Ich gegen mich.

1) Immer wieder spülen meine Timelines Artikel in mein Blickfeld wie jüngst „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ von Franziska Schutzbach. Artikel also, die irgendwie mehr oder weniger mit dem „regretting  motherhood“-Ding zu tun haben.

2) Mein letzter Artikel ist vom 13. Dezember. In meinen jüngsten Artikeln ging es häufig nicht oder nur am Rande um Elternschaft, Mutterschaft, Leben mit Kindern.

3) Ich stecke mitten in einem Morbus Crohn-Schub und bin aktuell zusätzlich auf Cortison-Entzug. Ich fühle mich wie von jemandem ausgekackt, der einen dauerhaft entzündeten Darm hat. Sorry, für die Direktheit. Ich schlafe abends 21 Uhr mit den Kindern ein, wache kur nach 7 auf und fühle mich wie vom LKW überfahren. Meine Augen sind entzündet, ich hab Akne und ein Neurodermitis-Schub kündigt sich an. Wie schon so oft habe ich das Gefühl, dass mein verdammter Körper nicht für dieses verdammte Leben gemacht ist. Im Dschungel wäre ich vermutlich längst tot. Mit oder ohne Schamane.

4) Prüfungsphase. Ich müsste für die Statistik-Klausur lernen. Ich fühle mich zu alt für Klausuren. Ich habe Hass auf diese Form des Geprüft-werdens. Ich will das nicht mehr! Aber ich mag das Studieren (manchmal) noch immer ganz gern. Wenn nur der Zeitdruck nicht wäre.

5) Schlechtes Gewissen und Hass auf mich selbst. Ich will nicht jammern. Ich will nicht jammern. ICH WILL NICHT JAMMERN!!!

Ich denke ständig an diesen Blog. Ich denke daran, wie gerne ich schreibe. Aber ich fühle mich leer. Habe ich nichts mehr zu sagen? Habe ich mich eingefunden, in die Elternschaft? Nicht wirklich oder: Mal mehr, mal weniger. Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Meine Kraft verlässt mich nach kurzer Zeit. In mir und in der Couch sind Magnete befestigt, die sich beständig zueinander hingezogen fühlen. Ich will die Rollläden schließen, mich in eine Decke einigeln und mich tagelang mit Steinzeit-Dokus ablenken vom hier und meinem erschöpften Körper.

ICH WILL NICHT JAMMERN!!!

„Durchziehen“ denkt ein Teil in mir. „Fresse halten und DURCHZIEHEN! Reiss dich mal zusammen!!!“ Wenn ich indigene Frauen sehe, die in brasilianischen oder venezuelanischen Regenwaldgebieten schweres Zeug auf dem Kopf kilometerlang von A nach B tragen… und daran denke, wie ich fertig, schwitzend, keuchend in der Bahn stehe und fast zusammenbreche, nachdem ich einige Meter rennen musste… METER! NICHT KILOMETER!!! „Verzärtelt“ nennt Nietzsche das. Die Arschlöchin in mir spuckt mir das Wort vor die Füße: VERZÄRTELT! Und ich fauche zurück: Und? Nietzsche war ein herrischer Antisemit! Warum sollt ich mir von DEM was vorwerfen lassen?!

Es gäbe so viel zu sagen. In meinem Kopf denkt sich so viel zusammen… Und so vieles davon halte ich durchaus für mitteilenswert. Aber der Flow fehlt. Die Zweifel hingegen sind erdrückend. Hört sich alles so bescheuert an. Ist nicht zu Ende gedacht, nicht rund. Ich bin damit noch nicht fertig. Und kurze Zeit später ist der Gedanke schon überholt und ich bin ganz froh, ihn für mich behalten zu haben. Außerdem leidet auch meine Koordination unter meinem körperlichen Zustand. Ich treffe kaum die Tasten, verschreibe mich ständig. Lange am Rechner arbeiten geht auch nicht, Augen sind entzündet.

ICH WILL NICHT JAMMERN!!!

Franziska Schutzbach schreibt: „Nicht selten fühlte es sich so an, als sei ich in einem viel zu schwierigen Job, den ich aber nicht wechseln, nicht künden konnte.“ – das kann ich nachvollziehen. So geht’s mir oft auch. Womit wir beim schlechten Gewissen wären. Gestern habe ich meinen Körper zur Kita geschleift, um die Kinder abzuholen. Menschen, die sich mit Depressionen herumschlagen, können vielleicht nachvollziehen, was für eine monströse Aufgabe das sein kann, wenn man eine üble Phase hat. Oft schleift man dann auch tatsächlich nur den Körper, führt Automatismen aus, spult Abläufe ab. Anwesend bin ich nicht wirklich. Ich mache Dienst nach Vorschrift, an solchen Tagen. „Ich hatte ‚Dienst am Kind'“ zu sagen, fühlt sich dann gar nicht mehr so lustig an, wie ich es sonst meine. Aber zurück zum Gestern.

Die Mutter einer Freundin von P. schlug vor, gemeinsam mit den Kindern in die Bibliothek zu gehen. Der Sprachautomat am oberen Ende meines Körpers sagte „Ja, gerne.“ – der antwortete übrigens auch kurz zuvor „Alles gut.“ auf die Frage, wie es mir geht. Der verbannte Teil im Kopf plärrte: „NEIN! NEIN! NEIN! NACH HAUSE! WIR WOLLEN NACH HAUSE!!! BIST DU BESCHEUERT??!?“ Ich zog den Kindern ihre gefühlten 4000 Lagen Winterklamotten an, schwitzte dabei wie ein Schwein, Schwindel… P.s Freundin ging es dann nicht gut, Bibliothek fiel also aus, wir gingen also doch nach Hause. „Couch, Couch, Couch“ hallte es durch meinen Kopf. „Du kannst doch nicht immer. nur. rumhängen! Du bist noch nicht einmal 30 Jahre alt! Was bist du für ein Vorbild?“ wettert die Arschlöchin. Ich ducke mich weg, fühle mich schuldig. Ich will gerade nicht sein und schon gar kein Vorbild für irgendwen.

