1 Monat – 1 Buch: 2014

Ich hatte das Lesen von (ganzen) Büchern in den Jahren nach P.s Geburt irgendwie sträflich vernachlässigt. Anfang 2014 habe ich mir vorgenommen, jeden Monat ein Buch zu lesen, weil: Lesen fetzt, ist wichtig, gut, fühlt sich weniger verblödend an als Fernsehen (ja, auch Serien!) und erweitert meinen Horizont… Lesen kann Reisen, die mir nicht möglich sind, ein bisschen ersetzen und bringt einem vergangenes und außerkulturelles näher. Papperlapapp… Für’s Lesen kann man zig gute Gründe finden, insofern: you name it.

(Obwohl ich mich schon das ein oder andere Mal gefragt habe, warum allgemein „viel lesen“ eigentlich als so eindeutig besser gesehen wird als „viel fernsehen“, selbst dann, wenn man „gute“ Sachen schaut… Letztendlich ist doch beides nichts anderes als Zerstreuung, in der Blaise Pascale (1623 – 1662) zum Beispiel das Laster der Menschen schlechthin gesehen hat („Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.“). Seiner Ansicht nach suchen die Menschen Zerstreuung, um ihrer inneren Leere zu entkommen bzw. um nicht über die Bedeutungslosigkeit des menschlichen Seins nachdenken zu müssen… Die Langeweile wäre für den Menschen kaum erträglich, sie würde aus dem Herzen aufsteigen, um den Geist mit ihrem Gift zu erfüllen… Zerstreuung ist Ablenkung vor dem Elend des Menschen, der sich endlos in Raum und Zeit befindet… Inwiefern ist also – vor diesem Hintergrund – Lesen ’sinnvoller‘ als Fernsehen? Aber ach! Palaberrababer… Das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden… (<– Ende, Michael – der Heldenautor meiner Kindheit!)

Ich lese jedenfalls gern und ich finde es sinnvoll.Mich interessiert, wie andere Menschen die Welt sehen und in Geschichten verpacken. Ich lese gerne gute Schreiber und bin immer auf der Suche nach guten Geschichten mit echten Charakteren und einem kritischen Geist dahinter. In meiner Kindheit und Jugend habe ich (für mein Dafürhalten) viel zu wenig gelesen… Deshalb habe ich ständig das Gefühl, viel nachholen zu müssen…

Geschafft habe ich das quasi-Ziel „1 Monat – 1 Buch“ zwar nicht – das liegt unter anderem daran, dass ich für die Uni echt viel lesen muss und ich deshalb manchmal einfach keinen Nerv habe, abends privat „auch noch“ zu lesen -, einige sind es dann aber doch geworden, nämlich die hier:

Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (bei Fischer Verlag)

Das war Anfang 2014… Ist jetzt schon wieder so lange her… Ich erinnere mich, Teile des Buches mit arschkalten Händen an der S-Bahn-Station gelesen zu haben und an das merkwürdige Ende, an die vielen, vielen Frauen und Sex-Träume und daran, dass es mich zeitweise echt genervt hat… Ich kann gar nicht genau sagen, ob es am teilweise für meinen Geschmack zu ausladenden Stil lag, an dem sexistischen Protagonisten, den Narzissmus des Paares oder daran, dass die Geschichte allgemein so vor Sex getrieft hat und die Figuren in ihrem eigenen Saft geschwommen sind. Fazit? Naaaajaaaaa…

Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum (2. Mal) (bei dtv)

Auf den Punkt, kritisch und äußerst kurzweilig. Kann jeder mal gelesen haben, der die BILD scheiße findet oder finden möchte… 

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (bei randomhouse)

Ich habe den Hundertjährigen irgendwann im Frühjahr angefangen, hatte ihn geschenkt bekommen und kam schon schwer rein, hab mehrmals angesetzt… Äußerst fiktive Geschichten brauchen manchmal ’ne Weile, um mich zu kriegen. Als es dann in Richtung Weltgeschichte kam, wurde es unterhaltsam und durchaus kurzweilig. Ich erinnere mich daran, K sogar einige Stellen daraus vorgelesen zu haben… Sicher äußerst spaßig für alle, die versiert in Sachen Weltgeschichte sind und Lust haben, sich diesbezüglich mal den Kopf verdrehen zu lassen. Im Kopf geblieben (und tatsächlich auch im Alltag immer wieder gegenwärtig) ist mir Allan Karlssons Einstellung im Sinne „Was passiert, passiert… also stress dich nicht und nimm’s wie’s kommt. Deal with it…“ (Zur Not halt auch mit Genosse Stalin, der die das Geheimnis der Atombombe entlocken will)

Was mich allerdings nachhaltig nicht befriedigt hat (mich dafür aber etwas über meine Lese-Vorlieben lehrte) ist, dass ich mit Hauptfigur Allan, dem ja so einiges passiert, der einiges durchmacht und auch selbst einiges bringt, irgendwie so gar nicht vertraut wurde. Ihn ließen seine abgefahren, zum Teil traumatischen Erlebnisse und Taten kalt. Das ist an und für sich ja okay und bietet fruchtbaren Boden für die Architektur eines Charakters… Wenn mir aber einfach nicht klar werden will, warum Monsieur Karlsson überhaupt keine Skrupel hat, Dinge in die Luft zu jagen (weder für die eine, noch für die andere Seite) und ihn die politischen Verwicklungen seiner Zeit ebenso unberührt erscheinen lassen wie Liebe, Familie, oder oder… dann fehlt mir eindeutig die Tiefe. Neben dem, was sich wann und wie „faktisch“ in einer Geschichte ereignet, interessiert mich vor allem, wie die Figuren erleben, reflektieren, einschätzen und im Idealfall noch, was ihr Erleben und Empfinden geprägt hat. Ich suche nach Geschichten, die mir das Innerste der (hoffentlich interessanten, tiefgründigen und vielschichtigen) Figuren zeigen und die trotzdem unkonventionelle Gesichten bieten, möglichst jenseits von Klischees und Kitsch.

Hermann Hesse: Der Steppenwolf (2. Mal) (bei Suhrkamp /Insel)

Zu Schulzeiten hat der Steppenwolf mich tief beeindruckt… Wie hier am Schluss das Außen sinnbildlich für das Innen wird, ist einfach gut gemacht. Heute ist er mir streckenweise einfach viel zu pathetisch. Protagonist Haller kommt nicht mit der Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins klar und leidet wie ein sterbender Hund. Der Steppenwolf… Das sind 200 Seiten Selbstmitleid, Selbst- und Menschenhass… Irgendwie spiegelt das in weiten Teilen meine Gefühlswelt durchaus, Hallers Empfinden ist mir nicht fremd, im Gegenteil. Aber das Versinken im Selbstmitleid gestehe ich schon mir nicht zu, Haller (bzw. Hesse) schwimmt geradezu lustvoll darin. Diese schwülstige Wortwahl ist m.E. das eher anstrengende an Hesse. Die Idee aber bleibt gut… Man müsste das mal moderner schreiben, vom „Schlick“ befreien… Ist es eigentlich sehr abgehoben, so über ein Buch Hesses zu denken? 

Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes – Studie in scharlachrot (bei Suhrkamp /Insel)

Ich liebe die BBC-Miniserie „Sherlock“ (lovely Cumberbatch inklusive), hatte die originalen Doyle-Gescichten aber nie gelesen. Shame on me! kann ich jetzt sagen, nachdem ich mir zumindest einen zu Gemüte geführt habe. Wie Holmes ableitet ist einfach grandios, lehrreich, erhellend und wunderbar. Wie schon so oft wünschte ich, ich hätte ein zweites Ich, das seine Zeit ausschließlich mit Lesen verbringen kann… oder besser: Gleich mehrere. Die Sherlock Holmes-Gesichten sind sicher alle mehr oder weniger lohnenswert. (Sie lassen sich übrigens auch ganz gut als Hörbuch wegknuspern.) Außerdem ist es echt spannend, nach der Originallektüre sich die entsprechende BBC-Umsetzung noch einmal anzuschauen.

