Mensch Kind, jetzt mach doch mal ein bisschen mit!

Boar… Kleinkind-Eltern: Kennt ihr das? Der alltägliche Plan sieht in etwa Folgendes vor: Kind von der Kita abholen, eventuell Zwischenstopp auf’m Spielplatz oder so, nach Hause, ein bisschen (RUHIG!) spielen (hahahaha…), gemeinsames fröhlich-entspanntes Abendessen, Runterkommen, kleine Bad-Runde (Waschen-Zähne-Schlafanzug), 2 Geschichten vorlesen, Küsschen, Schlafen. Danach Feierabend.

Schöner Plan. So läuft es aber in so… hmnnn… vielleicht 3? von 100 Fällen. Wenn’s hochkommt. Weil 3-Jährige Meister-Saboteure sind! Wir sagen hier jedenfalls ständig diesen bescheuerten Satz: „Kannst du nicht ein bisschen mitmachen?“ Meistens in den Umbruch-Situationen: Vom Schlafanzug in die Tagessachen, vom Kinderzimmer an den Frühstückstisch, vom Frühstückstisch ins Bad zum Zähneputzen, beim Fertigwerden mit dem Zähneputzen, beim Zahnputzwasser ausspülen, vom Bad zum Straßensachen anziehen, das Straßensachen anziehen ansich und dasselbe abends noch einmal potenziert, weil dann noch die kleinkindliche Müdigkeit dazukommt.

Als ich mit einem quietschvergnügten T. heute früh eine entspannte Wickelrunde verbrachte, krachte P. die Badtür auf, so schnell und doll, dass sämtliche Gerätschaften vom Badschrank herunterfielen. „Das is nis so slimm! Das räumt Mama wieder auf… Aaaaah, T.-Mann, kleiner Babymann, Papi, ich will meine Treppe… Oh T.! Hallo guck mal, der nimmt meine Hand! Lalalalalalalaaaa… Ich will die Zahncreme drauf machen! Nein Papi! Is kann das son alleine! Neeeeeeein!! Is will das!!! Blöder Papi!!“ *rumms* Abgang Kind.  Dramatische Heulerei aus dem Kinderzimmer. K. guckt mich mitleidserregend an: „Jeder Schritt. Jeder einzelne Schritt ist ein Kampf. ALLES wird diskutiert und torpediert! Da wird man doch IRRE!“

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage des Kindes hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Sie werden ja quasi den ganzen Tag fremdbestimmt. Ständig sollen sie irgendwas machen, was sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Ständig sollen sie dem Ablauf folgen, der von Anderen festgelegt wurde. Dazu haben die Eltern im Alltag nicht selten eine „Jetzt mach doch mal!“-Art drauf. „Jetzt zieh dir doch mal die Hose an!“ … „Jetzt iss doch mal dein Essen auf!“ … „Jetzt wasch dir doch mal die Hände!“ … Kinder sind keine Roboter. Und es ist schon verständlich, dass Kinder ja gar nicht anders können, als in diesen zum Teil recht festen Abläufen zu versuchen, trotzdem ihr Ding zu machen.

Wie sieht „ihr Ding“ aus? Wegrennen, rumhüpfen, kreischen statt Hose anziehen zum Beispiel. „Ich will aba feeeeahnsehn!“ statt sich an den Frühstückstisch setzen. „Ich hab aber jetzt Huuuungerrr! Ich will JETZT was Esseeeeeen! SOFORT!“-Schreien, während der Vater gerade angefangen hat zu kochen. Sich so komisch durchhängen lassen und dabei irre rumlachen, dass es unmöglich ist, das Kind für die Badewanne nackig zu machen. Und natürlich: Die Dinge alleine machen wollen. Verständlich. Sind halt Kinder.

Und wie gehen wir damit um? Wir wollen ja verständnisvoll sein. Versuchen, uns in die Lage des Kindes hineinzuversetzen (siehe oben). Können ja verstehen, dass die nicht immer einfach machen (können), was man gerade von ihnen will. Und dabei merken wir ständig überdeutlich unsere eigenen Grenzen.