Wir gingen, weil ich das für eine gute Idee hielt. An den kalt-regnerischen Tagen gehen die in der Kita nicht viel raus. Frische Luft, gesundheitlich und pädagogisch wertvoll und so. Es pisste, es wurde dunkel und nach kurzer Zeit wollte T. getragen werden. Ich hab das einfach nicht länger als ein paar Minuten hinbekommen. Erklär das mal einem 2,5-jährigen. P. stellte derweil Fragen am laufenden Band. Zuhause sollte ich vorlesen. Eine Geschichte reicht nicht. Wenn ich einwerfe, dass ich lieber nur eine vorlese, weil ich es sinnlos finde, 10 hintereinander vorzulesen: „Du bist gemein!“-Geschrei. „Ich halte das heute nicht aus!“ in meinem Kopf. Immer wieder. „Reiß dich zusammen!“ Immer wieder. Gucke auf die Uhr: 17:00. Rechne nach, wie viele Stunden es noch dauert, bis Bettzeit. Schon die Frage macht mir ein schlechtes Gewissen. Ich wähle den Notausgang und schalte die Glotze an. Sie läuft mehrere Stunden, bis zum Abendbrot. Ja, auch vor T.s 2,5-jähriger Nase. Wir gucken „Frozen Partyfieber“, „Maulwurf“ und fast alle Folgen „PeppaWutz“. Und nein, das ist kein ganz außergewöhnliches „ausnahmsweise mal“. Es ist zwar nicht alltäglich – wir versuchen irgendwie die 2 Folgen-Sache durchzuziehen… Aber: Der Geist ist willig… und der Geist ist schwach. Oder so. Als ich den Fernseher endlich ausschalte, weil ich den Tisch für’s Abendbrot gedeckt habe: Geschrei. Gebrüll. „Du bist gemein!“ Die Kinder sind eindeutig drüber, ich merke das und ärger mich über mich selbst. „Selbst schuld!“ raunz die Arschlöchin. „Das ist sehr hilfreich“ blaffe ich zurück. P. zetert lautstark vor mir rum. „Ich klatsch dir gleich eine!“ sage ich. Plötzlich. Ja, das habe ich wirklich gesagt. (Aber noch nie – ich schwöre! – gemacht!) P. war natürlich entrüstet und weinte „Sowas darf man nicht sagen!“ noch lauter, zurecht, natürlich. „So redet man nicht mit Kindern!“ Ja, sie hat Recht. Und ich schäme mich. Und ich bin so fassungslos über mich selbst: Immer wieder ist da diese unglaubliche Wut, die Hilflosigkeit und immer wieder der Drang, das laute Kind überzeugen zu können, abzustellen… Und nichts funktioniert. Keine Rücksicht, keine Einsicht, nur laut und kräh. Und die eigenen Ideale, an denen ich immer und immer wieder scheitere. Verständnisvoll sein, ruhig bleiben, … Später versuch ich ihr, mich zu erklären. „Schon gut“ sagt sie, wie immer in solchen Situationen.

Ich fühl mich ständig wie die Ärzte in dem Zeit-Artikel „Kranker Job“.

Szenenwechsel.

Mitte Januar bin ich fünf Tage auf einer Seminarfahrt gewesen. Davon abgesehen, dass mich das Thema interessiert hat, stelle ich rückblickend (fast mit Erschrecken) fest: Das Burn-Out-Gefühl war weg. Ich hab interessante Gespräche geführt, gute Leute kennengelernt, konnte spontan sein und trotz wenig Schlaf fühlte ich mich geradezu energiegeladen. Als K. mich am Abreisetag abholte, war ich euphorisch, ich fühlte mich wie als hätte jemand den Akku gewechselt… Und ich freute mich so richtig, meine Kinder wiederzusehen! Die hatte ich nämlich tatsächlich nach drei Tagen vermisst. Und als wir wieder zusammen waren, konnte ich sie wieder sehen! Und vor allem sehen, dass ich sie vorher nicht mehr gesehen hatte, vor lauter Trott. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir dieses Gefühl und diesen Blick auf K. und die Kinder irgendwie zu erhalten. Das ist jetzt 2,5 Wochen her. Immer mal raus, immer mal Abstand, das wäre so wichtig. Aber ich habe das Gefühl (die Befürchtung), dass mein Bedürfnis danach zu groß ist. Es wundert mich nicht, dass getrennt lebende Eltern, die sich die Betreuung der Kinder teilen, oft sehr viel entspannter wirken. (Wie’s den Kindern damit geht, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt.)

