Schwanger sein: 40. Woche (3)

Abends/Nachts. Lese die Schwangerschaftstagebücher und Geburtsberichte von Mamamiez. Ich weiiiiß nicht, ob das so eine gute Idee war. Sie beschreibt sehr detailliert wie sich die Wehen anfühlen und ich weiiiiiß nicht, ob es gut war, mir das noch einmal so lebhaft zurück ins Gedächtnis zu rufen. Dass die Wehen und das alles einer Nahtod-Erfahrung gleichkam, daran kann ich mich noch zu gut erinnern. Ich verdränge und stürze dank Avena Sativa in einen steinernen Tiefschlaf. Wenigstens das funktioniert noch.

Mittwoch (39+2):

Wache auf. Immer der gleiche Ablauf. Wache auf, der Bauch spannt. „Ach ja, der Bauch“ denke ich und fasse ihn an. Ist er hart? Ist er weich? Ist er… noch da? Ruckele ein bisschen rum. Ich brauch eine kurze Bewegung von T., dann bin ich beruhigt. Ist so ein Ritual. Heute muss ich lange warten. Über dem Bauch tatschen und reinfühlen schlafe ich wieder ein. Ohne Bewegung.

Wache erst wieder auf, als P. sich in unser Bett wirft. Werde unruhig, bleibe auf der Seite liegen und spüre nach. Komm schon T, komm schon T… Wo bist du? Ruckele. Da… Eine Beule unten links. Ich bin erleichtert. T. bewegt sich seit etwa einer Woche wirklich sehr viel weniger. Klar. Das muss man sich mal vorstellen… Man würde mit festgeklemmten Kopf (und zwar kopfüber!) irgendwo zusammengedrückt rumhängen. Da hätte man wahrscheinlich auch nicht sooo viel Bock auf Action. Wird langsam eng, hä? Na… Wie wär’s dann… ?

Heute fühlt sich nichts nach Geburt an. Nichts. Ich werde Himbeerblättertee trinken, Leinsamen und Zimt zum Frühstück, ich werde baden gehen. Aber ich habe mich damit abgefunden, dass ich auch am kommenden Montag wieder bei meiner Ärztin auf der Matte stehen werde. Mamamiez hat beim ersten Kind 12, beim zweiten 8 und beim dritten einen Tag übertragen… ZWÖLF TAGE! Das wären noch 17, von heute an gerechnet. Das ist das, was mich so wurmt. Ich sitze hier und warte und warte und am Ende geht es halt nicht einfach los und es muss viele Tage nach Termin eingeleitet werden. Und das Kind ist dann natürlich nochmal einen Monat größer. Eine scheiß Einleitung hätte ich aber auch schon im Krankenhaus bei 37+5 haben können. Das wäre so scheiße frustrierend.

Ich versuche nun, nicht mehr in Kategorien wie „Warum kann denn nicht…?“, „Warum ist denn nicht…?“ und „Was wäre, wenn…?“ zu denken und kehre zurück zu meinen Themen. Das klappt ganz gut. Ich will mich nicht mehr auf die kleinen Regungen meines Körpers fixieren und versuche, mir immer wieder einzureden, dass ich schon merken werde, wenn irgendeine ernsthafte Veränderung eintritt und sich durch mein Rumgestresse nichts ändert, außer dass ich mich fertig mache. Wie Mamamiez sagen würde: Heute ist ein eher guter Tag. Dass mein Rücken gerade wieder an der fiesen Nierenstelle anfängt, weh zu tun… Das lasse ich jetzt mal unkommentiert. Weil ich es nicht will und nicht einsehe. Nein. Nein. Nein.

Ich bin in den letzten Jahren ja zu einem ziemlichen Informations-Junkie mutiert. Gerade auch was so körperliche Vorgänge angeht… Da will ich einfach ganz gern wissen, was da passiert. Darum auch das ganze Googlen. Manchmal entspannt es mich, wenn ich was verstehe. Gerade hab ich mal wieder was gefunden (klick, klick). „Wir haben herausgefunden, dass die durchschnittliche Zeitspanne, gemessen vom Eisprung bis zur Geburt, bei 268 Tagen lag – also 38 Wochen und zwei Tage“ – 125 Frauen im Alter von durchschnittlich 29 Jahren… Aus den gewonnen Hormonwerten ließ sich sowohl der Zeitpunkt des Eisprungs als auch das Datum der Einnistung bestimmen – „Die gemessenen Schwangerschaftszeiten variierten um bis zu 37 Tage“ – „Bei älteren Frauen dauerte die Schwangerschaft länger als bei jüngeren.“ (Für jedes Lebensjahr kann man etwa einen Schwangerschaftstag drauf rechnen) – „Frauen, die zuvor schon einmal überdurchschnittlich lange schwanger waren, entbanden auch das zweite Mal erst nach dem berechneten Termin.“ – „Je größer die Zeitspanne zwischen Eisprung und Einnistung des Embryos war, desto länger dauerte es dann auch bis zur Entbindung.“ (find ich ja recht logisch, weil die Entwicklung des Kindes ja erst mit der Einnistung dann so richtig vorwärts geht… Und wenn das später anfängt, dann dauert es halt auch länger nach hinten raus.) – „Ein in früheren Studien vermuteter Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdauer einerseits und Geschlecht des Kindes oder Körpergewicht der Mutter andererseits ließ sich nicht feststellen.“

Kommen wir also zum Selbsthypnose-Teil: 268 Tage von der Empfängnis bis zur Geburt. (Mein neues Lieblings-Spielzeug für solche Sachen ist übrigens das hier.) T. ist ja ein Weihnachtsmännchen. Das heißt der Studie entsprechend wäre der wahrscheinlichste Termin der 17.09. So. Mein Termin passt dann auch nach der beknackten „vom letzten Tag der Menstruation“-Regel ganz okay. Allerdings hab ich von Anfang an lieber ab dem Tag der Empfängnis gerechnet… Schwankungen von 37 Tagen sind normal. Also auch diese obligatorischen 10 Tage +/-… Alles zwischen dem 07.09. und dem 27.09. (irgs!) wäre also völlig im Rahmen… (Das heißt, dass es jetzt am 11.09. sogar noch verhältnismäßig früh wäre! Seit der Empfängnis sind heute 262 Tage – 37 Wochen und 3 Tage – vergangen…) Am 29. bzw. 30.12. habe ich mir in meiner Zyklus-Big Brother-App notiert „starkes Ziehen im Unterleib. Da könnte also die Einnistung gewesen sein. Das war also vielleicht so 6 bis 7 Tage nach der „Empfängnis“… Ist das nun eher lang oder eher kurz? Soweit ich weiß, wird der Zeitraum der Einnistung mit 5-10 Tagen nach Empfängnis angegeben…

Interessant ist auf jeden Fall: „Selbst nach dem Ausschluss von sechs Frühgeburten hat die Dauer der Schwangerschaften noch um bis zu 37 Tage, also etwa fünf Wochen, variiert. Ärzte sollten dies bedenken, wenn es darum gehe zu entscheiden, ob bei einer Schwangerschaft eingegriffen werden soll.“ Hm. Und solange es Kind und Mutter „gut“ geht – wobei „gut“ ja im Prinzip heißt, dass Herzfrequenz des Kindes und Blutdruck der Mutter okay sind – bleibt das Kind halt drin. Was mir aber ein Rätsel bleibt hab ich ja schon am Ende des letzten Beitrags erwähnt… Warum kommen manche Kinder ganz leicht und früh und andere ganz schwer und spät?? Woran liegt das? Klar.. Jeder Mensch und jede Schwangerschaft ist einzigartig und so… Aber es ist doch ziemlich faszinierend, dass ein und dieselbe Frau verschiedene Kinder ganz unterschiedlich lange austrägt und die ein ganz unterschiedlich schwer und groß geboren werden. Es deutet dann ja schon jetzt ziemlich viel darauf hin, dass T. ein ganz anderer Typ Mensch sein könnte als P…. Und dann gibt es ja auch noch diese Idee, dass die Kinder dann kommen, wenn die Versorgung durch die Mutter schlechter wird. T. geht’s einfach noch zu gut im Bauch. Dann mach ich jetzt Diät. So. (SCHERZ!)

