„Ich wollte aber Erster sein!“

P. hat seit einiger Zeit eine Macke, die uns den Alltag zum Teil echt erheblich erschwert. Sie ist aktuell 3,5 („fast vier“) Jahre alt und möchte IMMER die Erste sein. Und wenn ich immer sage, dann meine ich auch immer.

Das klingt vielleicht erstmal ganz niedlich und nicht weiter dramatisch. Das war es anfangs auch nicht. Jetzt ist es das nicht mehr und ich weiß nicht mehr, wie ich damit umgehen soll und will.

Wo liegt das Problem?

Bei P. beschränkt sich das Erste sein wollen nicht auf eine oder vielleicht zwei Situationen am Tag, auf Spiele oder Wettrennen, sondern auf schlichtweg ALLES: Beim Aussteigen aus dem Auto, beim Laufen (mit schweren Einkaufstüten) zur Haustür, beim Treppesteigen, beim in den Fahrstuhl gehen, beim auf den Knopf drücken, beim Schuhe ausziehen, beim Treppe in der Wohnung hochlaufen, beim Essen, … Ständig haben wir ein pfeifend-schreiend-brüllendes Meckern im Ohr, weil P. lospoltert: „Mama, ICH wollte aber Erster sein – uäääääääh!“ – Drama, baby. Und spätestens, wenn sich zahlreiche P.’sche Heulattacken aneinander reihen und ich kaum noch verstehe, was sie eigentlich will, fällt es mir schwer, gelassen zu bleiben. Trifft das dann noch auf übliche „Alltags-Bewältigungssituationen“ – schleppen, quetschen, widerspenstige Kinder an-/auswursten, Zeitdruck, T. brüllt weil hunger/müde – spüre ich unweigerlich meinen Stresspegel steigen.

Wie reagiere ich?

a) „Aber P., wir haben doch schon darüber geredet, man kann nicht immer überall Erster sein. Muss man auch nicht. Wir machen jetzt keinen Wettbewerb. Nicht beim Treppesteigen, nicht beim Essen, nicht beim…“

b) „P., ich möchte jetzt keinen Wettbewerb machen, ich habe auch keine Lust mich ständig mit dir darüber zu streiten.“

c) „Du warst doch Erste.“

d) „Naja, äääääh, du warst doch Erste. Von den Kindern.“ (hähä, sehr clever, ne?)

e) „P., Erster wird man nicht, indem die Anderen auf dich warten. Wenn du Erste sein möchtest, musst du halt schneller sein als die Anderen, das heißt, dass du dich beeilen musst. Zum Beispiel hintereinanderweg essen, anstatt…“

f) „P., Erwachsene und Kinder machen nicht dauernd Wettbewerbe. Das kannst du mit deinen Freunden im Kindergarten spielen, ja?“

Das Resultat ist meist, dass sie entweder rumdiskutiert („Ich will aber immer Erster sein, Mama, Mann… gagagaga“) oder (meist in direkter Abhängigkeit vom Müdigkeitsgrad) ein ausufernder Wutanfall folgt.

ÄtzÄtzÄtz!

Diese Macke geht mir dermaßen auf die Ketten!

Selbst wenn ich versuchen wollen würde – was ich nicht will – immer auf sie einzugehen: Das ist. nicht. möglich! Man kann das gar nicht die endlosen Situationen bedenken, in denen das für sie Thema ist! Man müsste zum Beispiel immer darauf achten, auf keinen Fall vor ihr zu laufen. Das ist doch irre! Und besonders sinnvoll erscheint mir das auch nicht… Ständig gewinnen lassen kann hier doch nicht das Mittel der Wahl sein, oder?

Tiefer gehen: 

Diese Eigenheit hat sie vor etwa einem halben Jahr aus der Kita mitgebracht. Dort ist das Thema, seitdem sie aus der Krippe in den Kindergarten gewechselt ist. Dort fing das an, glaube ich, als die Kinder anfingen, sich selbst an- und auszuziehen. In dem Zusammenhang wurde dann immer ein „Wer Erster / Letzter ist“-Wettkampf gestartet, und das weitete sich nach und nach auf’s Essen usw. aus.