„Mutterschaft ist für mich etwas schmerzhaft Ambivalentes.“ zitiert Franziska Schutzbach eine Mutter in ihrem Artikel. Ja und ja und ja! Diese Ambivalenz ist für mich derart spürbar, dass ich sie manchmal kaum aushalten kann. Wenn ich abends mit den Kindern im Bett liege und darauf warte, dass sie schlafen, spüre ich sie. Weil ich es liebe, so nah bei ihnen zu sein, ihren Atem zu hören, für sie da zu sein. Und weil ich es gleichzeitig kaum ertragen kann, diese Nähe, das Gewusel, die laaaaange Zeit, die sie brauchen, um zur Ruhe zu kommen, der Termindruck im Nacken, weil es noch etwas zu erledigen gibt oder einfach der nicht wegzudrückende Wunsch meinerseits, mal machen zu können, was ich will. Wenn ich in irgendwelchen Kinder-Ghettos bin, spüre ich es. Weil ich Kinder mag und Kinder gern beim Spielen zusehe, aber ich möchte eigentlich Beobachterin bleiben. Ich will und muss da nicht mitmachen. Ich halte das auch für Quatsch. Aber das interessiert meine Kinder ja nicht, die von mir fordern, mit ihnen auf dem doofen Klettergerüst rumzukraxeln. Wenn mein Körper am Ende ist – wenn ich am Ende bin – spüre ich es extrem deutlich. Wenn sich alles nach Auszeit, Rücksichtnahme, Ruhe, Regeneration sehnt, das aber einfach nicht drin ist. Und ich auch gar nicht einschätzen kann, ob wirklich mein Körper die Ruhe braucht oder meine depressiven Anteile mal wieder zuschlagen. Ist es richtig, sich immer wieder selbst anzutreiben, durchzuziehen, sich die Ruhe nicht zu gönnen, weil ich damit einer depressiven Phase die Stirn biete? Oder wäre es angebracht, zur Ruhe zu kommen, zu regenerieren, um den Schub nicht noch schlimmer werden zu lassen oder zumindest einzugestehen, dass so viele Entzündungsherde im Körper zu Energieverlusten und Schlappheit führen?? Oder ist meine Schlappheit am Ende doch der Versuch, die Verantwortung abzugeben, ein Weg, mich zurückzuziehen? So habe ich das als Kind schon (unbewusst) gemacht, um mir Auszeiten zu verschaffen.

Franziska Schutzbach schreibt weiter:

Der Punkt ist, dass diese Hyper-Verantwortlichkeit in Konflikt steht zu jenem bis heute gültigen Menschenideal: dem autonomen Subjekt. Selbstbestimmtheit und Individualismus sind die Prämissen unserer Zeit und heute auch bei Frauen verbreitet. Gleichzeitig schaffen es gerade die Frauen qua kulturellen Zuschreibungen und fortbestehender ungleicher Arbeitsteilung selten, dieses Phantasma zu erreichen. Manche können den Konflikt einigermaßen lösen, weil sie trotz oder gerade wegen des vorherrschenden Individualismus Befriedigung daraus ziehen, gebraucht zu werden (sei es, weil sie sich mit dieser Art ‘Mutterrolle’ identifizieren, sei es aus anderen Gründen). Aber was, wenn das nicht funktioniert? Wenn dieser Konflikt nicht lösbar ist? Mich persönlich machen das Gebraucht-Werden, die Unausweichlichkeit der Eltern-Funktion nervös, sie bedroht oft genug meine schiere Existenz. Auch gibt mir das Bemühen um das “Richtige” (die passende Musikförderung, die wirksamsten homöopathischen Kügelchen, die richtige Erziehungsmethode, die beste Kita) wenig Befriedigung, ich kann mit dieser Art Tätigkeiten einfach nicht viel anfangen. All dies ist übrigens – wie bei den Müttern in besagter Studie – unabhängig von der Liebe, die ich für meine Kinder empfinde.

Die Sache mir der Autonomie, dem Subjekt-sein, dem Individualismus, dem freien Willen und Wollen gehört zu so einem Komplex, über den ich so viel mitzuteilen hätte. Aber ich kriege die Gedanken nicht geordnet, finde überall schlaue Worte von Menschen, die schon alles dazu gesagt zu haben scheinen. Braucht es meinen Senf noch dazu? Das Gefühl, dass alles schon viel besser gewusst, gesagt, getan worden ist, hat mich schon als Kind eingeschüchtert und gelähmt.

Franziska Schutzbachs Gefühle kann ich nachvollziehen und ich teile sie zum Teil mit ihr. Wenn ich mittwochs mit meinen Kindern zu Kawi gehe, um dort die Musikkurse der Kinder mitzumachen – zumindest bei T., P. geht mittlerweile allein -, dann kommt mir diese Szenerie manchmal völlig bekloppt vor: Wie diese erwachsenen Menschen (meist Frauen) dort im Kreis sitzen, ihre Kinder auf dem Schoß, „Babababa“ wiederholen, Tücher wie Schneebälle werfen oder auf allen vieren durch den Raum robben, die Kinder auf dem Rücken sitzend… Und manchmal denke ich mir auch: Warum stellt man sich eigentlich so an? Was hat es auf sich, mit diesen Gefühlen der Peinlichkeit und Scham in solchen Situationen? Warum kommen die gerade dann, wenn wir mit unseren Kindern singen und tanzen? Warum fühlen sich überhaupt fast alle unwohl, beim laut singen und haben sogar fremdschäm-Gefühle angesichts von Leuten, die ohne Rücksicht auf Schönheit singen und tanzen. Fast neidvoll denke ich an die Bilder der Himba (und auch vieler anderer indiginen Stämme), die ausgelassen in Gruppen singen und tanzen… Was ist der Unterschied zwischen unserem Leben und deren? Warum können sie so ausgelassen sein und wir nicht?

Was soll ich also sagen? Ja, ich leide. Im Moment. Und immer wieder. Aber leide ich darunter, Eltern zu sein? Würde ich weniger leiden, wenn ich nicht verantwortlich wäre für zwei Heranwachsende?

