. Hebamme J. kommt rein. Nee… Wie geil. (Ich kenne J. nämlich aus der Grundschule und hatte mir schon überlegt, wie es wäre, mit ihr zu entbinden… Ja, doch…) Das beruhigt mich plötzlich total irgendwie. Ist ja fast wie mit einer Beleghebamme zu entbinden… Muss rumlaufen. Die Wehen sollen stärker werden. Komm schon. Komm schon…

Hebamme kommt wieder. „Wir haben jetzt die Höchstdosis erreicht…“ – „Und? Was heißt das? Die Wehen werden doch stärker…“ – „Naja, schon, aber nicht so regelmäßig und stark wie sie es bei der Dosis sein könnten.“ – „Und was heißt das jetzt?“ – „Wir machen noch ein wenig mit der Dosis weiter und schauen dann, was sich tut. Ansonsten müssen wir nochmal abbrechen und es morgen mit einem anderen Medikament versuchen.“

Wie? Nee… Och nee… Oder? Das ist jetzt nicht euer ernst. Scheiße. SCHEISSE! Ich will nicht… Ich kann nicht noch bis morgen warten!!!

13:40

Wehen werden stärker. Könnte aber mehr sein… Höchste Dosis vom Tropf ist erreicht. Müssten jetzt mal stärkere Wehen kommen.

Will liegen. Verdammtes Rumgelaufe bringt eh nichts. K. geht Wasser holen. Nur nicht den Mut verlieren jetzt. Dranbleiben. Entspannt bleiben. Ablenken. „Mama… Wie war das eigentlich bei Tante K. damals mit der Geburt? Die hatte doch einen Kaiserschnitt, oder? Warum eigentlich?“ – „Hm… Ich weiß gar nicht mehr warum sie..“ —-> KNACK <— „WAH!“ – ich schrecke total zusammen – (Mama:) „Was war denn jetzt?“ – „Äh… Fruchtblase geplatzt…“ uuuuund da wird die Hose nass. Und nässer. Und noch nässer. Und es läääuft und lääuft und läuft. Oh Gott, wie sich das angefühlt hat… Ich kann nicht mehr… Bekomme einen echt befreienden Lachanfall…

Eine andere Hebamme kommt herein und K. Ich muss mich ausziehen, Netzschlüppi an. Okay. Jetzt bin ich unter der Geburt. Hoffnung! HOFFNUNG!!! Nichts mit morgen. HA! Ud lachen muss ich immernoch… Hahaha… Wie geil… Es hat wirklich so richtig „gekracht“ in mir… Tatsächlich als würde ein Luftballon im Bauch platzen. Was für ein ab-ge-fahr-en-es Gefühl!!!

14:00

Fruchtblase geplatzt! Waaaah! Krass! Plopp! Lach :-D Hab voll den Lachanfall bekommen!!!

Muss jetzt erstmal wieder klarkommen. Aber jaaa… ES GEHT LOS!!! Jetzt gibt es kein zurück mehr. Ha! Nix mit morgen. Heute! HEUTE! HEUTE! HEUTE! noch werd ich mein Baby kriegen. Muss fast heulen. Keine Einbildung! Kein Fehlalarm! Jetzt geht es wirklich, wirklich los… Schwitzige Hände, rasendes Herz. Baby… Baby… Baby… Laufen. Ich muss laufen… Die Wehen sollen stärker werden…

Werden sie auch. Hebamme: „Wir müssen den Tropf jetzt erst einmal ab machen. Vielleicht gehst du in die Wanne? Da kannst du nochmal richtig schön entspannen und dich konzentrieren, vielleicht werden die Wehen dann noch stärker und regelmäßiger. Ja?“

Oh ja! Wanne! Wanne ist gut. Wanne ist seeehr gut… Obwohl… Wieder böse Erinnerungen. Bei P. hab ich in der Wanne extreme Schmerzen gehabt und danach wurde mir gesagt, dass der Muttermund erst 3 cm geöffnet ist. Nach bereits vielen, vielen Stunden sehr starken Wehen. Aber nein… Dieses Mal muss alles besser werden. Der Ausgangsbefund ist schließlich ein ganz anderer.

15:00

Gehe jetzt in die Entspannungswanne. Gebärmutterhals ist noch nicht ganz weg… Vielleicht werden die Wehen ja dadurch stärker.

Im Bad mit der Entspannungswanne. Öliger zitrus-lavendel-Geruch. Gedämpftes Licht. Musik. Ganz angenehm. K. hilft mir beim Ausziehen… So ’ne Geburt ist schon echt ne ziemlich intime, zusammenschweißende Sache… Wehe kommt… Der Druck baut sich langsam auf… Man spürt, wie sie kommt, zuerst im Unterleib vorne. Es beginnt langsam zu ziehen. Als würde jemand deinen Unterleib in einen Schraubstock stecken und erst vorn links und rechts die Bolzen, dann – mit etwas Verzögerung – einen großen am Rücken langsam festziehen… Atmen… Zähle die Atmenzüge. Einatmen… 1… Einatmen… 2… Einatmen… 3 (hier ist der Peek!)… Einatmen… 4… Einatmen 5 (hier wird es deutlich schwächer… und man weiß, dass man es gleich geschafft hat)… Einatmen… 6… Und Entspannung. 3 Minuten Pause. K. lässt immer wieder heißes Wasser in die Wanne. Bedeckt meinen Bauch mit einem warmen Tuch… Hält mich, wenn die Wehen Pause haben. Lässt mich los, wenn eine Wehe kommt. Es ist so gut, dass er da ist. Unglaublich… Da stehen wir das hier wirklich gerade ein zweites Mal zusammen durch. Ich muss schlucken… Da kommt die nächste Wehe… … … … Ich fühle mich noch ganz gut, bin guter Dinge. Die Wanne tut wahnsinnig gut. Ich will hier nicht raus. Der Gedanke deprimiert mich… Irgendwann werde ich raus müssen. Hier drinnen kann ich wirklich loslassen, die Wehe gelöst angehen, veratmen und dazwischen ganz entspannt sein. Draußen ist das anders. Da weiß ich nicht, wie ich stehen soll, kann den Bauch nicht locker lassen und verkrampfe. Ich will hier nicht raus!

Muss mich schon stark konzentrieren jetzt, wenn die Wehen kommen. Noch sind sie gut zu veratmen. Zwischen den Wehen ist wirklich Entspannung. Ich kann reden, lachen, … Nicht die Gedanken jetzt zulassen, dass ich genau weiß, was für ein Batzen an Schmerz, Verzweiflung und Mutlosigkeit da noch kommen wird. Warten auf den Schmerz… Das ist ein irrer Zustand.

Hebamme J. kommt zum dritten Mal rein. „Du musst jetzt wirklich langsam raus.“ – „Ich will aber nicht.“ – „Ich muss dich untersuchen und wir wollen doch auch vorwärts kommen, oder?“ Ich will gerade einfach nur in dieser Wanne bleiben… Angst kriecht mir in den Hals. Steige langsam in einer Wehenpause aus der Wanne. Huch… Meine Beine sind wie Pudding… Schwindelig. Ich muss was essen. Komischer Gedanke… Kann mir nicht vorstellen jetzt überhaupt etwas… Au… Wehe… … … … … nicht vorstellen irgendwas zu essen. Traubenzucker vielleicht… Maximal.

Wehe… Pause… Abtrocknen… Wehe… Pause… Slip und Hose an… Wehe… Pause… Oberteil… Wehe… Pause… Socken irgendwie anwirschen. Schwierig, das. Die Wehen kommen jetzt etwa aller 2 Minuten. Nicht mehr viel Zeit dazwischen. Denken wird viel schwieriger. Wo war ich gerade? Zurück in den Kreißsaal gehen jetzt… Der Druck nach unten nimmt sofort zu, wenn ich mich bewege. Die Wehen sind viel schmerzhafter hier draußen, kann den Bauch und den Unterleib nur schwer locker lassen. Gelingt mir kaum. Verkrampfe. Angst.

