Bitte hör auf mit dem Gebrüll. BITTE!

Heute ist es mal wieder passiert. Und gestern. Und irgendwann in den Tagen davor auch. Ich hab rumge… naja… „brüllt“ wäre übertrieben… „rumgeschnauzt“ trifft es vielleicht besser.

Ich versuche so so sehr gerade nicht mehr so stark die Anstrengung zu empfinden, sondern im Moment zu sein, gerade, wenn ich mit den Kindern zusammen bin. Nicht immer vergleichen, nicht immer an’s nächste Denken… Positiver sein, bei ihnen sein. Aber wie soll ich es hinkriegen, die Dinge positiv zu sehen, wenn stundenlang nur-nur-nur gebrüllt wird? Wie soll das gehen? Ich e-r-t-r-a-g-e das einfach manchmal nicht mehr. Also wortwörtlich… Eigentlich ist es mir dermaßen zu viel, dass es nicht mehr geht, ich halt’s eigentlich nicht aus. Aber ich kann ja nicht einfach weg, ich muss ja in der Situation bleiben, wenn ich mit den Kindern allein bin. Heute habe ich mich 19:30 mitten auf den Gehweg gesetzt und 10 Minuten gewartet. T. wollte (brüllend) auf den Arm, nicht im Buggy bleiben. Ich hatte Einkäufe zu tragen. P. wollte spontan auch nicht mehr weiterlaufen, hat den Buggy besetzt, was wiederum T. nicht passte, der spätestens dann vollkommen außer sich war und die Straße zusammenschrie. Ich hab versucht rauszufinden, was T. will, ihm erklärt, dass das nicht geht, er wütete weiter rum, ich setzt mich und nahm ihn auf den Schoß. Das war ganz schön kalt.

Man ist ja erwachsen, ne? Aber in diesen Momenten… An solchen Tagen, brodelt’s früher oder später in mir hoch… Das kindische „Wann nimmt eigentlich mal wieder jemand Rücksicht auf mich?„-Gefühl. Dann muss ich ganz oft (runter-)schlucken und mir vergegenwärtigen, wie alt meine Kinder sind, um nicht einen verdammten Hals zu kriegen, angesichts der kleinen „Ego-Nummern“, die sich da vor mir abspielen.

Irgendwann waren wir dann Zuhause. Aber das Brüllen hörte nicht auf.

Ich bemühe mich. Ich bemühe mich wirklich. Ich will geduldig sein und verständnisvoll, ich gehe auf die Kinder ein, ich rede mit ihnen, frage, mache, tue, … Ich versuche es wirklich. Aber irgendwann geht’s nicht mehr, dann hakt es aus, und ein Schalter legt sich um.

Erst habe ich mich in die Mitte des Wohnzimmers gestellt und einfach „AAAAAAAAH!“ geschrien. Als das Brüllen der Kinder auch dann nicht aufhörte, bin ich ins Schlafzimmer gegangen, habe die Tür zugeknallt und mir die Ohren zugehalten. Mehrere Male habe ich versucht, mich zu beruhigen, ruhig zurück zur Brüll-Szene zu kehren, in der meine beiden Kinder schon seit Nachmittag die Hauptdarsteller waren.

Szene jetzt: Küche. P. hatte sich jetzt (auch noch) am Kopf gestoßen. Wieder ein neuer Grund für Gebrüll. Aber ich war nicht mehr in der Lage, zu trösten, zu streicheln, zu beschwichtigen. Ich flehte sie an, mit dem Geschrei aufzuhören. „Du kannst weinen, sag mir was passiert ist, aber bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte hör auf mit dem Gebrüll. BITTE!“ Jede, die das schon mal probiert hat, weiß, dass das mit 99%iger Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass das Kind noch mehr, noch lauter, noch eindringlicher kreischt.

Und dann kam sie, die Standpauke.