Kurt Tucholsky: Rheinsberg (1912) (bei Reclam)

Mein erster Tucholsky. Im Urlaub in Kroatien gelesen. Ab-ge-fah-ren wie modern T. bereits Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben hat. Zwei albernde Liebende machen einen Wochenendausflug und sich währenddessen über alles lustig. Kann man nur verstehen, wenn man z.B. die Bedeutung einer rauchenden Frau 1911 erahnen kann. Ich glaub, ich mag Tucholsky sehr. Müsste mal seine Tagebücher und Briefe lesen… Scheint ein guter Mann gewesen zu sein. War (schreibmäßig) sehr produktiv.

Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm (1931) (bei Reclam)

Den zweiten Tucholsky-„Roman“ gleich hinterher geschoben. Gelesen, dass er den nur auf Drängen des Verlegers schrieb, weil Rheinsberg damals so gut lief. Er sollte wohl was ähnliches vorlegen… Finde Gripsholm noch besser gelungen. Er ist sprachlich so exakt, so feinfühlig… Er schafft es mit ganz wenig Aufgepuste, dass man sich ganz nah dabei fühlt… Die Figuren sind ungeheuer plastisch. Fast schade, dass er nicht viel mehr Prosa geschrieben hat. Und natürlich passte die Lektüre perfekt zum Sommerurlaub und all dem, was er da thematisiert: Versuch, der Zeit zu entrinnen, Seele baumeln, Gegensatz zu Großstadt (die Lautstärke, die man im Alltag nicht mehr wahrnimmt und die einen unterschwellig ständig stresst… Und wie sehr mir das deutlich wurde, als wir zurück in L. waren… Alles war so ungeheurlich laut.). Außerdem: Freud – Triebe – Ich-Es-Dualismus, Macht, Massenpsychologie… Gute Gedanken hat der Mann. Aber ich verdächtige auch ihn des Sexismus… Finde es fast schade drum.

Haruki Murakami: Mister Aufziehvogel (bei Dumont)

Murakami ist mir ständig über den Weg gelaufen und mehrfach empfohlen worden. Ich wollte wissen, was dran ist und habe mir seinen Erstling besorgt. (Ich gehe immer gern chronologisch vor) Das war nach Tucholsky erstmal ein harter Schnitt: Vom 20. Jahrhundert in Deutschland zur Gegenwart nach Japan. Sofort fällt mir die fehlende sprachliche Präzision auf. Ich schätzte Tucholsky dafür umgehend noch mehr… Ich hab außerdem gemerkt, dass mir (schlecht) übersetzte Bücher echt auf den Sack gehen. Und dieses ist, wie es scheint, auch noch vom Englischen ins Deutsche übersetzt worden… Erklärt einiges. Aber auch davon abgesehen: Diese (wirklich!!) minutiösen Beschreibungen des (nebenbei bemerkt äußerst langweiligen) Alltags des Protagonisten… Das alles dann auch noch in der Vergangenheitsform geschrieben (im Präsenz hätte es vielleicht durchaus mehr Sinn gemacht)… Es liest sich wie ein echt langweiliges Tagebuch (dann hab ich Spaghetti gekocht, dann hab ich geduscht, dann hab ich mich abgetrocknet und eine frische Unterhose aus dem Schrank genommen – oh, die Unterhosen waren alle dreckig, merkte ich, dann bin ich zur Waschmaschine gegangen und hab eine neue geholt…) – auf 766 Seiten! Es fehlt die Tiefsicht, die Gedanken, oder wenigstens Relevanz… Dann noch die Mischung mit okkultem Hickhack… Das ist ja nun echt gar nicht meins. Interessant ist allerdings, dass man einen guten Eindruck davon zu mitnehmen kann, wie Alltag in Japan heute anscheinend so aussieht… Das fand ich interessant. 400 Seiten hab ich ihm die Chance gegeben, mich irgendwie bei der Stange zu halten, dann habe ich erschöpft (ernsthaft!) aufgegeben, weil mir meine Zeit dafür einfach zu Schade ist… Er ist nicht stringent, die Figuren gewinnen nicht an Tiefe, das esoterische nervt tierisch, es ist wahnsinnig geschwätzig, die Übersetzung ist grauenvoll und es liest sich, als hätten sie vergessen, das Buch zu lektorieren… Bisher kann ich die Faszination an Murakamis Geschreibe echt nicht nachvollziehen. Ich hab noch „1Q84“ hier stehen, aber alles in mir wehrt sich, es noch einmal mit ihm zu versuchen…

Siri Hustved: Was ich liebte (bei Rowohlt)

Der Lese-Eindruck ist noch frisch. Eine gute Freundin hat mir Hustved (Frau von Paul Auster) empfohlen, nachdem ich ihr mein Problem mit dem Hundertjährigen geschildert habe. Ich will in die Psyche der Figuren eintauchen… Hustved schreibt hier aus der Sicht eines alten Mannes, der sozusagen seine „Lebensbeichte“ abgibt. Es geht um zwei Paare in den Künstlerkreisen New Yorks in den 70ern bis in die 90er, Kennenlernen, Zusammenziehen, Kinder haben und großziehen, Leben meistern… Viele Beschreibungen von Kunstwerken. Das „Bohémienhafte“ ging mir stellenweise ziemlich auf die Ketten… Es ist eindeutig ein Buch von Intellektueller für Intellektuelle… Die Hauptfiguren wirkten ungeheuer snobistisch und als hätten sie kein Interesse, über ihren ganz persönlichen Tellerrand zu schauen. Mir fehlt der kritische Geist. Es sind zunächst mal zu viele Figuren und zu vielen Informationen… Ich habe mir (ernsthaft!) ein Genogram aufgezeichnet, um da durchzusteigen… Aber anscht gefallen die biografischen Details mir… Dann ist mir das ganze aber wieder viel zu romantisch, stellenweise fast kitschig. Nicht gleichgeschlechtliche Menschen können in der Geschichte einfach keine Freundschaft miteinander führen, ohne dass es irgendwie sexuell wird… Es geht mir zu viel um die 5-Ecks-Beziehung und zu wenig um das große Ganze, da steckt mir zu wenig Gesellschaft drin. Ab Seite 300 hat es mich dann doch mitgerissen, es wurde wider Erwarten richtig spannend und ich wollte dann wirklich wissen, was da los ist… Hundert Seiten später dachte ich mir wieder, dass es doch an vielen Stellen recht langatmig ist. Interessant ist, dass „der Fall“, um den es später geht, tatsächlich auf einer wahren Geschichte beruht, in die der Paul Austers Sohn aus erster Ehe verwickelt gewesen sein soll… und dass Hustved unglaublich viel autobiografisches eingearbeitet hat, man kann also ein bisschen bei Familie Hustved-Auster durch’s Schlüsselloch illern. Als ich mit dem Buch fertig war, dachte ich mir, dass ich es jetzt eigentlich noch einmal von vorn lesen müsste. Denn das was schließlich passiert, hat viele Bezüge auf Dinge, die am Anfang eingeführt / angeschnitten / losgetreten werden. Insgesamt leider nicht so mitreißend wie ich gedacht habe. Zu angestrengt, zu voll, zu intellektuell-abgehoben. Frau Hustved ist mir in Interviews leider auch nicht sehr sympathisch… Andererseits hat mich die Beschreibung eines weiteren Buches von ihr („Die Leiden eines Amerikaners“ – klick für die Besprechung bei druckfrisch) schon wieder gereizt… Es klingt noch psychologischer… Und damit hat’se mich ja schon wieder, die Siri.

Albert Camus: Der erste Mensch (bei Rowohlt)

Lieblings-Philosoph von K. Vor einigen Wochen Camus-Theaterstück in der Schaubühne Lindenfels gesehen, durchaus beeindruckt gewesen. Vor Jahren den Mythos des Sisyphos (bei Rowohlt) gelesen, kaum Erinnerungen daran. In den posthum veröffentlichten, fragmentarischen, autobiografischen Manuskript-Roman reingelesen und sofort angetan von der Sprache gewesen… Bin aktuell noch dran. Mal sehen, wohin er mich mitnimmt und ob andere Camus-Romane folgen werden… Camus passt gerade jedenfalls hervorragend zum Wetter, wie ich finde.

