Keine Panik! (Und ein bisschen Schulkritik)

Weil ich jetzt schon einige Anfragen bekommen habe, an dieser Stell Mal eine kurze Info: Der letzte Beitrag sollte nicht bedeuten, dass ich mit Bloggen aufhöre o.ä. und hatte auch keinen konkret schlimmen Knaller als Auslöser, abgesehen vom stinknormalen Leben und Fühlen…

Der Alltag mit unseren beiden Kindern, dem Studium, meinem dauernden Gekränkel, der Kita-Initiative, meinem Praktikum, (was ich gestern angefangen habe), dem zwei-Kleinkinder-Wahnsinns-Haushalt undsoweiterundsofort… Das alles schlaucht einfach ziemlich und liebgewonne Angewohnheiten – wie Nähen, Komponieren oder Bloggen – stehen gerade ein bisschen auf dem Abstellgleis. Es kommen aber ganz sicher auch wieder schreibwütigere Zeiten. Im Moment frisst mich das Andere einfach meine Zeit.

Hier läuft davon abgesehen alles… irgendwie. Wir schaffen es zwar oft nicht, einzukaufen, weil dafür in unseren Tetris-Wochen gerade nicht wirklich Platz ist. Die Wäsche türmt sich viel zu oft zu Bergen, als mir das lieb ist. Und wir hängen abends nach wie vor spätestens ab 21 Uhr total in den Seilen. Aber wir verstehen uns alle meistens ziemlich gut und zunehmend besser. Das ist ja nicht unwichtig…

T. ist unglaubliche 10 Monate alt und ich habe wirklich keine Ahnung, wo das (fast) eine Jahr hin ist. Ich habe das Gefühl, dass die Zeitgeschwindigkeit sich mit zwei Kindern noch einmal verdoppelt. Dieses Zeitparadoxon finde ich echt faszinierend… Einerseits ist natürlich eine Menge passiert: Kind bekommen usw. und meine Schwangerschaft scheint schon ewig weg zu sein. Andererseits kann ich es nicht fassen, wenn ich kleine Babys sehe und dann meinen T. anschauen, der nun schon 4 Zähne hat, „Dadadada-Mamama“t ohne Pause, sich überall hochzieht und die Welt im Alleingang erforscht. T. ist übrigens nach wie vor ein ziemlich entspannter Kollege. In zwei Monaten wird die Eingewöhnung in P.s Kindergarten anfangen. Und ICH FREUE MICH SO DARAUF! Es ist wahnsinnig nervenzerreibend, in den zwei Stunden Tagesschlaf irgendwie zu versuchen, alles zu erledigen, was man zu erledigen habt. Genau genommen ist es unmöglich. T. hat total Bock auf andere Kinder, insofern gehe ich davon aus, dass das ganz gut klappen wird. Hoffentlich…

P. geht derweilen straight auf die 4 zu und als ich vorhin meine weitere Studienplanung überdacht hab, fiel mir auf, dass wir uns vermutlich schon mit P.s EINSCHULUNG beschäftigen, wenn ich an meiner Bachelorarbeit sitze. Oh Mann! SCHULE! Und P. ist jetzt schon heiß drauf…

Mir stellt sich dann auch gleich wieder die Frage nach der Schulform, die ich bisher noch weitgehend wegschiebe. Ich würde P. am liebsten auf die freie Schule hier schicken. Das ist mit einem deutlich längerem Anfahrtsweg verbunden, aber ich glaube, dass es sich lohnt! Das Schulkonzept ist so toll! Aber dort einen Platz zu bekommen ist Glückssache, da die Platzzusagen unter den (zu vielen) Bewerbern ausgelost werden. Also muss ich mich fragen, ob ich sie – im wahrscheinlichen Fall einer Absage – auf die „normale“ Kiez-Grundschule um die Ecke schicke oder ob andere alternative Schulformen für mich in Frage kommen. Ich habe aber ein Problem mit Waldorf und auch Montessori. Ich kann dieses strikte und esoterisch-spirituelle daran nicht  leiden und mir fehlen die demokratischen Elemente, auf die an freien Schulen viel Wert gelegt wird. Andererseits sehe ich bei meinem Cousin, der eine Waldorfschule besucht, dass er gar nicht so „esoterisch“ drauf ist und seine Schule liebt. Er steht auf Fußball, Star Wars, Harry Potter und gruselige Filme. Also besser noch Waldorf als Standard-Schule? Hm… Ich muss das mal noch gären lassen. Es hängt ja auch so viel vom für P. zuständigen Pädagogen ab… Mit einem engagierten Lehrer, kann auch die Regelbeschulung gut sein.

