Schwanger sein: 40. Woche (1)

Fuuuuck, ich glaube das echt nicht! VIERZIGSTE WOCHE! VIER – ZIG – STE! Ich bin schwanger seit ZWEIHUNDERTSECHZIG Tagen! Seit 260 verdammten Tagen dreht sich der überwiegende Teil des Tages um meine körperliche Verfassung. Und genau wie am Ende der Schwangerschaft mit P. weiß ich gar nicht mehr, wie es eigentlich ist, nicht schwanger zu sein. Aufstehen ohne Schmerzen. Laufen ohne sofortige Anstrengung. Sitzen ohne Krämpfe. Trinken ohne unmittelbaren Piss-Drang. 23:00 nicht vollkommen erledigt sein. Sich über Themen jenseits der eigenen körperlichen Grenzen austauschen. ALKOHOL!

ICH KANN DIESE WAMPE NICHT MEHR SEHEN! Dieser schrecklich gerissene, mich andauernd behindernde 120 Zentimeter-Bauch… Diese Ungewissheit, wie die Geburt verlaufen wird, ob alles gut gehen wird, ob es T. gut geht. Das macht mich mürbe! Ich will einfach nur noch wissen, dass es ihm gut geht und dass wir es geschafft haben.

Ich hasse diesen Zustand kurz vor knapp…

Montag (39+0):

Kurz vorm Schlafen gehen muss ich – uah – meine Hose wechseln. Schleeeeeeimmmmmm… K. knallt sich neben mich ins Bett, ich quatsche ihn zu, obwohl ich gerade noch müde war. Zum Glück schlafe ich dann doch ein…

Kurz vor 6 werde ich wach. Aus dem Bett hieven. Aua, Bauch hart! Pinkeln. Augen nicht zu weit auf machen. Hinlegen, wieder schlafen – losloslos! Nee, geht nicht. Bauch zu hart, Kopf zu wach. Ziehe auf’s Sofa um. Kurze Zeit später: Wieder Klo. Bin unruhig, hab Darmprobleme. Bilde mir ein leichtes Ziehen im Rücken ein. Könnte das…? Neeein! Hör jetzt auf mit dem Scheiß. GeduldGeduldGeduld… Er kommt, wann er kommt.

Um 7. Kind wird wach. Alle haben gute Laune, das steckt an. Frühstück. Esse mein „Komm raus da“-Müsli: Müsli mit Leinsamen, Zimt, Kakao und Honig. Kind wird von K. in die Kita gebracht. „Omi holt dich heute ab.“ – „Nein, ihr sollt mich abholen!“ – „Na dann musst du ihr das sagen.“ (Immer der gleiche Dialog und immer begrüßt sie ihre geliebte Omi freudestrahlend-überschwänglich). Beschäftige mich mit Themen. Darm rumort, Bauch wird hart. Trinke Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Mag nicht zur Gyn. 11 Uhr Termin. Hab immer Schiss, dass ich während dem CTG auf’s Klo muss. Aber mich interessiert, ob das Rückenziehen vielleicht doch etwas in Richtung Wehen ist.

Kurz nach 11. Erfreulich: Bei der Gyn ist nicht viel los. Ich muss schon wieder dringend pinkeln. Klo besetzt. Ein Klo für eine Gyn-Praxis mit haufenweise Schwangeren ist auch ziemlich knapp bemessen. Werde direkt ans CTG angeschnallt. Herzfrequenz ist in Ordnung. Keine Wehen. Ernüchterung. „Da ist nichts. Nichtsnichtsnichts!“ sage ich zu K. Mann, ich bin echt enttäuscht. „Der faule Sack!“ sagt K. Wir schweigen. „Jetzt piekt’s hier im Bauch.“ sage ich… „Was ist das denn für eine Zahl da rechts neben der Herzfrequenz?“ fragt K. „Keine Ahnung, die heißt nichts, glaub ich…“ -„Hm, das geht aber immer höher. Normal war das bei 10, das klettert gerade auf 70, 80, 90, 100…“ – „Naja, es piekst halt ein bisschen und zieht ein bisschen im Rücken. Aber wenn das ’ne Wehe ist, dann nur eine ganz Kleine.“ – „Ähm nee, das glaub ich aber nicht, die klettert ganz schön weit hoch.“ sagt er und deutet auf das Blatt, was aus dem CTG kommt:

