Statistik. Spannend.

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2013 an.

Hier ist ein Auszug:

Etwa 8.500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Louvre Museum in Paris. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 280.000 mal besucht. Wenn dieses Blog eine Ausstellung im Louvre wäre, würde es etwa 12 Jahre brauchen um auf die gleiche Anzahl von Besuchern zu kommen.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Geschwistergedanken (3)

Bevor T. auf die Welt  kam, gab es bei uns die üblichen Befürchtungen… (Das kann man sogar nachlesen, hier zum Beispiel:

Ich hab mir heute versucht, uns vorzustellen, uns 4. Und ich habe uns überfordert gesehen. Ich bilde mir ein, mich ertappt zu haben. Ich möchte auf jeden Fall ein 2. Kind. Aber vielleicht möchte ich es nicht jetzt. Ich glaube, der Gedanke das mehr oder weniger unfreiwillige zweite Jahr Elternzeit mit einer Schwangerschaft und einem weiteren persönlichen “Großereignis” am Ende (klingt das jetzt sehr furchtbar?) wortwörtlich zu “füllen”, hat mir gefallen und den Wunsch verstärkt… Andererseits denke ich immer noch, dass es auf lange Sicht gesehen eine gute Entscheidung wäre. Die positiven Dinge daran, dass ich schon früh meine beiden Kinder bekommen habe und diese einen kurzen Abstand zueinander haben, würden wir aber erst nach vermutlich recht anstrengenden Anfangsjahren (mit zwei sehr kleinen Kindern) haben… Ich weiß es nicht. Ich will einerseits und finde unsere Gedanken und Argumente überzeugend, andererseits habe ich Angst und bin mir nicht sicher, ob es nicht “zu viel des Guten” wäre. Wir würden es schaffen, wenn es passieren würde. Aber sollten wir es wirklich darauf anlegen?)

K. und ich sind nicht unbedingt das, was man als „stressresistent“ bezeichnen kann. Und wir sind keine Honigkuchenpferd-Eltern. (Was nicht heißt, dass uns nicht in so manchen Alltagssituation die Augen feucht werden, weil irgendwas (mit Kind) so schön oder berührend ist.) Wir gehen einfach nicht absolut, einzig und allein in diesem Familiending auf. Wir haben beide daneben noch unsere persönlichen Baustellen… bzw. ganz einfach das Bedürfnis, uns geistig auf die ein oder andere Art (jenseits der Kinder) herumzutollen und überhaupt und sowieso gebe ich einfach keine gute „Hausfrau und Mutter“ ab.

Wir fragten uns: Wie wird Prinzessinenkind 1 reagieren? Kann man das 2. Mini-We überhaupt auch nur annähernd so lieben wie das 1.? Werden wir das packen? Wie soll das alles gehen?? Unser Freiheitsdrang und das Fremdbestimmtwerden durch noch ein Kind, was niemals das Gefühl haben soll, nur noch ein Stressfaktor mehr zu sein… Immer wieder war mir doch mit P. aufgefallen, dass ich viel zu selten genieße, ein Kind zu haben und mich – wie ein unreifer Teenager – oft nach dem sehne, was gerade nicht ist: Selbstbestimmtheit. Entfaltung. Sein Ding machen.

