Geschwistergedanken (4) nach 2,5 Jahren

Als ich mit T. schwanger war, habe ich mir wirklich viele Gedanken darüber gemacht, wie P. auf die Thronteilung reagieren würde. Ich hatte echt Schiss. P. war (ist) ziemlich aufmerksamkeitsbedürftig und schnell gekränkt. Am Anfang – P. war ca. 3 bei T.s Geburt – war alles dann tatsächlich viel stressfreier als ich dachte. P. war wider meiner Erwartungen sehr, sehr vorsichtig und liebevoll mit und zu T.

Inzwischen ist T. kein Baby mehr. Er wird bald 2 Jahre alt (himmelwiediezeitvergeht!) und liegt nicht mehr einfach nur rum oder klebt an mir dran. T. ist verdammt aktiv, viel mobiler als P. damals, redet dafür aber deutlich weniger. Ziemlich genau jetzt fängt das an, was ich mir damals so vorgestellt habe und was ich auch noch aus meiner Kinderzeit erinnere: „Das ist geeeemeeeeeeeeein, dass T. der Erste ist!“, „Das ist geeeeeeeemein, weil T. mehr hat!“, „Das ist aber mein Schüüüüürm!“. Die streiten sich eigentlich ständig. T. will grundsätzlich alles haben, was P. gerade hat. P. will grundsätzlich alles haben, was T. gerade hat. P. haut T. auf den Kopf, T. haut P. mit dem Schirm. Ich versuche, die beiden das klären zu lassen und mich so wenig wie möglich einzumischen. Andererseits ist T. P. ja eindeutig unterlegen… Muss ich ihm deswegen grundsätzlich helfen? Wenn ich das tun würde, würde P. sich sofort zurückgesetzt fühlen.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich mich als Kind immer ungerecht behandelt gefühlt habe. Grundsätzlich immer. Die realen Verhältnissen waren dabei gar nicht ausschlaggebend. Ich hatte zum Beispiel lange ein riesiges Zimmer, mein Bruder nur eine Kammer. Tatsächlich ist sowas aber gar nicht der Punkt. Dieses sich ungerecht behandelt-Fühlen ist vermutlich eher Ausdruck von Angst. Jesper Juul hatte das, glaub ich, mal irgendwo so anschaulich beschrieben, indem er meinte, man solle sich vorstellen, der Partner würde einen anderen Menschen mit nach Hause bringen und sagen „Du, x wohnt ab jetzt mit bei uns, ich liebe jetzt nicht mehr nur dich, sondern x auch, aber hey!, keine Angst! Ich liebe dich genau so wie x.“ – schwierig. Und tatsächlich bringt es auch gar keine Erleichterung, wenn man in diesen Situationen auf die realen Verhältnisse hingewiesen wird („Ihr habt doch beide das selbe.“). Darum geht’s irgendwie nicht. Man hat diese Gefühle ja nicht unter Kontrolle, die sind nicht rational und deshalb können rationale „aber schau doch mal“-Argumente auch nichts dagegen ausrichten. Und trotzdem sage auch ich manchmal sowas zu P. und verstehe diese Sprüche, Rationalisierungsversuche und Genervtheit meiner Eltern um einiges besser.

