Schreien (Update)

T. ist inzwischen 5 (fast 6) Wochen alt. Heute 40 Tage… VIERZIG TAGE ist er schon hier? Wahnsinn…

(Bzw.  genau genommen existiert er seit 307 Tagen oder 43 Wochen und 6 Tagen oder 10 Monaten und  3 Tagen…)

Ich habe ja vor 3 Wochen über die Schrei-Intensität von T. berichtet und wollte das jetzt Mal updaten. Häufig lese ich zu dem Thema sowas wie „Meist hat das exzessive Schreien um die 6. Woche seinen Höhepunkt und geht nach dem 3. Monat deutlich zurück.“ (z.B. hier bei der AWO). Wir sind in der 6. Woche. Ich bin aber eigentlich der Meinung, dass das mit den Wochenangaben Quatsch ist… Ebenfalls die Sache mit Entwicklungsschüben in einer ganz bestimmten Woche. Das widerspricht meinem Menschenverstand… Es kommt ja auch nicht Jede/r mit 40 in die Midlife-Crisis. Davon mal abgesehen, dass nicht Jede/r überhaupt in so eine kommt.

Zunächst einmal: Es ist nicht so geblieben, dass T. immer gebrüllt hat, wenn er wach war und nur durch a) Brustnuckeln oder b) exzessives Herumtragen nicht am Brüllen war. Es gab zunehmend Phasen, in denen er wach war ohne Schreien. Zunehmend auch längere. Wir scheinen aber ein seeeeehr waches Kind zu haben. Wenn uns J&J mit ihrem Säugling besuchen, dann verpennt er von den 4-5 Stunden so 98%, während T. eigentlich komplett wach ist. Er schläft tagsüber wirklich sehr wenig. Im Tuch/Bondolino aber ziemlich sicher.

Ich hatte nach meinem Down – als er 3 Wochen alt war und ich dachte, wir werden jetzt monatelang mit einem Baby, dass entweder brüllt oder an der Brust hängt verbringen – wirklich versucht, wenigstens einige Brust-Pausen hinzukriegen. Einfach um mal zu merken, wann er überhaupt schreit, weil er wirklich an der Brust trinken will. Und die Zeit dazwischen mit Tragen überbrückt. Das war ganz gut so. Und ich habe abgepumpt und ihm in der krassen Abend-Phase die Flasche gegeben, um zu sehen, ob er wirklich Hunger hat. Er hat 70 ml getrunken und danach geschlafen. Es gab aber auch Abende, da hab ich ihn abends recht kurz gestillt und er ist dabei eingeschlafen. Einschlafen ohne Brust ist aber kaum drin.

Und Zuhause Rumhängen mit Baby… Das ist mit ihm irgendwie nicht drin. Wenn ich zu schlapp zum Rausgehen bin und nur mit T. hier i Ruhe sein will (- Stillen – Schlafen – Wickeln -Stillen -) dann ist er sehr viel unleidlicher als draußen. Und dann lass ich ihn auch wieder stundenlang an der Brust rumnuckeln. Dann schläft er mal kurz ein, wacht wieder auf, nuckelt, pennt wieder ein. Sich zu entfernen ist quasi unmöglich. Das ist ein bisschen Folter, wenn man eigentlich einfach nur Mal ein bisschen Kraft tanken möchte. Los! Lauf! Lauf! Lauf! Arrrgh… Anstrengend manchmal.

Wir befinden uns aktuell in T.s 6. Lebenswoche. Er hat echt einen ziemlich erstaunlichen Tag-Nacht-Rhythmus, finde ich. Er schläft tagsüber kaum bzw. total unvorhersehbar. Aber abends schläft er zwischen 19 und 21-22 Uhr ein und dann eine ganze Weile. Nachts kommt er meistens 1-3 Mal. Trinkt kurz, schläft schnell weiter. Morgens hat er spätestens ab 8 keinen Bock mehr auf im Bett rumliegen.

Dann ist er gut drauf, irgendwann wird er dann unleidlich, ich lass ihn trinken. Hm, das ist eine etwas anstrengende Phase. Weil er dann trinkt, aber irgendwie nuckeln will (?)… Jedenfalls trinkt er nicht effektiv oder ich kann es nicht deuten. Ganz komisch. Er ist dann auch sackmüde, pennt aber (wenn überhaupt) nur leicht und wacht immer wieder auf. Sich entfernen geht dann wie gesagt gar nicht. Am besten ist es dann, ihn in Tuch oder Trage zu packen und rumzulatschen. K. übernimmt das dankenswerterweise häufig. So läuft der Tag dann irgendwie… Tagsüber ist es noch ziemlich unkoordiniert. Es ist jedenfalls nach wie vor eher selten so, dass er quäkt, ich ihn anlege, er einfach trinkt, abdockt und dann erstmal zufrieden ist.

Aber manchmal ist es so. Und seit einigen Tagen lacht er mich manchmal auch an. Das entschädigt für einiges.

Allgemein denke ich, dass dieses heftige Schreien in den ersten Wochen schon eher eine Anpassungsgeschichte war. Er ist jetzt schon deutlich ausgeglichener. Guckt auch einfach mal in der Gegend rum (FENSTER!). Das gab’s am Anfang ja gar nicht. Rückblickend ist es, als wäre ihm da alles irgendwie zu viel gewesen. Zur Ruhe kommt er auch jetzt noch schlecht, er scheint irgendwie nicht so gut in den Schlaf zu finden. Obwohl wir uns dafür schon echt mit ihm abschotten, damit er’s ruhig hat… Dann ist er oft drüber und dann wird es noch schwerer… P. ist in der Hinsicht übrigens sehr ähnlich. Und ich denke, dass er seeeeeehr nähebedürftig ist. Alleinsein kann er jedenfalls gar nicht ab. Irgendwo rumliegen stinkt. Deshalb pennt er nachts im Familienbett vielleicht auch besser?

Ich bin sehr gespannt, was er mal für einer wird und wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt. Von P.s Anfangszeit hab ich noch im Kopf, dass so um die drei Monate wirklich eine Grenze war… Danach war sie sehr viel wacher und fröhlicher. T. grinst jetzt zwar manchmal kurz, aber allgemein wirkt er immer eher skeptisch, fast griesgrämig. Ich kann mich nicht erinnern, ob das bei P. am Anfang auch so war?

Wie war das bei euch? Waren eure Kinder Frischlinge auch so? Und wann wurden sie zu den glucksenden Babys, die ihre Füße in den Mund stecken und so?

Mensch Kind, jetzt mach doch mal ein bisschen mit!

Boar… Kleinkind-Eltern: Kennt ihr das? Der alltägliche Plan sieht in etwa Folgendes vor: Kind von der Kita abholen, eventuell Zwischenstopp auf’m Spielplatz oder so, nach Hause, ein bisschen (RUHIG!) spielen (hahahaha…), gemeinsames fröhlich-entspanntes Abendessen, Runterkommen, kleine Bad-Runde (Waschen-Zähne-Schlafanzug), 2 Geschichten vorlesen, Küsschen, Schlafen. Danach Feierabend.

Schöner Plan. So läuft es aber in so… hmnnn… vielleicht 3? von 100 Fällen. Wenn’s hochkommt. Weil 3-Jährige Meister-Saboteure sind! Wir sagen hier jedenfalls ständig diesen bescheuerten Satz: „Kannst du nicht ein bisschen mitmachen?“ Meistens in den Umbruch-Situationen: Vom Schlafanzug in die Tagessachen, vom Kinderzimmer an den Frühstückstisch, vom Frühstückstisch ins Bad zum Zähneputzen, beim Fertigwerden mit dem Zähneputzen, beim Zahnputzwasser ausspülen, vom Bad zum Straßensachen anziehen, das Straßensachen anziehen ansich und dasselbe abends noch einmal potenziert, weil dann noch die kleinkindliche Müdigkeit dazukommt.

Als ich mit einem quietschvergnügten T. heute früh eine entspannte Wickelrunde verbrachte, krachte P. die Badtür auf, so schnell und doll, dass sämtliche Gerätschaften vom Badschrank herunterfielen. „Das is nis so slimm! Das räumt Mama wieder auf… Aaaaah, T.-Mann, kleiner Babymann, Papi, ich will meine Treppe… Oh T.! Hallo guck mal, der nimmt meine Hand! Lalalalalalalaaaa… Ich will die Zahncreme drauf machen! Nein Papi! Is kann das son alleine! Neeeeeeein!! Is will das!!! Blöder Papi!!“ *rumms* Abgang Kind.  Dramatische Heulerei aus dem Kinderzimmer. K. guckt mich mitleidserregend an: „Jeder Schritt. Jeder einzelne Schritt ist ein Kampf. ALLES wird diskutiert und torpediert! Da wird man doch IRRE!“

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage des Kindes hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Sie werden ja quasi den ganzen Tag fremdbestimmt. Ständig sollen sie irgendwas machen, was sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Ständig sollen sie dem Ablauf folgen, der von Anderen festgelegt wurde. Dazu haben die Eltern im Alltag nicht selten eine „Jetzt mach doch mal!“-Art drauf. „Jetzt zieh dir doch mal die Hose an!“ … „Jetzt iss doch mal dein Essen auf!“ … „Jetzt wasch dir doch mal die Hände!“ … Kinder sind keine Roboter. Und es ist schon verständlich, dass Kinder ja gar nicht anders können, als in diesen zum Teil recht festen Abläufen zu versuchen, trotzdem ihr Ding zu machen.

Wie sieht „ihr Ding“ aus? Wegrennen, rumhüpfen, kreischen statt Hose anziehen zum Beispiel. „Ich will aba feeeeahnsehn!“ statt sich an den Frühstückstisch setzen. „Ich hab aber jetzt Huuuungerrr! Ich will JETZT was Esseeeeeen! SOFORT!“-Schreien, während der Vater gerade angefangen hat zu kochen. Sich so komisch durchhängen lassen und dabei irre rumlachen, dass es unmöglich ist, das Kind für die Badewanne nackig zu machen. Und natürlich: Die Dinge alleine machen wollen. Verständlich. Sind halt Kinder.

Und wie gehen wir damit um? Wir wollen ja verständnisvoll sein. Versuchen, uns in die Lage des Kindes hineinzuversetzen (siehe oben). Können ja verstehen, dass die nicht immer einfach machen (können), was man gerade von ihnen will. Und dabei merken wir ständig überdeutlich unsere eigenen Grenzen.