Ich habe das Gefühl, das Falsche am „modernen Leben“, die Eingerichtetheit der Gesellschaft als Eltern sehr stark zu spüren. Das war vorher nicht so stark oder nicht so eindeutig. Die individualisierte, rationalisierte Lebensweise passt einfach nicht zusammen mit Familien und heranwachsenden (irrationalen) Menschen. Auf mich selbst gestellt käme ich damit vielleicht besser zurecht. Weil ich anpassungsfähiger wäre oder meinen Auf- und Widerstand konsequenter ausüben könnte. Weil Regeneration und Aktivität selbstbestimmter ablaufen würden. Weil mich meine sozialen Rollen vielleicht weniger Kraft kosten würden oder ich mich rausnehmen kann, wenn’s mir mal wieder zu viel wird, weil ich selbst mir in sozialen Kontexten zu viel bin. Weil ich gefallen will, weil ich nicht abgelehnt werden will, weil ich kräftezehrend aufdrehe bis mir das Gesicht glüht. Und weil ich darüber keine Kontrolle habe. Ünerhaupt wäre es vielleicht nicht so anstrengend, weil ich die Illusion, die Kontrolle zu haben über mein Leben, leichter aufrecht erhalten könnte. Vielleicht wäre die Vereinzelung auch nicht derart schmerzhaft spürbar… Weil ich mich weniger stark nach einem Clan sehnen oder einfach in irgendein Hausprojekt ziehen würde. Weil ich mich immer dann in Gesellschaft begeben würde, wenn mir danach ist. Andererseits würde ich daran und darunter leiden, dass es mir an Sinn fehlt. Die Sinnfrage würde mir das Hirn zermartern und ich würde mich vermutlich nicht viel weniger zerrissen fühlen als jetzt. Nach dem Sinn frage ich mich jetzt nicht mehr. Der Sinn krabbelt jeden morgen in zweifacher Ausführung in mein Bett.

Wenn man gelernt hat, alles zu hinterfragen, dann sind Elternschaft und die eigenen Kinder davon nicht ausgenommen. Wie Franziska Schutzbach auch schreibt, ist das Ideal unserer Zeit, in unseren Gefilden (!) Selbstbestimmtheit, kritisches Hinterfragen, das eigene Leben selbst in die Hand nehmen, autonom sein. Ich halte das grundsätzlich für eine Illusion. Autonomität ist nichts, was ich für realisierbar halte. Wir werden verantwortlich gemacht, für die Entscheidungen, die wir treffen. Dabei ist jeder Mensch beeinflusst von allen möglichen Dingen, auf die wir zum Teil noch nicht einmal Zugriff haben. Die Menschheit überschätzt sich selbst, das Denken und die eigene Rationalität gewaltig.

Wir sind es gewohnt, uns dagegen entscheiden zu können, abzubrechen, wenn uns etwas nicht passt. Mit Kindern hört genau das auf. (Obwohl der Schritt natürlich auch jenseits von Abtreibungen nach der Geburt prinzipiell möglich wäre. Man könnte sich sehr wohl dafür entscheiden, die Kinder wegzugeben, sich dagegen zu entscheiden… Aber wer geht diesen radikalen Schritt und begründet das mit dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung?)

Und dieses Hinterfragen, kritisch sehen, selbst bestimmen wollen steht womöglich in direktem Gegensatz zu den geradezu archaischen Programmen, die meiner Meinung sowohl in uns, wenn wir Eltern werden als (und besonders) auch in den Kindern ablaufen. An Kinder kommen wir mit unseren rationalen Techniken nicht ran. Und auch unsere absolut rational eingerichtete Welt passt nicht zu unseren irrationalen Kindern. Und genau das macht es so scheiße schwer. Es fühlt sich an, als müssten wir Eltern die verdammte rationale Suppe auslöffeln, die die Menschheitsgeschichte uns eingebrockt hat. Und das auch noch weitgehend jede_r für sich allein bzw. als Kleinfamilie.

Ich sehe gerade nur einen sinnvollen Ausweg: Zusammenrotten! Wir müssen weg von der Kleinfamilie und hin zum Clan! Gründet Hausgemeinschaften mit Gärten, schmeißt eure Kinder zusammen und lasst sie gemeinsam spielen, statt sie mit gezwungenem Lächeln zu bespielen. Ich kriege gerade ständig mit, dass immer mehr Familien sich danach sehen. Das Teuflische ist: Die meisten sind heute derart eingebunden in Verpflichtungen, dass ihnen Energie, Zeit und Geld dafür fehlen, etwas zu realisieren, was womöglich dazu führen könnte, mehr Energie, Zeit und Geld zu haben. Genau so geht es uns gerade. Und es kotzt mich an.

