Schwanger sein: So war die 39. Woche (Teil 1)

Montag (38+0):

01:15. Ich wache von zunehmend stärker werdenden Flankenschmerzen auf. Drücke das rote Knöpfchen. Eine Hebamme kommt ins dunkle Zimmer und bringt mir kurze Zeit später eine Infusion und ein warmes Kirschkernkissen. Die Infusion wirkt binnen Minuten. Wunderzeug!

03:06. Ein Baby schreit jämmerlich, direkt vor meiner Tür. Ich muss mich orientieren. Ach ja, ich bin Krankenhaus… Kreißsaalstation. Muss aufs Klo. Gegenüber das Zimmer, in dem die Notfallversorgungen für Neugeborene im Falle des Falles stattfinden. Hektik, Diskussionen, Krach… „Das war wirklich nicht absehbar, Frau Doktor.“ – piep-piep-piep – „Ja, aber das hätte man doch…“ – piep-piep-piep – uäh Uäh uäh uäh. Stille. Piep-piep-piep… Uäh uäh. Ich gehe zurück in mein Zimmer. Zu welcher Frau gehört das Baby? Die, die gestern im Nebenzimmer so laut getönt hat? Die, deren Baby so heftig auf die Einleitung reagiert hat, dass sie nach den wehenfördernden direkt wieder wehenhemmende Mittel bekommen musste? Ich schlafe erst über 1,5 Stunden später wieder ein, als das Baby endlich aus dem Flur gefahren wird. (Zwischendurch haben die Ärzte gelacht. Es wird also nichts Schlimmes gewesen sein…) Ich muss hier raus…

Morgens. Ich darf nichts essen. „Wenn dann doch schnell eine Schiene gelegt werden muss, müssen Sie nüchtern sein.“ Schiene? Ich will keine Schiene?!? WartenWartenWarten. CTG soll noch geschrieben werden vor der Untersuchung. Im Krankenhaus ist man nur eine Nummer. Ich bin dauernd am Warten. Schon wieder so nervös, dass mir der kalte Schweiß ausbricht. Ich hab das alles so satt… Um 7. Um 8. CTG ist okay. Keine Wehen, nur zwei kleine unregelmäßige Kontraktionen. Um 9. Mein Kreislauf sackt ab… Laufe auf der Neugeborenen-Station vorbei. Kleine Ohren, Nasen, Gequake, fertige Frauen, verliebte Typen. Das ist alles noch so weit weg.

Untersuchung bei der Urologin. Sie sagt, dass sich schon Harn in den Nieren staut, aber nicht schlimm. Aber da wäre wohl viel Zeugs im Urin. Empfiehlt nochmal ein stärkeres Antibiotikum gegen den Infekt. Entlasten der betroffenen Seite, Ruhe, viel trinken. Sie sieht keinen Grund, einzuleiten. Ich soll wiederkommen, wenn Fieber, Schüttelfrost, Extreme Schmerzen. „So schlimm ist das jetzt alles nicht, das habe ich schon schlimmer gesehen!“ Man selber hat so zu tun damit und für die ist das alles so harmlos… Aber: Ich darf nach Hause! Ich freu mich! Die Schmerzen fangen aber gleich wieder an. Ich lasse mir noch eine Paracetamol-Infusion geben, die Nadel wird aus dem Handeglenk gezogen, ich bekomme Antibiotikum und Buscopan-Zäpfchen mit. „Gut Frau J., dann beehren Sie uns bald wieder.“ – „Ja, aber hoffentlich erst zur Geburt“ sage ich.

Es ist so seltsam. Im Krankenhaus steht die Zeit still. Man ist so festgelegt auf nur das, was da passiert. Auf seinen Körper. Die nächste Untersuchung. Die Schmerzen. Draußen ist Herbst geworden. Ich war da nur zwei Tage drin und trotzdem fühlt sich draußen alles anders an. Ich habe großen Respekt vor allen, die schon Wochen und Monate im Krankenhaus verbracht haben. Ich glaube, man muss da echt aufpassen, nicht durchzudrehen…

Decke mich mit Kirschkernkissen und Tee ein. Zuhause auf’s Sofa. K. ist wahnsinnig fürsorglich. Ich fühle mich gleich viel besser. Das fehlt einem im Krankenhaus. Echte Fürsorge. Berührungen. Liebe!