16:30

Wanne war gut. Wehen jetzt schon ziemlich stark, aller 2,5 Minuten etwa. Muss dolle veratmen und mich konzentrieren. Hab gerade Kreislaufprobleme. Muss mal was essen.

Wehe… Pause… Traubenzucker essen… Wehe… Pause… 2 Kekse. Gute Entscheidung. Wider Erwarten keine Übelkeit. Sehr gut. CTG wird angeschlossen. Herzfrequenz ist gut. Wehen sind deutlich da. Es drückt wahnsinnig. Scheiße, ich habe wirklich Angst vor dem, was noch kommt… Jetzt gerade wird es unerträglich. Wehen auf dem CTG…  Verdammt… Die sind wahrscheinlich noch nicht einmal sonderlich stark… Hebamme kommt. Noch einmal Muttermund tasten… Oh bitte bitte… Lass da was passiert sein!!!

„Hmmm… Hmmm… Also der Muttermund ist jetzt etwas weiter offen als vorhin. 3 cm, aber ganz knapp nur. – (( SCHEIßE!!! NEIN!!! )) – Wir werden jetzt nochmal den Tropf für eine Stunde dran hängen und schauen, ob sich noch was tut. Wenn es nicht wirklich vorwärts geht, dann müssen wir abbrechen und es morgen noch einmal mit einem anderen Medikament versuchen, in Ordnung.“ – „Äh. Muss ja. Die Wehen fühlen sich schon ganz schön stark an, ehrlich gesagt. Ich hab Angst vor dem, was jetzt mit Tropf passiert.“ – „Naja, das versteh ich… Aber wir wollen doch auch, dass es weitergeht. Und vielleicht tut sich ja noch was am Muttermund. Das müssen wir jetzt einfach sehen.“

Verdammt! Es wird sich gar nichts, gar nichts, NICHTS tun!!! SCHEISSE!!! Ich ertrage das nicht… Ich will nicht morgen nochmal anfangen… Nein, verdammt! NEIN VERDAMMT! Scheißeee…

17:30

Wehen da, aber nicht regelmäßig genug :-((( Mumu bei 3 cm. Jetzt wieder Wehentropf. Gleicher Mist wie bei P.! Menno! Der Mumu geht nicht auf. Hat gesagt, dass wir das jetzt nochmal testen mit dem Tropf und sehen, ob sich was tut. Ansonsten müssen wir abbrechen und morgen nochmal neu anfangen. Ich kriege die Krise!!!

Dann wurde es richtig hart. Die Wehen kamen in Abständen von ca. einer Minute. Ich wollte (konnte) dann auch nicht mehr rumlaufen wie bis dato. Ich kam in genau diesen Zustand, vor dem es mir so schrecklich gegraut hat. Ich lag auf dem Kreißsaalbett, versuchte irgendwie verzweifelt, die Wehen wegzuatmen… Aber es ging einfach nicht. Der Druck war mittlerweile ständig da, auch in den Pausen und wenn eine Wehe da war, hatte ich das Gefühl, zerdrückt zu werden. Es sollte aufhören, ich wollte nicht mehr… Ich konnte auch nicht mehr. Und ich hatte die verdammt mutlosen Gedanken, dass all das hier gerade gar nichts bringt. Ich hab nur noch gewimmert und geheult… Ich wollte AUS sein… Einfach keine Schmerzen mehr haben… K. war total hilflos.

Irgendwann kam die Hebamme wieder, hat mich erneut untersucht. „Der Muttermund ist jetzt bei 5 cm. Ich würde vorschlagen, wir lassen dir jetzt noch einmal eine schöne Wanne ein und du bekommst ein Schmerzmittel. Dann kannst du in den Wehenpausen noch einmal richtig entspannen. Ja?“ – „Okay… … Heißt das, wir brechen nicht mehr ab?“ – „Nein! Bei 5 cm brechen wir nicht mehr ab!“ – „Versprochen?“ – „Ja! Versprochen! Bei 5 cm brechen wir nicht mehr ab.“ – „Ich bekomme heute noch mein Baby!“ – „Ja, ganz sicher!“ –  „Wirklich? Heute noch?“ – „Ich weiß nicht, ob wir es noch in der Spätschicht schaffen, aber heute wird es sicher noch.“ – „Wie lange geht die Spätschicht?“ – „Bis 22 Uhr.“ – „Doch, wir müssen das schaffen. Ich kann nicht mehr. Ich ertrag das nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr.“ – „Ja, ich weiß. Ich geb dir jetzt erstmal das Schmerzmittel…“ – „Bringt das denn was?“ – „Jaaaa! Das bringt ganz viel. Das lockert da unten alles auf und wirkt entkrampfend. Wirst du sehen, dann kannst du mit den Wehen wieder besser umgehen…“ – „Sicher? Okay… Okay… Verdammt…“

19:15

Mumu bei 5 cm. Jetzt nochmal Wanne und Schmerzmittel… Abbrechen wollen sie heute nicht mehr. Immerhin.

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(Teil 3 folgt…)

T.s Geburt (1)

immernoch Sonntag (39+6):

Abends. Müde. Schlafen. Gott, dieser Zustand… Einfach nur noch Frust. Ich hasse es so. Ich will nicht mehr. Nur noch Schmerzen. Nur noch genervt sein. Fetter Bauch. Alles zieht und drückt. Immerhin die Studienleistung heute fertig bekommen… Arrrgh… Ich kann mich nicht auf P. einlassen!!! Will einfach nur meine Ruhe… Buhuuuhuu… Warum geht es nicht los? Worauf wartet dieses Kind? Stelle K. die gleichen Fragen zum 1000. Mal. Warum ist das Kind so schwer? Am Ende geht es nicht los und es wird doch eine Einleitung oder Kaiserschnitt. Ich hab Angst. Ich will nicht mehr. Und dieses Mal hat er keine Geduld mehr. Wir streiten. Er trabt ins Bett ab. Bleibe geknickt auf dem Sofa zurück. Versuche es später mit einer Entschuldigung. Klappt mehr oder weniger. Ist doch scheiße alles. Wir machen uns noch richtig schön fertig vorher.

Kann nicht einschlafen. Zu viele Gedanken im Kopf. Wie wird es losgehen? Wann wird es losgehen? Wird es überhaupt losgehen? Verdammt… Wenn ich nur nicht so scheiße mutlos wäre. Kann mir einfach nicht vorstellen, dass es wirklich einfach losgeht. Ich glaub nicht mehr dran. Ich befürchte, dass irgendwas schief geht. Dass er nicht kommt. Dass er im Bauch stirbt und ich ihn tot zur Welt bringen muss. Nabelschnurvorfall. Meine verdammte Flanke schmerzt. Die verdammte Niere. Oh Gott, ich hab so die Schnauze sowas von voll. ICH MAG NICHT MEHR! Kirschkernkissen auf die Flanke. Irgendwann wegdämmern. Unruhiger Schlaf.

Montag, 16.09.2013 (40+0):

2:30. Pinkeln. Aua! Flanke, Niere. AUA!!! Arrrgh… Doch wieder Buscopan? Erstmal Wärme. Bringt nichts. Doch Zäpfchen. Soll ja auch den Muttermund weich machen… Na, vielleicht bringt’s ja was… …

Scheiße verdammt. Ich habe echt keinen Bock, morgen zur Gyn zu gehen. Ich glaub, ich bekomme wirklich einen Heulkrampf dort in der Praxis. „Ach, na Sie wollten wir aber eigentlich nicht mehr sehen…“ Arrrrgh… Wenn ich mir das nur vorstelle. T. … Bitte komm raus! Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, komm raus. Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte… Komm raus… Bitte, bitte, bitte, bitte…

Über diesen Gedanken schlafe ich irgendwann wieder ein.

6:30. Flanke geht wieder. Okay… Pinkeln. AUTSCH! Was zur Hölle ist das denn? Zwischen meinen Beinen drückt es, aber wie… Au… au… Okay, nicht übertreiben. Erstmal versuchen wach zu werden. Manchmal legt sich das ja durch Bewegung. .. … … Okaaaaay, tut es nicht. Der Schmerz ist durchgehend. Es drückt… irgendwie in der Scheide… Nicht direkt auf die Symphyse, aber da in der Gegend. 09:20 Termin bei der Gyn?