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage der Eltern hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Es macht uns wahnsinnig, dass man morgens einfach „nicht vorwärts“ kommt. Wir versuchen im Bad innerlich ganz oft ganz tiiiief ein- und aus zu atmen und beschwören das Kind mit angestrengt ruhiger Stimme, es möge doch bitte zu uns kommen, damit wir es endlich ausziehen können. Wir hören uns viel zu oft drohend sagen: „Denk an deine Geschichte!“, wenn das Kind dem Bitten nicht nachkommt. Wir streichen dann und wann tatsächlich verzweifelt als letzter Anker eine abendliche Geschichte und provozieren damit einen noch viel nervenaufreibenderen Heul-Brüll-Wutanfall, der unseren Kopf fast zum Platzen bringt. Wir möchten eben diesen gern ab und zu einfach ins Essen fallen lassen und meinen, vor Überforderung auf der Stelle tot umfallen zu müssen, wenn nach Stunden endlich die ganze Familie gemeinsam am Essentisch sitzt (man hat nämlich – pädagogisch wertvoll! – gemeinsam gekocht) und das Kind sich plötzlich lautstark weigert, das Gekochte wenigstens zu probieren, stattdessen beständig nach Süßigkeiten verlangt, schließlich mit viel Überredekunst tatsächlich doch einen Mini-Bissen kostet, nur um kurz darauf loszubrüllen, weil das Essen angeblich zu heiß ist (was nicht sein kann, da es dort ja schon seit mittlerweile 30 Minuten vor sich hin kühlt), sich dabei vor Aufregung auf die Zunge beißt und vor Schreck den Becher Apfelsaft umwirft, woraufhin dieser sich über den gesamten Küchenboden verteilt. Wir wünschen uns, man könnte sich einfach wortlos umdrehen und sich wieder ins Bett legen, wenn man morgens gut gelaunt das Kind wecken möchte und der erste Wutanfall einen schon auf der Türschwelle entgegenföhnt (man hat es gewagt, das große Licht auszumachen). Und wir fühlen uns irgendwie schlecht, wenn wir nach dem Abgeben des Kindes vor dem Kindergarten stehen und spüren, wie die Anspannung von uns abfällt, angesichts der Stunden ohne kleinkindliche Dramen, die nun vor uns liegen. „Kannst du nicht einfach mal ein bisschen mitmachen?!?!?“ hören wir uns sagen. Ständig. Und dabei wollen wir das gar nicht.

Manchmal fühlt es sich doch einfach an, als müsste man jetzt auf der Stelle verrückt werden. Oft schwirrt-dröhnt-schmerzt einem der Kopf abends so heftig, dass es nach dem Zu Bett-Bringen nur noch (maximal) für Sofa und Glotze reicht und nicht einmal ansatzweise zur Rettung der Welt. Manchmal will und manchmal kann man einfach nicht mehr diskutieren, verhandeln, das Gebrüll milde lächelnd oder tröstend ertragen… Manchmal erträgt man keinen weiteren Kreischanfall. Manchmal will man Feierabend. Manchmal braucht man ’ne Pause von alldem. Dann ist es gut und wichtig, dass es (Groß-)Eltern gibt, die das Kind einem liebend gern für einen Nachmittag oder ein Wochenende entführen. Dann ist es gut und wichtig, mal alleine für 1-2 Tage wegzufahren, viel Schreibzeug mitzunehmen und auf’s Meer zu glotzen. Dann ist es gut und wichtig, mit dem Freund endlich mal wieder zu einem Konzert zu gehen und viel zu viele Gin Tonics zu trinken.

Haben all die Rosa-Wattewolken-Eltern diese Gefühle eigentlich nicht? Ich lese in so viele Mama-/Eltern-Blogs rein und die „mein Keks-Schnäuzel-Bärchen-Hase-Muppfel-Lieblingsschatz“-Fraktion treffe ich nach wie vor am häufigsten. Kompensieren die das irgendwie besser? Gibt es  Eltern, die wirklich ohne „Drohungen“ auskommen (Wenn du nicht mitmachst, dann hab ich keine Lust dir nachher vorzulesen-mäßig)? Gibt es etwa Eltern, die das immer alles total verstehen und nie nervig-anstrengend finden?? Oder drücken die das nur weg und werden irgendwann krank??? Oder lügen die sich selbst was vor? Und wie machen das Eltern, die ihr Kind (am Ende sogar FREIWILLIG) nicht betreuen lassen? Wie machen das Eltern, deren Kinder nicht bei Oma pennen wollen?  Oder ALLEINERZIEHENDE?? Ich würde durchdrehen! Ehrlich!

Im Übrigen vermisse ich mein Kind IMMER, wenn ich es 1-2 Tage nicht gesehen habe. Mit ein wenig Abstand gelingt es mir nämlich, die Situationen von außen zu betrachten und mir zu verdeutlichen, was da eigentlich passiert und wie man gelassener damit umgehen könnte. Ich schaffe es dann, meine Prioritäten wieder zurechtzurücken und mir klarzumachen, dass es eigentlich viele Stellen im Alltag gibt, an denen man die Dinge nicht schnell „erledigen“ muss und so den Nerv rausnehmen kann. Warum neigt man eigentlich dazu, immer mit dem, dem und dem danach schnellstmöglich fertig werden zu wollen? Die Dinge einfach eins nach dem anderen abzuhandeln bis wieder ein Tag rum ist? Eigentlich ist das bescheuert und das wird mir mit Abstand dann auch meistens bewusst. Mir ist es zum Beispiel mittlerweile ziemlich egal, ob wir zu spät in die Kita kommen. Auch wenn wir dafür nicht selten komisch beäugt werden. Und eigentlich schaffen wir es inzwischen tatsächlich sehr oft, ruhig zu bleiben, auch wenn das Kind gerade mal wieder wegen einer Kleinigkeit ausrastet. Aber immer geht das einfach nicht. Muss es ja wahrscheinlich auch nicht. Das Kind soll ja auch… (Oh Mann… Soll ich das jetzt echt sagen? Na egal…) … es soll ja „Grenzen“ kennenlernen. Auch die der Eltern, schätze ich.

Manchmal tut’s mir aber trotzdem leid, wenn ich dem Kind und seinen ganz normalen (Aus-)Ticks nicht so verständnisvoll begegnen kann, wie ich das gern würde. Denn der Grund ist ja eigentlich nicht, dass das Kind etwas „falsch“ macht, sondern dass ich gerade aus irgendwelchen Gründen nicht die Geduld habe, damit „cool“ umzugehen. Wenn man aneinander gerät, einer 3-Jährigen zu vermitteln, dass sie trotzdem okay ist und man nur doof findet, wie sie sich jetzt gerade verhält, dabei trotzdem zu mir und meinen Grenzen zu stehen und irgendwie mit reinzubringen, dass man einfach selber gerade nicht mehr kann und es eigentlich nicht an ihr liegt, ein anderes Verhalten aber doch für alle irgendwie angemessener wäre, das ist eine echte Herausforderung, finde ich. Und eigentlich auch ein ziemlich sinnloses Unterfangen, denn Kindern in dem Alter brauchst du nicht mit Rationalität kommen… Schon gar nicht, wenn sie gerade am Durchdrehen sind (Stichwort Dominanz der rechten Gehirnhälfte – lesenswerter Artikel dazu hier: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/05/autonomiephase-trotzphase-warum-immer.html) Oft bin ich mir nicht sicher, wie ich mit dem ein oder anderen Flipp eigentlich umgehen will. Oder kann. Oder muss. Oder sollte.

Ich liebe meine Tochter. Und ich habe gerade echt viel Spaß mit ihr, weil ich nach den Monaten der Schwangerschaft, in denen ich kaum verfügbar war, endlich wieder da bin und sie das auch sichtlich genießt. Und ich weiß, dass es dazu gehört, dass sie bei Dingen nicht so mitmacht, wie ich das mir wünsche. Liegt der Wunsch nach möglichst reibungslosen Abläufen aber nicht sogar so ein bisschen in der Natur des Menschen? Kann und sollte man dagegen etwas tun? Macht es Sinn, zu versuchen, das nicht mehr als anstrengend zu empfinden? Es geht mir nicht darum, eine (nach Außen) perfekte Mutter sein zu wollen oder so. Mir geht es darum, dass ich mein Kind nicht verletzen, nicht kränken, ihm keinen Schaden durch doofes elterliches Verhalten zufügen will. Wie viel Geduldsfadenreißen ist okay bzw. sogar notwendig? Ich weiß es nicht… Also werde ich vorerst erstmal weiter üben, tiiiiiief ein und auszuatmen und mich selbst nicht zu hart dafür ranzunehmen, wenn das Verhalten meines Kindes mir manchmal einfach zu viel ist und ich dann nicht mehr so damit umgehen kann, wie es vielleicht richtiger wäre. Bis ich eine konkretere Vorstellung davon habe, wie überhaupt ein „richtiger Umgang“ mit sowas meiner Meinung aussieht.

Ach komm, jetzt reiß dich mal zusammen!

oder: ICH habe ja wohl viel mehr Gründe zum Jammern!

Ich sitze T. stillend im Wohnzimmer und höre, dass K.s Nerven beim Anziehen von P. gleich zerreißen werden. Sein genervter Tonfall löst in mir ein ähnliches Unwohlsein aus wie Fingernägelkratzen auf Tafel  *brodel brodel brodel* Hinsichtlich seiner Genervtheits-Zustände sind meine Sensoren irgendwie ziemlich hypersensibel.

Ich liege morgens T. (sowas wie) stillend im Bett und versuche, K. wach zu bekommen. Der hat den 07:45-Wecker mal wieder ausgemacht hat und P. nicht geweckt. Heißt: Wieder zu spät in die Kita. Heißt: K. wird gestresst sein beim Frühstück, beim Anziehen, beim Losgehen, weil es „mal wieder viel zu spät“ ist. Vorher darf ich mich aber noch auf das oscarreife Aufstehdrama des K. freuen. Hinsichtlich seiner Müdigkeits-Zustände sind meine Sensoren irgendwie ziemlich hypersensibel.

Ich hänge T. stillend im Bad auf dem großen Sitzkissen und versuche, P. zum Zähneputzen zu animieren. K. will darüber reden, unter welchen Umständen er zur Geburtstagsparty einer alten Bekannten / zur Bandprobe / zum Umzug eines Freundes gehen könnte. Ich gebe mir Mühe, nicht angepisst zu reagieren. Mal mehr, mal weniger… Sage dann sowas wie „Wenn die Kinder im Bett sind…“ oder „Hm. Musst du wissen.“ oder auch mal „Ja, klar. Ich freue mich wahnsinnig darauf, den Samstagvormittag allein mit beiden Kindern verbringen zu dürfen und dich dann irgendwann nachmittags mit Bierfahne zu empfangen. Das wird sicher toll. Apropos: ICH war übrigens seit fast einem Jahr nicht mehr…“ Und dann sind wir mitten drin, im endlos blöden Rumdiskutieren darüber, wer die größere Arschkarte gezogen / wer hier eigentlich weniger Freiheiten bzw. Freizeitvergnügen, Erholung, Schlaf und mehr Entbehrungen hat. Hinsichtlich seines Ungerechtigkeitsempfindens sind meine Sensoren irgendwie ziemlich hypersensibel.

Ich weiß nicht, ob es vorrangig an der Müdigkeit oder dem ständigen gefordert sein liegt oder an den vielen Ablageboxen mit „unerledigt“-Schildchen in meinem Kopf… Aber ich bin ständig am Brodeln wegen Dingen, die K. tut (oder nicht). Und ich kotze mich selber an, weil ich das eigentlich gar nicht will. Ich will lässig sein. Eine coole Freundin/Frau, mit der man gern zusammen ist. Ich will keinen Stress machen. Ich will, dass er ganz er selbst sein kann. Ich will einfach nicht die Olle sein, die dauernd rumnervt. Ich will doch, dass er sich wohlfühlt mit mir / mit uns / in seinem Zuhause. Und genau das ist vermutlich ein Teil vom Pudelkern. Es macht mich fertig und es versetzt mich in absoluten Stress, ständig den Eindruck zu haben, dass er alles anstrengend findet.