Puh… Jetzt wird der Bauch aber gerade plötzlich knallhart…. Autsch!

Ach ja… Was ich auch hier mal auch noch schreiben wollte: Danke für die Anteilnahme allerseits! Das ist sehr rührend irgendwie… Ich bekomme täglich E-Mails, Facebook-Kommentare und Nachrichten von Menschen, die ich eigentlich gar nicht kenne, die aber offensichtlich sehr hier mitfiebern… Das ist ein ganz – ichweißgarnichtgenauwasfürein – Gefühl. Ich fühle mich dadurch auf jeden Fall weniger allein damit… Und das ist gut. So wirklich denke ich nämlich nicht darüber nach, aus welchem Grund ich diesen Blog hier mache. Ich schreibe gerne, teile gern meine Gedanken mit und grüble rum… Und ich mag es, darauf ein Feedback zu bekommen. Das reicht schon. Ich find Bloggen jedenfalls befriedigender als Tagebuch schreiben… (Was nicht heißt, dass ich das nicht auch noch tue *ächem*… Naja. Jeder hat halt seine Hobbys, ne?) 

Schwanger sein: 40. Woche (2)

nach wie vor Dienstag (39+2):

Das ist mir zu viel, zu viel, zu viel. Nach jedem Anzeichen und jeder Überinterpretation in Richtung „Jetzt geht’s bald los!“ startet wahrscheinlich ein hormonell-emotionales Feuerwerk in mir. Ich bin aufgedreht oder hibbelig oder nervös oder ängstlich oder euphorisch… und wenige Stunden später darf das dann alles wieder runtergefahren werden. Fehlalarm. Nichts geht los. Katerstimmung. Es ist das Klischee einer Spät-Schwangeren, was ich gerade abgebe.

„Weißt du, ich hab einfach Angst.“ höre ich mich zu K. sagen. „Ich hab Angst, weil das Kind doch einfach immer größer und schwerer wird. Und es geht wahrscheinlich gar nicht von selber los, weil mein scheiß Körper unfähig ist, echt Wehen zu produzieren und dann muss ich ins Krankenhaus zur Einleitung und dann ist das Kind riesig und es muss doch per Kaiserschnitt rausgeholt werden. Und ich will das nicht! Ich…“ – „Jaja, ich weiß das alles. Mensch, du bist noch nicht einmal am Termin! Was soll ich denn machen? Ich kann’s doch nicht ändern!“. Dann sehe ich mich mit meiner schmerzenden Karpaltunnel-Hand dolle auf den Tisch hauen und heulend ins Bad rennen. Dort sitze ich schluchzend, begutachte den Schleim am Papier und fahre mir mit der Hand über meinen Bowlingkugel-Bauch. Alles scheiße also.

ich versuche mich abzulenken. Es klappt ganz okay. Das Heulen hat geholfen. Es wird schon losgehen. Es wird… Meine größte Angst ist gerade, dass es einfach nicht passiert. Dass ich hier zwischen den Seilen hänge… 40., 41., 42. Woche und einfach nichts passiert. Alle sagen, ich muss mich runterfahren. „Raus kommen sie alle“. Ich vertrau hier niemandem mehr gerade. Nicht einmal, was diese Aussage angeht.

Beschäftige mich jetzt wieder mit diesem Thema, das meinen Kopf gut wegbringt von Schwangerschaft und so (Bildungssystem, Bildungsreformen, …). Zwischendurch immer wieder die sozialen Netzwerke aktualisieren. „Ich hab 8 Tage nach Termin entbunden“ – „Mein Kind hat 4,5 Kilo gewogen und ich bin nicht gerissen!“ – „Der muss sich noch hübsch machen…“ … Irgendwie kann ich es alles nicht mehr hören. Und kann es trotzdem nicht lassen. Auch das Googeln nicht. Dabei weiß ich, dass die Erfahrungen der Frauen mit meiner Schwangerschaft und Geburt nichts zu tun haben. Alles kann, nichts muss. Ich beschließe, mit K und P nach der Kita an den See zu fahren. Wir beschließen, heute Abend vielleicht wirklich „nachzuhelfen“.

Ich stehe am Kindergarten-Tor und wer rennt mich fast über den Haufen? Meine Lieblings-Hebamme! Ja, richtig… Die aus dem Krankenhaus und die, die auch letztens die Urlaubsvertretung der Schwester beim Frauenarzt übernommen hat. „Ach? So sieht man sich wieder. Wir erwarten Sie schon…“ Ihr Kind geht in den selben Kindergarten wie P. Morgen Abend hat sie Dienst…

Am See. P. ist äußerst anstrengend. Übermüdet, nölig. Wie immer, wenn wir an diesem See sind. Komisch… Beim Laufen wird der Bauch wieder häufiger hart. Ich sitze am Spielplatzrand und wieso oft in den letzten Tagen wird es feucht in der Hose (Ja, lecker Details!)… Mich irritiert das immer. Aber ich bilde mir nichts mehr ein. Am Spielplatz taucht ein Mann auf, den ich kenne. Sein Sohn springt zu P. auf die Wippe… „Na, die sind ja auch in etwa ein Alter, oder?“ – „Ja“ Sage ich „Und sie haben sie untersucht als sie noch im Bauch war.“ Mir ist es eingefallen. Der Chefarzt der Geburtsstation des Krankenhauses. Man könnte ja fast abergläubisch werden. Erst die Hebamme, dann der Ober-Gyn… Als ich aufstehe, zieht sich zwischen meinen Beinen alles zusammen. Das hatte ich vor etwa 1-2 Wochen das letzte Mal. Ich mag aber nicht mehr interpretieren, was das bedeuten könnte…

Zuhause. Der Bauch wird kaum noch hart. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass ich gestern Vormittag noch mit einer baldigen Geburt gerechnet habe. Ich bin müde. Ich denke an all die Frauen, die ein oder zwei Wochen übertragen und für die mein Gejammer wahrscheinlich ziemlich erbärmlich ist… „Eine Schwangerschaft dauert zwischen 38 und 42 Wochen. 40 Wochen sind doch nur ein statistischer Wert. Irgendein Tag, frei gewählt…“ Beim Gedanken daran, dass es auch noch 3 Wochen dauern kann, wird mir anders. Warum kommen manche Kinder in der 37. Woche mit 2,5 Kilo und andere machen mit 5 am Ende der 42. Woche keine Anstalten?

Tolles Ding, Natur.

Schwanger sein: 40. Woche (1)

Fuuuuck, ich glaube das echt nicht! VIERZIGSTE WOCHE! VIER – ZIG – STE! Ich bin schwanger seit ZWEIHUNDERTSECHZIG Tagen! Seit 260 verdammten Tagen dreht sich der überwiegende Teil des Tages um meine körperliche Verfassung. Und genau wie am Ende der Schwangerschaft mit P. weiß ich gar nicht mehr, wie es eigentlich ist, nicht schwanger zu sein. Aufstehen ohne Schmerzen. Laufen ohne sofortige Anstrengung. Sitzen ohne Krämpfe. Trinken ohne unmittelbaren Piss-Drang. 23:00 nicht vollkommen erledigt sein. Sich über Themen jenseits der eigenen körperlichen Grenzen austauschen. ALKOHOL!

ICH KANN DIESE WAMPE NICHT MEHR SEHEN! Dieser schrecklich gerissene, mich andauernd behindernde 120 Zentimeter-Bauch… Diese Ungewissheit, wie die Geburt verlaufen wird, ob alles gut gehen wird, ob es T. gut geht. Das macht mich mürbe! Ich will einfach nur noch wissen, dass es ihm gut geht und dass wir es geschafft haben.