06:40

Furchtbare Nacht, ab heute darf ich offiziell Jammern. Konnte nach 3 einfach nicht mehr pennen. Um 5 musst ich ’ne Buscopan nehmen, weil die Schmerzen plötzlich wieder da waren,. Jetzt häng ich wieder hier, obwohl noch alles schläft… Ich mag nicht mehr!!! Er soll endlich rauskommen… Verdammt nochmal.

07:28

Mein Uuuuuunterleib krampft rum! Fühlt sich aber nicht wenig an. Zu durchgehend. Wundert mich nur, dass ich es merke. Hab ja Zäpfchen gegen 5 genommen, da ist ordentlich Paracetamol drin.

P. ist wach und gut gelaunt, singt, tobt… Es drückt zwischen den Beinen. Ich wecke K. Frühstück. Kann nichts essen. Mir ist schlecht. „Hm. Ich überlege, ob wir nicht lieber direkt ins Krankenhaus fahren anstatt zur Frauenärztin. Der Druck ist echt heftig. Ich würde gern nachgucken lassen… So kann ich jetzt nicht 2 Stunden im Wartezimmer sitzen.“ Sachen einpacken, P. in die Kita und dann zum Krankenhaus. Das sollte drin sein. Fuck, es tut weh… Aber vielleicht, vielleicht geht es ja wirklich los??! Vielleicht hat die Qual heute endlich ein Ende? Oh bitte… Bitte, bitte… Lass das keinen Fehlalarm sein. Au…

08:10

Überlegen, ob wir ins KH statt zur Gyn fahren. Die Schmerzen zwischen den Beinen seine echt extrem. Aber nicht an-/abschwellend. Sondern durchgehend.

08:17

Bringen P. in die Kita und fahren danach. Ich glaub, das könnt schon was sein. (Ich glaub, ich lasse sonst auch einleiten…)

Ah, verdammt. „Soll ich P. nicht lieber allein in die Kita fahren? Das wird doch so nichts…“ sagt K. Er hat recht. P. will, dass ich mit ihr spiele… Aber ich kann nicht, sie überfordert mich gerade… Sie muss jetzt irgendwie erstmal versorgt werden. „Ja, machen wir so. Aber beeil dich!“

08:43

Krass, das zieht ordentlich. Auch ganz anders. Aber wie gesagt, durchgehend. Das ist komisch. Nicht so Wehe kommt und geht… K bringt P. allein in die Kita. Das war gerade ein bisschen anstrengend, weil sie noch so dazwischen war und dauernd was wollte…  Ich glaub, heute könnte er wirklich kommen!

Oh. Mein. Gott. Vielleicht kriege ich heute unser Baby! Neinnnn… Ich will mich nicht darauf einschießen… Am Ende ist wieder nichts und ich sitze heute Nachmittag heulend Zuhause. Sachen sollten wir trotzdem mitnehmen. Krankenhaustasche, der graue Beutel mit den Sachen für T., die Babyschale… Hmmnn… Ein paar Kekse, ein bisschen Traubenzucker. Meine Waschtasche… Kann nicht sitzen… Geschirrspüler noch schnell ausräumen, Boden Fegen, Zeug von A nach B räumen… Dabei laut Musik hören… Herz klopft wie wild.

Oh Mann, oh Mann, oh Mann!!! Ich muss ganz schön schnaufen, um das zu ertragen. Was ist das nur??!?

09:00

Ohne veratmen geht kaum noch. Aua!

09:20

Wenn der heute am Termin kommt, kriege ich ’nen Lachanfall, echt! Aber ich glaub gerade nicht, dass das schon wieder falsch ist. Es sei denn, der Schmerz ist jetzt was ganz anderes.  Ich habe ihn heute Nacht aber auch echt hypnotisiert… 

Schlüssel knackt im Türschloss. K. ist wieder da. Endlich. Ich werde sofort ein bisschen ruhiger. Er rasiert sich, packt auch ein paar Sachen ein. „Hast du noch ein altes T-Shirt für mich?“ – „Für was? Für jetzt?“ – „Nee… Eher so… für die Geburt…“

09:37

Fahren gleich los, bis jetzt hör’s noch nicht wieder auf. Ich glaub, er kommt heute… Aber ich sag’s noch nicht laut…

09:55

Oh Gott! Autofahren ist DIE HÖLLE! AUAAUAUAU!

10:02

Raus aus dem Auto, kann kaum noch laufen. Aua! Ich glaub, die Chancen, dass es losgeht, stehen nicht so schlecht… Sind gleich im Krankenhaus.

Okay. Es geht definitiv nicht mehr. Da ist der Weg hoch zum Krankenhaus. Vor drei Jahren… Mit P…. Nachts Hintereingang… Und 4 Tage später völlig geflasht wieder raus. Vor zwei Wochen, ich hier und P. mit K. nach Hause. Und jetzt vielleicht wirklich zum letzten Mal mit Babybauch hier rein. Mein Gott… Vielleicht werden die nächsten Stunden die Hölle… Vielleicht haben wir heute Nachmittag unser Baby im Arm. Ich glaub das noch nicht…

Vorbei an der Rezeption. Muss auf’s Klo. Mein Herz klopft und klopft und klopf. Es springt mir fast oben aus dem Hals raus. Komme raus, nehme K. an die Hand. „Station 9. Geburtsstation“ Durch die elektronische Tür. Babygeschrei, Hebammen, schlurfende Frauen mit Pavian-Windel-Pos. „Station 10. Kreißsaal“ Ich klingele. Mist, keine der Hebammen, die ich vom letzten Mal kenne. „Hallo. Ich… äh… ich weiß auch nicht. Also ich hab so einen Druck zwischen den Beinen…“ – „Wehen? Wie weit sind sie?“ – „Nee, keine Wehen, es ist durchgehend… 40+0. Heute ist Termin. Ich möchte mal gucken lassen, es ist komisch…“ Gut, dann kommen Sie mal mit.“

CTG-Zimmer. Rotes Frottee-Spannbettlaken. Hier ist mir bei P. die Blase so richtig geplatzt. Lege mich hin. Der Druck ist noch immer da. Herz klopft. Die Hebamme legt die Sensoren an. Erst der Wehenschreiber. Jetzt das Teil für die Herztöne. Mann… Wie viele CTGs hab ich in der Schwangerschaft schreiben lassen… Knacken, laute Geräusche… Die Hebamme guckt irritiert, konzentriert sich, schiebt das Ding auf meinem Bauch rum. „Hm, ich krieg die Herztöne gerade nicht so richtig…“ Sie schaut auf die Anzeige. 200, 203, 205. „Aufgeregt, hm?“ sage ich. „Ist er immer…“ – „Hm. Frau J., wir gehen jetzt mal bitte gleich in den Kreißsaal…“ … …

Wa… Wa…? Wie? Was ist los? Denken setzt aus. Nur noch Herzklopfen und Fragezeichen im Kopf. Was ist los???

Wir gehen vorbei an dem Zimmer, in dem ich letztens stationär lag. Die Hebamme hält bei der Anmeldung an, ruft die Ärztin „Ich glaub, ich brauch dich gleich mal in Kreißsaal 2. Herztöne über 200.“ Besorgte Blicke, die Ärztin kommt gleich mit. Und schon stehe ich im Kreißsaal… Mir wird mulmig. Das schlimme ist, dass in diesen Situationen niemand so richtig mit einem spricht… Was sollten sie aber auch sagen? Es ist ja noch nichts klar. Diese Momente der absoluten Ungewissheit sind furchtbar. Ich soll mich aufs Kreißsaalbett legen. Die Ärztin und die Hebamme schauen immernoch besorgt. Wieder wird so ein CTG-Ding angeschlossen. Wieder knacken, laute Geräusche… 205, 206, 203… Das ist nicht gut.

