Fernsehentzug (1)

P. ist momentan nicht selten… ähmmmmm… anstrengend. Fordernd. Überdreht. Und sie braucht abends 1-3 Stunden zum Einschlafen.

Für P. ist Fernsehen innerhalb des letzten halben Jahres selbstverständlich geworden. Zu selbstverständlich. So selbstverständlich, dass sie teilweise schon kurz nach dem (aus der Kita) nach Hause kommen fragt, ob sie fernsehen darf. Der Deal ist, dass sie Caillou gucken darf, während K. oder ich das Abendessen vorbereiten. Am Anfang waren das 1-2 Folgen, wobei eine Folge etwa 10 Minuten dauert. Jetzt waren es teilweise aber eher 4-5 Folgen. Hintereinander.

Wie kam das?

Angefangen hat das recht früh mit dem Sandmännchen. Und den kleinen, kurzen Maulwurf-Gesichten. Dann kam Lauras Stern. Das war seeeehr lange in. Der Sandmann war dann out. Beziehungsweise haben wir es nicht mehr geschafft, rechtzeitig zum Sandmann auch nur annähernd bettreif zu sein und die Geschichten mag P. eh nicht sonderlich… Und seit einem halben Jahr ist es halt der Glatzkopf. Immerhin guckt sie nicht irgendwas. Und keine Werbung. Inzwischen möchte sie auch gern Bibi Blocksberg gucken – sie hat gerade eine extreeeeme Bibi Blocksberg-Phase. Aber das ist eigentlich noch zu viel für sie, finde ich… Ich hab das Gefühl, dass sie das überfordert. Zu viel, zu schnell, zu lang, zu abgedreht. Laura und Caillou sind thematisch konkreter und bringen mehr aus ihrer Welt. Caillou ist zum Teil auch betont pädagogisch wertvoll. Es wird sehr darauf geachtet, dass die Kinder unterschiedlich aussehen – unterschiedliche Hautfarben haben zum Beispiel. Es geht oft um Themen wie Fairness. Und der Vater ist als Hausmann Zuhause, während die Mutter die Hauptverdienerin ist. Soweit so okay.

Wir haben uns eingeredet, dass sie dabei/dadurch ganz gut runterkommt. P. ist ein ziemlich total extrem aktives, tendenziell eher laut-plapperiges ununterbrochen reden-lachen-singen-brüllen-FRAGENDES Kind. Wenn wir mit ihr nach Hause kommen, surrt uns der Kopf ziemlich und wir lechzen nach einer Pause, nach einem Moment Ruhe. Noch mehr, seitdem T. da ist und zeitgleich nach Futter verlangt und/oder brüllt. Die Glotze macht es einem (scheinbar) einfacher, solche Momente zu organisieren.

Trotzdem: Ich hatte/habe dabei einfach kein gutes Gefühl. P. sitzt eigentlich nie allein vor der Glotze. Wir machen das zusammen. Aber gerade in letzter Zeit habe ich sie Mal genauer dabei beobachtet. 5 bis 10 Minuten schaut sie sich recht konzentriert die Geschichte an. Sie fiebert auch echt krass mit. Freut sich und ist traurig mit den Figuren. Aber nach kurzer Zeit fängt sie an, unruhig zu werden, auf dem Sofa rumzurutschen, durch’s Zimmer zu laufen, nah an den Fernseher ranzugehen… „rumzuschmieren“… wie meine Mutter das früher nannte… Also so auf dem Sofa rumzuwälzen. Es ist, als gäbe es einfach zu viel Input und zu wenig Output.

Dann fiel mir in letzter Zeit auf, wie extrem aufgedreht sie abends ist und vor allem, dass eigentlich gar nicht mehr in der Lage war, sich selbst zu beschäftigen. Sobald ihr langweilig wurde, brüllte sie entweder nach einem von uns, der mit ihr spielen/ihr was erzählen – ergo: sie beschäftigen – sollte oder nach Süßigkeiten oder nach der Glotze / dem iPad. Alles falsch gemacht also, oder? Ich hab das Gefühl, hier gerade dabei zuzuschauen, wie ihr Ideenreichtum „zugunsten“ der scheiß Glotze flöten geht. Und das will ich nicht!

Also ist der Fernseher jetzt erst einmal kaputt.