Mir ist bewusst, dass ziemlich viele Kinder in dem Alter haben und das auch durchaus zur normalen Entwicklung gehört. Google spuckt 4.220.000 Ergebnisse bei der Suchanfrage „Kind will immer Erster sein“ aus. Man stößt auf viele Foreneinträge von Eltern, die sich über das Thema auslassen, aber erstaunlich wenig Expertenmeinungen. Die einzigen beiden Ratgeber-Seiten, die auf Anhieb finden konnte, waren in dem Fall t-online.de („Warum Kleinkinder immer Erster sein wollen„) und eine österreichische Seite für Erziehungstipps („Erziehung ist (k)ein Kinderspiel – „Ich will Erster sein!„). Ich finde, dass beide Texte eher wage sind und nicht unbedingt hilfreich. Schnell landet man dann auch bei Seiten mit Themen wie „Früherkennung der autistischen Störung“ oder „Wie Sie aus der Psychofalle Perfektionismus herausfinden„. Na schönen Dank auch… Und da wundere sich nochmal einer, dass Eltern zum Teil ein bisschen hysterisch bezüglich der Entwicklung ihrer Kinder werden. Aber Googlen ist ja auch ohnehin so ’ne Sache für sich… Aber da wird gerade dabei sind:

Hellhörig wurde ich beim t-online-Link nämlich doch:

In der Psychologie sprechen wir bei diesem kindlichen Ehrgeiz von der Entwicklung der Leistungsmotivation,“ erklärt Diplom-Psychologin und Diplom-Pädagogin Annette Böttcher aus Wiesbaden.  

LEISTUNG?! Da schrillen bei mir die Alarmglocken! Leistungsdruck, Leistungsorientierung, Leistungsgesellschaft, … Als Kind hatte ich selbst ziemliche Minderwertigkeitsgefühle, wollte unbedingt in allem die Beste sein und hab mich ständig ungerecht behandelt gefühlt. Und das schleppe ich nervigerweise bis heute mit mir rum. Mein Überehrgeiz führt zwar tatsächlich zu guten Leistungen, aber der Preis dafür ist mir eigentlich zu hoch. Jede Art von Leistungsdruck überfordert mich, ich fühle mich allgemein ständig unter Druck und habe ganz schlimmes Lampenfieber. Ich hab’s mit meinem nervigen Perfektionismus und dem permanenten Streben nach Anerkennung nicht leicht mit mir und würde bei meinen Kindern gern irgendwie versuchen, ein bisschen dagegen zu wirken. Ich möchte, dass meine Kinder ein etwas gesünderes Selbstvertrauen / Selbstwertgefühl entwickeln als ich und nicht mit einem doofen (Selbst-)Optimierungszwang zu kämpfen haben.

 

Ich bin bei der Sache echt ein bisschen ratlos. Wie kann ich den Drive rausnehmen? Ich habe in diesem Fall ein bisschen Angst, etwas falsch zu machen… Was macht Sinn? Soll man das ignorieren? Einlenken? Abwatschen? Zulassen? Mitmachen? Belehren? Ich weiß es echt nicht…

Der t-online-Link sagt lediglich:

Wenn ein Kind zu ehrgeizig ist, überfordert es sich auch selber, weil es nicht zurückstecken kann. Das geht zu Lasten der psychischen Gesundheit und Stabilität. Kinder müssen lernen, mit Niederlagen souverän umzugehen. Das heißt, eine Niederlage sollte Kinder stets anspornen, es erneut zu probieren

Naja, sehr aussagekräftig ist das nicht. Wie lernt denn mein Kind, mit „Niederlagen souverän umzugehen“?

Die Erziehungstipps-Tante aus dem anderen Link gibt folgendes zum Besten:

Offensichtlich hat das Kind ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis. Das hat auch sein Gutes. Bevor wir anfangen, ein Kind zu kritisieren oder „Sei nicht so“-Botschaften zu senden, müssen wir zuerst das Gute am Schlechten erkennen und dem Kind gegenüber würdigen: „Nina, ich finde es toll, dass du so flink bist.“ Dann gilt es, ihre Gefühle ernst zu nehmen und dies auch zu sagen, um Nina zu helfen, damit klar zu kommen: „Ich glaube, dir ist es ganz wichtig, gut zu sein. Ich weiß, Erste zu sein ist ein wunderbares Gefühl.“ Erst wenn die Mutter Verständnis zeigt, ist Nina in der Lage, Ermahnungen und kluge Worte anzunehmen. Ansonsten wirken sie wie Blockaden und stärken den emotionalen Widerstand, weil sich das Kind unverstanden und abgelehnt fühlt. (…) Worte wie diese können Nina helfen: „Ich weiß, es fällt dir schwer, zu warten und auch einmal Andreas zuerst ins Auto einsteigen zu lassen. Aber weißt du, (Verständnis für das andere Kind er wecken) er will auch einmal Erster sein und außerdem: Das Leben ist kein Wettrennen.“ Die Mutter könnte Nina fragen, was für sie so schlimm daran ist zu warten und manchmal auch anderen den Vortritt zu lassen. Helfen kann auch etwas liebevoller Humor, aber bitte ohne Ironie und Zynismus. So lernt Ihr Kind, sich selber nicht zu ernst zu nehmen und Dinge zu relativieren.

