„T. ist 4 Wochen alt“

4 Wochen ist T. jetzt also schon auf der Welt… Gedankenkarussell:

Heute vor 4 Wochen + 1 Tag:

Ich hasse diesen Zustand und ich glaube, ich werde heulen, sobald ich die Geburt hinter mir habe. Und zwar 5 Tage lang. Vor Erleichterung! Ich will nienienie wieder schwanger sein! Ich fühle mich eingesperrt, festgenagelt, unausgeglichen und scheiße. Ich ertrage dieses Pulverfass nicht, ja weil ich halt scheiße ungeduldig und schon unschwanger ständig super-nervös bin. Weil es mich ankotzt, unbeweglich zu sein und weil es mich ankotzt, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann! (…) Diese scheiß Ungewissheit! Dieses scheiß Vorgeplänkel! Diese scheiß Stimmungsschwankungen! Dieser scheiß-ätzende körperlich eingeschränkte Zustand! Dieses sich schlapp fühlen! Bääääääh!!!

Während der Wehen:

Es. soll. auf. hören!!! Ich will nicht mehr! Ich kann nicht mehr! Es tut so weeeeeeh… Ich will sterben. Auf der Stelle… Aber ich will mein Baby. Ich hab keine Ahnung, wie das klappen soll. Ich schaffe das nicht… Ich stehe das nicht durch… *wimmer wimmer*

Kurz nach der Geburt:

ICH HABE ES GESCHAFFT!!! ES IST VORBEI!!! OH MEIN GOTT!!!! ES IST VORBEI! ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!! ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!! ER IST DA!!!! OH GOTT!!!!!

Am Tag nach der Geburt:

Wir haben es wirklich geschafft. Er ist gesund, ich bin nicht mehr schwanger und ICH BIN EINE VERDAMMTE SUPERHELDIN! Ich muss nie wieder ein Kind bekommen! Das Thema GEBURT ist für mich DURCH… Und hach… Er ist so süß und weich und… okay, er ist ganz schön propper… Aber trotzdem: MEIN BABY IST DA! ENDLICH IST ER DA!

In den ersten Wochen 1:

Muss er jetzt schon regelmäßig pullern/kackern? Wird er denn überhaupt satt? Ich hab doch noch gar keine Milch. Ist das okay, wenn der Nabel so eitert und der Schnurrest so schwarz aussieht? Sind die Blutergüsse auf dem Kopf normal? Er hat ganz ganz rote Flecken in den Augen? Ist das okay oder ein Grund zu Beunruhigung? Ah! Er hat verklebte Augen, bestimmt eine Bindehautentzündung! Woher weiß mann denn, dass das Kind was sieht? Oh Mann… Er ist bestimmt blind! Die Augen rollern rum und seine sehen ganz gruselig aus, wegen der Blutungen drinnen. Scheiße… Er hat richtig richtig viele Pickel und Rötungen überall. Ist das noch Babyakne? Oder Neurodermitis? Eine Kinderkrankheit? Eine Unverträglichkeit? *

In den ersten Wochen 2:

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er eigentlich quasi immer, wenn er wach ist?

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er andauernd?**

Heute:

Diese doofe Akne! T. sieht total bemitleidenswert aus. Und irgendwie ist er gerade echt nicht „süß“… Also zumindest nicht, wenn ich ihn so ganz nah sehe… Wenn K. ihn auf dem Arm hat, dann sehe ich diese fiesen Rötungen und Pickel nicht so vorrangig. Dann kann ich besser anhimmeln. Wenn er so nah ist – und das ist er ja meistens, dann kann ich nicht daran vorbeischauen. Meine Fresse… Was bin ich oberflächlich, oder? Das ist ja furchtbar… Störe ich mich jetzt echt daran, dass mein Kind nicht hübsch (also babywerbungshübsch) ist?? Ich mach mir einfach Sorgen. Und ich kann und will einfach nicht mehr irgendwelche Symptome deuten. Ich hab das echt satt. Unsere Körper sollen uns in Ruhe lassen… … … Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er in 6 Monaten sitzt und irgendwelche bewussten Geräusche von sich gibt… Dass ich irgendwann mal mit ihm reden werde wie mit P. jetzt. Wie er wohl wird? Ich kann es mir nicht vorstellen, wenn ich dieses kleine hilflose, schreiende Bündel so sehe… Wenn ich versuche, irgendwie mit ihm zu kommunizieren und nicht einmal weiß, ob davon irgendwas bei ihm ankommt. Hach, dieser Moro-Reflex… Der ist so niedlich. Und wenn er sich so einkugelt. Immernoch. Obwohl schon weniger.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er wirklich mal ein sitzendes, krabbelndes, stehendes, laufendes, sprechendes, denkendes, die Kita besuchendes Kind werden wird. Mein Sohn… Verrückt.

