Schwanger sein: 40. Woche (2)

nach wie vor Dienstag (39+2):

Das ist mir zu viel, zu viel, zu viel. Nach jedem Anzeichen und jeder Überinterpretation in Richtung „Jetzt geht’s bald los!“ startet wahrscheinlich ein hormonell-emotionales Feuerwerk in mir. Ich bin aufgedreht oder hibbelig oder nervös oder ängstlich oder euphorisch… und wenige Stunden später darf das dann alles wieder runtergefahren werden. Fehlalarm. Nichts geht los. Katerstimmung. Es ist das Klischee einer Spät-Schwangeren, was ich gerade abgebe.

„Weißt du, ich hab einfach Angst.“ höre ich mich zu K. sagen. „Ich hab Angst, weil das Kind doch einfach immer größer und schwerer wird. Und es geht wahrscheinlich gar nicht von selber los, weil mein scheiß Körper unfähig ist, echt Wehen zu produzieren und dann muss ich ins Krankenhaus zur Einleitung und dann ist das Kind riesig und es muss doch per Kaiserschnitt rausgeholt werden. Und ich will das nicht! Ich…“ – „Jaja, ich weiß das alles. Mensch, du bist noch nicht einmal am Termin! Was soll ich denn machen? Ich kann’s doch nicht ändern!“. Dann sehe ich mich mit meiner schmerzenden Karpaltunnel-Hand dolle auf den Tisch hauen und heulend ins Bad rennen. Dort sitze ich schluchzend, begutachte den Schleim am Papier und fahre mir mit der Hand über meinen Bowlingkugel-Bauch. Alles scheiße also.

ich versuche mich abzulenken. Es klappt ganz okay. Das Heulen hat geholfen. Es wird schon losgehen. Es wird… Meine größte Angst ist gerade, dass es einfach nicht passiert. Dass ich hier zwischen den Seilen hänge… 40., 41., 42. Woche und einfach nichts passiert. Alle sagen, ich muss mich runterfahren. „Raus kommen sie alle“. Ich vertrau hier niemandem mehr gerade. Nicht einmal, was diese Aussage angeht.

Beschäftige mich jetzt wieder mit diesem Thema, das meinen Kopf gut wegbringt von Schwangerschaft und so (Bildungssystem, Bildungsreformen, …). Zwischendurch immer wieder die sozialen Netzwerke aktualisieren. „Ich hab 8 Tage nach Termin entbunden“ – „Mein Kind hat 4,5 Kilo gewogen und ich bin nicht gerissen!“ – „Der muss sich noch hübsch machen…“ … Irgendwie kann ich es alles nicht mehr hören. Und kann es trotzdem nicht lassen. Auch das Googeln nicht. Dabei weiß ich, dass die Erfahrungen der Frauen mit meiner Schwangerschaft und Geburt nichts zu tun haben. Alles kann, nichts muss. Ich beschließe, mit K und P nach der Kita an den See zu fahren. Wir beschließen, heute Abend vielleicht wirklich „nachzuhelfen“.

Ich stehe am Kindergarten-Tor und wer rennt mich fast über den Haufen? Meine Lieblings-Hebamme! Ja, richtig… Die aus dem Krankenhaus und die, die auch letztens die Urlaubsvertretung der Schwester beim Frauenarzt übernommen hat. „Ach? So sieht man sich wieder. Wir erwarten Sie schon…“ Ihr Kind geht in den selben Kindergarten wie P. Morgen Abend hat sie Dienst…

Am See. P. ist äußerst anstrengend. Übermüdet, nölig. Wie immer, wenn wir an diesem See sind. Komisch… Beim Laufen wird der Bauch wieder häufiger hart. Ich sitze am Spielplatzrand und wieso oft in den letzten Tagen wird es feucht in der Hose (Ja, lecker Details!)… Mich irritiert das immer. Aber ich bilde mir nichts mehr ein. Am Spielplatz taucht ein Mann auf, den ich kenne. Sein Sohn springt zu P. auf die Wippe… „Na, die sind ja auch in etwa ein Alter, oder?“ – „Ja“ Sage ich „Und sie haben sie untersucht als sie noch im Bauch war.“ Mir ist es eingefallen. Der Chefarzt der Geburtsstation des Krankenhauses. Man könnte ja fast abergläubisch werden. Erst die Hebamme, dann der Ober-Gyn… Als ich aufstehe, zieht sich zwischen meinen Beinen alles zusammen. Das hatte ich vor etwa 1-2 Wochen das letzte Mal. Ich mag aber nicht mehr interpretieren, was das bedeuten könnte…

Zuhause. Der Bauch wird kaum noch hart. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass ich gestern Vormittag noch mit einer baldigen Geburt gerechnet habe. Ich bin müde. Ich denke an all die Frauen, die ein oder zwei Wochen übertragen und für die mein Gejammer wahrscheinlich ziemlich erbärmlich ist… „Eine Schwangerschaft dauert zwischen 38 und 42 Wochen. 40 Wochen sind doch nur ein statistischer Wert. Irgendein Tag, frei gewählt…“ Beim Gedanken daran, dass es auch noch 3 Wochen dauern kann, wird mir anders. Warum kommen manche Kinder in der 37. Woche mit 2,5 Kilo und andere machen mit 5 am Ende der 42. Woche keine Anstalten?

Tolles Ding, Natur.

Ein Kommentar zu “Schwanger sein: 40. Woche (2)

  1. bin heute bei 37+4, und ich kann mir eigtl. meine Posts sparen… Ich lese hier und nicke…
    Freue mich, weil ich heute Nachmittag Akupunktur habe und wer wird mich pieksen? Die Wochenbetthebi, die ich schon bei frollein hatte – und sie hat selber Termin im Oktober :)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s