Beispiel Aufstehen… Riesiges Problem für ihn. Er komme halt „nun einmal schwer hoch“, das läge ja auch an seinem eher niedrigen Blutdruck, das sei schon immer so gewesen. Ich versuche wirklich ihn – und damit auch das – so hinzunehmen, wie er ist. Aber es fällt mir an der Stelle echt verdammt schwer. Ich kann nicht verhindern, dass ich denke, dass das in unserem Fall irgendwie echt ein Luxus-Problem ist. P. schläft durch seitdem sie 6 Monate alt ist! Meistens schläft sie bis um 8, nicht selten länger.  Sie schläft in ihrem Bett in ihrem Zimmer. Sie kommt nie in unser Bett. NIE! Das heißt, wir kommen meistens auf 8 Stunden Schlaf. Hm.. okay… Seitdem T. da ist, kommt nur noch er auf 8 Stunden Schlaf. Ich stille T. nachts. Ich wickle ihn (sonst laufen die Windeln aus, er pinkelt echt viel). Und ich schuckle ihn in den Schlaf, wenn er nicht wieder einschlafen kann. Er wird davon nicht wach, eschläft durch. Und trotzdem ist er es, der seiner Müdigkeit irgendwie nervtötend laut zum Ausdruck bringt. Und da kommt mir der Gedanke, der in der Überschrift zu lesen ist: Reiß dich doch mal zusammen, verdammt nochmal! Ich tue es doch auch. Und ich hätte doch objektiv (?) gesehen, viel mehr die „Berechtigung“ zu Jammern. Und ich tue es nicht. Weil ich finde, dass das niemandem was bringt und es alles nur noch nerviger macht. Aaaaber es  macht mich wirklich wütend… so wütend, dass ich es kaum unterdrückt bekomme… dass er (trotz durchschlafen und einiger Vorteile im Vergleich zu meiner Situation) es ist, der „einen auf müde“ – ja so denke ich das dann – macht.

Es brodelt und kocht in mir so stark, dass ich das Gefühl habe, gleich zu platzen. Manchmal passiert das dann auch. Und dann ätze und meckere und frotzele ich rum, maule ihn voll bis auch er wütend wird. Seine Reaktion macht das dann nicht unbedingt besser… Wenn er sein Verhalten dann auch noch verteidigt – im Übrigen eine ziemlich natürlich Reaktion, wenn man angegriffen wird – fühle ich mich dann nämlich noch „benachteiligter“ und fange irgendwann an zu heulen. Soweit ich weiß, hatte ich diese unliebsame Eigenschaft, sich ständig benachteiligt bzw. ungerecht behandelt zu fühlen, schon als kleines Kind, spätestens nachdem mein Bruder geboren war. Denn „unliebsam“, das ist sie echt. Sie taucht ab und zu ganz plötzlich auf wie ein fieses, kleines, dreckiges Monster… Wenn ich in einer Warteschlange stehe. Wenn einer mir in der Bahn den letzten Sitz wegschnappt. Wenn in der Mensa der Typ vor mir die allerletzte Spinattasche bekommt. „DAS IST SOOOO UNGERECHT!!!“ denke ich dann und würde impulsiv am liebsten auf den Boden aufstampfen, um mich danach auf eben diesen zu werfen und laut brüllend zu heulen bis der Typ mir die scheiß Spinattasche überlässt. Oder (zurück in unserem Alltag) meiner einsieht, dass er absolut kein Recht hat, sich zu beklagen und er sich ja so glücklich schätzen kann, mit einer so wunderbaren und aufopferungsvollen Frau wie mir – zu Kreuze kriecht also und hoch und heilig verspricht, sich zu bessern… „Komm ich nehm‘ den Kleinen, Schatz. Leg du dich ins Bett, schlaf dich mal richtig aus und geh heute Abend mit deinen Freundinnen was trinken. Ich mach das hier schon.“ Ääääähm ja.

Ich kenne das von anderen Paaren, die darüber streiten (oder zumindest so denken), wer eigentlich den beschisseneren/schwereren Tag hat… Der Kerl auf der Arbeit oder sie Zuhause mit dem Kind. Die übliche Anerkennungs-Diskussion. Wer macht mehr? Wer leistet mehr? Wer hat mehr Pausen verdient? (Exemplarisch hier bei Stadt-Land-Mama nachzulesen)

Ich habe uns letztens tatsächlich so eine Diskussion führen sehen/hören, wie sie kein Dialogautor eines drittklassigen MDR-Abendfilms über Eltern hätte klischeehafter schreiben können. Er musste einen Artikel schreiben. Ich hatte stundenlang versucht, den schreienden T. zu beruhigen. Es war P.s Geburtstag.

„Es kotzt mich an, dass ich hier stundenlang ein schreiendes Baby schaukele und die nicht einmal deinen Arsch hochbewegst! Für P.s Geburtstag ist noch nichts gemacht… Du interessierst dich einen Scheiß dafür!“

„Ich hab dir gesagt, dass ich das heute fertig machen muss! Mein berufliches Fortkommen ist dir völlig egal, oder?“

„Berufliches Fortkommen?! Du hast ELTERNZEIT! P. hat heute Geburtstag!“

„Ja, tut mir leid. Vorher konnte ich das aber nicht machen, weil ja immer irgendwas war.“

„Oh ja, entschuldige bitte, dass ich deine Hilfe brauche mit einem Neugeborenen.“

„Ein Artikel. Es ist EIN Artikel! Andere arbeiten Vollzeit und nehmen gar keine Elternzeit. Die kriegen das doch auch irgendwie hin!“

„Na toll. Genau. Dann such dir doch eine Andere, die das besser hinkriegt. Übrigens muss ich nächste Woche zur Uni und habe dafür auch noch nichts gemacht.“

… Naja… Und so weiter… Mit Ruhm bekleckert haben wir uns damit nicht. Aber immerhin können wir uns inzwischen gut wieder vertragen.

Ich kenne kaum Paare, bei denen das Thema in dieser oder einer ähnlichen Form nicht irgendwie früher oder später mal auftaucht. Darüber könnte man jetzt ewig schreiben… Andererseits wurde auch schon zigfach drüber geschrieben. Über die Väter, die das Problem hätte, einerseits der starke Mann und andererseits der liebevolle Vater sein zu müssen. Die sich zerrissen fühlten zwischen Job und Familie. Und über die Frauen, die immernoch überwiegend mit dem Kind Zuhause bleiben, aber heutzutage vorher meistens nicht Hausfrauenkram gemacht haben, sondern berufstätig oder in Ausbildung oder sonstwie in der Weltgeschichte unterwegs waren. Da bricht ein ganzer Pfeiler an Anerkennung weg, weswegen viele das Kind zu ihrem Hobby machen würden, von einem Kurs zum nächsten rennen und anstelle sich selbst, ihres Jobs resp. ihres Lebens nun ihr Kind optimierten. Ich bin übrigens der Meinung, dass ich damit mittlerweile gut klarkomme. Also damit, dass die Anerkennung von „draußen“ eher fehlt. Darauf angewiesen zu sein ist etwas, was ich eh gern abbauen möchte und insofern ist Elternsein dahingehend ein gutes Trainingsprogramm.

Mir geht es vorrangig um Teamwork, glaub ich. Ich möchte das Gefühl haben, dass wir zusammen an einem Strang ziehen. Dass wir das zusammen durchziehen und gut machen. Dass wir uns darüber bewusst sind, dass wir uns für diese Art des Lebens mit Kindern entschieden haben. Ich möchte nicht ständig das Gefühl vermittelt bekommen, dass er alles eigentlich ziemlich ätzend findet. Ich fühle mich nämlich dann dafür schuldig. Ich möchte, dass er mir prozentual häufiger das Gefühl gibt, dass er es gut findet, wie es gekommen ist und dass er glücklich ist mit mir, mit uns, mit dem hier. Ich möchte, dass wir unser gemeinsames Leben vorrangig gut finden. Ich reiße mich zusammen, auch wenn es manchmal anstrengend ist, weil ich es prinzipiell gut finde, wie es ist und die weniger guten Seiten als dazugehörig akzeptieren möchte. Die Kinder sind jetzt da, wir haben uns für sie entschieden, das ist jetzt unser Leben. Ich finde es total arschlos und die wertvollen Kräfte raubend, das durch andauerndes Beklagen und anstrengend finden immer und immer wieder in Frage zu stellen. Genau den Eindruck vermittelt mir das nämlich: „Früh“ aufstehen ist scheiße anstrengend. Nicht die Dinge tun können, die man tun will ist scheiße anstrengend. Sich einschränken müssen ist scheiße. Ständig gefordert sein ist scheiße. Böse Zungen könnten jetzt sagen: Dann hättest du dir keine Kinder zulegen dürfen. Und diese böse Zunge ist auch in meinem Kopf, ab und zu.

Dabei sehe, denke und weiß ich, dass er gern Kinder hat. Und er macht auch wirklich viel. Gerade mit P. unternimmt er oft mehr als ich, entlastet mich. Er bringt sie jeden Tag in die Kita, holt sie meistens ab, er kocht und wir haben den Haushalt aufgeteilt. Ich sollte dankbarer sein, oder? Ich bin das ja auch durchaus.

Aber was soll ich tun, wenn mich sein Umgang mit der ein oder anderen Sache einfach wahnsinnig macht???

Ihn länger schlafen lassen? Das kann ich nicht, weil mir da selber einfach die Energie zu fehlt und das sehe ich auch nicht ein.

Sein Geschnaufe, weil alles so aaaaanstrengend ist ignorieren? Das fällt mir sehr schwer, denn es macht die Tage trostlos. Und ich will keine trostlosen Tage. Ich hab auch ’nen echten Hang zum Beklagen und vor allem zu depressiven Phasen. Und trotzdem habe ich mir nach den letzten Wochen der Schwangerschaft vorgenommen, mich zusammenzureißen. Und es klappt auch recht gut. Außer im Bezug auf ihn und diese bestimmten Eigenheiten. Benutze ich ihn gar als Ventil für eventuell angestaute Gefühle wie Ärger, Frust und Erschöpfung?

Ich denke, es trifft sich an den Stellen einfach sehr ungünstig.

Ich neige dazu, Unmutsäußerungen direkt auf mich zu beziehen, auch wenn sie nicht auf mich gemünzt sind. Wenn er im Wohnzimmer mit dem schreienden T. auf und ab läuft und ich in der Küche mein Brötchen aufesse, dann bin ich absolut gestresst und antizipiere, dass er vermutlich total angepisst ist gerade genervt „Tz… Ooooooar…“ macht, weil er meint, ich solle ihm T. doch jetzt mal abnehmen, statt da gemütlich mein Brötchen zu vespern. Wenn er beim P.-Anziehen schier verzweifelt, weil sie ständig wegrennt und nicht „mitmacht“, dann nimmt mein Kopf schon eine Abwehrhaltung ein, bevor mir überhaupt irgendwas vorgeworfen wurde. Ich bin super-empfindlich diesbezüglich. Ich bin sofort gekränkt (ohne das zulassen zu wollen), wenn jemand den Eindruck macht, er sei irgendwie unzufrieden mit mir oder wenn Jemand so wirkt, als würde ich nicht seinen Erwartungen entsprechen… Mein Impuls-Ich ist dann sowas wie beleidigt, glaub ich. „Püh. Die Erwartungen, die du an mich stellst sind ja auch SCHEISSE und nicht gerechtfertigt! Denen will ich gar nicht entsprechend. Ich bin müde, ich habe Hunger und ich hab insgesamt viel mehr zu entbehren als du. Also hab ich hier jedes Recht der Welt, mein Brötchen mal ausnahmsweise in Ruhe zu mampfen und du bist ruhig.“ Dabei hat er noch gar nichts gesagt. Sowas beknacktes. Wie kommt denn sowas bitte zustande?