Ständig versuchen wir, es euch recht zu machen, Tag und Nacht. Wir nehmen immer Rücksicht auf euch, richten uns dauernd nach dem, was ihr wollt. Seit Tagen haben wir nicht mehr richtig geschlafen haben, weil T. permanent alles vollkotzt. Die Nachmittage, die Morgen, die Wochenenden, der Urlaub, die Mahlzeiten… Ständig versuchen wir, euch ganz besonders zu berücksichtigen. Und trotzdem findet ihr immer, immer, immer, immer einen Grund, unzufrieden zu sein. Ihr findet immer einen Grund, euch zu beschweren, mich zu treten oder zu hauen, zu brüllen, uns „doof“ zu nennen oder rumzuschreien! Und manchmal, ja, manchmal, da kann ich einfach nicht mehr. Ich WILL jetzt kein Gebrüll mehr hören, weder von dir, noch von dir. Gar nicht mehr heute! Kein einziges bisschen!

P. guckt mich mit großen, geschwollenen Augen an. Sogar T. hat mit dem Geplärre aufgehört. *schnief* macht sie. Ich fühle mich wie einem französischen Familiendrama.

„Weißt du…“, sage ich kleinlaut zu P., „ich wünschte, ich könnte immer ganz ruhig bleiben und auf alles ganz entspannt reagieren. Ich wünscht, ich wäre immer fröhlich und hätte immer gute Laune. Aber ich schaffe das einfach nicht immer so wie ich will. Und dann raste ich manchmal aus und meckere oder brülle auch. Das heißt nicht, dass ich euch total doof finde, aber ich halte es manchmal einfach nicht mehr aus… Das tut mir ehrlich leid. Ich hab euch trotzdem lieb.“ *schnief-schnief* macht P. nochmal und sagt: „Mama, schon okay, Mama, das muss doch auch mal raus, die Wut, sonst kriegt man Bauchschmerzen. Man kann nicht immer fröhlich sein.“

Ach Mensch. Und dann schniefte ich.

Im Bett sagte sie, als ich sie fragte, was sie träumen möchte „dass du immer bei mir bist“.

Man kann nicht mehr wirklich zurückfühlen, wie Kinder ticken. Wenn ich von K. ne Standpauke kriege, dann reagiere ich da jedenfalls mit sehr viel weniger Verständnis als meine 5-jährige Tochter. Ich brauche mindestens bis zum nächsten Morgen, um mich abzuregen.

(P.S.: Ich hab dann abends mal endlich mitbekommen, dass T. zahnt. Supermutter, ich.)

12 Kommentare zu “Bitte hör auf mit dem Gebrüll. BITTE!

  1. Ich finde P. hat voll recht: Die Wut muss auch mal raus! Mir geht es dabei oft ähnlich, wie du es schreibst: Ich wäre eigentlich gern immer gelassen und würde mich nicht aus der Fassung bringen lassen, wenn mein 2-jähriger Sohn brüllt, weil… ja was eigentlich – es ist ja nicht immer offenkundig ersichtlich! Aber überhaupt: muss man denn wirklich IMMER gelassen reagieren können? Ist das eigentlich menschlich? Ich meine, ich bewundere es, wenn manch einer wirklich die A***ruhe weghat. Das liegt dann allerdings wohl auch daran, dass manch einer tatsächlich einfach vom Wesen her (fast) immer gelassen ist. Wenn man allerdings selbst (wie ich auch) sehr emotional ist, also ich meine diverse Gefühle einfach immer sehr stark empfindet, dann ist es auch echt eine richtige „Qual“ (Sorry! Mir fällt grad nix besseres ein.), sich zu Gelassenheit zu zwingen, obwohl man doch gerade Wut fühlt!
    Ich kann es jedenfalls gut nachempfinden dieses dringende Bedürfnis bei Dauergebrüll, auch mal wenigstens kurz den Raum zu verlassen (Oropax finde ich übrigens supi! Dämpfen sie doch ein wenig das mitunter sonst grelle Geschrei und erleichtern es einem, selbst wieder „runterzukommen“)…
    Lange Rede, kurzer Sinn & es ist auch schon (zu) spät: Ist doch supi, wenn deine Tochter dir sagt, dass du auch deine Wut mal raus lassen sollst/darfst (und nicht nur Fröhlichkeit etc.)! :-)

    Habe eben auch noch das hier entdeckt, was ich auch recht aufmunternd finde:
    http://www.mamizeug.de/2015/01/26/10-gruende-warum-du-trotz-chaos-glaeschenkost-und-dreckiger-waesche-das-zeug-zur-mami-hast/

    In diesem Sinne gute Nacht für euch alle! (Also v.a. auch für deinen zahnenden Zwerg!)