„Was ist denn los?“ – „Naja… Das Kind hat eine sehr hohe Herzfrequenz, Frau J. Das deutet darauf hin, dass er Stress hat. Wir müssen jetzt mal sehen, ob wir herausfinden, woran das liegt und ob wir ihn beruhigen können. Sonst müssen wir ihn holen.“ – „Ihn holen? Kaiserschnitt??“ Die Hebamme nickt.

Tatsächlich denkt man in so einem Moment gar nicht viel. Was soll man auch denken? Ich hab mir natürlich Sorgen gemacht… Und ich hatte unterschwellig auch Angst. Aber ich war – wie immer in solchen Situationen – total gefasst. Habe versucht, mich zu beruhigen. Ich habe eine Sauerstoffbrille bekommen und eine Infusion. Die Ärztin kam rein, Ultraschall.

„Hm. Kopf tief im Becken. Plazenta schon gut reif… Gibt es schon einen Befund? Nein, keinen Befund… Hm. 3900 Gramm.“ – „Oh, doch so schwer. Ist das zu schaffen?“ – „Na sicher ist es das… Also versprechen kann man es nie, aber es geht…“

Was heißt denn bitte „versprechen kann man es nie???“ Boar ey… Ärzte… Manchmal…

Die Ärztin guckt genau, hier, dort, da… Grau-meliertes Gewaber auf dem Bildschirm. „Ich kann jetzt erstmal nicht erkennen, woran es liegt.“ Hebamme: „Wir schreiben jetzt erstmal eine Stunde CTG und sehen, ob er sich abregt. Manchmal bringt so eine Infusion schon was. Und dann entscheiden wir, was wir tun. Es wäre schon gut, wenn das Kind dann einfach kommen würde.“

Tja. Wem sagen Sie das…

10:49

So. Musste direkt im Kreißsaal. Herzfrequenz bei über 200 :-(( Wurde gleich aus dem CTG-Zimmer in den Kreißsaal gebracht… Sie meinte, dass wir ihn vielleicht gleich holen müssen. Hab jetzt Infusion und Sauerstoff. Und er ist jetzt bei 170, die Drehe. Wird jetzt ne Stunde erstmal überwacht. Im US war nichts erkennbar. Schätzung 3900g (+/-10%). Plazenta reif. In ’ner Stunde wird überlegt ,was wir machen. Wehen sind ab und zu welche drauf, aufm CTG. Aber nicht stark und nicht regelmäßig.

(Fortsetzung folgt…)

*** tatsächlich: PUNKTLANDUNG ! ! ! ***

Auf der Facebook-Seite hab ich’s ja direkt mit euch geteilt… Ich habe T. tatsächlich gestern pünktlich am errechneten Termin zur Welt gebracht!

Nachdem ich morgens einen dauerhaften Druck zwischen den Beinen hatte, hab ich entschieden, nicht zur Gyn zu fahren, sondern direkt ins Krankenhaus. Das kam mir komisch vor. Dort waren T.s Herztöne sehr hoch, beruhigten sich wieder und ich wurde an den Wehentropf gehängt, um zu sehen, wie T. auf starke Wehen reagiert und/oder die Geburt zu starten. Schätzung der Gyn lag bei 3900 Gramm (+/- 10%). Der Tropf wurde um 12 angeschlossen, langsam gesteigert. 14:00 ist mir völlig unerwartet die Fruchtblase gesprungen

Pünktlich am 16.09. um 22:03 habe ich T. geboren :-) Mit sage und schreibe 4325 Gramm, 54 cm und 38 cm Kopfumfang! Er kam vaginal (schlussendlich im Vier-Füßler-Stand) und ich bin überhaupt nicht (!) gerissen, was sowohl für mich als auch alle Beteiligten ziemlich unglaublich ist. Aber natürlich toll.

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T. schläft ganz viel,ich bin müde, aber sehr erleichtert und glücklich! Seit heute Nachmittag sind wir Zuhause, weil das Krankenhaus kein Familienzimmer frei hatte… Eine sehr gute Entscheidung, wie ich gerade merke. P. bestaunt und streichelt ihren Bruder, fordert aber den Papa sehr ein. Meine Mutter unterstützt uns.

Ein genauer Bericht folgt. Jetzt ist das Ankommen wichtig. Nur eins noch: Ich bin un-un-un-endlich froh, dass ich es hinter mir und wir es so gut geschafft haben! Ich bin wahnsinnig froh, dass es vorbei ist.

Ich bin übrigens überwältigt von all der Anteilnahme. Neben mir knickert es jetzt, ich muss Schluss machen ;-))

Schwanger sein: 40. Woche (7)

*seufz*

immernoch Samstag (39+5):

Gestern Abend gegen 21:30: ordentlich Regelschmerzen-artiges Ziehen im Unterleib. 10-Minuten-Abstände etwa. Versuche, mir nichts darauf einzubilden. Natürlich aber doch wieder Hoffnung. „Oh, ich will-will-will es nicht denken, aber… vielleicht… es könnte doch… vielleicht heute Nacht… und dann morgen… Oh bitte, ihr Kontraktionen… Nun werdet endlich stärker…“ Das Ziehen ist ziemlich stark. Kein Appetit jetzt. Glaube nicht, dass ich das Essen von K. runterkriege. Bin aufgeregt. Versuche, zu unterdrücken. NeinNeinNein! Das heißt nichts. Ich will mich nicht heißt machen. Nicht schon wieder.

Etwa eine Stunde später: Das Ziehen wird deutlich weniger. Dann fast nichts mehr. Was soll ich dazu jetzt noch sagen? Ich finde es einfach nicht gerecht. Echt jetzt. Gegen 23:50 beleidigt ins Bett. Kein Avena Sativa heute. Einschlafen dauert.

Sonntag (39+6):

Nach der frühmorgendlichen Pinkelpause gegen 4 Uhr zum Glück wieder eingepennt. Jetzt 8:30 rum. Aufwachen, pinkeln müssen, harter Bauch, das große Seufzen. Wieder nichts… Immernoch schwanger. P. kommt schlaftrunken ins Bad, auch Pinkeln. Erschreckt sich, dass ich schon da bin. „Meine liebe, liebe Mami“ – hach. Erstmal Kuscheln. Und nochmal alle zusammen ins Bett. Das besänftigt das Muttertier.

Woar… Mein Kreislauf. Das hatte ich schon vor zwei Wochen Mal im Krankenhaus. Niedriger Blutdruck war das da… Ist es das jetzt auch? Schwindel, zittrig, Schweißausbrüche, Hitzewallungen. Was ist das? Trinke ein Glas Wasser auf Ex, ein Glas Saft, Kakao und Kaffee. Keine Verbesserung. Reiße die Fenster auf, lasse kaltes Wasser über die Unterarme laufen. Mir wird schlecht. Das soll weggehen. P. beschäftigt sich damit, ihre Kinderpflaster auf eine gemalte Figur zu kleben. K. wird mit ihr später zu einem Familienfest gehen. Fühle mich total zerstört. Warum?

Seminareinschreibung. Ich habe keine Ahnung, wie ich in drei Wochen in der Uni sitzen soll… Wenn ich das nicht tue, bekomme ich aber kein Bafög. Und das können wir uns nicht leisten. Dilemma.

K. und P. sind weg. Studienleistung schreiben. Hypothesen und Theorien… Theoriebildung… Falsifikation… Hypothesenprüfung… Erstmal wieder reinkommen. Pffft… Kopf schwirrt, Bauch wird hart. Gedanken schweifen… Hypothesen sind… Verdammt, T., warum kommst du nicht da raus? Du bist bestimmt schon voll der Klops… Warum machst du es dir so gemütlich da drin?… SummSumm… What’s App ist ’ne scheiß ablenkende Erfindung… „Nee, nichts Neues.“… Also… Theorien im Rahmen quantitativer Forschung stellen in der Regel… „ssw 40 baby groß keine wehen“… Verdammt, das hast du schon 1000 Mal gegoogelt… Jede Schwangeschaft ist anders… Natürlicher Prozess und so… SummSumm… „Nee, ich kann gerade schlecht planen, Sorry.“… Aua, Bauch hart… Wo war ich? Die induktive Schließlogik ist die übliche Vorgehensweise bei qualitativen Forschungsprojekten und dient zumeist… Ob T. am Ende vielleicht doch eine Punktlandung hinlegt? Na das wär’s ja…

 

Alles andere wäre Wiederholung von bereits vielfach Beklagtem. Ich habe wieder zu viel sinnlos gegoogelt, eine halbe Stunde lang mit Pausen meine BW massiert und vor mich hingestunken. Fühle mich extrem ausgelaugt heute. Gegen Mittag auch nochmal so ein Kreislaufabfall… Sehr unangenehm.

