6 Monate 2+2 = 4 (Erziehungsfragen-Sermon)

16.03.2014. Verdammte Axt! Echt jetzt? Ein halbes Jahr?! Gibbet doch nich…

Es gäbe viel zu schreiben darüber, was oftmals zu lesen ist, wenn Leute monatliche Feedbacks zur Entwicklung der Kinder geben: Klar, er ist gewachsen, enorm sogar… Und er hat sich entwickelt wie sich Babys halt entwickeln. Am Anfang war er sehr empfindlich und hat ’ne ganze Weile gebraucht, um sowas wie anzukommen, in der Welt. Viel geschrien, hat er. Und gar nicht geschlafen tagsüber. P. hat das alles super weggesteckt, denke ich. Keine großen Eifersüchteleien – abgesehen von „Eyä, du sollst das nicht ablutschen!“.

In den letzten Wochen haben wir uns gefunden, es ist rhythmisch. T. schläft abends sehr schnell und zuverlässig (mit Pre HA) ein – Versuch mit Pre ohne HA ist KLÄGLICH gescheitert – und wacht nach 4-5 Stunden wieder auf. Danach wird er gestillt und schläft bei/an mir. Wie er nachts nach der ersten Phase wach wird, kann ich gar nicht sagen. Ab 6/7 ist er morgens endgültig wach und ich auch, mehr oder weniger. Morgens fühle ich mich ziemlich gerädert. Aber seit 2,5 Wochen schenkt er mir und sich – auch sehr zuverlässig – vormittags gute 2-3 Stunden Schlaf. Und das ist wirklich ein Geschenk! Dann komme ich dazu, was für die Uni zu machen. Oder Haushalt. Oder Klarkommen. Ich gewöhne mich leider immer zu schnell an sowas und erwische mich dabei, enttäuscht und unterschwellig genervt zu sein, wenn er schon nach 1,5 Stunden wieder wach ist und ich nicht das schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Genau genommen schaffe ich das nie.

Uni zu machen in diesem 2-3-Stunden-Fenster ist ein bisschen irre. „So. Wo war ich. Ah ja. Bourdieu…“ Ich brauche eine halbe Stunde, um mich wieder an die Stelle zu denken, an der ich am Vormittag des vorherigen Tages aufgehört habe. 10 Minuten, um mich wieder in die Texte reinzufuchsen. Und es fällt mich wahnsinnig schwer, sie zu durchsteigen, geschweige denn, sie in Zusammenhang mit meinem Thema zu bringen. TickTickTick… Deine Küche sieht aus wie Sau… TickTickTick… Quäääk…. TickTickTick… Sport müsste ich auch mal wieder machen… TickTickTick… TickTickTick – Die Heranwachsenden müssen „die Fähigkeit zur Unbestimmtheit und strukturellen Umformung und Wandlung“ erwerben, um „Entwicklungs- und Modernisierungsprozesse zu ermöglichen“ – Waaaaasmüssendie? TickTickTick… TICK TICK TICK… Dann wird er wach, mein Kopf dampft und ich muss wieder in einen anderen Gang schalten, dabei schreit alles nach Pause… Kleines Kind wach, versorgen. Zeit im Blick haben, großes Kind abholen, Nachmittagsaction, abends werden alle nölig, dann noch Abendessen und Bett und danach theoretisch das ganze Chaos des Tages beseitigen. Und abends dann noch was Uni machen? Ich schaffe es einfach nicht, mich dann noch durch meine wissenschaftlichen Texte zu kämpfen. Beide Kinder sind zur Zeit nicht vor 21:30 endgültig im Bett. Dann könnte ich erst anfangen und müsste es auch direkt tun, damit es sich lohnt… Das packe ich nicht. Ich erinnere mich an diese Gefühle… Ich hatte das so bei P. auch als ich wieder angefangen hatte, selbstständig von Zuhause aus zu arbeiten. Es ist zu wenig Tag für all das, was zu tun wäre. Vereinbarkeit Kinder und „Karriere“ MY ASS!!!

(Deshalb auch die Stille hier, die ich sehr bedauere.)

Jesper Juul treibt mich auch mal wieder um. Auslöser war seine Kolumne im Standard, die ich erst jetzt entdeckt habe. Ich find den ja immernoch ziemlich toll… Ich habe P., die nach wie vor häufig Heulattacken-Phasen hat, in letzter Zeit häufiger gesagt, dass sie in ihr Zimmer gehen kann, um sich auszutoben und dass sie ja dann wiederkommen kann, wenn sie fertig ist und mag. Ich hielt das für ’ne okaye Methode. Ist sie aber eigentlich gar nicht, denk ich jetzt. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr mies und heulig drauf seid und euer Partner würde zu euch sagen: „Geh ins Schlafzimmer und heul dich aus. Du darfst wiederkommen, wenn du nicht mehr weinst.“ Irgendwie ist das total das falsche Signal… Sie soll doch nicht denken, dass sie nur akzeptiert wird, wenn sie „genehm“ ist… Und auch nach wie vor extrem richtig und wichtig finde ich das, was er zur „persönlichen Autorität“ bzw. „persönlichen Sprache“ sagt… Dass es nämlich für Kinder vor allem wichtig ist, man selbst zu sein und sich nicht zu verstellen. Er beschreibt oft und gern von seiner Beobachtung, dass Eltern (und Großeltern oder Erwachsene allgemein) Kindern gegenüber Rollen spielen anstatt aufrichtig und echt zu sein. Anstatt z.B. zu sagen „Du, ich hab da jetzt echt keinen Nerv drauf.“ benehmen sie sich so, wie sie meinen, dass sich Eltern Kindern gegenüber benehmen müssten… Dabei sprechen sie von sich in der dritten Person („Nicht die Mama hauen!“ … „Gib der Mama mal die Schere wieder!“ *gruselig*) und 3 Oktaven höher als es ihrer natürlichen Stimmhöhe entspricht. Und obwohl ich das sehe und meine, muss ich mich selbst immer mal wieder daran erinnern, einfach echt zu sein und nicht „mich selbst“ abzukapseln und zum Eltern-Roboter zu werden. Ein passendes, plakatives Beispiel: Gestern hatte ich ein Freundin mit ihrer Tochter und ihrem neuen Partner zu Besuch. Wir haben versucht, uns zu unterhalten, während die Kinder uns lautstark im Wohnzimmer umkreisten und ohne Unterlass auf uns einquatschten. Wir haben abwechselnd – wahlweise mit netten Worten oder Lockmitteln („Zeig ihr doch mal…“) – versucht, die Kinder loszuwerden, damit wir uns einfach mal unterhalten können. Irgendwann sagte ihr Partner zu uns: „Warum sagt ihr ihnen nicht einfach, dass ihr mal eure Ruhe haben wollt? Dann gehen sie doch.“ – „Klappt bei P. nicht.“ habe ich gesagt, es kurz darauf aber ausprobiert (und seitdem mehrmals) und echt Bauklötze gestaunt, weil P. tatsächlich ohne ein Wort verständnisvoll nickt und sich verzieht, um sich allein zu beschäftigen. Manchmal macht man sich’s halt echt unnötig schwer. Weil? Ja, weil wir beliebt sein wollen (auch bei unseren Kindern) und Angst haben, sie vor den Kopf zu stoßen. Vor nichts haben wir größere Angst, als sie zu traumatisieren… Vor nichts fürchten wir uns mehr, als schlechte Eltern für sie zu sein.

Juuls Frage, ob wir uns (bzw. wer sich denn) wirklich aufrichtig starke und selbstbewusste Kinder wünschen würde, finde ich so unglaublich richtig gestellt und spannend, dass es weh tut. Er meint, die meisten Menschen wollen in Wahrheit – ohne sich dessen bewusst zu sein – genau das nicht, sondern liebe, artige, tüchtige und folgsame Kinder. Vorzeige-Exemplare halt… Ja-Sager. Ich will das nicht! Wirklich aufrichtig! Manchmal, denke ich, sollte ich mir das wieder häufiger bewusst machen, wenn ich die „Trotzreaktionen“ meines Kindes mal wieder ätzend und anstrengend-nervig finde…

Einen Widerspruch kann ich aber auch mit Juul nicht lösen: Aufrichtig soll und will ich sein. Ich selbst, meinen Kindern gegenüber. Beim oben genannten Beispiel (10 Heulanfälle in 5 Minuten) bin ich ehrlich extrem genervt und angekotzt. So sehr, dass ich schreien will. Oder Türen schmeißen. Ich möchte kann das Gebrüll manchmal einfach nicht mehr hören ertragen. Es macht mich wahn-si-nnig! Irgendwie scheiße zu reagieren, das wäre die ehrliche Reaktion in den Momenten… Aber natürlich keine Gute. Ich finde nicht, dass sie das verdient hat. Den Fehler macht ja nicht sie. Denn sie ist klein und frustiert, weil irgendwas nicht geht. Und ich bin groß und kann reflektieren und mich zusammenreißen. Anzuerkennen, dass sie pissed ist und sie auch in diesem Moment zu akzeptieren, anzunehmen und ihr beizustehen ist dann doch richtiger. Aber ja eiiiigentlich nicht mehr authentisch. Also was denn nun? Und was ist mit der Süßigkeiten-Flatrate? Juul meint, Erziehung wäre eh ziemlich sinnlos, weil Kinder eh nur vom dauerhaften Vorleben lernen und jedes gewollte Erziehen (im Sinne von dranherumziehen) verschenkte Liebesmüh ist… Keine Belehrungen über gesundes Essen am Essenstisch. Kein Zwang oder Überedeversuche, Gemüse zu essen… Also einfach essen lassen, was und wann sie will? „Noch niemand ist an 3 Wochen nur Nudeln mit Soße essen gestorben.“ sagt er sinngemäß und auch: „Die Eltern sind verantwortlich. Dann dürfen sie halt nichts im Haus haben, was sie nicht gut finden.“ Hm. Vielleicht wahr, aber ziemlich unrealistisch, oder? (Und Herr Juul himself ist in der Hinsicht wohl auch kein nachahmenswertes Vorbild, by the way… Check) Und wie sieht das aus mit iPad-Spielen und Fernsehen? Irgendwie fühlt es sich schon so an, als müsste man den Kids in der Hinsicht ein Maß mit auf den Weg geben. Ich fühl mich dafür verantwortlich… verpflichtet… Ist das falsch? Kann… Muss… Sollte man denn immer richtig sein (wollen)?

Und dann noch die Sache mit dem „Mann sollte die Kinder einfach mitlaufen lassen“… Man würde seine Kinder heute viel zu sehr mit Aufmerksamkeit überhäufen, viel zu viel Kinder-Animation betreiben… Ja, sehe ich auch so. Sehr sogar. Und wenn man auf’m Bauernhof arbeitet oder auf dem Feld, dann mag das vielleicht auch toll funktionieren… Sich die Kinder einfach auf den Rücken schnallen und ab geht’s. A.B.E.R: Das berücksichtigt irgendwie nicht, wie die Realität Vieler heute aussieht. Was machen wir nämlich? Wir sitzen vorm Rechner. Und dabei kann man die Kinder nicht „einfach mitmachen / mitlaufen“ lassen. Man läuft ja nicht. Man sitzt. Und man muss sich konzentrieren. Für’s Kind ist dabei kein Platz. Es gibt nichts zu gucken, nichts zu erleben. Es gibt nur Stille, Geticker und Stören. Computerarbeit und Kinder sind nicht vereinbar. Jedenfalls nicht gleichzeitig.

Hach ja. Schön rumgekreist und vom Weg abgekommen…

Wie die Bilanz nach einem halben Jahr zu viert nun ausfällt?