Das war jetzt also sowas wie mein Jahresrückblick 2014, obwohl ich kollektivem Jahreszurückblicken in etwa so viel abgewinnen kann wie Schweinskopf-Sülze (<– Uäääh… Geschrieben fast noch abstoßender als real!)

2015 werde ich „1 Monat – 1 Buch“ fortführen, weil ich tatsächlich deutlich mehr „privat“ gelesen habe als in den Jahren davor. Nachmachen ist übrigens erlaubt und gewünscht, falls es euch auch so gehen sollte, dass ihr viel weniger gute Sachen lest seitdem ihr Kinder habt! Lasst uns eine Eltern-Lesen-(wieder)-Bewegung starten! *harr harr harr* (<– herrisches Piraten-Gelächter)

Ich hab ja nun geschrieben, auf welche Arten von Büchern ich stehe und ich weiß ja aus vielen, vielen netten Kommentaren, dass hier ab und zu viele Gleichgesinnte rumschwirren. (Danke für 500.000 Besuche in diesem Jahr, by the way!) Ich bin immer dankbar für Lektüretipps, weil die Welt der Bücher ja schließlich unendlich zu sein scheint und die Eltern-Zeit zum Lesen ist – auch die Erfahrung kennt und teilt ihr sicher größtenteils – zu kostbar für Enttäuschungen… Also: Der Artikel ist nicht umsonst in „Senf, bitte!“ abgelegt. Her mit euren Lieblingsbüchern 2014 oder of all time als Kommentar oder mit Pingback im eigenen Blog – ich looke dermaßen forward to it!

Und ach ja: Morgen und so. Wir haben kinderfrei und wissen noch nichtmal, ob wir Lust haben, das Haus zu verlassen. Sind wir nun alt geworden, spießig oder Loser… Oder doch alles gleichzeitig? Hach ja… Die Spießer von heute sind die Punks von gestern… (Schaaahaaatz, wirfst du noch ne Folge Breaking Bad rein?) In diesem Sinne: Rutscht gut rüber!

Internationaler Kinderbuchtag

Zur Abwechslung mal ein sinnvoller Tagestag ;-) Lesen fetzt, ist wichtig, weil bildsam und überhaupt und sowieso. Hier wird sehr viel (vor)gelesen.

Was ist denn mein liebstes Kinderbuch aktuell? Mal überlegen… Ich glaub, ich finde gerade „Feuerwehr und Regenauto“ von JANOSCH und „Oma schreit der Frieder“ von Gudrun Mebs, was schon als Kind eines meiner Lieblingsbücher gewesen ist, am unterhaltsamsten.

P. steht auf Prinzessinen-Geschichten und vor allem die klassischen Märchen (Dornröschen, Rotkäppchen, Schneewittchen). Die Frieder-Geschichten mag sie zum Glück auch gerne. Und die Bücher von der kleinen Prinzessin. T. mag das „erste Buch zum Anbeißen„.

Ich freue mich schon darauf, wenn wir bei P. mit längeren, fortlaufenden Geschichten anfangen können! Das SAMS probieren wir schon ab und zu, aber so kontinuierlich zu folgen ist noch eher schwierig, denke ich. Außerdem hat sie vor dem Vieh noch Angst. Aber wenn es dann erst einmal in Richtung Unendliche Geschichte, Backsteinweg und Hogwarts geht… Hach! Vorfreude!

Ich habe übrigens eine eigene Seite hier auf dem Blog zum Thema liebste Kinderbücher. Guckt da manchmal wer von euch drauf? (Ich kann sowas ja immer nicht wirklich einschätzen.) Ich finde es jetzt schon interessant, mir die Liste anzuschauen mich daran zu erinnern, worauf P. mit einem oder zwei Jahren buchmäßig so stand, wie es sich verändert und wie es im Vergleich bei T. sein wird. Dokumentations-Wahni halt.

Wir lesen übrigens JEDEN Abend zwei Geschichten vor dem Schlafen vor und sollen tagsüber ungefähr 20.000 – nach P’scher Anweisung – erzählen („Von einem Mädchen, dass immer nur Süßigkeiten essen wollte / immer nur Dornröschen spielen wollte / sich nie die Zähne putzen wollte… Von einem Jungen, der ein Ohr werden wollte…“)

Wie läuft das bei euch ab, mit Vorlesen und Geschichtenerzählen? Gibt’s Regelmäßigkeiten / Rituale? Und was sind aktuell eure Bücher-Favoriten und die eurer Kinder? Und welche mochtet ihr als Kind?

((Kürbismützen-Verlosung))

Dass ich gerade auf Facebook einige meiner (unpefekten) selbstgenähten Kinderklamotten zum Zweitgebrauch anbiete, nehme ich zum Anlass etwas sehr LiebSchönes an euch weiterzugeben:

Die Kürbis-Mütze mit Kopfumfang ca. 37-39 cm, handgestrickt von meiner lieben Freundin Maikefer

Kürbismütze

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Sie ist wirklich ganz entzückend und viel zu schade, um nur von einem Baby getragen zu werden. T. hat sie leider nur so kurz gepasst, weil sein Kopf wächst wie sonstwas.

Maike fertigt übrigens auf Anfrage tolle, individuelle Strickteile an, Socken, Mützchen, Schals usw. Kontaktieren könnt ihr sie via E-Mail oder über ihr Facebook-Profil.

Teilnehmen könnt ihr bis zum 28.02.2014, 00:00, indem ihr unter diesem Beitrag oder unter dem Beitrag bei Facebook ein Kommentar abgebt. Ich lose dann aus und kontaktiere euch via E-Mail (oder Facebook). Viel Glück :-)

aber, aber:
 
– Keine Dopplungen!
– Rechtsweg ausgeschlossen

– anonyme Kommentare bitte mit E-Mail-Adresse*** VERLOSUNG IST BEENDET *** 

„Männer-Fakten über’s Stillen“

Letzte Woche fand ich mich mal wieder auf der Wöchnerinnen-Station „meines“ – mittlerweile kann ich es ja echt so nennen – Krankenhauses wieder.* Zum Warten wurde ich im Stillzimmer platziert. Da liegen immer viele hübsche Info-Heftchen rum. Sowohl K. als auch ich haben die Macke, ALLES lesen zu müssen, was in einer ruhigen Minute in unseren Blickwinkel fällt… Shampooflaschen, Zutatenlisten, Etiketten und also auch Broschüren.

Ich finde es gut und richtig, dass sich viele Menschen auch bloggenderweise mit dem Gender-Thema auseinandersetzen. Das gehört im Normalfall aber nicht so zu meinen Themen… In diesem Fall kann ich einfach nicht anders. Denn gefunden haben wir dieses „Info“-Heft zum Thema Stillen und Muttermilch für junge Familien:

babys an den busen

männer stillen  männerfakten stillen

Und das passende Pendant dazu (in einem Heft):

fakten übers stillen

stillen gender

Herausgeber ist das Netzwerk Junge Familie (Link, Link). „Ziel ist, jungen Familien Wissen und Kompetenzen zu den Themen ausgewogene Ernährung und Allergieprävention zu vermitteln und sie zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren.“

Wirklich gehaltvolle Informationen finden sich in dem Ding nicht. Klar, soll ja wahrscheinlich auch vorrangig „cool“, „fresh“ und „trendy“ wirken. Grundtenor ist das altbekannte „Muttermilch ist das Beste für’s Kind, Flasche geben ist böse.“

Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Diese Broschüre ist die Entsprechung von sixx und RTL Nitro im Broschüren-Format! Als hätten die „Redakteure“ (falls solche daran überhaupt beteiligt gewesen sein sollten) einen Wettbewerb veranstaltet: Wie viel Klischee passt auf 5 Doppelseiten? Ich kann einfach nicht glauben, dass es Menschen gibt, die im Jahr 2013 noch sowas konzipieren und vermutlich davon überzeugt sind, dass das tatsächlich ansprechend auf die Zielgruppe wirkt. Und noch viel weniger möchte ich glauben, dass sie damit vermutlich sogar Recht haben könnten. „Junge Familien“, ich nehme an, dass ich mich (mit 25) durchaus zur Zielgruppe rechnen darf.