Morgen ist der errechnete Termin, auf den ich mir die ganze Schwangerschaft über nichts einbilden wollte und auch nichts eingebildet habe. Weil ich mir viel zu sicher war, dass T. früher kommen wird. Ich habe keine Erfahrung mit dem hier und hätte echt drauf verzichten können. Ich hasse diesen Zustand und ich glaube, ich werde heulen, sobald ich die Geburt hinter mir habe. Und zwar 5 Tage lang. Vor Erleichterung! Ich will nienienie wieder schwanger sein! Ich fühle mich eingesperrt, festgenagelt, unausgeglichen und scheiße. Ich ertrage dieses Pulverfass nicht, ja weil ich halt scheiße ungeduldig und schon unschwanger ständig super-nervös bin. Weil es mich ankotzt, unbeweglich zu sein und weil es mich ankotzt, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann! Das ist bei mir einfach so ein Problem. Wenn was ansteht, dann ist das in meinem Kopf und nur das. Und was anderes kommt da nur ganz schlecht und schwer rein. Das ist bei Prüfungen so, bei Dates, bei Auftritten, manchmal schon bei ganz normalen Treffen… Und erst recht bevor ich entbinde. Diese scheiß Unklarheit. Diese scheiß Ungewissheit. Dieses scheiß Vorgeplänkel. Diese scheiß Stimmungsschwankungen. Dieser scheiß-ätzende körperlich eingeschränkte Zustand. Dieses sich schlapp fühlen. Bääääääh!!!

Ich ertrage das übrigens insbesondere deshalb nicht, weil ich mich so nicht ertrage und weil ich nicht ertrage, wie ich daran scheitere, entspannt-locker-lässig-laid back zu sein oder den Zustand wenigstens so halbwegs mit Würde hinzunehmen.

Ach Mist. Und dabei wollte ich heute nicht jammern.

Schwanger sein: 40. Woche (6)

Samstag (39+5):

4:30. Wache auf dem Sofa auf. Bin vorm Fernseher eingeschlafen. Schon wieder. Es zieht, weil niemand die Fenster zu gemacht hat. Ich versuche, K. zu wecken… Klappt mäßig. Irgendwann dann doch. Er tappert ins Bett. Schläft sofort weiter. Mist. Ich war zu lange wach jetzt, kann nicht mehr schlafen. Schleim. Ist das da Blut? Lässt sich nicht bestätigen. Denk nicht daran. Denk nicht daran. Schlaf Schlaf Schlaf! Es ist egal… Morgen gehen wir alle zusammen in die Stadt, besorgen Schuhe für P. Bewegung ist gut. Neiiiin. Es ist egal! Ich verhalte mich einfach ganz normal. Oder so normal wie möglich. 5:30. Versuche es mit einem Hörspiel. Klappt nicht. 6:00. Zähle von 1 bis 100. Laufe im Kopf durch einen Wald. Irgendwann im Morgengrauen schlafe ich dann ein.

„Du musst mit P. aufstehen. Ich war die halbe Nacht wach!“ Sage ich zu K. Er steht auf, ich bleibe liegen. Kann natürlich nicht mehr pennen. Arrrrrgh. Stärkeres Ziehen in Unterleib und Rücken. Fühlt sich an, wie kurz vor der Menstruation. Schleim. Versuche es einfach nicht zu bewerten. Erzähle es dann aber doch. „Das fühlt sich jetzt schon anders an, zumindest mehr in Richtung letzter Montag… Also mehr als in den letzten Tagen.“ – „Wir gehen. Jetzt einfach. In. Die. Stadt. Wir haben ganz viel Spaß zusammen und wollen durch nichts gestört werden.“ sagt K. grinsend. Er hat die Theorie aufgestellt, dass es genau dann losgehen würde, wenn wir uns andere Dinge vornehmen und so wenig darauf setzen wie möglich. Ich versuche, meinem Körper keine Beachtung zu schenken. Schwierig, denn es zieht echt ganz schön heftig… AberAber… Keine. Hoffnungen. Machen. Ommmmmmmm…

Vormittags in die Stadt. Konsum. Eigentlich nicht gut, aber Ablenkung, die brauch ich. Und Bewegung. Und P. braucht neue Schuhe. Komische Dinge gehen zwischen K und mir ab. Ich bin gereizt, weil ich glaube, dass er gereizt ist. Dabei ist er das angeblich nicht. Gibt sich im Laufe des Tages. Okay dann. Denke über lange Strecken tatsächlich nicht an Bauch und Baby. Aber die „BoooooarWooooooar“-Blicke… Naja… In der Baby-Schlafanzüge-Abteilung fragt mich eine Frau, ob’s denn bald soweit ist. „Termin ist in 2 Tagen“ sage ich. Da werden ihre Augen groß. „Na da sind Sie ja noch sehr entspannt, wenn sie noch einkaufen gehen und so…“ Äääähhhh jaaaaaa… Na klar bin ich entspannt. Wir sind 7 Stunden unterwegs. Treffe Freunde aus der Uni zufällig. Schön. Ich laufe, laufe, laufe und merke es gar nicht. Zunächst jedenfalls. Am Ende dann doch. Plattfüße. Auuutsch. Harter Bauch. „ich weiß gar nicht, wie du das so lange durchgehalten hast.“ sagt K. Ich auch nicht. Aber gut. 7 Stunden mal nicht nur Gewartet.

Zuhause. Die Nierenstelle tut wieder weh. Glaube mittlerweile wieder, dass es eher ein Nerv ist. Habe ein leicht schlechtes Gewissen. War das zu viel? Suhle mich auf dem Sofa. Aaaaaah, Körnerkissen… K. schmeißt den Abend mit P. Ich versuche, mich in der Wanne zu entspannen und die Schmerzen nicht überzubewerten. Trinke Chai. Und Eisenkrauttee. BW-Massieren. Ich kann es nicht lassen. Ich kann. Es einfach. Nicht lassen! Die dunklen Wolken ziehen wieder auf. „39+5… Und es passiert nichts…“ Der Bauch wird hart. Sehr hart. Es zieht im Rücken. „Hör auf! Es ist egal. Es bedeutet nichts. Gar nichts…“

Der wenige Schlaf der letzten Nacht schiebt mir die Augenlider eine Etage tiefer. Will heute kein Avena Sativa zum Schlafen nehmen. Habe Die Befürchtung, dass das den Wehen entgegenwirken könnte.

Auch heute wird mein Baby nicht kommen. Auch morgen werde ich mit einem dicken schweren Bauch aufwachen. Ich werde mich für meine Seminare einschreiben. Die Semesterferien sind ja bald vorbei. Schöne Scheiße, echt. Am Montag werde ich zur Gyn gehen und sehr viel Frust runterschlucken. Das CTG wird vermutlich okay aussehen. Vielleicht sind wieder Wehen drauf. Ich werde nach Hause gehen. Der Bauch wird immer wieder hart werden. Die Schmerzen in der linken Flanke werden kommen und gehen. Schleim. Ständiges Pinkeln. Druck nach unten. Ein Gefühl, als würde ich meine Tage bekommen und der ständige Versuch, sich nicht zu fragen, ob dies oder das oder jenes darauf hindeutet, dass s jetzt doch vielleicht losgeht mit der Geburt.

Und dann die Frage: Wie lange soll ich eigentlich warten bis wir einleiten? Wann ist der Zeitpunkt, an dem man mit mehr als den Hausmitteln nachhelfen sollte oder muss? Wie groß soll oder darf T. werden? Und: Was zur Hölle fehlt denn nur, damit es losgeht??