Kinder haben. Das heißt unter Anderem auch: Fremdbestimmung. Zwei kleine Kinder heißt, das stelle ich gerade fest, dass auch schon Mal Tage und Wochen vergehen können, ohne dass es auch nur fünf Minuten gebe, die man selbstbestimmt irgendetwas tun kann. Zwischenzeitlich kommt man sich vor, wie ein Roboter: Rabbäääääh! Registriere: Kind 1 brüllt… Check-Check-Was ist? Hunger-Pipi-Durst-Langeweile? Quäääk! Registriere: Kind 2 schreit. Check-Check-Was ist? Man kommt gar nicht mehr dazu, in sich hinein zu horchen und festzustellen, was man selber eigentlich will oder braucht. Abends klatscht man aufs Sofa und fragt sich, wann man sich wohl wieder sowas wie „beieinander“ fühlen wird. Letze Woche fand ich mich im Drogeriemarkt, mit plärrendem T. im Bondolino, wütender P. an der Hand (die unbedingt rein-raus aus dem Einkaufswagen spielen wollte), vor einem nicht funktionierenden Kartenlesegerät und mit einer, mich lynchen wollenden Menge ungeduldiger „nur noch schnell was besorgen“-Menschen im Nacken sowas von weeeeeit weg von nur Überforderung. Das war ein TOTAL-TILT. Eigentlich. Aber es muss halt weitergehen. Und das geht es auch, man macht halt einfach weiter…

ABER: Mich hat in meinem Leben bisher wahrscheinlich nichts so nachhaltig verändert, wie das Eltern(da)sein. Und: Ich hatte eigentlich immer zwei Kinder im Kopf. Gerade weil wir keine Kinder-Animateure sein wollen.

Nun ist T. 3 Monate alt. 1/4 Jahr. Er hat 2 Kilo zugenommen und ist 11 cm gewachsen. Während er in den ersten Wochen wahnsinnig (!) viel gebrüllt hat – und zwar immer, wenn er wach war – ist er nun wirklich geradezu entspannt. Er nuckelt immernoch gern an der Brust und verweigert jede Art von Schnuller. Er greift inzwischen ziemlich bewusst nach Dingen, muss immer irgendwas angrabbschen (und wenn’s die eigene Haut ist) und sabbert ohne Ende. Ob auch er wie P. schon mit 4 Monaten seinen ersten Zahn bekommen wird? Gerade heute hat er angefangen, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen und jaaaaa, man feiert Feste wie beim 1. Kind bei jedem kleinen Meilenstein. Er liegt gern auf dem Bauch und will sowohl tagsüber als auch nachts etwa aller 3 Stunden HappaHappa. Er bleibt entspannt, solange er dabei sein darf und man ihn aller 2-3 Minuten mal nett angrinst. Dann grinst er charmant zurück und alle freuen sich.

grins

Die großen Befürchtungen bezüglich der P.’schen Eifersucht haben sich verflüchtigt. Die Geschwisterei ist bisher seltsam unspektakulär. P. knutscht ihren Bruder regelmäßig ab, hatte bisher exakt einen kleinen mini-Eifersuchtsanfall – sie hatte ihm ihr Tuch zum Spielen hingehalten, er hat (wider Erwarten) zugegriffen und sich geweigert, loszulassen – und will ihm regelmäßig Dinge zeigen („Guck mal T., hier ist meine Bibi!“). Sie will ihn ab und zu mal halten und ihm Gute Nacht sagen. Es kommt manchmal vor, dass sie sowas sagt wie „Aber Papa, Mama kann doch T. ins Bett bringen“, wenn sie von ihm was vorgelesen bekommen möchte und er T. aber gerade betten wollte. Als meine Oma hier war und aus Spaß zu ihr sagte: „Komm wir tauschen, du kriegst meine Katze und ich nehme den T. mit.“ ist P. sofort in Tränen ausgebrochen, weil sie ihren Bruder auf gar keinen Fall eintauschen wollte. Das fand ich ja schon sehr herzergreifend… Für sie scheint T. einfach schon total zu uns zu gehören.

Es gibt Momente, in denen ist es eigentlich wie früher. Wenn einer von uns T. am Bauch hat und wir etwas unternehmen, dann fällt nur auf, dass einer von uns Erwachsenen etwas unbeweglicher ist als sonst. Spannend wird das wahrscheinlich erst, wenn T. auch krabbelt-läuft-will. Und die Momente/Tage, wenn einer mit beiden allein ist, sind eine ziemliche Herausforderung. Kind 1 will, Kind 2 wil und man selbst ist nun einmal nur eins.

