Inside #le1212

Ihr habt es in den Nachrichten mitbekomme, vielleicht.

Das ist bei uns vor der Haustür und der größte Krawall lief in der Straße, in der die Kita der Kinder ist. Und weil das so ist, will ich etwas dazu schreiben. Was ging hier ab? Was soll, was kann ich dazu schreiben?

Erst einmal: Nachrichtenmagazine suchen sich krasse Bilder raus. So „Krieg“ wie das in den Nachrichten wirken mag, war es nicht. Dass es Krawall geben würde, war mit Ansage. Warum? Siehe (zum Beispiel) hier: https://twitter.com/mauritz_berg/status/667306993829306369/. Dass die Nazis ihre Demos ausgerechnet hier angemeldet haben, war Provokation.

Vorgeschichte: Connewitz ist die Hochburg der Linken in Leipzig, in Sachsen, vielleicht sogar in Ostdeutschland. Die Nazis haben drei Demos in Connewitz angekündigt. Letztendlich wurden die – aus diversen Gründen – von Connewitz etwas weiter Richtung Stadtmitte, in die Südvorstadt verlegt und aus dem Sternmarsch, den die Faschos vorhatten, wurde eher ein Märschchen von 600 Metern. Angekündigt (und angemeldet) hatten die Nasen 400 Menschen pro Demo. Außerdem wurden mehrere Gegendemos angemeldet, in der kompletten Südvorstadt.

Zur Vorgeschichte gehören auch: Die Demos der LEGIDA-Rassisten wöchentlich, seit nun beinahe einem Jahr, schwankende Anzahl Menschen dort und bei den Gegendemos. Auch ich gehe nicht mehr jeden Montag dahin. Ich weiß nicht, wie viele hundert „Versammlungen“ es in diesem Jahr schon in Leipzig gab. Auch die Anschläge auf Unterkünfte von Geflüchteten zähle ich dazu. Die steigenden Werte der AfD. Die Sticker auf Ortsschildern in und um Leipzig vor einigen Wochen: „Refugees in… not welcome„. Die ganze „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“-Scheiße.

Eine erste Gegen-Demo gab es schon am 11.12. abends. In der Nacht vom 11. zum 12. wurde am Büro eines Linken-Abgeordneten Scheiben eingeschlagen. Kurz-Bilanz ansonsten (Zahlen hab ich auch nur aus den Medien): 2500 Gegendemonstrant_innen. 130-150 Nazis. Haufenweise (!) Polizei in dicken Schutzanzügen, bewaffnet mit Schlagstöcken, Reizgas, 4 Wasserwerfer, ein Räumungsfahrzeug – soweit ich das sehen konnte. Und dann ist da noch die „Krawall“-Bilanz: Fliegende Pflastersteine, zerbrochene Schaufensterscheiben, Werbetafeln, Haltestellenhäuschen, einiges an Sachbeschädigungen (auch Freisitz-Inventar von Kneipen – die Karli, die hier vorn ist, ist die Ausgeh-Meile im Leipziger Süden… Hier reiht sich Café an Café), brennende Mülltonnen + Inhalte, brennender (Sperr-)Müll und Autoreifen.

Die Kinder waren bei meinen Eltern. Der gesamte Morgen war begleitet von Hubschrauber-Geratter, Geknalle (Böller?) und Polizei-Sirenen. Eine ziemlich ungewöhnliche Geräuschkulisse. (Ich frage mich, wie das für die Asylsuchenden ist, die eine Straßenecke von unserem Haus entfernt in einer alten Schule untergebracht sind…) Ich hab den Stand der Lage anfangs über Facebook, twitter und die Live-Ticker der Medien versucht, zu verfolgen. Die ersten heftigeren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und einigen der Anti-Nazi-Demonstrant_innen liefen zu dem Zeitpunkt offenbar schon. K. und ich mussten/wollten im Laufe des Tages eigentlich noch in die Innenstadt, Weihnachtsgeschenke und so. Es ist ziemlich seltsam, sowas vollkommen… bescheuertes vorzuhaben, während vor der Haustür das läuft… Einerseits haben wir uns gefragt, zu welcher Demo wir nun gehen. Und andererseits, wie und ob wir überhaupt in die Stadt kommen. Es fuhren ja keine öffentlichen Verkehrsmittel, mit dem Auto kam man auch nicht durch. Das nächste ungewöhnliche Gefühl: Man kann sich nicht frei bewegen, fühlt sich eingekesselt. Und das waren wir ja auch, irgendwie.

Als wir losgegangen sind, war es ca. 14 Uhr. Start für die meisten der Gegendemos. Wir sind mit den Rädern einfach ein paar hundert Meter gefahren und standen schon zwischen vielen Gegendemonstrant_innen. Die Nazis kamen offenbar gerade vorbei, was wir aber nur erahnen konnten, weil die Polizei Sicht und Weg komplett mit Wagenburgen verrammelt hat. Wir haben Krach gemacht… Und schlecht Luft bekommen, das fiel uns nach einigen Minuten schon auf. Die Polizei hatte an der nächsten Straßenecke offenbar massiv Tränengas eingesetzt. Wir haben nur das, was der Wind rübergeweht hat, abbekommen, und mussten dann echt da weg, weil die Augen tränten und das Atmen zunehmend schwer fiel. (Für mich mit Asthma echt ziemlich uncool…) Einige Menschen waren mit Kindern dort. Es ist tatsächlich auch mehr als fraglich, wie unter diesen Bedingungen ein Protest gegen den Nazi-Aufzug möglich sein soll. Über den Dächern der Häuserreihen steig Rauch auf – brennende Barrikaden – sprich: Mülltonnen, Sperrmüll, Mülltonnen-Inhalt, Autoreifen – auf der Karli.

Wir haben dann versucht, eine andere Stelle zu finden, an der wir gegen die Nazis laut sein können. Aber es war schlicht nicht möglich. Zwischen den Faschos und den Gegendemonstrationen hat die Polizei meterweite Korridore gezogen. Alles Seitenstraßen waren mit Polizeikontrollen versperrt. Da war kein Rankommen. Und genau das ist ja das Problem, was einige der Gegendemonstant_innen haben, die regelmäßig mit der Polizei heftig aneinandergeraten. Im Prinzip ist der Punkt: „Das ist unser Kiez und wir sehen nicht ein, dass Rassist_innen hier aufmarschieren!“ – beschützt und eskortiert von der Staatsgewalt und wohlgemerkt nur einige zehn Meter entfernt von einer Unterkunft für Asylsuchende, die nicht wenige der Intoleranten liebend gern abbrennen sehen würden – am liebsten inklusive der dort lebenden Menschen. Dass die Rechten hier langziehen können, sich an einem Platz treffen und dort ihren ätzenden Mist über Lautsprecher erzählen können – das ist, wogegen alle der Protestierenden sind. Sitzblockaden werden von der Polizei aufgelöst, damit die Rechten zu „ihrem Recht“ kommen, sprich: Die von ihnen angemeldete Demonstration (Merke: für Intoleranz, Fremdenhass und Nationalismus!) ungestört ablaufen kann. Soweit so… naja.

Hier gibt/gäbe es viel zu bereden, zu bedenken, einzubeziehen: Versammlungsfreiheit, Redefreiheit, Meinungsfreiheit… Alles wichtige Dinge. „Keine Toleranz gegenüber Intoleranz!“ aber genauso. Wenn nun aber am selben Tag andere, ebenso offiziell angemeldete Demonstrationen von der Polizei mit Reizgas-Granaten beschossen werden, dann gibt das nicht nur zu denken, sondern macht wütend und fassungslos:

Wir suchen also nach einem anderen Standort, um das inakzeptable Gerede der Nazis zu übertönen, stehen an einem Platz (mit Spielplatz!) als eine zunehmend größere Gruppe Anti-Rassist_innen über den Platz gelaufen kommt… Kurze Zeit später kommen 4-6 Sixpacks angerast (!), stoppen mit Vollbremsung wenige Meter vor uns, die Türen gehen auf, die Polzist_innen springen raus und gehen direkt auf Menschen los. Mindestens auf zwei Menschen schlagen sie ohne Vorwarnung mit Schlagstöcken ein, viele werden festgenommen. Ein Polizist sagt zu einem anderen:

Was wir haben, rein da – verarbeitet wird später!

Ja mit „Was“ waren hier die Gegendemonstrant_innen gemeint… Erst jetzt (!) fingen vereinzelte an, Steine zu schmeißen – insgesamt vielleicht 5-9 Stück. Die Polizist_innen stellen sich in Reihe auf, schießen mit Nebelpistolen und – wieder, wie so oft an diesem Tag – Reizgas-Granaten. Die Menschen werden von den Polizist_innen eigentlich ausschließlich angebrüllt… Die wirkten definitiv völlig überreizt / überspannt, adrenalingeladen,  und reagieren meiner Meinung nach (!) in vielen Fällen extrem unverhältnismäßig und übertrieben. Auch wir werden angefahren, dass wir jetzt da weg sollen. Der Platz wurde dann (mehr oder weniger) geräumt…

Zu dem Zeitpunkt waren die Nazis durch mit Marsch und Kundgebung. Die Krawalle gingen dann wohl noch weiter, Hubschraubergeratter und Sirenen blieben uns jedenfalls noch eine Weile erhalten. Als wir uns auf den Weg in die Innenstadt machten, mussten wir an einer Kreuzung länger warten, weil die Wasserwerfer gerade abfuhren… Ein dermaßen seltsames Bild und Gefühl. Du stehst mit deinem Rad an der Kreuzung, die du immer befährst, K. hat den Kinderhänger hinten dran. Neben euch: Sixpacks en masse – links und rechts. Vor euch: Vier riesige Wasserwerfer. Hinter euch: Noch mehr Polizei… Warum bloß fühle ich mich angesichts soviel „Staatssicherheit“ alles andere als sicher? Könnte vielleicht an dem Bildern in meinem Kopf liegen… Immer wieder das selbe Bild: Der Mann mit dickem Sicherheitshelm, Schutzanzug, Springerstiefeln, bewaffnet, ausgerüstet prügelt auf den jungen Typen in Kapuzenpulli, Jeans und Turnschuhen ein… Keine Waffen.