Wah! Nass in der Hose… Moment…

Hm. Nichts. War ja klar. Ich glaub, ich werde echt noch endgültig bekloppt.

Schwanger sein: 40. Woche (5)

Donners (ach nee, ist ja schon)

Freitag (39+4):

ssw 40 keine wehen // ssw 40 baby kommt nicht // ssw 40 warum kommt das baby nicht? // ssw 40 wehen fördern // ssw 40 mumu 1 cm gebärmutterhals verstrichen leichte wehen // wehenschwäche // ssw 40 keine wehen // ssw 40 angst schweres baby

Verdammt. Jemand muss mir sämtliche mobile Endgeräte abnehmen! Es kommt doch immer das selbe raus. Das Kind kommt schon. Künstliche Einleitung macht keinen Sinn, wenn es Kind und Mutter gut geht. Wehenförderung klappt nur manchmal und auch nur, wenn alles geburtsreif ist. Größe und Gewicht via Ultraschall sind nur Schätzungen… Das Beste ist, sich zu entspannen, sich abzulenken und cool zu bleiben. Die Babys kommen dann, wenn sie bereit dazu sind.

Ja, manno… Aber es geht bei mir bestimmt einfach nicht alleine los! Sonst wäre es doch schon längst losgegangen! Er ist doch groß genug! *maulmaul* „Es wird schon losgehen“ dieser doofe Spruch bringt mir nichts, weil es ja einfach viele gibt, bei denen es nicht einfach irgendwie losgeht! Wie Mrs. Elch zum Beispiel oder Mamamiez oder tausende Andere! Ich kann diese ganzen bescheuerten „drin geblieben ist noch keins“-Sprüche nicht mehr hören! Es gibt schließlich auch gar nicht so wenige, bei denen die Geburt auch in der 42. Woche eben nicht beginnt.. Frauen, bei denen dann irgendwann die Geburt eingeleitet wird und dann ist das Fruchtwasser schon ganz grün und die Fingernägel vom Baby sind ganz lang… Geburten, die letztendlich nach endloser nervenaufreibender Warterei – schließlich kommen die Babys ja aaaaalle dann, wenn sie bereit sind und es ist totaaaaaaal unsinnig, Geburten künstlich einzuleiten, man muss halt Geduuuuuuuld haben, jeeeeeeder Tag im Bauch ist ein Gescheeeeeenk, die Natur denkt sich ja schließlich was dabei – eingeleitet werden müssen, weil es eben nicht einfach losgeht und bei denen dann Babys rauskommen, die ganz offensichtlich schon längst hätten auf der Welt sein sollen! Woran liegt das denn bitte?? HÄ??? HÄ?????

Nur um das klar zu stellen: Ich will ja gar nicht einleiten lassen. Ich kriege nur die Gedanken nicht weg, dass diese Geburt hier nicht allein losgehen wird. Deshalb will ich die Gründe dafür verstehen, warum sowas passiert. Oder Beweise, dass es bei mir definitiv früher oder später losgehen wird *heul-nerv-jammer* Dieses Ungewisse, das macht mich ganz krank! Worauf wartest du T.??? 

Echt Mal… ScheißeScheißeScheiße! Was macht mein Körper? Warum diese ganze ewig lange Vorbereitung? Bei P. hatte ich gar nichts dieser Art. Ich war unbeweglich und dieses Ziepen hatte ich auch, glaub ich. Und na klar, ich war auch total ungeduldig und wollte, dass die Schwangerschaft endlich vorbei ist. Aber ich hatte nicht wochenlang schleim, keinen spürbar harten Bauch und auch keine Wehen auf dem CTG. Auch keinen weichen oder offenen Muttermund vor der Geburt. Ich war zwar ungeduldig, aber ich hatte keinen Grund damit zu rechnen, dass irgendwas vor dem 21.10. passieren würde. An 37+6 ist gegen 23:00 einfach die Blase gerissen, wir sind ins Krankenhaus, da waren leichte Wehen auf dem CTG, von denen ich nichts gemerkt habe. Über Nacht entwickelte sich das zu „Regelschmerzen“, mittags musste ich die Wehen veratmen, nachmittags waren sie dann schon sehr, sehr fies und weil der Muttermund um 16 Uhr erst knapp 3cm offen war, habe ich wehenfördernde Mittel bekommen, die dann Muttermund auf 8 cm geöffnet haben. 19:00 ging’s in den Kreißsaal, ich habe mir eine PDA geben lassen, dadurch kurze Verschnaufpause, dann wieder Wehentropf, schließlich Presswehen, Abfall der Herztöne, 23:15 Kind geboren. So. Das war nicht schön, aber es gab wenigstens nicht dieses total bescheuerte, wochenlange Vorgeplänkel, bei dem man nie weiß, was man nun davon halten soll! Wie soll ich denn irgendwelche Signale meines Körpers noch ernst nehmen?

Im Moment sieht halt einfach überhaupt gar nichts nach Geburtsbeginn aus. Es ist einfach alles, wie es schon seit Wochen ist. Bauch ab und zu hart. Schleim ab und zu. Schmerzen in der Flanke. Ziehen zwischen den Beinen. Dicke Füße, die in keine Schuhe mehr passen. Ab und zu ein Ziehen im Unterleib, auch Mal im Rücken, begleitet von einem sehr sehr harten Bauch. Ich bin wirklich ziemlich hoffnungslos gerade. Kann mir überhaupt gar nicht vorstellen, dass es tatsächlich einfach so irgendwie ganz normal anfängt… Dass ich plötzlich richtige, stärker werdende Wehen bekomme. Oder wieder ein Blasensprung. Nie im Leben rechne ich damit, dass sowas jetzt einfach passiert! Im Gegenteil. Wenn mein Bauch hart wird oder ich wieder Absonderungen vorfinde, könnte ich heulen, weil ich mir inzwischen sicher bin, dass es rein gar nichts bedeutet. Am allerwenigsten, dass hier tatsächlich irgendetwas nennenswertes in Richtung Geburtsbeginn passiert. Ich ertrage auch keine Anschups-Versuche mehr. Ich mag keinen scheiß Tee mehr trinken, keine „wehenfördernden“ Entspannungsbäder nehmen, keinen angeblich wehenfördernden Sex mehr versuchen, nicht mehr zwanghaft durch die Bude hetzen und meine Brustwarzen nicht mehr stimulieren. ES SOLL EINFACH LOSGEHEN.

Betrübt wie sonstwas kann ich nicht aufhören zu denken, dass ich jetzt einfach noch 2 Wochen in diesem Zustand verbringe, in dem ich jeden Tag versuche  ruhig und geduldig zu bleiben, mich abzulenken und es an keinem Tag so wirklich funktioniert. Mich also noch tage- oder wochenlang die Vorstellung quält, dass ich hier sitze, sich an meinem Zustand nichts ändert, ich mich dann zunehmend fragen werde, wann und wie wir nun einleiten. Die Vorstellung, dann irgendwann zur Einleitung ins Krankenhaus zu gehen, wo dann ewig nichts passieren wird, ich dann plötzlich Höllenschmerzen hab, im schlimmsten Fall am Ende aber irgendwas nicht klappt und T. nach viel viel Drama dann doch per Sectio geholt wird. Ich krieg echt das Heulen, wenn ich daran denke, dass ich am Montag wieder zum Arzt latsche!

Scheißkramkotzdreck. Hier startet gar NICHTS. Überhaupt NICHTS!!!

Heute ist kein guter Tag.

Und ja… Eigentlich weiß ich natürlich, dass es sehr wohl einfach losgehen kann und sehr wahrscheinlich auch wird und dass mir all diese Jammer-Posts dann sehr, sehr unangenehm sein werden. Ja, ich weiß, dass es „dann plötzlich ganz schnell gehen“ kann und möglicherweise auch wird. Ja, ich weiß natürlich, dass alles noch im völlig normal und zeitgemäß ist. Ja, ich weiß, dass das nur Gewichtsschätzungen sind und die Ärzte ganz oft daneben liegen und dass T. am Ende ein ganz normales, süßes, kleines Baby sein wird. Ja, ich weiß, dass du und du und du auch dachten, dass nichts passiert und dann ging es ganz plötzlich los und dann ging alles ganz schnell.