Ich verteufle das Ding eigentlich nicht. Ich schaue gern selber Serien und Filme. Oft und viel. Und ich finde es nicht unbedingt verwerflich, sowas als Hobby zu haben oder es einfach gern zu tun / entspannend zu finden.

Ich möchte jetzt aber einmal sehen, ob ich einen Effekt bei P. bemerke oder nicht. Danach entscheide ich, wie (und ob) wir damit einen gesünderen Umgang finden müssen. Ich stelle mir das aber schwer vor. Wenn Kinder einmal die Option Fernsehen erkannt (und gut gefunden) haben, wollen sie immer mehr und mehr.

Wie handhabt ihr das? Wie sieht eurer Umgang damit aus? Gibt’s Regeln? Habt ihr auch (manchmal) ein schlechtes Gewissen? Oder gibt’s Fernsehen bei euch gar nicht?

 

Der erste Abend und erste komplette Tag:

Gestern Abend fragte P. wie üblich, ob Papa nun Essen machen könne. Jahaaa… Schlaues Kind. So rum wird hier nämlich gefragt. Ich hab ihr dann erklärt, dass der Fernseher kaputt sei. Kurzer irritierter Blick. Dann war’s offensichtlich okay. Der Abend und das Zubettgehen liefen gefühlt dann etwas geregelter, ruhiger und harmonischer ab.

Morgens ist K. zur Abwechslung mal wieder pünktlich mit ihr aufgestanden – wir haben uns auch vorgenommen, wieder etwas mehr Routine, Ruhe und Gleichmäßigkeit in unseren Alltag zu bringen. Der Morgen lief gut, die beiden waren sogar fast pünktlich in der Kita.

Nachmittags nach dem Einkaufen hat sie sich zunächst mit einer Zeitschrift und ihrer Knete in ihr Zimmer verzogen und gespielt. Dann gab’s Abendessen. Erst hier kam das erste Mal die Frage nach der Glotze (Das hat mich überrascht). Wieder die Erklärung: Fernseher kaputt. Danach hat sie zwar nach Bespielung durch K. verlangt und das Zubettgehen war jetzt auch nicht sooooo viel anders als sonst… Aber sie war (gefühlt) weniger überdreht. Zum Einschlafen ha se trotzdem knapp 1,5 Stunden gebraucht.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

7 Kommentare zu “Fernsehentzug (1)

  1. Also, wie immer hast du schon alle Informationen in deinem Kopf, die du brauchst ;-). Bei uns gibt es auch Fernsehen, ähnlich wie bei euch, eher DVDs, die wir entsprechend auswählen. Bei den Großeltern gibts auch schon mal länger KIKA am Stück. Allerdings ist es eben, wie du selber an P. bemerkst, keinesfalls so, dass das Fernsehen die Kinder runterbringt. Einer Freundin von mir wurde zur Lösung der Einschlafprobleme der Kinder explizit vom Psychologen empfohlen, dass es nach 5 kein TV mehr gibt und es hat Wunder bewirkt. Gerade so kleine Kinder leben ja alles noch ganz intensiv mit, schütten massenweise Adrenalin aus und bauen das nicht durch körperliche Aktivität in dem Moment wieder ab. Meine Erfahrung ist, dass sich solche Gewohnheiten eigentlich recht schnell wieder auschleichen. Wenn ein, zwei Wochen das Film gucken kein Bestandteil des Alltags war, dann fragen sie auch viel weniger danach. Was ich eher nicht machen würde (ich!), ist dem Kind zu erzählen, dass der Fernseher kaputt ist. Damit manövriert man sich nur in weitere Lügengeschichten hinein, die am Ende weniger wirksam sind, als eine überzeugend vorgebrachte Argumentation (heute gibt es kein Fernsehen). Ihr wollt doch authentisch bleiben. also in ganz heiklen Situationen sind Notlügen ok, aber ich habe noch nie viel von diesem „Die Süßigkeiten sind alle“ gehalten. Man kann das eh kein ganzes Kinderleben lang durchhalten, unangenehme wahrheiten mit Notlügen zu kaschieren. Also übt euch lieber schonmal darin :-).