Was könnte ich denn sagen oder tun, um P. in der akuten Angst-Situation… hmmmm… aufzufangen? In meiner eigenen Erinnerung zu kramen bringt nur bedingt etwas… Was hätte mir damals gut getan? Ich versuche, zu verhindern, dass wir sowas wie „Das ist doch Quatsch!“ sagen. Denn das ist echt verletzend und macht alles noch schlimmer. Dann fühlt man sich zusätzlich zu dem doofen Gefühl nämlich auch noch als falsch-Fühlerin, merkt aber, dass das Gefühl dadurch nicht verschwindet, dass man also gar nichts dagegen tun kann. Das bringt ein echtes Dilemma mit sich: Hier ist mein Gefühl und da sind meine Eltern, die sagen, dass mein Gefühl „Quatsch“ ist. Das Gefühl geht aber nicht einfach weg. Dass die Eltern falsch liegen, schreit und weint man dann als Kind gern raus… Was zu noch mehr Genervtheit ihrerseits führt. Tatsächlich ist es aber wahrscheinlich unmöglich, seine Eltern in dem Alter komplett abzulehnen oder das, was sie sagen. Vermutlich ist man noch viel zu sehr verbunden und abhängig von ihnen. Also verinnerlicht man, dass mit dem eigenen Fühlen irgendwas nicht in Ordnung ist. Und das will ich P. auf gar keinen Fall vermitteln. Ich versuche also manchmal, offensiv auf das einzugehen, was ich dahinter vermute. Ich sage ihr sowas wie „Hey, ich hab dich lieb“ oder frage „Hast du gerade Angst, dass wir T. lieber haben als dich?“, was sie meist bejaht, und sage ihr, dass es mir auch so ging, als ich klein war. Das scheint ein bisschen zu helfen. Tatsächlich ist das angesichts der krassen Gefühlsausbrüche von P. oft gar nicht so leicht, verständnisvoll zu reagieren… Denn das triggert mich zuweilen enorm. (Den Artikel über den Umgang mit diesen heftigen Gefühlsäußerungen von Kindern hab ich immer noch rumliegen, aber nach wie vor nicht fertig.)

Puh, es ist schon echt manchmal hart, damit „cool“ umzugehen… Vor kurzem hat K. T. ins Bett gebracht und ihn gerade in den Schlaf geschuckelt. (Für P. war das gerade eine sehr K.-lastige Woche.) P. wollte ins Kinderzimmer stürmen, um K. rauszuholen, ich hielt sie davon ab, sagte, dass ich mit ihr ins Bad gehen kann. P. warft sich mit verschränkten Armen auf den Boden und sagte „Aber ich hab Papa lieber!“. Danach brach sie in Tränen aus und warf sich in meine Arme… Mir kam es vor, als fänd sie das selber irgendwie Mist, dass es so ist. Und Alter, ja, sowas tut echt weh! Wie soll man denn da bitte drauf reagieren? Ich meinte sowas wie „Das ist okay, aber es macht mich trotzdem irgendwie traurig.“ – der Inbegriff dieses schwierigen Spagats: Verständnisvoll und authentisch sein wollen. Wie kann ich verständnisvoll sein, wenn ich einfach total wütend oder meine Nerven echt am Ende sind? Wie kann ich authentisch sein, wenn ich in einer Situation eigentlich schreien will „Lass mich jetzt in Ruhe mit deinem Scheiß!“? Später erklärte sie mir: „Das ist einfach so, ich weiß auch nicht warum.“ und dass sie so traurig war, weil K. bei T. war… Sie dachte, er hat T. lieber als sie. An einem anderen Tag stritten, heulten, brüllten die beiden fast eine halbe Stunde darum, wer auf meinem Schoß sitzen darf.

Gestern hat P. T. gerettet. T. war so seltsam auf die Heizung geklettert, dass der Kopf schon ziemlich weit aus dem Fenster guckte. P. hielt ihn fest und rief uns. Wir erklärten ihr, dass das sehr gut war. Das machte sie stolz, sehr sogar. Und für den gesamten Tag gab es keine weitere Eifersuchts-Streierei. Im Gegenteil, sie waren ein Herz und eine Seele, spielten gemeinsam, jagten sich durch die Wohnung und kuschelten sich abends zusammen in ihr gemeinsames Bett. Bei P. gibt’s da gerade nur entweder-oder, wuterfüllter Hass oder überschäumende Liebe.

Aktivitäten zu vereinbaren ist auch nicht immer leicht: Für viele Dinge, die mit T. cool wären, ist P. schon zu groß. Viele Dinge, die mit P. jetzt gehen, ist T. zu klein und er funkt immer dazwischen (Spiele spielen zum Beispiel). Challenge: Finde immer etwas, was für beide cool ist. Gerade sind das z.B. Spielplätze – ich hasse Spielplätze! Aber so what… Ich denke, dass es auch wichtig ist, dass jeder von uns Zeit allein mit P. hat. Und im Moment ist K. bei P. mehr am Zug als ich. Vielleicht sollte ich darauf vermehrt achten.