Dienstag (38+1):

P. wacht morgens um 6 schreiend auf. Sie hat von einem Fahrstuhl im Krankenhaus geträumt, der plötzlich zu gegangen ist und sie ist allein drin. Gott, mein armes Kind… Sie nimmt das alles ziemlich mit. Dazu noch der grippale Infekt… Ich fühle mich mies, weil ich so wenig für sie da bin gerade.

Die Schmerzen sind auch spürbar. Auch Schmerzen beim Pinkeln zunehmend. Mistmistmist, verdammter Kackmist!!! Wieder Krankenhaus? Sie hat gesagt, wenn es beim Pinkeln brennt, soll ich kommen. Bloß nicht. Hab kein Fieber, kein Erbrechen, kann noch reden. Was soll ich nur machen? Buscopan rein. Auf’s Sofa. Ich bin so durch den Wind… Einleiten? Kaiserschnitt? Abwarten? Gehe immer wieder die Optionen durch, die alle so überhaupt nicht verlockend sind. Ein weiterer Tiefpunkt: Ich will nicht mehr, ich kann keine Schmerzen mehr ertragen!! Ich kann einfach nicht mehr. Ich bin total erschöpft. Am Ende. Total kraft- und willenlos. Fühle mich zu schwach, um vom Sofa zum Bad zu gehen und bin danach völlig erledigt. Wie soll ich denn in der Verfassung ein Kind zur Welt bringen???? Wie???? „Lass ’nen Kaiserschnitt machen“ sagen die Frauen im Forum. Ich will das aber nicht. Glaub ich… Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was ich diesbezüglich will oder kann… Ich will einfach nur noch aus sein. Ich will, dass es vorbei ist.

… … …

Die Schmerzen lassen langsam nach. Aber ständig schießt die Panik fies in Kopf und Bauch… Schweißausbruch, Zittern… Ich hab wirklich richtig Angst. Panik vor Schmerzen. Ich hab das Gefühl, verrückt zu werden. Angst. Einfach nur wahnsinnige Angst! Ich komme überhaupt nicht mehr runter… Will irgendwie flüchten, weiß doch aber, dass das nicht geht.

Gucke aus lauter Verzweiflung doof-TV. Das hätte ich schon viel eher machen sollen… Lenkt gut ab. Und dann endlich ein sinnvoller Gedanken-Dreh: „Hey! Es geht doch hier um unser Baby! Um mein Kind!“ Tatsächlich habe ich das vor lauter Gedanken an Schwangerschaft, Geburt, Schmerzen, Entscheidungsdruck und „es soll aufhören“ fast komplett aus den Augen verloren. Mache mir Notizen. Denke an das Baby. Stelle mir vor, dass er in meinem Bauch so aussieht wie die Babys der Station 9… Das hilft! Versuche, die Gedanken festzuhalten und die Panik wegzuschieben. Es geht mir schon besser… Ich komme über den Tag mit viel Fernsehen, Liegen, Trinken, aber dafür ohne Schmerzmittel. Bin endlich nicht mehr so verzweifelt. Vielleicht geht der Plan doch noch auf? Vielleicht wirkt das Antibiotikum, die Schmerzen gehen weg und ich komme wirklich nochmal zu Kräften? Komm, mein Baby! Wir schaffen das… Nach der Geburt wird alles das hier so egal sein.

Abends dann ein gemeiner Dämpfer. Kaum sind P. und K. wieder da und ich beginne, mich ein bisschen zu bewegen, kommen auch die scheiß Schmerzen zurück. Wieder so extrem, wie sie seit Tagen nicht mehr waren. NeinNeinNein! Verdammte scheisse!!! Kann mich nur noch in die Wanne schmeißen und heulen. Nehme wieder ein Zäpfchen. Die Schmerzen lassen nach. Mir wird schlecht. Ich schiebe mir trotzdem etwas Essen rein. Denke bei jeder Nahrungsaufnahme daran, dass ich das später auskotzen werde, wenn die Geburt jetzt beginnen sollte. Versuche, P. ins Bett zu bringen. Schaffe es nicht. Schleppe mich nur wieder zum Sofa. Armer K., der übernimmt hier alles gerade. Schmeiße Avena Sativa ein und hoffe auf einen schnellen, steinernen Schlaf…

Mittwoch (38+2):

Schlafe fast durch. Wirre Träume mit Inhalten aus Schultagen. P. hat wieder normal geschlafen, benimmt sich heute morgen aber wie ein pubertierender Teenager. Weint ständig los, meckert nur rum, sagt „Lass mich in Ruhe!“ – sie wirkt auch ziemlich durch den Wind. Schmerzen bisher immerhin nur dumpf. Heute aber wieder mehr Panik. Ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend. Bekomme die Angst nicht weg… Versuche, wirklich ganz bewusst ans Baby zu denken. Streichle meinen 120 cm-Bauch.