Und er neigt dazu, Dinge – auch Emotionen – als unveränderlich zu sehen. Wenn er eine Situation total stressig findet, dann sei das halt so, dann könne man daran auch nichts ändern. Ich – der Master of Versuch der Selbstmanipulation – sehe das aber ganz anders. Ich denke, dass man mit Situationen schon auf unterschiedliche Arten und Weisen umgehen kann und dass man das auch durchaus oft selbst bestimmen kann. Natürlich ist es möglich, zu bemerken, dass man sackmüde ist, aber kurz zu überlegen, wie stark und schlimm diese Empfindung nun wirklich ist und sich bewusst – ja, vielleicht auch der Partnerin zuliebe – dafür zu entscheiden, dass man das jetzt mal nicht so raushängen lässt. Stark zu sein, sozusagen. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, das klappt nicht immer. Muss es ja auch nicht. (Wenn ich gerade hormongeschwängert wie sonstwas bin, dann kriege ich halt einen halbstündigen Heulanfall beim Arzt, weil ich einfach nicht schon wieder ins Krankenhaus will. Ob ich will oder nicht.) Das ist echt verrückt. Wenn ich ihm nämlich in einer Situation, in der er nach meinem Dafürhalten übertrieben gestresst reagiert, versuche, ihm den Blick dafür zu öffnen, dass die Situation eigentlich nicht so stressig ist; dass sie im Gegenteil eher durch seinen unschönen Umgang damit stressig wird und vermutlich gar nicht so übel wäre, wenn er einfach etwas „gechillter“ damit umgehen würde, dann scheint er diesen Ansatz gar nicht so richtig zu verstehen. „Wenn ich das aber nun einmal gerade anstrengend finde, dann hilft es mir nicht, wenn du sagst, dass ich nicht gestresst reagieren soll.“ Sackgasse. Man kann jemandem ja auch nur helfen, wenn er sich helfen lassen will. Er will dann offensichtlich frotzeln. Und ich denke, er will eigentlich, dass ich ihm das jetzt abnehme. Während ich mir denke, dass ich doch ein viel größeres Recht hätte, etwas abgenommen zu bekommen.

*seufz*

Menschen sind bescheuert.

„Männer-Fakten über’s Stillen“

Letzte Woche fand ich mich mal wieder auf der Wöchnerinnen-Station „meines“ – mittlerweile kann ich es ja echt so nennen – Krankenhauses wieder.* Zum Warten wurde ich im Stillzimmer platziert. Da liegen immer viele hübsche Info-Heftchen rum. Sowohl K. als auch ich haben die Macke, ALLES lesen zu müssen, was in einer ruhigen Minute in unseren Blickwinkel fällt… Shampooflaschen, Zutatenlisten, Etiketten und also auch Broschüren.

Ich finde es gut und richtig, dass sich viele Menschen auch bloggenderweise mit dem Gender-Thema auseinandersetzen. Das gehört im Normalfall aber nicht so zu meinen Themen… In diesem Fall kann ich einfach nicht anders. Denn gefunden haben wir dieses „Info“-Heft zum Thema Stillen und Muttermilch für junge Familien:

babys an den busen

männer stillen  männerfakten stillen

Und das passende Pendant dazu (in einem Heft):

fakten übers stillen

stillen gender

Herausgeber ist das Netzwerk Junge Familie (Link, Link). „Ziel ist, jungen Familien Wissen und Kompetenzen zu den Themen ausgewogene Ernährung und Allergieprävention zu vermitteln und sie zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren.“

Wirklich gehaltvolle Informationen finden sich in dem Ding nicht. Klar, soll ja wahrscheinlich auch vorrangig „cool“, „fresh“ und „trendy“ wirken. Grundtenor ist das altbekannte „Muttermilch ist das Beste für’s Kind, Flasche geben ist böse.“

Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Diese Broschüre ist die Entsprechung von sixx und RTL Nitro im Broschüren-Format! Als hätten die „Redakteure“ (falls solche daran überhaupt beteiligt gewesen sein sollten) einen Wettbewerb veranstaltet: Wie viel Klischee passt auf 5 Doppelseiten? Ich kann einfach nicht glauben, dass es Menschen gibt, die im Jahr 2013 noch sowas konzipieren und vermutlich davon überzeugt sind, dass das tatsächlich ansprechend auf die Zielgruppe wirkt. Und noch viel weniger möchte ich glauben, dass sie damit vermutlich sogar Recht haben könnten. „Junge Familien“, ich nehme an, dass ich mich (mit 25) durchaus zur Zielgruppe rechnen darf.

Mal davon abgesehen, dass „junge Familien“ offensichtlich nur Mini-Sätze mit einfachstem Vokabular, Ausrufezeichen am Ende und ohne Komma verstehen, sind junge Männer also offensichtlich Affen mit einem dümmlichen „Gröööööööhl.. Ich bin ein MANN!“-Duktus („Wir stehen auf Brüste!“) und Frauen dauershoppende, debil grinsende Schminkweiber. Hallo?! DAS soll also die nachwachsende Generation ansprechen bzw. darstellen? Puuuh… Na vielen Dank auch!

Ich befürchte, dass die Macher von dem Teil nicht nur recht passabel dafür bezahlt worden sind – wurde nicht gerade das Schwarzbuch der Steuerzahler herausgegeben? -, sondern auch noch davon ausgehen, dass das irgendwie sowas wie modern ist. Ist es nicht. Ich finde es echt verwerflich, was da für ein Bild gezeichnet wird. Weil es den Eindruck vermittelt, es wäre „normal“ bzw. irgendwie erwünscht, dass Frauen und Männer genau so (und nicht anders) sind. Es wäre sehr, sehr traurig, wenn „die da oben“ solche Bilder von Menschen im Kopf haben, wenn sie Politik machen. Autsch.

Es gibt im Familien/Nachwuchs/Baby-Infobereich übrigens erstaunlich viele unterschiedliche Frauen-Männer-Versionen. Bei Baby-Apps, auf Webseiten, Schwangerschaftskalender… Überall finden sich die ausführlichen, gefühlsbetonten, in rosa gehaltenen „Infos für werdende Mamis“ mit Blümchen und Herzchen auf der einen und die in blau-schwarz-grau getünchten, wahlweise kumpelhaft-männlich oder straight-knapp formulierten „Informationen für werdende Väter“ auf der anderen Seite.

Hallo? Menschen da draußen: Wollt ihr das? Seid ihr so? Spricht euch das echt an?

Aber ich habe ja auch gehofft, dass die CDU/CSU nicht regierungsfähig sein wird nach dieser Bundestagswahl. Und ich will ja auch nicht glauben, dass eine „Zeitung“ wie die Bild tatsächlich die auflagenstärkste sein soll. Ich fürchte, ich traue den Menschen in diesem Land nach wie vor zu viel zu.

Hach. Da fragt man sich doch… Windmühlen und so… Kopf –> Tisch.

* Ich wollte per Ultraschall klären lassen, ob es sich bei der, trotz Antibiotikum nicht verschwinden wollenden Verhärtung in meiner linken Brust um einen Abszess handelt. Nach 3 Stunden Wartezeit wurden wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt, weil eine Not-Sectio dazwischen kam und meine Brust nicht lebensgefährlich aussah. Es war Freitag Abend. Montag bin ich zu meiner Gyn. Die war auch ein bisschen ratlos. Flüssigkeit sei schon drin, aber das müsse ja kein Eiter sein. Aufstechen würde sie das nicht wollen. „Wissen Sie, das wird dann ein elendiges Geschnitze und dann trifft man das vielleicht nichtmal…“ – Ich sollte ruhigstellen, kühlen, Baby versuchen nicht da direkt anzulegen. Heute ist es nicht mehr ganz so schmerzhaft, es sieht auch nicht mehr so rot aus. Die Stelle ist aber noch da und tut auch beim Stillen noch ziemlich weh. Subjektiv hilft Kühlen am besten… Gyn meinte, dass das auch eine Zyste oder sonstwas sein könnte. Beobachten und melden, wenn’s schlimmer wird.

„T. ist 4 Wochen alt“

4 Wochen ist T. jetzt also schon auf der Welt… Gedankenkarussell:

Heute vor 4 Wochen + 1 Tag:

Ich hasse diesen Zustand und ich glaube, ich werde heulen, sobald ich die Geburt hinter mir habe. Und zwar 5 Tage lang. Vor Erleichterung! Ich will nienienie wieder schwanger sein! Ich fühle mich eingesperrt, festgenagelt, unausgeglichen und scheiße. Ich ertrage dieses Pulverfass nicht, ja weil ich halt scheiße ungeduldig und schon unschwanger ständig super-nervös bin. Weil es mich ankotzt, unbeweglich zu sein und weil es mich ankotzt, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann! (…) Diese scheiß Ungewissheit! Dieses scheiß Vorgeplänkel! Diese scheiß Stimmungsschwankungen! Dieser scheiß-ätzende körperlich eingeschränkte Zustand! Dieses sich schlapp fühlen! Bääääääh!!!

Während der Wehen:

Es. soll. auf. hören!!! Ich will nicht mehr! Ich kann nicht mehr! Es tut so weeeeeeh… Ich will sterben. Auf der Stelle… Aber ich will mein Baby. Ich hab keine Ahnung, wie das klappen soll. Ich schaffe das nicht… Ich stehe das nicht durch… *wimmer wimmer*

Kurz nach der Geburt:

ICH HABE ES GESCHAFFT!!! ES IST VORBEI!!! OH MEIN GOTT!!!! ES IST VORBEI! ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!! ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!! ER IST DA!!!! OH GOTT!!!!!

Am Tag nach der Geburt:

Wir haben es wirklich geschafft. Er ist gesund, ich bin nicht mehr schwanger und ICH BIN EINE VERDAMMTE SUPERHELDIN! Ich muss nie wieder ein Kind bekommen! Das Thema GEBURT ist für mich DURCH… Und hach… Er ist so süß und weich und… okay, er ist ganz schön propper… Aber trotzdem: MEIN BABY IST DA! ENDLICH IST ER DA!