Mal davon abgesehen, dass „junge Familien“ offensichtlich nur Mini-Sätze mit einfachstem Vokabular, Ausrufezeichen am Ende und ohne Komma verstehen, sind junge Männer also offensichtlich Affen mit einem dümmlichen „Gröööööööhl.. Ich bin ein MANN!“-Duktus („Wir stehen auf Brüste!“) und Frauen dauershoppende, debil grinsende Schminkweiber. Hallo?! DAS soll also die nachwachsende Generation ansprechen bzw. darstellen? Puuuh… Na vielen Dank auch!

Ich befürchte, dass die Macher von dem Teil nicht nur recht passabel dafür bezahlt worden sind – wurde nicht gerade das Schwarzbuch der Steuerzahler herausgegeben? -, sondern auch noch davon ausgehen, dass das irgendwie sowas wie modern ist. Ist es nicht. Ich finde es echt verwerflich, was da für ein Bild gezeichnet wird. Weil es den Eindruck vermittelt, es wäre „normal“ bzw. irgendwie erwünscht, dass Frauen und Männer genau so (und nicht anders) sind. Es wäre sehr, sehr traurig, wenn „die da oben“ solche Bilder von Menschen im Kopf haben, wenn sie Politik machen. Autsch.

Es gibt im Familien/Nachwuchs/Baby-Infobereich übrigens erstaunlich viele unterschiedliche Frauen-Männer-Versionen. Bei Baby-Apps, auf Webseiten, Schwangerschaftskalender… Überall finden sich die ausführlichen, gefühlsbetonten, in rosa gehaltenen „Infos für werdende Mamis“ mit Blümchen und Herzchen auf der einen und die in blau-schwarz-grau getünchten, wahlweise kumpelhaft-männlich oder straight-knapp formulierten „Informationen für werdende Väter“ auf der anderen Seite.

Hallo? Menschen da draußen: Wollt ihr das? Seid ihr so? Spricht euch das echt an?

Aber ich habe ja auch gehofft, dass die CDU/CSU nicht regierungsfähig sein wird nach dieser Bundestagswahl. Und ich will ja auch nicht glauben, dass eine „Zeitung“ wie die Bild tatsächlich die auflagenstärkste sein soll. Ich fürchte, ich traue den Menschen in diesem Land nach wie vor zu viel zu.

Hach. Da fragt man sich doch… Windmühlen und so… Kopf –> Tisch.

* Ich wollte per Ultraschall klären lassen, ob es sich bei der, trotz Antibiotikum nicht verschwinden wollenden Verhärtung in meiner linken Brust um einen Abszess handelt. Nach 3 Stunden Wartezeit wurden wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt, weil eine Not-Sectio dazwischen kam und meine Brust nicht lebensgefährlich aussah. Es war Freitag Abend. Montag bin ich zu meiner Gyn. Die war auch ein bisschen ratlos. Flüssigkeit sei schon drin, aber das müsse ja kein Eiter sein. Aufstechen würde sie das nicht wollen. „Wissen Sie, das wird dann ein elendiges Geschnitze und dann trifft man das vielleicht nichtmal…“ – Ich sollte ruhigstellen, kühlen, Baby versuchen nicht da direkt anzulegen. Heute ist es nicht mehr ganz so schmerzhaft, es sieht auch nicht mehr so rot aus. Die Stelle ist aber noch da und tut auch beim Stillen noch ziemlich weh. Subjektiv hilft Kühlen am besten… Gyn meinte, dass das auch eine Zyste oder sonstwas sein könnte. Beobachten und melden, wenn’s schlimmer wird.

Die unerträgliche Angst, nicht mehr „cool“ zu sein…

In den letzten Tagen habe ich das hier:

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gelesen. Andere Themen finden momentan eh keinen Weg in meinen Kopf, insofern passte das gerade ganz gut. Das hier wird jetzt wahrscheinlich eine Mischung aus Rezension / Nachdenken über das Gelesene und eigenem Senf dazu werden…

Schon im März haben mir die Autorinnen das Buch („Ich glaub, mich tritt ein Kind! Bekenntnisse einer Schwangeren… Und schonungslose Wahrheiten einer dreifachen Mutter„) zukommen lassen. (Die beiden haben auch einen gemeinsamen Blog: Stadt-Land-Mama). Und jetzt überlege ich, was ich dazu schreibe ohne dass es… zu doof / gemein ist. Irgendwie finde ich nämlich, dass Jede/r, der es schafft, sein Buch bei einem Verlag rauszubringen, erst einmal meinen Respekt verdient hat. Ich kann mir vorstellen, dass sich so ein Buch nicht einfach von heute auf morgen schreibt und dass damit viel Schweiß und Angst verbunden ist. Auch Angst vor den Reaktion, die da kommen… Andererseits muss man mit dem Risiko wohl klarkommen, wenn man veröffentlicht… Ob es sich dabei nun um Buch, Blog, Musik, Bilder oder Filme handelt… Man stellt sich ja immer irgendwie einer kritischen Masse.

Lisa und Caro sind Ende 20 / Anfang 30. Das Buch ist im Stil eines Brief- bzw. E-Mail-Wechsels zwischen den Beiden verfasst. Die Idee find ich ganz gut. Caro ist schwanger mit ihrem ersten Kind und bombadiert Lisa, die bereits eine Tochter und Jungs-Zwillinge hat, mit Gedanken und Fragen zu Schwangerschafts-Wehwehchen, Körperflüssigkeiten, Notwendigkeiten und Ängsten. Caro ordnet sich selber in die Schwangeren-Schublade „hypochondrisch-panisch“ ein und ja, das trifft es wohl tatsächlich auch ganz gut. Denn Caro googelt und Caro grübelt viiiiel zu viel… (Trifft ja auf mich zum Glück so gar nicht zu *hust*) Caro hat Stimmungsschwankungen, Komplexe und ’ne Menge Fragen. An Lisa. Lisa – ja, die, die übrigens auch für nusenblaten.de verantwortlich ist – wiederum antwortet vor dem Hintergrund ihrer Mutterschaft und ihres Alltags mit drei Kindern und versucht, Caro oft den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auf oft ziemlich witzige Weise. Teilweise könnte man meinen, die beiden zicken sich geradezu an. Aber ich glaube, das soll auch so.

Hmmm… Ich hab mich beim Lesen durchaus gut unterhalten gefühlt. Zum Beispiel an der Stelle hier:

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Manchmal wirkte es ein bisschen durcheinander… Da kamen dann schon irgendwo vorn Bezüge auf Dinge, die dann erst später kamen oder sich da wiederholt haben. Ich hab mich zum Teil wiedererkannt in Schilderungen von Caro („Oh Gott, da ist ein Ziehen in meiner rechten Leiste! –> Google, sag mir, was das heißt… Wird mein Baby jetzt sterben?“), aber auch in den Erwiderungen von Lisa („Alteeeeer, komm doch mal runter!“). Irgendwie war’s zwischen „kenn ich“, laut lachen und Kopf schütteln. Und das Letztere ist – Sorry, Caro und Lisa – auch das Spannende für mich.

Ehrlich ist das Buch geschrieben… Lässt nichts so richtig aus, Caro erklärt auch offen, dass ihr Kippen und Alkohol fehlen. (Kenn ich!) Aber ich würde mir immernoch ein Elternbuch wünschen, hinter dem noch etwas „unkonventionellere“ Köpfe stecken… Unkonventionell über das betont unkonventionelle hinaus… Mir gefällt zwar, dass die Beiden versuchen – ähnlich wie auch ich hier – „frei“ zu schreiben. Also ohne rosa Wattebausch und HutziDutziHasileinMäusekeks-Sprache und ohne Supermami-Keule… Aber das ist nun auch schon seit ’ner ganzen Weile das „neueAnders“ der Eltern, die was von sich geben  und schon deshalb gar mehr so anders-neu. Ich wünsche mir Köpfe… Die… Da muss ich ausholen…

Denn vor was das kleine Werk an vielen Stellen – vor allem bei Caros Beiträgen – nur so tropft, das ist die Angst, nicht mehr „hipp“, nicht mehr „cool“, nicht mehr „aufregend anders“ zu sein. Caro wirkt wie eine Frau, der es (bis dato) enorm wichtig war, sooo hipp, sooo fashion, sooo crazy und soooo beliebt, weil soooo anders-tough-stylish-cool zu sein. Und eine der größten Ängste im Bezug auf die bevorstehende Mutterschaft scheint die zu sein, irgendwie nicht mehr zum Club der exklusiv-coolen Leute zu gehören, die unerschrocken die Welt erkunden und sich abends bei der Vernissage treffen. Und noch genauer: Dass „die Anderen“ sie nicht mehr cool finden könnten…

  • Hab ich dann etwa keinen versauten Sex mehr?
  • Muss ich dann etwa auch peinliche Funktionsjacken anziehen?
  • Rede ich dann etwa auch ÖFFENTLICH über Babythemen und nicht mehr über Kunst und Mode?