Ich habe aber wirklich große Probleme mit dem deutschen Regelschulsystem. Durch die Beschäftigung damit im Rahmen meines Studiums sind die auch nicht kleiner geworden, eher konkreter. Ich finde es Mist, dass die gemeinsame Grundschulzeit auf nur vier Jahre begrenzt ist und danach schon auf weiterführende Schulen selektiert wird, die so eng an die späteren Berufsmöglichkeiten geknüpft sind. Das ist totaler Schwachsinn! Langes gemeinsames Lernen hat so eindeutige Vorteile, dass es mir vollkommen unbegreiflich ist, wie man an dieser Regelung, die übrigens aus dem Jahr 1919 (!) stammt, festhält. (Stichwort: Weimarer Schulkompromiss: Dass wir heute noch ein gegliedertes Schulsystem statt einer Einheitsschule für alle haben scheint das Ergebnis eines bemerkenswerten Kuhhandels zu sein. Die Einheitsschule war offenbar der Preis für nichts geringeres als den Versailler Friedensvertrag! Nur unter der Bedingung, die Konfessions-)Schulen im bisher geordneten Schulbetrieb beizubehalten anstatt die Einheitsschule einzuführen, trat die Zentrumspartei damals in das sozialdemokratisch geführten Kabinett um Gustav Bauer ein und ebenfalls zu der Bedingung, stimmte sie in der Nationalversammlung dem Versailler Friedensvertrag zu!, siehe auch: http://fakten-uber.de/weimarer_schulkompromissErst in Klasse 6 oder noch besser 8 aufzuteilen wäre so viel sinnvoller…

Davon abgesehen halte ich generell diese stark unterschiedlichen Schulformen für nicht sinvoll. Meiner Meinung nach bringt das nicht viel mehr als eine Zementierung der „Ständeunterschiede“. (Ja! Ständeunterschiede!) Die unterschiedlichen Schulformen sind überwiegend bestimmten „Klassen“ vorenthalten. Kinder aus „unteren Schichten“ müssen mehr Leistung bringen, um eine Übergangsempfehlung fürs Gymnasium zu kommen. Lehrer bewerten mehr oder weniger unbewusst die Schichtzugehörigkeit mit… Bestimmte Kids haben kaum oder gar keine Chancen, halbwegs gut aus der Schule rauszukommen. Abwärtsspirale: Die Eltern können den Kindern aus unterschiedlichsten Gründen weniger „Rüstzeug“ für die Schule mitgeben. Deshalb starten Kinder nicht mit gleichen Eingangsbedingungen in die Schulen… Dort treffen sie auf Lehrerinnen, die aus der bürgerlichen Mittelschicht kommen und automatisch das besser bewerten, was ihnen näher ist und Anderes abwerten. Sie kommen nicht aufs Gymnasium, wo sie von einem besseren Lernklima theoretisch profitieren könnten. Stattdessen kommen sie oft auf Schulen, wo das Lernklima Mist ist und in denen sie noch weniger Bock haben. Wie auch immer: Ich bin für die Einheitsschule, aus verschiedenen Gründen. Vor allem aber, weil ich nicht in einer Ständegesellschaft leben will.

Und – jetzt Mal wieder weg von der Ideologie und hin zu dem, was P. und uns ganz praktisch betreffen wird – ich halt nichts von der Art, a) wie Schule gemacht wird, b) wie Unterricht organisiert wird und c) was Lernstoff ist. Ich möchte nicht, dass mein Kind total platt nachts noch vor 6 aufstehen muss, um todmüde 7:30 in der Schule zu sitzen. Ich finde die – übrigens auch im großen und ganzen seit 300 Jahren kaum wirklich veränderten – Lehrpläne größtenteils viel zu vollgestopft. Ich finde die Lehrerausbildung nicht sinnvoll. Ich finde den Schulalltag nicht sinnvoll organisiert… Ich halte viel von Lernen in Zylken statt in Stunden, Lernen nach Interesse statt Vorgabe, Lernen durch experimentieren, forschen und erleben statt eingetrichtert bekommen. Ich bin gegen Noten und für schülerbezogenes, individuelles Feedback. Ich bin gegen PISA und für selbstbestimmtes Lernen. Ich bin dafür, dass jeder in irgendwas gut ist und ich finde es so wichtig, dass jedem Kind auch genau das vermittelt wird. Was soll dieser kollektive Leistungsdruck? Warum bekommt ein Kind vermittelt, dass es möglichst überall möglichst gut sein muss? Das führt dazu, dass Kinder am Ende oft keinen Bock auf gar nichts mehr haben und überall durchschnittlich sind. So kommen sie vielleicht am besten durch und vielleicht werden sie sogar das, was so allgemein als „erfolgreich“ bezeichnet wird. Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie feststellen, was ihnen liegt, dass sie ihren Interessen an der Welt nachgehen können und dass sie in der Lage sind, sich selbst Meinungen zu Dingen zu bilden und dass sie ihren Weg finden.