In den ersten Wochen 1:

Muss er jetzt schon regelmäßig pullern/kackern? Wird er denn überhaupt satt? Ich hab doch noch gar keine Milch. Ist das okay, wenn der Nabel so eitert und der Schnurrest so schwarz aussieht? Sind die Blutergüsse auf dem Kopf normal? Er hat ganz ganz rote Flecken in den Augen? Ist das okay oder ein Grund zu Beunruhigung? Ah! Er hat verklebte Augen, bestimmt eine Bindehautentzündung! Woher weiß mann denn, dass das Kind was sieht? Oh Mann… Er ist bestimmt blind! Die Augen rollern rum und seine sehen ganz gruselig aus, wegen der Blutungen drinnen. Scheiße… Er hat richtig richtig viele Pickel und Rötungen überall. Ist das noch Babyakne? Oder Neurodermitis? Eine Kinderkrankheit? Eine Unverträglichkeit? *

In den ersten Wochen 2:

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er eigentlich quasi immer, wenn er wach ist?

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er andauernd?**

Heute:

Diese doofe Akne! T. sieht total bemitleidenswert aus. Und irgendwie ist er gerade echt nicht „süß“… Also zumindest nicht, wenn ich ihn so ganz nah sehe… Wenn K. ihn auf dem Arm hat, dann sehe ich diese fiesen Rötungen und Pickel nicht so vorrangig. Dann kann ich besser anhimmeln. Wenn er so nah ist – und das ist er ja meistens, dann kann ich nicht daran vorbeischauen. Meine Fresse… Was bin ich oberflächlich, oder? Das ist ja furchtbar… Störe ich mich jetzt echt daran, dass mein Kind nicht hübsch (also babywerbungshübsch) ist?? Ich mach mir einfach Sorgen. Und ich kann und will einfach nicht mehr irgendwelche Symptome deuten. Ich hab das echt satt. Unsere Körper sollen uns in Ruhe lassen… … … Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er in 6 Monaten sitzt und irgendwelche bewussten Geräusche von sich gibt… Dass ich irgendwann mal mit ihm reden werde wie mit P. jetzt. Wie er wohl wird? Ich kann es mir nicht vorstellen, wenn ich dieses kleine hilflose, schreiende Bündel so sehe… Wenn ich versuche, irgendwie mit ihm zu kommunizieren und nicht einmal weiß, ob davon irgendwas bei ihm ankommt. Hach, dieser Moro-Reflex… Der ist so niedlich. Und wenn er sich so einkugelt. Immernoch. Obwohl schon weniger.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er wirklich mal ein sitzendes, krabbelndes, stehendes, laufendes, sprechendes, denkendes, die Kita besuchendes Kind werden wird. Mein Sohn… Verrückt.

 

Hm. Ich glaube, aus mir wird in diesem Leben einfach keine Honigkuchenpferd-Wolke 7-Mammmiiiii mehr werden.

 

*

Pinkeln wäre schon gut, Kackern kann auch ein bisschen dauern/unregelmäßig sein. Von 6x am Tag bis aller 6 Tage scheint okay zu sein. Am Anfang brauchen die Babys eigentlich kaum was. Trotzdem viel Anlegen. Für den Milcheinschuss. Glibber-Nabel ist ziemlich normal. Ein verformter Schädel und „Hämatome“ auf dem Kopf können durch die Presswehen/den Weg durch den Geburtskanal kommen. Die roten Flecken im Auge kommen davon, dass er quasi mitgepresst hat, da sind Äderchen in den Augen geplatzt. Das kann 6-8 Wochen dauern bis das ganz weg ist. Auch verklebte Augen haben viele Babys. Das ist nicht schlimm. Die Tränenkanäle sind oft noch nicht offen, da passiert das mal. Mit abgekochtem Wasser und/oder Muttermilch von außen nach innen streichen. Die Unterlieder massieren. Kann eine Weile dauern, bis es weg ist. Auf ’ne Bindehautentzündung deutet es hin, wenn es stark gerötet ist. Ob ein Kind „normal“ sehen kann (und hören), kann man anfangs nicht wissen. Ich kann aber sagen, dass ich diese Sorge jetzt (nach 4 Wochen) nicht mehr habe. Er schielt deutlich weniger und guckt „normal“, wach und offen. Die Babyakne kann echt fies aussehen, ist aber auch normal (4 von 10 Säuglingen). Kann einige Wochen dauern bis es weggeht. Salben verschlimmern es eher, es hilft eigentlich nur: GEDULD.

**

In den ersten Tagen konnte ich das noch entspannt unter „Naja, er muss halt erstmal ankommen“ ablegen. Ich konnte ja zum Glück fast bis zum Ende der Schwangerschaft gut schlafen und hab da auch drauf geachtet. Ich hab mir einen Schlaf-Depot angelegt. Das hat sich dann bezahlt gemacht. Die Geburt hat mich kaum mitgenommen (also bezüglich des sich fertig fühlens) und ich kam lange echt gut klar. Hatte dann aber zunehmend mehr das Gefühl, dass er schon echt viel brüllt… Wollte die Gedanken aber nicht zulassen, meine Verstrahltheit hielt auch angenehm lange an. Das brachte mich kaum aus der Ruhe. Ich hab ihm immer die Brust gegeben und da das am Anfang auch echt Sinn macht, hab ich mir angenehm wenig Köpfe darüber gemacht. Und dann kamen sie doch. Hat er vielleicht Hunger? Tut ihm was weh? Braucht er Nähe? Naja… Ich hab das ja ausführlich an anderer Stelle beschrieben. Das mit dem Hunger haben wir ausgeschlossen. Der Nuckel klappt seit heute und ich habe die Hoffnung, dass ich mich dadurch weniger wie eine wandelnde Brust fühle. Außerdem hab ich für mich beschlossen, zu akzeptieren, dass mein Kind einfach recht nähebedürftig zu sein scheint.

 

Kindermund (17): „Was kann man da kaufen? Drogen?“

Der hier liegt schon ewig im Speicher rum… Und geht jetzt einfach Mal raus ;-)

Leider hört das P. jetzt langsam auf, Dinge „falsch“ auszusprechen… Das passiert nur noch selten. Dafür gibt’s zunehmend mehr coole Sprüche. Im August gab’s davon jedenfalls einige. P. war 34 Monate – 2 Jahre und 10 Monate – alt.

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Warum frühstücken wir?

Das muss hier stehen. P. hat nämlich im Sommerurlaub urplötzlich mit der ununterbrochenen Warum-Fragerei angefangen.

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Das sieht hier alles so komis aus. Die Bäume sehen komis aus. Die Autos sehen komis aus. Die Leute sehen komis aus. Die Häuser sehen auch komis aus…

…als wir gerade d in unserem Urlaubsort ankommen.

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(SEHR laut) Mama, ich darf ins Schwimmbad pullern, ja?

– Neeee, P., das muss jetzt nicht unbedingt sein…

(noch lauter) Der Papa hat das aber gesaaaaagt!

Während eine Gruppe älterer Herrschaften gerade neben uns ihre Bahnen zog… Jaja, so kommt’s raus.

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Musst du auf Toilette?

– Neee, mein Popo is leer.

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Ich will raus aus meinem Stuhl! Ich will mir ein bisschen die Welt anschauen!

Was soll man denn dazu noch sagen außer „haaaaach“ ?! Kinder sind schon toll. Ab und zu jedenfalls ;-)

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Was gab’s denn heute zum Mittag?

– Ach, das weiß ich noch nicht.

Das ist momentan die Standard-Antwort, wenn sie keine Lust hat, etwas zu erzählen oder zu faul ist, nachzudenken bzw. sie sich nicht erinnern kann.

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Warum machst du das denn?

– Na weil ich das lustig finde.

Aus der Reihe „Totschlägerargumente“.

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Omiiii, was gibt es in der Drogerie? Was kann man da kaufen? Drogen?

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Wenn Männer eine Frau sind, dann haben die Männer Brüste.

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Was war so im August 2013?

Doktor spielen und überhaupt alles, was irgendwie mit dem Thema Arzt zu tun hat, war in diesem Monat schwer angesagt. Dann war unser Urlaub am Anfang des Monats natürlich ’n Ding. Auch wenn ich mich echt gewundert habe, wie sehr das schlaucht, eine 2-jährige eine Woche lang jeden Tag zu bespaßen. Für uns war das jedenfalls nicht sonderlich erholsam, muss ich gestehen, und wir waren froh, als wir sie wieder in die Kita geben konnten. Im Moment merken wir sehr, dass sie dringend den Kontakt zu anderen Kindern braucht und wir sonst nach einer gewissen Zeit alle voneinander überfordert und/oder genervt sind… Sie hat im Urlaub nun doch das Puzzlen für sich entdeckt, nachdem ich eins mal komplett und ganz in Ruhe mit ihr zusammen gemacht habe. Außerdem hat sie so eine „Hier ist jetzt abgesperrt“-Macke. Da stellt sie sich irgendwo in den Weg und… ja… sperrt halt ab. Dann darf da niemand durch. Darüber kann P. sich stundenlang zereumeln. Sie redet wie ein Wasserfall, brüllt irgendwelche Fantasie-Baby-Wörter und haut sich darüber weg. Vor allem, wenn sie übermüdet ist. Ach ja. In der Kita gehört sie jetzt zu den Großen, nicht mehr zu den „Krippies“ und mit ihren Kindergarten-Freundinnen verbindet sie jetzt schon eine ganz große Liebe. Wichtig war auch „Ich bin doch schon eine große Schwester!“, was in den unterschiedlichsten Situationen – mal mehr, mal weniger hilfreich – anklingt. Rumhüpfen, rumtoben und allgemein sehr viel mehr spielen (auch eingefordert mit „Ich will aber noch spielen!“) waren im August sehr typisch und wichtig. Und am Ende des Monats war wahrscheinlich mein Aufenthalt im Krankenhaus ziemlich prägend. Danach hatten wir auch erstmal ein paar Schwierigkeiten, die mit viel Liebe und Nähe wieder zugeklebt werden mussten…

P. kommt im echten Leben übrigens nicht so zu kurz wie die trächtigkeitsgetränkten Blog-Beiträge es vermuten lassen…

Geburtstagsdilemmata

Der dritte Geburtstag meines großen Kindes – Ha! Es fühlt sich immernoch so neu an, das so zu sagen – wurde ja an diesem Montag begangen. (Und er wird am Sonntag mit einem fetten Kindergeburtstag bei Kawi Kids noch weiter zelebriert…)

kaqpjöj

Ich habe gelernt, dass der dritte Geburtstag ganz, ganz wichtig ist. Weil es nämlich der erste Geburtstag im Leben eines Kindes zu sein scheint, den sie bewusst mitbekommen. P. hat jedenfalls w-o-c-h-e-n-l-a-n-g auf ihren Geburtstag hingefiebert. Das wurde noch dadurch verstärkt, dass unglaublich viele ihrer kleinen Freunde in den vergangenen Wochen Geburtstag hatten. „Wann hab ich Geburtstag? Wann hat die T. Geburtstag? Und wer kommt da alles?“ war Dauer-Thema.

Und Geschenke. Die waren auch Dauerthema.