  2. Ich will das nicht runterspielen, aber dieses Szenario haben wir hier bestimmt 1-2 Mal die Woche. Und meine Kinder sind keine Monster (jedenfalls nicht mehr als andere). Und ich habe ein dünnes Nervenkostüm, bin Cholerikerin, aber deshalb gehöre ich ja auch nicht in den Knast. Ich kann halt auch nicht aus meiner Haut. Ich entschuldige mich bei meinen Kindern, wenn es mal wieder geknallt hat und sage auch, dass es mir auch wieder passieren kann, aber dass ich mir mehr Mühe geben will. Ich glaube, das ist alles normal und ok. Da ich rauslese, dass du viel geduldiger bist als ich, musst du wohl perfekt sein. Weiter so!

  3. Ich glaube ohnehin nicht, dass man seinen Kindern irgendetwas vor machen kann. Die spüren mit ihren kleinen Antennen doch ganz genau ob man sich ruhig und gelassen fühlt oder eben nur so tut. Finde das gar nicht schlimm, mal wütend oder traurig zu sein. Meine Tochter ist 6 und mit der habe ich tatsächlich klare Absprachen was beim wütend-sein erlaubt ist und was nicht. Bemerkenswert dabei ist, dass es mir wesentlich schwerer fällt mich daran zu halten als ihr ☺

  4. Den Kindern die eigenen Grenzen aufzeigen ist ok und zeigt Menschlichkeit.
    Mir hilft an „Brülltagen“ ein Gehörschutz. Das schont nicht nur die Ohren sondern auch die Nerven. Zuerst fühlt es sich komisch an, aber es hilft. Probiert es aus!

  5. Ach ich kann es mir lebhaft vorstellen. Der 3-jährige ist derzeit in einer krassen cholerischen Diktator-Phase und der kleine ist zwar wesentlich entspannter, aber eben erst 3 Monate, das heißt, er kennt kaum andere Möglichkeiten, seine Wünsche zum Ausdruck zu bringen als weinen.
    Ich möchte so gerne entspannt bleiben, aber es ist echt schwer.
    Mir hilft dann, die normalen Routinen zu ignorieren. Dann gibt es eben nicht halb 7 Abendessen und die Kinder sind um 9 immer noch wach. Störungen haben Vorrang, heißt es doch immer.
    Außerdem glaube ich Kinder verzeihen solche Ausraster ganz gut, wenn man nicht zu persönlich oder beleidigend wird.

  6. Dir eine kontinuierliche Gelassenheit aufzuoktruieren, nur damit die Kinder keinen vermeintlichen „seelischen Schaden“ davontragen ist nicht nur sehr idealistisch, sondern auch sehr selbstzerstörerisch. Du möchtest warscheinlich auch, dass Deine Kinder ihre Wut auf andere oder auf bestimmte Situationen etc. rauslassen dürfen, denn dann geht’s einem meistens (erst mal) besser. Also wäre es um der „Pädagogik willen“ doch eigentlich kontraproduktiv, es nicht selbst auch mal zeigen zu dürfen. Klar, es gibt verschiedene Wege, Wut zu verarbeiten und das Brüllen/Schreien etc. ist bestimmt nicht der beste von allen. Aber Emotionen sind und bleiben Emotionen und haben auch ein Recht gezeigt zu werden. Zumal Du ja hinterher Deine Lage erklärst, Deinen Emotionen Worte gibst. Das finde ich – neben der Vermittlung auch mal gelassen bleiben zu können – auch sehr wichtig. Wie können Kinder denn einen Begriff von Gelassenheit bekommen, wenn nicht auch mal das Gegenteil dazu erlebt werden kann? Und die Vermittlung persönlicher Grenzen ist auch nicht zu verachten; dass es Kraft braucht, gelassen zu sein und dass diese Kraft auch mal zu Ende sein kann. Soviel dazu von einer Mutter, die auch in schöner Regelmässigkeit ausrastet, schreit etc. You are not allone…