Ich hasse diesen Zustand kurz vor knapp…

Montag (39+0):

Kurz vorm Schlafen gehen muss ich – uah – meine Hose wechseln. Schleeeeeeimmmmmm… K. knallt sich neben mich ins Bett, ich quatsche ihn zu, obwohl ich gerade noch müde war. Zum Glück schlafe ich dann doch ein…

Kurz vor 6 werde ich wach. Aus dem Bett hieven. Aua, Bauch hart! Pinkeln. Augen nicht zu weit auf machen. Hinlegen, wieder schlafen – losloslos! Nee, geht nicht. Bauch zu hart, Kopf zu wach. Ziehe auf’s Sofa um. Kurze Zeit später: Wieder Klo. Bin unruhig, hab Darmprobleme. Bilde mir ein leichtes Ziehen im Rücken ein. Könnte das…? Neeein! Hör jetzt auf mit dem Scheiß. GeduldGeduldGeduld… Er kommt, wann er kommt.

Um 7. Kind wird wach. Alle haben gute Laune, das steckt an. Frühstück. Esse mein „Komm raus da“-Müsli: Müsli mit Leinsamen, Zimt, Kakao und Honig. Kind wird von K. in die Kita gebracht. „Omi holt dich heute ab.“ – „Nein, ihr sollt mich abholen!“ – „Na dann musst du ihr das sagen.“ (Immer der gleiche Dialog und immer begrüßt sie ihre geliebte Omi freudestrahlend-überschwänglich). Beschäftige mich mit Themen. Darm rumort, Bauch wird hart. Trinke Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Mag nicht zur Gyn. 11 Uhr Termin. Hab immer Schiss, dass ich während dem CTG auf’s Klo muss. Aber mich interessiert, ob das Rückenziehen vielleicht doch etwas in Richtung Wehen ist.

Kurz nach 11. Erfreulich: Bei der Gyn ist nicht viel los. Ich muss schon wieder dringend pinkeln. Klo besetzt. Ein Klo für eine Gyn-Praxis mit haufenweise Schwangeren ist auch ziemlich knapp bemessen. Werde direkt ans CTG angeschnallt. Herzfrequenz ist in Ordnung. Keine Wehen. Ernüchterung. „Da ist nichts. Nichtsnichtsnichts!“ sage ich zu K. Mann, ich bin echt enttäuscht. „Der faule Sack!“ sagt K. Wir schweigen. „Jetzt piekt’s hier im Bauch.“ sage ich… „Was ist das denn für eine Zahl da rechts neben der Herzfrequenz?“ fragt K. „Keine Ahnung, die heißt nichts, glaub ich…“ -„Hm, das geht aber immer höher. Normal war das bei 10, das klettert gerade auf 70, 80, 90, 100…“ – „Naja, es piekst halt ein bisschen und zieht ein bisschen im Rücken. Aber wenn das ’ne Wehe ist, dann nur eine ganz Kleine.“ – „Ähm nee, das glaub ich aber nicht, die klettert ganz schön weit hoch.“ sagt er und deutet auf das Blatt, was aus dem CTG kommt:

ctg 40. ssw

„Oha… Hab ich jetzt aber gar nicht so doll gemerkt.“ Die Schwester kommt rein und staunt: „Die ist aber ordentlich! Dann lassen wir Sie mal noch eine Weile dran.“ Lässt sie mich auch. 30 Minuten. Die ersten beiden Wehen kommen im 10-Minuten-Abstand. „Wenn Sie noch können, dann warten wir nochmal 10.“ sagt sie. Und ziemlich genau nach der Zeit kommt die 3 Wehe. Die ist so bei 130. „Na, ich glaub nicht, dass wir uns noch einmal hier sehen.“ sagt sie. Und ich werde so ein bisschen euphorisch. Bin gespannt, was die Ärztin sagt und hoffe, dass sie mir nicht wieder einen Dämpfer verpasst.

„Hallo, Frau J., Sie haben ja schon schöne Wehen. Ich würde mir deshalb jetzt nochmal gern den Muttermund anschauen.“ – „Ich weiß gar nicht, ob ich’s wissen will..“ murmele ich. … … „Der Muttermund ist ganz weich und einen guten Zentimeter geöffnet. Ich kann das Köpfchen gut tasten, das ist fest. Gebärmutterhals ist noch da, aber nur wenig, etwa 1,5 cm. Vielleicht pendelt es sich ja wirklich jetzt ein. Ich sage Mal, wir sehen uns nicht nochmal.“ – Juhuuu! HibbelHibbelHibbel FreudeFreudeFreude… Vielleicht fängt die Geburt wider Erwarten doch noch ganz normal an,  mit zunehmend stärker werdenden Wehen. An einem Tag, an dem P. eh bei meiner Mutter ist? Ich denke „Länger als 2-3 Tage wird das nicht mehr dauern… Und vielleicht geht’s auch schon heute los…!“ Das wäre toll, weil ich heute echt guter Dinge bin irgendwie. Hach, diese Stimmungsschwankungen!

Zuhause… K. verfällt in die männliche Version eines Nestbautriebs. Baut den Kindersitz ins Auto, bringt sämtlichen Müll runter, schrubbt die Küsche, rasiert sich („Damit ich T. nicht so kratze“) und ich packe ganz geschäftig P.s Tasche für meine Mutter und wippe beim Tippen auf dem Pezzi-Ball auf und ab. Ich will mich nicht reinsteigern. Ich hab noch keine Schmerzen, der Bauch wird oft hart, das Ziehen im Rücken ist noch undeutlich. Ich denke, ich will mal in die Wanne gehen. Vielleicht sollten K. und ich doch nachhelfen? Ach… Ich bin gerade so gut drauf und will das langsame Hochschaukeln eigentlich nicht gleich gegen Sturmwehen eintauschen. Gott, bin ich gespannt, ob es nun wirklich tatsächlich losgeht! Halloooo T. und Körper: Wenn die Geburt echt so anfängt wie ich’s mir gewünscht hab und tatsächlich unkompliziert verläuft, dann ist der ganze Schwangerschaftsmist sofort vergeben und vergessen. Versprochen!

Nachmittags. Surfe rum. Versuche, mich irgendwie nicht zu sehr darauf zu konzentrieren, was mein Körper macht. Klappt nicht. Der Bauch wird immer wieder hart. Ab und zu ein Ziepen. Nichts weiter. Zögere die heiße Wanne hinaus. Hab Angst vor der Enttäuschung. Gehe dann doch… Und? Klar. Enttäuschung. Keine Verstärkung, einfach gar keine Veränderung. Versuche, mich nicht zu heiß zu machen. Am Ende ist das wieder alles nur „Vorbereitung“ und dieses Kind kommt erst in zwei Wochen. Ich glaube das aber nicht… Eigentlich. Oder? Ach Mensch, immer diese (emotionalen) Testläufe. Es hätte ja jetzt auch einfach mal kontinuierlich stärker werden können. Oder? ODER?

Dienstag (39+1):

Ich wache irgendwann auf und checke, ob ich was merke. Es zieht ein bisschen, der Bauch wird hart. Ich muss mich auf die andere Seite legen. Aber sonst? Nichts. Nichtsnichtsgarnichts! Auch wenn es albern ist: Mir ist nach Heulen. Was macht mein Körper mit mir? Warum verarscht er mich so?

Dieses hin und her… Da wird man doch bescheuert. An 35+0 völlig überraschend regelmäßige Wehen auf dem CTG. Wären die nicht gewesen, hätte ich mir zu dem Zeitpunkt doch nie im Leben schon Gedanken gemacht, dass es bald losgehen könnte! Befund noch unreif zu dem Zeitpunkt… Muttermund noch zu, aber weich. Köpfchen abschiebbar. Dass der Kopf noch nicht fest ist, war auch der Befund in den kommenden 2-3 Wochen. Dann Krankenhaus. Wehen auf dem CTG. Aufregung. Geht’s bald los oder wie? Befund aber ansonsten nach wie vor unreif. Muttermund gerade Mal ein wenig fingerkuppendurchlässig. Gebärmutterhals noch lang und gebogen. Einleitung wegen Nierenstau und Infekt steht im Raum. Holen wir morgen das Baby? Wieder Aufregung und Überforderung, weil ich Schmerzen wegen der Niere habe. Dann wieder regelmäßige Wehen auf dem CTG. „Vielleicht geht es doch von allein los!“ Wieder Aufregung. Vielleicht kommt das Baby jetzt bald. Am nächsten Tag: Keine Wehen mehr, nichts, nach Hause gehen. Vielleicht Einleitung am Ende der Woche, wenn die Schmerzen nicht weg gehen. Latenzphase. Dann Genesung. Schleimige Absonderungen. Schleimpropf? Ziehen im Rücken. Bei der Gyn starke, regelmäßige Ausschläge (Wehenstärke über 100) auf dem CTG. Ich freu mich, denke, dass das doch echt gut aussieht. Befund: Muttermund ganz weich und 1 cm geöffnet, Gebärmutterhals fast verstrichen. Wieder Aufregung. „Vielleicht haben wir morgen schon das Baby?!“… Ja. Es wäre sowas von Zeit. Das ist echt eine emotionale Achterbahn, die mich ganz schön mitnimmt.