Ich merke auch in mir etwas, was sicher auch meinen Eltern so ging: T. ist einfach (im Moment noch) sehr viel entspannter als P. Er hat meist gute Laune, ist fröhlich und insgesamt nicht so wahnsinnig sensibel wie sie. P. hat gerade eine Phase, in der sie schnell weint und wütend über Dinge ist, die für uns wirklich schwer nachvollziehbar sind. Sie redet ständig in diesem echt anstrengenden Befehlston mit uns, verdreht die Augen, brüllt und kreischt uns an usw. Ich arbeite an mir, ihr Verhalte nicht (negativ) zu (be)werten, aber oft bringt mich das echt an meine Grenzen. Ich kann (und will) mich einfach nicht ständig anbrüllen oder rumscheuchen lassen… Und irgendwie will ich ihr das auch zeigen. Aber dann fühlt sie sich doch wieder abgewertet… Ich war auch ein forderndes Kind. Und mein Bruder im Vergleich dazu gerade phlegmatisch. Dieser Umstand sollte aber nichts am Verhalten den Kindern gegenüber ändern. Und das empfinde ich als echte Herausforderung. Ich versuche jeden Tag unvoreingenommen anzufangen und P. nicht von vornherein als „das anstrengende Kind“ zu sehen. Aber ich merke, dass es mir an manchen besonders ausbruchsgeladenen Tagen echt nicht leicht fällt.

Hach ja, da ist sie wieder, diese schwierige Gratwanderung zwischen den eigenen Grenzen und Baustellen auf der einen und dem Anspruch, seinen Kindern Rückhalt und sicherer Hafen sein zu wollen auf der anderen Seite. Mich erdrückt das manchmal so sehr, dass ich mich eigentlich nur noch dazu im Stande fühle, mich auf die Couch zu legen und an die Decke zu starren. Nicht denken, nicht reflektieren, nicht schuldig fühlen, nicht angesprochen werden, nicht gefordert sein, nicht reagieren, nichts müssen.

Viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel

Seit Beginn des Jahres bin entweder ich krank oder eines der Kinder ist es.

Die Bilanz im Mai?

  • 4 grippale Infekte bei P.
  • 1x Krankenhaus mit Impetigo Contagiosa (P.)
  • 1,5x Scharlach (P. / ich)
  • 4 grippale Infekte bei T. (natürlich stets zeitlich versetzt zu P., nicht etwas zeitgleich)
  • 3-5 grippale Infekte (ich)
  • 4x Brustentzündung (ich)
  • 1x Seitenstrangangina-Bindehautentzündung-Superinfektion (ich)

Hm. Es reicht dann jetzt auch mal damit, finde ich. Ich habe inzwischen eine gewisse Panik vor Bakterien und Viren entwickelt. Ich bekomme innerliche Heulkrämpfe, wenn eines der Kinder Krankheitssymptome zeigt.

Ja, ich jammere. Es zerrt echt an den Nerven, wenn nicht einmal der stinknormale Alltag – den ich leider ohnehin schon als ziemlich fordernd empfinde – einfach so läuft, sondern man andauernd damit beschäftigt ist, Schadensbegrenzung zu betreiben. Der Ausnahmezustand wird so langsam zur Routine. Nur noch irgendwie auf den Beinen halten, irgendwie den Tag überstehen, irgendwie durchhalten, irgendwie weitermachen… Das ist einfach ziemlich ätzend und macht einen mürbe. „Vorm Spiegel denkt man: „Das ist dein Gesicht?“ Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln!“ (Kästner) Ich kriege zum Teil kaum noch einen klaren Gedanken zusammen. 

Eine eigentlich gar nicht so unkomplizierte mündliche Prüfung für den Abschluss des letzten Wintersemesters habe ich bereits drei Mal verschieben müssen. Zum Einführungsseminar meiner Stiftung konnte ich nicht fahren. Die drei Male, an denen ich mir ernsthaft vorgenommen hatte, nach Einbruch der Dunkelzeit mit Freunden auszugehen – Jaha, ich meine im DUNKELN! -, sind ins (Wund-)Wasser gefallen. Jetzt nehme ich mir sowas einfach nicht mehr vor. Es frustriert mich zu sehr. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, jemals wieder tatsächlich irgendetwas tun zu können. Planen zu können. Etwas vorhaben.