Wenn Sie gemeinsam auch noch Regeln finden, die für ähnliche Situationen gelten, brauchen Sie nicht jedes Mal Grundsatzdebatten zu klären, wenn es gilt, rasch zu handeln. Wichtig sind auch Nachbesprechungen, bei denen Sie mehr auf Ninas Fortschritt als auf ihre Schwächen schauen und diesen auch würdigen. Wenn das Kind positives Feedback vor allem auch bei spontanen Anlässen bekommt, ist sein wichtigstes Bedürfnis, Hunger nach Anerkennung, auf gute Weise gestillt und es kann auf übertriebene „Ich-bin-Erste!“-Inszenierungen verzichten. Erwachsene sollten zu er wartende Schwierigkeiten im Vorfeld abfangen. Wenn es z. B. wieder an der Tür läutet, könnte sich die Mutter kurz an Nina wenden und wer t- schätzend sagen: „Es läutet und ich möchte selber aufmachen. Ist das o. k. für dich?“ Finden Sie gemeinsam Lösungen, die dem Geltungsbedürfnis der jungen Dame, aber auch der Notwendigkeit des Abgrenzens Rechnung tragen. Dann wird Nina lernen, manchmal auch anderen den Vor tritt zu lassen – und gut sich dabei zu fühlen.

 

Ansich gar keine schlechten Ansätze, aber halt auch furchtbar pädagogisch. Ich finde ja tatsächlich, dass Eltern keine Pädagogen sein sollten und es auch nicht müssen. Die Dinge, die sie da sagt, sind zwar durchaus nachvollziehbar, aber um das im stressbeladenen Alltag (unter Handlungszwang!) umzusetzen, müsste ich das ja… hmmn… auswendig lernen?, weil es irgendwie total unnatürlich ist.

Man stelle sich das am Beispiel bei der Auto-Situation mal vor: Ich „schwinge“ T. in Babyschale auf den Arm, wuchte die Einkaufstüten hoch und begebe mich schnaufend zur Haustür. Im worst case muss ich auch noch dringend Pinkeln.

„Maaaaamaaaa, ich wollte aber Erster sein! Uääääääääh!“

(Schritt 1: Das Gute würdigen:)

„Oh, P., ich finde es toll, dass du so flink bist.“ (äh? ist sie ja eigentlich in dem Moment nicht… Also müsste ich sagen: „Ich finde es toll, dass du so flink – dieses Wort schon! Arrrgh! – sein willst… Und äh, nee… Genau das finde ich ja gerade ganz und gar nicht toll…)

(Schritt 2: Gefühle ernst nehmen und das dem Kind sagen:)

„Ich glaube, dir ist es ganz wichtig, gut zu sein. Ich weiß, Erste zu sein ist ein wunderbares Gefühl.“

(Schritt 3: Moralkeule:)

„Ich weiß, es fällt dir schwer, zu warten und mich (mit den kackn schweren Einkäufen und dem Eltern-Armbeugen-Folterinstrument Maxi Cosi inkl. 10 Kilo-T. beladen.. Arrrgh!) zuerst zur Haustür gehen zu lassen. Aber weißt du…

(Schritt 3.1 für Pro’s: Während der Moralkeule Verständnis für die Situation des Anderen erwecken)

… die Tüten und dein Bruder hier sind ganz schön schwer und ich muss mal auf’s Klo und außerdem: Das Leben ist kein Wettrennen.“

 

Ja, bääämm, oder? Und direkt im Anschluss kann man den gleichen Ablauf beim Treppenaufgang, am Fahrstuhl, beim Schuhe ausziehen usw. wiederholen. Aus dem pädagogischen Quatschen kommt man dann so schnell erstmal nicht wieder raus und es dürfte unter diesen Umständen nicht allzu lange dauernd, bis man den inneren Drang verspürt, sich nach dem ins Bett bringen der Kinder, aus dem Fenster zu stürzen.