In der Stadt dann Weihnachtsmarkt-Verkehr: Glühweingeruch. Langosz. Gebrannte Mandeln. KaufenKaufen. Irgendwie surreal. Mein Hals kratzt noch immer vom Tränengas.

Ich finde es bescheuert, den eigenen Kiez zu zerlegen. Ich verstehe auch nicht, was es mit Protest gegen Rassismus zu tun hat, das Schaufenster der selbstständigen Frisörin oder des kleinen Cafés an der Ecke einzuschmeißen. Ich glaube auch nicht daran, dass die, die „randalieren“, ausschließlich Leute aus anderen Städten sind, denen der Kiez hier egal ist. Ich glaube, dass sich bei dieser „Räuber-und-Gendarme“-Nummer eine Eigendynamik zwischen überspannten Polizist_innen und angepissten Anti-Rassist_innen entwickelt, bei der beide Seiten regelmäßig ziemlich sinnlosen, kontraproduktiven Kack machen. Außerdem ist natürlich der Kampf zwischen „Staatsgewalt“ und einigen Anti-Faschist_innen ein Nebenschauplatz, der hier gestern mal wieder zum Hauptschauplatz wurde. Polizisten, die Nazis dabei unterstützen, zu demonstrieren und ihre Intoleranz öffentlich und laut zu verkündigen und gleichzeitig Gegendemonstrationen angreifen, werden hier den Faschisten zugerechnet.. Und ich kann es ihnen angesichts dessen, was ich gesehen habt, nicht verübeln. Und brennende Barrikaden? Vielleicht geht’s hier um eine gewisse – so absurd es klingen mag – „Demo-Ästhetik“…

Ich weiß nur nicht, was wir nun – alles in allem – davon haben: Die Nazis sind gelaufen und haben geredet. Sachschäden sind zu bezahlen. Auch zukünftige Demonstrationen werden nicht einfach untersagt. Und die Medien kennen vor allem Thema: Ausschreitungen auf Seiten der Gegendemonstrant_innen. Und die Nachwehen der Auseinandersetzungen finden sich (mal wieder) in den Kommentarspalten.

Wichtig bleibt: Wo immer Nazis auftreten, sollten zehn Mal so viele antreten und lautstark, aber gewaltfrei zeigen, dass die nicht viele und nicht die meisten sind. Die wichtigste Message des gestrigen Tages sollte sein: Leipzig denkt bunt. Und das ist, was ich gern vor allem groß in den Medien lesen würde: In Leipzig (Sachsen) demonstrierten 130-150 für Intoleranz und 2500 für Toleranz und Vielfalt.

Bitte hör auf mit dem Gebrüll. BITTE!

Heute ist es mal wieder passiert. Und gestern. Und irgendwann in den Tagen davor auch. Ich hab rumge… naja… „brüllt“ wäre übertrieben… „rumgeschnauzt“ trifft es vielleicht besser.

Ich versuche so so sehr gerade nicht mehr so stark die Anstrengung zu empfinden, sondern im Moment zu sein, gerade, wenn ich mit den Kindern zusammen bin. Nicht immer vergleichen, nicht immer an’s nächste Denken… Positiver sein, bei ihnen sein. Aber wie soll ich es hinkriegen, die Dinge positiv zu sehen, wenn stundenlang nur-nur-nur gebrüllt wird? Wie soll das gehen? Ich e-r-t-r-a-g-e das einfach manchmal nicht mehr. Also wortwörtlich… Eigentlich ist es mir dermaßen zu viel, dass es nicht mehr geht, ich halt’s eigentlich nicht aus. Aber ich kann ja nicht einfach weg, ich muss ja in der Situation bleiben, wenn ich mit den Kindern allein bin. Heute habe ich mich 19:30 mitten auf den Gehweg gesetzt und 10 Minuten gewartet. T. wollte (brüllend) auf den Arm, nicht im Buggy bleiben. Ich hatte Einkäufe zu tragen. P. wollte spontan auch nicht mehr weiterlaufen, hat den Buggy besetzt, was wiederum T. nicht passte, der spätestens dann vollkommen außer sich war und die Straße zusammenschrie. Ich hab versucht rauszufinden, was T. will, ihm erklärt, dass das nicht geht, er wütete weiter rum, ich setzt mich und nahm ihn auf den Schoß. Das war ganz schön kalt.

Man ist ja erwachsen, ne? Aber in diesen Momenten… An solchen Tagen, brodelt’s früher oder später in mir hoch… Das kindische „Wann nimmt eigentlich mal wieder jemand Rücksicht auf mich?„-Gefühl. Dann muss ich ganz oft (runter-)schlucken und mir vergegenwärtigen, wie alt meine Kinder sind, um nicht einen verdammten Hals zu kriegen, angesichts der kleinen „Ego-Nummern“, die sich da vor mir abspielen.

Irgendwann waren wir dann Zuhause. Aber das Brüllen hörte nicht auf.

Ich bemühe mich. Ich bemühe mich wirklich. Ich will geduldig sein und verständnisvoll, ich gehe auf die Kinder ein, ich rede mit ihnen, frage, mache, tue, … Ich versuche es wirklich. Aber irgendwann geht’s nicht mehr, dann hakt es aus, und ein Schalter legt sich um.

Erst habe ich mich in die Mitte des Wohnzimmers gestellt und einfach „AAAAAAAAH!“ geschrien. Als das Brüllen der Kinder auch dann nicht aufhörte, bin ich ins Schlafzimmer gegangen, habe die Tür zugeknallt und mir die Ohren zugehalten. Mehrere Male habe ich versucht, mich zu beruhigen, ruhig zurück zur Brüll-Szene zu kehren, in der meine beiden Kinder schon seit Nachmittag die Hauptdarsteller waren.

Szene jetzt: Küche. P. hatte sich jetzt (auch noch) am Kopf gestoßen. Wieder ein neuer Grund für Gebrüll. Aber ich war nicht mehr in der Lage, zu trösten, zu streicheln, zu beschwichtigen. Ich flehte sie an, mit dem Geschrei aufzuhören. „Du kannst weinen, sag mir was passiert ist, aber bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte hör auf mit dem Gebrüll. BITTE!“ Jede, die das schon mal probiert hat, weiß, dass das mit 99%iger Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass das Kind noch mehr, noch lauter, noch eindringlicher kreischt.

Und dann kam sie, die Standpauke.

Ständig versuchen wir, es euch recht zu machen, Tag und Nacht. Wir nehmen immer Rücksicht auf euch, richten uns dauernd nach dem, was ihr wollt. Seit Tagen haben wir nicht mehr richtig geschlafen haben, weil T. permanent alles vollkotzt. Die Nachmittage, die Morgen, die Wochenenden, der Urlaub, die Mahlzeiten… Ständig versuchen wir, euch ganz besonders zu berücksichtigen. Und trotzdem findet ihr immer, immer, immer, immer einen Grund, unzufrieden zu sein. Ihr findet immer einen Grund, euch zu beschweren, mich zu treten oder zu hauen, zu brüllen, uns „doof“ zu nennen oder rumzuschreien! Und manchmal, ja, manchmal, da kann ich einfach nicht mehr. Ich WILL jetzt kein Gebrüll mehr hören, weder von dir, noch von dir. Gar nicht mehr heute! Kein einziges bisschen!

P. guckt mich mit großen, geschwollenen Augen an. Sogar T. hat mit dem Geplärre aufgehört. *schnief* macht sie. Ich fühle mich wie einem französischen Familiendrama.

„Weißt du…“, sage ich kleinlaut zu P., „ich wünschte, ich könnte immer ganz ruhig bleiben und auf alles ganz entspannt reagieren. Ich wünscht, ich wäre immer fröhlich und hätte immer gute Laune. Aber ich schaffe das einfach nicht immer so wie ich will. Und dann raste ich manchmal aus und meckere oder brülle auch. Das heißt nicht, dass ich euch total doof finde, aber ich halte es manchmal einfach nicht mehr aus… Das tut mir ehrlich leid. Ich hab euch trotzdem lieb.“ *schnief-schnief* macht P. nochmal und sagt: „Mama, schon okay, Mama, das muss doch auch mal raus, die Wut, sonst kriegt man Bauchschmerzen. Man kann nicht immer fröhlich sein.“

Ach Mensch. Und dann schniefte ich.

Im Bett sagte sie, als ich sie fragte, was sie träumen möchte „dass du immer bei mir bist“.

Man kann nicht mehr wirklich zurückfühlen, wie Kinder ticken. Wenn ich von K. ne Standpauke kriege, dann reagiere ich da jedenfalls mit sehr viel weniger Verständnis als meine 5-jährige Tochter. Ich brauche mindestens bis zum nächsten Morgen, um mich abzuregen.

(P.S.: Ich hab dann abends mal endlich mitbekommen, dass T. zahnt. Supermutter, ich.)