Frage mich, woher die Schmerzen in der Flanke eigentlich kommen. Von der gestauten Niere? Von der Entzündung? Vom Infekt? Oder liegt da ein Nerv? Es ist seltsam, weil die linke Niere laut Urologin weniger gestaut ist ist als die rechte. Aber ich hab die Schmerzen linksseitig, immer an exakt der selben („selbsten“, wie P. sagen würde) Stelle. Google verrät mir nichts. Stoße nur wieder auf Horrorgeschichten. Lasse das sein. Schreibe lieber einen Bericht über die letzte Woche und das Krankenhaus-Wochenende. Schreiben hilft. Wie schon so oft…

Heute traue ich mich, wider etwas mehr zu sitzen. Laufe rum. Ignoriere den dumpfen Schmerz. Bin nach wie vor ziemlich fertig, habe seltsame Hitzewallungen und den grippalen Infekt von P. mit abbekommen. Aber keine Schmerzmittel bisher gebraucht. Ablenkung und… Da! Der Bauch wird hart!! Zum ersten Mal seit Tagen wird mein Bauch wieder hart! Ich freue mich darüber tatsächlich total… In den nächsten Stunden wird er alle halbe Stunde hart. Und dann? Eine Wehe! „Back in the Game“ denke ich und erkläre meinem Bauch: „Morgen, mooooorgen, T. – morgen ist ein toller Tag!“ Meine Mutter würde P. aus der Kita holen, sie könnte übers Wochenende bei meinen Eltern sein. Ich stelle mit das gut vor. Fühle mich gar nicht mal so unbereit plötzlich. Komm, T., wir schaffen das! Dann sparen wir uns auch den beknackten 8-Uhr-Termin bei der Gyn… Ha! Ich hab meinen Galgenhumor wieder.

Es geht bergauf!!!

Schwanger sein: So (beschissen) war die 38. Woche

Montag (37+0):

CTG bei der Gyn. Morgens harter Bauch und so… Ich sage zu K.: „Bin mal gespannt, ob der Wehenschreiber was anzeigt…“ Kaum an das Ding angeschlossen: Eine Wehe. Eine ECHTE WEHE! Deutlich links in der Leiste ziehend spürbar, schmerzhaft. Okaaaay… Dann noch eine, noch eine, noch eine… Insgesamt fünf Stück in 25 Minuten aller fünf Minuten. Heute also? Ich spiele das durch… Wäre jetzt doch ganz schön plötzlich… Andererseits: Das Wochenende war entspannt, wir haben ausgeschlafen… K. ist ganz bleich. Die Gyn sagt „Ja, schon schön regelmäßig. Wir gucken’s uns Mal an.“ – „Der Muttermund ist weich, aber noch fest verschlossen, das Köpfchen noch problemlos abschiebbar.“ – (zugegeben: Enttäuschung bei mir) – „Das können auch Senkwehen sein, dann geht er aber wahrscheinlich über Termin.“ – (Na Danke auch…) Kaum war hing ich nicht mehr am CTG, waren auch die Wehen in der Form nicht mehr da. Ich weiß jetzt gar nicht, was ich davon halten soll und höre auf jeden Zipp meines Körpers. Der Bauch wird regelmäßig hart, sonst nichts weiter.

Dienstag (37+1):

Normale Nacht gehabt. Prüfe bei jedem Klogang – und davon gibt’s ’ne Menge -, ob etwas „Verdächtiges“ zu sehen ist. Nichts. Auch keine wirklichen Wehen mehr. Manchmal ein Ziehen an der Stelle, an der es beim Arzt auch gezogen hat, dann halte ich inne… Wehe? Nein… Der Bauch wird regelmäßig zur Bowlingkugel, aber nichts schmerzhaftes. Erledige Schreibkram. Bin nach wie vor verwirrt. Was sollte das denn gestern?