Für meinen Geschmack lassen sich (zu) viele Fragen und Bedenken  von Caro reduzieren auf: „Ich werde doch trotzdem hipp-stylish-sexy-cool bleiben, auch wenn ich dann ein Kind habe, oder? ODER?“ – da fehlt es mir irgendwie an Denkschritten – an Selbstreflexion -, die weitergehen als bis zu dem Punkt. Irgendwie finde ich nämlich die Aussicht, zu einem Funktionsjacken-tragenden Wickelzubehör-Schlepper zu werden weit weniger „schlimm“ als die (ziemlich unreflektiert wirkende) Panik von Caro, durch Schwangerschaft, Geburt und Muttersein nicht mehr zum Club der coolen Leute zu gehören. Dass solche Gedanken mal aufploppen kann ich ja durchaus verstehen…

Ich will mich jetzt nämlich gar nicht hinstellen und behaupten, dass mir niemals nie Gedanken dieser Art durch den Kopf schwirren / geschwirrt sind. Okay, nicht genau dieser, aber ähnliche… Zum Beispiel:

  • Worüber redet man denn dann mit Leuten, die keine Kinder haben? Wie hält man Kontakt zu denen?
  • Wie kann ich eine Freundschaft aufrecht erhalten, wenn ich de facto keine Erlebnisse mehr mit der anderen Person teile?

Tatsächlich ließen sich auch viele von meinen Fragen vor der Geburt von P. runterrechnen auf: Wie kommt man eigentlich klar, wenn der Lebensinhalt so ziemlich voll mit Babykram & Kinderkacke – ja, daher rührt auch der Name meines Blogs – ist und nur noch ziemlich wenig damit zu hat, wie man sich selbst gern sieht?

… aber bei mir setzt dann schon auch ein Denken übers Denken ein, Also noch bevor ich diese ziemlich oberflächlichen Gedanken großartig ausformuliere und zu Ende denken kann, denke ich: „Ey, verdammt! ist das nicht SCHEISSEGAL!?!“ Schließlich sind Befürchtungen dieser Art im Prinzip ja nichts weiter als ein IMAGE-Problem. Und hey… Wollte / Sollte es mir nicht eigentlich egal sein, was „die Anderen“ von mir denken? Gerade auch, wenn ich daran denke, was ich für ein Vorbild für meine Kinder abgeben will.

Da kommt mir zum Beispiel eine Situation in den Kopf, die K. und ich erst letzte Woche so erlebt haben:

K., P. und ich waren mit meinen Eltern verabredet, um gemeinsam zum Open Air-Konzert der B52’s zu gehen. Vorher waren wir noch zu dritt in einem Restaurant in der Nähe der Parkbühne etwas essen. P. ist noch nicht sooo lange „sauber“, sodass beim vertieften Spielen etwas in die Hose ging. K. eilte also schnell mit ihr zu den Klos. Und wohin? Auf’s Herrenklo… Normal für ihn. Ich „renne“ – watschele so schnell ich kann – hinter ihm her, schließlich braucht er Feuchttücher und Wechselklamotten. Als wir gerade dabei sind, mit der ziemlich problematischen Situation klarzukommen (es war eng und P. ziemlich… äh… „dreckig“ überall…) kommt ein Typ aus der hintersten Klokabine. Ein Typ mit Rastas, Bandshirt und allem drum und dran. Ich nicke ihm freundlich und ein bisschen hilflos zu, da blögt der uns an: „SAGT MAL: TICKT IHR EIGENTLICH NOCH GANZ RICHTIG?? HIER GIBT ES VIELLEICHT MAL AUCH FRAUENTOILETTEN?? DA GIBT ES BESTIMMT AUCH WAS FÜR KINDER??! ICH MEIN, DAS IST DOCH JETZT ECHT NICHT EUER ERNST HIER…“ – blablabla. K. und ich wussten tatsächlich nicht, was wir diesem hirnverbrannten Scheiß entgegnen sollen… Und ich weiß auch heute noch nicht, was eigentlich sein Problem war.

Was würde die Caro aus dem Buch – ist ja auch immer fragwürdig, wie viel das mit der „echten“ Caro zu tun hat und ob sie heute vielleicht schon anders drauf ist – denn in so einer Situation denken, empfinden und machen? Nach dem zu urteilen, was aus ihren Einträgen durchklingt, wäre ihr die Situation unglaublich peinlich und sie würde mit hochrotem Kopf das Lokal verlassen.

Man gewinnt den Eindruck, dass auch beim Schwanger- und Muttersein das „Ich bin so eine…“ / „Hoffentlich bin ich nicht so eine…“ / „Oh Gott, ich werde doch etwa nicht zu so einer?!“ eine große Rolle spielt und weniger darum, den ganz eigenen Weg zu finden und sich dabei „von den Anderen“ frei zu machen… Aber schließlich muss ich ja zugeben, dass ich auch darauf bestehe „Nicht so eine Supermami“ sein zu wollen und ich schüttle auch den Kopf, wenn Eltern ihren 2,5-Jährigen Eistee als Tagesgetränk geben oder bei Eltern, die dem RTL II-Klischee viel zu sehr entsprechen. Und auch ich fühle mich oft zu fett. Und auch ich will (zumindest ab und zu) gut aussehen. Obwohl ich den Magerwahn und die Standardmaße scheiße finde und obwohl ich eigentlich gern viel weniger Konsumieren würde. Auch ich bin impulsiv scharf auf Anerkennung, Schulterklopfer und Applaus. Auch ich freue mich, wenn ihr unter meine Artikel schreibt „Toller Text!“ und auch ich finde es nicht immer leicht, cool zu bleiben, wenn das Kind ’ne halbe Stunde lang den Supermarkt zusammenbrüllt, um nicht wie ’ne hysterische Alte dazustehen. So anders ist das alles ja eigentlich auch nicht.

Aber ich will weg davon. Ich denke unglaublich viel genau über das Thema nach… Über das Thema Anerkennung, Lob, Zuspruch und warum „wir Menschen“ so scharf darauf sind… Und wie ich das loswerden kann. Ich habe das Gefühl,dass es mir heute schon sehr viel egaler ist, ob ich nun zu den „coolen Leuten“ gehöre und arbeite hart an einer „Ich bin wie ich bin“-Einstellung. Weil es das ist, was ich meinen Kindern vorleben will und weil es das ist, was ich für gut und richtig halte. Das ist gar nicht so leicht…

Tatsächlich ist es aber so, dass man durchs Kinder haben lernen muss, mit sich selbst zu sein… Mit sich selbst im Reinen. Mit einem Baby ist man plötzlich total auf sich selbst zurückgeworfen. Das kann verdammt hart sein, wenn man daran gewöhnt ist, sich durch das Feedback von und den Umgang mit Anderen zu definieren. Wenn man daran gewöhnt ist, eine Reflexion der Reflexion von sich zu sein.