Ich sag mir das 300.000 Mal am Tag. Aber es ändert gerade nichts daran, dass kaum positive, dafür aber ganz viele negative Gedanken durch meinen Kopf rauschen, ich unglaublich schlecht drauf bin und die Schnauze einfach extrem voll habe. Im Moment jedenfalls.

So.

Und morgen fühle ich mich wahrscheinlich wieder genau in die andere Richtung. Diese Stimmungsschwankungen. Mann, Mann, Mann… Echt heftig!

Und dabei wäre heute so ein schönes Datum gewesen… 13. September… Tja. Soll halt nicht sein… Bääääääääh!!!

… … … … …

Nachmittag inzwischen. Ich hab K. dann noch ein bisschen ganz schön ätzend die Ohren vollgejault und dann aber tatsächlich konsequent an meiner Studienleistung gearbeitet. Den Beitrag hier würde ich ja jetzt eigentlich ganz gerne löschen… also nicht veröffentlichen jedenfalls… Aber da ich ja so furchtbar ehrlich und authentisch bin und ich auch weiß, dass ihr das irgendwie schätzt hier, bleibt er einfach genau so pur und doof und laut hier stehen, wie er heute Vormittag von mir eingetippt wurde. Das hab ich nun davon. Jetzt kann ich mich in Grund und Boden schämen, ob meiner Ungeduld und tierischen Unentspanntheit. Dabei bin ich doch noch nichtmal am Termiiiiin… *lach*

Schwanger sein: 40. Woche (4)

noch immer Mittwoch, 39+2:

Der Tag verlief alles in allem stimmungsschwankend zwischen Ablenkungsversuchen (mal mehr, mal weniger erfolgreich), Resignation (Ich glaub, es wird einfach nicht von allein losgehen…), Selbstberuhigung (Mensch, du hast doch noch Zeit!) und Frustration. Trinke Chai und Himbeerblättertee im Wechsel. Beziehe unser Bett neu, räume unter’m Bett auf, gucke Schrott-TV, gehe heiß baden, … Heule ein bisschen rum, versuche es mit (Galgen-)Humor zu nehmen (wenn mein Kind über 6,5 Kilo wiegt, dann hab ich nach der Geburt wenigstens fast wieder mein Ausgangsgewicht. Ha. Ha. Haaaa…) und mir immer wieder zu sagen:

EINE MENSCHLICHE SCHWANGERSCHAFT DAUERT ZWISCHEN 38 und 42 WOCHEN! ES IST NOCH ALLES VOLLKOMMEN IM RAHMEN. T. GEHT ES GUT. ER KOMMT, WENN ER FERTIG IST.

P. ist in der Wanne und ich hänge auf dem überdimensionalen Sitzkissen daneben rum. T. ist ausnahmsweise sehr aktiv. Wenn er sich bewegt, wird mein Bauch auf einer Seite ganz leer und auf der anderen sieht man eine riesen Beule. Ich weiß immernoch nicht, was das immer ist, was da rausragt. Von der Form her kann es eigentlich nur sein Po sein. Aber es ist so „kantig“… Wuaaaah! So 3 cm über dem geploppten Nabel ist ein kleingliedriges irgendwas… Ich kann die Umrisse ziemlich genau sehen und abtasten… Ein Füßchen? Oder ein Knie? Von dem rund-ovalen Ding kann ich schräg nach unten einen längeren Knochen oder so fühlen… Mein Herz klopft. K. fühlt auch. Ich erinnere mich wieder, worum es geht: MEIN BABY! Es ist total abgefahren, da zu liegen, die Hand auf dem Bauch und auf einer nicht wirklich definierbaren winzigen Baby-Gliedmaße rumzustreicheln… Eigentlich sind da nur wenige Zentimeter – wenige Milimeter! – Haut dazwischen. Und trotzdem ist es noch so ein irre beschwerlicher Weg bis man das Baby dann endlich (endlich, endlich, endlich) so richtig angucken, festhalten, riechen, … kann. Ach ja…

Nachdem P. (endlich) in der Falle ist – ist eine durchschnittliche Zubettgehzeit zwischen 21:00 und 21:30 eigentlich für eine knapp 3-Jährige zu spät? – sammle ich sämtlichen Müll zusammen, jogge die Treppen runter, einmal um den Block. Okaaaay… Joggen ist jetzt ein bisschen übertrieben… Beim Laufen bekomme häufiger einen sehr sehr harten Bauch und ich nicht selten ein tierisches Stechen zwischen den Beinen. Ganz plötzlich. Es durchfährt mich wie ein Blitz und es fühlt sich an… nun ja… als würde jemand mit einem Messer sorgfältig die innere Scheidenwand (in Richtung Symphyse) aufschlitzen. Auuuutsch! Ich muss dann kurz stehen bleiben, mich konzentrieren, um dann langsam und in Trippelschritten weiterzulaufen. Dann ist es aber sofort vorbei… Was ist das nun wieder? Kann sich die Verkürzung des Gebärmutterhalses – am Montag waren ja noch 1,5 cm übrig – oder die Öffnung des Muttermundes so anfühlen? Oder deutet das wieder in Richtung Blasenentzündung? Da spricht der Hypochonder aus mir. Kopf lieber aus jetzt. Hinter mir laufen Leute. Mit Hunden, ohne Hunde, in Bauarbeiterkluft. Ich bin langsamer als alle. Wie man in der 40. Woche wohl so von hinten aussieht? Ich versuche testweise so zu laufen, als hätte ich keinen Medizinball umgeschnallt. Wie ging das gleich? Wie laufe ich unschwanger?

Wie bin ich überhaupt, wenn ich nicht schwanger bin? Was hab ich so gemacht? Ich erinnere mich an einen Morgen (muss so gegen 4 gewesen sein, irgendwann im Frühling), als ich genau hier langgelaufen bin und mich (noch nicht so wirklich nüchtern) über die rosa Schäfchenwolken und den Sonnenaufgang gefreut habe… Als in meinem Kopf kein Wust und in meinem Bauch keine Wassermelone war. Dafür aber die Freude auf’s Bett und die Aussicht, in 2,5 Stunden mit P. aufstehen zu müssen. Das war keine schlechte Zeit. Wahnsinn, dass jetzt einfach Mal so – schuuuuuiii – ein 3/4 Jahr weg ist… Wie lange werde ich dieses Mal brauchen, bis ich wieder zu mir finde? Ich weiß, dass es nach der Schwangerschaft mit P. eine Weile gedauert hat. Da war die ganze Situation aber eine vollkommen andere… Ich musste da ganz neue Lebensinhalte finden, weil der Abschnitt vorher mit dem letzten Konzert schlichtweg komplett vorbei war. Dieses Mal könnte das schneller gehen. Mein Leben ist ja schon auf Kind und Familie eingestellt. Ich bin zufrieden damit. In meiner Vorstellung fühle ich mich schon kurz nach der Geburt wieder viel mehr ich selbst. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt…

Donnerstag (39+3):

Nüchterne Information, der Vollständigkeit halber: Es wurde angestupst. (Was ist „stupsen“ eigentlich für ein niedlich-abgefahren-seltsames Wort? „Stupsen“… Lach.) Bisher (wir schreiben 13:45) ist aber keine Veränderung feststellbar. Heute morgen wurde 2-3 Mal der Bauch hart und es zog etwas heftiger dabei im Rücken. Sonst aber nichts weiter. Wir schlagen uns mit Nerv-Scheiß wie unserem neuen doofen Vodafone-Router rum. Im Forum hat eine Mitschwangere heute Vormittag entbunden. 40+1. Bei Mrs. Elch startet heute der zweite Einleitungsversuch. 40+6… Kloß im Hals… Schlucke ihn runter.