ctg 40. ssw

„Oha… Hab ich jetzt aber gar nicht so doll gemerkt.“ Die Schwester kommt rein und staunt: „Die ist aber ordentlich! Dann lassen wir Sie mal noch eine Weile dran.“ Lässt sie mich auch. 30 Minuten. Die ersten beiden Wehen kommen im 10-Minuten-Abstand. „Wenn Sie noch können, dann warten wir nochmal 10.“ sagt sie. Und ziemlich genau nach der Zeit kommt die 3 Wehe. Die ist so bei 130. „Na, ich glaub nicht, dass wir uns noch einmal hier sehen.“ sagt sie. Und ich werde so ein bisschen euphorisch. Bin gespannt, was die Ärztin sagt und hoffe, dass sie mir nicht wieder einen Dämpfer verpasst.

„Hallo, Frau J., Sie haben ja schon schöne Wehen. Ich würde mir deshalb jetzt nochmal gern den Muttermund anschauen.“ – „Ich weiß gar nicht, ob ich’s wissen will..“ murmele ich. … … „Der Muttermund ist ganz weich und einen guten Zentimeter geöffnet. Ich kann das Köpfchen gut tasten, das ist fest. Gebärmutterhals ist noch da, aber nur wenig, etwa 1,5 cm. Vielleicht pendelt es sich ja wirklich jetzt ein. Ich sage Mal, wir sehen uns nicht nochmal.“ – Juhuuu! HibbelHibbelHibbel FreudeFreudeFreude… Vielleicht fängt die Geburt wider Erwarten doch noch ganz normal an,  mit zunehmend stärker werdenden Wehen. An einem Tag, an dem P. eh bei meiner Mutter ist? Ich denke „Länger als 2-3 Tage wird das nicht mehr dauern… Und vielleicht geht’s auch schon heute los…!“ Das wäre toll, weil ich heute echt guter Dinge bin irgendwie. Hach, diese Stimmungsschwankungen!

Zuhause… K. verfällt in die männliche Version eines Nestbautriebs. Baut den Kindersitz ins Auto, bringt sämtlichen Müll runter, schrubbt die Küsche, rasiert sich („Damit ich T. nicht so kratze“) und ich packe ganz geschäftig P.s Tasche für meine Mutter und wippe beim Tippen auf dem Pezzi-Ball auf und ab. Ich will mich nicht reinsteigern. Ich hab noch keine Schmerzen, der Bauch wird oft hart, das Ziehen im Rücken ist noch undeutlich. Ich denke, ich will mal in die Wanne gehen. Vielleicht sollten K. und ich doch nachhelfen? Ach… Ich bin gerade so gut drauf und will das langsame Hochschaukeln eigentlich nicht gleich gegen Sturmwehen eintauschen. Gott, bin ich gespannt, ob es nun wirklich tatsächlich losgeht! Halloooo T. und Körper: Wenn die Geburt echt so anfängt wie ich’s mir gewünscht hab und tatsächlich unkompliziert verläuft, dann ist der ganze Schwangerschaftsmist sofort vergeben und vergessen. Versprochen!

Nachmittags. Surfe rum. Versuche, mich irgendwie nicht zu sehr darauf zu konzentrieren, was mein Körper macht. Klappt nicht. Der Bauch wird immer wieder hart. Ab und zu ein Ziepen. Nichts weiter. Zögere die heiße Wanne hinaus. Hab Angst vor der Enttäuschung. Gehe dann doch… Und? Klar. Enttäuschung. Keine Verstärkung, einfach gar keine Veränderung. Versuche, mich nicht zu heiß zu machen. Am Ende ist das wieder alles nur „Vorbereitung“ und dieses Kind kommt erst in zwei Wochen. Ich glaube das aber nicht… Eigentlich. Oder? Ach Mensch, immer diese (emotionalen) Testläufe. Es hätte ja jetzt auch einfach mal kontinuierlich stärker werden können. Oder? ODER?

Dienstag (39+1):

Ich wache irgendwann auf und checke, ob ich was merke. Es zieht ein bisschen, der Bauch wird hart. Ich muss mich auf die andere Seite legen. Aber sonst? Nichts. Nichtsnichtsgarnichts! Auch wenn es albern ist: Mir ist nach Heulen. Was macht mein Körper mit mir? Warum verarscht er mich so?