Wenn du ein Kind hast, kannst du dich nicht mehr über Leistung, Look oder „Smartness“ profilieren. All das interessiert dein Baby nämlich nicht. Dein Baby will seine Bedürfnisse befriedigt haben. Von dir. Scheiß egal, ob du dabei gut aussiehst oder nicht. Scheiß egal, ob du das „besser“ oder „richtiger“ machst als Andere. Dein Baby sagt nicht „Danke!“ und es kommt sehr, sehr lange erstmal niemand, der zu dir sagt „Das hast du toll gemacht!“. Wenn dein Baby dann zum Kleinkind mutiert, wird es in der Hinsicht noch schlimmer. Dann nämlich hast du wahrscheinlich längst gelernt, alles zu geben und dich selbst hinten anzustellen, dich auch manchmal zu vergessen… Aber dann bekommt dein Kind einen eigenen Willen und es dankt dir deine Aufopferung nicht selten mit Wutanfällen, körperlichen Übergriffen oder fiesen Worten…

Aber schließlich kriegst du als Mutter auch einen unendlichen Liebeskredit! Auch das ist ein Teil der Wahrheit. Dein Kind liebt dich. Bedingungslos. Egal, ob du dabei gut aussiehst oder nicht. Egal, ob es im Vergleich zu Anderen besser abschneidest. Egal, ob du besonders klug bist oder doof. Ob du genau weißt, was du tust oder ob du keinen blassen Schimmer hast. Ob du schon ganz ohne Geld durch China getrampt bist oder noch nie dein Viertel verlassen hast. Es ist. Ihnen scheiß. Egal.

Dein Kind reagiert auf genau das, was du bist und zwar genau in dem Moment, der gerade da ist.

Es rechnet nicht auf, zieht nicht ab, trägt nicht nach und sammelt nicht an. Aber es zahlt sich aus. Ganz sicher…

Ich finde Eltern super, die es schaffen, sich frei zu machen von „den Anderen“. Die Funktionsjacken tragen (oder nicht). Die mit Elan Sandburgen bauen (oder nicht). Deren Kinder ausschließlich Selbstgenähtes tragen (oder nicht). Die nur Bio und alles selbst kochen (oder nicht). Die stillen (oder nicht). Die ständig im Wald rumrennen (oder nicht)… Die all die Dinge mit ihren Kindern tun, weil es sich für sie richtig anfühlt und es nicht darum geht, irgendjemandem irgendetwas zu beweisen.

Das ist in einer Welt wie dieser tatsächlich verdammt schwer, finde ich. Für mich ist das aber ein echt erstrebenswerter Zustand. Und für mich zeugt das von Klugheit, Freiheit und… ja… vielleicht auch von echter Coolness… wenn man es denn so nennen will.

Caro… du bist in der Hinsicht also ziemlich uncool. Aber sicher nicht, weil du vielleicht jetzt doch angefangen hast „spießige“ Funktionsjacken zu tragen oder du dich „voll Ökomuddi-mäßig“ gegen Parabene in der Babycreme einsetzt… Sondern weil du es nicht schaffst, „die Anderen“ aus deinem Kopf zu verbannen. Ich schaff’s aber auch nicht so wie ich will… Also: Wenn jemand ’nen ultimativen Tipp hat?

H. Walsh „Ich will schlafen“ ((Ready for 2))

Ich bin krank. Weil Krankheit flachliegen mit sich bringt, lese ich “ Ich will schlafen “ von Helen Walsh.

Ich habe gestern die ersten 200 von etwa 300 Seiten gelesen. Bisher finde ich es… befremdlich. Es geht um eine Rachel (Anfang 30), die ein Kind bekommt. Sie will ihr Kind sowohl allein bekommen als auch erziehen. Das ganze ist zwar erfrischend, weil das Ding eindeutig ein ROMAN ist. Das ist also kein reiner Erfahrungsbericht. Es ist irgendwie auch Fiktion. Fakt ist aber auch, dass man so etwas, solche Gedanken, solche Details meiner Meinung nach nicht schreiben kann, wenn man sie nicht wenigstens teilweise selbst durchlebt hat. Denn: Es geht in dem Buch vor allem um postnatale Depressionen.

(ZEIT-Interview mit Helen Walsh)

Und tatsächlich schildert Walsh stellenweise in einer gewissen „Rohheit“ mütterlich-übermüdete Gedanken, die mir bisher bei dem Thema noch nicht untergekommen ist. Sowohl sich selbst als „Versagerin“ gegenüber als auch dem Kind.

Zwei Dinge passieren während dem Lesen mit mir:

1. Ich finde das befremdlich.

Man schaut der Protagonistin also ab Zeitpunkt der Geburt beim überfordert sein zu. Bei einigen Stellen muss ich schlucken und auch schmunzeln, weil ich mich erinnere, dass auch mir dieses ans Kind gefesselt sein, das Stillen, das nicht schlafen können, die Verantwortung, das nicht fliehen können, das Entgleiten der Zeit neben all dem Kümmern und verarbeiten manchmal einfach zu viel.. zu „krass“ war. Ich wollte  Zeit für mich, die Geburt verarbeiten und überhaupt mit all den Erlebnissen und Emotionen klarkommen, in Ruhe. Und genau das geht nun einmal nicht, wenn man gerade ein Kind bekommen hat. Im Fall von Rachel auch noch ganz allein. Ja, das kann schwierig sein. Und wenn ich mir zusätzlich noch vorstelle, dass ich schon 10 Jahre länger mein eigenes, selbst bestimmtes Leben gelebt hätte und Entscheidungen für niemand anderen außer mich selbst treffen musste… Vielleicht käme man dann schneller zu diesen verzweifelten Endlos-Abgrund-Gedanken.

ABER: Mich stört das unreflektierte. In letzter Zeit stört mich das ständig – nicht nur in der Literatur, sondern auch im echten Leben. Die Menschen nehmen sich, ihre Erfahrungen und Erlebnisse viel zu wichtig. Ständig denkt Mensch, er sei etwas besonders außergewöhnliches. Ich neige auch dazu, von Zeit zu Zeit, meine eigenen Gedanken und Empfindungen zu überhöhen. Aber irgendwie erzwinge trotzdem immer wieder einen Rückschritt: Ich bin nicht der Nabel der verdammten Welt! Ich bin höchstwahrscheinlich nicht die erste und auch nicht die einzige, die diese oder jene Gedanken hat. Es gibt keinen verdammten Grund an dieser Tatsache zu verzweifeln. Es gibt Menschen auf dieser Erde, die TATSÄCHLICH Probleme haben – existenzielle Probleme. Dagegen sind diese Hirnpupse Kinkerlitzchen. So gehe ich jedenfalls damit um. Was nichts daran ändert, dass auch ich dunkle Phasen und Stunden habe.

Auch in „Ich will schlafen“ treffe ich wieder eine Person, die der Meinung ist, dass es NIEMANDEM so geht wie ihr. Dass sie ganz allein diese Erfahrungen macht. Dass sie die große Ausnahme ist, bei der alles schief und anders läuft. Außerdem eine Person, die sich so sehr irgendwelchen Erwartungshaltungen und Normen hingibt, dass es mir manchmal fast schlecht wird. Auch wenn ich das kenne… Wo bleibt der „Eigentlich weiß ich, dass ich mich nicht von diesen Dingen einschüchtern/bestimmen lassen sollte“-Turn? Da wird dann der Windelkauf in übermüdeten Zustand zum Horrortrip und das Stillen in der Öffentlichkeit zum Fiasko… Über allem schwebt „Was sollen bloß die Leute denken?“ Am meisten scheint Rachel damit zu kämpfen zu haben, irgendeinem Bild nicht zu entsprechen. Deshalb kann sie sich auch keine Hilfe suchen. Wer schon am „Nimm mir das Kind mal ab, ich muss schlafen!“ scheitert, hat irgendetwas grundlegend nicht verstanden, oder?

Und überhaupt: Was mich wirklich nervt bei dieser ganzen Eltern-Gesellschaft-Nummer, ist dieses ständige „Boooar! Das hat ja noch niiiiie jemand so offen gesagt“-Gehabe. In jeder verdammten Elternzeitung und jedem 3. Beitrag über Eltern – oder Schwangerschaft, ob nun eher alternativ oder konventionell – taucht irgendwas in Richtung „Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann ist Elternsein doch gar nicht immer schön, sondern auch ziemlich anstrengend.“ auf. Bei gutefeindinnen gab’s auch schon mal einen Aufreger zu dem Thema. Ständig geht es um die ach so großen Ansprüche „der Gesellschaft“ (welcher eigentlich?) an die armen, dauer-überforderten Eltern. Und immer wieder liest man von Müttern, die „jetzt mal echt ganz offen“ darüber sprechen, wie fertig und müde sie zum Teil waren, aber dass man das ja „öffentlich nicht zeigen“ darf, weil ja von einem erwartet wird, die strahlend-glückliche Mami zu sein, die dann auch noch den Haushalt schmeißt und Essen kocht. Insbesondere wenn es um postnatale Depressionen geht, ist das das Bild, was vermittelt wird: Die armen Mamis unter Druck, weil angeblich von ihnen erwartet wird, perfekt zu sein und dann können sie da noch nichtmal drüber reden, weil sie ja dann gleich von der Gesellschaft verstoßen werden.