Und nein, ich kriege es nicht hin, mich zu entspannen! Ja, auch wenn ich mir denke, dass „jeder Tag im Bauch gut für’s Baby“ ist. Nein, ich denke mir, dass mein Baby jeden Tag einfach nur größer und schwerer wird und ich zu einem Nervenbündel mutiere. Ja, auch wenn ich mir denke, dass es doch toll ist, wenn sich schon was tut ohne dass ich Schmerzen habe. „Keine Wehe ist umsonst.“ Ach, leck mich… Echt. Ich habe gerade das Gefühl / die Befürchtung, dass es gar nicht von allein losgeht und dass mein Körper einfach nur Mist macht! Dass ich am Ende alles mitnehmen werde, das ganze Programm… Sowohl die Aufregung und Ungewissheit ob langsam einsetzender Wehen, als auch eine nervige Einleitung, die am Ende in einem Kaiserschnitt endet.

Ich versuche, mich nicht darauf zu konzentrieren und andere Dinge zu machen, mich mit anderen Sachen zu beschäftigen. Nicht mehr auf die popligen kleinen Signale meines Körpers zu achten. Wenn es losgeht, werde ich es schon merken.

Aber ganz ehrlich? Ich könnt gerade heulen. Und ja, ich finde es bescheuert. Ja, ich weiß, dass ich Geduld haben muss. Ja, ich fänd es auch besser, ich wäre nicht so ein scheiß nervös-angespannt-ungeduldiger Mensch. Aber kann man die nervliche Belastung bei dieser emotionalen Berg und Tal-Fahrt seit 4 Wochen nicht auch ein bisschen verstehen?

Schwanger sein: So war die 39. Woche (Teil 2)

Donnerstag (38+3):

Ich schlafe nachts tatsächlich wie ein Stein. Mein Wecker rummst mich aus dem Schlaf. Ich muss zum Frauenarzt. Scheiße, ist das früh! Regt mich auf… Ich muss vor 8 da sein, weil ich den Termin am Dienstag nicht geschafft hab. Mäh. Erfreulich: Ich komme gut hoch. Die Körperfunktionen sind gar nicht sooo zickig wie in den letzten Tagen und Wochen heute. Ein gutes Zeichen? Tatsächlich habe ich gestern ohne Schmerzmittel mit viel Kirschkernkissen rumgebracht. Und abends sogar Abendbrot für alle gemacht, ohne danach zusammenzubrechen. Cool. Der Schmerz in der Flanke ist dumpf, aber erträglich.

Bei der Frauenärztin begrüßt mich überraschenderweise meine Lieblings-Hebamme aus dem Krankenhaus vom Wochenende. CTG, Urin, Muttermund. T. ist – den Herzfrequenzen nach zu urteilen – wie immer eher aufgeregt. Zwischen 155 und 170. Zwei stärkere Wehen, mehrere kleine Hügel. Das Köpfchen ist aber gut ins Becken gerutscht und sitzt laut Hebamme auch fest. Nicht sonderlich verwunderlich, wenn ich mir meinen Bauch so anschaue…

Die Hebamme macht mir Mut. Erzählt, wie das mit der Einleitung im Krankenhaus genau abläuft und dass ich sofort eine bekommen würde, wenn ich dort wieder aufschlage und danach verlange. Dass sie mit Kapseln einleiten, die in der Regel Wehen machen oder eben nicht. Also nicht tagelang mit wirkungslosen Wehen rumrennen und sich entkräften, wie das beim Wehentropf nicht selten der Fall ist. Dass ich den Vorteil habe, dass ich das ganze Team nun schon kenne und die mich (und meine Vorgeschichte). Dass man quasi auf mich eingestellt sei. Dass die Chancen sehr gut stehen, dass es dieses Mal anders laufen wird. Das Gespräch bestärkt mich. Es war eine gute Entscheidung, gewartet zu haben. Ich fühle mich viel fitter als noch vor drei Tagen.

Bei der Ärztin: „Tja, der Muttermund ist noch zu. Das wollten Sie jetzt nicht hören, hm? Nun ja… Das kann sich ja alles ganz schnell ändern. Wenn heute Abend die Blase springt…“ und dann noch „Immerhin wurde er ja auch schon beim letzten Mal so groß geschätzt…“ Vielen Dank für die freundliche Erinnerung… Arrrgh. Ich ärgere mich fast, dass ich noch einmal zu ihr reingegangen bin. Obwohl ich meine Ärztin eigentlich tatsächlich mag.

Nach der Untersuchung fühle ich mich trotzdem fast beflügelt. Ja, das Baby darf kommen. Ja, ich bin bereit. Ja, wir schaffen das. Fast bin ich ein bisschen euphorisch. Die Schmerzen spüre ich kaum noch. Ich treffe mich mit K, wir erledigen die Vaterschaftsanerkennung und die Sache mit dem Sorgerecht. Jetzt ist wirklich endgültig alles erledigt. Danach Geburtstagsgeschenke kaufen für ein befreundetes Kind und eine Kleinigkeit essen gehen. Das alles fast ohne Schmerzen. Ich könnte gerade heulen vor Glück darüber! Ich bete, dass es so bleibt und frage K., ob wir die Sache heute vielleicht noch… äh… „anstupsen“ wollen. So hat es die Hebamme nämlich empfohlen. Im männlichen Sperma wäre der selbe Stoff wie in den Einleitungsmedikamenten drin (Prostaglandin, das Teufelszeug…)

Freitag (38+4):

Hey… Ich fühl mich geradezu gut! Okay geschlafen und früh nach dem Aufstehen nicht einmal Kreislaufprobleme. Das wird am Ende doch noch was mit dem positiven Geburtserlebnis…

Mein Bauch wird regelmäßig hart. Ich habe sogar ausreichend Elan, etwas für die Uni zu machen. Schwrrrrinnng… Rennt die Zeit weg an diesem Vormittag. Kaum ist der Kopf halbwegs bei anderen Dingen, geht alles viel schneller. Schon muss P. aus der Kita geholt werden. Wir bekommen Besuch von J&J (*guck guck*). Die Kinder toben, wir tauschen Schwangeren-Wehwehchen aus. Merke, dass ich den Tag über zu viel gesessen habe. Als ich meine Socken ausziehe, ist zwischen Unterschenkel und Fuß eine heftige Kerbe zu sehen, die mehrere Stunden lang nicht weg geht. Verdammte geschwollene Füße! Hoffe, dass mir meine normalen Schuhe nach der Entbindung wieder passen werden… Und meine ISG-Schmerzen sind auch wieder da. Aber immerhin keine schlimmen Nierenschmerzen… Und fast ALLES ist besser als das.

Abends absondert mein Körper merkwürdige Dinge. Schleimpropf? Lasst euch das Wort echt Mal auf der Zunge zergehen: SCHLEEEEIMMMMPFROOOOPFFFF… Jedenfalls mehrmals solche Absonderungen. Die Frauen im Forum sagen „Ja, Schleimpfropf, geht bestimmt bald los…“ Oh ja… Schön, schön, schön wär’s.

Haue mich momentan allerspätestens 24 Uhr ins Bett. Ich will den guten Zustand auf keinen Fall verspielen.