“Ich wollte aber Erster sein!” – Revisited

Im Mai habe ich davon berichtet, dass P. eine schwer zu ertragende Macke entwickelt hatte, die unseren Alltag echt erschwert hat: Sie wollte immer bei allem die Erste sein. (Das Ganze Dilemma hier)

Drei Monate Vier Monate Sechs Monate später will ich kurz berichten, wie sich das entwickelt hat, weil es mich nämlich echt nervt, dass im Netz ständig die Antworten, Fortsetzungen und Entwicklungen zu irgendwelchen verzweifelten Berichten und Fragen fehlen.

Ich weiß nicht mehr wie oder wann das genau passier ist, aber: Es hat sich erledigt. Irgendwann hat sie es einfach nicht mehr gemacht. Sogar schneller als erwartet, nur einige Wochen nach dem Post war’s vorbei. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir irgendeinen bestimmten Trick angewandt hätten oder so… Es war dann einfach kein Thema mehr.

Heute spielt das nur noch manchmal eine Rolle, wenn ich gern hätte… ächem… dass irgendetwas schneller geht. Sie sich schnell ausziehen, ohne Umwege ins Bad kommen oder Zähne putzen soll oder so… „Mal sehen, wer als Erste im Bad ist.“ – und das will dann schon immernoch sie sein. Rückfälle gibt’s bisher nicht zu beklagen.

Dafür singt und/oder redet sie jetzt. Von. früh. bis. spät. Das heißt: ununterbrochen. Und sehr laut. Und zwar dieses Lied:

 

Nun ja…. Man kann nicht alles haben, ne? :-D

T. ist 1… Und P. 4 ! (oder: Kinder, wie die Zeit vergeht!)

T. wird schon nächste Woche ein Jahr alt! Dabei ist seine Geburt doch noch gar nicht so lange her… Herrje. Was hatte ich vor einem Jahr zu der Zeit die Schnauze voll vom Schwangersein (Beweise? Hier!). Zu meiner präpartalen Ungeduld wollte ich auch noch einmal was schreiben, rückblickend quasi. Ob es auch sowas wie Schwangerschafts-Burn-Out gibt? (Eine gute Freundin von mir ist übrigens gerade relativ frisch-schwanger und bloggt darüber auf http://huegelkueken.wordpress.com/. Schaut doch mal rein!)

Dieses ständige Rumwundern über das irre schnelle Großwerden der Kinder. Geht das eigentlich allen Eltern so? Mein „Ach, die Zeit rast ja so! Sie werden so schnell groß“-Gelaber ist der Teil meiner Erzählungen vom Elternleben, bei dem meine kinderlosen Freunde in der Mehrzahl heimlich so ein bisschen die Augen verdrehen, glaub ich… Das klingt ja auch befremdlich altbacken. Aber es ist doch so! Vorher – also bevor man Kinder hatte – sah man die Zeit einfach nicht so eindeutig vergehen, oder? Ständig muss man sich von Phasen verabschieden, oft kann man gar nicht so viel mitnehmen wie man möchte – darüber hatte ich ja auch schon mal geschrieben (Melancholy-Mom).

Obwohl. Eigentlich fühlt es sich ja eher an wie ein Zeit-Paradox. Einerseits kommt es mir vor als würde die Zeit rasen und ich kann gar nicht glauben, dass Schwangerschaft und Geburt schon wieder ein Jahr her sein sollen, dass T. ab Oktober in der Krippe betreut wird und ganz bald läuft und spricht. P. wird im Oktober 4 – V I E R! – Jahre alt. Schule ist gar nicht mehr so weit weg. Ich studiere im fünften Semester Erziehungswissenschaften. Ich gehe auf die 30 – D R E I S S I G! – zu. Andererseits ist auch viel passiert in diesem Jahr. Viele Phasen, Hochs und Tiefs liegen hinter uns. Die Schwangerschaft, die erste Zeit mit klein-T… Das kommt mir dann doch irgendwie vor als wäre es Lichtjahre entfernt vom Jetzt.

Und die Moral von der Geschicht? Nichts weiter. War nur mal so in den Raum gedacht… Höhö ;-)

Viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel

Seit Beginn des Jahres bin entweder ich krank oder eines der Kinder ist es.

Die Bilanz im Mai?

  • 4 grippale Infekte bei P.
  • 1x Krankenhaus mit Impetigo Contagiosa (P.)
  • 1,5x Scharlach (P. / ich)
  • 4 grippale Infekte bei T. (natürlich stets zeitlich versetzt zu P., nicht etwas zeitgleich)
  • 3-5 grippale Infekte (ich)
  • 4x Brustentzündung (ich)
  • 1x Seitenstrangangina-Bindehautentzündung-Superinfektion (ich)

Hm. Es reicht dann jetzt auch mal damit, finde ich. Ich habe inzwischen eine gewisse Panik vor Bakterien und Viren entwickelt. Ich bekomme innerliche Heulkrämpfe, wenn eines der Kinder Krankheitssymptome zeigt.

Ja, ich jammere. Es zerrt echt an den Nerven, wenn nicht einmal der stinknormale Alltag – den ich leider ohnehin schon als ziemlich fordernd empfinde – einfach so läuft, sondern man andauernd damit beschäftigt ist, Schadensbegrenzung zu betreiben. Der Ausnahmezustand wird so langsam zur Routine. Nur noch irgendwie auf den Beinen halten, irgendwie den Tag überstehen, irgendwie durchhalten, irgendwie weitermachen… Das ist einfach ziemlich ätzend und macht einen mürbe. „Vorm Spiegel denkt man: „Das ist dein Gesicht?“ Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln!“ (Kästner) Ich kriege zum Teil kaum noch einen klaren Gedanken zusammen. 

Eine eigentlich gar nicht so unkomplizierte mündliche Prüfung für den Abschluss des letzten Wintersemesters habe ich bereits drei Mal verschieben müssen. Zum Einführungsseminar meiner Stiftung konnte ich nicht fahren. Die drei Male, an denen ich mir ernsthaft vorgenommen hatte, nach Einbruch der Dunkelzeit mit Freunden auszugehen – Jaha, ich meine im DUNKELN! -, sind ins (Wund-)Wasser gefallen. Jetzt nehme ich mir sowas einfach nicht mehr vor. Es frustriert mich zu sehr. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, jemals wieder tatsächlich irgendetwas tun zu können. Planen zu können. Etwas vorhaben.

Um genau zu sein nehme ich mir im Moment gar nichts „Privates“ mehr vor. Eine Kommilitonin fragte mich heute, wann ich mein Ehrenamt noch machen würde, neben den zwei Kindern und Pendelei zum Studium. „Ich weiß es nicht.“ hab ich gesagt und daran gedacht, dass das letzte Treffen der Initiative inzwischen schon viel zu lange her ist. „Und wann machst du den Kram für die Uni? Texte lesen und so?“ – „Ich weiß es nicht, ich mach es wohl kaum.“ habe ich gesagt. „Und was ist mit deinen privaten Sachen? Hobbys und so?“ – „Welche privaten Sachen? Welche Hobbys?“ habe ich gefragt. „Und dann hast du ja auch noch die Fahrten.“ – „Das ist für mich Erholung. Niemand will etwas von mir, niemand fragt mich was. Ich kann 45 Minuten lang zwei Mal am Tag einfach nur hier sitzen und tun was ich will. Es ist herrlich!“ Mein Pendeln, mein Kleinod. Der Zug ist meine Insel. Und es kotzt mich an, wenn der voll mit quatschenden Dumpfköppen ist. Ich will… Ich muss… dann meine Ruhe haben. Manchmal wünschte ich, ich könnte noch zwei Stunden weiterfahren. An den Uni-Tagen bin ich abends auch tatsächlich viel entspannter und kann gelassen Zeit mit den Kindern verbringen, trotz all der Müdigkeit.

Was soll man tun, wenn man merkt, dass alles zu viel ist? Dass man es eigentlich nicht schafft? Ich merke das gerade ziemlich deutlich. Unser Alltag ist so knapp auf Kante genäht, dass die Krankheiten einfach zu viel des Schlechten sind. Der Alltag wird dadurch gesprengt, nichts läuft mehr, alles fühlt sich nur noch schlimm an… Und wir versuchen, für die Kinder, das alles zu retten… Uns bei Laune zu halten. Es klappt noch so halbwegs für die Kinder, aber für uns klappt es nur mehr schlecht als recht. Innerlich sind wir dermaßen angespannt… Wir sind wie pfeifende Tee-Kessel, jederzeit kurz vorm Explodieren. Weil. Es. Zu. Viel. Ist. Wir führen die alten Sinnlosdiskussionen darüber, wessen Tag anstrengender war. Wer eine Pause dringender nötig hätte. Wer sich wann welche (Mini-Mini-)“Auszeiten“ genommen hat. Wer wann dringender Zeit ohne die Kinder braucht.

Ich habe vor einigen Tagen in irgendeinem Elternblog gelesen, dass das betreffende Elternpaar sich darüber streiten würde, wer mehr Zeit mit den Kindern verbringen darf. Ich wäre fast in Tränen ausgebrochen. Mein schlechtes Gewissen diesbezüglich ist unglaublich aufgebläht… Der Teufel schreit: „Dann hättet ihr euch keine Kinder zulegen dürfen!“

SCHEISSE JA, ICH FINDE ES VIEL ZU OFT VIEL ZU ANSTRENGEND, KINDER ZU HABEN!