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage der Eltern hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Es macht uns wahnsinnig, dass man morgens einfach „nicht vorwärts“ kommt. Wir versuchen im Bad innerlich ganz oft ganz tiiiief ein- und aus zu atmen und beschwören das Kind mit angestrengt ruhiger Stimme, es möge doch bitte zu uns kommen, damit wir es endlich ausziehen können. Wir hören uns viel zu oft drohend sagen: „Denk an deine Geschichte!“, wenn das Kind dem Bitten nicht nachkommt. Wir streichen dann und wann tatsächlich verzweifelt als letzter Anker eine abendliche Geschichte und provozieren damit einen noch viel nervenaufreibenderen Heul-Brüll-Wutanfall, der unseren Kopf fast zum Platzen bringt. Wir möchten eben diesen gern ab und zu einfach ins Essen fallen lassen und meinen, vor Überforderung auf der Stelle tot umfallen zu müssen, wenn nach Stunden endlich die ganze Familie gemeinsam am Essentisch sitzt (man hat nämlich – pädagogisch wertvoll! – gemeinsam gekocht) und das Kind sich plötzlich lautstark weigert, das Gekochte wenigstens zu probieren, stattdessen beständig nach Süßigkeiten verlangt, schließlich mit viel Überredekunst tatsächlich doch einen Mini-Bissen kostet, nur um kurz darauf loszubrüllen, weil das Essen angeblich zu heiß ist (was nicht sein kann, da es dort ja schon seit mittlerweile 30 Minuten vor sich hin kühlt), sich dabei vor Aufregung auf die Zunge beißt und vor Schreck den Becher Apfelsaft umwirft, woraufhin dieser sich über den gesamten Küchenboden verteilt. Wir wünschen uns, man könnte sich einfach wortlos umdrehen und sich wieder ins Bett legen, wenn man morgens gut gelaunt das Kind wecken möchte und der erste Wutanfall einen schon auf der Türschwelle entgegenföhnt (man hat es gewagt, das große Licht auszumachen). Und wir fühlen uns irgendwie schlecht, wenn wir nach dem Abgeben des Kindes vor dem Kindergarten stehen und spüren, wie die Anspannung von uns abfällt, angesichts der Stunden ohne kleinkindliche Dramen, die nun vor uns liegen. „Kannst du nicht einfach mal ein bisschen mitmachen?!?!?“ hören wir uns sagen. Ständig. Und dabei wollen wir das gar nicht.

Manchmal fühlt es sich doch einfach an, als müsste man jetzt auf der Stelle verrückt werden. Oft schwirrt-dröhnt-schmerzt einem der Kopf abends so heftig, dass es nach dem Zu Bett-Bringen nur noch (maximal) für Sofa und Glotze reicht und nicht einmal ansatzweise zur Rettung der Welt. Manchmal will und manchmal kann man einfach nicht mehr diskutieren, verhandeln, das Gebrüll milde lächelnd oder tröstend ertragen… Manchmal erträgt man keinen weiteren Kreischanfall. Manchmal will man Feierabend. Manchmal braucht man ’ne Pause von alldem. Dann ist es gut und wichtig, dass es (Groß-)Eltern gibt, die das Kind einem liebend gern für einen Nachmittag oder ein Wochenende entführen. Dann ist es gut und wichtig, mal alleine für 1-2 Tage wegzufahren, viel Schreibzeug mitzunehmen und auf’s Meer zu glotzen. Dann ist es gut und wichtig, mit dem Freund endlich mal wieder zu einem Konzert zu gehen und viel zu viele Gin Tonics zu trinken.