Bullshit, sag ich! Hier werden Mütter wieder einmal mehr dargestellt wie unmündige verhuschte Dinger, die gar nicht wissen wie ihnen geschieht. Vor allem aber als Menschen, die unbedingt einem angeblich von außen geforderten Bild entsprechen wollen! Denn das ist ja die Voraussetzung dafür, diesen Druck überhaupt zu empfinden und daraufhin unter dem Nichtäußern seiner „wahren Gefühle“ zu leiden. Ich finde nicht, dass die meisten Frauen/Mütter so sind. Und wenn welche doch so sind, dann finde ich sie ziemlich doof. Klar sind Eltern gestresst. Aber das sollten sie nicht sein, weil sie irgendeinem Bild nicht entsprechen können, sondern weil Kinder halt stressig sein können und man plötzlich sehr wenig Zeit für sich hat.

Das mit den Erwartungen ist doch überhaupt nicht mehr so extrem! Wer erwartet denn wirklich noch glücklich-strahlende Eltern? Das gibt’s doch nur noch in der Windelwerbung! Und das weiß m.E. auch so gut wie jeder. Viel mehr habe ich das Gefühl, dass noch 10 mal nachgehakt wird, ob „wirklich alles in Ordnung“ ist, weil die Themen Babyblues und postnatale Depressionen so sehr in aller Munde sind. Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, dass Elternschaft relativ problemlos abläuft. Es ist doch eher der Gegenteil der Fall! An jeder Ecke bekommt man Broschüren und Erziehungsratgeber nachgeschmissen. Es gibt Beratungsangebote noch und nöcher. Ich habe mit meinen Mit-Muddis fast ausschließlich darüber geredet, was am Kinder haben scheiße anstrengend ist und tue das auch nach wie vor.

Vielleicht ist das ungerecht einigen Müttern/Eltern gegenüber, aber ich habe das Gefühl, wer sich heutzutage noch unter dem angeblichen Druck von außen, eine perfekte Mutter sein zu müssen, leidet, der ist ein stückweit auch selber Schuld. Das muss heute einfach wirklich nicht mehr sein. „Die Gesellschaft“ gibt hierzu meiner Meinung nach keinen Anlass mehr. In diesem Fall hat man wohl eher ein Problem, dass man sich allgemein zu sehr von der Meinung anderer abhängig macht. Genau diesem Muster folgt leider auch Walsh und auch Muttergefühle von Rike Drust. Ich finde es okay, dass so über Elternschaft geschrieben wird und ich les sowas auch ganz gerne, weil ich allgemein gern Sachen lese, die was mit meinem eigenen Leben und Problemchen zu tun haben. Aber ich finde es bekloppt, dass diese Sachen derzeit immer unter so einem „Boar, wie mutig! Eine Muttiiii, die mal sagt, wie’s wirklich ist!“-Ding laufen. Das hat nichts mit Mut zu tun. Offen über seine Gefühle und Probleme – auch bezüglich der Elternschaft – zu sprechen, ist irgendwie sowas wie das Mindeste.

Was mich dann wirklich irgendwie aufregt ist, dass solche Bücher auch gerne mal in die Feminismus-Ecke geschoben werden. Das ist dann der größte Quark! Wenn die Mütter, die so über Mutterschaft schreiben, sich irgendwie schon fast damit brüsten den armen, unglücklichen, mundtot gemachten Muttis „da draußen“ endlich eine wahrhaftige Stimme zu geben und auch Medien und Verlage bereitwillig so tun als würden die Autorinnen das Thema Mutterschaft damit als gar nicht so kuschelig-rosarot entlarven, finde ich das blöd. Weil eben die dann auch von unmündigen, unselbstbewussten Frauen ausgehen. Es ist vollkommen okay, solche Dinge zu schreiben. Tue ich in diesem Blog ja auch zur Genüge. Aber ich denke nicht, dass ich damit irgendeinem Auftrag hinterherkomme oder ICH endlich mal die Wahrheit über Elternschaft schreibe. Für mich ist das gut zum Reflektieren, Verarbeiten, Tipps einholen und zum Kontakt knüpfen zu Menschen, die Elternschaft vielleicht ähnlich angehen wie ich. Wenn sich die ein oder andere dadurch animiert fühlt, auch mal mehr zu reflektieren und Gefühle und Gedanken unverschleiert zu äußern, ist das super. Aber das maße ich mir nicht an, weil ich „euch da draußen“ für mündig und intelligent halte. Also lasst uns darüber reden, schreiben, singen… wie das so ist Eltern zu sein und was für Probleme wir haben. Aber bitte nicht darüber, wie geil wir sind, weil wir darüber so reden.

2. Ich bin bereit.

Erstaunlicherweise macht sich bei mir während des Lesens aber auch noch etwas ganz anderes bemerkbar: Der tatsächliche und selbst empfundene Wunsch nach einem zweiten Kind. Seitdem K. und ich uns darauf geeinigt haben, dass wir es 2013 noch einmal darauf ankommen lassen wollen, macht sich das in mir breit. Vor einigen Monaten habe ich noch gesagt, dass es noch nicht richtig ist, solange ich das nur „für P.“ will… Damit sie ein Geschwisterchen hat. Was ein ziemlich hinrissiger Grund dafür sein dürfte, weil ich ja vorher nicht wissen kann, ob das P. mit ihrem Geschwisterkind gut klar kommen wird. Ich muss das schon auch selbst wollen.

Beim Lesen des „Geburtsberichts“ und alle der Dinge habe ich deutlich gemerkt: Ich bin es. Ich bin bereit. Ich kann mir das alles wieder vorstellen. Schwanger sein. Gebären. Stillen. Tragen. Kümmern. Wie absurd, dass das gerade jetzt passiert. Kurz bevor ich mich endgültig aus der eher Elternzeit wieder in eine eher Studium-Zeit begebe. Wenn alles klappt, wird ein Jahr studiert und dann noch einmal für No. 2 pausiert.

Ich stelle mir all die Sachen schön vor. Ich habe das Gefühl, dass ich die No. 2 mit viel mehr Gelassenheit erwarten kann. Ich habe auch Respekt. Insbesondere vor einigen organisatorischen Fragen… Wenn man dann mal frei haben will, muss man schließlich zwei Knirpse loswerden. Aber nichtsdestotrotz: Das fühlt sich richtig an. Und dass sich das richtig anfühlt, fühlt sich gut an.

Erziehungsfragen (4): Lob und Kritik

Ich lese ja immer noch Jeseper Juuls „Dein kompetentes Kind“ ( ja, ich brauche so lange für ein Buch :-/ ) und gestern war wieder mal eine ziemlich augenöffnende Stelle dabei.

Es ging um die Begriffe und Themen „Selbstvertrauen“, „Selbstgefühl“ und „Selbstwertgefühl“, die nach Jesper Juul unbedingt voneinander zu unterscheiden seien. So würde sich ein gesundes „Selbstgefühl“ vor allem dadurch entwickeln, dass ein Kind erfährt, dass es eine für es wichtige Person es „sieht“ also wahrnimmt und außerdem durch Erlebnisse, in denen man Wertschätzung und Anerkennung erfährt, ohne sich zu verstellen oder etwas zu leisten. Das ist alles soweit verständlich, aber noch nicht so wirklich greifbar.

Dann kam er zum konkreten Thema Lob und Kritik bei Kindern. Eltern (und da schließe ich mich ein), die für sich beschlossen haben, dass sie ihr Kind liebevoll erziehen wollen, nur sachte erziehen möchten und dem Kind Selbstvertrauen geben wollen, neigen zum Überlob.