  7. Ich hab nur ein Kind, aber bei Gott, ich kenne das Gefühl. Neulich las ich einen Artikel über diese emotionalen kindlichen Ausbrüche, und wie man ihnen (und sich) drüber weg helfen kann, indem man ihre Gefühle spiegelt. Las sich erst irgendwie komisch, aber ich hab’s dann mal versucht – und bei uns klappt das jetzt echt ganz gut. In den meisten Fällen. Das gibt mir das Gefühl, dem Brüllen nicht ganz so hilflos gegenüber zu stehen. Und meine 21 Monate alte Tochter, die sich verbal noch kaum ausdrücken kann, fühlt sich von mir besser verstanden. Mal sehen, wie sich das in Zukunft entwickelt, aber diese Gefühle-spiegeln-Sache mache ich erstmal weiter.

    Und es stimmt. Die Wut muss raus. Weil Aggression gegen sich selbst, in Form verschluckter Gefühle, auf Dauer depressiv macht.

  8. Hallo, und wieder Danke ich dir von Herzen für deine Ehrlichkeit.
    Mir geht es auch öfters genauso! Und du hast dich aber deinen Kindern gegenüber wunderbar erklärt.
    Ich kann es vollkommen nachfühlen.
    Danke! Wenn es hilft:Es geht vielen so!Die Frage ist nur,wie man es den kleinen Herzen erklärt :).
    Viele Grüße

  9. Pingback: Erziehung zur Rücksichtnahme | BABYKRAM & KINDERKACKE

  10. Träne im Knopfloch *schnief*. Meine Erfahrung ist: Ab einem gewissen Alter (meine Große ist fast 7) verstehen sie es besser, wenn man es Ihnen genau so erklärt, wie du das getan hast. Geht natürlich nicht immer. Und: ES WIRD BESSER! :-)

  11. Ich fürchte es wird ein langer Kommentar.

    Einst reglementierte eine Mutter ihre Kinder im Supermarkt. Die Kinder nölten und schrien, sie sei doof. Sagte die Mutter ganz trocken: „ Das ist mein Job! Ich bin eure Mutter!“

    Wem es da jetzt unter den Nägeln brennt schnell zu tippen: „Haaaaa, die wird aber deswegen von ihren Kindern gehasst!! Wie kann die sowas sagen? So sein? So denken?“ Dem sei gesagt: Ich kenne die Mutter zufällig ein bisschen und ich weiß zufällig auch, dass sie 4 Kinder hat und das älteste Kind immer gerne zu Hause war und auch gerne Freunde mit nach Hause brachte und selbst die jüngsten, mittlerweile auch Teenager, sehr zufrieden mit ihrer Mutter sind.

    Wie kann das sein?

    Da wage ich mich jetzt mal in ein ganz weites Feld. Die Erziehung. Der Job der Eltern.

    Ich möchte behaupten, dass niemand in der Erziehung alles richtig macht. Wir sind Menschen mit Launen, Charaktereigenschaften und im Idealfall auch sich wandelnden Ansichten. Man lernt nie aus.

    Das gilt für Kinder UND Erwachsene.

    Es gibt Eltern, die glauben eine antiautoritäre Erziehung sei das Richtige. Andere wiederum glauben eine autoritäre Erziehung bringt die besten Erfolge. Was aber heißt „das Richtige“ und „beste Erfolge“ in der Erziehung? Und was heißt denn jetzt eigentlich antiautoritär? Das heißt ja nicht, sich garnicht kümmern. Wieso macht man sich da überhaupt Gedanken drüber? Erzogen werden muss jedenfalls. Warum nicht einfach aus dem Bauch heraus, so wie es zu Kind und Eltern passt?
    Ich möchte behaupten, da wo ein bestimmter Erziehungsstiel überwiegt, ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Sei es durch Überforderung, Beeinflussung oder gar einer Krankheit heraus.
    Man muss manchmal autoritär sein, man kann oft antiautoritär sein und im Idealfall lebt man einfach vor, wie es geht. Da sollte man auf seinen Bauch hören und den Verstand noch zu Hilfe nehmen.