Ich befinde mich jetzt gerade in so einem Zustand, in dem ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, dass eben dieser überhaupt noch ein Ende haben wird. Und das in sogar sehr absehbarer Zeit. Als Mensch ist man wahrscheinlich schon irgendwie darauf gepolt, sich zu arrangieren, sich an Dinge zu gewöhnen. Ich hab mich an diesen Zustand gewöhnt. So wie ich mich an meine Krankheit gewöhnt habe, die mich kaum einen Einkaufsladen ohne Schweißausbruch durchqueren und kaum eine soziale Situation ohne Aufregung überstehen lässt. Es ist jetzt so. Mein Bauch ist riesig. Ich bin total unbeweglich. Alle um mich herum werfen ihre Babys raus. Und ich sitze immernoch hier. Renne zum Arzt, sehe wunderbare Wehen auf dem CTG, merke mein sich bewegendes Baby im Bauch, bekomme regelmäßig einen steinharten Bauch, habe Ziehen im Rücken und absondere seltsames Zeug, renne permanent aufs Klo und kann nicht länger wach sein als bis 23:30. Ja, so ist das jetzt. Und ich vergesse immer wieder, dass es ganz bald wieder ganz anders sein wird. Dann werde ich ein süßes kleines Baby haben, mich fragen, ob die Pusteln was Schlimmes sind und ob er genug Milch bekommt, meine wunden Brustwarzen pflegen, mir über den Uni-Start Sorgen machen, versuchen, P. und T. unter einen Hut zu bringen, Babykacke weg machen, zwischendurch fasziniert T. beim Grimmassen schneiden zugucken, morgens über meinen labrig-gerissenen Bauch ganz schnell etwas drüber ziehen und ziemlich, ziemlich übermüdet sein.

Und so schliddern wir Menschen von Phase zu Phase, von Sommer zu Herbst zu Winter, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Sammeln Erinnerungen, an das, was war, machen uns Vorstellungen von dem, was kommt und sehnen uns nach Dingen, die vorbei sind. Über andere sind wir auch ganz froh… Eine überstandene Schwangerschaft gehört für mich eindeutig dazu. Wir wünschen uns oft, dass die Dinge anders wären… Dass wir uns besser fühlten, fitter wären oder unser Leben ein kleines bisschen anders.

Hardcore Zen von Brad Warner hab ich im Urlaub gelesen. Das überzeugte mich nicht in Gänze und ich persönlich brauche auch keinen Buddhismus, um die Denk- und Fühl-Ansätze, von denen er da spricht, gut zu finden. Für mich war das Buch aber in dem Moment genau das, was ich brauchte. (Ich lese gern Bücher und Gedanken von Menschen, die zweifeln und über die Welt grübeln und mit denen ich mich dadurch identifizieren kann. Ich bin immer auf der Suche nach Büchern, in denen mich Menschen – ob nun über eine fiktive Story oder vermittels ihrer eigenen Lebensgeschichte – in ihre Köpfe gucken lassen. Mich interessiert, wie Andere die Welt sehen. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie selten man wirklich nahes und authentisches in die Finger bekommt.) Brad Warner ist Punkrocker einerseits und buddhistischer Mönch andererseits. Bei ihm fand ich zum genau richtigen Zeitpunkt „Take it or leave it“-Ansätze, die ich mir vorbeten kann und die mich dazu bringen, mich runterzufahren und Momente so hinzunehmen, wie sie sind. Das ist für mich nach wie vor eine enorm schwere Übung. Ich habe schon als Kind beim Karussellfahren gefragt, was wir danach machen. Ich könnte tagelang vorm Geburtstag nicht schlafen vor lauter Aufregung. Ich bin ungeduldig und übertrieben ehrgeizig seit ich das Reflektieren und soweit ich mich zurückerinnern kann.

So in etwa sehen meine „Mantren“ aus:

  1. Tu, was jetzt gerade dran ist.
  2. Konzentrier dich nur darauf, was du jetzt gerade in diesem Moment tust.
  3. Hör auf damit, die Dinge einfach nur hinter dich zu bringen und im Moment schon beim danach zu sein. Sei hier!
  4. Es gibt nichts, was irgendwie eindeutig besser oder schlechter ist. Alles ist zunächst einmal.
  5. Versuche, nur wahrzunehmen, was du jetzt wirklich wahrnehmen kannst. Ohne Vergleich. Ohne Bewertung. Ohne Einordnung. Ohne Abwerten.
  6. Frag nicht, was jetzt besser wäre oder was anders sein müsste, damit es besser wäre.
  7. Wenn du krank bist, nimm auch den Zustand so wie er ist, ohne ihn mit dem Gesundsein zu vergleichen.
  8. Tu, Tu, Tu es einfach und tu es ganz bewusst!

Man hat schließlich (fast) immer die Wahl: Man kann sich fertig und alles noch viel anstrengender machen durch Grübelei, Gejammer im Sinne von „viel besser-schöner-toller wäre es jetzt, wenn…“ und Selbstbemitleidung (das kann ich zum Beispiel ganz hervorragend). Oder man versucht, wahrzunehmen, was ist: Aha. Ich habe gerade echt starke Rückenschmerzen. Draußen fährt ein Müllauto lang und macht krach. Der Regen trommelt auf mein Fenster, durch den Wind schwillt er an und wieder ab… Das ist wirklich eine gute Übung, hab ich festgestellt – ich glaub, in der Psychotherapie nennt man das „Achtsamkeitstraining“. Schon mal versucht, dich beim Zähneputzen nur und ausschließlich auf’s Zähneputzen zu konzentrieren? Also wirklich einzig und allein auf diesen Vorgang? Durch sowas kann man wirklich in Trance-ähnliche Zustände kommen. Wenn ich merke, dass meine Gedanken, mein Gegrübel und Gehader mal wieder aus dem Ruder laufen, versuche ich mich mit Hilfe dieser „Gedächtnisstützen“ zu „besinnen“. Und das klappt bei mir bisher noch mit am besten… Also besser als autogenes Training, Yoga oder Muskelrelaxion zum Beispiel. Weil ich es viel akuter anwenden kann. Und weil es bei mir schon alles eher über den Kopf geht.

Huch… Was für ein weites Abschweifen war das denn jetzt? Naja… Herzlich Willkommen in meinem Kopf. So sieht’s hier aus, so geht’s hier zu. Tadaaaa… Und eigentlich war ich total motiviert, meine Studienleistung heute zu schreiben…

…. …. ….

Oh Mann.. Ich schwöre, ab morgen gehe ich nur noch mit Schild auf die Straße! Auf dem steht: JA. ES IST EIN ENORMER BAUCH. JA, ES MÜSSTE BALD KOMMEN. JAAAA, GENAU, ES WERDEN SICHER ZWILLINGE. Gääääähn… Schon deshalb wäre es toll, wenn’s dann doch so langsam ein Ende hätte.

Nachdem wir uns mit J&J und K&T im Kinder-Spieledings getroffen habe, gehen wir essen. Ja, entspannt ein bisschen. Außerdem haben wir seit Wochen nicht mehr wirklich was zu Essen im Haus… Bzw. Nur für die nächsten 2-3 Tage. Könnte ja was dazwischen kommen. Ich bekomme langsam Paranoia. Alle starren mich an… Wo ist mein Schild, wenn ich es brauche?? „Was ist los?“ fragt mich K. „Ich kann einfach nicht glauben, dass ich Immernoch schwanger bin…“ Ich glaub, er kann es überhaupt nicht mehr hören. Aber er gibt sich echt Mühe, das zu überspielen. Dafür verdient er Liebe, finde ich.

Plötzlich bekomme ich wieder Geburtspanik. Hä? Was soll das denn? Die ganzen Tage jetzt war ich fast „heiß“ auf die Geburt und jetzt plötzlich wieder Schiss? Nee, nee… Komm schon, Hirn! So jetzt nicht. Mir geht’s aber gerade irgendwie echt nicht gut. Mir ist schummerig, die Niere tut weh, ich bin kaputt.. Jetzt gerade hab ich wieder ein bisschen Angst, dass es in so einem „ungünstigen“ Moment losgeht… Nö Mann! Es gab auch gute Tage. Wenn ich schon warten muss, dann soll es bitte an so einem energetischen losgehen.