Haben all die Rosa-Wattewolken-Eltern diese Gefühle eigentlich nicht? Ich lese in so viele Mama-/Eltern-Blogs rein und die „mein Keks-Schnäuzel-Bärchen-Hase-Muppfel-Lieblingsschatz“-Fraktion treffe ich nach wie vor am häufigsten. Kompensieren die das irgendwie besser? Gibt es  Eltern, die wirklich ohne „Drohungen“ auskommen (Wenn du nicht mitmachst, dann hab ich keine Lust dir nachher vorzulesen-mäßig)? Gibt es etwa Eltern, die das immer alles total verstehen und nie nervig-anstrengend finden?? Oder drücken die das nur weg und werden irgendwann krank??? Oder lügen die sich selbst was vor? Und wie machen das Eltern, die ihr Kind (am Ende sogar FREIWILLIG) nicht betreuen lassen? Wie machen das Eltern, deren Kinder nicht bei Oma pennen wollen?  Oder ALLEINERZIEHENDE?? Ich würde durchdrehen! Ehrlich!

Im Übrigen vermisse ich mein Kind IMMER, wenn ich es 1-2 Tage nicht gesehen habe. Mit ein wenig Abstand gelingt es mir nämlich, die Situationen von außen zu betrachten und mir zu verdeutlichen, was da eigentlich passiert und wie man gelassener damit umgehen könnte. Ich schaffe es dann, meine Prioritäten wieder zurechtzurücken und mir klarzumachen, dass es eigentlich viele Stellen im Alltag gibt, an denen man die Dinge nicht schnell „erledigen“ muss und so den Nerv rausnehmen kann. Warum neigt man eigentlich dazu, immer mit dem, dem und dem danach schnellstmöglich fertig werden zu wollen? Die Dinge einfach eins nach dem anderen abzuhandeln bis wieder ein Tag rum ist? Eigentlich ist das bescheuert und das wird mir mit Abstand dann auch meistens bewusst. Mir ist es zum Beispiel mittlerweile ziemlich egal, ob wir zu spät in die Kita kommen. Auch wenn wir dafür nicht selten komisch beäugt werden. Und eigentlich schaffen wir es inzwischen tatsächlich sehr oft, ruhig zu bleiben, auch wenn das Kind gerade mal wieder wegen einer Kleinigkeit ausrastet. Aber immer geht das einfach nicht. Muss es ja wahrscheinlich auch nicht. Das Kind soll ja auch… (Oh Mann… Soll ich das jetzt echt sagen? Na egal…) … es soll ja „Grenzen“ kennenlernen. Auch die der Eltern, schätze ich.

Manchmal tut’s mir aber trotzdem leid, wenn ich dem Kind und seinen ganz normalen (Aus-)Ticks nicht so verständnisvoll begegnen kann, wie ich das gern würde. Denn der Grund ist ja eigentlich nicht, dass das Kind etwas „falsch“ macht, sondern dass ich gerade aus irgendwelchen Gründen nicht die Geduld habe, damit „cool“ umzugehen. Wenn man aneinander gerät, einer 3-Jährigen zu vermitteln, dass sie trotzdem okay ist und man nur doof findet, wie sie sich jetzt gerade verhält, dabei trotzdem zu mir und meinen Grenzen zu stehen und irgendwie mit reinzubringen, dass man einfach selber gerade nicht mehr kann und es eigentlich nicht an ihr liegt, ein anderes Verhalten aber doch für alle irgendwie angemessener wäre, das ist eine echte Herausforderung, finde ich. Und eigentlich auch ein ziemlich sinnloses Unterfangen, denn Kindern in dem Alter brauchst du nicht mit Rationalität kommen… Schon gar nicht, wenn sie gerade am Durchdrehen sind (Stichwort Dominanz der rechten Gehirnhälfte – lesenswerter Artikel dazu hier: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/05/autonomiephase-trotzphase-warum-immer.html) Oft bin ich mir nicht sicher, wie ich mit dem ein oder anderen Flipp eigentlich umgehen will. Oder kann. Oder muss. Oder sollte.