Das Kind rutscht und sagt „Guck mal!“ und wie reagiert man oft? „Oh, toll machst du das! Ganz fein“ – nicht nur, dass die Äußerung meistens total unnatürlich, aufgesetzt und überkandidelt ist, sie ist zwar (so sagt auch Jesper Juul, der das als Beispiel angefügt hat) lieb gemeint, aber vermittelt dem Kind eigentlich was total falsches. Das Kind – so Juul – wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass es mit dem Rutschen eine bestimmte Leistung vollbringt, es sei total in dem Moment gefangen und will einfach, dass man daran teilhat und seine Existenz und sein Erlebnis bestätigt. Dadurch dass man ständige irgendwelche Aktionen der Kinder mit einem „Super machst du das“ („Tolles Bild hast du gemalt“ / „Fein gemacht!“ / „Toooooll, ein Turm!“) quittiert, macht man sie abhängig von Bewertungen. Sie werden anfangen sich an die Spielregeln zu halten und das Spiel mit spielen… Irgendwann wird die Frage wahrscheinlich schon so formuliert: „Guck mal, mache ich das nicht toll?“ Von der bloßen Existenzbestätigung hat sich die Perspektive schon hin zur Leistung verändert.

Und wie kann man’s nun besser machen?

Anstatt irgendwelcher platteb Lobeshymnen sollte man – laut Juul – eine „persönliche Sprache“ wählen. Anstatt sein Kind zu bewerten soll man ihm in die Augen schauen und ihm z.B. durch ein neutrales „Hallo!“ einfach zeigen, dass man es wahrnimmt. Will man noch mehr geben, könnte man versuchen durch Mimik des Kindes zu erfahren, was wohl gerade in ihm vorgeht und darauf eingehen… Wenn es ängstlich schaut, könnte man sowas sagen wie „Hallo! Das macht bestimmt Spaß, aber vielleicht ist es auch ein bisschen gefährlich“. Das ist allgemein wohl auch ratsamer als „Pass auf, dass du dir nicht weh tust!“ Damit würde man den Fokus des Kindes weg von seinem Erlebnis hin zur Gefühlswelt der Eltern bringen und es im Zweifelsfall verunsichern.

Ansich kann man sein Kind natürlich weiterhin loben, um es bei bestimmten Dingen, bei denen man vielleicht Talente vermutet zu bestärken und zu motivieren. Aber es sollte einfach nicht so eine sinnlose Lob-Flatrate geben. Dadurch wird so ein Mensch ziemlich abhängig von den Bewertungen durch andere. Ich sehe das an mir. Da war’s nicht unbedingt zu viel Lob, sondern eher zu viel Kritik. Aber ich merke an meinem eigenen (kaum vorhandenen bzw. schwer erarbeiteten) Selbstgefühl, dass es mir ganz gut getan hätte öfter mal einfach so hingenommen zu werden wie ich bin.

Das Gefühl für jemanden wertvoll zu sein ohne dass man etwas bestimmtes tut oder leisten muss.

Auf jeden Fall eine Sache, die ich meinem Kind gern vemitteln möchte. Ist nur gar nicht so leicht, wenn man selbst das Gefühl hat, dass es einem nicht wirklich vermittelt wurde. Aber Jesper Juul gibt da ja ganz gute Anregungen.

Also: Ich kann die Lektüre nur wärmstens empfehlen. Weil einem durch’s Lesen vor allem solche kleinen Alltäglichkeiten bewusst werden, die man einfach automatisch so macht, weil man das eben so macht oder gelernt hat oder was weiß ich… Ich finde die Argumente dagegen auf jeden Fall sehr plausibel und werde versuchen das in meinem Verhalten dem P. gegenüber zu beherzigen.

Blog: Gesellschaft politisch?

Meine Lieben, ich habe einen neuen:

http://gesellschaftpolitisch.wordpress.com/

Ich weiß nicht alles, würde aber am liebsten alles wissen. Wenigstens aber so viel wie möglich. Warum? Um ein eigenverantwortliches Leben nach bestem Wissen und Gewissen führen zu können und begründbare Entscheidungen treffen zu können. Derzeit weiß ich vermutlich noch nicht einmal viel. Meine (natürlich nur selbst empfundene) intellektuelle Verwahrlosung aufgrund fehlenden geistigen Inputs hat mich wirklich frustriert.

Die Bewerbung bei der Böll-Stiftung, das nahende nochmal von vorn-Studium und mein tiefes Bedürfnis nach VERSTÄNDNIS der Dinge, die hier so abgehen hat mich überrollt und in den letzten Wochen habe ich (endlich) wieder angefangen mich intensiv mit den Dingen zu beschäftigen, die auf der Welt so passieren. Dabei fallen mir immer wieder eklatante (und mir selbst peinliche) Wissenslücken auf. Oder ich habe direkt eine Meinung im Kopf, weiß aber gar nicht wieso. Oder mir fehlt Basiswissen, Hintergründe oder einfach der Durchblick. Oder ich bin sofort Feuer und Flamme für oder gegen eine Sache und frage mich, wieso man das eigentlich anders sehen sollte.

Bisher habe ich meine Gedanken und Überlegungen in meinen zahlreichen Notizbüchern festgehalten. Weil ich aber mittlerweile einen Schreibkrampf habe und mich ein bisschen im Kreis drehe, wollte ich etwas handfesteres. Deshalb der neue. Ich dachte, dass diese Themen, die mir so durch den Kopf geistern und die damit verbundenen Fragen vielleicht nicht nur mich, sondern auch andere interessieren. Ich will mich selbst testen und wissen, ob ich mehr oder weniger komplizierte und aktuelle Sachverhalte in einen verständlichen Artikel gepackt bekomme. Ich hab das einfach Lust drauf. Auch, um bestimmte Themen dann vielleicht ein stückweit abschließen zu können. Außerdem sollte Babykram & Kinderkacke nicht mit ständig mit meinen Gequatsche zu aktuellem Zeitgeschehen und Ereignissen oder Dingen, die ich nicht raffe, zugemüllt werden. Ich hoffe, das ist in eurem Sinne?

Ich würde mich natürlich freuen, wenn der ein oder andere auch „drüben“ mal vorbeischauen und senfen würde.

Netzwerk gestresster Mütter

Weil mama007 im „Netzwerk gestresste Mütter“ ;) tief blicken lässt, will ich euch auch mal mitteilen, was die Menschleins so suchen und wie und warum auch immer sie darüber zuweilen auf Babykram & Kinderkacke stoßen.

Meine erwähnenswertesten Suchanfragen über die Internetmenschen ihren Weg zu mir gefunden haben:

ausgefallene betten
Die meisten (!) kamen und kommen tatsächlich über diesen Suchbegriff hierher. Und zwar wegen diesem Foto-Beitrag hier über … ausgefallene Betten

new girl hört auf zu schreien
Auch wenn ich kein Fan von  degnlisch bin, hoffe ich sehr, dass es geklappt hat

die welt retten
Kann ja nicht schaden, den dabei zu haben, nech? Bin ich etwa ein GUTMENSCH???

baby schlechte laune
wie nett formuliert

über sofa hängen
interessante Vorstellung

baum nähen
Anleitung bitte an wtf@babykram.witz

sind wehen stärker wie presswehen
Das heißt ALS! AHAAALS!

wölfe im bett
Bitte???!?!

scheiß autoimmunerkrankungen
Kann ich nur bestätigen

wie mami den alltag mit baby beginnt
ähm. rede ich wirklich so?

hirnsuppe schwangerschaft
in dieser kombination irgendwie mehr als seltsam

crazy babykram
sollte  ich eventuell darüber nachdenken den Blog umzubenennen?

kann man da raus gehen wenn das kind hustet
Da bekommt das Theme „Long Tail Optimierung“ eine ganz neue Dimension

wann isst die welt untergang
hmm, lecker, „die welt untergang“ war schon immer eine meiner Lieblingsspeisen

mein kind ist ein pascha
meins auch ;)

((Einige ziemlich obszöne Suchbegriffe sind auch dabei. Aber ich habe nach wie vor nicht herausgefunden, warum man darüber bei mir landet.))

Übrigens: Jetzt auch hier noch einmal an prominenter Stelle: Ich freue mich über eine direkte Vernetzung mit euch via facebook!

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