Medaillenseite 1: Wir sind ziemlich durch. Wir sind spätestens 16 Uhr nachmittags sackmüde, können uns aber meistens nicht dazu entschließen, einfach mal direkt mit den Kindern ins Bett zu gehen. Also tun wir das regelmäßig viel zu spät, denn uns fehlt selbstbestimmte Zeit! Die ziehen wir vom Schlaf ab, wodurch wir natürlich noch müder werden. Wir müssen weitermachen. Immer, immer weitermachen… Auszeiten gibt’s nicht. Oder nicht wirklich. Im Moment wüssten wir nicht einmal wofür wir sie nutzen könnten. Das Quietschen und Quaken des kleinen Kindes bringt uns in den letzten Tagen beinahe um den Verstand. Er ist krank und wahrscheinlich im 26-Wochen-Schub (obwohl ich nicht an das Vorhandensein von Wochenschüben glaube). Die Große macht’s uns auch nicht einfacher durch ihre „Ich kann das aber alleine – ich will aber erster sein – Nein! Das geht so aber nicht – Ihr seid gemein!“-Heul-Tiraden. Abends wünschen wir uns nicht selten, wir könnten die Zeit vordrehen bis zu dem Punkt, an dem die Kinder endlich im Bett sind. *seufz* Mit uns als Menschen, als Denkende, als Aktionisten, als Künstler, als Freunde, als Paar ist im Moment nicht viel los…

Medaillenseite 2: Wir sind ziemlich zufrieden. Wir werden früh von einem glucksenden, ungeheuer niedlichen Baby geweckt. Das erste, was du siehst, ist das verliebteste und ehrlichste Strahlen der Welt. An jedem Morgen ist das erste, was ich tue, meinem kleinen Baby, das direkt neben mir liegt, über den Kopf zu streicheln, ihn aus seinem Schlafsack zu befreien und meine Wange ganz dicht neben seine zu legen. Er streckt sich dann ausgiebig, erzählt ein bisschen und dreht suchend den Kopf umher. Ich flüstere zu K., dass er mal gucken soll, weil sein Sohn ihn begrüßen möchte… Dann rufen wir P., die meist schon seit einer Stunde leise in ihrem Zimmer spielt. Ich höre die tappelnden Schritte, wir ziehen unsere Decken hoch und P. springt mit zu uns in die Kiste. Wir schieben ein Stück vom Rollo nach oben, Sonnenlicht fällt auf’s Bett… K. und ich beobachten, wie unsere Tochter unserem Sohn erzählt, was sie in der vergangenen Nacht geträumt hat und er lacht sich darüber kaputt. Manchmal kriegt man ziemlich feuchte Augen vor Rührung. Und da ist man gerade einmal seit 10 Minuten wach…

Keine Eifersuchtsdramen. Größere gesundheitliche Downs gemeinsam gemeistert. Ziemlich gut auf einem Nenner gelandet. Und immer wieder überrascht, dass wir das doch irgendwie alles hinbekommen und es sich zwar ständig so anfühlt, als würde die Energie uns im Stich lassen, sie es aber halt nie endgültig tut.

„Wir schuften weiter, immer weiter.“

Fernsehentzug (2)

Das Fernsehexperiment hat echt sehr interessantes bewirkt.

Es war ja – wie hier erzählt – so, dass für P. die Glotze viel zu alltäglich und selbstverständlich war und sie schon beim nach Hause kommen fragte, ob sie glotzen darf. Sie hat zum Teil richtig Stress gemacht, wenn das verneint wurde. P. durfte Caillou gucken, wenn wir das Abendessen vorbereitet haben. Manchmal fragte sie ab 16 Uhr, wann wir endlich Abendessen vorbereiten werden. Sie hat sich kaum noch selbst beschäftigt, ihr Zimmer hätten wir eigentlich auch ausräumen können… Sobald ihr langweilig wurde, wollte sie glotzen. Das hat sich nicht gut und nicht richtig angefühlt. Der Fernseher wurde dadurch zu einem, den Alltag mit strukturierenden Ding.

Also haben wir ihr gesagt, dass der Fernseher kaputt ist. Das war sicher nicht sehr pädagogisch wertvoll, weil es ja nicht wahr war… Ich hatte zugegebenermaßen einfach keinen Nerv auf die Diskussion, wenn ich ihr einfach gesagt hätte, dass ich plötzlich nicht mehr will, dass sie so viel fernsieht. Ich kenne schließlich P.s Ausdauer in solchen Dingen. Sie hat die Ansage recht schnell akzeptiert und nach 2-3 Tagen kaum noch nach dem Fernseher gefragt.

Und 4 Wochen später?

1. Sie hat tatsächlich ihr Zimmer wiederentdeckt. Sie hat angefangen, sich selbst Beschäftigungen zu suchen. Sie malt, sie tanzt… Und jaaa… Sie fragt seeehr oft: „Kannst du mit mir spiiiiielen?“ So oft, dass ich manchmal fast schwach werde, weil es so einfach wäre, sich Ruhe zu verschaffen. Aber ich finde, dass es trotzdem so besser und richtiger ist.

2. Sie schläft besser. Das ist ja eine Vermutung, die ich schon häufig gelesen habe: Schlafprobleme bei Kindern könnten mit zu viel Medienkonsum zu tun haben. Vor einem Monat brauchte sie manchmal 2-3 Stunden zum einschlafen. Aktuell ist das in 99% der Fälle kein Problem. Wir haben allerdings auch das Ritual abends etwas verändert.

(Nach dem Bad gehen wir in ihr Zimmer, lesen wie üblich zwei Geschichten. Dann stellen wir einen Wecker, der nach fünf Minuten klingelt. In den fünf Minuten – „bis der Wecker klingelt“ können Kinder in dem Alter besser begreifen – darf sie sich noch bei Licht ein Buch anschauen. Danach gehen wir rein, machen ein Hörspiel an und das Licht aus. Letzteres hat hier noch vor Kurzem für große Probleme gesorgt. Davor hatte sie immer eine gedämpfte Lampe an und ist extrem schwer in den Schlaf gekommen, hat sich aber auch gegen eine dunkles Zimmer gesträubt. Lösung: Sie bekommt so ein Fingerlicht an den Finger… Das akzeptiert sie. Klappt wirklich ganz toll!)

Inzwischen gucken wir einfach dann Fernsehen, wenn wir einen Freiraum haben – wie manchmal sonntags oder so – und richtig Lust darauf. Das ist mit Kleinkind natürlich nicht so einfach… Das sind ja solche Lustmonster. Ich versuche das irgendwie nach Gefühl zu machen und ehrlich zu mir selbst zu sein. Ist das ein Moment, in dem es mir nur gelegen kommen würde, sie mal einen Moment ruhig zu haben? Oder wäre das wirklich jetzt eine schöne Sache. Im Moment läuft der Fernseher so 1-2 Mal pro Woche. Wenn überhaupt. Letzte Woche zum Beispiel gar nicht. Vorher war es täglich. Wir suchen uns dann ein Märchen oder eine DVD heraus und gucken die ganz bewusst. Zusammen. Und auch nur das eine und nicht mehrere Dinge hintereinander. Das gibt nun noch etwas Stress, weil sie nach der einen Sache immer gleich die Nächste gucken will… Jaja, im maßvollen Genuss war ich selbst als Kind wohl auch nicht wirklich gut.

Alles in allem war der Fernsehentzug für uns aber auf jeden Fall wichtig und richtig und hat ziemlich genau das bewirkt, was ich mir erhofft habe.

Fernsehentzug (1)

P. ist momentan nicht selten… ähmmmmm… anstrengend. Fordernd. Überdreht. Und sie braucht abends 1-3 Stunden zum Einschlafen.

Für P. ist Fernsehen innerhalb des letzten halben Jahres selbstverständlich geworden. Zu selbstverständlich. So selbstverständlich, dass sie teilweise schon kurz nach dem (aus der Kita) nach Hause kommen fragt, ob sie fernsehen darf. Der Deal ist, dass sie Caillou gucken darf, während K. oder ich das Abendessen vorbereiten. Am Anfang waren das 1-2 Folgen, wobei eine Folge etwa 10 Minuten dauert. Jetzt waren es teilweise aber eher 4-5 Folgen. Hintereinander.

Wie kam das?

Angefangen hat das recht früh mit dem Sandmännchen. Und den kleinen, kurzen Maulwurf-Gesichten. Dann kam Lauras Stern. Das war seeeehr lange in. Der Sandmann war dann out. Beziehungsweise haben wir es nicht mehr geschafft, rechtzeitig zum Sandmann auch nur annähernd bettreif zu sein und die Geschichten mag P. eh nicht sonderlich… Und seit einem halben Jahr ist es halt der Glatzkopf. Immerhin guckt sie nicht irgendwas. Und keine Werbung. Inzwischen möchte sie auch gern Bibi Blocksberg gucken – sie hat gerade eine extreeeeme Bibi Blocksberg-Phase. Aber das ist eigentlich noch zu viel für sie, finde ich… Ich hab das Gefühl, dass sie das überfordert. Zu viel, zu schnell, zu lang, zu abgedreht. Laura und Caillou sind thematisch konkreter und bringen mehr aus ihrer Welt. Caillou ist zum Teil auch betont pädagogisch wertvoll. Es wird sehr darauf geachtet, dass die Kinder unterschiedlich aussehen – unterschiedliche Hautfarben haben zum Beispiel. Es geht oft um Themen wie Fairness. Und der Vater ist als Hausmann Zuhause, während die Mutter die Hauptverdienerin ist. Soweit so okay.

Wir haben uns eingeredet, dass sie dabei/dadurch ganz gut runterkommt. P. ist ein ziemlich total extrem aktives, tendenziell eher laut-plapperiges ununterbrochen reden-lachen-singen-brüllen-FRAGENDES Kind. Wenn wir mit ihr nach Hause kommen, surrt uns der Kopf ziemlich und wir lechzen nach einer Pause, nach einem Moment Ruhe. Noch mehr, seitdem T. da ist und zeitgleich nach Futter verlangt und/oder brüllt. Die Glotze macht es einem (scheinbar) einfacher, solche Momente zu organisieren.

Trotzdem: Ich hatte/habe dabei einfach kein gutes Gefühl. P. sitzt eigentlich nie allein vor der Glotze. Wir machen das zusammen. Aber gerade in letzter Zeit habe ich sie Mal genauer dabei beobachtet. 5 bis 10 Minuten schaut sie sich recht konzentriert die Geschichte an. Sie fiebert auch echt krass mit. Freut sich und ist traurig mit den Figuren. Aber nach kurzer Zeit fängt sie an, unruhig zu werden, auf dem Sofa rumzurutschen, durch’s Zimmer zu laufen, nah an den Fernseher ranzugehen… „rumzuschmieren“… wie meine Mutter das früher nannte… Also so auf dem Sofa rumzuwälzen. Es ist, als gäbe es einfach zu viel Input und zu wenig Output.

Dann fiel mir in letzter Zeit auf, wie extrem aufgedreht sie abends ist und vor allem, dass eigentlich gar nicht mehr in der Lage war, sich selbst zu beschäftigen. Sobald ihr langweilig wurde, brüllte sie entweder nach einem von uns, der mit ihr spielen/ihr was erzählen – ergo: sie beschäftigen – sollte oder nach Süßigkeiten oder nach der Glotze / dem iPad. Alles falsch gemacht also, oder? Ich hab das Gefühl, hier gerade dabei zuzuschauen, wie ihr Ideenreichtum „zugunsten“ der scheiß Glotze flöten geht. Und das will ich nicht!

Also ist der Fernseher jetzt erst einmal kaputt.

Ich verteufle das Ding eigentlich nicht. Ich schaue gern selber Serien und Filme. Oft und viel. Und ich finde es nicht unbedingt verwerflich, sowas als Hobby zu haben oder es einfach gern zu tun / entspannend zu finden.