Ganz offensichtlich hat P. gar keine Probleme damit, dass hier jetzt noch ein Kind wohnt und die Eltern in Beschlag nimmt. Oder?

Naja… Ich weiß nicht, ob ich paranoid bin und ob es nicht besser wäre, gar nicht zu versuchen, in das Verhalten meiner 3-Jährigen etwas in Richtung „Ich leide unter meiner Geschwisterschaft“ hinein zu interpretieren… Mir fällt nach wie vor von Tag zu Tag mehr auf, dass es immer schwerer wird, das eigene Kind zu durchblicken. Wie fühlt sie sich? Was beschäftigt sie? Wie verarbeitet sie ihren Alltag?

Es gibt so Dinge, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie damit zusammenhängen oder nicht… Und ob ihr das zu Schaffen macht. Ich glaube, dass das für mich tatsächlich die Problematischste Seite am mehr als ein Kind-Haben ist. DASS ICH ES NICHT WEISS! Ich will es aber wissen! Wie soll ich ihr Verhalten deuten? Hat es was mit T. zu tu, dass sie abends zeitweise bis zu 3 Stunden zum Einschlafen brauchte? Hat es was mit T. zu tun oder ist es eine übliche Phase von 3-Jährigen, wenn sie jetzt extrem zickig ist und ständig wegen Kleinigkeiten losheult? Hatte sie abends ein Problem mit dem Töpfchen, weil sie – geschwisterbedingt – regrediert oder war das einfach Zufall? Ich habe keine Ahnung…

Und ja: Man kann ein zweites Kind lieben. Sehr. Aber auch ja: Das zweite Kind läuft an vielen Stellen mit. Es bekommt nicht so viel exklusive Aufmerksamkeit.

Ich stelle fest, dass ich mit T. geduldiger bin. Rückblickend kommt es mir vor, als hätte ich in Ps Babyzeit ständig vor ihr gehockt und den Hampelmann gemacht, damit sie ’ne Regung zeigt, lacht oder sonstwas. Seien wir erhlich: Vielen Eltern ist in der ersten Zeit mit Baby vor allem eins: Schreeeeeecklich langweilig… (Wenn die wüssten! Hier ein ernst gemeinter Rat an alle Einfacheltern: MACHT, WAS EUCH GEFÄLLT! LEST BÜCHER! MALT BILDER! GEHT INS MUSEUM…) T. wirkt etwas entspannter, weil ich ihn einfach „kommen lassen“ kann… Und ich nicht andauernd auf ihn eingehe/-rede.

Man kennt sich besser aus, achtet auf Signale, kann Müdigkeitsanzeichen zum Beispiel viel besser erkennen. Man verzweifelt nicht an „so Dingen“. Und man himmelt sie trotzdem an…

 

Fernsehentzug (1)

P. ist momentan nicht selten… ähmmmmm… anstrengend. Fordernd. Überdreht. Und sie braucht abends 1-3 Stunden zum Einschlafen.

Für P. ist Fernsehen innerhalb des letzten halben Jahres selbstverständlich geworden. Zu selbstverständlich. So selbstverständlich, dass sie teilweise schon kurz nach dem (aus der Kita) nach Hause kommen fragt, ob sie fernsehen darf. Der Deal ist, dass sie Caillou gucken darf, während K. oder ich das Abendessen vorbereiten. Am Anfang waren das 1-2 Folgen, wobei eine Folge etwa 10 Minuten dauert. Jetzt waren es teilweise aber eher 4-5 Folgen. Hintereinander.

Wie kam das?

