Freizeit-Stress

Zwischen Kinderbedürfnissen, Arbeitszeiten, die nicht zum Ticken des Familienalltags passen, Haushaltskack und Schlafen müssen gibt es so gut wie keine Lücken für sowas wie Hobbys, alleine sein, gemeinsam sein, Freunde sehen, Ausgehen. Und wenn es Lücken gibt, dann nur klitzekleine. Wir sind aber nun einmal zwei Menschen, die das Bedürfnis haben, auch mal andere Gesichter als die familieninternen zu sehen und „außerhäusliche“ Dinge zu tun, die uns gut tun, uns entspannen… die uns ausgeglichen machen. Freunde treffen, in Bars abhängen, mit der Band proben, Sport, … Bei uns sind diese Lücken momentan einmal mittags, so 2-3 Stunden etwa, und abends ab 21 bzw. 22 Uhr. Und genau da beginnt unser Kampf. Der Kampf um die selbstbestimmten Stunden.

Auf den will ich hier gar nicht so dezidiert eingehen. Nur so viel: Die Streitereien über die nicht fremdbestimmte Zeit sind mit Abstand unser häufigstes Streit-Thema seit P. auf der Welt ist. Wer hatte mehr Kinder, weniger Ich-Zeit? Wer ist mehr fremdbestimmt? Wer ist jetzt mal dran mit…? Wer muss mal zurückstecken? Bei uns klappt das nicht so natürlich wie es (anscheinend) bei anderen Elternpaaren klappt… Er lässt sie mal ausschlafen, dafür lässt sie ihn dann ausschlafen. Sie geht weg, dann mal er. Es wäre schön, wenn es so laufen würde. Tut es aber nicht. Ich denke, da kommen die Fakten – mit Kleinkindern ist nun einmal die Zeit für solche Dinge sehr, sehr begrenzt – und zwei (in diesem Fall) ungünstige Persönlichkeiten zueinander. Ich fühle mich schnell (sehr schnell) ungerecht behandelt und im „Rückstand“. Er ist ziemlich stur und sieht sich auch als den, der irgendwie doch häufiger das Nachsehen hat.

Fakt ist davon abgesehen: In 90% der Fälle bin zumindest ich abends nach dem ins Bett bringen der Kinder absolut fertig und müsste, um am nächsten Tag wieder halbwegs auf dem Damm zu sein, eigentlich direkt pennen gehen. Darauf habe ich aber keine Lust. Ich habe abends häufig einen extremen Jeeper nach geistiger Betätigung, was meinem Schlaf nicht unbedingt zugute kommt… Und meiner Ausgeschlafenheit noch weniger.

Selten kann ich mich aber abends dazu durchringen, vor die Tür zu gehen. Dabei wäre es so verdammt wichtig. Ich fühle mich ausgelaugt, ausgesaugt, kaputtgequatscht und muss das fremdbestimmt werden, die endlosen Diskussionen, das Befriedigen fremder Bedürfnisse irgendwie jeden Abend erstmal verdauen. Ich kann nicht einfach vom Bett der Tochter in die Jacke und vor die Tür springen, mich in ’ne Bar setzen und über Gott und die Welt labern. Das funktioniert so nicht. Ich muss mich nach dem Tag erstmal selber finden. Und dann muss ich ins Bett.

Problem: Unausgelastet bin ich trotzdem. Ich brauche meine Freunde. Freunde sind wichtig. Es ist für mich Es wäre für mich auch wichtig, andere Gesichter zu sehen, andere Geschichten zu hören und andere Dinge zu tun, die mit Familie nichts zu tun haben. Ausgleich und so… Ich weiß nur nicht wie und wann und mit welcher Energie?!

Jetzt könnten zum Beispiel Eltern älterer Kinder sagen „Das wird alles besser, wenn die Kinder erstmal älter sind“. Das glaube ich auch. Nur bringt mir bzw. uns das jetzt nichts. Und auch ein „Babysitter“ bringt mir nur halbwegs was. (Der ist nämlich am nächsten Tag nicht da.) Meine Eltern bringen sehr wohl was und die nehmen uns das große Kind (und zunehmend auch beide) regelmäßig ab… Aber meistens werden die Omi-Opi-Wochenenden dann doch gebraucht, wenn „was Wichtiges“ ansteht, das nicht verschoben werden kann. Arbeitstermine, Wochenend-Seminare… Und hier geht es auch mehr um den Ausgleich im Alltag. Um den wöchentlichen Termin… (Den K. hat und ich nicht)