Ich möchte jetzt aber einmal sehen, ob ich einen Effekt bei P. bemerke oder nicht. Danach entscheide ich, wie (und ob) wir damit einen gesünderen Umgang finden müssen. Ich stelle mir das aber schwer vor. Wenn Kinder einmal die Option Fernsehen erkannt (und gut gefunden) haben, wollen sie immer mehr und mehr.

Wie handhabt ihr das? Wie sieht eurer Umgang damit aus? Gibt’s Regeln? Habt ihr auch (manchmal) ein schlechtes Gewissen? Oder gibt’s Fernsehen bei euch gar nicht?

 

Der erste Abend und erste komplette Tag:

Gestern Abend fragte P. wie üblich, ob Papa nun Essen machen könne. Jahaaa… Schlaues Kind. So rum wird hier nämlich gefragt. Ich hab ihr dann erklärt, dass der Fernseher kaputt sei. Kurzer irritierter Blick. Dann war’s offensichtlich okay. Der Abend und das Zubettgehen liefen gefühlt dann etwas geregelter, ruhiger und harmonischer ab.

Morgens ist K. zur Abwechslung mal wieder pünktlich mit ihr aufgestanden – wir haben uns auch vorgenommen, wieder etwas mehr Routine, Ruhe und Gleichmäßigkeit in unseren Alltag zu bringen. Der Morgen lief gut, die beiden waren sogar fast pünktlich in der Kita.

Nachmittags nach dem Einkaufen hat sie sich zunächst mit einer Zeitschrift und ihrer Knete in ihr Zimmer verzogen und gespielt. Dann gab’s Abendessen. Erst hier kam das erste Mal die Frage nach der Glotze (Das hat mich überrascht). Wieder die Erklärung: Fernseher kaputt. Danach hat sie zwar nach Bespielung durch K. verlangt und das Zubettgehen war jetzt auch nicht sooooo viel anders als sonst… Aber sie war (gefühlt) weniger überdreht. Zum Einschlafen ha se trotzdem knapp 1,5 Stunden gebraucht.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Mensch Kind, jetzt mach doch mal ein bisschen mit!

Boar… Kleinkind-Eltern: Kennt ihr das? Der alltägliche Plan sieht in etwa Folgendes vor: Kind von der Kita abholen, eventuell Zwischenstopp auf’m Spielplatz oder so, nach Hause, ein bisschen (RUHIG!) spielen (hahahaha…), gemeinsames fröhlich-entspanntes Abendessen, Runterkommen, kleine Bad-Runde (Waschen-Zähne-Schlafanzug), 2 Geschichten vorlesen, Küsschen, Schlafen. Danach Feierabend.

Schöner Plan. So läuft es aber in so… hmnnn… vielleicht 3? von 100 Fällen. Wenn’s hochkommt. Weil 3-Jährige Meister-Saboteure sind! Wir sagen hier jedenfalls ständig diesen bescheuerten Satz: „Kannst du nicht ein bisschen mitmachen?“ Meistens in den Umbruch-Situationen: Vom Schlafanzug in die Tagessachen, vom Kinderzimmer an den Frühstückstisch, vom Frühstückstisch ins Bad zum Zähneputzen, beim Fertigwerden mit dem Zähneputzen, beim Zahnputzwasser ausspülen, vom Bad zum Straßensachen anziehen, das Straßensachen anziehen ansich und dasselbe abends noch einmal potenziert, weil dann noch die kleinkindliche Müdigkeit dazukommt.

Als ich mit einem quietschvergnügten T. heute früh eine entspannte Wickelrunde verbrachte, krachte P. die Badtür auf, so schnell und doll, dass sämtliche Gerätschaften vom Badschrank herunterfielen. „Das is nis so slimm! Das räumt Mama wieder auf… Aaaaah, T.-Mann, kleiner Babymann, Papi, ich will meine Treppe… Oh T.! Hallo guck mal, der nimmt meine Hand! Lalalalalalalaaaa… Ich will die Zahncreme drauf machen! Nein Papi! Is kann das son alleine! Neeeeeeein!! Is will das!!! Blöder Papi!!“ *rumms* Abgang Kind.  Dramatische Heulerei aus dem Kinderzimmer. K. guckt mich mitleidserregend an: „Jeder Schritt. Jeder einzelne Schritt ist ein Kampf. ALLES wird diskutiert und torpediert! Da wird man doch IRRE!“

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage des Kindes hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Sie werden ja quasi den ganzen Tag fremdbestimmt. Ständig sollen sie irgendwas machen, was sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Ständig sollen sie dem Ablauf folgen, der von Anderen festgelegt wurde. Dazu haben die Eltern im Alltag nicht selten eine „Jetzt mach doch mal!“-Art drauf. „Jetzt zieh dir doch mal die Hose an!“ … „Jetzt iss doch mal dein Essen auf!“ … „Jetzt wasch dir doch mal die Hände!“ … Kinder sind keine Roboter. Und es ist schon verständlich, dass Kinder ja gar nicht anders können, als in diesen zum Teil recht festen Abläufen zu versuchen, trotzdem ihr Ding zu machen.

Wie sieht „ihr Ding“ aus? Wegrennen, rumhüpfen, kreischen statt Hose anziehen zum Beispiel. „Ich will aba feeeeahnsehn!“ statt sich an den Frühstückstisch setzen. „Ich hab aber jetzt Huuuungerrr! Ich will JETZT was Esseeeeeen! SOFORT!“-Schreien, während der Vater gerade angefangen hat zu kochen. Sich so komisch durchhängen lassen und dabei irre rumlachen, dass es unmöglich ist, das Kind für die Badewanne nackig zu machen. Und natürlich: Die Dinge alleine machen wollen. Verständlich. Sind halt Kinder.

Und wie gehen wir damit um? Wir wollen ja verständnisvoll sein. Versuchen, uns in die Lage des Kindes hineinzuversetzen (siehe oben). Können ja verstehen, dass die nicht immer einfach machen (können), was man gerade von ihnen will. Und dabei merken wir ständig überdeutlich unsere eigenen Grenzen.

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage der Eltern hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Es macht uns wahnsinnig, dass man morgens einfach „nicht vorwärts“ kommt. Wir versuchen im Bad innerlich ganz oft ganz tiiiief ein- und aus zu atmen und beschwören das Kind mit angestrengt ruhiger Stimme, es möge doch bitte zu uns kommen, damit wir es endlich ausziehen können. Wir hören uns viel zu oft drohend sagen: „Denk an deine Geschichte!“, wenn das Kind dem Bitten nicht nachkommt. Wir streichen dann und wann tatsächlich verzweifelt als letzter Anker eine abendliche Geschichte und provozieren damit einen noch viel nervenaufreibenderen Heul-Brüll-Wutanfall, der unseren Kopf fast zum Platzen bringt. Wir möchten eben diesen gern ab und zu einfach ins Essen fallen lassen und meinen, vor Überforderung auf der Stelle tot umfallen zu müssen, wenn nach Stunden endlich die ganze Familie gemeinsam am Essentisch sitzt (man hat nämlich – pädagogisch wertvoll! – gemeinsam gekocht) und das Kind sich plötzlich lautstark weigert, das Gekochte wenigstens zu probieren, stattdessen beständig nach Süßigkeiten verlangt, schließlich mit viel Überredekunst tatsächlich doch einen Mini-Bissen kostet, nur um kurz darauf loszubrüllen, weil das Essen angeblich zu heiß ist (was nicht sein kann, da es dort ja schon seit mittlerweile 30 Minuten vor sich hin kühlt), sich dabei vor Aufregung auf die Zunge beißt und vor Schreck den Becher Apfelsaft umwirft, woraufhin dieser sich über den gesamten Küchenboden verteilt. Wir wünschen uns, man könnte sich einfach wortlos umdrehen und sich wieder ins Bett legen, wenn man morgens gut gelaunt das Kind wecken möchte und der erste Wutanfall einen schon auf der Türschwelle entgegenföhnt (man hat es gewagt, das große Licht auszumachen). Und wir fühlen uns irgendwie schlecht, wenn wir nach dem Abgeben des Kindes vor dem Kindergarten stehen und spüren, wie die Anspannung von uns abfällt, angesichts der Stunden ohne kleinkindliche Dramen, die nun vor uns liegen. „Kannst du nicht einfach mal ein bisschen mitmachen?!?!?“ hören wir uns sagen. Ständig. Und dabei wollen wir das gar nicht.

Manchmal fühlt es sich doch einfach an, als müsste man jetzt auf der Stelle verrückt werden. Oft schwirrt-dröhnt-schmerzt einem der Kopf abends so heftig, dass es nach dem Zu Bett-Bringen nur noch (maximal) für Sofa und Glotze reicht und nicht einmal ansatzweise zur Rettung der Welt. Manchmal will und manchmal kann man einfach nicht mehr diskutieren, verhandeln, das Gebrüll milde lächelnd oder tröstend ertragen… Manchmal erträgt man keinen weiteren Kreischanfall. Manchmal will man Feierabend. Manchmal braucht man ’ne Pause von alldem. Dann ist es gut und wichtig, dass es (Groß-)Eltern gibt, die das Kind einem liebend gern für einen Nachmittag oder ein Wochenende entführen. Dann ist es gut und wichtig, mal alleine für 1-2 Tage wegzufahren, viel Schreibzeug mitzunehmen und auf’s Meer zu glotzen. Dann ist es gut und wichtig, mit dem Freund endlich mal wieder zu einem Konzert zu gehen und viel zu viele Gin Tonics zu trinken.

Haben all die Rosa-Wattewolken-Eltern diese Gefühle eigentlich nicht? Ich lese in so viele Mama-/Eltern-Blogs rein und die „mein Keks-Schnäuzel-Bärchen-Hase-Muppfel-Lieblingsschatz“-Fraktion treffe ich nach wie vor am häufigsten. Kompensieren die das irgendwie besser? Gibt es  Eltern, die wirklich ohne „Drohungen“ auskommen (Wenn du nicht mitmachst, dann hab ich keine Lust dir nachher vorzulesen-mäßig)? Gibt es etwa Eltern, die das immer alles total verstehen und nie nervig-anstrengend finden?? Oder drücken die das nur weg und werden irgendwann krank??? Oder lügen die sich selbst was vor? Und wie machen das Eltern, die ihr Kind (am Ende sogar FREIWILLIG) nicht betreuen lassen? Wie machen das Eltern, deren Kinder nicht bei Oma pennen wollen?  Oder ALLEINERZIEHENDE?? Ich würde durchdrehen! Ehrlich!

Im Übrigen vermisse ich mein Kind IMMER, wenn ich es 1-2 Tage nicht gesehen habe. Mit ein wenig Abstand gelingt es mir nämlich, die Situationen von außen zu betrachten und mir zu verdeutlichen, was da eigentlich passiert und wie man gelassener damit umgehen könnte. Ich schaffe es dann, meine Prioritäten wieder zurechtzurücken und mir klarzumachen, dass es eigentlich viele Stellen im Alltag gibt, an denen man die Dinge nicht schnell „erledigen“ muss und so den Nerv rausnehmen kann. Warum neigt man eigentlich dazu, immer mit dem, dem und dem danach schnellstmöglich fertig werden zu wollen? Die Dinge einfach eins nach dem anderen abzuhandeln bis wieder ein Tag rum ist? Eigentlich ist das bescheuert und das wird mir mit Abstand dann auch meistens bewusst. Mir ist es zum Beispiel mittlerweile ziemlich egal, ob wir zu spät in die Kita kommen. Auch wenn wir dafür nicht selten komisch beäugt werden. Und eigentlich schaffen wir es inzwischen tatsächlich sehr oft, ruhig zu bleiben, auch wenn das Kind gerade mal wieder wegen einer Kleinigkeit ausrastet. Aber immer geht das einfach nicht. Muss es ja wahrscheinlich auch nicht. Das Kind soll ja auch… (Oh Mann… Soll ich das jetzt echt sagen? Na egal…) … es soll ja „Grenzen“ kennenlernen. Auch die der Eltern, schätze ich.