Samstag (38+5):

Ich schleime immernoch. Ich kann nicht glauben, dass T. echt immernoch in meinem Bauch ist! Das ist echt fies… Weil P. zwei Wochen eher kam, bin ich total darauf eingestellt gewesen, dass T. Ende August / Anfang September kommt. Und nun sitze ich hier nach inzwischen über 38 Wochen, absondere schleimige Substanzen und hoffe inständig, dass es dieses Mal ganz normal losgehen und nicht so ewig dauern möge. Ich kann meine Gedanken nur ganz schwer davon wegbekommen, dass T. schon längst auf 3,5 Kilo geschätzt wurde. „Ich will kein dickes, großes, schweres Baby!“ denke ich und fühle mich total blöd, ob solcher beknackt-oberflächlichen Gedanken… Ich will nicht so doll reißen… So ein schweres Kind ist doch sicher schwerer rauszupressen… „Kommt doch nur auf den Kopfumfang an, der Körper flutscht hinterher“ sagen die Frauen im Forum. Ich grübel schon wieder zu viel.

Er bewegt sich heute deutlich weniger… Ich habe gelesen, dass das auch auf die bevorstehende Geburt hindeuten kann… „Was Sie brauchen, sind Wehen!“… Den Spruch halte ich mir immer und immer und immer wieder vor. Menno. Ich will keine Hysterie-Schwangere sein, bin es aber leider total. War das ein Ziepen? War das eine Wehe? War die eher im Rücken oder eher vorne? War das der Schleimpfropf? Sitzt der Kopf schon fest im Becken? Geht es jetzt bald los? Geht es jetzt bald los? Geht es jetzt bald los? Oh Gott, was ist, wenn seine Nabelschnur um den Hals gewickelt ist und er sich deshalb jetzt weniger bewegt???

Jaaaaa, ich bin mir selber ein bisschen peinlich gerade…

Ich kann aber einfach nicht total tiefenentspannt im Lotus-Sitz hier verharren und entspannt den Dingen entgegenblicken, die da kommen, mit einem beruhigenden „Er kommt, wenn es richtig ist“-Mantra im Kopf. Ich hab Schiss, dass es mir wieder schlechter geht. Dass sich mein Körper die nächste fiese Scheiße ausdenkt, mit der er mich umhaut. Wir sind echt kein gutes Team, mein Körper und ich. Eh schon nicht und in dieser Schwangerschaft schon gar nicht. Ich vertraue dem nicht, dem Sack! Was ich mir aber denke (oder versuche zu denken), ist: Jetzt hat das Baby eine ziemlich automatische All-Inclusive-Vollversorgung. Die wird man sich nach der Geburt an nicht wenigen Tagen zurückwünschen. Das Baby ist immer ernährt, immer warm genug und immer automatisch dabei. Ich muss es nicht anziehen, nicht die Kacke abwischen, habe keine wunden Brustwarzen und ich mache mir jetzt noch halb so viele Sorgen im Vergleich zu dem Zeitpunkt, an dem er auf die kalt-fiese Welt geplumpst sein wird… Also: „Enjoooooooy the silence!“ wäre für das Ende der Schwangerschaft eigentlich das viel bessere Mantra.

Sonntag (38+6):

Mein Bauch ist viel kleiner. Oder? Nicht sicher… Am Ende wird das Fruchtwasser noch weniger… Unlogisch… Bei P. hatte ich tendenziell eher viel Fruchtwasser. Aber was, wenn doch? Die Gyn hat das nicht mehr kontrolliert in letzter Zeit und überhaupt: Irgendwie kommt sie mir so „nachlässig“ vor… Aber auch diese Gedanken sind wahrscheinlich typisch für hysterisch -schwangere.

„Nur 4% der Kinder kommen am errechneten Termin zu Welt“… „Der Großteil der Kinder wird in den 10 Tagen vor oder nach dem Termin geboren“… „Nach der Befruchtung dauert eine Schwangerschaft durchschnittlich 266 Tage“… Ich versuche, die auslösenden Faktoren einer Geburt zu verstehen.

In den letzten Wochen der Schwangerschaft folgt eine Phase der Aktivierung der uterinen Aktivität, in der vor allem durch den wachsenden Einfluss von Östrogenen im Myometrium verstärkt gap junctions ausgebildet werden. Gemeinsam mit einer Zunahme der Oxytocinrezeptorexpression und von Ionenkanälen an den Membranoberflächen werden die Kontraktionsbereitschaft des Myometriums erhöht und so die Möglichkeit einer koordinierten Kontraktionsausbreitung über den Uterus geschaffen.

Soweit klar, ne? Ich kapiere nur, dass da ziemlich viel unklar ist und es wohl ziemlich viel mit Hormonen zu tun hat. Aber wann/wie/wodurch schüttet das Baby denn die entsprechenden Hormone aus? „Wenn es fertig ist.“ Hmmmmm… Wie uuuunbefriedigend! T. drückt jedenfalls schon ordentlich nach unten. Autsch, wenn ich aufstehe zieht es und ich muss ein bisschen humpeln. „Was Sie brauchen, sind Wehen!“… Ja. Und wo sind sie? Die Wehen? FrotzelFrotzel…

Ach, bevor ich es vergesse: Ich schleime immernoch.

Trächtigkeitsstatus ab morgen:

  • Letzter Schwangerschaftsmonat (10. Monat)
  • *aaarrrrgh* 40. Woche (rechnerisch), SSW 39 (+ 0–6 Tage)
  • noch 1 Woche bis zum ET
  • 8 Monate + 2 Wochen nach Befruchtung
  • T. ist 37 Wochen alt
  • 260. bis 266. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby: ca. 50 cm
  • Kopfumfang: ca. 36 cm
  • Gewicht: ca. 3500 g (letzte Schätzung an 36+4 = 3500 g)
  • Fußlänge: ca. 8,5 cm

Seit dem 23.12. sind heute ( 08.09.2013 ) 259 Tage vergangen. T., hörst du? 259 Tage! Meine Schwangerschaftnewsletter sind jetzt zu Ende und ich hab zu viel Zeit, um mir zu viele Gedanken über Nabelschnüre um den Hals und Gewichtszunahmen zu machen. In der nächsten Woche gibt’s nichts mehr zu lesen und hey… ich finde, du bist echt groß genug jetzt. Also bitte: KOMM! JETZT! RAUS DA!

Schwanger sein: So war die 39. Woche (Teil 1)

Montag (38+0):

01:15. Ich wache von zunehmend stärker werdenden Flankenschmerzen auf. Drücke das rote Knöpfchen. Eine Hebamme kommt ins dunkle Zimmer und bringt mir kurze Zeit später eine Infusion und ein warmes Kirschkernkissen. Die Infusion wirkt binnen Minuten. Wunderzeug!

03:06. Ein Baby schreit jämmerlich, direkt vor meiner Tür. Ich muss mich orientieren. Ach ja, ich bin Krankenhaus… Kreißsaalstation. Muss aufs Klo. Gegenüber das Zimmer, in dem die Notfallversorgungen für Neugeborene im Falle des Falles stattfinden. Hektik, Diskussionen, Krach… „Das war wirklich nicht absehbar, Frau Doktor.“ – piep-piep-piep – „Ja, aber das hätte man doch…“ – piep-piep-piep – uäh Uäh uäh uäh. Stille. Piep-piep-piep… Uäh uäh. Ich gehe zurück in mein Zimmer. Zu welcher Frau gehört das Baby? Die, die gestern im Nebenzimmer so laut getönt hat? Die, deren Baby so heftig auf die Einleitung reagiert hat, dass sie nach den wehenfördernden direkt wieder wehenhemmende Mittel bekommen musste? Ich schlafe erst über 1,5 Stunden später wieder ein, als das Baby endlich aus dem Flur gefahren wird. (Zwischendurch haben die Ärzte gelacht. Es wird also nichts Schlimmes gewesen sein…) Ich muss hier raus…

Morgens. Ich darf nichts essen. „Wenn dann doch schnell eine Schiene gelegt werden muss, müssen Sie nüchtern sein.“ Schiene? Ich will keine Schiene?!? WartenWartenWarten. CTG soll noch geschrieben werden vor der Untersuchung. Im Krankenhaus ist man nur eine Nummer. Ich bin dauernd am Warten. Schon wieder so nervös, dass mir der kalte Schweiß ausbricht. Ich hab das alles so satt… Um 7. Um 8. CTG ist okay. Keine Wehen, nur zwei kleine unregelmäßige Kontraktionen. Um 9. Mein Kreislauf sackt ab… Laufe auf der Neugeborenen-Station vorbei. Kleine Ohren, Nasen, Gequake, fertige Frauen, verliebte Typen. Das ist alles noch so weit weg.