Angefangen hat das recht früh mit dem Sandmännchen. Und den kleinen, kurzen Maulwurf-Gesichten. Dann kam Lauras Stern. Das war seeeehr lange in. Der Sandmann war dann out. Beziehungsweise haben wir es nicht mehr geschafft, rechtzeitig zum Sandmann auch nur annähernd bettreif zu sein und die Geschichten mag P. eh nicht sonderlich… Und seit einem halben Jahr ist es halt der Glatzkopf. Immerhin guckt sie nicht irgendwas. Und keine Werbung. Inzwischen möchte sie auch gern Bibi Blocksberg gucken – sie hat gerade eine extreeeeme Bibi Blocksberg-Phase. Aber das ist eigentlich noch zu viel für sie, finde ich… Ich hab das Gefühl, dass sie das überfordert. Zu viel, zu schnell, zu lang, zu abgedreht. Laura und Caillou sind thematisch konkreter und bringen mehr aus ihrer Welt. Caillou ist zum Teil auch betont pädagogisch wertvoll. Es wird sehr darauf geachtet, dass die Kinder unterschiedlich aussehen – unterschiedliche Hautfarben haben zum Beispiel. Es geht oft um Themen wie Fairness. Und der Vater ist als Hausmann Zuhause, während die Mutter die Hauptverdienerin ist. Soweit so okay.

Wir haben uns eingeredet, dass sie dabei/dadurch ganz gut runterkommt. P. ist ein ziemlich total extrem aktives, tendenziell eher laut-plapperiges ununterbrochen reden-lachen-singen-brüllen-FRAGENDES Kind. Wenn wir mit ihr nach Hause kommen, surrt uns der Kopf ziemlich und wir lechzen nach einer Pause, nach einem Moment Ruhe. Noch mehr, seitdem T. da ist und zeitgleich nach Futter verlangt und/oder brüllt. Die Glotze macht es einem (scheinbar) einfacher, solche Momente zu organisieren.

Trotzdem: Ich hatte/habe dabei einfach kein gutes Gefühl. P. sitzt eigentlich nie allein vor der Glotze. Wir machen das zusammen. Aber gerade in letzter Zeit habe ich sie Mal genauer dabei beobachtet. 5 bis 10 Minuten schaut sie sich recht konzentriert die Geschichte an. Sie fiebert auch echt krass mit. Freut sich und ist traurig mit den Figuren. Aber nach kurzer Zeit fängt sie an, unruhig zu werden, auf dem Sofa rumzurutschen, durch’s Zimmer zu laufen, nah an den Fernseher ranzugehen… „rumzuschmieren“… wie meine Mutter das früher nannte… Also so auf dem Sofa rumzuwälzen. Es ist, als gäbe es einfach zu viel Input und zu wenig Output.

Dann fiel mir in letzter Zeit auf, wie extrem aufgedreht sie abends ist und vor allem, dass eigentlich gar nicht mehr in der Lage war, sich selbst zu beschäftigen. Sobald ihr langweilig wurde, brüllte sie entweder nach einem von uns, der mit ihr spielen/ihr was erzählen – ergo: sie beschäftigen – sollte oder nach Süßigkeiten oder nach der Glotze / dem iPad. Alles falsch gemacht also, oder? Ich hab das Gefühl, hier gerade dabei zuzuschauen, wie ihr Ideenreichtum „zugunsten“ der scheiß Glotze flöten geht. Und das will ich nicht!

Also ist der Fernseher jetzt erst einmal kaputt.

Ich verteufle das Ding eigentlich nicht. Ich schaue gern selber Serien und Filme. Oft und viel. Und ich finde es nicht unbedingt verwerflich, sowas als Hobby zu haben oder es einfach gern zu tun / entspannend zu finden.

Ich möchte jetzt aber einmal sehen, ob ich einen Effekt bei P. bemerke oder nicht. Danach entscheide ich, wie (und ob) wir damit einen gesünderen Umgang finden müssen. Ich stelle mir das aber schwer vor. Wenn Kinder einmal die Option Fernsehen erkannt (und gut gefunden) haben, wollen sie immer mehr und mehr.

Wie handhabt ihr das? Wie sieht eurer Umgang damit aus? Gibt’s Regeln? Habt ihr auch (manchmal) ein schlechtes Gewissen? Oder gibt’s Fernsehen bei euch gar nicht?