Und ich hasse es mich wirklich dafür, so zu empfinden. Und ich bin täglich dran, mir beizubringen, es anders zu sehen, es anders wahrzunehmen, nicht so zu denken, zu genießen oder wenigstens weniger zu hadern, die Anstrengung als gegeben hinzunehmen und nicht zu verfluchen. Aber es klappt nicht. Ich empfinde es ständig als anstrengend und ich hasse es, so zu empfinden. Ich will keine zerknirschte Alte sein. Ich will nicht zu den typischen „Es ist alles so anstrengend“-Lamentierern gehören. Und ich mache K. die Hölle heiß, weil er sich ständig beklagt, wie anstrengend alles ist, weil ich in den Momenten meine eigenen Gedanken und Empfindungen gespiegelt sehe und es einfach nicht ertragen kann. Es muss doch wenigstens einer von uns das anders sehen… Es geht doch nicht, dass wir beide…

Ich finde die Ansichten und Gedanken von Jesper Juul ja toll, aber ich kriege es nicht hin, dieses Mantra. Wir sind zu oft zu fertig, zu müde, zu abgeschlafft… Das abendliche Bad-Ritual wird fast täglich zur Zerreißprobe. P. wehrt sich gegen alles, was sein muss. T. an-/auszuziehen gleich tatsächlich dem Versuch, einen lebenden Kraken so in ein Einkaufsnetz zu verfrachten, dass keine Arme heraushängen. Wir hängen im Bad und wollen einfach nur fertig sein, mit dem Tag, weil wir einfach fertig sind, mit der Welt.

Und K. hilft wirklich viel mit. Und meine Eltern nehmen ab, was sie können. Und ich lese und denke mir schlaue Sichtweisen an. Und ich habe Freunde mit Kindern, die ich regelmäßig treffe. Und nicht zuletzt liebe ich meine Kinder. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich kaputt spielen es mich einfach kaputt macht. Dass ich nicht dafür gemacht bin. Dass ich noch hätte warten sollen. Dass es vielleicht eigentlich nicht mein Ding ist, Mutter zu sein. Das ständige da sein. Die ständige Verantwortung. Diese andauernde Reagieren müssen. Das stark sein müssen, kaum mal schwach sein können.

Als ich letzte Woche hier fiebernd vor mich hin starb wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einfach nochmal selber klein zu sein und Eltern nebenan zu haben, die einem Tee und einen Marmeladentoast ans Bett bringen und ansonsten alle Anstrengungen von einem fernhalten. Stattdessen saß ich heulend mit 39,8 Fieber vor meinem kleinen Sohn, der auch heulte und ich dachte, dass genau jetzt der Moment gekommen ist, an dem ich es nicht mehr packe, an dem ich einfach aufgeben muss. Ich habe mich unglaublich hilflos gefühlt. Und schlecht auch… Weil ich das Gefühl hatte, dass ich als Mutter einfach nicht das Recht habe, „mich so aufzuführen“. Dass ich mich zusammenreißen muss. Und ich war nicht einmal sicher, ob ich mich nicht tatsächlich auch zusammenreißen könnte… Ging es mir wirklich so schlecht? War da noch Luft nach oben/unten? Es gibt schließlich Mütter mit mehr Kindern und weniger Unterstützung von Partner / Familie, die müssen ja auch… Scheiß Vergleichereimistkack halt.

Nun ja. Ich habe mich zusammengerissen, soweit es ging. Musste ja. Und nun geht es mir besser. Und den Nachmittag und Abend – nach der Uni – heute mit den Kindern fand ich sogar ziemlich schön. Ich habe mir überlegt, mir das Mantra „Meine Kinder sind meine Entspannung“ einzubläuen. Die Idee: Umetikettierung! Statt „Scheiße, am Wochenende bin ich allein mit beiden Kindern“ versuchen anders zu denken. Dem Gefühl auf die Sprünge helfen… Ich will das Kinderhaben einfach nicht ständig vorrangig anstrengend finden. Will ich nicht, echt nicht. Das muss doch irgendwie machbar sein.

 

Mama, ich will…!

Neulich im Zoo:

„Mamaaaa, Ich will ein Eis!

Mamaaaa, ich will einen Lutscher!

Mamaaaa, ich will Pommes!

Mamaaaa, ich will ein Brötchen mit Wurst!

Mamaaaa, ….“

Manchmal entsprechen meine unsere Kinder so sehr dem Klischee nerviger, verwöhnter westliche Welt-Göhren, dass es ein bisschen weh tut. Und manchmal entsprechen wir vermutlich sehr dem überforderte Eltern-Klischee, wenn wir es mit unserer dauerfordernden Tochter zu tun bekommen. Ich selbst könnte einen herrlich reißerischen Artikel über unser teilweise echt bekloppt-lächerliches Eltern-Verhalten schreiben… Wir versuchen dann nämlich gerne Mal, „vernünftig“ zu argumentieren:

„Aber P., wir sind nicht hier, um zu essen. Wir wollen uns Tiere angucken, hm? Wir können jetzt nicht die ganze Zeit eine Sache nach der anderen kaufen.“ 

-„Warum?“

„Weil das alles Geld kostet und wir nicht so viel Geld dafür ausgeben wollen. Und können.“

– „Ich will aber!“

„Ja, ich weiß, dass du das willst. Ich will dir jetzt aber keinen Lutscher kaufen. Du hattest gerade Pommes und ein Eis und…“

– „UääääääääähichwiillaaaaaaaaabeeeereinenLuuuuuuuuuu…“ (TretenStampfenAurasten)

Einatmenausatmeneinatmenausatmen…Puuuuuuh.

„Wie mich dieser andauernde kindliche Konsumtrieb nervt…“ sage ich zu K. Er guckt mich an und verdreht die Augen, seufzt. Da stehen wir also. Sonntag um 11. Im überfüllten Zoo. Die Massen schubsen uns rum, T. rumort in der Trage, irgendwie hat niemand Spaß.  „Toller Ausflug,“ murmelt K. und steckt sich eine Kippe an. Manchmal passieren mir dann Gedanken wie: „Was mache ich hier eigentlich? Ich bin 25 und stehe am Sonntagmittag im ekelhaft übervollen Kack-Zoo mit einer unersättlichen, aktuell nach Lollie-brüllenden Dreijährigen an der Hand, einem schweren lebendigen Rucksack am Bauch und einem genervten Mann neben mir. Dabei mag ich gar keine Sonntagsausflüge. Oder Zoos. Oder Pommesbuden. Oder Menschen. Und ich hab Rücken. Ich mag Sonntage im Bett, mit Glotze und/oder Lektüre. Waruuuuuuum tue ich mir das hier an???“

Warum mache ich das also? Meinen Kindern zuliebe. Dem Familienidyll zuliebe. Weil man mit ’ner Dreijährigen nicht ständig Zuhause rumhocken kann und sollte. Weil ZuhauseRumhock-Sonntage sich mit kleinen Kindern endlos anfühlen und sich spätestens 14:30 alle gegenseitig auf den Sack gehen… Und ja, weil wir es uns das eigentlich ganz nett ausgemalt haben. Schönes Wetter, wir gucken Tiere an, ein heißer Kakao in der Kiwara-Lounge… „Und dann macht sie mit ihrem blöden Dauerhabenwollen alles kaputt“ höre ich mich kopffrotzeln. Und na klar: Es sind irgendwie (mal wieder) unsere Erwartungen das Problem, weil sie mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben. „Ideal- und Realtypus sind in diesem Falle nicht vereinbar.“ sagt die Wissenschaft zu sowas. Ich sage: Wären die Erwartungen nicht da, wäre  man nicht unzufrieden, weil nicht enttäuscht. Wäre irgendwie besser. Aber zu sagen „Erwarte doch einfach nichts“ hat für mich in etwa so einen Effekt wie „Denk nicht an einen rosa Elefanten“.

Kleine Kinder leben im Jetzt. Und nur da. Im Gegensatz zu Erwachsenen legen Kinder keine Konten an. Sie rechnen nicht auf und ziehen nicht ab. Keine Rechnung à la: „Mama und Papa sind ja jetzt mit mir in den Zoo gegangen und das ist ja erstmal eine ziemlich coole Sache – ein Zugeständnis -, da benehm‘ ich mich jetzt mal besonders gut und bin nicht so kackn anstrengend, sondern tu mal so als wäre ich zufrieden. Sie haben sich’s ja verdient, weil: Sie bemühen sich ja, mir/uns eine tolle Zeit zu machen und das muss man schließlich auch mal honorieren…“ Nö. Das geneigte, städtisch-verwöhnte Kleinkind denkt wohl eher so: „Au ja! Zoo! Will ich!“ – swooooosh – „Au ja! Eis! Will ich!“ – swooooooosh – „Au ja! Pommes! Will ich!“ – swoooooosh – „Oh! Das Kind hat einen Lutscher! Ich will auch einen Lutscher!“ – swooooosh – „Oh! Die Bratwurst sieht aber gut aus! Ich will!“ … „Oh Gummischlangen!“ … „Oh Luftballons!“ … „Oh! Wo ist das Kinderschminken?“

Kinder sind hemmungslos (und) lustgesteuert!

Deshalb sind sie auch so beliebte Zielgruppen Opfer für der Werbeindustrie. Spielzeuge, Freizeit, Snacks. Werbeleute wissen genau, wie leicht Kinderbedürfnisse zu wecken sind. In den großen Werbeagenturen beschäftigen sich ganze Abteilungen ausschließlich damit, zu „erforschen“, wie das kindliche Habenwollen noch zuverlässiger getriggert werden kann. 