 

Okay, das ist jetzt ein bisschen abgedriftet. Aber hey! So ist immerhin ganz von allein ein Blogpost entstanden ;-)

3 Kommentare zu “Keine Panik! (Und ein bisschen Schulkritik)

  1. Hallo :)
    Ich möchte einfach mal meine Meinung zu der Schulfrage sagen, ich dachte mir, es kann ja nicht Schaden. :) ich habe da völlig andere Ansichten als du. Erstmal vorab, ich bin 19 Jahre alt, komme nicht aus der „Oberschicht“ sondern eher aus der „unteren Mittelschicht“ und habe vor zwei Jahren mein Abitur an einem staatlichen Gymnasium gemacht. Ich war auch auf einer staatlichen Grundschule und habe meine Schulzeit absolut genossen, von vorne bis hinten. An beiden Schulen waren Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten vertreten, was zu einer tiefergehenden Verständigung zwischen allen „Klassen“ führte, was ich im Nachhinein wirklich als Erfahrung schätze. Meine Cousins hingegen sind ab der ersten klasse auf eine Waldorfschule gegangen und haben beide nach der sechsten klasse auf ein staatliches Gymnasium gewechselt, weil sie sich konsequent unterfordert gefühlt haben. Interessant fand ich, dass mein einer Cousin nach dem ersten Jahr auf dem Gymnasium versetzungsgefährdet wegen des Fachs französisch war, ein Fach, dass er im Gegensatz zu den staatlichen Schülern, auf der Waldorfschule seit der ersten klasse hatte, offensichtlich hatte er dort quasi nichts gelernt. Sicher ist nicht alles toll an staatlichen Schulen, aber Waldorfschulen halte ich für die schlechtmöglichste Lösung. Ich bin immer der Meinung, mir haben 12 Jahre staatliche Schule gut getan.
    Sorry, für den langen Kommentar, aber ich finde das Thema interessant. :)
    Liebe Grüße, Eva

    • Ich finde auch sehr interessant, dass dein Cousin, kaum wechselte er auf eine staatliche Schule ,plötzlich wegen einem sooo wichtigen Fach wie Französisch versetzungsgefärdet war. Da beginnt doch schon die Problematik der staatlichen Schulen, warum sollte man jemanden das Recht auf ein Abitur/studieren verwehren, weil französisch jetzt wirklich nicht sein Ding ist. In Deutschland wurden ja auch nun die „wunderbaren“ Profiloberstufen eingeführt. Zu meiner Schulzeit durften wir noch frei wählen, welche Fächer verstärkt eingebracht wurden, so habe ich in Englisch u. Deutsch maturiert, jedoch in Französisch seit jeher immer 5er mit mir herumgeschleppt. Im sprachlichen Profil hätte mich das mein Abi kosten können. Nun will ich nicht behaupten, dass Waldorf die beste Alternative ist, ich trage dort die gleiche Kritik, wie die Autorin mit mir herum.

      12 Jahre staatliche Schule werden dir gewiss gut getan haben, im Hinblick auf die Leistungsgesellschaft, in die du jetzt hineingeschubst wirst, .. aber mal schauen, was dir letztlich wirklich was bringt… besonders persönlich.

      Und noch ein Punkt: “ An beiden Schulen waren Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten vertreten, was zu einer tiefergehenden Verständigung zwischen allen “Klassen” führte, was ich im Nachhinein wirklich als Erfahrung schätze.“
      Da hast du den Text wohl nich t richtig gelesen.. es geht ja nicht darum, dass man nicht Freunde sein darf auf der gleichen Schule, sondern um den erschwerten Zugang unterer Einkommensschichten. Fängt schon an mit den Schulheften am Anfang des Schuljahr, Geodreieck, Stift, etcetc. Dann verschiedene Bücher, die gelesen werden (zB in Deutsch) … blabla. Bei einem Kind vllt noch zu bewerkstelligen, hat man 3, die aufs Gymnasium gehen, schon schwieriger. Und dann kommen die Rügen, weil man schon wieder keine Utensilien hat,

  2. Ach ja Schule…ich hab da so meine Erfahrung…..letztendlich steht und fällt alles mit den Lehrern, egal welche Schule. Und ja den Ständestatus gibt es……

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