 

Hm. Ich glaube, aus mir wird in diesem Leben einfach keine Honigkuchenpferd-Wolke 7-Mammmiiiii mehr werden.

 

*

Pinkeln wäre schon gut, Kackern kann auch ein bisschen dauern/unregelmäßig sein. Von 6x am Tag bis aller 6 Tage scheint okay zu sein. Am Anfang brauchen die Babys eigentlich kaum was. Trotzdem viel Anlegen. Für den Milcheinschuss. Glibber-Nabel ist ziemlich normal. Ein verformter Schädel und „Hämatome“ auf dem Kopf können durch die Presswehen/den Weg durch den Geburtskanal kommen. Die roten Flecken im Auge kommen davon, dass er quasi mitgepresst hat, da sind Äderchen in den Augen geplatzt. Das kann 6-8 Wochen dauern bis das ganz weg ist. Auch verklebte Augen haben viele Babys. Das ist nicht schlimm. Die Tränenkanäle sind oft noch nicht offen, da passiert das mal. Mit abgekochtem Wasser und/oder Muttermilch von außen nach innen streichen. Die Unterlieder massieren. Kann eine Weile dauern, bis es weg ist. Auf ’ne Bindehautentzündung deutet es hin, wenn es stark gerötet ist. Ob ein Kind „normal“ sehen kann (und hören), kann man anfangs nicht wissen. Ich kann aber sagen, dass ich diese Sorge jetzt (nach 4 Wochen) nicht mehr habe. Er schielt deutlich weniger und guckt „normal“, wach und offen. Die Babyakne kann echt fies aussehen, ist aber auch normal (4 von 10 Säuglingen). Kann einige Wochen dauern bis es weggeht. Salben verschlimmern es eher, es hilft eigentlich nur: GEDULD.

**

In den ersten Tagen konnte ich das noch entspannt unter „Naja, er muss halt erstmal ankommen“ ablegen. Ich konnte ja zum Glück fast bis zum Ende der Schwangerschaft gut schlafen und hab da auch drauf geachtet. Ich hab mir einen Schlaf-Depot angelegt. Das hat sich dann bezahlt gemacht. Die Geburt hat mich kaum mitgenommen (also bezüglich des sich fertig fühlens) und ich kam lange echt gut klar. Hatte dann aber zunehmend mehr das Gefühl, dass er schon echt viel brüllt… Wollte die Gedanken aber nicht zulassen, meine Verstrahltheit hielt auch angenehm lange an. Das brachte mich kaum aus der Ruhe. Ich hab ihm immer die Brust gegeben und da das am Anfang auch echt Sinn macht, hab ich mir angenehm wenig Köpfe darüber gemacht. Und dann kamen sie doch. Hat er vielleicht Hunger? Tut ihm was weh? Braucht er Nähe? Naja… Ich hab das ja ausführlich an anderer Stelle beschrieben. Das mit dem Hunger haben wir ausgeschlossen. Der Nuckel klappt seit heute und ich habe die Hoffnung, dass ich mich dadurch weniger wie eine wandelnde Brust fühle. Außerdem hab ich für mich beschlossen, zu akzeptieren, dass mein Kind einfach recht nähebedürftig zu sein scheint.

 

Kindermund (17): „Was kann man da kaufen? Drogen?“

Der hier liegt schon ewig im Speicher rum… Und geht jetzt einfach Mal raus ;-)

Leider hört das P. jetzt langsam auf, Dinge „falsch“ auszusprechen… Das passiert nur noch selten. Dafür gibt’s zunehmend mehr coole Sprüche. Im August gab’s davon jedenfalls einige. P. war 34 Monate – 2 Jahre und 10 Monate – alt.