Manchmal tut’s mir aber trotzdem leid, wenn ich dem Kind und seinen ganz normalen (Aus-)Ticks nicht so verständnisvoll begegnen kann, wie ich das gern würde. Denn der Grund ist ja eigentlich nicht, dass das Kind etwas „falsch“ macht, sondern dass ich gerade aus irgendwelchen Gründen nicht die Geduld habe, damit „cool“ umzugehen. Wenn man aneinander gerät, einer 3-Jährigen zu vermitteln, dass sie trotzdem okay ist und man nur doof findet, wie sie sich jetzt gerade verhält, dabei trotzdem zu mir und meinen Grenzen zu stehen und irgendwie mit reinzubringen, dass man einfach selber gerade nicht mehr kann und es eigentlich nicht an ihr liegt, ein anderes Verhalten aber doch für alle irgendwie angemessener wäre, das ist eine echte Herausforderung, finde ich. Und eigentlich auch ein ziemlich sinnloses Unterfangen, denn Kindern in dem Alter brauchst du nicht mit Rationalität kommen… Schon gar nicht, wenn sie gerade am Durchdrehen sind (Stichwort Dominanz der rechten Gehirnhälfte – lesenswerter Artikel dazu hier: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/05/autonomiephase-trotzphase-warum-immer.html) Oft bin ich mir nicht sicher, wie ich mit dem ein oder anderen Flipp eigentlich umgehen will. Oder kann. Oder muss. Oder sollte.

Ich liebe meine Tochter. Und ich habe gerade echt viel Spaß mit ihr, weil ich nach den Monaten der Schwangerschaft, in denen ich kaum verfügbar war, endlich wieder da bin und sie das auch sichtlich genießt. Und ich weiß, dass es dazu gehört, dass sie bei Dingen nicht so mitmacht, wie ich das mir wünsche. Liegt der Wunsch nach möglichst reibungslosen Abläufen aber nicht sogar so ein bisschen in der Natur des Menschen? Kann und sollte man dagegen etwas tun? Macht es Sinn, zu versuchen, das nicht mehr als anstrengend zu empfinden? Es geht mir nicht darum, eine (nach Außen) perfekte Mutter sein zu wollen oder so. Mir geht es darum, dass ich mein Kind nicht verletzen, nicht kränken, ihm keinen Schaden durch doofes elterliches Verhalten zufügen will. Wie viel Geduldsfadenreißen ist okay bzw. sogar notwendig? Ich weiß es nicht… Also werde ich vorerst erstmal weiter üben, tiiiiiief ein und auszuatmen und mich selbst nicht zu hart dafür ranzunehmen, wenn das Verhalten meines Kindes mir manchmal einfach zu viel ist und ich dann nicht mehr so damit umgehen kann, wie es vielleicht richtiger wäre. Bis ich eine konkretere Vorstellung davon habe, wie überhaupt ein „richtiger Umgang“ mit sowas meiner Meinung aussieht.

Geburtstagsdilemmata

Der dritte Geburtstag meines großen Kindes – Ha! Es fühlt sich immernoch so neu an, das so zu sagen – wurde ja an diesem Montag begangen. (Und er wird am Sonntag mit einem fetten Kindergeburtstag bei Kawi Kids noch weiter zelebriert…)

kaqpjöj

Ich habe gelernt, dass der dritte Geburtstag ganz, ganz wichtig ist. Weil es nämlich der erste Geburtstag im Leben eines Kindes zu sein scheint, den sie bewusst mitbekommen. P. hat jedenfalls w-o-c-h-e-n-l-a-n-g auf ihren Geburtstag hingefiebert. Das wurde noch dadurch verstärkt, dass unglaublich viele ihrer kleinen Freunde in den vergangenen Wochen Geburtstag hatten. „Wann hab ich Geburtstag? Wann hat die T. Geburtstag? Und wer kommt da alles?“ war Dauer-Thema.

Und Geschenke. Die waren auch Dauerthema.

Wir haben das ja eigentlich ziemlich schlau angestellt, wie ich finde. Also das mit ihrem Geschenk. Sie wollte nämlich eigentlich einen dritten Arztkoffer haben. Warum auch immer. Wir haben ihr dann „nahegelegt“, dass so eine Kasse doch ’ne gaaaanz tolle Sache wäre. Darauf hat sie sich dann (zum Glück) eingeschossen und sich den Po weggefreut, als am Geburtstagsmorgen im großen Geschenk tatsächlich eine Kasse drin war: „Eine Kasseeee! Ja wirklich! Eine Kasseee! Ich hab die wirklich gekommen, Mami!“ – ich krieg schon feuchte Augen, wenn ich nur daran denke. So niedlich war das. Der Kaufmannsladen kam alles in allem super an, ist ein gutes Geschenk, weil es lange Spielspaß bringt, der auch noch so halbwegs sinnvoll ist und alle konnten kleines Zubehör dazuschenken. Super Ding also. Kann ich nur empfehlen zum dritten Geburtstag.

Wo da das Dilemma ist?

Beim Thema Geschenke ganz allgemein, finde ich. Wie handhabt man das? Als Eltern macht’s ja schon großen Spaß, dem Kind eine Freude zu machen und ihm einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen. Leuchtende Kinderaugen sind ja was Schönes… Aber: Wie weit will, kann und sollte man da „mitgehen“?? Kann man es vertreten, dem Kind Scheiß zu schenken, wenn es sich das nun einmal wünscht? Und wie geht man mit Verwandten um, die von den Eltern sehr unerwünschten (vom Kind aber natürlich heiß geliebten) Trash anschleppen??

Es dürfte in den nächsten Jahren sicher noch sehr viel wichtiger werden, was man dazu für eine Meinung hat.

Ja, Elternbuddies. Ihr wisst genau wovon ich spreche… Ich sage nur eins:

FILLY PFERDCHEN !!!

Vor kurzem stand ich in unserem schönen Spielzeugladen, um Geschenke für eine der Freundinnen meines Kindes zu besorgen. Neben einem coolen kleinen Spielzeug (aufziehbare Eisenbahn + Eisenbahnschienen zum Zusammenpuzzeln) schleppte ich fast unbemerkt auch zwei verdammte Tüten Filly-Dreck zur Kasse. Der Verkäufer guckte mich fragend an. „Mit drei? Echt jetzt?“ – „Äh.. äh… Ich kann da nichts für, echt… Also äh… ich…“ – „Ja, ich weiß schon… Da fängt einer im Kindergarten mit an, stimmt’s? Und dann haste keine Chance.“ – „Äääääh, ja genau.“

Ja, naja, also nein. Also hätte man doch… Klar hätte man die! Man könnte sich weigern. Man könnte dem Kind natürlich sagen, dass man solchen Mist nicht kauft und gut. Also mehr oder weniger gut. Das würde dem Kind nämlich einmal mehr sein kleines Kinderherz ein bisschen brechen. Es gäbe Tränen und ein fieses Kleinkind-Gewitter und wenn man das Kind beim nächsten Mal  von der Omi abholt kann man ganz, ganz sicher sein, dass der Bann gebrochen wurde und das Kind sein beknacktes Filly-Pferdchen noch viel, viel mehr liebt als ohne die „Nein“-Ansage der fiesen Eltern. (O-Ton: „Ihr seid ganz gemein zu miiiiir!“)

Und außerdem: Wie war das denn bei uns? Da gab es zum Beispiel TAMAGOTSCHIS. Bei meinem Bruder war Pokémon in. Und ich kenne einige, deren Eltern den Barbie-Mist versucht haben, zu unterbinden und deren Kinder am Ende die schlimmsten Barbie-Fanatikerinnen waren. Ich selbst gehöre übrigens auch dazu.

Mein Kind hat zum dritten Geburtstag eine Mischung bekommen. Einen Kaufmannsladen und Bücher zum Beispiel. Dinge, die ich unterstütze. Und ein (!) Filly-Pferdchen. Und Kinderschminkstifte. Und einen schrecklichen Plaste-Girly-Mini-Schminktisch (!!!) von meiner Oma. Ohne Absprache natürlich… Und meine Tochter liebt das Teil. Klar. Tja…

Was soll man machen? Ich muss darüber mal noch ein bisschen sinnieren. Mir schwant, dass es unmöglich (und unsinnig) ist, immer zu versuchen, pädagogisch wertvoll zu handeln und zu entscheiden, damit das Kind auch ja ein kluges, cooles Stück Mensch wird. Ich denke nicht, dass das insbesondere davon abhängt, dass das Kind nur mit Stöcken und Kastanien spielt. Inwiefern man es als Eltern vertreten kann, Mist zu konsumieren und anzuhäufen ist da wohl die viel wichtigere Frage. Von wegen vorleben und so.

Jesper Juul (ich glaub, der war’s) hat jedenfalls Mal gesagt: Eltern sind nun einmal Eltern und keine Pädagogen. Und das ist auch gut so. *hinter die Ohren schreib*

Was ist richtig für uns?

(Oder: Sind wir einfach nicht für’s Kinder haben gemacht?)

Stan, wir können nicht einfach tun und lassen, was wir wollen! Wir haben Kinder! Meinst du, ich würde mir nicht gerne jeden Tag ’ne dicke, fette Line Koks reinziehen? Das geht aber nicht, weil ich morgen zum Elternabend muss. Und du musst die Garage aufräumen, ein paar Rechnungen bezahlen, die Regenrinne säubern, das Auto braucht einen Ölwechsel, …  

Ich habe in den letzten Tagen wieder einmal in das Buch „Die ersten fünf Jahre – Wie sich Ihr Kind entwickelt“ von Richard Michaelis geschaut. (Übrigens ein Buch zum Thema kindliche Entwicklung, was mir persönlich viel besser gefällt als Klassiker wie „Oh je, ich wachse“ oder auch „Babyjahre„, die mich immer eher verunsichert als wohltuend informiert haben.) Das Thema kindliche Entwicklung interessiert mich einfach und auf Basis der Studienveranstaltungen zur Entwicklungspsychologie, die ich besucht habe, kann ich sagen, dass ich dieses Buch für wissenschaftlich fundiert halte und es trotzdem leicht verständlich finde. Ich mag die Einstellung, mit der der Autor die Erkenntnisse vorträgt… An einigen Stellen könnte es für meinen Geschmack noch etwas ausführlicher sein. Zum Beispiel an der, um die es mir hier geht…

In dem Buch gibt es einen Abschnitt „Kinder in der Familie“. Thema ist dort, dass Kinder in der westlichen Welt heute vorrangig in Kleinfamilien aufwachsen und Eltern häufig damit zurechtkommen müssen, dass… ja, womit eigentlich?

Eltern müssen damit zurechtkommen, dass sie nicht mehr (tendenziell) egoistisch, selbstbestimmt und „mal gucken, wo mich meine Nase hinbringt“-mäßig durch’s Leben gehen können. Eltern müssen damit klarkommen, dass ihre frei verfügbare Zeit sehr viel eingeschränkter und anders abläuft als vor dem Elternsein. Eltern müssen damit umgehen lernen, dass ständig etwas von ihnen verlangt wird und sie müssen sich fragen, was sie davon auf welche Weise geben wollen, könne und müssen in einer Zeit, in der sie theoretisch so gut wie alles geben können und es viel weniger Grenzen des Erreichbaren und Möglichen gibt.

Ich komme als „erziehendes“, mit einem Kind zusammenlebendes Stück Mensch immer und immer wieder zu Punkten, an denen ich mir nicht sicher bin, wie ich es eigentlich machen will und sehe. Wie ich es richtig finde. Wie es für mich okay ist. Oft geht es dabei darum, was ich will, kann, brauch und/oder muss und was mein Kind gerade braucht, verlangt, kann, will und/oder muss.