31 Kommentare zu “Ich gegen mich.

  1. Ein wunderbar ehrlicher Artikel! Nix geschönt, nichts versteckt, sehr direkt.
    Ich bin mal so frei und schilder dir unvermittelt meine Gedanken dazu. Vielleicht hilft dir das etwas?Wenn nicht, bleibt es bei einem ehrlichen Lob in meinen oberen Zeilen;).:
    Ich bin ebenso der Meinung das Clans die Lösung sein können. Denn nicht jeder Omi oder Opa wohnt um die Ecke…
    Jesper Juul lese ich immer wieder. Seine Gedanken helfen mir eine Mitte zu finden. Das dauert, aber ich kann ihn immer wieder empfehlen. Nein sagen ist eine wichtige Botschaft für sich selbst und! für deine Kinder. Denn sie lernen soooo viel einem. Das macht mir z.B. Angst und Druck, gleichzeitig bringt es Freude und entfaltet Neugierde. Nein sagen ist m.E. eine der wichtigsten Botschaften in jeder Beziehung, gerade die zu unseren Kinder. Dieses Selbstbewußtsein sollte erarbeitet und aufgebaut werden. Das kann nur funktionieren wenn auch die Eltern Nein sagen können und auch das Nein sagen der Kinder in so vielen Situationen wie möglich akzeptieren.
    Ich sage auch Nein in Situationen die mir schwer fallen. Immer schaffe ich das noch nicht. Danach fühle ich mich jedoch wie ein Geist der funktioniert, weil ich ja das Beste für mein Kind will. Und vergess mich dabei. Das kann nicht der Weg sein. Manchmal tue ich etwas weil mein Kind daran Freude hat, auch wenn ich keine Lust darauf habe. – Da bin ich jedoch nicht an meiner Kraftgrenze;).
    Ich versuch das so: Behalte Hobbys- freunde dich mit Unregelmäßigkeiten an. Aber behalte sie. Behalte auch so deine Beziehung zu dir. Beziehungspflege mit dem Partner- wie auch immer das aussehen kann. BABYSITTER! Ich liebe meine BABY/KINDERSITTERFREUNDIN;)!
    Wenn dir offensichtliche Dinge wie Musikunterricht keinen Spaß machen, frage deinen Partner(?) ob er das nicht mit den Kindern machen kann. Oder ein Kindersitter. Oder vielleicht wollen deine Kinder das gar nicht und es wäre nicht wild das abzubrechen? Vielleicht bleibt alles so, aber vielleicht auch nicht? Probieren?…. – Ein Hobby finden was dir und deinen Kindern Spaß macht?..
    ..Ok, ist länger geworden.
    Liebe Grüße von einer fleißigen Leserin:)

    • Neenee, mir macht der Musikunterricht schon Spaß. Aber ich würd halt lieber zuschauen als mitmachen. Bei dem speziellen ist aber, zumindest so lang die Kids klein sind, das Mitmachen wesentlich. Und ich find es auch sinnvoll, quasi… Und eher seltsam, dass man sich immer so anstellt, einfach mal ausgelassen irgendeinen Quatsch zu machen. Die Sache mit dem Schämen und so. Ist doch eigentlich Bullshit.

  2. Das ist so ungefähr das, was mir auch gerade durch den Kopf geht. Der dunkle Winter tut sein Übriges, die Gedanken besonders grau werden zu lassen. Ich habe das große Glück, dass wenigstens der Körper einigermaßen mitmacht, aber die Erschöpfung und der Lagerkoller machen mir gerade massiv zu schaffen. Keine Kinder auf der Straße – alle beim Turnen, beim Englisch, beim Ballett, die Hausaufgaben machend und danach keine Zeit mehr habend. Die freie Schule – selbst gewählt – nur 5 km weiter weg – aber mit einem Einzugsgebiet, das einfach groß ist und Spontanbesuche verhindert.

    Uno-süchtige Kinder, die Frozen-Monopoly spielen wollen, eine Mutter, die einfach nicht gerne spielt und sich fragt, warum sie die wertvolle Zeit nicht vernünftig nutzt. Herrje – es werde endlich Frühling – für den Bewegungsdrang, für die Sonne und für die Freiheit.

    Es werden bessere Zeiten kommen – und dann hoffe ich, auch wieder mehr von Dir zu lesen. Bis dahin: Gute Besserung!

    Liebe Grüße
    Danielle

  3. Ein ehrlicher Beitrag, in dem Du einen gewaltigen Mut zeigst und so unheimlich viel von Deinem aufgewühlten Inneren preisgibst!! Sicherlich taumelst Du gerade durch eine anstrengende, energielose Zeit, an deren Ende Du zweifeln magst. Doch ich hoffe, dass Dir alleine schon das Niederschreiben Deiner Gedanken und derzeitigen Gefühle etwas Last von Deinem Rücken nimmt! Ich bin nicht gut im Tipps geben und habe das auch gar nicht vor, sondern wünsche Dir, dass Du stark bleibst- nicht nur für Deine Kinder, sondern vor allem für Dich selbst!! Und ab und an mal einigeln ist trotzdem ok. Viele Grüsse unbekannterweise. Claudia

  4. Wow! Das war ja mal ein langer & ehrlicher Text. Bei uns ist es im Moment manch mal ähnlich, für mich ist die Arbeit ein wichtiger Punkt. Ich habe den Beruf aus dem Zeit-Artikel und 24-Std-Dienst passt nicht gut mit „nicht-fit“ zusammen. So einen Dienst am selben Tag absagen ist aber auch richtig blöd. Schon wieder krank ist aber nicht planbar und grade weil absagen blöd für die Kollegen ist, versucht mensch natürlich bis zuletzt, es sich zu schaffen. Und die Kinder? Fordern, nölen, rufen „ungerecht“ oder „blöde Mama“ und man fragt sich, warum mit so viel Mühe solche Monster erschaffen hat, die nicht mal bei erkältungs- und kopfschmerzgeplagten Eltern das verdammte Hörspiel etwas leiser machen können nachdem man ihnen vorher tage- und nächtelang alles, aber auch alles ans Bett/Sofa gebracht hat, nächtelang über Fieberzäpfchen/-Saft/-Granulat/-Tablette (braucht jemand was? Wir verfügen über alle Darreichungsformen…)bei über 40 Fieber diskutiert hat und immer verfügbar war. Mensch fragt sich, warum nur nach einem lange zurückgehaltenen (frau hat ja pädagogische Prinzipien) Rumbrüll-Anfall die Message ankommt und warum es nicht anders geht….und dann ist da immer wieder die Idee: mach doch weniger! Nimm dir mehr Zeit! Für die Kinder (die sind ja sooo schnell groß), den Partner (pass auf, sonst trennt ihr euch bald!), die Freunde, den Sport, das, was dich glücklich macht,…Äh ja, und da passte es schon lange nicht mehr, denn leider wird die Liste trotz guter Vorsätze nicht kürzer…also, ich hab leider keine Lösung, aber du bist nicht allein! (Nur sowas fieses wie Crohn UND Neurodermitis, echt, war das so wie bei diesem Panem-Dings, als „fiese, gemeine Krankheiten“ verteilt wurden? Musstest du irgendwen haushauen und hast sein Päckchen mit übernommen?! Nee, echt, da hätte ja auch mal jemand anders mit anpacken können….) Die Idee mit den Clans finde ich übrigens gut – theoretisch! Praktisch kostet auch das viel Zeit&Energie….