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Warum frühstücken wir?

Das muss hier stehen. P. hat nämlich im Sommerurlaub urplötzlich mit der ununterbrochenen Warum-Fragerei angefangen.

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Das sieht hier alles so komis aus. Die Bäume sehen komis aus. Die Autos sehen komis aus. Die Leute sehen komis aus. Die Häuser sehen auch komis aus…

…als wir gerade d in unserem Urlaubsort ankommen.

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(SEHR laut) Mama, ich darf ins Schwimmbad pullern, ja?

– Neeee, P., das muss jetzt nicht unbedingt sein…

(noch lauter) Der Papa hat das aber gesaaaaagt!

Während eine Gruppe älterer Herrschaften gerade neben uns ihre Bahnen zog… Jaja, so kommt’s raus.

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Musst du auf Toilette?

– Neee, mein Popo is leer.

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Ich will raus aus meinem Stuhl! Ich will mir ein bisschen die Welt anschauen!

Was soll man denn dazu noch sagen außer „haaaaach“ ?! Kinder sind schon toll. Ab und zu jedenfalls ;-)

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Was gab’s denn heute zum Mittag?

– Ach, das weiß ich noch nicht.

Das ist momentan die Standard-Antwort, wenn sie keine Lust hat, etwas zu erzählen oder zu faul ist, nachzudenken bzw. sie sich nicht erinnern kann.

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Warum machst du das denn?

– Na weil ich das lustig finde.

Aus der Reihe „Totschlägerargumente“.

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Omiiii, was gibt es in der Drogerie? Was kann man da kaufen? Drogen?

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Wenn Männer eine Frau sind, dann haben die Männer Brüste.

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Was war so im August 2013?

Doktor spielen und überhaupt alles, was irgendwie mit dem Thema Arzt zu tun hat, war in diesem Monat schwer angesagt. Dann war unser Urlaub am Anfang des Monats natürlich ’n Ding. Auch wenn ich mich echt gewundert habe, wie sehr das schlaucht, eine 2-jährige eine Woche lang jeden Tag zu bespaßen. Für uns war das jedenfalls nicht sonderlich erholsam, muss ich gestehen, und wir waren froh, als wir sie wieder in die Kita geben konnten. Im Moment merken wir sehr, dass sie dringend den Kontakt zu anderen Kindern braucht und wir sonst nach einer gewissen Zeit alle voneinander überfordert und/oder genervt sind… Sie hat im Urlaub nun doch das Puzzlen für sich entdeckt, nachdem ich eins mal komplett und ganz in Ruhe mit ihr zusammen gemacht habe. Außerdem hat sie so eine „Hier ist jetzt abgesperrt“-Macke. Da stellt sie sich irgendwo in den Weg und… ja… sperrt halt ab. Dann darf da niemand durch. Darüber kann P. sich stundenlang zereumeln. Sie redet wie ein Wasserfall, brüllt irgendwelche Fantasie-Baby-Wörter und haut sich darüber weg. Vor allem, wenn sie übermüdet ist. Ach ja. In der Kita gehört sie jetzt zu den Großen, nicht mehr zu den „Krippies“ und mit ihren Kindergarten-Freundinnen verbindet sie jetzt schon eine ganz große Liebe. Wichtig war auch „Ich bin doch schon eine große Schwester!“, was in den unterschiedlichsten Situationen – mal mehr, mal weniger hilfreich – anklingt. Rumhüpfen, rumtoben und allgemein sehr viel mehr spielen (auch eingefordert mit „Ich will aber noch spielen!“) waren im August sehr typisch und wichtig. Und am Ende des Monats war wahrscheinlich mein Aufenthalt im Krankenhaus ziemlich prägend. Danach hatten wir auch erstmal ein paar Schwierigkeiten, die mit viel Liebe und Nähe wieder zugeklebt werden mussten…

P. kommt im echten Leben übrigens nicht so zu kurz wie die trächtigkeitsgetränkten Blog-Beiträge es vermuten lassen…