Ich liebe meine Tochter. Und ich habe gerade echt viel Spaß mit ihr, weil ich nach den Monaten der Schwangerschaft, in denen ich kaum verfügbar war, endlich wieder da bin und sie das auch sichtlich genießt. Und ich weiß, dass es dazu gehört, dass sie bei Dingen nicht so mitmacht, wie ich das mir wünsche. Liegt der Wunsch nach möglichst reibungslosen Abläufen aber nicht sogar so ein bisschen in der Natur des Menschen? Kann und sollte man dagegen etwas tun? Macht es Sinn, zu versuchen, das nicht mehr als anstrengend zu empfinden? Es geht mir nicht darum, eine (nach Außen) perfekte Mutter sein zu wollen oder so. Mir geht es darum, dass ich mein Kind nicht verletzen, nicht kränken, ihm keinen Schaden durch doofes elterliches Verhalten zufügen will. Wie viel Geduldsfadenreißen ist okay bzw. sogar notwendig? Ich weiß es nicht… Also werde ich vorerst erstmal weiter üben, tiiiiiief ein und auszuatmen und mich selbst nicht zu hart dafür ranzunehmen, wenn das Verhalten meines Kindes mir manchmal einfach zu viel ist und ich dann nicht mehr so damit umgehen kann, wie es vielleicht richtiger wäre. Bis ich eine konkretere Vorstellung davon habe, wie überhaupt ein „richtiger Umgang“ mit sowas meiner Meinung aussieht.

14 Kommentare zu “Mensch Kind, jetzt mach doch mal ein bisschen mit!

  1. :-) Ach Mensch kommt mir das ein oder andere Bekannt vor. Den richtigen Umgang gibts nicht.
    Und würdest du meinen blog lesen, würdest du wissen das es auch andere „Rabeneltern“ gibt, die an und ab gern mal am Kinde verzweifeln. Deshalb mag ich deinen blog, er ist ehrlich.

    • Eine sache nervt mich: wieso bezeichnest du andere eltern als rosa-wattewolken-eltern, nur weil sie in ihrem kinderalltag vielleicht entspannter wirken / sind als du oder in ihrem blog nicht so sehr über die nervmomente schreiben sondern mehr über die schönen. das ist doch eine völlig überflüssige herabsetzung. ich denke schon, dass es so manchem leichter fällt mit dem alltag mit dem baby und oder kleinkind umzugehen als dir, dass andere einfach grundsätzlich entspannter, weniger genervt, weniger angestrengt, vielleicht auch insgesamt zufriedener sind als du. sind solche menschen automatisch rosa-wattebausche? ich mag deinen ehrlichen blog, aber diese „alle, denen es leichter fällt als mir sind eh doof“-haltung finde ich nicht so prall.

      • Ist was dran… Ich hab kein Problem damit, dass jemand „leichter“ mit seinem Alltag zurechtkommt. Diese bestimmte honigsüße Art, zu reden und die Dinge zu „verniedlichen“ ist nur nicht so my cup of tea. Aber ist vielleicht tatsächlich ein bisschen sehr über einen Kamm.

      • Gerade einen Artikel über Selbstbetrug des menschlichen ICHs gelesen und mußte an dieses Kommentar denken :-) Ich kenne einige rosa-watte-wolken-Eltern und die haben die schwierigsten und nervigsten Kinder überhaupt, die sehen es nur nicht weil sie relaxt irgendwie die Probleme / stress weiß auch immer verdrängen.

  2. Meine große ist jetzt 6 und mein kleiner genau 3 1/2 Jahre alt. Ich kenne solche ausraster von Eltern und Kindern und ich kann dich beruhigen, es wird nicht(!) besser :) wir haben mittlerweile tricks um die Stimmung zu halten. Kindermusik zum Beispiel. Lieder die meine Tochter gerne hört. So ist ihre Laune gut und gleichzeitig auch meine und umgekehrt.
    Außerdem haben wir eine richtige Uhr umgebaut. Wir haben die zahlen durch Bilder ersetzt, sodass sie wissen wann wir ins Bett gehen, wann es essen gibt, wann Kindergarten Zeit ist…das hat sehr geholfen. Wollen sie sich nicht anziehen oder ausziehen, machen wir daraus ein Wettrennen, wer ist schneller fertig? Das klappt (manchmal) echt gut.
    wenn ich auf 180 grad anfange zu kochen, dann fange ich an zu singen. :) einfach losträllern, dann atmen man auch ganz anders.
    Mein Mann hat feste Zeiten zum Zähneputzen zum Beispiel. Immer um halb 8.
    10 Minuten vorher in den Raum stellen das wir gleich zähne putzen werden, dann nochmal nach 5 Minuten, dann ist der schock nicht so schlimm beim Kind wenn es zum Zähneputzen geht. Propagandatechnik :) hilft! Garantiert!
    Bin gespannt was du berichtest.
    Liebe Grüße