    Für mich habe ich definiert: Eine Erziehung ist dann gelungen, wenn das Kind glücklich und offen durchs Leben geht. Wenn es dabei neugierig ist, auch Dinge hinterfragt und diskutiert, Freundschaften pflegen kann (dabei kommt es nicht auf die Masse an) und einigermaßen Sozialverträglich ist. Sprich, keine Außenseiterrolle hat, in der es sich unglücklich fühlt. Denn es gibt bestimmt auch Außenseiterrollen, in denen man sich sehr wohl fühlen kann. Das sind dann die selbst gewählten. Also ein Kind sollte nicht unfreiwillig in eine Außenseiterrolle geraten müssen. Das ist aber ein anderes Thema.

    Die Frage ist, wie gelingt das?
    Ich behaupte mal, dass da kein Erziehungsratgeber dieser Welt helfen kann. Es gibt einfach kein Rezept. Erziehungsratgeber finde ich selbst selten spannend, habe aber durchaus den ein oder anderen Denkanstoß darin gefunden. Dann habe ich aber auch ein konkretes Problem gehabt und bin alleine auf der Stelle getreten und habe nach Ideen gesucht. Ich habe dann die Ratschläge alle mit meiner Situation und meinen Kindern abgeglichen. Ich habe immer auf mein Bauchgefühl gehört. Das Bauchgefühl ist so wichtig und das, was bei vielen immer mehr verschwindet. Das kann man beobachten. Wieso sonst gibt es so viele Ratgeber?
    Man sollte den Eltern, zutrauen alleine das Richtige entscheiden zu könne. Die Eltern sollten sich zutrauen alleine entscheiden zu können. Ob sie ihre Babys viel oder wenig tragen, stillen oder nicht und auch wie sie die Erziehung später gestalten. Also das Bauchgefühl sollte ernst genommen und gestärkt werden. Anstatt zu sagen, ach du spinnst aber, sollte man sagen, bravo Mama.

    Man sollte andere auch nicht in ihrem Handeln bewerten, wenn man nur einen kurzen Einblick hat. Es wird seinen Grund haben. Natürlich gibt es auch Familien, wo etwas nicht richtig läuft. Wenn man Einblick in mehr als eine Situation hat, fällt einem doch manchmal etwas auf. Das ist aber auch ein anderes Thema.

    Wie ist es nun mit dem Brüllen?
    Ich bin eine laute Persönlichkeit. Ich lache und freue mich laut, ich schimpfe laut, ich ärgere mich laut, ich rege mich manchmal künstlich laut auf.
    So haben Kinder auch ihre Eigenschaften. Mein Sohn ist ein leiser Kandidat. Das Sirenchen eine Laute. Das Köpfchen irgendwas dazwischen. Die sind mit ihren Persönlichkeiten so auf die Welt gekommen und unseren Persönlichkeiten prallen nun aufeinander. Wir müssen miteinander umgehen lernen. Und wir gehen nicht alle gleich miteinander um.

    Es fängt damit da, dass der Sohn nicht so gerne kuschelt. Jedenfalls nicht lange und auch nicht zu feste. Das Sirenchen hingegen kuschelt gern und viel und drückt einem dabei die Luft ab vor Liebe. Das Knöpfchen kuschelt gerne viel und zärtlich. Somit muss ich mit jedem auf seine Weise kuscheln. So muss ich das aber auch in Konflikten jeweils anders reagieren.
    Mit dem Sohn muss man mehr diskutieren. Er ist sehr analytisch. Immer geht das nicht. In Gefahrensituationen und einzelnen ungünstigen Begebenheiten geht nur die autoritäre Keule.