Mittwoch (37+2):

Nacht war wieder normal. Vormittags zur Akkupunktur, 2. Mal. Weiß noch nicht einmal, ob ich an die Wirkung glaube. Die Studien dazu klingen ja verheißungsvoll „Durchschnittlich zwei Stunden kürzere zweite Geburtsphase“ – nehme ich. Frage meine Hebamme – die im Übrigens jünger ist als ich, was ich manchmal komisch finde, weil „Hebamme“ so nach alt-weiser Frau klingt -, was das am Montag wohl zu bedeuten hat. „Vorbereitung“ sagt sie. Finde die Antwort gut. Sie hat ja Recht. Irgendwas passiert halt und irgendwann wird es halt losgehen… Blöde Grübelei! Sie tastet nach T.s Lage: „Der ist noch nicht fest“ sagt sie, macht „ü-i-ü-i“ während sie T.s Köpfchen mit dem Zangengriff ein wenig hin- und her schiebt. Gehe danach einkaufen, zum Frisör und mit P. nachmittags zur Musikstunde. Wir sind sieben Familien mit Kindern, die etwa drei Jahre alt sind und drei haben im letzten Jahr ihr zweites Kind bekommen. Ich bin im Babyfieber und extrem fasziniert von der sechs Monate alten E., die mit dem schönen Namen, den auch unser 2. Kind bekommen hätte, wenn es kein Junge wäre… Eine Mutter und ich haben den gleichen ET und prusten-schnaufen zusammen rum. Der Austausch tut gut. Die Babys zu sehen tut gut. Ich will auch!!! Das war ein langer Tag, abends entsprechend fertig mit schmerzendem Körper auf’m Sofa. Wehen? Nicht wirklich… Harter Bauch? Ja, nach wie vor. Und Stechen zwischen den Beinen, regelmäßig.

Donnerstag (37+3):

Bisher konnte ich ja durchschlafen. K. und ich sind vor der Glotze eingepennt. Um 4:00 war ich wach und konnte nicht mehr schlafen. Gibt kaum was, dass ich weniger ab kann als nicht schlafen zu können (hatte Schlafprobleme früher). Gedanken rasen wirr durch meinen Kopf… „Wann geht es los? Wann geht es los? Maaaaaann… Beruhig dich! Er kommt, wann er kommt! Er kommt, wann er kommt! Er kommt, wann er kommt! Muss meine Studienleistung noch schreiben… Ah, was ist das für ein Schmerz?“ 1-2 Wehen waren dabei, glaub ich. Forscher in mir kommt raus: Wann sind die Babys denn eigentlich „fertig“? Also wodurch wird der Startschuss zur Geburt gegebenen? Woran liegt es, wenn es nicht losgeht? Lese von verschiedenen Theorien… Zum Beispiel: Babys schütten Hormone aus, sobald die Nährstoffmenge nicht mehr reicht, und die Baby-Hormone lösen dann bei der Mutter wiederum Hormonfreisetzung aus, die dann Wehen erzeugen. Cortisol, Oxytocin, Progestoron, Östrogen, Prostaglandin, … Heißt das dann, wenn eine Geburt nicht losgeht, dass das Baby einfach noch gut genug versorgt wird, im Bauch der Mutter? Könnte auch heißen, dass die Hormon-Schaltzentrale bzw. -Kommunikation zwischen Kind und Mutter nicht richtig funktioniert… „Hormone“… Eh so ’ne crazy Sache… Irgendwann gegen 06:30 schlafe ich dann wieder ein.

Freitag (37+4):

Mein Körper macht merkwürdige Sachen… Wenn er dann wieder etwas merkwürdige tut, bei dem ich denke „Das könnte ja vielleicht darauf hindeuten, dass…“, dann wird mir komisch. Aber gar nicht freudig-erregt-komisch, sondern ANGST-komisch. Ich würde mich so gern bereit fühlen für die Geburt… Aber so fühle ich mich nicht und so werde ich mich wohl auch nie fühlen. Ich fühle mich bereit für mein Baby, das ja. Aber ich fühle mich an keinem Tag stark, in der Lage und „gut“… Das ist das Absurde an diesem Zustand: Ich warte ungeduldig und will, dass dieser Zustand des Kriechens und Keuchens endlich vorbei ist und dass ich mich wieder bewegen und atmen und schlafen kann wie ein halbwegs fitter Mensch. Und ich will mein Baby. Gleichzeitig ist kein Tag der „richtige“ für die Geburt… Von meinem Gefühl her kann ich gar nicht so fit sein, wie ich es sein müsste, um das irgendwie… ich weiß auch nicht wie… vielleicht „problemlos“?… zu überstehen. Beim ersten Mal weiß man nichts. Und ist deshalb tierisch aufgeregt. Beim zweiten Mal weiß man, was einen erwartet. Und hat deshalb einfach nur Schiss… Ich hab Angst vor den Schmerzen. Angst davor, mich wieder so ohnmächtig zu fühlen, so willen- und kraftlos, so ausgeliefert, dass ich nur noch wimmernd denken kann „Mach, dass es vorbei ist… Egal wie.“ Ich freue mich wirklich auf das Danach. Auf mein Baby, auf das Kennenlernen, auf die ersten tollen Tage. Aber den Teil davor, den würde ich gern ausblenden. Auch wenn man sich danach fühlt wie ein Superheld…