Und Eltern…? Wir stehen da irgendwie vor einem Dilemma, oder? Wir wollen unsere Kinder nicht mehr autoritär erziehen. Wir wollen, dass sie sich frei entfalten können, sich selbst kennen (und lieben) lernen und zu selbstbestimmten Menschen heranwachsen. Wir wissen um die Bedeutung der frühen Kindheit für Bindung, Selbstsicherheit und Persönlichkeitsentfaltung. Wir wissen allgemein viel zu viel. Wir wollen vielleicht keine perfekten Übermütter (im Sinne von Braten im Ofen und glänzendem Haus) sein, aber eine unserer größten Ängste ist, unseren Kindern durch unsere eigenen Charakterschwächen zu schaden. Wir sind es gewohnt, in Freiheit und durchaus lustbetont zu leben. Wir sind freiheitsliebende Hippie-Punks und Jemanden zu begrenzen missfällt uns. Unser Regulativ ist unser Verstand. Aber genau darauf können wir beim Kind nicht setzen. Also stehen wir da, haben alle elterlichen „Waffen“ abgelegt und sind bereit, zu verhandeln. Sie sollen ja können, wie sie wollen… Aber wie sollen wir entscheiden, wann das Wollen begrenzt werden muss, weil das Wollen zum Müssen wird und das macht ja auch wieder unglücklich… Und sind wir nicht unserer Kinder Glücksschmiede?

Deshalb sieht man Erwachsene zuweilen mit Kindern über die Schädlichkeit von Lutschern und Nahrhaftigkeit von Gemüse diskutieren… > Gesunde Ernäherung ist wichtig. Übergwicht und Krankheiten und so. Deshalb sieht man uns auf dem Spielplatz zwischen zwei Dreieinhalbjährigen über das Teilen eines Sandeimers verhandeln > Unsozial sein ist kacke. Teilhabe, Depressionen und so. Wir schmieren abends Brote mit Frischkäse (OHNE RINDE!), obwohl wir frisches und gesund gekocht haben, weil der Brokkoli in der Brokkoli-Käse-Soße eben doch nicht gut genug versteckt war. > Mein Kind muss nicht essen, worauf es keine Lust hat! Und jajaja! Natürlich kommen wir uns dabei albern vor. Es fühlt sich falsch an, streng  den Ton anzugeben. Und es fühlt sich falsch an, ständig nachzugeben. Wir wollen keine Service-Eltern sein. Und keine Helikopter-Eltern. Aber Arschloch-Eltern wollen wir auch nicht sein. Wir wissen, dass es vermutlich ziemlich albern ist, zu hoffen, die besten Freunde und Vertrauten vom Kind sein zu können. Und wir versuchen es trotzdem.

Unsere Kinder sind ein bisschen wie Diktatoren. Despoten! Egoisten!  Ohne Vernunft! Triebgesteuert! Raffgierig! Geizig! Und maßlos ohne Ende! (Ja, sie sind auch herrlich neugierig, phantasie- und liebevoll, … aber darum geht es hier ja gerade nicht…) Und ich glaube, wir sind damit einfach überfordert. Niemand sagt uns, was eindeutig gut oder eindeutig böse ist. Wir können uns in wenigen Minuten zu jedem Thema haufenweise Fakten und Meinungen reinziehen. Wir müssen selbst entscheiden, was wir gut und richtig finden und inwieweit wir, unsere Kinder bestimmen und uns von ihnen bestimmen lassen. Richtig gibt’s nicht.

Ich höre an dieser Stelle oft Argumentationen wie „Mit Dreijährigen darfst du nicht diskutieren. Du bist die Mutter, du entscheidest. Basta!“ oder auch gerne „Da musst du deinem Bauchgefühl – deiner INTUITIOOOOON – vertrauen.“ Mir persönlich hilft das aber nicht weiter. Ich hab ein sehr diskutierfreudiges Kind, das Gründe haben will, wenn ich „Nein!“ sage und ich will ihr die auch irgendwie liefern. Meiner  „Intuition“ nach zu urteilen ist das richtiger als zu sagen „Weil ich das so (nicht) will.“ Für diese Variante müsste ich mich ziemlich verbiegen und härter tun, als ich fühle und bin. Oft wird mir aber suggeriert, dass das die bessere – die richtige – Variante wäre. Und die Diskutiererei macht mich ja auch alle…

Irgendwie ist es auch das Zusammenspiel von Programmierung und Umwelt, was hier Probleme macht: Wir lieben unsere Kinder und wollen sie glücklich machen. Und wir sind – furchtbar biologistisch gesprochen – darauf gepolt, die Bedürfnisse unserer Kinder zu befriedigen. Wir leben aber in einer Überflussgesellschaft. Eine ziemlich unnatürliche (Um)Welt für Menschen(kinder). Wenn sie die Wahl haben, bevorzugen sie süß und bunt und fettig. Sie können zwar tatsächlich nicht immer und nicht alles haben, aber theoretisch heute und hier sehr, sehr viel. Mehr, als sie brauchen und mehr als – so mutmaßen wir – gut für sie ist. Erwachsene haben – mal mehr mal weniger erfolgreich – gelernt, ihre Bedürfnisse zu kontrollieren und zu unterscheiden, um in der Welt des too much klarzukommen. Und manchmal werden wir fett und unbeweglich und krank, weil wir uns in dieser unnatürlichen Welt eben doch nicht im Griff haben.

Es gehört Einiges dazu, diesen fiesen Teufelskreislauf zu durchbrechen: Verstand, Durchhaltevermögen, Resilienz, Konsequenz, ein Masterplan, … Und – um zurück zum Thema zu kommen – man unterschätze nicht die Verführung, auf durch Nachgeben zu einem „zufriedenem“ Kind und stressfreien Moment zu kommen. Das ist es ja, was uns die Werbung verspricht, oder? Zufriedene Kinder. Entspannte Eltern. Glückliche Familien. Aber sehen wir es, wie es ist: Immer nachgeben, das ist de facto: Ruhigstellen. Damit geht man den Weg des geringsten Widerstands und macht es sich so einfach wie es nur irgendwie geht. Hauptsache keinen Stress… Und was ist falsch daran? Klingt doch nach einem ziemlich guten Lebensmotto. Auf Dauer tut man sich damit selbstverständlich keinen Gefallen. Die Kinderbedürfnisse könnten sich unkontrolliert vermehren. Kinder, bei denen es kein „genug“ gibt und im Resultat: Konsumorientierte, doofe Menschen, die lernen, dass man Befriedigung vor allem kaufen kann (und muss). Wollen wir das? Wollen wir nicht. Davon gibt es auf der Welt wahrlich schon genug.

Was ist also mit dem kindlichen Dauer-Habenwollen? Wie sollen wir damit umgehen?

Kleine Kinder kennen noch kein Maß. Sie können nicht verstehen, warum sie nicht dürfen, wenn Dinge in greifbarer Nähe und theoretisch zu haben sind. Ihnen fehlen die „Kompetenzen“, derart komplexe Zusammenhänge zu verstehen, sich selbst zu begrenzen und aus reinen Verstandsgründen zu verzichten. Sie sind dieser – Achtung, Polemik! – fiesen, unnatürlichen, ihre Unschuld und Unwissenheit ausnutzenden, kapitalistischen Waren- und Konsumwelt schutzlos ausgeliefert, und man kann hier zu dem Schluss kommen, dass wir unsere elterliche Fürsorgepflicht vernachlässigen, wenn wir unsere Kinder nicht davor beschützen. Oder? Gerade unser Verstand sollte uns doch eigentlich hier sehr deutlich zeigen, dass es wichtig und richtig ist, (Konsum-)Entscheidungen für unsere Kinder zu treffen und sie in dieser Hinsicht zu begrenzen. Um sie vor sich selbst und ihrer Maßlosigkeit zu schützen, quasi. Ist das so? Ihnen „Grenzen setzen“ ist also tatsächlich der richtige Umgang damit?

Ich denke nicht, dass dieses Dilemma Kinderwollen vs. Elternmeinen ein für allemal auflösbar ist. Man muss die Situationen immer wieder neu bewerten. Man wird sich immer wieder fragen müssen, wie man das gerade findet und ob man es gerade zulassen will. Ab und zu sollte man sich vielleicht wirklich fragen, was man zu einem guten Freund in der Situation sagen würde. Andererseits können Kinder in vielen Situationen nicht die Verantwortung für sich selbst übernehmen. Wann können sie? Wann müssen wir?

Wieder denke ich an Juul, der sich auch dazu äußert. Man müsse zwischen Bedürfnissen und Wünschen unterscheiden. Das Bedürfnis des Kindes ist zum Beispiel Ernährung. Nur Nugggets bei McDoof oder einen Lutscher zu wollen, das ist ein Wunsch. Die Eltern müssen entscheiden, ob sie den Wunsch erfüllen wollen. „Man kann eine lange, glückliche Kindheit haben ohne Pizza oder McDonalds“ sagt Juul dann. Hier geht es um die eigenen Werte, Einstellungen und Sichtweisen der Eltern. Was findet man gut? Was nicht? Welchen Wunsch will man erfüllen, welchen nicht? Juul meint auch, dass Kinder ihre Eltern kennenlernen wollen. Mit etwa 4 bis 5 Jahren hätten sie den Großteil von dem, was ihre Eltern prinzipiell zulassen und was nicht – die elterlichen Grenzen – ausgelotet. Und Kinder wollen selbstständig sein und selbst entscheiden. „Ich will meine Jacke nicht anziehen! Ich will meine Zähne nicht putzen!“ – „Hör mal, Zähne putzen muss man irgendwie, sonst passiert alles Mögliche. Zwei Dinge kann ich dir sagen: Es ist unangenehm, weil irgendwelche Erwachsenen vielleicht etwas Hartes in deinen Mund stecken und anfangen zu bohren…“ – Und was ist, wenn das Kind auf seinem „Nein“ beharrt? – „Wenn man dieses Grundvertrauen hat , dann sagt man: ‚Okay, schade, weil wie du weißt, finde ich es wichtig, aber wenn es für dich nicht wichtig ist, dann machen wir es heute nicht.“ Man müsse einfach das Vertrauen haben, dass Kinder prinzipiell kooperieren wollen. Das ist Juuls ganz grundsätzliche These. Verantwortung müsse man vor allem übernehmen, wenn es um Leib und Leben geht – das Anhalten an roten Ampeln ist nicht verhandelbar. Nachlesen kann man das zum Beispiel in diesem Interview mit Jesper Juul, und in dem und dem.