    Mit dem Sirenchen muss man leider öfter laut sein. Sie ist selbst laut und das was man sagt, dringt garnicht zu ihr durch. Sie hört es nicht, auch nicht, wenn man sich auf Augenhöhe begibt und den Blickkontakt sucht, weil sie in ihrem Gedanken gefangen ist. Sie blickt durch einen durch und selbst wenn man sagen konnte, was man wollte, bzw ihr antwortet auf ihre Frage, so wird sie wieder die gleiche Platte von zuvor abspielen. Wann immer es geht, warte ich, bis sie wieder ansprechbar ist. Manchmal geht es aber nicht. Oder ich halte es nicht mehr aus, weil davor schon massiv auf meinen Nerven herumgetrampelt wurde. Dann muss das unterbrochen werden. Für mich, für sie. Ich muss sie dann anbrüllen, damit die Worte in ihren Verstand durchdringen. Danach ist sie wieder auf diesem Planeten. Als hätte man einen Knopf gedrückt. Sie war dann gefangen in ihrem Ärger. Ich mag diese „Eskallationsstufe“ nicht. Mir ist aber bisher nichts anderes gelungen und auch nichts neues eingefallen. Das Ablenkungsmanöver: „ooooh da fliegt was, guck mal schnell!“ funktioniert nämlich auch nicht. Kommt in ihrem Verstand nicht an.
    Beim Knöpfchen reichen derzeit noch Blicke und Gesten. Sie sucht den Blickkontakt bei allem.

    Manchmal verwandle ich mich zu Fräulein Rottennmeier, der gestrengen Gouvernante. Ich mag das überhaupt nicht. Manchmal geht es aber nicht anders, oder ich bin grundgenervt. Weil ich auch mal schlechte Laune habe oder gar einfach mal angeschlagen. Es geht dann mit mir durch und da schimpfe ich zu sehr und verhänge voreilig alberne Verbote. Ich ärgere mich dann sehr über mich, über die Situation, über alles.
    Man kann Kindern aber durchaus sagen, dass es einem leid tut und man da Mist verzapft hat. Eine Rumpelstilzchen-Mama kann im Nachgang auch lustig sein. Verzeihen können Kinder gut. Ich versuche es immer besser zu machen. Aus Fehlern lernt man: Auch in seine Mutter- und Erziehungsrolle muss man rein wachsen und lernen.

    Ich bin also manchmal autoritär, so wie ich im Gegenzug auch eine komplett alberne Mama bin, die laut lacht. Über sich, über die Kinder, über die Situation. Ich bin manchmal antiautoritär, weil ich denke, is jetzt auch egal. Ich bin meistens irgendwas in der Mitte. Vor allem bin ich immer ehrlich in meinen Reaktionen. Ich bin authentisch, ehrlich und verlässlich.
    Es gibt kein emotionales Ratespiel. Man merkt mir an, was Sache ist.

    Eltern die auch mal brüllen, sind authentisch! Und sich danach wieder zu vertragen, ist doch herrlich! Runtergeschluckter Ärger macht nämlich krank und verbittert. Damit ist keinem geholfen.
    Das ist auch ein Stück weit Streitkultur. Hat man gelernt, dass mal die Fetzen fliegen und man sich danach wieder verträgt und nicht nachtragend sein muss, dann ist das eine prima Voraussetzung sich zu trauen, seine Meinung offen kund zu tun, anderen das auch einzugestehen und danach ein konstruktives Gespräch zu finden!

    Ich fasse zusammen: Eltern sollten authentisch und klar sein. Eine klare Entscheidung treffen können ist wichtig und wird so vorgelebt und gelernt. Nichts ist schlimmer als nicht wissen, was jetzt zu tun ist. Und damit meine ich nicht Langeweile beim Spielen. Verunsicherung macht Angst und blockiert. Deshalb sollten Eltern auch an einem Strang ziehen. Sonst führt das zu Verunsicherung und blockiert alles.
    Zur Aufgabe der Eltern gehört auch, zu sehen was das Kind für eine Persönlichkeit hat und Stärken und Schwächen zu regulieren. Und die Eltern sollen auch ihre Persönlichkeit dabei beachten. Eine laute Mutter kann nur schwer ein zartflüsternde Mami sein, genauso wenig, wie eine leise Mama eine resolute laute Mutter sein kann. Ein leises Kind kann man nicht zu einem lauten erziehen und ein lautes vielleicht zu einer etwas kontrollierteren Lautstärke führen. Leise wird es nie. Versuchte man anders zu sein, man würde sich verstellen und alles viel komplizierter machen, als es ist. Sei du selbst, dann kann das Kind das auch.

    Erziehung und Beziehungen sind immer Arbeit. Egal wie man es gestaltet. Bequem ist anders.

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