Kann sich Jemand erinnern, mal irgendwo etwas Aussagekräftigeres dazu gelesen zu haben? Ich glaube, P. ist von Natur aus schon eher ehrgeizig und sie zeigt schon jetzt Ansätze einer „Bühnenpersönlichkeit“… Ich möchte nur einfach nicht, dass sie so ein Überehrgeiz-Problem bekommt… (wie ich).

15 Kommentare zu “„Ich wollte aber Erster sein!“

  1. So nervig die Situation ist, so lustig doch deine Beschreibung! Ich habe leider nichts dazu gelesen. Was sagen die Erzieher in der Kita? Ich drück dir die Daumen, dass die Phase bald vorbei geht!

  2. Helfen kann ich leider auch nicht. Ein bisschen musste ich aber an mein Kind denken (fast 2), die momentan alles selber machen möchte, oder zumindest helfen oder gemeinsam etwas tun. Sie will also immer mitreden, und wehe man entscheidet etwas über ihren Kopf hinweg.
    Meine Antwort darauf ist situationsabhängig. Mal sage ich ihr direkt ins Gesicht, dass es jetzt nicht anders geht, als dass ich es mache. Mal erlaube ich ihr es selbst zu versuchen und wenn es nicht geht ist das „Lass es uns zusammen machen“ eine gute Alternative.
    Man muss irgendwie die Balance finden zwischen Würdigung des Kindes auf der einen Seite und Praktikabilität auf der anderen. Echt schwer…
    Lieben Gruß, Wiebke

  3. Ich würde nicht versuchen sie immer Erster sein zu lassen , wahrscheinlich führt das zu Problemen später denn es ist ja logisch dass man im Leben nicht immer erster sein kann und wäre schlimm wenn sie später in der Schule heulen würde weil sie nur die 2.beste Arbeit geschrieben hat. Ich würde versuchen sowas zu sagen wie: Auch wenn Du jetzt nicht die Schnellste warst hast Du das ganz toll gemacht und ich bin stolz auf dich….oder sowas. Sie muss lernen dass sie auch viel wert ist wenn sie nicht immer Erster ist . Die Sache mit dem „zweiten Ersten“ kann man auch probieren. Im Notfall musst du sie wüten lassen, wenn sie mit der Zeit merkt dass die Wutanfälle nicht dazu führen dass du ihr immer den Vortritt lässt wird sich das bestimmt geben

  4. Hm, wir haben hier einen 2,5-Jährigen, der pünktlich mit der Geburt des jetzt 5 Monate alten Bruders in die Trotzphase gekommen ist. Äußert sich vor allem durch ständiges Heulen, etwas ähnlich wie bei P., was du neulich mal schriebst. Will immer alles (allein) machen, d.h. man kann es gar nicht richtig machen. Gehe ich vorweg und mache die Tür auf, wars falsch. Gehe ich hinterher und mache die Tür hinter uns zu – auch falsch. (Und immer Geheul, man versteht 5 Minuten nix… ächz.)
    Ich deute das zurzeit als Aufmerksamkeitsgeheische basierend auf der „neuen“ Situation mit dem Bruder (im direkten Umgang alles tipp-top). Denn: Wann bekommt der Kleine die größte Aufmerksamkeit? Richtig, wenn er weint. Der Große schafft Situationen, die ihn zum Heulen bringen… Vielleicht ausgemachter Unsinn, was weiß ich, bin nicht vom Fach.
    Wird sich wohl verwachsen (way to go für uns, ihr seid vielleicht bald damit durch!?), da hilft vielleicht nur Liebe, Liebe, Liebe (in anderen Situationen, den während der Heulattacken muss ich mich stark zusammenreißen, kein One-Way-Ticket auf die Malediven zu buchen)… LG Andrea