Der Tag war voll. Morgens Hebamme. Danach Frisör. An meiner studienleistung gearbeitet und einkaufen mit P. und K. Die Quittung bekomme ich sofort. Schon im Einkaufsmarkt kann ich kaum noch Laufen, habe starke Rückenschmerzen. Denke halt: Belastung. So war das ja in den letzten Wochen schon… Viel laufen = starke Rückenschmerzen. Zuhause muss ich mich hinlegen, schleppe mich in die Wanne. Bekomme es damit halbwegs hin. K. kocht abends, wird schmeißen einen Film rein. Plötzlich kommen die Schmerzen wieder. Fangen vorn links unterm Bauch an, gehen dann in die Flanke links. Ich versuche mich zu bewegen, dadurch was zu verändern. Aber es ändert sich nichts. Die Schmerzen werden von Minute zu Minute stärker. Wie sehr starke Wehen, aber ohne Pause. Ich schleppe mich ins Bad, bekomme starken Durchfall. Und Angst. Das ist heftig… Bekomme Panik, rufe K. Ins Krankenhaus fahren? Jetzt? Geburt? Die so anfängt? Ich will nicht!!! Das können keine Wehen sein… K. lässt mir eine Wanne ein. Ich schmeiße mich rein, es wird etwas besser. T. Bewegt sich stark. K. gibt mir eine Paracetamol. 20 Minuten später lassen die Schmerzen nach. Meine Mutter vermutet einen geklemmten Nerv. Ich schlafe ein.

Wochenende (37+5 – 37+6):

Ich schlafe durch, hab geschlafen wie ein Stein. Wache morgens gegen 6 mit klopfendem Herzen auf. Bin unglaublich unruhig und nervös. Was war das? Ich hab keine Schmerzen mehr, aber ich bin so unruhig. Im Forum werden Nieren vermutet. Ich google. Haut hin. Hatte Montag auch Blut im Urin. Wecke K. Ich will ins Krankenhaus, das abklären lassen. Bin total dir durch den Wind, komme weder runter, noch klar. K. ist ruhig… „Das wird schon. Jetzt sind die Schmerzen doch weg.“ Ich zittere total, hinter mir quäkt P. in ihrem Sitz „Warum fahren wir jetzt ins Krankenhaus?“

Wir werden direkt in den Kreißsaal geschickt. Eine Hebamme kommt aus dem Aufnahmezimmer, ich erkenne in ihr eine alte Freundin aus Grundschulzeiten. Werde sofort ruhiger. Sie nimmt meine Daten auf („Dann haben wir das für die Geburt gleich erledigt.“), schreibt CTG. T.s Herztöne sind ganz schön hoch… Urinprobe. „Viel Blut im Urin.“ Eine Ärztin wird gerufen. Ultraschall, Blut, Muttermund. „Nieren sind gestaut.“ Es muss geschaut werden, ob eine Infektion vorliegt. Vor allem auch bei T. Die hohen Herzfrequenzen könnten darauf hindeuten. Das Problem ist, dass sich der Harn in der Niere staut und nicht abfliessen kann. Vor allem ein Problem, wenn der Harn infiziert ist. Die Schwangerschaft ist der Grund. „In Ihrem Stadium wäre es das beste, Sie würden Ihr Kind bekommen. Vielleicht müssen wir einleiten.“ Muttermund ist fingerdurchlässig, leichte Wehenaktivität. Ich bekomme ein Zimmer auf der Kreißsaalstation. Es ist seltsam, wieder hier zu sein. Vor 3 Jahren wurde P. hier geboren. Schmerzen hab ich keine zu dem Zeitpunkt.

Die nächsten CTGs sehen gut aus. T. hat sich beruhigt. Aber es sind Bakterien im Urin. Ich soll über Nacht bleiben. P. und K. bringen mir meine Tasche. P. versteht nicht so richtig, weint doll beim Abschied. Herzschmerz… Einleiten? Morgen? ICH WILL NICHT!!! Oder?? Ich bin völlig durcheinander… Währenddessen bekommt eine aus dem Forum gerade ihr Kind… Und nebenan brüllen die Frauen und Babys. Nachts bekomme ich wieder Schmerzen, zunehmend auch beim Pinkeln. Verdammt!