    • Ich weiß auch nicht, was meine Eltern sich gedacht haben, mit ihrem verkorksten Gen-Material Kinder zu machen ;)

      Zum Job: Hut ab! Ich habe KEINE AHNUNG (!), wie zur Hölle ihr das macht. Das wäre mein Ende. Du hast mein Mitgefühl. Ist bestimmt übelst hart. (Wann und wie kommst du bitte dazu, meine überlangen Artikel zu lesen? ;-) )

  5. also falls du wen zum abhängen und gemeinsam rumzweifeln suchst, ich war auch erst im Kawi Kids heute und bin mit heulendem Baby geflüchtet! Ich glaube dem war es zu viel, er ist ein Baby im Körper eines Opis

  6. Ganz viele Ähnlichkeiten kann ich aus Deinem Text herauslesen. Bin aber so wirr, dass ich die gar nicht kommunizieren kann jetzt.

    Ja, das dauernde Hinterfragen. Weil man, oder noch viel mehr: Frau heute so viele vermeintliche Optionen hat. Das Kinderhaben ist nur eine davon. Aber eine endgültige. Habe für mich ganz frisch beschlossen, dass ich das nicht mehr machen will – hinterfragen, ob es die richtige Entscheidung war, Eltern zu werden, und ob es als Nicht-Eltern vielleicht nicht doch schöner gewesen wäre.

    Weil, 1) ist es jetzt halt so, und alles Lamentieren wird mich nicht erlösen, und 2) Zumindest in meinem Fall wäre ich als nicht-Elter auch nicht glücklicher, weil ich nun mal das Talent habe, wegen allem möglichem Scheiß unglücklich und ausweglos zu sein.

    • „weil ich nun mal das Talent habe, wegen allem möglichem Scheiß unglücklich und ausweglos zu sein.“ – jo, so in etwa kenn ich das auch. Ich hinterfrage das Elternsein nicht so grundsätzlich, im Sinne von bereuen… Aber meinen Neid gegenüber kinderlosen spüre ich manchmal deutlich, zum Beispiel. Bescheuert! Total! Und oberflächlich. Aber nicht einfach abstellbar. Genau wie das lästige Hadern halt.

  7. Wenn ich Deine Artikel lese, ich bin ehrlich , überkommt mich eine Mischung aus Mitleid und Erleichterung. Mitleid weil es mir wirklich Leid tut wie kaputt Du oft sein musst und ja wirklich anscheinend dein Bestes tust um deine Kids glücklich zu machen. Und Erleichterung darüber dass ich nach meinem ersten Kind (ein Unfall mit 17,inzwischen ist sie ein Teenager) entschieden habe kein Kind mehr zu bekommen. Ich mag Kinder auch und liebe meines aber ich habe schnell gemerkt dass diese ganze Welt nichts für mich ist. Bei Krabbelgruppen habe ich mich immer nur fremd geschämt, wie Du ja hier auch beschreibst, ich verstand nicht dass die anderen Mütter scheinbar nicht so empfanden. Arbeiten und abends zum Laternen basteln?Nur meinem Kind zuliebe und danach schnell weg von diesen Nervziegen. Ich habe an irgendeinem Punkt gedacht dass man auf das alles „Lust“ haben muss wenn man ein Kind will, und ich hatte auf nichts davon Lust und liebe mein Kind trotzdem. Heute mit Anfang 30 bin ich sehr zufrieden, ich habe ein Kind -weiß also wie es ist und habe diese Erfahrung machen können- bin aber gleichzeitig jetzt wieder (größtenteils) frei in einem Alter in dem anderen gerade ihr Erstes bekommen . Mit 17 war es erstmal richtig blöd aber heute bin ich so froh dass es genauso gekommen ist, wäre es nicht so hätte ich mein Kind wahrscheinlich später bekommen und wäre jetzt vielleicht in einer ganz anderen Situation.

    Den Wunsch nach einem Clan verstehe ich auch wenn es mir nicht so geht, ich würde nicht gerne mit meinen Eltern zusammen wohnen sondern bin lieber mit Partner alleine oder bzw mit Partner und Kind . Trotzdem hat es natürlich viele Vorteile

    • Hi Sarah. An die Sache mit dem „Man muss darauf Lust haben“ denke ich auch immer mal wieder… Und habe direkt wieder ein schlechtes Gewissen. Prinzipiell stresst das am meisten, finde ich. Diese ständige Selbstverurteilung im Kopf… Für’s Denken und Empfinden kann man ja recht wenig. Und trotzdem fühle ich mich immer schuldig dafür bzw. bin ich einfach traurig und wütend darüber, dass das alles nicht viel mehr mein Ding ist und ich nicht eine von diesen Müttern bin, die darin so total aufgeht. Ich wünschte echt, mir würde das alles total liegen. Aber hey! Ich backe gern mit den Kindern. Is besser als nix :-p

      Ich denke auch, dass es keine doofe Sache ist, früh Kinder zu bekommen. U.a. auch, weil man, wenn die Kids groß sind, noch recht jung ist. Andererseits hat’s auch Nachteile. Wie alles im Leben ;)

      Viele Grüße und danke für deine Erfahrungen!