Vertrauen wir unseren Kindern nicht? Würde es mit ein wenig mehr Vertrauen alles einfach gehen? Wir denken „Zähne putzen muss sein!“, weil wir das so beigebracht bekommen haben und „weil man das so macht“ und wir denken so Sachen wie „Wenn ich das jetzt einmal schleifen lasse, dann wird das nie was und dann kriegt sie Karies und faulige Zähne… und im Kindergarten wird man über sie reden, weil sie einen schlechten Atem hat… und die Erzieherinnnen zerreißen sich das Maul über uns unfähige Eltern.“ – Genau! Das „Was sollen denn da die Leute denken?“ steckt nämlich viel zu oft dahinter, egal für wie unabhängig man sich hält. Man will nicht als Eltern dastehen, die es nicht hinkriegen. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass sich das Kind nie wieder die Zähne putzen wird, weil man einmal sagt: „Gut, wenn du es partout nicht willst, dann machst du es halt nicht.“ Andererseits sage ich, dass es schon ziemlich wahrscheinlich ist, dass mein Kind sich ausschließlich von ungesundem Kack ernähren würde, könnte es das selbst entscheiden. Und was es zu essen gibt, das geht doch irgendwie alle was an, oder?? Vielleicht teilt man die Woche mal testweise in „Du bestimmst, was es zu essen gibt“-Tage und „Wir bestimmen, was es zu essen gibt“-Tage auf.

Wir haben uns dann jedenfalls dann doch noch sehr ausgiebig die Affen angeguckt, über eine Stunde beim Karpfenbecken abgehangen und eine halbe Stunde auf die Fütterung der Pinguine gewartet. Hat sich gelohnt, das Konsumieren zu durchbrechen, drei Mal „Nein, gibt’s nicht! Ich will jetzt Affen angucken“ zu sagen und die jeweiligen Wutausbrüche zu ertragen.

„Manchmal muss man sie doch echt zu ihrem Glück zwingen.“ sage ich während der Rückfahrt zu K., kurz nachdem beide Kinder zeitgleich weggepennt sind und wir um 17 Uhr das erste „störungsfreie“ Gespräch des Tages miteinander führen.

Muss… Darf man das? Die Kinder zu „ihrem Glück“ zwingen? Ist ihr Glück nicht in allererster Linie das, was wir als „Glück“ – als schön / gut / erstrebenswert – bewerten? Passt das zu unserer Vorstellung der frei denkenden, selbstbestimmten Menschen, als die wir unsere Kinder gern später sehen würden? Ist Lesen wirklich „besser“ als iPad-Daddeln? Ist es echt sinnvoll, immernoch dieses Idealbild vom auf der großen Wiese frei herumtollenden Kind im Kopf zu haben und darum ständig mit schlechtem Gewissen durch die betonierte Großstadt zu laufen, weil man es einfach nicht realisiert bekommt??

Hm. Man sollte vielleicht auch nicht vergessen, dass unsere Kinder später eh selbst entscheiden werden, was sie unter Glück verstehen. Und dass diese Definition nur zu einem Teil davon abhängt, wie sie ihre Kindheit mit uns verbracht haben. Unsere Kinder haben ein Recht auf’s Heute. Das ständige ans Morgen denken macht mich auch wirklich alle… Die Gedanken krieg ich nur ganz schwer ausgeschaltet. „Wenn sie heute zu viel fernsieht, wird sie niemals Bücher lesen oder sich für Kultur oder Geschichte oder … interessieren“, „Wenn ich jetzt nicht versuche, sie zum Gemüse essen zu bewegen, wird sie das niemals tun und krank und fett werden“, „Wenn sie jetzt nicht lernt, dass…, dann wird sie nie…“ – Was für ein Bullshit das doch ist! Und wie einen das tagtäglich unter Druck setzt! Das nimmt die ganze Leichtigkeit aus dem Alltag und aus dem Umgang mit dem Kind. Ich glaube wirklich, dass wir versuchen, „den Förderauftrag“ der Bildungseinrichtungen Zuhause fortzuführen. Und auch davon spricht Juul gerne mal. Man wird bekloppt, wenn man ständig mit Leuten zu tun hat, die einen irgendwie anders… irgendwie besser haben wollen als man ist. Die einen umerziehen wollen. Unsere Kinder sollten bei uns einfach mal nichts müssen müssen, einfach mal sein dürfen, so (unperfekt und launisch und unausgeglichen) wie sie sind. Unsere Kinder sind keine Projekte, die wir möglichst erfolgreich abschließen. Unsere Kinder sind Menschen. Ihre Persönlichkeit sollten wir in erster Linie annehmen und respektieren. Wir können ihnen eigentlich nur sagen: „Hör mal, so fühlst du dich jetzt und das ist okay. Du bist du. Und ich bin ich. Und das da draußen ist die Welt. Und wenn du das jetzt (nicht) machst, könnte das passieren. Deshalb mag ich nicht, dass du es machst. Jetzt kannst du entscheiden, ob du es trotzdem tun willst.“

An Denkstoff mangelt es mir jedenfalls ganz und gar nicht, seitdem ich Kinder habe. Gesellschaftliche Zwänge. Freiheit. Die eigene und die der eigenen Kinder. Werte. Moral… Können, wollen, sollen, müssen. Kinder konfrontieren einen wirklich sehr schonungslos mit sich selbst, den eigenen Maßstäben und Nicht zu Ende-Gedachtem. Man muss permanent kurzfristig nötige („Ich will aber JETZT, Mama!“), aber langfristig wirkende („Warum habe ich nur so große Selbstzweifel? Meine Eltern sind schuld!“) Entscheidungen treffen und das unter akutem Handlungszwang und erschwerten Bedingungen („UÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHICHWILLABER!“).

Memo an mich selbst: Unbedingt mal darüber nachdenken, wie ich diese exzellent trainierten „Troubleshooting“- und „Multitasking“-Kompetenzen in meiner Vita einbauen kann.

Impetigo Contagiosa

P ist über den Damm. Seit Montag Mittag sind wir wieder Zuhause.

staphylokokken auge schmierinfektion
Das, was sie hatte, schimpft sich impetigo contagiosa. Auf dem Bild seht ihr den Zustand im Krankhaus (Tag 2).

Eigentlich ist das relativ harmlos und soll wohl normalerweise gut mit Salbe zu behandeln sein. Bei P. waren aber die Augen besiedelt. Da hier einerseits die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden können und vor allem hinter den Augen Nerven langgehen, die direkt ins Hirn führen, wurde uns nahegelegt, sie stationär aufnehmen zu lassen. Deshalb hat sie eine Woche lang Antiobiotikum (Cefuroxim?) intravenös und Augentropfen (Floxal) bekommen. Inzwischen hat sich der Schorf gelöst und die Haut darunter ist gesund… Montag darf sie wieder in die Kita.

Eine zeitlang stand Herpes im Raum, das wurde aber per Abstrich ausgeschlossen.

Die Woche war natürlich für uns alle ziemlich stressig… P. durfte das Zimmer nicht verlassen – weil halt Herpes so lange im Raum stand und das Zeug wohl sehr ansteckend ist. Sie durfte nicht ins Spielzimmer, sich nichtmal beim Essenholen anstellen, gar nichts. Erklärt das Mal einer Dreijährigen. Sie hat das alles aber echt tapfer mitgemacht… 2-3-stündlich Augentropfen. 5x am Tag Antibiotikum, d.h. eine halbe Stunde im Bett bleiben. Zweimal neuer Zugang. K. hat im Krankenhaus geschlafen, war tagsüber arbeiten und ich mit dem Kleinen dann im Krankenhaus (der hat zum Glück nix abbekommen). Zum Glück (!) hatten wir sehr viel Hilfe von meiner Familie, die im Schichtdienst angetreten sind, damit wir nicht allein dastehen. Hammer!

Mein unbedingter Tipp nach der Sache ist: Wenn Kinder eine offene Stelle haben – (und sei sie noch so winzig! Es war bei P. am Anfang wirklich nur ein Pickel auf der Nase) – dann heißt es:  Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen und darauf achten, dass die das nicht aufknibbeln / dran rumspielen. Am besten Pflaster drauf oder direkt beim Öfnnen eine antibiotische Salbe drauf geben. Vielleicht auch die Hände ab und zu desinfizieren. Das kann sonst – im wahrsten Sinne des Wortes – ins Auge gehen! Und einige Tage hatte ich echt Angst.

Das „Gute“ an der Sache?

Über die Woche habe ich meinen achsoöden Alltag echt schätzen gelernt UND ich bin mittlerweile fit darin, mit beiden Kindern allein gut klarzukommen. Wenn man erstmal ’ne Woche mit einer Dreijährigen in quasi-Isolationshaft verbracht hat, dann kommt einem die eigene Wohnung und Freiheit vor wie das Paradies.

Auch gut zu spüren: Bei aller fehlenden Resilienz unsererseits: In Krisen klappen wir Eltern als Team doch gut. Und: Familiäres Backup = Top!

Müde.

Ich bin müde. MÜDE-MÜDE-MÜDE!