Wir haben das ja eigentlich ziemlich schlau angestellt, wie ich finde. Also das mit ihrem Geschenk. Sie wollte nämlich eigentlich einen dritten Arztkoffer haben. Warum auch immer. Wir haben ihr dann „nahegelegt“, dass so eine Kasse doch ’ne gaaaanz tolle Sache wäre. Darauf hat sie sich dann (zum Glück) eingeschossen und sich den Po weggefreut, als am Geburtstagsmorgen im großen Geschenk tatsächlich eine Kasse drin war: „Eine Kasseeee! Ja wirklich! Eine Kasseee! Ich hab die wirklich gekommen, Mami!“ – ich krieg schon feuchte Augen, wenn ich nur daran denke. So niedlich war das. Der Kaufmannsladen kam alles in allem super an, ist ein gutes Geschenk, weil es lange Spielspaß bringt, der auch noch so halbwegs sinnvoll ist und alle konnten kleines Zubehör dazuschenken. Super Ding also. Kann ich nur empfehlen zum dritten Geburtstag.

Wo da das Dilemma ist?

Beim Thema Geschenke ganz allgemein, finde ich. Wie handhabt man das? Als Eltern macht’s ja schon großen Spaß, dem Kind eine Freude zu machen und ihm einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen. Leuchtende Kinderaugen sind ja was Schönes… Aber: Wie weit will, kann und sollte man da „mitgehen“?? Kann man es vertreten, dem Kind Scheiß zu schenken, wenn es sich das nun einmal wünscht? Und wie geht man mit Verwandten um, die von den Eltern sehr unerwünschten (vom Kind aber natürlich heiß geliebten) Trash anschleppen??

Es dürfte in den nächsten Jahren sicher noch sehr viel wichtiger werden, was man dazu für eine Meinung hat.

Ja, Elternbuddies. Ihr wisst genau wovon ich spreche… Ich sage nur eins:

FILLY PFERDCHEN !!!

Vor kurzem stand ich in unserem schönen Spielzeugladen, um Geschenke für eine der Freundinnen meines Kindes zu besorgen. Neben einem coolen kleinen Spielzeug (aufziehbare Eisenbahn + Eisenbahnschienen zum Zusammenpuzzeln) schleppte ich fast unbemerkt auch zwei verdammte Tüten Filly-Dreck zur Kasse. Der Verkäufer guckte mich fragend an. „Mit drei? Echt jetzt?“ – „Äh.. äh… Ich kann da nichts für, echt… Also äh… ich…“ – „Ja, ich weiß schon… Da fängt einer im Kindergarten mit an, stimmt’s? Und dann haste keine Chance.“ – „Äääääh, ja genau.“

Ja, naja, also nein. Also hätte man doch… Klar hätte man die! Man könnte sich weigern. Man könnte dem Kind natürlich sagen, dass man solchen Mist nicht kauft und gut. Also mehr oder weniger gut. Das würde dem Kind nämlich einmal mehr sein kleines Kinderherz ein bisschen brechen. Es gäbe Tränen und ein fieses Kleinkind-Gewitter und wenn man das Kind beim nächsten Mal  von der Omi abholt kann man ganz, ganz sicher sein, dass der Bann gebrochen wurde und das Kind sein beknacktes Filly-Pferdchen noch viel, viel mehr liebt als ohne die „Nein“-Ansage der fiesen Eltern. (O-Ton: „Ihr seid ganz gemein zu miiiiir!“)

Und außerdem: Wie war das denn bei uns? Da gab es zum Beispiel TAMAGOTSCHIS. Bei meinem Bruder war Pokémon in. Und ich kenne einige, deren Eltern den Barbie-Mist versucht haben, zu unterbinden und deren Kinder am Ende die schlimmsten Barbie-Fanatikerinnen waren. Ich selbst gehöre übrigens auch dazu.

Mein Kind hat zum dritten Geburtstag eine Mischung bekommen. Einen Kaufmannsladen und Bücher zum Beispiel. Dinge, die ich unterstütze. Und ein (!) Filly-Pferdchen. Und Kinderschminkstifte. Und einen schrecklichen Plaste-Girly-Mini-Schminktisch (!!!) von meiner Oma. Ohne Absprache natürlich… Und meine Tochter liebt das Teil. Klar. Tja…

Was soll man machen? Ich muss darüber mal noch ein bisschen sinnieren. Mir schwant, dass es unmöglich (und unsinnig) ist, immer zu versuchen, pädagogisch wertvoll zu handeln und zu entscheiden, damit das Kind auch ja ein kluges, cooles Stück Mensch wird. Ich denke nicht, dass das insbesondere davon abhängt, dass das Kind nur mit Stöcken und Kastanien spielt. Inwiefern man es als Eltern vertreten kann, Mist zu konsumieren und anzuhäufen ist da wohl die viel wichtigere Frage. Von wegen vorleben und so.

Jesper Juul (ich glaub, der war’s) hat jedenfalls Mal gesagt: Eltern sind nun einmal Eltern und keine Pädagogen. Und das ist auch gut so. *hinter die Ohren schreib*

Oh toll… Mastitis.

(T. ist 3 Wochen + 1 Tag alt.)

Klar, nach der Schwangerschaft mit all ihrem Wasser, den Schmerzen am Iliosakralgelenk, den Plattfüßen, der Kieferhöhlenentzündung im Juni, den Nierenkoliken, dem Nierenstau, den Harnwegs- und den grippalen Infekten, der Hypernervosität meinerseits, der 10 Stunden-Geburt und der Nierenstein-Operation eine Woche später wäre es ja auch echt viel zu langweilig, wenn jetzt alles okay wäre.

Seit einer Woche habe ich Schmerzen in der Brust. Also eigentlich gingen sie direkt über von den „normalen“ anfänglichen Schmerzen beim Stillen in das jetzt. Seit einer Woche ist es links ziemlich unerträglich, weil total druckempfindlich und Aua… Ich könnte Heulen vorm Stillen, weil ich weiß, dass jetzt wieder dieser scheiß-fiese Schmerz kommt. Zuerst dachte ich an einen Milchstau. Es fühlt sich an, wie ein großer blauer Fleck. Ich kann keine Knötchen oder so tasten. Sie ist auch nicht sonderlich rot oder geschwollen, obwohl sie deutlich größer als die andere ist und auch deutlich schneller „überläuft“. Nach dem Trinken ist sie weich, keine Verhärtungen. Das war komisch. Ich hab alles probiert, was man so rät in dieser Situation: Gut sitzender BH, Wärmen vor dem Stillen, Kühlen nach dem Stillen, Arnica, Retterspitz-Umschläge, Quarkwickel, Massieren/Ausstreichen unter der Dusche. Nichts hilft. Gestern waren die Schmerzen durchgehend da und so fies, dass ich vorm Schlafen eine Ibupofen einwerfen musste.

Heute Vormittag also zur Gyn. Die guckte sich Brust nur kurz an, zeigt auf das kleine, feine Adersystem, das rund um die Brustwarze deutlich zu erkennen ist und diagnostiziert: Brustentzündung. „Das wird durch Bakterien aus dem Mund des Kindes ausgelöst, die durch feine Risse in der Brustwarze in die Brust gelangen und dort eine Entzündung auslösen.“ Und weil ich ja ein Immunsuppressivum nehme, ist das wohl kein Wunder und sollte auch schleunigst behandelt werden. Mit… Ratet mal? Aaaaaaantibiotikum! Welche Freude! Hatte ich ja schon seit ganzen 2 Wochen nicht mehr.  *ironie off*

Mal ehrlich: DAS IST DOCH SCHEISSE!  Nach wie vor ist mein Kopf eigentlich relativ entspannt und ich bin ziemlich ausgeglichen. Trotz der nervigen Schwangerschaft, der anstrengenden Geburt und dem ganzen Krankheitsätz.. Ich hab ’nen Stress-Darm, ich erkenne sofort, wenn ich gestresst bin… Und im Moment bin ich es eiiiigentlich nicht. Warum kann mein gottverdammter Körper eigentlich nicht einfach mal auch einen Moment lang… … … zufrieden sein und mich in Ruhe lassen?? WARUM MUSS ICH EIGENTLICH DAUERND SCHMERZEN HABEN??? Das ist doch echt nicht mehr feierlich… Und irgendwie ist es auch echt nicht fair, finde ich. Und es geht dermaßen an die Substanz… so auf Dauer.

Den Uni-Beginn nächste Woche hab ich jetzt für mich erstmal gecancellt und hoffe, dass die Profs Verständnis für meine missliche Lage haben und ich so 2-3 Wochen Schonfrist rausholen kann.

Langsam kann ich den Blog umtaufen, glaub ich. Mittlerweile geht’s ja hier mehr um meine Krankheiten als um meine Gedanken *seufz* Ach Menno :-(

Schreien-Nuckeln-Aua!

schrei

(T. ist 19 Tage alt. Fast drei Wochen.)

Es kommt uns momentan so vor, als würde unser Baby eigentlich immer brüllen, wenn er wach ist. Das geht ganz schön an die Substanz. Und es ist uns nicht instinktiv total automatisch klar, wie wir damit sinnvollerweise umgehen könnten. (Einen lesenswerten Artikel über die (Un)Möglichkeit der Erziehung nach Bauchgefühl findet ihr hier.)

Zum brüllenden Kind und dem entsprechend „richtigen“ Umgang mit ihm gibt’s so ziemlich jede Ansicht. Voraussetzung ist, dass das Kind gestillt ist und keine vollgekackte Windel hat.

1. Schreien = Bedürfnis nach Nähe/Stillen. Am besten ganz viel Kuscheln und auch die Brust anbieten, zur Befriedigung des Saugbedürfnisses.

2. Schreien = Ausdrucksmittel. Am besten das Brüllen begleiten und das Baby nicht einfach durch diverse Beruhigungsmaßnahmen mundtot machen. Es muss sich ausdrücken dürfen.

3. Schreien = Reizüberflutung. Am besten Baby von den Reizen abschirmen, Ruhe… Viel im Tragetuch haben.

4. Schreien, weil Gewöhnen an die Welt hier draußen. Am besten den Mutterleib durch Schuckeln, Pucken und Sch-Sch-Sch imitieren.

5. Schreien = mehr Hunger, weil Wachstum. Am besten das Baby immer und immer wieder anlegen. So wird die Milchmenge gesteigert.

6. Schreien = Müdigkeit. Am besten das Baby zum Schlafen bringen.

7. Schreien = „Dreimonatskoliken“. Am besten behandeln… Wärme, Kümmelzäpfchen, …

schrei2

Für mich heißt das eigentlich nur: Man weiß es nicht. Von Dreimonatskoliken halte ich nichts. Ich glaub da nicht dran. Ich glaub nichtmal, dass es das wirklich gibt. Bedürfnis nach Mama/Nähe: Ja. Ausdrucksmittel/Verarbeitung/Reizüberflutung/nicht zur Ruhe kommen: Ja, möglich. Müdigkeit? Auch möglich. Hunger? Bin mir nicht sicher…

Problem: Alle Gründe verlangen nach anderen Taktiken. Einem reizüberfluteten Baby bringen weitere Beruhigungversuche nichts. Wenn ich meine, dass mein Baby verarbeiten muss, dann wäre es ja falsch, ihm mit der Brust den Mund zu stopfen. Wenn ich meine, mein Baby braucht meine Nähe und muss sein Saugbedürfnis befriedigen, ist das Anbieten der Brust zur Beruhigung (oder von mir aus auch eines Schnullers, den T. übrigens komplett verschmäht, ja, auch verschiedene Formen) die richtige Wahl. Tja. Toll. Und nun?