Die Frage ist: Wie viel ist gut für mich, für uns und für das hier?

Wie viel Bespaßung? Wie viel an kindermäßigen Freizeitaktivitäten? Wie viel von dem, was heute so gern als „Anregung“ bezeichnet wird? Und welche? Wie viel „Mitlaufen“ im Alltag? Wie viel Langeweile? Wie viel Action? Wie viel Fernsehen? Wie viele Süßigkeiten? Wie viel Gemüse? Wie viel Trinken? Wie viel Schlaf? Wie viel Sonnencreme? Wie viele Klamottenschichten? Wie viele Termine? Wie viele Regeln? Wie viele Vorschriften? Wie viele „Maßregelungen“? Wie viele Freiheiten? Wie viel „Laissez-faire“? Wie viel „Lass mich jetzt mal machen“? Wie viel „Mach mal dein Ding“?  Wie viel „Ich muss jetzt aber mal…“? Wie viel Ehrlichkeit? Wie viele Nachfragen? Wie viel Trösten? Wie viel eingehen auf’s Gemecker? Wie viel Beibringen? Wie viel Vorsagen? Wie viel selbst herausfinden lassen?

(„Wie viel“ ist dafür natürlich nur ’ne Helikopter-Fragestellung, die es gar nicht genau trifft. Es geht ja dabei ja schließlich nicht um die Menge, sondern vor allem um das „Wie will ich das machen?“)

Ich versuche beständig, meinen/unseren eigenen Weg zu finden und stoße dabe natürlich ständig auf Unklarheiten, faule Kompromisse, Widersprüche, Gegensätze und Gewissensbisse.

Das Gefühl, lieber irgendwie was Anderes machen zu wollen als den Tag im überfüllten Zoo, im Schwimmbad, auf dem Spielplatz oder sonstwo „kindgerecht“ zu verbringen lässt sich nicht so leicht rechtfertigen, wenn man gar nicht genau weiß, was man eigentlich lieber täte. Wenn das kein „ich muss“ dahinter steht… Denn die „ich muss“-Sachen lassen sich hier meistens irgendwie organisieren… Noch weniger leicht lässt sich das Gefühl abstellen. Die Erleichterung, wenn die Oma das Kind aus der Kita abholt und erst kurz vor dem Schlafengehen bringt, führt zu einem fiesen Zwicken im Nacken: „RABENMUTTER, DU BIST EINE VERDAMMTE RABENMUTTER, DIE IHR KIND BEI JEDER GELEGENHEIT LOSWERDEN WILL!“

Ich sehe Frauen und Männern, die mit ihren Kindern Juchzend alle Rutschen und Kletterstangen des Indoor-Spielplatzes ausprobieren, die hochmotiviert stundenlang Türmchen bauen und wieder einreißen, Blumenkärtchen basteln und sich nichts Schöneres vorstellen können als drei Wochen ganz allein mit der Familie in ihren Center Parcs-Urlaub zu fahren… Ich. Mache. Sowas. Überhaupt. Nicht. Gerne. Ich muss mich echt extrem motivieren und zusammenreißen, um bei diesen Dingen halbwegs erträglich und dabei sein zu können. Ja, andere Eltern sehe ich natürlich auch. Die etwa, die im Indoor-Spielplatz rumhängen mit ’ner übelsten Fresse, die ihre Kinder in einer Tour anmotzen und total unbeteiligt sind. Zu denen will ich auch nicht gehören. Aber auch nicht zu den Aufgesetzten, denen man anmerkt, dass sie eigentlich keinen Nerv haben, die aber denken, sie müssten andauernd total freudig ihre Kinder bespielen, damit sie keinen Schaden kriegen. Oder die Leistungsorientierten… Da wird angestrengt betüddelt und betaddelt und geplant und organisiert als gäbe es kein Morgen… Soweit das Bild, was davon ja auch allgemein so gern gezeichnet wird, wie zum Beispiel erst kürzlich vom Spiegel wieder: Elterntypen. Tatsächlich gibt es solche und solche Eltern, genau wie es halt solche und solche Fahrradfahrer und solche und solche Einstellungen zum Thema Haustiere gibt…

Ich weiß nicht, welchem Elterntyp ich angehöre. Ich will natürlich, dass es meinem Kind gut geht. Ich möchte nicht, dass mein Kind ein verwöhntes Arschloch-Kind ist oder wird. Ich wünsche mir, dass mein Kind kein bestmöglichst angepasster Ja-Sager-Mensch wird. Ich wünsche mir, dass mein Kind sein Hirn benutzt und sich eine eigene Meinung zu Dingen bildet. Ich will nicht, dass sich mein Kind irgendwie von mir abgelehnt oder ungewollt fühlt, ich will für sie da sein und sie neugierig machen. Ich möchte gern, dass mein Kind etwas findet, wofür es brennen kann und was es gerne macht. Wenn das dann noch halbwegs sinnvoll ist und über „Shoppen“ hinausgeht, wäre ich glücklich. Ich möchte, dass mein Kind mitkriegt, wer und wie ihre Eltern sind und ich halte es für notwendig, dass mein Kind mitkriegt, dass nicht alles immer gleich geht, dass nicht alles nach ihrer Nase läuft, dass sie nicht alles haben kann und muss und dass andere Menschen auch Bedürfnisse haben, die respektiert werden sollten (siehe „Arschloch-Kind“). Soviel zum Rahmen. Und zu was für einem „Elterntypen“ macht mich das jetzt? Und welche Schlüsse ziehe ich daraus für mein erzieherisches Handeln, Dr. Rogge? Kategorien sind ja per sé eher schwierig. Und wie viel Wahrheit hinter dem steckt, was man von einem Stück Eltern auf dem Spielplatz so mitbekommt, das sei jetzt mal dahingestellt… Also lassen wir das lieber…

Diese ständige Kinderbespaßung ist jedenfalls echt nicht mein Ding. Mein Kind und dessen Wohlergehen liegen mir aber trotzdem am Herzen und es ist auch nicht so, dass ich mich nie mit ihr beschäftigen möchte… Was zum Beispiel gut geht, ist das Treffen mit „echten“ Freunden, die auch Kinder haben. Das versuche ich zu tun, so oft es geht. Ich kann in der Hinsicht Tom Hodgkinson nur zustimmen:

Meine Idealvorstellung von Kindererziehung ist eine große Wiese. Auf der einen Seite der Wiese ein Festzelt mit Bar, an der das heimische Ale ausgeschenkt wird. Dort versammeln sich die Eltern. Auf der anderen Seite der Wiese, ein gutes Stück entfernt, spielen die Kinder. Ich gehe ihnen nicht auf die Nerven, und sie gehen mir nicht auf die Nerven.

Aber genau genommen hab ich davon nur drei. Das ist ein Problem. Andere Leute, die ich noch so kenne und schätze haben mit Kindern und Kinder-Spaß nichts am Hut, die Kontakte schwinden. Ich will mich nicht aufdrängen. Ich bin die, die in ihrer Generation anders ist.

Ich lese also von Großfamilien und Clans und dass diese Art des Zusammenlebens mit Kindern der Menschheit viel eher (und wenn man die gesamte Menschheit betrachtet wohl auch sehr viel häufiger) entspricht als dieses seltsame Modell, in dem sich ein oder zwei Menschen mehr oder weniger all around the clock allein dem hoffentlich „erfolgreichen“ Gedeih – und damit wohl eher dem Verderb – von ihrem Nachwuchs widmen.

Ich frage mich, wo unser Weg ist zwischen „Guck mal, so funktioniert das“ und „Guck selbst, wie das funktioniert“. Zwischen „Guck mal, so sind die Leute da draußen und das erwarten die“ und „Guck mal, so sind wir und so bist du“. Zwischen „Man muss (nicht)“, „Man kann (nicht)“, „Man sollte (nicht)“ und „Man darf (nicht)“. Und überhaupt eigentlich weg vom „man“ und hin zum „ich, du, wir, hier“.

Ich kann nicht einfach guten Gewissens in diesen (irgendwie auch ekelhaft) überheblich-belächelnd-belehrenden „Lasst doch eure Kinder einfach mal in Ruhe“-Chor einstimmen, der in den verschiedensten Medien so einstimmig erklingt, wenn sie uns von der neuen Elterngeneration der Kinderoptimierer und/oder Überfürsorglichen erzählen (BeispielBeispiel). Ich war auch mit P. beim Pekip, da war sie kaum sechs Monate alt. Und wir gehen mit ihr einmal in der Woche zu einer Musikstunde, die wohl auch in den Bereich der musikalischen Früherziehung fallen dürfte. Ich sehe mich überteuerte Kinderschuhe kaufen, wegen dem besseren Fußbett und so. Ich denke über den Kauf eines Kindersitzes für über 500 Euro nach, wegen der Sicherheit und so. Ich sehe mich den Kopf schütteln, wenn Eltern mit einer BabyBjörn-Trage vorbeikommen und das Kind auch noch nach vorn drin hängt, wegen der unnatürlichen Haltung und so. Ich erwische mich dabei, wie ich zu P. sage „Der Arzt hat aber gesagt, dass du viel Obst und Gemüse essen musst“, weil mir keine gute Begründung jenseits von „weil’s gesund ist“ einfällt und nicht auf „weil ich das sage“ zurückgreifen will. Ich erwische mich aber halt auch dabei, wie ich morgens einen halben Wutanfall bekomme, weil sie kurz vorm Losgehen in den Kindergarten das Seifenblasenwasser komplett verkippt hat und ich mir gerade nichts sehnlicher wünsche, als dass K. sie endlich raus aus der Wohnung und rein in die Kita befördert, damit ich mich mal ein paar Stunden nicht um sie, sondern um meinen eigenen Scheiß kümmern kann. Immerhin hab ich mich danach für’s Ausrasten entschuldigt. Mommy’s not perfect. Soweit komme ich ja inzwischen schon klar mit mir und uns. Aber diese ständige zu füllende Zeit… Dieser Zwang zur Aktivität…

Clans und Großfamilien. Das ist heute nicht mehr. Das dem Zeitgeist entsprechende Modell wäre dann wohl das der befreundeten Familien, die sich zusammen ein Haus mit großem Garten für alle kaufen oder so… Oder nachbarschaftlich enge Kontakte. Zum Pekip und zur Musikstunde ging/gehe ich vor allem deshalb, weil das ein fester wöchentlicher Termin ist, bei dem mein Kind sich mit anderen Kindern trifft und ich mir nicht jede Woche auf’s Neue einen Kopf darum machen muss, wie ich diesen (Nachmit)Tag fülle. UND weil es in einem Rahmen stattfindet, für den ich nicht persönlich verantwortlich bin. Niemand muss sich persönlich beleidigt fühlen, wenn ich dort nicht mehr auftauche. Und hier kommen wir zu einem Teil des Kerns vom Pudel, denke ich. ICH will gar keine 100.00 Kontakte zu irgendwelchen neuen Leuten, denn persönliche Kontakte bedeuten für mich immer auch Verbindlichkeiten. Und was Verbindlichkeiten angeht… Diesbezüglich hab ich einen enormen Knacks. Ich bin so ziemlich die unzuverlässigste Person des Universums, weil mich beinahe jede Art von „Deadline“ stresst und unter Druck setzt. Ich brauche die Möglichkeit des Ja oder Nein und will dabei niemanden vor den Kopf stoßen müssen und auch kein schlechtes Gewissen haben. Das hatte ich in meinem Leben zur Genüge. Ein „ich muss“ setzt mich unter Druck. Und ich bin wählerisch. Menschen gehen mir schnell auf den Keks. Und eigenartig bin ich auch. Ich brauch ’ne Weile, um mich mit Leuten so wohl zu fühlen, dass ich sie ein Teil von meinem Leben lassen sein kann und mich deren Vorhandensein trotzdem nicht stresst. Vielleicht geht es aus den unterschiedlichsten Gründen vielen Menschen so, dass sie keine Lust haben, sich ständig nah auf neue Menschen einzulassen. Fremdheit ist ein kostbares, schützenswertes Gut!„, das ist so ein Slogan, den sich einige Soziologen auf die Fahne geschrieben haben… Darüber kann man sicher diskutieren. Vielleicht sitzen Eltern deshalb vormittags jeweils einzeln auf den fünf Bänken des Spielplatzes und starren lieber in ihre Smartphones, Magazine, Bücher oder ihre Kinder an, anstatt ihre Telefonnummern untereinander auszutauschen und sich zu verabreden… Das kann eine Erklärung sein, bringt mich aber wieder zurück zum Punkt…