  5. Nicht einfach… Ich tendiere auch dazu, die Beschäftigung mit dem Thema möglichst so weit wie geht runterzufahren. Das Problem ist wie bei allen Kinderthemen, dass man aus lauter Verzweiflung das Thema viel zu viel Raum einnehmen lässt (ich kenne das….). Der Wink mit der Leistung führt m.E. nach in die richtige Richtung: wer so nach Anerkennung hungert, braucht nicht noch mehr positive Verstärker in Bezug auf dieses Thema, sondern viel mehr in Bezug auf „du bist okay, so wie du bist und nicht, weil du dies und das leistest“. Das soll kein Vorwurf sein, viel zu oft haben wir selbst als Kind erlebt und tappen dann als Eltern in die Falle, mit Lob und Verstärkern für Verhalten zu arbeiten. Wirkliche Bestätigung und innere Ruhe finden Kinder vielmehr darin, dass sie wenigstens zuhause erfahren: „so wie ich bin,werde ich geliebt.“ Ich könnte mir vorstellen, wenn du ihr in anderen Situationen mehr von diesen Rückmeldnungen gibst (wo du selbst entspannter bist) und in akuten Fällen so wenig wie möglich darauf reagierst, hilft es ein bisschen. Und ich würde das in der Kita nochmal ansprechen, wie oft sie mit dieser (verlockenden) Methode des Wettbewerbs arbeiten … und was das bei euch auslöst.

    • Hi Anne, das war ein echt guter Hinweis! (Also in der Kita nachzufragen) Darauf bin ich tatsächlich noch nicht gekommen. P.s Erzieherin meinte, dass sie das eigentlich nicht nutzen, das Kinder beim Anziehen selbst damit angefangen hatten. ABER! Die Erzieherin hat mit P. gesprochen und jetzt sagt sie immer „Ach quatsch, wir machen doch kein Wettrennen“ ;-)

  6. hm. und wenn du nicht auf die sache eingehst sondern nur auf das gefühl? „wuäää ich wollte aber erster sein“ nur beantwortest mit: „och mensch kleine, du wolltest erste sein? und jetzt bist du sauer?“ ich meine, es ist ja klar, dass du sie niemals ständig vorlassen kannst. soweit kommts noch, dass du jeden alltagshandgriff auf ihre macke ausrichtest. das kannst du halt nicht für sie lösen. es ist ein spleen und geht hoffentlich in der intensität bald wieder vorbei. stell dir vor, sie würde sich über regen beschweren: „wuäää ich will sonne!“ „oh möönsch, bist du wütend, weil es regnet? is doof, ne?“ vielleicht kommt sie runter vom wütend sein, wenn du sie tröstest und das eigentliche thema ignorierst du weitmöglich weg.

  7. Meine 3,5jährige ist auch „fast Vier“ und will immer Erster sein. Wenn auch nicht in so vielen Situationen wie bei dir! (Beschreibung im unteren Teil ist echt super geworden!) Ich gehe eigentlich gar nicht so recht auf das Thema ein (gut, bei meiner Tochter ist es nicht so ausgeprägt, dass sie einen Wutanfall deswegen bekommt) und meine nur, wenn ich mal wieder „verloren“ habe (was häufiger vorkommt, weil sie sich schon beeilt in diesen Situationen), dass das für mich überhaupt nicht schlimm ist und ich auch gerne Zweite bin. Dabei schaut sie mich echt aufmerksam an, ob ich das auch wirklich ernst meine (bin nicht wirklich ein Wettbewerbstyp)
    Viel Glück mit deiner „Erster“!

    LG
    Petra

  8. Ach ja: Bei uns kam raus, dass das oben beschriebene Verhalten bei der Tagesmutter nicht auftritt (klar wird auch mal geheult, aber nicht diese ständige Zickerei). So kam ich auch auf die Deutung mit der Aufmerksamkeit. Ich weiß nicht, wie du es gemeint hast, zieht P. das im Kindergarten auch so durch oder hat sie nur den Wettbewerbsgedanken von da mitgebracht? In letzterem Fall könnte interessant sein, wie sie sich da verhält. Wenn sie nur zu Hause so zickt, dann hat es auch mit zu Hause zu tun, nicht mit ihr allein. Hört sich jetzt wie ein Vorwurf an, aber ist ja klar, was ich meine, oder?

  9. Klatschen könnte ich meine kinder, wenn sie alle immer als erstes aufgestanden sein wollen….und das am Wochenende……ich als Laie sage diese Phase vergeht wieder….irgendwann ;-)