Wenn T. aufwacht, brüllt er eigentlich sofort los. Man liest hier und da ganz gerne mal, es müsste gar nicht zum Brüllen kommen, weil die Kinder schon gut ’ne halbe Stunde vorher „Warnsignale“ aussenden. Auf die müsse man nur reagieren und dann wär’s das auch schon. Haha. Mein Kind signalisiert nichts. Es wacht auf und brüllt sich oft sofort von 0 auf 100. Genau das ließen seine Herzfrequenzen im Bauch übrigens schon vermuten. Er ist ein ganz schöner Choleriker…

Er wacht also auf und meistens lege ich ihn direkt an. Er trinkt dann sehr, sehr hektisch 10-15 Minuten vielleicht. Danach nuckelt er eigentlich nur noch. Dabei dümpelt er immer mal weg, reißt dann wieder die Augen auf, nuckelt weiter, dümpelt weg, schläft vielleicht auch mal ein, wacht aber 10 Minuten später wieder auf und will weiter nuckeln. Er schreit meistens sofort, wenn ich ihm die Brust entwende.

Manchmal lässt er sich durch Schuckeln beruhigen. Selten irgendwann dann auch ablegen… Meistens wacht er nach 30-60 Minuten dann wieder auf. Manchmal nuckelt er auch am Finger. Durch’s Pucken wird er deutlich ruhiger. Manchmal schläft er dabei in Verbindung mit Schuckeln zügig ein. Im Tuch, im Auto schläft er zuverlässig.

Ab und zu (!) ist er auch wach ohne zu schreien. Allerdings maximal 10-15 Minuten. Dann guckt er wirklich ziemlich aufmerksam rum, uns an, ins Licht, sein Sternchenbild an… Dann verzieht er irgendwann das Gesicht und schreit los. Wenn ich ihn dann anlege, nuckelt er sofort los – manchmal trinkt er auch wieder – und schreit nicht mehr. Manchmal schläft er dann beim Nuckeln ein. in der ersten Woche recht zuverlässig. Mittlerweile kann sich das Stunden hinziehen.

Was mich irritert:

Ich habe das Gefühl, dass er schon recht eindeutig nach der Brust sucht, wenn er schreit/brüllt. An der Brust beruhigt er sich meist unmittelbar. Er kann stundenlang nuckeln. Manchmal kann ich die Brust irgendwann aus seinem Mund ziehen und er pennt trotzdem ein bzw. weiter. Oft wacht er dann aber auch nach 5 Minuten wieder auf uns sucht sofort wieder. Er ist dann sofort total nervös-hektisch-aufgeregt und wenn er sie nicht gleich in den Mund bekommt, brüllt er sofort wie am Spieß.

Ich habe kein prinzipielles Problem damit, ihn anzulegen, wenn er das braucht und sich da beruhigt.

Aber ein paar Probleme macht das doch:

1. Meine Brüste tun inzwischen wahnsinnig weh durch das ständige Genuckel. Ich mache alles, was man dagegen tun kann. Aber es nützt nichts. Sie haben einfach keine Regenerationsmöglichkeit. Das Stillen wird so zur Qual und ich erwische mich regelmäßig bei dem Gedanken, ob es nicht ohne doch irgendwie einfacher wäre… und schmerzfreier! Davon hatte ich in den letzten Monaten nämlich echt mehr als genug.

2. Einen Rhythmus, der ja bei unruhig-nervös-sensiblen Babys angeblich so unendlich wichtig wäre, ist so de facto unmöglich! Ich richte mich ja mit dem Anlegen usw. komplett nach ihm und seinem Nuckel-Beruhigungs-Bedürfnis.

3. Ich habe eine dreijährige Tochter! Ich kann eigentlich nicht jetzt drei Monate lang mit meinem Baby an der Brust im Bett verbringen. Echt nicht.

4. Ich habe durch das dauernde Genuckel wirklich absolut keine Ahnung, wann er denn wirklich hunger/durst hat und tatsächlich trinken will (und nicht nuckeln). Das ist doof!

Ich versuche wirklich ganz ganz dolle, nicht alles einfach nur anstrengend zu finden. Und noch gelingt mir das erstaunlich gut. Aber es fällt mir zunehmend schwerer, es nicht doof und irgendwie „fies“ zu finden, dass mein kleines Kind eigentlich im wachen Zustand nur am Brüllen ist. Außerdem ist es dadurch mit der Erstgeborenen nicht unbedingt leichter. Verständlicherweise findet sie ihren kleinen Bruder dadurch nämlich zuallererst mal anstrengend. Wenn T. brüllt versteht hier nämlich niemand mehr ein Wort.

schrei1

Ich frage mich, ob ich das irgendwie falsch wahrnehme und das übertrieben sehe. Aber K. nimmt es ja auch so wahr… Kaum ein wach ohne Brüll… Also lang anhaltendes Brüll. Und es gibt nur einen Ausknopf. Und bei dem bin ich mir nicht sicher, ob ich es richtig finde, ihn immer einfach zu drücken.

Was meint ihr denn?

Geschwistergedanken (2): Hurra (?), wir sind jetzt 4

Inzwischen haben wir schon einige Stress-Momente gehabt. T. ist jetzt seit 2 Wochen auf der Welt. Die Stress-Momente habe ich daran bemerkt, dass sich das Stress-Gefühl überhaupt durchsetzen konnte, obwohl ich nach wie vor ziemlich hormonbeladen war/bin. Im Krankenhaus vor meiner Nierenstein-OP hab ich zum Beispiel angefangen zu heulen, weil die Urologin nach dem Namen meines ersten Kindes fragte… weil ich mir so einen Kopf darum gemacht habe, wie sie damit zurechtkommt, dass ich schon wieder nicht da und vor allem schon wieder im Krankenhaus bin. Mit T. und ohne sie. Letztendlich hat sie davon gar nichts mitbekommen… (K. meinte dann im Gespräch zu mir: „Naja, aber die Geburt ist ja jetzt schon ’ne Woche vorbei, das sind doch dann eigentlich nicht mehr die Geburtshormone, oder?“ – „Ähm. Im Normalfall breche ich aber nicht beim Arzt in Tränen aus, weil er mich fragt, wie mein Kind heißt…“ Soviel also dazu… Schwangerschaftshormone, Geburtshormone, Still-Hormone, Babyblues, … Watweeßick, „normal“ fühle ich mich jedenfalls noch nicht wieder.)

Der Stress-Peak ist hier definitiv abends. T. hat nämlich zwischen 18 und 22 Uhr seine „Clusterfeeding„-Zeit und es ist so ziemlich unmöglich, gemeinsam zu essen. Er ist irgendwie wach, ab und zu dann doch schon schläfrig, findet aber nicht endgültig in den Schlaf, will an die Brust, dockt aber immer wieder ab, quietscht, sucht dann aber gleich wieder, wird wütend (scheint die Brust nicht zu finden?)… Puh, ein bisschen anstrengend, diese Zeit. Ich versuche manchmal, ihn am Tisch weiter zu stillen. Dabei kann ich zwar nicht wirklich was essen, aber immerhin sind wir so alle zusammen und unser Ritual geht nicht ganz flöten… Gemeinsames Abendessen finde ich sehr wichtig. An einigen Tagen konnte ich T. auch schon mit ins Bad nehmen und wickeln/waschen, wenn K. das P. bettfertig macht. Anstrengend – neben einem zunehmend müder und entsprechend zickiger werdenden großen Kind und einem Tag-verarbeitenden Säugling – ist für mich aber auch vor allem, dass K. genau dann auch die Puste ausgeht und er (verständlicherweise) eigentlich nur noch fertig werden will… Er hat dann nur noch wenig Geduld für die Dauer-Sperenzchen einer 3-Jährigen übrig, die jede Aktion gefühlt ins Unendliche ausufern lassen… und die Nerven echt ziemlich überstrapazieren. Insbesondere dann, wenn nebenher immer ein Baby brüllt. Dann muss ich ganz viel ein- und ausatmen, um nicht selbst in Stress und Ätz zu verfallen und mich T. ohne Hektik zu widmen und K. so quasi seinem Schicksal zu überlassen… Mir bleibt aber nichts anderes übrig. Und ich kann mich in diesen Momenten nicht noch um ein 3. Kind kümmern. Da muss er wohl durch… Am ehestens knallt’s dann trotzdem zwischen K. und mir, weil ich (wohl vor allem aufgrund meiner Müdigkeit) seine kaum vorhandene Stressresistenz in diesen Momenten nur gaaaanz, ganz schwer ertragen kann. Mehr Teamwork und an einem Strang ziehen, bitteschön!

Das P. geht dann ins Bett, ich lese ihr vor (mit Kind 2 an der Brust) und haue mich dann auf’s Sofa (mit Kind 2 an der Brust). Ohne iPhone wäre ich – zugegeben – wohl schon ziemlich frustriert, aber dank der Entertainment-Wundermaschine lese ich viel und kommuniziere (mit Kind 2 an der Brust), höre Nachrichten und Hörspiele (mit Kind 2 an der Brust) und google bescheuerte Fragen und Themen (mit Kind 2 an der Brust). Das geht ja zum Glück alles einhändig heutzutage. Gegen 22/23 Uhr pennt T. dann und kommt meist erst gegen 2 Uhr das nächste Mal. Ich versuche, halbwegs zeitig ins Bett zu gehen. Manchmal schläft K. den ersten Teil der Nacht mit T. auf dem Sofa und ich hau mich allein ins Bett und schlafe ein paar Stunden ohne offenes T-Shirt und Verrenkung um’s Baby… K. bringt ihn mir dann zur ersten Nachtmahlzeit frisch gewickelt gegen 2 Uhr ins Bett. Das ist eigentlich ’ne ganz gute Taktik, find ich…

P. findet es inzwischen auf jeden Fall super, beim Babwickeln mitzumachen. Sie guckt dann immer, ob der Streifen vorn auf der Windel gelb oder blau ist. Sie weiß, dass blau heißt, dass die Windel vollgepullert ist und er ’ne neue braucht. (Ich bete gerade, dass die 2er-Windeln auch so ’nen dämlichen Indikatorstreifen haben…) Außerdem sucht sie morgens ab und zu die Sachen für T. raus. Sie hält seine Händchen beim Wickeln fest, so wie K. ihr das gezeigt hat. Sie weiß, dass ihn das beruhigt. Sie fragt „Warum quäkert er?“, wenn er schreit. Sie sagt zwar noch immer ab und zu „Das ist anstrengend. Das ist mir zu laut!“, aber immerhin nicht mehr bei jedem Schreien… Sie kann da inzwischen wohl auch schon ganz gut weghören. Sie gibt ihren Baby-Puppen abends vorm Schlafengehen die Brust. Sie hat verstanden, dass Babys noch keine Salzstangen und Zuckerperlen essen dürfen, weil: „Der hat noch gar keine Zähne!“. Sie bringt mir Wasser und drückt auf den Lichtschalter, wenn ich wegen der Stillerei an’s Sofa genagelt bin. Sie scheint es toll zu finden, wenn sie eine Aufgabe bekommt und mir helfen kann. Wir werden abends auch nicht mehr aus dem Zimmer geschmissen. Ich bekomme es mittlerweile – T. ist 2 Wochen alt – hin, ihr vorzulesen und ihn gleichzeitig zu stillen. K. war auch schon mit T. und P. in der Wanne. T. schaut immer ganz aufmerksam, wenn seine große Schwester neben ihm ist und erzählt oder auf ihn einredet. Manchmal kommt P. auch von selbst an, streichelt ihn, will ihn anfassen oder ihm einen Kuss geben. Noch ist das zwar eher zurückhaltend, aber trotzdem sehr herzerwärmend…