Wenn das Modell Kleinfamilie Fakt ist und damit einher viele, viele Stunden gehen, in denen wir weder Essen jagen, noch unsere bedrohte Existenz vor Feinden schützen oder zum nächsten belebbaren Fleck Erde ziehen müssen, die Welt aber gerade nicht verändern/-bessern können und/oder wollen… Welche Spielregeln gelten dann in dieser Zeit? Davon ausgehend, dass man nicht der geborene Spielkamerad ist, einem aber trotzdem sehr viel an seinem Kind liegt… Wie viel Bespaßung finde ich gut und richtig und wo hört der Spaß auf? Beim 10. Buch in Folge, dass ich vorlese? Sobald ich keinen Bock mehr habe, wenn ich ehrlich zu mir und ihr bin? Ist es okay seiner 2 1/2-Jährigen zu sagen, dass man keinen Nerv auf Arztspielen hat? Darf ich sie fragen, ob sie in ihrem Zimmer weiter lauthals singen kann, wenn’s mir gerade auf den Keks geht und was mache ich, wenn sie sagt „Nein.“? Will ich wirklich jedes Wochenende diesen typischen Familien-Späßchen nachgehen? Was ist die Alternative? Was mache ich denn gerne? Was würde ich machen, wenn keine Kinder da wären und lässt sich das nicht irgendwie vereinbaren? Woran könnten wir alle Freude haben, ohne dass jemand – wahlweise K. oder ich, wir ticken da nämlich leider sehr ähnlich – dabei ständig denkt „anstrengend. das ist anstrengend-anstrengend-anstrengend.“?

Das wirklich Traurige ist, dass ich nicht einmal konkret sagen kann, was ich eigentlich gerne mache, um das einfach zu vereinbaren. Auch nicht dann, wenn ich versuche mir vorzustellen, was ich gerade „freiwillig“ tun würde, wenn da nicht das Kind wäre… Ich lese gerne. Ich beschäftige mich gern mit Dingen. Ich studiere gerne. Ich hänge viel am Rechner. Ich denke über alle möglichen Sachen nach und schreibe mir andere Sachen dazu auf. Oh, ich gucke gern Filme. „Früher“ bin ich abends gern mit Freunden ausgegangen, hab mich angetütert gemacht und mir dann die Nächte um die Ohren gehauen… Hab mir Bands angeguckt, bin selbst auf Tour gefahren, hab Konzerte gegeben, mich mit unseren Songs beschäftigt, geprobt… Oder wir haben tage- und nächtelang in irgendwelchen Parks rumgehangen und Mist gequatscht. Alles nicht unbedingt Dinge, die ich jetzt noch so unbedingt machen muss und auch keine, die ich der Kategorie „kinder- / familientauglich“ zuordnen würde… Wie wunderbar passend dazu war der (hier ganz oben stehende) Spruch, den ich gestern Muster-Ehefrau Francine bei „American Dad“ (Staffel 7, Folge 1: „Zu heiß gebadet“) habe sagen hören und sehr lachen musste…

Sind wir einfach eigentlich nicht für’s Kinder haben gemacht und müssen da jetzt durch? Ich bin nicht unbedingt froh darüber, dass im Wald rumlatschen und Stöcker-Häuser für Regenwürmer basteln, Gärtnern, Tieren beim Lausen zugucken oder Fußballspielen nicht zu meinen Hobbys gehören. Aber das sind die Fakten, mit denen ich zu dealen habe. Ich lese meiner Tochter gern Bücher vor. Aber nicht unendlich oft hintereinander. Ich geh auch gern mit ihr Schwimmen. Aber nicht an jedem Wochenende und ungern allein ohne K. Ich treffe gern befreundete Eltern und tummle mich dann auch durchaus auf Spielplätzen. Aber das geht nicht immer. Soll es ja auch gar nicht. Langeweile fördert ja angeblich die Kreativität und die Selbstentfaltung, habe ich gelesen.

Mein Kind interessiert es aber ziemlich wenig, wenn ich ihm erkläre, dass ich gerade nicht spielen will und dass es mit seiner Langeweile klarkommen muss, weil es dadurch seine Potenziale entfalten wird. Dann will es ja trotzdem noch Jemanden zum Spielen haben. Momentan befindet sich dieser Jemand aber noch in meinem Bauch. Muss ich also ständig mit Farben matschen, Burgen aus Holzklötzern bauen, die Kletterburg erklimmen und Puppendoktor spielen, damit mein Kind sich geliebt fühlt? Oder Alternativ ein ausgeklügeltes Freizeitgestaltungsprogramm abliefern? Dafür fehlt mir oft auch einfach die Energie und auch das halte ich nicht für richtig für uns. Im Moment geht das aufgrund der Umstände sowieso nicht. K. bespielt allgemein häufiger und ausdauernder als ich. Er sagt dann sowas wie „Die Forderung, beschäftigt zu werden bzw. mitzuspielen passiert ja unter Androhung von Krawall. Also spiele ich lieber mit…“

Ich denke, dass es sogar wichtig ist, sein Kind nicht andauernd zu bespaßen und zu beschäftigen. Tatsächlich halte ich diesen Weg für schwieriger als den des Dauerprogramms. Insbesondere dann, wenn die Zeit für viel Bespaßung theoretisch oft da ist. Ich putze nicht wie ’ne Irre die Wohnung, wasche Wäsche nur wenn’s nötig ist, ich bügele nicht und knalle unsere Zeit nicht mit tausenden von Termin voll und renne auch nicht andauernd von A nach B. Die Zeit für gemeinsame Aktivitäten ist jenseits von der Kita fast immer da… Die Zeit ist da und es setzt mich unter Druck, dass die irgendwie genutzt, gefüllt oder rumgebracht werden muss und zwar Kleinkind-gemäß. Aaaahhh! FREIZEIT-STRESS!!! HORROR!!! Manchmal türmen sich die Minuten und Stunden geradezu bedrohlich vor mir auf und in meinem Kopf schwebt ein „Genieß gefälligst diese wertvolle Zeit aktiv mit deinem Kind!“ Ja, also nein, also natürlich ja, aber doch nicht immer und ständig … … … Oder?

Was ist denn mit Muse? Ausruhen? Kräfte tanken? Faulheit? Nicht immer irgendwas machen oder vorhaben? Entspannen mit einem Buch? Denken? Sich auf etwas einlassen? Den Kopf erweitern?

Sind das nicht auch Dinge, die Kinder sehen und quasi durch Vorbilder „lernen“ sollten? Bringen wir Kinder nicht damit, dass immer irgendetwas los ist, genau in die Spur dieser elendig rastlos-gehetzten „Mach dich nützlich“-Zeit? Muss denn echt immer irgendwas los sein?

Ich finde, dass Elternsein einem schon manchmal Superkräfte abverlangt. Punkt. Und ich habe keine Superkräfte. Auch Punkt.

Un‘ nu?

Liebende Mutter. Zweifelnder Kopf.

Reflektieren und Erziehen, das bedeutet für mich:

Ich versuche zu erkennen, was dir und uns gut tut. Ich versuche, dir und uns nicht zu schaden.

Ich versuche, mir darüber im Klaren zu sein (und auch dir irgendwann klarzumachen), dass meine Sicht der Welt und mein Umgang mit den Menschen, mein Umgang mit mit mir und dir nur mein Versuch ist. Und nicht die Wahrheit. Deinen Weg musst du selbst herausfinden. Irgendwann. Irgendwie.

Ich will dir gern vermitteln, dass es Sinn macht, darüber nachzudenken, wie man zur Welt und den Anforderungen der Zeit steht. Dass es Sinn macht, zu versuchen, bestimmte Zusammenhänge und Funktionsweisen zu verstehen. Und dass es Sinn macht, sich zu fragen, wie man sich verhalten will. Was man tun, was lassen, was man gut finden will und was nicht. Dass es Sinn macht, nicht einfach alles nur hin- und anzunehmen. Dass Sinn macht, von einem „Jemand“ zu einem „Selbst“ zu werden. Und dass das wahrscheinlich am ehesten geht, indem man nachdenkt.

Das ist nicht leicht, weil ich mir darüber bewusst bin, dass du zunächst vor allem Klarheit und Sicherheit brauchst, um dich entwickeln zu können.

Ich möchte gern, dass du dir selbst vertrauen kannst und dass du weißt, dass du auch mir vertrauen kannst. Ich möchte ehrlich zu dir sein. Und doch zeige ich dir jeden Tag eine heile Welt und nette Menschen, obwohl ich weder das eine, noch das andere so sehe. Weil ich dich liebe. Ich bringe dir bei, dir die Zähne zu putzen und die Haare zu kämmen. Ich sage „jaaaa“, wenn du nach Gummibären fragst und „bitte“ gesagt hast. Ich wasche deine Sachen, wenn sie dreckig sind und kaufe dir solche, in denen du schön aussiehst. Weil ich will, dass du ankommst in der Welt da draußen. Weil ich nicht will, dass du aufgrund von Ausgrenzung leiden musst. Obwohl ich doch finde, dass es viel wichtiger wäre, dass die Welt mit dem Ausgrenzen aufhört. Aber du sollst nicht das Versuchsobjekt sein, an dem ich feststelle, wie weit sie damit schon ist. Dir soll es gut gehen. Obwohl ich weiß, dass es schlauen Köpfen allgemein wohl häufiger eher schlecht als gut geht. Dass „mir geht es gut“ einen nicht zum Nachdenken bringt.

Es ist schwierig für mich zu wissen, dass du dich an meinem Umgang mit der Welt (zunächst jedenfalls) orientierst. Dass du denkst, ich wüsste, wie das geht, mit dem Leben.

Ich kann dir nur zeigen, dass das da draußen in etwa so läuft und dass dies und das so und so funktioniert und dass sich Menschen hier in etwa so und so verhalten, wenn sie keinen Stress haben wollen. Und dass ich dies und jenes eher gut oder eher schlecht finde. Ich kann dich mit 2, 3, 4, 5, … Jahren nicht fragen, wie du das so siehst. Das wäre wohl zu viel. Ich weiß nicht, wann der richtige Zeitpunkt für diese und jene Zweifel ist… Und ob es von Mutter zu Kind überhaupt einen dafür geben wird. Ich weiß, dass ich dir weniger zeigen werde, als es mir klug erscheint. Weil ich es wichtig finde, dass du die fiesen und dunklen Seiten der Weltmedaille selbst entdeckst und an die für dich passende Stelle in deinem eigenen Werteschrank hängst. Ich will das nicht vorwegnehmen, weil ich es dir nicht abnehmen kann. Nicht abnehmen will. Nicht abnehmen darf.