  10. Hi, hi, wirklich schön beschrieben. Das Problem kennen wir allerdings auch. Ich fürchte dagegen ist kein Kraut gewachsen. Das Einzige, was bei uns ab und zu geholfen hat, ein bisschen Luft rauszulassen: „Menno! Immer Du! Ich will aber auch mal erste sein! (Fuß stampfen, Schippe ziehen)“ oder beim Anzeichen der Kreischattacke an die Stirn patschen und sagen „OOoh, nein. Du wolltest Erster sein, ne? Mist, habe ich vergessen. Nächstes Mal, Ok?“ oder auch mal stehen bleiben, groß angucken und ganz ernsthaft fragen „Warum?“. Aber das wirkt natürlich auch alles nur, wenn es unvorhergesehen kommt und nicht zehn Mal am Tag… Da hilft wohl nur Zähne zusammen beißen und auf die nächste Phase warten. Die besteht bei uns im Moment darin, dass die zwei sich streiten, weil jeder das Licht ausmachen, die Tür öffnen, das Getränk aus dem Kühlschrank holen will… Habe neulich zehn Minuten am Kindergartenausgang gestanden, weil jedes Kind mir abwechselnd die schwere Eingangstür öffnen musste… (= erst debattieren, wer zuerst darf, dann mit einem Kind durchgehen, zurückkehren, warten bis die schwere Tür zugefallen ist, damit der nächste sie aufmachen kann). Ich fürchte, es gibt jetzt ein paar Erzieherinnen und andere Mütter mehr, die mich für schwer bescheuert halten.

  11. Ich persönlich bin der Meinung, dass das Kleinkind durchaus merken darf, dass ich extrem genervt bin von seinem Verhalten und das gar nicht lustig finde.
    In deinem Beispiel (tausend tonnenschwere Tüten, Haustürschlüssel am Rand des kleinen Fingers und dann noch quäkendes Nörgel-Kind) gäbe es (bzw gibt es bei mir in adäquaten Situationen) die einfache Ansage „K., jetzt nicht! Das Zeug hier ist verdammt schwer und ich habe jetzt keine Nerven mich um dein Gequängel zu kümmern. Wenn du ein Problem hast, dann können wir GLEICH darüber reden.“
    Mein Sohn ist „fast 3“ und hat das mittlerweile sehr gut begriffen. Er weiß auch ganz genau, wann er ningelt/nervt/nörgelt/bockt. Nachdem er letztens wieder obige Ansage bekommen hat, hat er nämlich sofort aufgehört, mich angeschaut und gefragt: „Bin ich gerade eine Ningelziege?“ (Ja, diesen Spitznamen hat er von mir bekommen – ich habe ihm erklärt, dass ich ihn so nenne wenn er ningelt.) Und tada, wenn ich dann meine tausend Sachen abgelegt, hundert Treppen erklommen und wieder etwas Luft zu atmen habe – frage ich ihn, ob er mit mir über die Situation reden will. Und wenn er das möchte, dann klären wir das. Und wenn wir Situationen schon mehrfach geklärt haben sage ich auch: „K., das haben wir schon besprochen. *Kurze Zusammenfassung des Diskussionsergebnisses* Und das ist immer noch so.“

    Ich finde, manchmal sollten Kinder auch einfach mal was akzeptieren (nachdem man mit ihnen drüber gesprochen hat). Und ich finde, dass Kinder durchaus merken dürfen, wenn ihr Verhalten nicht angemessen, sprich nervig ist.

  12. Meine Tochter ist noch meilenweit entfernt von solchen Phasen, aber ich denke, wenn ich die Zeit und Nerven in dem Moment hätte würde ich versuchen, die Situation zu einem Spiel zu machen.
    „Klar warst du nicht erste, darum ging es ja auch nicht. Du warst die Lauteste! Glückwunsch!“ oder „Erste sein ist doch langweilig, das kann jeder, aber versuch mal mit einer Hand vor den Augen auszusteigen“ oder „Die Treppe raufrennen kann ja jeder aber schaffst du die ganze Treppe auf Zehenspitzen?“ oder „Gut, dass du so oft Erste bist, aber schaffst du es die Eier heil in die Küche zu tragen, während ich T. ausziehe?“ [oder etwas anderes was griffbereit in der Tüte ist] und und und.
    Vielleicht auch, gerade beim Einkaufen, eine kleine Extra-Tüte mit kleinen Einkäufen füllen die P. tragen soll – so ist sie auf eine Art eingebunden auf die T. noch nicht eingebunden werden kann und hat damit etwas „eigenes“.
    Aber ich denke die Ruhe dafür zu haben, dass einem so etwas noch einfällt gelingt auch nur an guten Tagen.

    Wie ist es eigentlich jetzt drei Monate später? Besser? Wenn ja, was hat geholfen? Oder hat es sich von selbst gelegt?

  13. Pingback: “Ich wollte aber Erster sein!” – Revisited | BABYKRAM & KINDERKACKE

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