Untersuchung bei der Urologin. Sie sagt, dass sich schon Harn in den Nieren staut, aber nicht schlimm. Aber da wäre wohl viel Zeugs im Urin. Empfiehlt nochmal ein stärkeres Antibiotikum gegen den Infekt. Entlasten der betroffenen Seite, Ruhe, viel trinken. Sie sieht keinen Grund, einzuleiten. Ich soll wiederkommen, wenn Fieber, Schüttelfrost, Extreme Schmerzen. „So schlimm ist das jetzt alles nicht, das habe ich schon schlimmer gesehen!“ Man selber hat so zu tun damit und für die ist das alles so harmlos… Aber: Ich darf nach Hause! Ich freu mich! Die Schmerzen fangen aber gleich wieder an. Ich lasse mir noch eine Paracetamol-Infusion geben, die Nadel wird aus dem Handeglenk gezogen, ich bekomme Antibiotikum und Buscopan-Zäpfchen mit. „Gut Frau J., dann beehren Sie uns bald wieder.“ – „Ja, aber hoffentlich erst zur Geburt“ sage ich.

Es ist so seltsam. Im Krankenhaus steht die Zeit still. Man ist so festgelegt auf nur das, was da passiert. Auf seinen Körper. Die nächste Untersuchung. Die Schmerzen. Draußen ist Herbst geworden. Ich war da nur zwei Tage drin und trotzdem fühlt sich draußen alles anders an. Ich habe großen Respekt vor allen, die schon Wochen und Monate im Krankenhaus verbracht haben. Ich glaube, man muss da echt aufpassen, nicht durchzudrehen…

Decke mich mit Kirschkernkissen und Tee ein. Zuhause auf’s Sofa. K. ist wahnsinnig fürsorglich. Ich fühle mich gleich viel besser. Das fehlt einem im Krankenhaus. Echte Fürsorge. Berührungen. Liebe!

Dienstag (38+1):

P. wacht morgens um 6 schreiend auf. Sie hat von einem Fahrstuhl im Krankenhaus geträumt, der plötzlich zu gegangen ist und sie ist allein drin. Gott, mein armes Kind… Sie nimmt das alles ziemlich mit. Dazu noch der grippale Infekt… Ich fühle mich mies, weil ich so wenig für sie da bin gerade.

Die Schmerzen sind auch spürbar. Auch Schmerzen beim Pinkeln zunehmend. Mistmistmist, verdammter Kackmist!!! Wieder Krankenhaus? Sie hat gesagt, wenn es beim Pinkeln brennt, soll ich kommen. Bloß nicht. Hab kein Fieber, kein Erbrechen, kann noch reden. Was soll ich nur machen? Buscopan rein. Auf’s Sofa. Ich bin so durch den Wind… Einleiten? Kaiserschnitt? Abwarten? Gehe immer wieder die Optionen durch, die alle so überhaupt nicht verlockend sind. Ein weiterer Tiefpunkt: Ich will nicht mehr, ich kann keine Schmerzen mehr ertragen!! Ich kann einfach nicht mehr. Ich bin total erschöpft. Am Ende. Total kraft- und willenlos. Fühle mich zu schwach, um vom Sofa zum Bad zu gehen und bin danach völlig erledigt. Wie soll ich denn in der Verfassung ein Kind zur Welt bringen???? Wie???? „Lass ’nen Kaiserschnitt machen“ sagen die Frauen im Forum. Ich will das aber nicht. Glaub ich… Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was ich diesbezüglich will oder kann… Ich will einfach nur noch aus sein. Ich will, dass es vorbei ist.

… … …

Die Schmerzen lassen langsam nach. Aber ständig schießt die Panik fies in Kopf und Bauch… Schweißausbruch, Zittern… Ich hab wirklich richtig Angst. Panik vor Schmerzen. Ich hab das Gefühl, verrückt zu werden. Angst. Einfach nur wahnsinnige Angst! Ich komme überhaupt nicht mehr runter… Will irgendwie flüchten, weiß doch aber, dass das nicht geht.

Gucke aus lauter Verzweiflung doof-TV. Das hätte ich schon viel eher machen sollen… Lenkt gut ab. Und dann endlich ein sinnvoller Gedanken-Dreh: „Hey! Es geht doch hier um unser Baby! Um mein Kind!“ Tatsächlich habe ich das vor lauter Gedanken an Schwangerschaft, Geburt, Schmerzen, Entscheidungsdruck und „es soll aufhören“ fast komplett aus den Augen verloren. Mache mir Notizen. Denke an das Baby. Stelle mir vor, dass er in meinem Bauch so aussieht wie die Babys der Station 9… Das hilft! Versuche, die Gedanken festzuhalten und die Panik wegzuschieben. Es geht mir schon besser… Ich komme über den Tag mit viel Fernsehen, Liegen, Trinken, aber dafür ohne Schmerzmittel. Bin endlich nicht mehr so verzweifelt. Vielleicht geht der Plan doch noch auf? Vielleicht wirkt das Antibiotikum, die Schmerzen gehen weg und ich komme wirklich nochmal zu Kräften? Komm, mein Baby! Wir schaffen das… Nach der Geburt wird alles das hier so egal sein.

Abends dann ein gemeiner Dämpfer. Kaum sind P. und K. wieder da und ich beginne, mich ein bisschen zu bewegen, kommen auch die scheiß Schmerzen zurück. Wieder so extrem, wie sie seit Tagen nicht mehr waren. NeinNeinNein! Verdammte scheisse!!! Kann mich nur noch in die Wanne schmeißen und heulen. Nehme wieder ein Zäpfchen. Die Schmerzen lassen nach. Mir wird schlecht. Ich schiebe mir trotzdem etwas Essen rein. Denke bei jeder Nahrungsaufnahme daran, dass ich das später auskotzen werde, wenn die Geburt jetzt beginnen sollte. Versuche, P. ins Bett zu bringen. Schaffe es nicht. Schleppe mich nur wieder zum Sofa. Armer K., der übernimmt hier alles gerade. Schmeiße Avena Sativa ein und hoffe auf einen schnellen, steinernen Schlaf…

Mittwoch (38+2):

Schlafe fast durch. Wirre Träume mit Inhalten aus Schultagen. P. hat wieder normal geschlafen, benimmt sich heute morgen aber wie ein pubertierender Teenager. Weint ständig los, meckert nur rum, sagt „Lass mich in Ruhe!“ – sie wirkt auch ziemlich durch den Wind. Schmerzen bisher immerhin nur dumpf. Heute aber wieder mehr Panik. Ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend. Bekomme die Angst nicht weg… Versuche, wirklich ganz bewusst ans Baby zu denken. Streichle meinen 120 cm-Bauch.

Frage mich, woher die Schmerzen in der Flanke eigentlich kommen. Von der gestauten Niere? Von der Entzündung? Vom Infekt? Oder liegt da ein Nerv? Es ist seltsam, weil die linke Niere laut Urologin weniger gestaut ist ist als die rechte. Aber ich hab die Schmerzen linksseitig, immer an exakt der selben („selbsten“, wie P. sagen würde) Stelle. Google verrät mir nichts. Stoße nur wieder auf Horrorgeschichten. Lasse das sein. Schreibe lieber einen Bericht über die letzte Woche und das Krankenhaus-Wochenende. Schreiben hilft. Wie schon so oft…

Heute traue ich mich, wider etwas mehr zu sitzen. Laufe rum. Ignoriere den dumpfen Schmerz. Bin nach wie vor ziemlich fertig, habe seltsame Hitzewallungen und den grippalen Infekt von P. mit abbekommen. Aber keine Schmerzmittel bisher gebraucht. Ablenkung und… Da! Der Bauch wird hart!! Zum ersten Mal seit Tagen wird mein Bauch wieder hart! Ich freue mich darüber tatsächlich total… In den nächsten Stunden wird er alle halbe Stunde hart. Und dann? Eine Wehe! „Back in the Game“ denke ich und erkläre meinem Bauch: „Morgen, mooooorgen, T. – morgen ist ein toller Tag!“ Meine Mutter würde P. aus der Kita holen, sie könnte übers Wochenende bei meinen Eltern sein. Ich stelle mit das gut vor. Fühle mich gar nicht mal so unbereit plötzlich. Komm, T., wir schaffen das! Dann sparen wir uns auch den beknackten 8-Uhr-Termin bei der Gyn… Ha! Ich hab meinen Galgenhumor wieder.