Um genau zu sein nehme ich mir im Moment gar nichts „Privates“ mehr vor. Eine Kommilitonin fragte mich heute, wann ich mein Ehrenamt noch machen würde, neben den zwei Kindern und Pendelei zum Studium. „Ich weiß es nicht.“ hab ich gesagt und daran gedacht, dass das letzte Treffen der Initiative inzwischen schon viel zu lange her ist. „Und wann machst du den Kram für die Uni? Texte lesen und so?“ – „Ich weiß es nicht, ich mach es wohl kaum.“ habe ich gesagt. „Und was ist mit deinen privaten Sachen? Hobbys und so?“ – „Welche privaten Sachen? Welche Hobbys?“ habe ich gefragt. „Und dann hast du ja auch noch die Fahrten.“ – „Das ist für mich Erholung. Niemand will etwas von mir, niemand fragt mich was. Ich kann 45 Minuten lang zwei Mal am Tag einfach nur hier sitzen und tun was ich will. Es ist herrlich!“ Mein Pendeln, mein Kleinod. Der Zug ist meine Insel. Und es kotzt mich an, wenn der voll mit quatschenden Dumpfköppen ist. Ich will… Ich muss… dann meine Ruhe haben. Manchmal wünschte ich, ich könnte noch zwei Stunden weiterfahren. An den Uni-Tagen bin ich abends auch tatsächlich viel entspannter und kann gelassen Zeit mit den Kindern verbringen, trotz all der Müdigkeit.

Was soll man tun, wenn man merkt, dass alles zu viel ist? Dass man es eigentlich nicht schafft? Ich merke das gerade ziemlich deutlich. Unser Alltag ist so knapp auf Kante genäht, dass die Krankheiten einfach zu viel des Schlechten sind. Der Alltag wird dadurch gesprengt, nichts läuft mehr, alles fühlt sich nur noch schlimm an… Und wir versuchen, für die Kinder, das alles zu retten… Uns bei Laune zu halten. Es klappt noch so halbwegs für die Kinder, aber für uns klappt es nur mehr schlecht als recht. Innerlich sind wir dermaßen angespannt… Wir sind wie pfeifende Tee-Kessel, jederzeit kurz vorm Explodieren. Weil. Es. Zu. Viel. Ist. Wir führen die alten Sinnlosdiskussionen darüber, wessen Tag anstrengender war. Wer eine Pause dringender nötig hätte. Wer sich wann welche (Mini-Mini-)“Auszeiten“ genommen hat. Wer wann dringender Zeit ohne die Kinder braucht.

Ich habe vor einigen Tagen in irgendeinem Elternblog gelesen, dass das betreffende Elternpaar sich darüber streiten würde, wer mehr Zeit mit den Kindern verbringen darf. Ich wäre fast in Tränen ausgebrochen. Mein schlechtes Gewissen diesbezüglich ist unglaublich aufgebläht… Der Teufel schreit: „Dann hättet ihr euch keine Kinder zulegen dürfen!“

SCHEISSE JA, ICH FINDE ES VIEL ZU OFT VIEL ZU ANSTRENGEND, KINDER ZU HABEN!

Und ich hasse es mich wirklich dafür, so zu empfinden. Und ich bin täglich dran, mir beizubringen, es anders zu sehen, es anders wahrzunehmen, nicht so zu denken, zu genießen oder wenigstens weniger zu hadern, die Anstrengung als gegeben hinzunehmen und nicht zu verfluchen. Aber es klappt nicht. Ich empfinde es ständig als anstrengend und ich hasse es, so zu empfinden. Ich will keine zerknirschte Alte sein. Ich will nicht zu den typischen „Es ist alles so anstrengend“-Lamentierern gehören. Und ich mache K. die Hölle heiß, weil er sich ständig beklagt, wie anstrengend alles ist, weil ich in den Momenten meine eigenen Gedanken und Empfindungen gespiegelt sehe und es einfach nicht ertragen kann. Es muss doch wenigstens einer von uns das anders sehen… Es geht doch nicht, dass wir beide…

Ich finde die Ansichten und Gedanken von Jesper Juul ja toll, aber ich kriege es nicht hin, dieses Mantra. Wir sind zu oft zu fertig, zu müde, zu abgeschlafft… Das abendliche Bad-Ritual wird fast täglich zur Zerreißprobe. P. wehrt sich gegen alles, was sein muss. T. an-/auszuziehen gleich tatsächlich dem Versuch, einen lebenden Kraken so in ein Einkaufsnetz zu verfrachten, dass keine Arme heraushängen. Wir hängen im Bad und wollen einfach nur fertig sein, mit dem Tag, weil wir einfach fertig sind, mit der Welt.