  3. ohoh, ich bin davon mit meiner Tochter noch etwas entfernt, aber mit meinem jetzt Großen habe ich das auch so durchgemacht. Und atmen hat meist gar nüscht geholfen, ich bin der gleiche Hitzkopf wie er (komisch, von wem hat er das wohl???)
    Ich glaube 99% der Eltern geht es so, denn auf einmal werden alle unsere Abläufe. unsere Strukturen, unsere Grenzen und unsere Geduldsfäden hinterfragt und wie du schreibst, es folgt die Konfrontation mit dem Gedanken: braucht es das alles?
    Aber egal wie frustrierend ich den Stress, die Diskussionen auch oftmals finde, weil ich eben einfach selber nur noch ins Bett will: wir haben den Luxus viel reflektiert zu bekommen. Genau dieser Gedanke hilft mir sehr oft weiter. Und der ganz simple Trick in der Situation: mein zehn-Jahre äteres ich: wie würde es die Situation im Nachhinein beurteilen? Oft merke ich dann, dass die Dinge die ich gerade grundsätzlich einfordere mir eigentlich doch gar nicht so grundästzlich wichtig sind :-) So, hoffe, das war jetzt irgendwie verständlich erklärt!

    Ach ja: und gepflegte Gin Tonic Auszeiten ohne Kind helfen finde ich auch immens :-)

  4. Du bist nicht allein! Und nein, ich glaube nicht, dass die rosa-Wattebausch-Eltern jedes Verhalten einfach völlig cool und gelassen aussitzen. Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen! Es heißt ja eigentlich „terrible Twos“, allerdings gehen die mit ca 2 Jahren erst los und dieses Trotz-Wut-ich-will-aber-meinen-Kopf-durchsetzen-verhalten wird immer schlimmer – zumindest ist bei uns mit einer gerade 4-jährigen der (hoffentlich!!!) Höhepunkt erreicht… Irgendwann sind sie groß, ziehen sich die Schuhe alleine an und den Schlafanzug alleine aus und eröffnen plötzlich, dass sie heiraten. Bis dahin heißt es wohl erstmal: Augen zu und tief durchatmen ;)

  5. Bei mir und Töchterlein (2,5 J.) gibt’s auch viele der von Dir beschriebenen Reibungspunkte. Mal ist es meine, mal ihre Ungeduld. Und wenn ich kurz vor dem Platzen war, bzw. auch schon ausgerastet bin und ihre Augen ganz groß waren, habe ich einfach genau das gesagt, was in mir gerade vorgeht/vorging. Hat oft erstaunlich gut gewirkt. So, wie Du Dich hier in deinem Blog in ihre Sicht der Dinge reinversetzen kannst, könntest Du ihr das vielleicht auch sagen (in kindgerechter Form). Ich glaube Kinder schätzen es sehr, wenn Erwachsene bzw. die Eltern zeigen, dass sie versuchen, sie und ihr Verhalten zu verstehen. Und wir äußern glaube ich sehr oft unser Missfallen, aber viel zu wenig, was uns gerade am Zusammenleben mit den Kids gefällt. Ich versuche immer wider mich daran zu erinnern und mich anzumahnen, mal auch das Positive für mein Kind „hörbar“ auszusprechen.

    „Ich liebe meine Tochter. Und ich habe gerade echt viel Spaß mit ihr, weil ich nach den Monaten der Schwangerschaft, in denen ich kaum verfügbar war, endlich wieder da bin und sie das auch sichtlich genießt. Und ich weiß, dass es dazu gehört, dass sie bei Dingen nicht so mitmacht, wie ich das mir wünsche.“
    Schon mal versucht, P. genau das zu sagen? Würde mich interessieren, was dann passiert, wie sie reagiert.