Es geht bergauf!!!

Schwanger sein: So (beschissen) war die 38. Woche

Montag (37+0):

CTG bei der Gyn. Morgens harter Bauch und so… Ich sage zu K.: „Bin mal gespannt, ob der Wehenschreiber was anzeigt…“ Kaum an das Ding angeschlossen: Eine Wehe. Eine ECHTE WEHE! Deutlich links in der Leiste ziehend spürbar, schmerzhaft. Okaaaay… Dann noch eine, noch eine, noch eine… Insgesamt fünf Stück in 25 Minuten aller fünf Minuten. Heute also? Ich spiele das durch… Wäre jetzt doch ganz schön plötzlich… Andererseits: Das Wochenende war entspannt, wir haben ausgeschlafen… K. ist ganz bleich. Die Gyn sagt „Ja, schon schön regelmäßig. Wir gucken’s uns Mal an.“ – „Der Muttermund ist weich, aber noch fest verschlossen, das Köpfchen noch problemlos abschiebbar.“ – (zugegeben: Enttäuschung bei mir) – „Das können auch Senkwehen sein, dann geht er aber wahrscheinlich über Termin.“ – (Na Danke auch…) Kaum war hing ich nicht mehr am CTG, waren auch die Wehen in der Form nicht mehr da. Ich weiß jetzt gar nicht, was ich davon halten soll und höre auf jeden Zipp meines Körpers. Der Bauch wird regelmäßig hart, sonst nichts weiter.

Dienstag (37+1):

Normale Nacht gehabt. Prüfe bei jedem Klogang – und davon gibt’s ’ne Menge -, ob etwas „Verdächtiges“ zu sehen ist. Nichts. Auch keine wirklichen Wehen mehr. Manchmal ein Ziehen an der Stelle, an der es beim Arzt auch gezogen hat, dann halte ich inne… Wehe? Nein… Der Bauch wird regelmäßig zur Bowlingkugel, aber nichts schmerzhaftes. Erledige Schreibkram. Bin nach wie vor verwirrt. Was sollte das denn gestern?

Mittwoch (37+2):

Nacht war wieder normal. Vormittags zur Akkupunktur, 2. Mal. Weiß noch nicht einmal, ob ich an die Wirkung glaube. Die Studien dazu klingen ja verheißungsvoll „Durchschnittlich zwei Stunden kürzere zweite Geburtsphase“ – nehme ich. Frage meine Hebamme – die im Übrigens jünger ist als ich, was ich manchmal komisch finde, weil „Hebamme“ so nach alt-weiser Frau klingt -, was das am Montag wohl zu bedeuten hat. „Vorbereitung“ sagt sie. Finde die Antwort gut. Sie hat ja Recht. Irgendwas passiert halt und irgendwann wird es halt losgehen… Blöde Grübelei! Sie tastet nach T.s Lage: „Der ist noch nicht fest“ sagt sie, macht „ü-i-ü-i“ während sie T.s Köpfchen mit dem Zangengriff ein wenig hin- und her schiebt. Gehe danach einkaufen, zum Frisör und mit P. nachmittags zur Musikstunde. Wir sind sieben Familien mit Kindern, die etwa drei Jahre alt sind und drei haben im letzten Jahr ihr zweites Kind bekommen. Ich bin im Babyfieber und extrem fasziniert von der sechs Monate alten E., die mit dem schönen Namen, den auch unser 2. Kind bekommen hätte, wenn es kein Junge wäre… Eine Mutter und ich haben den gleichen ET und prusten-schnaufen zusammen rum. Der Austausch tut gut. Die Babys zu sehen tut gut. Ich will auch!!! Das war ein langer Tag, abends entsprechend fertig mit schmerzendem Körper auf’m Sofa. Wehen? Nicht wirklich… Harter Bauch? Ja, nach wie vor. Und Stechen zwischen den Beinen, regelmäßig.

Donnerstag (37+3):

Bisher konnte ich ja durchschlafen. K. und ich sind vor der Glotze eingepennt. Um 4:00 war ich wach und konnte nicht mehr schlafen. Gibt kaum was, dass ich weniger ab kann als nicht schlafen zu können (hatte Schlafprobleme früher). Gedanken rasen wirr durch meinen Kopf… „Wann geht es los? Wann geht es los? Maaaaaann… Beruhig dich! Er kommt, wann er kommt! Er kommt, wann er kommt! Er kommt, wann er kommt! Muss meine Studienleistung noch schreiben… Ah, was ist das für ein Schmerz?“ 1-2 Wehen waren dabei, glaub ich. Forscher in mir kommt raus: Wann sind die Babys denn eigentlich „fertig“? Also wodurch wird der Startschuss zur Geburt gegebenen? Woran liegt es, wenn es nicht losgeht? Lese von verschiedenen Theorien… Zum Beispiel: Babys schütten Hormone aus, sobald die Nährstoffmenge nicht mehr reicht, und die Baby-Hormone lösen dann bei der Mutter wiederum Hormonfreisetzung aus, die dann Wehen erzeugen. Cortisol, Oxytocin, Progestoron, Östrogen, Prostaglandin, … Heißt das dann, wenn eine Geburt nicht losgeht, dass das Baby einfach noch gut genug versorgt wird, im Bauch der Mutter? Könnte auch heißen, dass die Hormon-Schaltzentrale bzw. -Kommunikation zwischen Kind und Mutter nicht richtig funktioniert… „Hormone“… Eh so ’ne crazy Sache… Irgendwann gegen 06:30 schlafe ich dann wieder ein.

Freitag (37+4):

Mein Körper macht merkwürdige Sachen… Wenn er dann wieder etwas merkwürdige tut, bei dem ich denke „Das könnte ja vielleicht darauf hindeuten, dass…“, dann wird mir komisch. Aber gar nicht freudig-erregt-komisch, sondern ANGST-komisch. Ich würde mich so gern bereit fühlen für die Geburt… Aber so fühle ich mich nicht und so werde ich mich wohl auch nie fühlen. Ich fühle mich bereit für mein Baby, das ja. Aber ich fühle mich an keinem Tag stark, in der Lage und „gut“… Das ist das Absurde an diesem Zustand: Ich warte ungeduldig und will, dass dieser Zustand des Kriechens und Keuchens endlich vorbei ist und dass ich mich wieder bewegen und atmen und schlafen kann wie ein halbwegs fitter Mensch. Und ich will mein Baby. Gleichzeitig ist kein Tag der „richtige“ für die Geburt… Von meinem Gefühl her kann ich gar nicht so fit sein, wie ich es sein müsste, um das irgendwie… ich weiß auch nicht wie… vielleicht „problemlos“?… zu überstehen. Beim ersten Mal weiß man nichts. Und ist deshalb tierisch aufgeregt. Beim zweiten Mal weiß man, was einen erwartet. Und hat deshalb einfach nur Schiss… Ich hab Angst vor den Schmerzen. Angst davor, mich wieder so ohnmächtig zu fühlen, so willen- und kraftlos, so ausgeliefert, dass ich nur noch wimmernd denken kann „Mach, dass es vorbei ist… Egal wie.“ Ich freue mich wirklich auf das Danach. Auf mein Baby, auf das Kennenlernen, auf die ersten tollen Tage. Aber den Teil davor, den würde ich gern ausblenden. Auch wenn man sich danach fühlt wie ein Superheld…