  2. Grüß Dich,
    also Du schilderst genau das gleiche Problem welches wir auch grad durch Fernsehentzug wieder entschärfen wollen. Unsere Tochter ist grad 2 geworden. Bei uns fing auch alles mit Lauras Stern an. Mittlerweile ist sie süchtig nach Peppa Wutz (Pig). Bei uns gab es auch DVDs und die Schauzeiten wurden auch immer länger. Seit 5 Tagen gehe ich dagegen nun konsequent an. Sie fragt zwar nach Peppa, aber ich erkläre ihr das wir jetzt kein TV schauen. Es war am Anfang doch etwas astrengender, aber seitdem ist sie wieder ruhiger und ausgeglichener, spielt wieder selbstständiger und ist ausgeglichener. Generell verteufel ich kein Fernsehen, aber ich bemerke deutlich das wir das Kapitel zu entspannt angegangen sind! Weniger ist in dem Fall definitiv mehr!!!!

  3. Wir hatten das Problem so ähnlich. Wir haben keinen Fernseher, aber die Kinder dürfen freilich irgendwelche Serien wie Mumins oder Trenk auf DVD sehen. Bei uns war es vor allem (aber nicht nur) das Süßigkeitenproblem, das derart eskaliert ist. Wir haben dann die Regel eingeführt, dass es nur am Wochenende Filme und Süßkram gibt. Und das Wochenende beginnt am Freitag nachmittag. Die Regel wurde über lange Zeit hin ohne Diskussion akzeptiert (nachdem sie einmal installiert war, heißt das ;) ). In letzter Zeit kamen mal Nachfragen, warum wir diese Regel haben, und da habe ich dann auch sehr offen gesagt, dass wir Eltern es nicht mögen, wie die Kinder werden, wenn sie zuviele Filme und Schokolade bekommen haben und dass das insgesamt nicht so gut für Kinder ist.

    Die Regel hat außerdem den Vorteil, dass wir alle den Freitagabend als sehr feierlich empfinden. Gerade, wenn die Kinder krank sind und/oder es draußen regnet, lassen wir sie auch mal länger etwas schauen, das ist dann sehr gemütlich. Ich finde, dass sie die Reize ganz gut wegstecken, wobei sie auch schon etwas älter als Deine sind. Und der letzte Vorteil ist schließlich der, dass wir unter der Woche abends genug Zeit zum Bücherlesen haben. Auf diese Weise haben wir schon mehrere dicke Wälzer geschafft.