  6. Schwierig.. auf der einen Seite kann ich dich verstehen aber: ich finde es überhaupt nicht verkehrt möglichst viel von den schönen und tollen Momenten zu schreiben, ich finde es sogar richtig und wichtiger. Ich denke es ist auch so eine Lebenseinstellung: den Fokus auf die schönen, tollen und großartigen Momente richten. Natürlich gibt es in jeder Familie Spannungen, genervt vom Kind sein etc. aber warum sich das Leben noch schwieriger machen indem man sich an solchen Dingen aufhängt, diese Negativerlebnisse regelrecht zelebriert und sich damit ewig auseinander setzt? Warum nicht akzeptieren, dass es solche und solche Tage/ Momente gibt und den nicht so schönen Tagen nicht zu viel Bedeutung zukommen lassen? Warum sich selbst so unter Druck setzen und alles richtig, perfekt und „pädagogisch wertvoll“ machen wollen?

    • ich finde das auch nicht verkehrt. kann ja jede/r machen wie er mag.

      ich hänge mich allerdings nicht an negativerlebnissen auf. ich neige halt dazu, dinge – insbesondere spannungsreiche – zu durchdenken, das schon. finde ich auch einfach spannend. und mir persönlich bringt es nichts, so viel darüber zu schreiben, was irgendwie schön war. dafür habe ich u.a. meine baby-dokumentationsbücher. ich persönlich (!) finde „so ein schöner tag“-berichte einfach nicht so… hmmmm… gehaltvoll? spannend? interessant? ich finde, dass sich das schnell wiederholt und ich hab dabei keine „aha“-erlebnisse. deshalb lese ich persönlich (!) das einfach nicht so sonderlich gerne und kann mit blogs, die über ihr tolles leben mit niedlichen worten schreiben nicht viel anfangen. sowas zu lesen hat immer etwas voyeuristisch-konsumistisches, finde ich. also weil man viel mehr damit ja nicht anfangen kann. irgendwie… naja… palaberrababer: jeder wie er denkt ;)

  7. Bin gerade von Mama-Miez und ihrer Storchenliste hier herein gestolpert und kann gleich den ersten Eintrag, den ich von dir gelesen habe, voll und ganz unterschreiben. Scheint, als hätte ich einen tollen, interessanten Blog gefunden, der eben nicht nur darüber schwärmt, wie toll und herzallerliebst das immer mit ihren Kindern ist.
    Ich persönlich glaube, so nach kurzem reflektieren deines Beitrages, dass ich hauptsächlich die schönen Dinge aufschreibe, weil da Angst ist, bei negativen Dingen gleich von der Müttercommunity als schlechte Mutter verurteilt zu werden. Man zeigt in (auf?) so einem Blog eben nur kleine Facetten des Ganzen und Außenstehende bilden sich da schnell eine Meinung, die mit der Realität wenig bis gar nichts zu tun hat.
    Eigentlich sollte mir das egal sein, ist es aber (offensichtlich) nicht.
    So viel dazu.
    Vielleicht nehme ich mir an dir mal ein Beispiel :-)

    • Hey, danke für deinen Senf :-) Tatsächlich bekomme ich das auch oft mit. Also dass es so rüberkommt, als wäre ich eine absolut unentspannte, ewig rumnörgelnde, unzufriedene Tante. So sehe ich das/mich nicht. (Siehe Reply etwas weiter unten) Aber ich schreibe halt lieber über die spannungsreichen Themen, über Dinge, über die ich nachdenke, auf die ich keine Antwort weiß oder an denen ich (ja!) scheitere / an denen ich arbeite / über meine Baustellen. Das bringt mir (!) mehr.

      Aber es ist ja auch nicht per sé schlecht, wenn man einfach schöne Erinnerungen festhalten möchte. Mach ich in den Baby-Tagebüchern meiner Kinder durchaus auch.

    • Achso: Und dass andere einen für eine schlechte Mutter halten könnten… Ich erfahre tatsächlich selten Feedback in diese Richtung. Eher Erleichterung, weil Ehrlichkeit und „Endlich sagt’s mal jemand laut“.

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