Bevor Mensch Kinder hat, ist es wohl diese Sache – neben der Fremdbestimmung -, die von vielen kolossal unterschätzt wird. Schlafmangel. Wochen, Monate, manchmal Jahre.

Ich habe in dieser der Schwangerschaft sehr darauf geachtet, nicht viel später als 23 Uhr ins Bett zu gehen. Ich wollte „vorschlafen“, obwohl mir klar war, dass das 1. nicht geht und der Effekt 2. nach einer anstrengenden Geburt eh dahin ist, davon mal  ganz abgesehen, dass die Nächte am Ende einer Schwangerschaft alles andere als erholsam sind… Trotzdem: Am Anfang konnte ich irgendwie doch ein bisschen davon zehren.

Und jetzt? T. ist inzwischen 4,5 Monate alt. Er geht gegen 20:30 ins Bett und schläft zum Glück recht zuverlässig ein. In Ausnahmefällen schläft er Mal bis 1-2-3 Uhr. Meistens wird er aber zwischen 23:30 und 00:30 wieder wach, will trinken. Und dann 2-3 stündlich. Morgens ist die Nacht zwischen 7 und 8 vorbei, das ist soweit okay.

Ich fühle mich aber trotzdem die meiste Zeit extrem gerädert.

Ich kann will mich abends auch nicht einfach 20 Uhr mit hinlegen. Ich lechze nach den 2-3 Stunden am Abend, in denen ich tun und lassen kann, was ich will (oder muss). Wenn beide Kinder im Bett liegen, fällt die Verantwortung von mir ab wie ein schwerer Rucksack. FREIHEIT! Selbst wenn ich vorher todmüde war… Dann werden Kraftreserven aktiviert, ich schaffe es noch irgendwelche Texte zu erledigen oder gesellschaftspolitisch aktiv zu sein. Bei P. ging das zum Beispiel nicht. Da war ich abends am Ende und nur noch Sofa möglich. Wenn überhaupt.

Ich brauche diese freien Stunden so dringend. Ich kann sie nicht gegen Schlaf eintauschen! Würde ich sie verschlafen, wäre ich ausschließlich Mutter, von früh bis spät. Ich wäre ausschließlich tagtäglich nur für Andere da. Von Aufstehen bis Schlafen kümmern, springen, schuckeln, Tränen trocknen, diskutieren, wickeln, stillen, den Tag füllen, Spielplätze, Essen kredenzen, Chaos begrenzen, spielen, Nein sagen, Ja sagen, „Das geht jetzt aber nicht“ sagen, noch mehr diskutieren, aufpassen, bis 10 zählen, den Kopf vorm Platzen bewahren, … Es scheint Menschen zu geben, die das können. Ich kann’s nur bedingt.

Aber ich merke, wie ich abbaue. Die Müdigkeit schwillt nicht mehr an und ab, sie ist immer da. Ich werde ständig krank, hatte inzwischen schon die 5. Mastitis. Als Elter ist Kurieren nicht (oder kaum) drin. Man muss weitermachen, immer immer weitermachen. Egal, wie sehr du eine Pause bräuchtest. Mit einem Kind können die Großeltern einen für 1-2 Tage (manchmal sogar länger) tatsächlich Mal komplett entlasten. Mit zwei Kindern geht das – zumindest anfangs – nicht so ohne Weiteres. Der Kleine bleibt ja da… Er ist einfach immer da. Und es bringt mir auch nichts, wenn ihn mir mal Jemand „1-2 Stunden abnimmt“. Ich kann tagsüber nicht schlafen, brauche zu lange zum einschlafen…

Habe neulich hier den Satz gelesen:

Wenn die Kinder bei der Tagesmutter waren und ich arbeitete, kam ich mir vor wie auf Müttergenesungskur.

Ich musste daran denken, als ich im Zug zur Uni saß. In die Uni zu gehen, ohne Kind an der Hand oder am (oder im) Bauch ist momentan für mich tatsächlich wie ein Kurzurlaub. Ich bin an keinen Tagen der Woche so entspannt, wenn ich wieder Zuhause bin. Einfach Mal stundenweise was Anderes sehen. In Ruhe 5 Sätze hintereinander denken und/oder sprechen. Sich einem Thema widmen. Letzte Woche habe ich eine Prüfung geschrieben und sowohl Vorbereitung als auch Durchführung liefen erstaunlich reibungslos und entspannt ab. Ich könnt fast sagen entspannend.

Wenn zwischendurch nicht ab und zu dieses Sinnlosigkeitsgegrübel hätte, könnte ich noch bestimmter sagen, dass die Entscheidung, das Studium dieses Mal nicht ganz zu unterbrechen für mich definitiv die richtige Entscheidung war, auch wenn es mir am Anfang echt davor gegraut hat und organisatorisch aufwendig ist. Diese regelmäßige Anzeit für’s Hirn tut mir gut und ich fühle mich allgemein nicht ganz so raus.

Was ich allerdings auch wieder an mir beobachte, obwohl ich dachte, es schon bei P. abgelegt zu haben: Aufgrund von Kindern, Studium, Ehrenamt etc. in Kombination mit meiner Müdigkeit bleibt kaum de facto keine Zeit und Energie für andere Sachen. Sowas wie Freunde treffen, abends Weggehen, Kino,… Es geht einfach nicht. Am Ende der Tage habe ich weder Kraft noch Zeit noch Lust noch Kopf dafür übrig. Und ich fühle mich deswegen schlecht. Nicht schlecht, weil ich es eigentlich will, sondern weil ich denke, dass es von mir erwartet wird oder dass ich es müsste, meinen Freunden sowas wie schuldig bin… Dieses schlechte Gewissen Anderen gegenüber begleitet mich schon ewig, mal mehr und mal weniger. Und ich habe da auch so meine Theorien, warum das so ist. Aber gerade bei diesem sozialen schlechten Gewissen hatte ich gedacht, ich hätte es inzwischen hinter mir gelassen. Es nagt an mir…

Sollte ich mich nicht doch mal zwingen? Könnte es am Ende nicht sogar ganz schön sein? Vergraule ich meine Freunde dadurch endgültig? Ich bin ein verdammter Loser!

Ich stelle mir vor, wie sich gute Freunde denken: „Die brauch ich nicht fragen, die kann ja eh nicht.“ und fühle mich irgendwie ungerecht behandelt, glaub ich. Dann denke ich, dass kinderlose Menschen einfach keine Ahnung haben, wie unglaublich Kräftezehrend es ist (oder sein kann), zwei kleine Kinder zu haben.

Wenn ich mir ein Treffen vorstelle, finde ich schon die Vorstellung anstrengend… Ich sehe mich, krampfhaft nach kinderfreien Themen suchend und das Dauergähnen unterdrückend, zum x-ten Mal erklärend, dass ich nichts trinken kann und dass es bei mir nichts großartig Neues gibt, außer vielleicht dass die Prüfung gut lief, wir uns gerade eine Presseschlacht mit einer dubiosen Firma liefern, T. sich jetzt vom Rücken auf den Bauch dreht und P. im Denken und Reden schon wieder viel Weiter ist als noch vor Kurzem. Dann erzählt vielleicht das Gegenüber. Und dann ist das Stille und das flaue Gefühl, dass man einfach zu wenig miteinander teilt, alsdass man noch so entspannt schöne Zeiten miteinander verbringen könnte wie „damals“… Die gemeinsamen Erlebnisse fehlen einfach. Und ohne die geht es nicht. Nicht gut jedenfalls. Ich hab das Gefühl, dass meine kinderlosen Altersgenossen von mir Dinge erwarten – Spaß, Action, Erlebnisse, wasweißich -, die ich einfach nicht (mehr) bieten kann. Und dann fühle ich mich alt. Und irgendwie spießig. Und Fehl am Platz. Ich kann mit „immer was erleben müssen“-Leuten nichts mehr anfangen.

Ich bevorzuge es, zu lesen, mich in mein Studium zu vergraben, entspannt Filme zu gucken oder zu Schreiben. Und eigentlich finde ich das auch alles in Ordnung so. Wäre da nicht das kleine fiese Ding, was mir unentwegt – leise aber unüberhörbar – in den Kopf flüstert, dass ich mich vorm Draußen drücke, dass ich flüchte und schon wieder auf dem besten Weg bin, mich einzuigeln, es in mir bequem zu machen und das Leben auszuschließen.

wherethemagichappens
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Fernsehentzug (2)

Das Fernsehexperiment hat echt sehr interessantes bewirkt.

Es war ja – wie hier erzählt – so, dass für P. die Glotze viel zu alltäglich und selbstverständlich war und sie schon beim nach Hause kommen fragte, ob sie glotzen darf. Sie hat zum Teil richtig Stress gemacht, wenn das verneint wurde. P. durfte Caillou gucken, wenn wir das Abendessen vorbereitet haben. Manchmal fragte sie ab 16 Uhr, wann wir endlich Abendessen vorbereiten werden. Sie hat sich kaum noch selbst beschäftigt, ihr Zimmer hätten wir eigentlich auch ausräumen können… Sobald ihr langweilig wurde, wollte sie glotzen. Das hat sich nicht gut und nicht richtig angefühlt. Der Fernseher wurde dadurch zu einem, den Alltag mit strukturierenden Ding.

Also haben wir ihr gesagt, dass der Fernseher kaputt ist. Das war sicher nicht sehr pädagogisch wertvoll, weil es ja nicht wahr war… Ich hatte zugegebenermaßen einfach keinen Nerv auf die Diskussion, wenn ich ihr einfach gesagt hätte, dass ich plötzlich nicht mehr will, dass sie so viel fernsieht. Ich kenne schließlich P.s Ausdauer in solchen Dingen. Sie hat die Ansage recht schnell akzeptiert und nach 2-3 Tagen kaum noch nach dem Fernseher gefragt.