 

Der erste Abend und erste komplette Tag:

Gestern Abend fragte P. wie üblich, ob Papa nun Essen machen könne. Jahaaa… Schlaues Kind. So rum wird hier nämlich gefragt. Ich hab ihr dann erklärt, dass der Fernseher kaputt sei. Kurzer irritierter Blick. Dann war’s offensichtlich okay. Der Abend und das Zubettgehen liefen gefühlt dann etwas geregelter, ruhiger und harmonischer ab.

Morgens ist K. zur Abwechslung mal wieder pünktlich mit ihr aufgestanden – wir haben uns auch vorgenommen, wieder etwas mehr Routine, Ruhe und Gleichmäßigkeit in unseren Alltag zu bringen. Der Morgen lief gut, die beiden waren sogar fast pünktlich in der Kita.

Nachmittags nach dem Einkaufen hat sie sich zunächst mit einer Zeitschrift und ihrer Knete in ihr Zimmer verzogen und gespielt. Dann gab’s Abendessen. Erst hier kam das erste Mal die Frage nach der Glotze (Das hat mich überrascht). Wieder die Erklärung: Fernseher kaputt. Danach hat sie zwar nach Bespielung durch K. verlangt und das Zubettgehen war jetzt auch nicht sooooo viel anders als sonst… Aber sie war (gefühlt) weniger überdreht. Zum Einschlafen ha se trotzdem knapp 1,5 Stunden gebraucht.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Kindermund (18): „ABIJOTTKA PELOPELOPEEEE“

„Ich gehe jetzt in mein Zimmer. Die große Schwester möchte ihre Ruhe haben!“

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{singt} „A B C D E F G ABIJOTTKA PELOPELOPEEEE“

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{wir lesen Rotkäppchen} m: „Und dann ist der Wolf tot.“ – P: „Jaaa! Juhuuu! Der Wolf ist tot! Wir schmeißen ihn in den Mülleimeeeeer!“ (O.o)

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{steht irgendwo, guckt sich um und sagt plötzlich} „Und was ist hier? Hier ist nichts.“

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m: „Du könntest dich ja auch einfach alleine anziehen.“ – P: “ Aber Mamaaaa… Das übe ich morgen. Heute hab ich doch keine Zeit!“

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{Versucht sich an einem Puzzle. Es klappt nicht so wirklich… Im Original-K.-Tonfall:} „Occcch, so ein MIST!“

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{Wir schauen eine Zeitung an, eine Fotoreihe über Kinderarmut} m: „Die Kinder haben nicht viel Spielzeug und auch wenig Essen. Wir haben so viel, wir könnten den Kindern eigentlich etwas abgeben, oder?“ – P: „Aber wir können leider nicht mit dem Essen in die Zeitung rein.“

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P: „Ich will aber nicht in den Kindergarten. Ihr sollt Zuhause bleiben!“ – m: „Aber wir müssen arbeiten gehen.“ – P: „Warum?“ – m: „Weil wir Geld verdienen müssen. Alles kostet Geld. Essen, Wohnen, sogar Licht.“ – P: „Aber ihr habt doch Geld.“ – m: „Ja, aber nicht genug.“ – P: „Aber ich hab doch Geld in meinem Sparschwein. Das können wir doch nehmen!“ *hach*

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{singt „Schlaf Kindchen, Schlaf“} „Schlaf Baby, Schlaf. Die Mama gibt die Flasch. Das Baby freut sich, weil die Mama so lustig ist…“

(September – November 2013. P. war 3 Jahre alt.)

Man vergisst sich immer wieder…

Hallo. Mein Name ist moody. Ich bin 25 Jahre alt. Und ich bin Tagebuch-Schreiberin.