  8. Was für ein toller, ehrlicher Text! Vielen Dank!
    Ich erkenne mich in vielem wieder – die Müdigkeit, die Lustlosigkeit, am schlimmsten aber für mich die Schuldgefühle. Ich hab so viel gute Vorsätze, so viel gelesen, will achtsam sein, nicht loben, nicht strafen (auch nicht mit genervtem Stöhnen, oder bösen Blicken oder anderweitigem Liebesentzug), aber im Moment bin ich so gestresst (Prüfungsphase, yay) und krank, dass ich beim kleinsten Gegenwind grantig bin. Im Nachhinein tut es mir immer leid, und ich frag mich, woran das liegt dass ich so schnell so wütend werde und mit meiner Geduld am Ende bin… das bin ich bei Erwachsenen nie so schnell. Ich möchte kein Elter sein, die ihr Kind nur „mag“ (also liebevoll, achtsam, bla ist), wenn es „funktioniert“ und es kotzt mich an, dass ich das in all dem Stress und auch all der gesellschaftlichen Last, die ich als Studentin mit Kind ganz selbstverständlich aufgedrückt kriege, trotzdem oft bin.
    Und ich frage mich auch, wie es sein kann, dass ich nie zufrieden bin, dass ich mein Kind vermisse, wenn ich in der Uni sitze und in die Uni will, wenn ich mit dem Kind was mache – wieso kann sich mein Kopf da nicht auf das Jetzt einstellen?! Frustrierend.

    Dein Text hat mir geholfen, Dinge zu benennen, über die ich jetzt in Ruhe nachdenken werden, vielen Dank noch mal – und gute Besserung (falls das der richtige Ausdruck ist)

    • Ich reich dir die Hand!

      Zum Thema „ich frag mich, woran das liegt dass ich so schnell so wütend werde und mit meiner Geduld am Ende bin“: Kennst du den Artikel schon? http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/03/wenn-eltern-wuten-warum-uns-unsere.html – einige Erklärungen finde ich ganz plausibel.

      Nachdem ich einige Tage weg war und dann wieder bei den Kindern war, dachte ich mir: Es IST auch einfach anstrengend mit kleinen Kindern. Es wäre halt schon hilfreich, wenn man sich nicht ständig einreden würde, dass man das hinkriegen muss und besser finden muss. Das macht’s ja noch schlimmer (oder überhaupt erst schlimm). Und dann ist die Frage: Warum ist das so? Warum geht man so schonungslos mit sich selbst um? Warum ist man nicht netter zu sich selbst? Welche Stimmen (und wessen) sind das, die einen runter machen? Wo kommen die her?

      Ich hab mir in irgendein Notizbuch mal so eine Superheldin gemalt und manchmal denke ich dran, die meinen inneren Kritikern entgegenzustellen. Klingt total bekloppt, aber dass meine inneren Kritiker eine Soße aus ganz bestimmten Leuten und gesellschaftlichen Normen sind und nicht „die Wahrheit“, das muss ich mir immer wieder mal selbst erklären. Und dann geht’s etwas besser.

      Aufschreiben hilft mir grundsätzlich gut. Aber da muss jeder ’nen Weg finden.

  9. Genau, den inneren Kritikern Paroli bieten. Versuche ich auch gerade zu lernen… . Dein Text ist einfach supertoll, wieder einmal! Ich erkenne mich ganz viel darin wieder. Ich bin zwar nicht von ganz so schweren chronischen Krankheiten gebeutelt, aber auch nicht ganz gesund und gerade das letzte Jahr war mit unerkanntem Eisenmangel und großer Erschöpfung alles andere als toll. Ich würde gerne, wenn Du magst, Deinen Text auf meinem Blog „rebloggen“, denn ich habe einige LeserInnen, die damit sicher auch sehr viel für sich persönlich anfangen könnten. Also, wenn Du magst… LG