Sonntag. Ja. Ein Harnwegsinfekt also, den Werten nach aber kein schlimmer. Ich bekomme ein Einmal-Antibiotikum. Ich nehme Immununterdrücker wegen dem Crohn, das heißt, Fieber und Entzündungen habe ich in dem Sinne nicht… Ich mache mir Sorgen… Ich bin fertig. Das Krankenhaus macht mich kirre. Ich google zu viel. Ich hab wahnsinnige Angst plötzlich. Was steht da für ne Wahl? Entweder unerträgliche Schmerzen durch Einleitung, die in einem Not- Kaiserschnitt enden könnten, weil ich einfach zu erschöpft bin. Oder unerträgliche Schmerzen nach einem geplanten KS. Noch länger im Krankenhaus, noch weniger für P. da sein. Ich weiß jetztbgar nichts mehr, bin total verunsichert. Was will ICH denn? Ich will nichts.. Ich will, dass alles schon hinter mir haben. Ich will nichts entscheiden müssen. Will keine Schmerzen mehr. Will nicht im Krankenhaus sein. Will nicht die Frauen entbinden hören.. Ich hab Angst, Angst, Angst! Die CTGs sind okay, kaum noch Wehen. Die hoffnungen der Hebammen, er würde sich allein auf den Weg machen sind weg. „Ich will… Ich kann jetzt auch nicht gebären. Ich schaffe das einfach nicht…“ denke und sage ich. Von Kaiserschnitt halten die nichts. Ich eigentlich auch nicht. Man will den nächsten Tag abwarten, mich bei Urologen vorstellen… Die Werte sind Immernoch okay, keine große Entzündung. Dafür kommen die Schmerzen jetzt regelmäßig wieder. Scheisse. P. weint erbitterlich beim Abschied „Die Mama soll mitkommen!“ und ich weine dann auch… Ist mir alles zu viel… Ich kann keine Schmerzen mehr ertragen. Ich will diese Entscheidung nicht treffen müssen. Ich will nicht gebären. Ich will nicht, ich kann nicht… Tiefpunkt… Uähä… Ich will zu meiner Maaaamaaaaa… „Sie haben langsam einen Krankenhaus-Koller, was?“ Endlich spricht dann eine Hebamme mal länger mit mir. „Vielleicht gehen Sie nochmal nach Hause, kommen zu Kräften und dann ausgeruht wieder für die Geburt.“ – „Ja“ denke ich… „ich will nach Hause.“ Das hier, die tönenden Frauen, Notfallversorgungen an Babys, Krankenhaus-Atmosphäre, das ständige CTG-Schreiben, das Piepen, das warten auf was auch immer.. Das macht mich nur irre. Ich will nach Hause, nach Hause, nach Hause. Ich bin emotional echt am Ende gerade…

Trächtigkeitsstatus aktuell:

  • Mein letzter Schwangerschaftsmonat (10. Monat)
  • 39. Woche (rechnerisch), SSW 38 (+ 0–6 Tage)
  • noch 2 bzw. 1,5 Wochen bis zum errechneten Termin
  • 8 Monate + 2 Wochen nach Befruchtung
  • T. ist 36 Wochen alt
  • 253. bis 259. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby: ca. 50 cm
  • Kopfumfang: ca. 36 cm
  • Gewicht: ca. 3300 g (letzte Schätzung an 36+4 = 3500 g)
  • Fußlänge: ca. 8 cm

Ich habe immer wieder Kontraktionen in Form eines harten Bauchs, meistens nicht schmerzhaft. So sieht das auf der Wehenkurve aus:

wehenkurve 38. ssw

Jahaaa… Da könnte man eigentlich schon voller Hoffnung sein, sieht ja so schön regelmäßig aus. Ist aber nichts weiter… Vorbereitung, Senkwehen, was weiß ich…

Tja. Irgendwie bin ich echt davon ausgegangen, dass es keinen Beitrag mit dem Titel „So war die 39. Woche“ geben wird.

 

WordPress hat mir übrigens heute mitgeteilt, dass mein Blog Geburtstag hat. Stimmt… Am 01.09.2011 habe ich diesen Blog aufgesetzt und meinen ersten Beitrag veröffentlicht („Das Kind steht nun langsam aber sicher frei! HURRA!“).