Schwanger sein: 40. Woche (7)

*seufz*

immernoch Samstag (39+5):

Gestern Abend gegen 21:30: ordentlich Regelschmerzen-artiges Ziehen im Unterleib. 10-Minuten-Abstände etwa. Versuche, mir nichts darauf einzubilden. Natürlich aber doch wieder Hoffnung. „Oh, ich will-will-will es nicht denken, aber… vielleicht… es könnte doch… vielleicht heute Nacht… und dann morgen… Oh bitte, ihr Kontraktionen… Nun werdet endlich stärker…“ Das Ziehen ist ziemlich stark. Kein Appetit jetzt. Glaube nicht, dass ich das Essen von K. runterkriege. Bin aufgeregt. Versuche, zu unterdrücken. NeinNeinNein! Das heißt nichts. Ich will mich nicht heißt machen. Nicht schon wieder.

Etwa eine Stunde später: Das Ziehen wird deutlich weniger. Dann fast nichts mehr. Was soll ich dazu jetzt noch sagen? Ich finde es einfach nicht gerecht. Echt jetzt. Gegen 23:50 beleidigt ins Bett. Kein Avena Sativa heute. Einschlafen dauert.

Sonntag (39+6):

Nach der frühmorgendlichen Pinkelpause gegen 4 Uhr zum Glück wieder eingepennt. Jetzt 8:30 rum. Aufwachen, pinkeln müssen, harter Bauch, das große Seufzen. Wieder nichts… Immernoch schwanger. P. kommt schlaftrunken ins Bad, auch Pinkeln. Erschreckt sich, dass ich schon da bin. „Meine liebe, liebe Mami“ – hach. Erstmal Kuscheln. Und nochmal alle zusammen ins Bett. Das besänftigt das Muttertier.

Woar… Mein Kreislauf. Das hatte ich schon vor zwei Wochen Mal im Krankenhaus. Niedriger Blutdruck war das da… Ist es das jetzt auch? Schwindel, zittrig, Schweißausbrüche, Hitzewallungen. Was ist das? Trinke ein Glas Wasser auf Ex, ein Glas Saft, Kakao und Kaffee. Keine Verbesserung. Reiße die Fenster auf, lasse kaltes Wasser über die Unterarme laufen. Mir wird schlecht. Das soll weggehen. P. beschäftigt sich damit, ihre Kinderpflaster auf eine gemalte Figur zu kleben. K. wird mit ihr später zu einem Familienfest gehen. Fühle mich total zerstört. Warum?

Seminareinschreibung. Ich habe keine Ahnung, wie ich in drei Wochen in der Uni sitzen soll… Wenn ich das nicht tue, bekomme ich aber kein Bafög. Und das können wir uns nicht leisten. Dilemma.

K. und P. sind weg. Studienleistung schreiben. Hypothesen und Theorien… Theoriebildung… Falsifikation… Hypothesenprüfung… Erstmal wieder reinkommen. Pffft… Kopf schwirrt, Bauch wird hart. Gedanken schweifen… Hypothesen sind… Verdammt, T., warum kommst du nicht da raus? Du bist bestimmt schon voll der Klops… Warum machst du es dir so gemütlich da drin?… SummSumm… What’s App ist ’ne scheiß ablenkende Erfindung… „Nee, nichts Neues.“… Also… Theorien im Rahmen quantitativer Forschung stellen in der Regel… „ssw 40 baby groß keine wehen“… Verdammt, das hast du schon 1000 Mal gegoogelt… Jede Schwangeschaft ist anders… Natürlicher Prozess und so… SummSumm… „Nee, ich kann gerade schlecht planen, Sorry.“… Aua, Bauch hart… Wo war ich? Die induktive Schließlogik ist die übliche Vorgehensweise bei qualitativen Forschungsprojekten und dient zumeist… Ob T. am Ende vielleicht doch eine Punktlandung hinlegt? Na das wär’s ja…

 

Alles andere wäre Wiederholung von bereits vielfach Beklagtem. Ich habe wieder zu viel sinnlos gegoogelt, eine halbe Stunde lang mit Pausen meine BW massiert und vor mich hingestunken. Fühle mich extrem ausgelaugt heute. Gegen Mittag auch nochmal so ein Kreislaufabfall… Sehr unangenehm.

Morgen ist der errechnete Termin, auf den ich mir die ganze Schwangerschaft über nichts einbilden wollte und auch nichts eingebildet habe. Weil ich mir viel zu sicher war, dass T. früher kommen wird. Ich habe keine Erfahrung mit dem hier und hätte echt drauf verzichten können. Ich hasse diesen Zustand und ich glaube, ich werde heulen, sobald ich die Geburt hinter mir habe. Und zwar 5 Tage lang. Vor Erleichterung! Ich will nienienie wieder schwanger sein! Ich fühle mich eingesperrt, festgenagelt, unausgeglichen und scheiße. Ich ertrage dieses Pulverfass nicht, ja weil ich halt scheiße ungeduldig und schon unschwanger ständig super-nervös bin. Weil es mich ankotzt, unbeweglich zu sein und weil es mich ankotzt, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann! Das ist bei mir einfach so ein Problem. Wenn was ansteht, dann ist das in meinem Kopf und nur das. Und was anderes kommt da nur ganz schlecht und schwer rein. Das ist bei Prüfungen so, bei Dates, bei Auftritten, manchmal schon bei ganz normalen Treffen… Und erst recht bevor ich entbinde. Diese scheiß Unklarheit. Diese scheiß Ungewissheit. Dieses scheiß Vorgeplänkel. Diese scheiß Stimmungsschwankungen. Dieser scheiß-ätzende körperlich eingeschränkte Zustand. Dieses sich schlapp fühlen. Bääääääh!!!

Ich ertrage das übrigens insbesondere deshalb nicht, weil ich mich so nicht ertrage und weil ich nicht ertrage, wie ich daran scheitere, entspannt-locker-lässig-laid back zu sein oder den Zustand wenigstens so halbwegs mit Würde hinzunehmen.

Ach Mist. Und dabei wollte ich heute nicht jammern.