Ich schreibe Tagebuch seitdem ich etwa 7 Jahre alt war. Das kindliche und Teenie-Schreiben hat sich mittlerweile zu einer Art „therapeutischen Schreiben“ gemausert. Vor einigen Monaten war ich bei einer Familienberatung. Als der Therapeut mich gefragt hat, wie ich mich selbst aus Krisen heraus manövriere – welches „Werkzeug“ ich quasi mein Eigen nennen würde – fiel mir nur ein: „Ich schreibe gern. Und viel. Ich reflektiere, verarbeite, begrabe und entscheide eigentlich alles schreibend…“

Dass ich das kann und dass mir das was bringt habe ich zum ersten Mal so wirklich begriffen, als ich das Ende (bzw. die Zeit mit) meiner Band auf diese Art und Weise verarbeitet habe. Da gab es eine Menge Baustellen und einiges, was ich erst einmal für mich und mit mir klären musste. K und ich haben eine winzige Holzhüte an einem norwegischen Fjordsee für 3 Wochen gemietet und ich habe fast nur geschrieben. Und so konnte ich mit der Sache ins Reine gekommen, bevor P. auf die Welt kam. Das war gut.

Seitdem zelebriere ich das. Wenn ich merke, dass ich irgendwie nicht mehr klarkomme, nicht ausgeglichen bin, scheinbar grundlos gereizt oder mir der Überblick fehlt, versuche ich das schreibend zu ergründen. Meist klappt das auch. Im Urlaub verfalle ich spätestens nach 2-3 Tagen in einen akuten Schreibwahn. Oft kommt mir dabei ein Aha-Moment nach dem anderen. Wie ich die Dinge sehe. Wie ich mich sehe. Wo ich Sand im Getriebe vermute. Was ich anders machen will. Wie ich die Dinge in Zukunft angehen möchte. Mein Inneres, mein Äußeres, das große Ganze und wie alles zusammenhängt. Vieles werfe ich dabei komplett um, denke anders und neu und versuche, mir eine neue Basis zu verschaffen, auf der ich aufbauen kann. Danach bin ich gestärkt, motiviert und voller neuer Ansätze für’s Weiterleben. Ich fühle mich dann irgendwie sowas wie erleuchtet. Obwohl ich dann immer schwer vom Schreiben ablassen kann. Manchmal stecke ich zu tief in meinem Denkgebäude und habe dann Schwierigkeiten, mich im Draußen zurechtzufinden. Direkt zu reagieren, außer-ich’iges Kontra zu bekommen und überhaupt mit einem Gegenüber umzugehen… Das kann dann schon irgendwie schwerfallen und stressen.

Worauf ich hinaus will:

Als ich heute angespannt den F.Berg am Ende meiner Straße mit T. im Tuch hoch- und wieder runter gelatscht bin und meine Gedanken rumirrten und sich zu sortieren versuchten, fiel mir auf, dass Vieles von dem, was da kam schon tausend Mal da war. „Eigentlich sehe ich es doch so und so… Eigentlich finde ich,… Viel richtiger wäre doch… Ich muss echt mehr… Es kommt mir doch eigentlich viel mehr darauf an… Warum verhalte ich mich dann oft so seltsam und dem so gar nicht entsprechend?“ Ich könnte es nachlesen. An vielen Stellen in meinen Grübel-Büchern.

Beim Schreiben bemerke (und -merkte) ich zunehmend, dass die Aha’s nicht mehr original sind. Dass es oft keine neuen Gedanken und Schlüsse sind, sondern Aufgewärmtes, schon Mal da Gewesenes. Schon mehrfach Erkanntes und für richtig Erachtetes, aber mit der Zeit wieder unter’m Morast des stickigen Alltags Versunkenes. Das ist frustrierend!

Da gibt man sich Mühe und schreibt und schreibt und schreibt, um bis zum Kern der (eigenen) Dinge vorzudringen, ihn zu zertrümmern und (mal mehr, mal weniger) behutsam abzutragen und keine drei Monate später muss man feststellen, dass sich einfach ein neuer Ekel-Kern gebildet hat, bestehend aus dem gleichen Mist wie der Alte. Bestehend aus dem gleichen alten, hässlichen, unreifen, unreflektierten, zickigen Ich.