Und K. hilft wirklich viel mit. Und meine Eltern nehmen ab, was sie können. Und ich lese und denke mir schlaue Sichtweisen an. Und ich habe Freunde mit Kindern, die ich regelmäßig treffe. Und nicht zuletzt liebe ich meine Kinder. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich kaputt spielen es mich einfach kaputt macht. Dass ich nicht dafür gemacht bin. Dass ich noch hätte warten sollen. Dass es vielleicht eigentlich nicht mein Ding ist, Mutter zu sein. Das ständige da sein. Die ständige Verantwortung. Diese andauernde Reagieren müssen. Das stark sein müssen, kaum mal schwach sein können.

Als ich letzte Woche hier fiebernd vor mich hin starb wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einfach nochmal selber klein zu sein und Eltern nebenan zu haben, die einem Tee und einen Marmeladentoast ans Bett bringen und ansonsten alle Anstrengungen von einem fernhalten. Stattdessen saß ich heulend mit 39,8 Fieber vor meinem kleinen Sohn, der auch heulte und ich dachte, dass genau jetzt der Moment gekommen ist, an dem ich es nicht mehr packe, an dem ich einfach aufgeben muss. Ich habe mich unglaublich hilflos gefühlt. Und schlecht auch… Weil ich das Gefühl hatte, dass ich als Mutter einfach nicht das Recht habe, „mich so aufzuführen“. Dass ich mich zusammenreißen muss. Und ich war nicht einmal sicher, ob ich mich nicht tatsächlich auch zusammenreißen könnte… Ging es mir wirklich so schlecht? War da noch Luft nach oben/unten? Es gibt schließlich Mütter mit mehr Kindern und weniger Unterstützung von Partner / Familie, die müssen ja auch… Scheiß Vergleichereimistkack halt.

Nun ja. Ich habe mich zusammengerissen, soweit es ging. Musste ja. Und nun geht es mir besser. Und den Nachmittag und Abend – nach der Uni – heute mit den Kindern fand ich sogar ziemlich schön. Ich habe mir überlegt, mir das Mantra „Meine Kinder sind meine Entspannung“ einzubläuen. Die Idee: Umetikettierung! Statt „Scheiße, am Wochenende bin ich allein mit beiden Kindern“ versuchen anders zu denken. Dem Gefühl auf die Sprünge helfen… Ich will das Kinderhaben einfach nicht ständig vorrangig anstrengend finden. Will ich nicht, echt nicht. Das muss doch irgendwie machbar sein.

 

Melancholy-Mom

Ich stehe im Flur. Vor mir an der Wand kleben Babybilder von P. Drei sind es, schwarz-weiß, roter Rahmen. Wir in Italien, September 2011. Eine P. mit Windeln, raspelkurzen Babyhaaren und mit einem weißen Bettlaken spielend… Wir blödelnd im Bett… Auf manchen Bildern erinnert mich T. sehr an sie in ihrer Babyzeit. Mich überkommt ein seltsames Gefühl und ich muss einen kleinen Klos runterschlucken. K. füttert T. derweil in der Küche, P. ist bei ihren Großeltern…

Dieses Gefühl der Wehmut überkommt mich nicht selten in den letzten Tagen und Wochen. T. ist kein Neugeborenes mehr. Er ist ein halbes Jahr alt. Das erste halbe Jahr… Das war für mich gedanklich immer eine Art Grenze… Ich weiß noch genau, dass danach bei P. die „Alles ist neu“-Zeit vorbei war. Danach kam alles… Das Krabbeln, die Zähne, das Hochziehen, das Laufen… Dann geht alles so verdammt schnell. Ich sehe jetzt Menschen mit ganz ganz klitzekleinen Babys und mir wird bewusst, dass diese Phase eine ist, die schon wieder hinter uns liegt. T. ist nun nicht mehr klein, nicht mehr neu in der Welt. Er ist nicht mehr zusammengekullert und die Neugeborenen-Müdigkeit ist aus seinen Augen verschwunden. T. brabbelt, zahnt, robbt, zieht sich hoch, isst stückiges Zeugs und interessiert sich wahnsinnig wach für alles… Er ist irgendwie ein Anderer geworden.