  4. Hm, bei uns ist Fernsehen eigentlich nicht so ein Thema. Ich kann nicht bestätigen das Kinder immer mehr Fernsehen wollen. Mein Sohn (4,5 J) durfte bisher immer gucken wann er wollte und sein Interesse hält sich dahin gehend sehr in Grenzen.
    Am Wochenende nach dem aufstehen mag er immer gerne seine Oktonauten-DVD´s gucken aber es dauert nicht lange und dann sucht er sich etwas zum spielen und beachtet den Fernseher dann nicht mehr. Manchmal fordert er mich auch direkt auf ihn dann auszumachen weil ihn das beim spielen stört.
    Unter der Woche wenn wir aus der Kita kommen fragt er nie nach der Glotze. Überhaupt würde er basteln oder spielen immer dem Fernseher vorziehen. Er guckt auch von sich aus sehr ausgewählt. Wenn wir TV-Programm schauen dann gerne Arte, 3SAt oder NTV. Er liebt Sendungen übers Weltall, Erdentstehung aber auch Tiersendungen. Für Trickfilme hat er sich auch als er kleiner war kaum interessiert, Caillou fand er immer doof. (Aber ich glaube das ist eh so ein Mädchending, ich kenn keinen kleinen Jungen der das gut findet, dafür jede Menge kleiner Mädchen.)
    Meißtens schaut er solche Wissenschaftssendungen mit einem von uns zusammen und dann muß hinterher noch ordentlich recherchiert und alles besprochen werden. In der Regel hat er dazu Bücher oder verlangt auch schon mal das wir danach googeln weil viele seiner Fragen kann ich ihm nicht mehr so ohne weiteres beantworten. Ich sehe den Fernseher für uns also eher als eine von vielen Möglichkeiten unseren Horizont zu erweitern (ebenso wie das I-net und Youtube-Videos) und nicht als Teufelsmaschine. ;-)
    Allerdings haben auch wir Eltern keinen tieferen Bezug dazu. Ich schaue z. Bsp. nie Serien und selten Filme. Wenn dann auch mal gezielt Sendungen über Dinge die mich interessieren. Nicht weil ich mir das aus Vernunftsgründen verbiete sondern weil ich es einfach langweilig finde nichtstuend auf dem Sofa vor der Glotze zu hängen. Ich muß immer irgendetwas machen, werkeln, herstellen. Nebenbeigeräusche nerven mich dann schnell und ich glaube so ist unser Sohn schlichtweg auch. Passiv berieseln lassen ist nichts für uns. Also sehe ich auch keine Gefahr das es immer mehr wird.
    Ich halte es auch für normal das Kinder immer wieder Phasen haben in denen sie gern von ihren Eltern beschäftigt werden wollen. Das gibt es hier auch. Mal spielt er wochenlang jeden Tag allein und dann wieder müssen wir ihn permanent beschäftigen, was aber auch gut geht indem er zum Beispiel im Haushalt hilft, mit kocht usw. Gemeinsames basteln ist allerdings hier der Oberhit und mittlerweile auch experimentieren.
    Du wirst sehen, es kommen bald wieder Zeiten in denen sich P. sehr gut allein beschäftigen kann! Das steckt einfach in unseren Kindern, so schnell kann man sie auch durch ein bisschen Caillou nicht davon abbringen. Der eigene Entdecker- und Macherdrang ist doch viel größer und wenn sie den ausleben dürfen ist doch alles gut.
    Was ich allerdings auch bestätigen kann ist das fernsehen abends nicht unbedingt gut ist. Es will halt verarbeitet, wenn auch im Altern meines Sohnes besprochen werden. Eine entspannte Routine mit der gesamten Familie ist zum ins Bett gehen und Einschlafen wohl unbestritten das Beste! Allerdings ist das noch lange kein Garant für schnelles einschlafen. Ich merke oft das trotz entspannter Abendroutine und gemütlicher Lesestunde im Bett mein Kind beim Licht aus machen einfach noch nicht müde ist. Dagegen kann man dann glaub ich auch nicht viel machen, jede innere Uhr tickt eben anders. Aber 2,3 Stunden fürs Zubettbringen finde ich normal. Meißtens schlafe ich eher neben ihm ein als er. ;-)
    Mal sehen wie das bald hier läuft wenn das Baby da ist, bin mal gespannt was sich dann verändert!

    Liebe Grüße Shiva

  5. Das mit der „Lüge“ stimmt allerdings. Machen wir sonst auch nicht. Aber P. ist seeeeehr diskutierfreudig. Außer Stress hätte das erstmal gar nichts gebracht. Wenn P. was will, dann will sie und gibt auch nicht einfach nach. Zu der Lüge stehe ich in dem Fall, weil „das Experiment“ sonst einfach nicht so gut klappen würde.

    Wenn der Fernseher wieder geht, wird das ersetzt. Die Idee mit dem Wochenende finde ich nicht schlecht.

    Noch ein paar kleine Rechtfertigungen ;-)

    Wir gucken nie tagsüber fern, der Fernseher läuft hier nie nebenbei einfach so. Ich mach das, wenn, dann abends. Ist jetzt also nicht so, dass P. uns als Fernsehgucker erlebt.

    Zum Abendritual gehört die Glotze auch nicht. P. durfte halt gucken, wenn wir das Abendessen machen. Also zwischen 17 und 18 Uhr. Unser Abendritual vor dem Schlafengehen besteht auch aus Gute-Nacht-Geschichten.

  6. Ich habe eine etwas andere Erfahrung gemacht, die mich auch mal dazu brachte, den Fernseher komplett zu streichen. Nach einer Weile schlich es sich wieder ein und nun sind wir fast wieder soweit. Mein Sohn darf mittags immer was gucken, dann hab‘ ich ein bisschen Zeit für mich, v.a. wenn er nicht schläft… Meist ist er aber nach 1h nicht zufrieden und will mehr und nochmal und abends dann plötzlich nochmal oder sogar morgens. Es ist wie Du sagst: Als hätte er verlernt, sich selber zu beschäftigen. Bei Langeweile/Müdigkeit wird gleich nach dem TV verlangt. Wäre ja schön, wenn das wohldosierter ginge und er v.a. respektieren würde wenn es heisst „abschalten“…

  7. Pingback: Fernsehentzug (2) | BABYKRAM & KINDERKACKE

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