Heißt das, dass wenn man Verhaltensweisen an sich entdeckt, die man doof findet und gute Argumente dafür hat, warum man sie ändern sollte/möchte und vielleicht sogar einige Ideen, wie man sie ändern kann, die unliebsamen Teile des Ich letztendlich doch immer wieder nach oben graben werden? Hat man echt keine (oder nur eine kleine) Chance, sich gegen sich selbst zu behaupten? Es gibt einige impulsive Züge an mir, die ich nicht mag. Und ich habe das Gefühl, dass deren Überwindung viel mehr mir selbst entsprechen würde. Einem „mir selbst“ jedenfalls, dass ich irgendwie gut fänd.

Wofür lese ich denn all den Kram, wenn nicht auch, um Anstöße zu bekommen? Ich lese unter anderem deshalb, um Herangehens- und Sichtweisen zu finden, die ich gut und richtig finde.

Ich lese „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“ von (jaaa, jetzt lachen wieder alle…) David Schnarch und finde, dass da richtige Dinge über das Zusammenleben drin stehen. Dinge, bei denen mein Kopf automatisch nickt. Ich hab dann ein Wissen bzw. Sichtweisen aufgesammelt, die ich mir aneigne, ein bisschen weiterdenke und mir zu Eigen mache. An die Stelle, an der bisher ein unbewusstes „Der soll aber gefälligst…“ stand, soll ein „Ich bin ich und du bist du. Erwartungen und Dinge voraussetzen = böse.“ rücken. Das klappt dann auch erst einmal erstaunlich gut… Viel Stress, viele Zickereien und Missverständnisse lösen sich auf oder kommen gar nicht mehr zustande. Aber was passiert zwischen diesem Moment, in dem ich feststelle „Cool, funktioniert und es geht mir besser so.“ und dem „Arrrrrgh… Warum kann der nicht einfach Mal diesdasjenes…?“

Wenn ich an meine dämliche Nervosität vor Prüfungen (und allem, was sich danach anfühlt) denke. Oder dieses anstrengende gemocht wollen werden. Oder der Missmut und die Unzufriedenheit, die mich regelmäßig überfallen. Mein schlechtes Gewissen (wem gegenüber eigentlich?), wenn ich diesdasjenes zu viel/zu wenig tue. Meine fehlende Selbstakzeptanz, Konsumverhalten, Verzicht, … Hunderte, wahrscheinliche tausende Male habe ich das schon für mich durchgekaut und wirklich gute Antworten und wegweisende Denkmuster gefunden, die es so wert wären, die Alten zu ersetzen!

Aber es hält einfach nicht dauerhaft. Ist es nicht möglich, sich Selbst zu überwinden? Müssen wir uns einfach mit dem unzulänglichen Gebräu abfinden, was irgendwie willkürlich aus Anlagen, Erziehung und Umfeld zusammengeblubbert ist?

Sind wir uns Selbst ausgeliefert?

Die Hormonflut und die Erleichterung sind gegangen und es fühlt sich nach wie vor richtig an, ein zweites Kind bekommen zu haben.

Aber die großen Fragen… Die, nach dem Sinn von dem und allem. Nach meinem Tun und Wollen. Die Grübelei… Die verdammte schlechte Laune. Die zunehmende Unzufriedenheit. Das alles kommt wieder. Und es kotzt mich an!

Und ich dachte, dieses Mal hätte ich es wirklich geschafft, ein Genießer zu werden. Aber aus einem Misanthrop wird wohl so einfach kein Honigkuchenpferd.*

*Aber immerhin kommen mit den Fragezeichen und Leerstellen im Kopf auch die Themen wieder, über die es sich zu schreiben lohnt.