Ich kann es kaum abwarten, wie es sein wird, wenn du feststellst, dass die Dinge anders sind. Nicht so eindeutig. Nicht so glatt. Und ich habe Angst davor. Ich kann es kaum ertragen, dass du dich (und mich) dann vielleicht fragen wirst: „Warum hast du mir das nicht gesagt?“

Ich kann nur sagen: Es gibt kein eindeutig und für alle immer richtig oder falsch. Es gibt nur das draußen und das drinnen. Und weil wir immer mal ins Draußen müssen (oder auch wollen), müssen wir herausfinden – uns entscheiden – wie das Innen mit dem Außen zurechtkommen kann. Für die einen ist das Anpassung, für die anderen ist es Verweigerung. Für die einen ist es Rückzug, für die anderen ist es Offenheit. Für viele mag es problematisch sein, für einige wenig bedeutsam. Die einen suchen bewusst, die anderen stolpern so rein, die nächsten schwimmen mit. Aber müssen, müssen es alle. Das ist eine der wenigen Wahrheiten, die ich kenne und wohl eine, die man am schwersten vermitteln kann ohne vorzusagen. Denn: Das Außen wird dem Innen einfach begegnen. Es wird mit ihm umgehen, es verletzten, es einengen und überfordern. Das Außen ist kompliziert, unübersichtlich, unklar, zufällig und ziemlich unstet. Das Innen kann ziemlich verletzlich sein.

Weil ich dich liebe, hätte ich dafür gerne ein Rezept. Ich würde dir nur zu gern beibringen wie das gehtdas Leben. Das Zurechtkommen. Das Mitschwimmen ohne unterzugehen. Aber die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht. Und das ist wohl die schwerste, unbarmherzigste und verdammt verunsicherndste Wahrheit überhaupt. So verunsichernd, dass ich gar nicht weiß, ob ich will, dass du sie jemals herausfindest. Ob ich nicht lieber doch stark aussehend bleiben will. Für dich.

Aber für dich da sein, das kann ich und das werde ich. Dir helfen, dich auffangen, dich unterstützen, wo es nur geht. Das Innen vor dem Außen schützen, wenn es sein muss, wenn du es willst und zulassen kannst. Dein Innen ist sicher hier, bei mir.

Eine liebende Mutter. Ein kritischer Kopf. Das ist, was ich bin. Das ist, was ich sein will. Das ist unendlich schwer.

(Erziehungs-)Erfolge!

Und damit meine ich mehr mich selbst als das P.!

Heute war nach einem sehr schlechten Ostermontag und einer eher mäßigen Woche ein echt guter Tag. Gestern haben wir den ganzen Tag bei einer lieben Freundin + 2 weitere Kinder in P.s Alter verbracht. So mag ich das! Ich brauche dringend meine Familien-Kommune. Schon deshalb ging’s mir gestern/heute gut. Heute Vormittag/Mittag habe ich meine Hausarbeit quasi fertig geschrieben, der Feinschliff fehlt noch, aber ich bin nun sicher, dass ich die Frist einhalten kann. Alles positiv also.

Das P. und K. waren unterwegs und ich, als sie wiederkamen, geradezu gestärkt. Hier war alles normal soweit, auch P.s „Kleinkind-Allüren“. Aber ich habe mich anders verhalten. Ich könnte plötzlich relativ gut für mich selbst in „schwarz und weiß“ einteilen… Also welche Wünsche/Gelüste finde ich jetzt okay, zu erfüllen und was will ich einfach nicht. Smarties-Nachschlag obwohl eine kleine Schüssel abgemacht war? Nein. Essen auf dem Sofa? Nein. Angelspiel spielen? Ja. Fernsehen? Ja. Noch mehr fernsehen? Eine Folge. Noch mehr fernsehen? Nein. Immer etwas anderes spielen? Nein, jetzt mal Pause für mich, sie hatte schon beinahe den ganzen Tag Programm.

Und fast jedes Mal gab es ein mittelschweres Drama. Nachdem ich aber auch bei Drama 3 nicht nachgegeben habe, dabei ruhig geblieben bin und ihr zu verstehen gegeben habe, dass ich sehr gut verstehe, was sie will, ich es ihr aber jetzt nicht geben möchte, wurde sie insgesamt ruhiger. Heute haben wir (wie schon gestern) alle ruhig gemeinsam am Tisch gesessen und sie hat dabei sogar Knödel gegessen (!) und sogar fast freiwillig die braune Soße gekostet (!!) und anschließen, weil *huch* es hat geschmeckt, zwei ganze Knödel mit Soße verputzt.

Ich bin ja geradezu berauscht von diesem Erziehungserfolg und fühle mich auch gleich viel besser mit mir, weil ich heute nicht ständig über meine Grenzen gegangen bin und dabei trotzdem ihre respektiert habe. Auch K. war ganz verblüfft und will das nun auch mehr durchsetzten. Ich will einfach kein grenzenloses Kind, was immer einfach mehr will, weil ihm sonst nichts besseres einfällt… Und so ein Kind spiegelt einen ja so ziemlich. An ihrer „grenzenlosen Art“, die sie jetzt schon teilweise an den Tag legt, ist ja nicht sie „Schuld“. Also ist es an uns, das ein bisschen in eine etwas softere Bahn zu lenken.  Und ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Schwanger sein: So war die 10. Woche

Huch, schon wieder eine Woche rum. Wir haben Sonntag bis Dienstag an der Küste (in Warnemünde) verbracht, das war für uns Eltern zwar weniger erholsam als erhofft, aber immerhin mal ein Tapetenwechsel und keine krampfhaften Beschäftigungsversuche im Kiez. Das ist ja auch was wert. Wir haben mit unserer fast 2,5 Jahre alten P. echt gut zu tun im Moment. Sie hat so wahnsinnig viel Energie und einen echt starken Willen. Meine Geduld ist dabei leider auch in der Woche nicht vorhandener gewesen als in den letzten…

Wir haben uns jetzt noch einmal bewusst gemacht, dass das bei diesem ‚Trotzverhalten‘ von P. immer dann für uns schlimm ist, wenn sie sich offenbar sehr fremdbestimmt fühlt. Also versuchen wir, ihr weniger das Gefühl zu geben. Wir versuchen das, indem wir (wieder mehr) bewusst nur dann klare Ansagen machen/Grenzen setzen/ermahnen, wenn es wirklich – aus unserer Sicht – notwendig ist. Wir wollen einfach versuchen, mehr Kompromisse zwischen dem was sie will, dem was möglich ist und dem, was wir möchten zu finden. Auf andere Sachen wollen wir einfach mehr achten: Zum Beispiel beim Essen nicht 1000 Mal sagen: „Willst du noch dies / iss doch mal das / probier doch mal jenes“, sondern sie danach fragen zu lassen. Das klappte in den letzten beiden Tagen schon sehr gut so. Mal sehen, wie das hier weitergeht. (Das P. ist gerade 28 Monate alt)

Zur Schwangerschaft 10. SSW:

In der 10. Woche hat mich doch echt für ein paar Tage doch noch die Übelkeit gekriegt, obwohl ich damit sonst nie Probleme hatte. Auch in der ersten Schwangerschaft nicht. Nachmittags fing die an und steigerte sich gen Abend. Nach drei Tagen war’s wieder vorbei. Seltsam, das.

Meine Stimmung verblieb auch diese Woche im  mit mittlerweile wohl bekannten „ÄtzÄtz-Lass mich“-Lustlostigkeitsmodus. Das P. war krank und ich kann Kinderbespaßung gerade ganz schlecht, bin schnell überfordert und k.o. – vor allem dann, wenn ich mit P. allein bin. Eigentlich wäre ich gerade schon komplett damit ausgelastet, mich selbst zu organisieren, glaub ich. Und damit meine ich so Dinge wie: Aufstehen, Anziehen, Dinge erledigen, Unikram, Übelkeit wegatmen, genug trinken, Tabletten nehmen, nicht ständig nur pennen und gammeln wollen, … Alles, was dazu kommt, strengt mich an. Bäääh! Gibt’s ein Mittel dagegen? Oder wenigstens gegen die damit zusammenhängenden Selbstvorwürfe? K. versucht mir echt, den Rücken frei zu halten. (Toll von ihm!) Zu meiner Verteidigung: Ich bilde mir ein, dass es Richtung Wochenende etwas besser geworden ist. Vielleicht kommt jetzt mal endlich wieder eine motiviertere Phase. Für heut Abend hab ich mir sogar eine Freundin eingeladen – FREIWILLIG!

Aber in meinen dunklen Momenten habe ich echt Schiss. Ich fühle mich zur Zeit so oft an meiner Belastungsgrenze mit P., dass ich mich ernsthaft frage, warum ich (gerade ich!) noch ein Kind bekomme. Ich fühl mich so unfähig im Moment, was das Muttersein angeht. Ich weiß schon, es ist halt eine anstrengende Phase, durch die wir durch müssen – auch K. findet es gerade anstrengend mit P. – und kombiniert mit der Schwangerschaft haut das wahrscheinlich ganz schön rein. Sie ist echt ziemlich (heraus)fordernd zur Zeit. Aber ich mache mir halt auch ständig Vorwürfe und komme dann ins Grübeln, was es nicht besser macht. Ich setze wirklich sehr darauf, dass ich mit dem „2 Kinder betreuen-Ding“ besser klar komme als damit, ein Kind allein krampfhaft beschäftigen zu müssen, wenn gerade niemand Zeit hat… *seufz*

Mein wach-müde-Rhythmus ist jetzt voll muddimäßig: 07:30 wach werden (mit P.), pünktlich gegen 12:30 mittagsmüde, ab 21 Uhr abends bettreif. Boar. Die Müdigkeit ist mir aber auch noch gut aus der ersten Schwangerschaft in Erinnerung. Aber auch diesbezüglich habe ich das Gefühl, dass es etwas besser wird. Das Ende des 1. Schwangerschaftsdrittels rückt näher und vielleicht stimmen ja die Mythen, dass man ab dem Zeitpunkt etwas besser klar kommt?

Nachdem meine Neurodermitis während und nach der ersten Schwangerschaft viel besser geworden ist und ich damit kaum Probleme hatte, scheint sie nun zurückkehren zu wollen. Ich hab bekomme Entzündungen an den Armbeugen und es juckt alles wieder mehr. Darauf könnte ich echt verzichten. Auch davon hab ich aber gehört, dass manche chronische Krankheiten in der ersten Schwangerschaft besser werden und in der zweiten zurückkommen. Warum das denn? Haare waschen muss ich mir auch häufiger. Kann aber auch mit der Umstellung auf silikonfreie Naturkosmetik-Produkte zusammenhängen.

Bauchmäßig (zur Erinnerung: Ich habe Morbus Crohn) geht es mir ganz gut. Ich habe keinen Schub, komme mit dem Azathioprin, dem Immunsuppressivum, was ich nehmen muss, ganz gut klar. Manchmal mache ich mir Sorgen, dass es doch irgendwas mit der Beele macht. Andererseits hab ich bei P. Cortison nehmen müssen. Kein Wunder, dass sie so ’ne aufgedrehte kleine Tante ist.

Ende der Woche hatte ich drei Tage lang nachmittags extrem heftige Kopfschmerzen. Ich hab morgens an den Tagen jeweils so eine Brausetablette Magnesium genommen. Dann hab ich das weggelassen und auch nicht mehr so eklige Kopfschmerzen. Kann das zusammenhängen?

Heute bin ich bei SSW 10+3, die Beele ist also 8 Woche und 3 Tage alt, von der Befruchtung aus gerechnet.

  • 11. SSW
  • 10 Wochen + 1 – 7 Tage (nach ärztlicher Berechnung)
  • 9. Woche nach der Befruchtung (8 Wochen + 1-7 Tagen)
  • 57. – 63. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge : 34-42 mm
  • Gewicht: ca. 10 g

Vermutlich ist er/sie/es gerade in etwa 3,6 cm groß – so groß wie mein normales Nähfüßchen:

dskhfs

Und so in etwa sieht die Beele jetzt aus:

ssw 113d

fötus 8 wochen alt

Sieht jetzt wirklich zunehmend aus wie ein richtiges kleines Baby, oder? Kaum vorzustellen, dass es erst 3,5 cm groß ist. Es würde so noch gut in eine Walnussschale passen… Ach, und es bewegt sich jetzt schon viel! Eigentlich kann Frau es jetzt noch nicht spüren, manchmal bilde ich mir da aber etwas ganz leicht kitzelndes ein. Wahrscheinlich ist es nur Luft, aber immer dann denke ich an die Beele und freue mich darauf, die ersten richtigen Bewegungen zu spüren.