Ich bin sehr viel zuversichtlicher, dass sich das alles irgendwie einspielen wird zwischen P. und T und uns so insgesamt… Ich frage mich aber trotzdem immernoch, was es mit P. macht, dass ich sie weder zur Kita bringen noch sie abholen oder auf Spielplätzen mit ihr rumtoben kann. Was macht das mit ihr, dass fast jede Action außerhalb der Wohnung von K. oder ihrer Omi übernommen werden? Dass das plötzlich ein kleines Etwas ist, was Zeit und Liebe in Anspruch nimmt. Ist es ein halbwegs hinreichender Ausgleich, dass ich versuche, sie wenigstens früh zu wecken, mit ihr zu frühstücken, sie anzuziehen und abends ihre Geschichten vorzulesen und sie in die Decke zu mummeln? Nimmt sie das überhaupt besonders wahr? Oder nehmen Kinder in dem Alter die Dinge einfach so, wie sie sind? Vermissen sie schon jemanden, der eher wenig Zeit mit ihnen verbringt? Spürt sie schon sowas wie Eifersucht T. gegenüber? Äußern tut sie das jedenfalls bisher nicht so direkt… Und zu T. ist sie auch recht liebevoll… Heute haben wir sie alle zusammen von der Kita abgeholt und danach den Nachmittag zu viert „draußen“ verbracht. T. ist in der Trage ja quasi unsichtbar und für P. alles ein bisschen so wie früher.

Ein bisschen Angst und Bange wird’s mir, wenn ich daran denke, dass die Uni in zwei Wochen wieder losgeht… Und dass K. ja irgendwann auch wieder arbeiten gehen muss. Wie der (echte) Alltag ohne Urlaub/Elternzeit/frei haben dann aussehen wird und wie ich es hinkriege, ein Baby und eine dreijährige morgens rausgeh- und abends bettfertig zu machen… Wie ich mich auf irgendwelche philosophisch-gesellschaftstheoretischen Uni-Themen einlassen können soll… Wie ich für Prüfungen lernen und Hausarbeiten schreiben können soll… Wie ich überhaupt irgendwas machen soll, außer mein Baby, mich und meine Tochter über den Tag zu bekommen… Das ist mir noch sehr, sehr schleierhaft. Es bleibt uns aber nichts anderes übrig als uns einfach reinzustürzen und zu sehen, was passieren wird. Vielleicht klappt’s ja auch einfach. Irgendwie. Ächem… Ja… Ich bin gespannt.

Und naja… Ich kann nicht wirklich viel gegen meine ab und zu aufkommenden „Buhuuuhuhuuuu“-Gedanken machen. Ich fühle mich für P. einfach ziemlich unzulänglich im Moment. Als wäre ich gar nicht so richtig für sie da und dadurch irgendwie auch nicht so wirklich von… nun ja… von „Belang“. Ängste kriechen in mir hoch, dass sie mich vorübergehend sowas wie „abschreiben“ könnte… Mama ist jetzt halt nicht mehr so wirklich da, egal, dann nehm‘ ich halt Papa oder Oma. Mit Mama ist ja eh nicht zu rechnen, die hat ja eh nie Zeit. Mir ist natürlich eigentlich (vom Kopf her) schon klar, dass das Quark ist. Ich bin wahrscheinlich das Backup. Weil wir in den letzten Jahren ein gutes Verhältnis und eine gute Bindung aufgebaut haben, steckt sie die ganze neue Sache hier vermutlich so gut weg und kann auch ohne Probleme viel Zeit mit Papa und Omi verbringen ohne durchzudrehen. Und eben auch ohne dass unser Verhältnis komplett krachen geht. Oder?

Und was kann ich schon groß tun? Ich kann nur versuchen, sie in die T.-Pflege mit einzubeziehen, sie wenigstens 1-2 Mal in der Woche mit abzuholen, wenigstens einmal am Tag mit ihr Zeit zu verbringen (und wenn’s nur kurz ist), ihr in der Zeit viel Nähe und Kuscheln zu geben und einige unserer festen Rituale und Abläufe beizubehalten. Dabei laufe ich aber Gefahr, die Zeit mit ihr „zu schwer“ zu machen, glaub ich. Also die Situationen von meiner Seite her emotional zu sehr aufzuladen… (Es ist dabei zwar nicht das, was vielleicht vielen passiert… Die „Ich bin jetzt mal nicht so streng“-Schiene – siehe hier, irgendwo in der Mitte des Artikels… Es ist irgendwie anders…) Ich habe so ein starkes Bedürfnis, ihr in den kurzen gemeinsamen Zeiten ganz viel Liebe zu geben. Also ihr zu zeigen, dass ich sie wirklich lieb habe und ihr unbedingt zu beweisen, dass sich nichts daran geändert hat, nur weil nun das Baby da ist. Es gelingt mir nur schwer, mich einfach halbwegs normal ihr gegenüber zu verhalten. Das passiert wohl auch wieder aus Angst. Es ist das Resultat meiner Befürchtungen, sie könnte… hm… vergessen, dass ich für sie da bin und sie lieb habe… oder aus Angst, sie könnte aufgrund meiner akuten Kaum-Verfügbarkeit einen Mama-Liebesmangel haben und darunter leiden. Eigentlich würde ich mit ihr gern dauernd darüber reden, wie die Situation ist und wie das für sie gerade ist. Dann muss ich mich aber daran erinnern, dass meine Tochter erst drei Jahre alt ist und nicht wirklich reflektieren, durchdenken, angeben kann, wie die Situation für sie so ist… Dass sie eher irritiert darauf reagiert, wenn man ihr „wie findest du das denn?“-Fragen stellt. Sie kann ja noch nicht über’s Denken und Empfinden nachdenken… Was soll sie schon groß sagen? Ich denke, dass sie sowas noch echt überfordert… Und übertriebene Liebesbekundungen und Nähe-Aufrdängelei würde es wahrscheinlich auch… Also schlucke ich meinen Kloß im Hals weitgehend runter, drücke sie nur kurz und versuche, so normal wie möglich zu und mit ihr zu sein. Und Mann… Das fällt mir echt ganz schön schwer! Genau wie das nicht überinterpretieren… Es ist einfach total schwer einzuschätzen, ob sie an Nachmittag xyz nun gerade so zickig und anstrengend nah am Wasser ist, weil sie übermüdet, überreizt, einfach nur doof drauf, ganz normal dreijährig drauf oder emotional verletzt und überfordert durch die neue Situation mit plötzlich kleinem Bruder ist… Ist es eine gute Idee, das zu thematisieren? Mit einer dreijährigen? Und wenn ja, wie? Und dann fühl ich mich manchmal so unfähig, weil ich zu doof bin, die Signale meiner eigenen Tochter zu deuten… Obwohl ich ja weiß und auch einsehe, dass auch die eignen Kinder nun einmal dahingehend kein offenes Buch sind. Aber ich ärgere mich so ein bisschen darüber. Ich würde sie gern besser und eindeutiger lesen und verstehen können und frage mich, wie der richtige Weg ist, um das zu erreichen. Irgendwann will ich gern mal etwas besser einschätzen können, ob meine Tochter nun gerade komisch reagiert, weil sie ein ernsthaftes Problem hat oder ihr nur ein undramatischer Pups (im Kopf) quer sitzt.

Es fällt mir übrigens ganz allgemein sehr schwer, Menschen einfach mal in Ruhe zu lassen und nicht krampfhaft zu versuchen, in ihre Köpfe und/oder Herzen zu steigen. Ich neige da durchaus auch zum (ungewollten) Bedrängen. Ich will unbedingt wissen, was in ihnen vorgeht, wie es ihnen geht und dann am liebsten auch noch ganz viel klug-hilfreichen Senf dazu abgeben. Dabei vergesse ich oft, dass viele (wenn nicht sogar die meisten?) Menschen gar nicht ständig reflektieren wollen. Viele Menschen grübeln nicht ständig darüber nach, wie es ihnen geht, wie ihr Leben gerade so abläuft und wie/wodurch es ihnen vielleicht besser gehen könnte. Vielleicht können das manche auch einfach nicht… Davon mal abgesehen, dass die meisten Menschen (irgendwie ja auch zu Recht) eher allergisch auf gut gemeinte Ratschläge reagieren. Ich bin damit jedenfalls schon sehr oft gegen Wände gelaufen und hab auch schon einige eingerissen.

Ich befürchte, dass es für mich eine echt harte Probe werden dürfte, mein armes Kind nicht ständig krampfhaft zum Reden über seine Gedanken, Gefühle und Probleme bringen zu wollen. Das würde nämlich vermutlich ganz gewaltig nach hinten losgehen und dürfte wohl am ehesten dazu führen, dass sie mir gar nichts erzählen werden…

Woher kommt nur diese „Gier“ nach anderer Leute Probleme und Seelenstrips? Letztendlich betreibe ich auf dem Blog hier ja nichts anderes als Selbstentblößung. Gefühle, Gedanken, Reflektion… Es gibt kaum was, was mich mehr interessiert… Auch bei Filmen oder Büchern interessieren mich die tiefen, ehrlichen Gedanken- und Gefühlswelten immer am meisten. Komisches Faible… Ist das reine Neugier? Eine Variante des Voyeurismus? Ich weiß es nicht… Aber es war… ich war dahingehend nie anders. Ich hab schon als Teenie am liebsten mit Menschen stundenlang über ihre Baustellen geredet und versucht, Lösungen dafür zu finden.

Zurück zum Thema: T. ist jetzt seit zwei Wochen auf der Welt. Schon jetzt kann ich ganz gut nachvollziehen, was es bedeutet, sich zerrissen zu fühlen. Von dem Gefühl berichten Mehrfacheltern ja oft. Man fühlt sich zerrissen, weil man plötzlich mehr als einem Kind (mit jeweils ganz unterschiedlichen Bedürfnissen) gerecht werden muss und auch möchte. Ich will für T. da sein und weiß, dass ich mich schonen muss, damit die Krankenhaus-/Krankheitskacke endlich Mal ein Ende hat. Dadurch muss ich aber dabei zusehen, wie meine Tochter den größten Teil der Tage mit anderen Menschen verbringt. Mit der Kindergärtnerin, mit ihrem Vater, mit ihrer Omi… Seufz… Das macht mich betroffen, weil ich nicht weiß, ob das für sie schlimm ist, ob und was es für Auswirkungen auf sie bzw. für uns haben wird.

Ich hoffe sehr , dass ich irgendwann mehr mit „meinen Kindern“ anstatt mit dem einen und dem anderen kommunizieren und umgehen werde und es schaffe, dabei trotzdem die persönliche Individualität der beiden zu respektieren und zu bewahren.

Tja. Das ist wohl ein weiterer dieser schwierigen Balanceakte, die man auf die Reihe kriegen muss, wenn man ein Stück Eltern ist…