Der Tag war voll. Morgens Hebamme. Danach Frisör. An meiner studienleistung gearbeitet und einkaufen mit P. und K. Die Quittung bekomme ich sofort. Schon im Einkaufsmarkt kann ich kaum noch Laufen, habe starke Rückenschmerzen. Denke halt: Belastung. So war das ja in den letzten Wochen schon… Viel laufen = starke Rückenschmerzen. Zuhause muss ich mich hinlegen, schleppe mich in die Wanne. Bekomme es damit halbwegs hin. K. kocht abends, wird schmeißen einen Film rein. Plötzlich kommen die Schmerzen wieder. Fangen vorn links unterm Bauch an, gehen dann in die Flanke links. Ich versuche mich zu bewegen, dadurch was zu verändern. Aber es ändert sich nichts. Die Schmerzen werden von Minute zu Minute stärker. Wie sehr starke Wehen, aber ohne Pause. Ich schleppe mich ins Bad, bekomme starken Durchfall. Und Angst. Das ist heftig… Bekomme Panik, rufe K. Ins Krankenhaus fahren? Jetzt? Geburt? Die so anfängt? Ich will nicht!!! Das können keine Wehen sein… K. lässt mir eine Wanne ein. Ich schmeiße mich rein, es wird etwas besser. T. Bewegt sich stark. K. gibt mir eine Paracetamol. 20 Minuten später lassen die Schmerzen nach. Meine Mutter vermutet einen geklemmten Nerv. Ich schlafe ein.

Wochenende (37+5 – 37+6):

Ich schlafe durch, hab geschlafen wie ein Stein. Wache morgens gegen 6 mit klopfendem Herzen auf. Bin unglaublich unruhig und nervös. Was war das? Ich hab keine Schmerzen mehr, aber ich bin so unruhig. Im Forum werden Nieren vermutet. Ich google. Haut hin. Hatte Montag auch Blut im Urin. Wecke K. Ich will ins Krankenhaus, das abklären lassen. Bin total dir durch den Wind, komme weder runter, noch klar. K. ist ruhig… „Das wird schon. Jetzt sind die Schmerzen doch weg.“ Ich zittere total, hinter mir quäkt P. in ihrem Sitz „Warum fahren wir jetzt ins Krankenhaus?“

Wir werden direkt in den Kreißsaal geschickt. Eine Hebamme kommt aus dem Aufnahmezimmer, ich erkenne in ihr eine alte Freundin aus Grundschulzeiten. Werde sofort ruhiger. Sie nimmt meine Daten auf („Dann haben wir das für die Geburt gleich erledigt.“), schreibt CTG. T.s Herztöne sind ganz schön hoch… Urinprobe. „Viel Blut im Urin.“ Eine Ärztin wird gerufen. Ultraschall, Blut, Muttermund. „Nieren sind gestaut.“ Es muss geschaut werden, ob eine Infektion vorliegt. Vor allem auch bei T. Die hohen Herzfrequenzen könnten darauf hindeuten. Das Problem ist, dass sich der Harn in der Niere staut und nicht abfliessen kann. Vor allem ein Problem, wenn der Harn infiziert ist. Die Schwangerschaft ist der Grund. „In Ihrem Stadium wäre es das beste, Sie würden Ihr Kind bekommen. Vielleicht müssen wir einleiten.“ Muttermund ist fingerdurchlässig, leichte Wehenaktivität. Ich bekomme ein Zimmer auf der Kreißsaalstation. Es ist seltsam, wieder hier zu sein. Vor 3 Jahren wurde P. hier geboren. Schmerzen hab ich keine zu dem Zeitpunkt.

Die nächsten CTGs sehen gut aus. T. hat sich beruhigt. Aber es sind Bakterien im Urin. Ich soll über Nacht bleiben. P. und K. bringen mir meine Tasche. P. versteht nicht so richtig, weint doll beim Abschied. Herzschmerz… Einleiten? Morgen? ICH WILL NICHT!!! Oder?? Ich bin völlig durcheinander… Währenddessen bekommt eine aus dem Forum gerade ihr Kind… Und nebenan brüllen die Frauen und Babys. Nachts bekomme ich wieder Schmerzen, zunehmend auch beim Pinkeln. Verdammt!

Sonntag. Ja. Ein Harnwegsinfekt also, den Werten nach aber kein schlimmer. Ich bekomme ein Einmal-Antibiotikum. Ich nehme Immununterdrücker wegen dem Crohn, das heißt, Fieber und Entzündungen habe ich in dem Sinne nicht… Ich mache mir Sorgen… Ich bin fertig. Das Krankenhaus macht mich kirre. Ich google zu viel. Ich hab wahnsinnige Angst plötzlich. Was steht da für ne Wahl? Entweder unerträgliche Schmerzen durch Einleitung, die in einem Not- Kaiserschnitt enden könnten, weil ich einfach zu erschöpft bin. Oder unerträgliche Schmerzen nach einem geplanten KS. Noch länger im Krankenhaus, noch weniger für P. da sein. Ich weiß jetztbgar nichts mehr, bin total verunsichert. Was will ICH denn? Ich will nichts.. Ich will, dass alles schon hinter mir haben. Ich will nichts entscheiden müssen. Will keine Schmerzen mehr. Will nicht im Krankenhaus sein. Will nicht die Frauen entbinden hören.. Ich hab Angst, Angst, Angst! Die CTGs sind okay, kaum noch Wehen. Die hoffnungen der Hebammen, er würde sich allein auf den Weg machen sind weg. „Ich will… Ich kann jetzt auch nicht gebären. Ich schaffe das einfach nicht…“ denke und sage ich. Von Kaiserschnitt halten die nichts. Ich eigentlich auch nicht. Man will den nächsten Tag abwarten, mich bei Urologen vorstellen… Die Werte sind Immernoch okay, keine große Entzündung. Dafür kommen die Schmerzen jetzt regelmäßig wieder. Scheisse. P. weint erbitterlich beim Abschied „Die Mama soll mitkommen!“ und ich weine dann auch… Ist mir alles zu viel… Ich kann keine Schmerzen mehr ertragen. Ich will diese Entscheidung nicht treffen müssen. Ich will nicht gebären. Ich will nicht, ich kann nicht… Tiefpunkt… Uähä… Ich will zu meiner Maaaamaaaaa… „Sie haben langsam einen Krankenhaus-Koller, was?“ Endlich spricht dann eine Hebamme mal länger mit mir. „Vielleicht gehen Sie nochmal nach Hause, kommen zu Kräften und dann ausgeruht wieder für die Geburt.“ – „Ja“ denke ich… „ich will nach Hause.“ Das hier, die tönenden Frauen, Notfallversorgungen an Babys, Krankenhaus-Atmosphäre, das ständige CTG-Schreiben, das Piepen, das warten auf was auch immer.. Das macht mich nur irre. Ich will nach Hause, nach Hause, nach Hause. Ich bin emotional echt am Ende gerade…

Trächtigkeitsstatus aktuell:

  • Mein letzter Schwangerschaftsmonat (10. Monat)
  • 39. Woche (rechnerisch), SSW 38 (+ 0–6 Tage)
  • noch 2 bzw. 1,5 Wochen bis zum errechneten Termin
  • 8 Monate + 2 Wochen nach Befruchtung
  • T. ist 36 Wochen alt
  • 253. bis 259. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby: ca. 50 cm
  • Kopfumfang: ca. 36 cm
  • Gewicht: ca. 3300 g (letzte Schätzung an 36+4 = 3500 g)
  • Fußlänge: ca. 8 cm

Ich habe immer wieder Kontraktionen in Form eines harten Bauchs, meistens nicht schmerzhaft. So sieht das auf der Wehenkurve aus:

wehenkurve 38. ssw

Jahaaa… Da könnte man eigentlich schon voller Hoffnung sein, sieht ja so schön regelmäßig aus. Ist aber nichts weiter… Vorbereitung, Senkwehen, was weiß ich…

Tja. Irgendwie bin ich echt davon ausgegangen, dass es keinen Beitrag mit dem Titel „So war die 39. Woche“ geben wird.

 

WordPress hat mir übrigens heute mitgeteilt, dass mein Blog Geburtstag hat. Stimmt… Am 01.09.2011 habe ich diesen Blog aufgesetzt und meinen ersten Beitrag veröffentlicht („Das Kind steht nun langsam aber sicher frei! HURRA!“).