Dieses hin und her… Da wird man doch bescheuert. An 35+0 völlig überraschend regelmäßige Wehen auf dem CTG. Wären die nicht gewesen, hätte ich mir zu dem Zeitpunkt doch nie im Leben schon Gedanken gemacht, dass es bald losgehen könnte! Befund noch unreif zu dem Zeitpunkt… Muttermund noch zu, aber weich. Köpfchen abschiebbar. Dass der Kopf noch nicht fest ist, war auch der Befund in den kommenden 2-3 Wochen. Dann Krankenhaus. Wehen auf dem CTG. Aufregung. Geht’s bald los oder wie? Befund aber ansonsten nach wie vor unreif. Muttermund gerade Mal ein wenig fingerkuppendurchlässig. Gebärmutterhals noch lang und gebogen. Einleitung wegen Nierenstau und Infekt steht im Raum. Holen wir morgen das Baby? Wieder Aufregung und Überforderung, weil ich Schmerzen wegen der Niere habe. Dann wieder regelmäßige Wehen auf dem CTG. „Vielleicht geht es doch von allein los!“ Wieder Aufregung. Vielleicht kommt das Baby jetzt bald. Am nächsten Tag: Keine Wehen mehr, nichts, nach Hause gehen. Vielleicht Einleitung am Ende der Woche, wenn die Schmerzen nicht weg gehen. Latenzphase. Dann Genesung. Schleimige Absonderungen. Schleimpropf? Ziehen im Rücken. Bei der Gyn starke, regelmäßige Ausschläge (Wehenstärke über 100) auf dem CTG. Ich freu mich, denke, dass das doch echt gut aussieht. Befund: Muttermund ganz weich und 1 cm geöffnet, Gebärmutterhals fast verstrichen. Wieder Aufregung. „Vielleicht haben wir morgen schon das Baby?!“… Ja. Es wäre sowas von Zeit. Das ist echt eine emotionale Achterbahn, die mich ganz schön mitnimmt.

Und nein, ich kriege es nicht hin, mich zu entspannen! Ja, auch wenn ich mir denke, dass „jeder Tag im Bauch gut für’s Baby“ ist. Nein, ich denke mir, dass mein Baby jeden Tag einfach nur größer und schwerer wird und ich zu einem Nervenbündel mutiere. Ja, auch wenn ich mir denke, dass es doch toll ist, wenn sich schon was tut ohne dass ich Schmerzen habe. „Keine Wehe ist umsonst.“ Ach, leck mich… Echt. Ich habe gerade das Gefühl / die Befürchtung, dass es gar nicht von allein losgeht und dass mein Körper einfach nur Mist macht! Dass ich am Ende alles mitnehmen werde, das ganze Programm… Sowohl die Aufregung und Ungewissheit ob langsam einsetzender Wehen, als auch eine nervige Einleitung, die am Ende in einem Kaiserschnitt endet.

Ich versuche, mich nicht darauf zu konzentrieren und andere Dinge zu machen, mich mit anderen Sachen zu beschäftigen. Nicht mehr auf die popligen kleinen Signale meines Körpers zu achten. Wenn es losgeht, werde ich es schon merken.

Aber ganz ehrlich? Ich könnt gerade heulen. Und ja, ich finde es bescheuert. Ja, ich weiß, dass ich Geduld haben muss. Ja, ich fänd es auch besser, ich wäre nicht so ein scheiß nervös-angespannt-ungeduldiger Mensch. Aber kann man die nervliche Belastung bei dieser emotionalen Berg und Tal-Fahrt seit 4 Wochen nicht auch ein bisschen verstehen?

2 Kommentare zu “Schwanger sein: 40. Woche (1)

  1. das ist ja schon beim lesen eine berg und talfahrt. ich kann mir schwer vorstellen, dass es menschen gibt die dich nicht verstehen. außer dir selbst. sei nicht so hart zu dir, du musst einiges aushalten und das ist nunmal anstrengend und nervig. ich drück dir wieiterhin die daumen. alles liebe für euch!

  2. Ach Du Arme :-(
    Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit – zum Glück ist sie endlich und Mutter Natur schickt nach der Geburt einen netten Coctail, der uns Mamas einen selektiven Gedächtnisverlust beschert (jedenfalls meistens) ;-)
    Kopf hoch und weiterhin alles Gute!
    Emily

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