  10. Hallo! Ich habe jetzt die anderen Kommentare nicht gelesen. Vielleicht magst du es, wenn ich meinen Eindruck schildere, vielleicht nicht! Ich mache es trotzdem ;)
    Ich kenne deinen Hintergrund nicht, und bin von einem anderen Blog hierher gekommen, lesen deinen Artikel also völlig losgelöst von allem, was du bisher gesagt / geschrieben hast.
    Dazu ein Beispiel aus unserem Babykurs, das mir als erstes zu deinem Text einfiel: Die Leiterin erklärte, es sei sehr gut, wenn man die Hand / Arm zwischen die Kinder halte, bevor sie sich hauen, kneifen, kratzen, weil es dann eben nicht mehr zu dieser Situation kommt und man dann auch nicht schimpfen muss, wenn sozusagen nix passiert ist. Das schützt auch das übergriffige Kind vor „beschimpft werden“. Die Mutter meinte, manchmal schaffe sie das, aber meisten sei man so träge…. Die Leiterin: „Oder erschöpft. Du musst dich ja nicht so abwerten, nicht so negativ mit dir sein. Man ist doch öfter einfach erschöpft.“
    Das fällt mir ein, weil ich bei deinem ganzen Artikel von einer riesengroßen Erschöpfung lese (kein Wunder, wenn es einem gesundheitlich so schlecht geht). Und du gestehst es dir selbst nicht zu, erschöpft zu sein, nur widerwillig zumindest („Nicht jammern!“). Ich finde, alles was du beschreibst, beruht auf Erschöpfung. Nicht! auf Mutterqualitäten, sondern auf Müdigkeit, auf „Ich kann nciht mehr“. Der in den Kommentaren zitierte J. Juul sagt auch“Wie soll ein Kind lernen, für sich selbst zu sorgen, ein gesundes Selbstempfinden zu entwickeln, wenn es seine Eltern immer wieder dabei erlebt, wie sie Dinge tun, die sie eigentlich nicht tun wollen, wie sie nicht für sich selbst sorgen.“ Hast Du schonmal über Möglichkeiten nachgedacht, mehr Ruhe und Erholung zu bekommen? Teilzeitstudium? Regelmäßige Kinderabgabe bei befreundeten Müttern / Nachbarn / Omas / Papa? Du läufst ohne Sprit und willst durch puren Willen ohne weiterfahren. Jedes Auto wäre nach ein paar Metern Schrott, um auf deinen Sprintvergleich zurückzukommen. Du vergleichst dich mit Indianerfrauen, die gesund! sind, die nicht aleine die Kinder betreuen, nicht studieren! Die Voraussetzungen sind doch gar nicht gleich. Krankheiten sind Mist, Schlafmangel, auch, Kinder sind anstrengend. Deshalb müssen wir auch lernen, für uns selbst gute Voraussetzungen zu schaffen. Ich wünsche Dir alles Gute!

  11. liebe moody,
    es ist nicht so, dass ich deine Gedanken nicht nachvollziehen kann – ganz im Gegenteil!!!, das sind sowas von folgerichtige Empfindungen einer Frau mit Kopf und Herz auf das verzwickte Leben als Eltern in einer entfremdeten, arbeitsteiligen Welt – aber doch und deshalb möchte ich dir zurufen: zerfleisch dich nicht! Schone dich! Vielleicht willst du etwas denkerisch lösen, was nicht in deiner Person, sondern der Beschaffenheit dieser Welt begründet ist.
    Folge deinem Zusammenrottungsimpuls – deine guten Gedanken brauchen einen Boden, auf dem sie zu etwas Schönem wachsen können…

    …ich wohne übrigens auch in Leipzig ;-)

  12. Ui….das ist ja mal richtig ehrlich. Also abgesehen davon, dass ich kawi Kids immer irgendwie eklig finde, kann ich mitfühlen. Ich bin Anfang 20 Mama geworden und war nur von späten Müttern umgeben. Ich dachte damals, die drehen alle durch. Warum nochmal, muss man sich den ganzen Tag über Babybreie unterhalten? Bei meiner zweiten Tochter war ich älter und ich bin richtig angekommen und irgendwie habe ich es geschafft richtige Vollblut- Mama zu werden, die es unfassbar genießt mit ihren Kindern und am liebsten mit beiden zu Hause ist. Ich bin so unendlich dankbar dafür. Zwar habe ich immer noch keine „brei- Gespräche“ und durchs Studieren und Arbeiten genug andere Themen, aber ich wäre definitiv eine von den „bababa- Müttern“, die voller Stolz auf ihr Kind guckt, weil es tatsächlich, man glaubt es kaum, die Hände mit den Klanghölzern bewegt hat. Irre. :)

  13. Wow, ich habe mich selten in einem Beitrag so wiedergefunden wie in diesem hier. Ich weiß – zumindest glaube ich das – so, so, so genau, was Du meinst, wenn du von Deiner Erschöpfung, dem gleichzeitigen Drang, durchzuhalten, diesem Kräftezehrenden schreibst – und dem ganzen Drumherum. Ich habe so oft das Gefühl, damit allein zu sein, gerade auch im Hinblick auf Krankheiten, die einen dauerhaft belasten und das Muttersein noch mal speziell machen. Mir persönlich geht es oft genug so, dass ich denke, ich müsste mich nur mehr anstrengend, damit es leichter ist. Ich weiß, absurd. Es tut wirklich gut, zu sehen, dass auch andere schwierige Situationen wuppen müssen – und dass sie das nicht mit links tun, dass es irgendwie normal ist, dass das Kraft kostet. Danke für Deinen Einblick!

  14. Zitat „Braucht es meinen Senf noch dazu? Das Gefühl, dass alles schon viel besser gewusst, gesagt, getan worden ist, hat mich schon als Kind eingeschüchtert und gelähmt.“

    JA!
    Vor ein paar Jahren (?) habe ich deinen Blog entdeckt. Und in unregelmäßigen Abständen schaue ich immer wieder nach. Weil du das, was ich auch fühle, sehr gut in Worte fassen kannst. Ich bewundere dich für deine Klarheit, Dinge zu sehen und für deine Offenheit, diese dann auch zu benennen.

    In vielen Dingen (auch in deiner Schlussfolgerung, Clans zu bilden) kann ich Dir nur zustimmen! Aber es gibt diese Bewegungen in der Gesellschaft: Hausgemeinschaften bilden sich, Genossenschaften etc.

    Eins noch: Den Tanz der Himba fand ich nicht peinlich anzusehen, das ist wohl eher dein persönliches Ding, was da zum Tragen kommt.

    Ich wünsche Dir gute Besserung! (und ich bin auch aus Leipzig ;-))

    • Neee, die Himba fand ich doch nicht peinlich! Ich hab so ein schamiges Gefühl manchmal, wenn in der Musikgruppe vom Kleinen so rumgehoppst wird ;) Danke für deinen Kommentar! Irgendwie muss ich mal ein Leipzig-Treffen organisieren, glaube ich!

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