Der Angelsound gibt mir jedenfalls regelmäßig Feedback, dass es der Beele wahrscheinlich gut geht. Das Herz schlägt etwa 174 Mal pro Minute. Ich finde den Herzschlag leicht links, knapp über dem Schambein, neben den Hüftknochen und muss nicht mehr lange danach suchen.

Die Haut der Beele wird jetzt schon weniger durchsichtig und ein Haarflaum überzieht wohl schon den ganzen Körper. Das Geschlechtsteil dürfte jetzt schon so gut wie ausgebildet sind. Die Beele hat wahrscheinlich keinen Schwanz mehr. Bald fängt das Kleine an, Fruchtwasser zu trinken und zu schmecken. Angeblich bilden sich Geschmacksvorlieben ja bereits im Mutterleib heraus… (Ob P. so ein Süßkram-Junkie ist, weil ich in der Schwangerschaft so viel Schokozeug gegessen habe?)

In der Glotze laufen momentan ständig Schwangerschafts-Geburt-Dokumentationen. Gestern gab es einen Themenabend auf arte mit Dokumentationen zu den Themen Untersuchungen in der Schwangerschaft („Neun Monate zwischen Hoffen und Bangen„), Frühchen („Über Leben – Zu früh auf der Welt„) und Schwanger sein heute („Abenteuer Schwangerschaft„). Letzte Woche lief die Dokumentation „Ich habe abgetrieben“ (ja, auch die habe ich mir angeschaut). Ich suche nach den Sachen gar nicht, sie finden mich irgendwie… Oder sowas läuft prinzipiell ständig im Fernsehen und mir fällt’s sonst nicht so auf. Sobald man schwanger ist, sieht man auf der Straße ja auch plötzlich nur noch schwangere und Babys, ne?

Nächste Woche Dienstag dann wieder ein Termin bei der Gyn. Dann gibt’s sicher auch ein neues Original-Bild der Beele.

Quelle 3D-Ultraschall 11. SSW:
http://www.arminbreinl.at/geburtshilfe.htm

Info-Quellen:

http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/Embryology/Tag60.htm

http://www.alles-ueber-kinder.net/entwicklung_embryo.htm

http://www.swissmom.ch/schwangerschaft/woche-fuer-woche/medschwwfw11/medschwwfw11b.html

Kleinkind-Terror

(oder: sich „richtig“ verhalten gegenüber dem Kind)

Ich verhalte mich meinem Kind gegenüber menschlich. Das ist mir wichtig. Ich halte nicht viel davon, irgendwelche Normen einfach zu übernehmen und mich „elternmäßig“ zu benehmen. Also Dinge irgendwie zu tun, weil ‚man‘ sie halt so macht oder machen muss. Ich versuche mich immer mehr wegzubewegen von dem ‚man‘-Denken. Ich möchte nicht, dass mein Kind zu einer möglichst perfekt angepassten, nichts hinterfragenden Hülle wird. Ich möchte gern, dass mein Kind ein selbstständig denkender, vernunftbegabter, interessierter Mensch wird.

Mein derzeitiges Problem: Es fällt mir schwer, mich in bestimmten Situationen überhaupt irgendwie zu verhalten. Gemeint sind Situationen, in denen sie sich recht wenig menschlich (genau genommen ist es wahrscheinlich sogar sehr menschlich… Also sagen wir lieber sowas wie:) „sozial“ verhält – ja, mir ist klar, dass sie mit 27 Monaten nicht annähernd eine Vorstellung davon hat, was dieses Konstrukt bedeutet und mir ist auch klar, dass sie das faktisch gar nicht können kann. Es geht um  das, was allgemein häufig als ‚Trotz‘ bezeichnet wird. Es geht um Abgrenzung, unterschiedliche Bedürfnisse, Grenzen, um all sowas geht’s. Theoretisch.

Ganz praktisch geht es aber um: „Jetzt komm verdammte scheiße nochmal bitte her!“ oder auch: „Du musst Ich will dir jetzt aaaaaaaaaaaah! ichdrehdurchichwerdwahnsinnig!  bitte deine Jacke anziehen, es ist himmelarschundzwirn kalt draußen!“ und ich bekomme gleich einen Wut- oder Heulanfall, wenn ich daran denke, dass wir bereits vor einer 3/4 Stunde in der Kita sein wollten und noch Schuhe, Handschuhe, Schal und Mütze vor uns liegen! Gerne auch: „Bitte! Lauf! Jetzt! endlich Weiter!“ oder ich raste gleich echt aus. genau JETZT werde ich nämlich gerade wahnsinnig. einszweidreivierfünfsechssiebenachtneunzehndreitausend. aaaatmenaaaaatmenaaaatmen-zähneknirsch-zähneknirsch-zähneknirsch oder: „Kannst du nicht wenigestens ein verpisstes kleines Stück von diesem Essen kosten?“ Ich koche nie wieder für dich! nie! wieder!

Ja, ich habe wahrscheinlich ziemlich hohe Ansprüche an mich. Das bekomme ich jedenfalls immer wieder zu hören. Aber: Es geht mir nicht darum, eine perfekte Maaaamiiii zu sein. Gar nicht! Es geht mir darum, meine eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen und trotzdem auch denen des Kindes gerecht zu werden. Es geht mir darum, nicht (oder so selten wie möglich) in irgendeiner Entwicklungsphase total den Müll zu bauen, unter dem dann sie als großer Mensch, wir als Familie oder, oder, oder zu leiden hat. Es geht mir auch darum, zu berücksichtigen, dass es kein falsch oder richtig gibt. Also keinen DEN Umgang mit einer bestimmten Phase oder Situation. Keine Knöpfe, die man drücken kann, um Kompetenzen/Fähigkeiten wie Denken, Empathie oder Toleranz freizuschalten. Ich will authentisch sein und nicht manipulativ oder sonstwas. Ich will fair sein, meine elterliche Machtposition nicht ausnutzen und meinem Kind keine Traumata einpflanzen.

Nur: Wo fangen die an und wo hören die auf? Ist es schon grenzwertig, wenn ich in einer Phase, in der sie abends nicht in s Bett will, abends das Licht in ihrem Zimmer ausmache, weil ich a) einfach Feierabend haben will und sie b) auch tatsächlich hundemüde ist? Finde ich es eigentlich okay, diese „Na  gut, dann muss ich halt alleine gehen“-Taktik anzuwenden, wenn sie sich standhaft weigert, weiterzulaufen. Ist das nicht schon Manipulation? Darf ich Lockmittel einsetzen, wenn ich keine Lust auf Kampf habe oder ist das verurteilenswerte Bestechung?

Aber ich muss mir gerade echt selbst eingestehen: Einem Kleinkind in der Trotzphase kannst du einfach nicht mit logischem Menschenverstand begegnen. Und ich frage mich ernsthaft: Mit was denn dann? Ich habe dafür wirklich keine Lösung. Als Mutter, meine ich. Ich kann mit Kindern sehr gut umgehen, die nicht meine eigenen sind. Auch mit deren Trotz kann ich gut umgehen, weil der sich – so ist meine Erfahrung – ‚Fremden‘ gegenüber niemals so extrem zeigt wie gegenüber den eigenen Eltern. Ist ja auch gut so! Juul sagt, es sei wichtig, eine „persönliche Sprache“ zu nutzen, wenn man mit seinem Kind zu spricht. Also keine leeren Formulierungen wie „Kannst du eigentlich nie aufräumen?“ oder auch: „Super!“. Er sagt auch: Es ist richtig und wichtig, dem Kind seine Grenzen zu zeigen. Das entspricht ziemlich dem, was ich eingangs erwähnte: Menschlich sein. Aber: Kleinkinder sind Egoisten, Egozentriker und Narzissten in einem! (Und das ist gut und wichtig so, ihre Entwicklung betreffend.) Insofern bringt mich das nur halbwegs weiter.

Während mein Kind freudig und impulsiv ihre Grenzen entdeckt und auslotet, bringt mich das eindeutig an meine. Weil ich schlicht keine Lösung dafür habe. Weil ich immer trotzdem versuche, sie so gut wie möglich nachzuvollziehen. Und das Problem ist: Ich kann es! Ich kann sie meistens sehr gut nachvollziehen! Klar, sie will nicht aus der Kita nach Hause gehen, weil sie dort gerade noch etwas Spannendes macht. Verstehe ich, ändert aber nichts daran, dass ihre Betreuungszeit 16 Uhr zu Ende ist und ich mit ihr nach Hause will, wenn ich sie abhole. Klar, will sie manchmal nicht essen, was ich gekocht habe, weil’s ihr nicht schmeckt oder sie keinen Hunger hat oder sie was anderes essen will. Ändert aber nichts daran, dass ich für sie gekocht habe und es mich ankotzt, wenn sie das dann nicht isst. Klar, sie will manchmal nicht weiterlaufen, weil sie was Spannendes entdeckt hat, müde ist, ihre Füße weh tun oder sie einfach nicht weiterlaufen will. Ich kann ihr Verhalten nachvollziehen und sehe trotzdem meine Grenzen. Ich hab nicht die Geduld! Ich halte es nicht aus, 45 Minuten für 700 Meter Weg von der Haltestelle bis zur Haustür zu brauchen, begleitet von 30 Schreiattacken. Und trotzdem sehe ich es nicht so, dass es ihr Fehler ist. Und das bringt mich erst Recht an meine Grenzen! Könnte ich all das gelassen hinnehmen, wenn ich selbst „einfach“ gelassener wäre?

Was macht das, was ich mit meinem Kind mache, mit meinem Kind??? Welche Auswirkungen hat welche Handlung? Welche Grenzen sind gut und welche sind zu viel? Wann braucht mein Kind Begrenzung, wann nicht? Wann macht es Sinn, meine Sicht oder meinen Willen durchzusetzen und wann nicht? Welche Normen muss ich ihr vermitteln, dammit sie klarkommt?

Das ist, was ich mit Kleinkind-Terror meine: Mehr als das Verhalten (m)eines Kleinkindes, was einfach in der Tat tierisch anstrengend für mich sein kann, ist es mal wieder mein Kopfwust, der mich terrorisieret. All diese Dinge, denen ich gerecht werden will und die ich „richtig – will heißen: begründet und durchdacht – machen will, weil das einfach mein Anspruch ist. Wenn mir da jemand kommt mit „Intuition“, dann kann ich nur sagen: Das ist meine Intention und meine Intuition. Genau so, wie ich durchdenke, was ich kaufe, was ich esse, mit wem ich mich umgebe, was ich gern tue, wie ich die Welt sehe und was ich scheiße finde oder auch, wie die Beziehung zu meinem Partner ist und ob ich da fair bin, wo Probleme sind, durchdenke ich auch das Zusammenleben mit und das Verhalten gegenüber meinem Kind. Das kann (und will) ich auch nicht ausschalten, obwohl es anstrengend ist und trotz der frustrierenden Gewissheit, dass es „die Lösung“ und „das richtige Verhalten“ nicht gibt.

Vielleicht ist es genau das, was Mensch von seinen Kindern lernen kann und sollte: Richtig gibt’s nicht. Du musst deinen Weg allein finden. Und es vor allen Dingen schaffen, zu ihm zu stehen. Amen.

*Jesper Juul (2009): Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie, rororo
Jesper Juul (2008): Nein aus Liebe. Klare Eltern – starke Kinder, Kösel-Verlag