Und 4 Wochen später?

1. Sie hat tatsächlich ihr Zimmer wiederentdeckt. Sie hat angefangen, sich selbst Beschäftigungen zu suchen. Sie malt, sie tanzt… Und jaaa… Sie fragt seeehr oft: „Kannst du mit mir spiiiiielen?“ So oft, dass ich manchmal fast schwach werde, weil es so einfach wäre, sich Ruhe zu verschaffen. Aber ich finde, dass es trotzdem so besser und richtiger ist.

2. Sie schläft besser. Das ist ja eine Vermutung, die ich schon häufig gelesen habe: Schlafprobleme bei Kindern könnten mit zu viel Medienkonsum zu tun haben. Vor einem Monat brauchte sie manchmal 2-3 Stunden zum einschlafen. Aktuell ist das in 99% der Fälle kein Problem. Wir haben allerdings auch das Ritual abends etwas verändert.

(Nach dem Bad gehen wir in ihr Zimmer, lesen wie üblich zwei Geschichten. Dann stellen wir einen Wecker, der nach fünf Minuten klingelt. In den fünf Minuten – „bis der Wecker klingelt“ können Kinder in dem Alter besser begreifen – darf sie sich noch bei Licht ein Buch anschauen. Danach gehen wir rein, machen ein Hörspiel an und das Licht aus. Letzteres hat hier noch vor Kurzem für große Probleme gesorgt. Davor hatte sie immer eine gedämpfte Lampe an und ist extrem schwer in den Schlaf gekommen, hat sich aber auch gegen eine dunkles Zimmer gesträubt. Lösung: Sie bekommt so ein Fingerlicht an den Finger… Das akzeptiert sie. Klappt wirklich ganz toll!)

Inzwischen gucken wir einfach dann Fernsehen, wenn wir einen Freiraum haben – wie manchmal sonntags oder so – und richtig Lust darauf. Das ist mit Kleinkind natürlich nicht so einfach… Das sind ja solche Lustmonster. Ich versuche das irgendwie nach Gefühl zu machen und ehrlich zu mir selbst zu sein. Ist das ein Moment, in dem es mir nur gelegen kommen würde, sie mal einen Moment ruhig zu haben? Oder wäre das wirklich jetzt eine schöne Sache. Im Moment läuft der Fernseher so 1-2 Mal pro Woche. Wenn überhaupt. Letzte Woche zum Beispiel gar nicht. Vorher war es täglich. Wir suchen uns dann ein Märchen oder eine DVD heraus und gucken die ganz bewusst. Zusammen. Und auch nur das eine und nicht mehrere Dinge hintereinander. Das gibt nun noch etwas Stress, weil sie nach der einen Sache immer gleich die Nächste gucken will… Jaja, im maßvollen Genuss war ich selbst als Kind wohl auch nicht wirklich gut.

Alles in allem war der Fernsehentzug für uns aber auf jeden Fall wichtig und richtig und hat ziemlich genau das bewirkt, was ich mir erhofft habe.

Fernsehentzug (1)

P. ist momentan nicht selten… ähmmmmm… anstrengend. Fordernd. Überdreht. Und sie braucht abends 1-3 Stunden zum Einschlafen.

Für P. ist Fernsehen innerhalb des letzten halben Jahres selbstverständlich geworden. Zu selbstverständlich. So selbstverständlich, dass sie teilweise schon kurz nach dem (aus der Kita) nach Hause kommen fragt, ob sie fernsehen darf. Der Deal ist, dass sie Caillou gucken darf, während K. oder ich das Abendessen vorbereiten. Am Anfang waren das 1-2 Folgen, wobei eine Folge etwa 10 Minuten dauert. Jetzt waren es teilweise aber eher 4-5 Folgen. Hintereinander.

Wie kam das?

Angefangen hat das recht früh mit dem Sandmännchen. Und den kleinen, kurzen Maulwurf-Gesichten. Dann kam Lauras Stern. Das war seeeehr lange in. Der Sandmann war dann out. Beziehungsweise haben wir es nicht mehr geschafft, rechtzeitig zum Sandmann auch nur annähernd bettreif zu sein und die Geschichten mag P. eh nicht sonderlich… Und seit einem halben Jahr ist es halt der Glatzkopf. Immerhin guckt sie nicht irgendwas. Und keine Werbung. Inzwischen möchte sie auch gern Bibi Blocksberg gucken – sie hat gerade eine extreeeeme Bibi Blocksberg-Phase. Aber das ist eigentlich noch zu viel für sie, finde ich… Ich hab das Gefühl, dass sie das überfordert. Zu viel, zu schnell, zu lang, zu abgedreht. Laura und Caillou sind thematisch konkreter und bringen mehr aus ihrer Welt. Caillou ist zum Teil auch betont pädagogisch wertvoll. Es wird sehr darauf geachtet, dass die Kinder unterschiedlich aussehen – unterschiedliche Hautfarben haben zum Beispiel. Es geht oft um Themen wie Fairness. Und der Vater ist als Hausmann Zuhause, während die Mutter die Hauptverdienerin ist. Soweit so okay.

Wir haben uns eingeredet, dass sie dabei/dadurch ganz gut runterkommt. P. ist ein ziemlich total extrem aktives, tendenziell eher laut-plapperiges ununterbrochen reden-lachen-singen-brüllen-FRAGENDES Kind. Wenn wir mit ihr nach Hause kommen, surrt uns der Kopf ziemlich und wir lechzen nach einer Pause, nach einem Moment Ruhe. Noch mehr, seitdem T. da ist und zeitgleich nach Futter verlangt und/oder brüllt. Die Glotze macht es einem (scheinbar) einfacher, solche Momente zu organisieren.

Trotzdem: Ich hatte/habe dabei einfach kein gutes Gefühl. P. sitzt eigentlich nie allein vor der Glotze. Wir machen das zusammen. Aber gerade in letzter Zeit habe ich sie Mal genauer dabei beobachtet. 5 bis 10 Minuten schaut sie sich recht konzentriert die Geschichte an. Sie fiebert auch echt krass mit. Freut sich und ist traurig mit den Figuren. Aber nach kurzer Zeit fängt sie an, unruhig zu werden, auf dem Sofa rumzurutschen, durch’s Zimmer zu laufen, nah an den Fernseher ranzugehen… „rumzuschmieren“… wie meine Mutter das früher nannte… Also so auf dem Sofa rumzuwälzen. Es ist, als gäbe es einfach zu viel Input und zu wenig Output.

Dann fiel mir in letzter Zeit auf, wie extrem aufgedreht sie abends ist und vor allem, dass eigentlich gar nicht mehr in der Lage war, sich selbst zu beschäftigen. Sobald ihr langweilig wurde, brüllte sie entweder nach einem von uns, der mit ihr spielen/ihr was erzählen – ergo: sie beschäftigen – sollte oder nach Süßigkeiten oder nach der Glotze / dem iPad. Alles falsch gemacht also, oder? Ich hab das Gefühl, hier gerade dabei zuzuschauen, wie ihr Ideenreichtum „zugunsten“ der scheiß Glotze flöten geht. Und das will ich nicht!

Also ist der Fernseher jetzt erst einmal kaputt.

Ich verteufle das Ding eigentlich nicht. Ich schaue gern selber Serien und Filme. Oft und viel. Und ich finde es nicht unbedingt verwerflich, sowas als Hobby zu haben oder es einfach gern zu tun / entspannend zu finden.

Ich möchte jetzt aber einmal sehen, ob ich einen Effekt bei P. bemerke oder nicht. Danach entscheide ich, wie (und ob) wir damit einen gesünderen Umgang finden müssen. Ich stelle mir das aber schwer vor. Wenn Kinder einmal die Option Fernsehen erkannt (und gut gefunden) haben, wollen sie immer mehr und mehr.

Wie handhabt ihr das? Wie sieht eurer Umgang damit aus? Gibt’s Regeln? Habt ihr auch (manchmal) ein schlechtes Gewissen? Oder gibt’s Fernsehen bei euch gar nicht?

 

Der erste Abend und erste komplette Tag:

Gestern Abend fragte P. wie üblich, ob Papa nun Essen machen könne. Jahaaa… Schlaues Kind. So rum wird hier nämlich gefragt. Ich hab ihr dann erklärt, dass der Fernseher kaputt sei. Kurzer irritierter Blick. Dann war’s offensichtlich okay. Der Abend und das Zubettgehen liefen gefühlt dann etwas geregelter, ruhiger und harmonischer ab.

Morgens ist K. zur Abwechslung mal wieder pünktlich mit ihr aufgestanden – wir haben uns auch vorgenommen, wieder etwas mehr Routine, Ruhe und Gleichmäßigkeit in unseren Alltag zu bringen. Der Morgen lief gut, die beiden waren sogar fast pünktlich in der Kita.

Nachmittags nach dem Einkaufen hat sie sich zunächst mit einer Zeitschrift und ihrer Knete in ihr Zimmer verzogen und gespielt. Dann gab’s Abendessen. Erst hier kam das erste Mal die Frage nach der Glotze (Das hat mich überrascht). Wieder die Erklärung: Fernseher kaputt. Danach hat sie zwar nach Bespielung durch K. verlangt und das Zubettgehen war jetzt auch nicht sooooo viel anders als sonst… Aber sie war (gefühlt) weniger überdreht. Zum Einschlafen ha se trotzdem knapp 1,5 Stunden gebraucht.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.