Mir fehlt die Energie. Ich würde zum Beispiel gerade nicht auf die Idee kommen, mir wieder eine Band „zuzulegen“. Damit geht die Verpflichtung einher, regelmäßig zu proben. Mir wäre das zu viel Verantwortung, noch eine Verpflichtung im Verpflichtungen-Karussell und ich weiß einfach, dass regelmäßige Termine schwer einzuhalten und schwer mit Ks unregelmäßigen Dienstplan zu vereinbaren sind. Er macht’s aber trotzdem. Und hält sich den Abend entsprechend dienstfrei. Hey, ich weiß, dass diese Zeiten, dass solche Dinge wichtig sind, für beide… Aber verdammt nochmal! Ich muss so dermaßen hart mit mir kämpfen, um nicht jedes Mal deswegen rumzustressen. Noch ein permanent dienstfreier Abend in der Woche wäre nämlich gar nicht drin. Ich könnt mir gar nicht so einen „permanenten Abend“ pro Woche erlauben. Und deswegen kommt es trotz aller Selbstbekämpfungsversuche immer wieder deswegen zum Streit zwischen uns.

Beispiel: 5 Tage. 4 Abende Spätdienst. 1 Abend Ks „Hobby“. Heißt: Ich sitze 5 Tage am Stück abends Zuhause. Allein. Keine Möglichkeit, vor die Tür zu gehen. Der eine Abend ohne Dienst? Von ihm besetzt. Ich weiß nicht, wie man so eine Situation „gerecht“ lösen soll. Ich weiß nur, dass ich mich wahnsinnig, wahnsinnig zusammenreißen muss, um keinen Terror zu machen. Es kotzt mich an. Es kotzt mich richtig an, tagelang Zuhause sitzen zu müssen… Und natürlich muss er an 4 der 5 Tage arbeiten. Und natürlich hat auch er Ausgleich nötig… Aber ich kann nichts dagegen machen, dass ich mich dann fühle wie ich mich nie fühlen wollte… Wie eine eingesperrte Mutti-Mutti… Die Zuhause sitzt, während „der Vati“ arbeiten geht und sein altes Leben (wenigstens stückweise) weiterlebt, während man selbst versauert.

Was wäre denn eine gute Lösung solcher Situationen? Solidarität? (Wenn es nur einen freien Abend gibt, geht keiner.) Abwechselnd? (Einen dieser Abende er, einen ich.) Keiner macht was, weil’s zu viel ist für den vollgestopften Wochenplan? Wir hatten uns an dieser Frage schon häufig während der Schwangerschaften aufgerieben… Wenn sie (aufgrund der Schwangerschaft) fertig ist, ihr übel ist, sie nichts trinken kann… Ist es dann okay, dass er trotzdem ausgeht und sie Zuhause rumsitzt? Das Thema dürfte es bei vielen Paaren geben. Wie schaffen es Frauen, da entspannt zu bleiben? Ich brauche diese Pille auch!

Das Gegenargument ist dann gern: „Du kannst doch auch, wenn du willst. Du musst es nur sagen.“ Macht für eine Schwangere schon mal nicht viel Sinn… Hat es zumindest für mich nicht. Und jetzt? Ich bin wahrscheinlich auch angepisst, weil ich selbst mich einfach so oft nicht durchringen kann, mich viel zu fertig fühle und nicht verstehe, warum er es kann, obwohl er auch ständig jammert, dass er fertig ist. Vielleicht stinke ich vor mich hin, weil er es einfach trotzdem tut, weil er weiß, dass er das braucht, weil ich es nicht (oder nur sehr selten) mache und mich dadurch so „un-“ fühle…

Wie soll denn Gleichberechtigung – auch bezüglich der selbstbestimmten, kinder- und familienfreien Zeiten – funktionieren, wenn die Dienstzahl bzw. das Unkosten deckende Einkommen einem ständig im Nacken sitzt? Wer braucht mehr „Ausgleich“, der arbeitende oder der Kinder betreuende Elternteil? Unmöglich, zu entscheiden… Beide brauchen. Aber wie?

Irgendwie sind das Luxus-Probleme. Aber irgendwie macht es uns einfach ständig Probleme, die dazu führen, dass wir uns (vor den Kindern) anschreien. Und das ist Mist.