P. quatscht uns von früh bis spät zu, singt, tanzt, springt. Wenn wir Menschen treffen, die wir nur selten sehen, fallen denen fast die Augen aus dem Kopf, weil P. nun einfach so mit uns redet, sich verständigt, eine Stimme hat. Sie ist kein Würmchen mehr, sie ist… sie wirkt… schon so groß, manchmal. Sie kann ihre Gefühle ausdrücken, über Vergangenes und Zukünftiges nachdenken und sagt so Dinge wie: „Meine Hose ist nass, deshalb habe ich beschossen, sie auf die Heizung zu legen, Mama.“ Ich schaue mir ihr Babybild an, erinnere mich daran, dass sie über 40 Grad Fieber in diesem Urlaub hatte und gerade anfing, zu stehen. Und dann habe ich plötzlich ihr Babygebrabbel im Ohr. Und ihr Babygebrüll… Es ist unvorstellbar, dass eine Zeit gab, in der sie noch nicht reden konnte. Ich kann das Baby auf dem Bild und meine Tochter gar nicht mehr zusammenbringen. Es ist, als wären das verschiedene Personen. Sie ist irgendwie eine Andere geworden.

Ich setze mich zu K. in die Küche. „Was ist los?“ Ich kann es nicht genau sagen. Ich kann nur fühlen. Ich bin betrübt… Ich bin wehmütig. K. füttert T. weiter, ich beobachte sie dabei. Wie sie lachen und blödeln… Wie diese absolute Liebe aus T.s Babyaugen strahlt… Er ist noch so unbedarft. Alles, was er sieht, hört, schmeckt, fühlt ist ein einziges großes Wunder. Ich liebe ihn wahnsinnig. K. hat in den letzten Wochen häufiger gesagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich P. in dem Alter so niedlich fand…“ Und das ist auch so… Wir waren bei P. viel zu sehr damit beschäftigt, alles richtig machen zu wollen oder eher damit, nichts falsch machen zu wollen und an uns zu zweifeln. T. können wir mehr genießen, weil wir das Vertrauen in uns als Eltern schon haben. Weil wir wissen, dass unser Weg und unsere Art und Weise des Familie-seins so falsch nicht ist. P. haben wir ja auch groß bekommen.

Was wir aber auch schon wissen: Kinder werden unheimlich schnell groß. Und das ist schön. Sie werden selbstständiger. Und ihre Persönlichkeit wird von Woche zu Woche sichtbarer… und sie sind weniger auf uns angewiesen. Aber in diesen Momenten, in denen ich mich an P. als Baby erinnere und mich gleichzeitig so wohlig fühle durch das, was mir mein Baby gerade gibt… Das Gefühl, ihn auf dem Arm zu haben. Das Gefühl, die eigene Wange an seine zu drücken. Seine weiche Babyhaut. Morgens aufzuwachen und sein schlafendes Baby neben sich liegen zu haben. Seine strahlenden Augen. Über den Kopf mit Babyflaum zu fahren… Das alles ist so schön, so kostbar, so vergänglich… Ich kann das Baby auf dem Bild nicht mit P. zusammenbringen. Ich werde T. irgendwann, in gar nicht langer Zeit nicht mehr mit dem zusammenbringen können, wie und was er jetzt gerade für mich ist. Das ist merkwürdig.

Ich glaube, ich weiß jetzt, was ich da fühle: Ich vermisse dieses Baby. Und ich werde auch T. vermissen. Es fühlt sich ein bisschen an wie Liebeskummer. Da ist etwas, was sich sehr schön und kostbar und sehr innig angefühlt hat, was nun nicht mehr da ist und ich weiß, es kommt nicht mehr zurück. Ich kann die Erinnerung an diesen Babymenschen behalten. Sie hatte zum Beispiel diese ganz spezielle Art, sich robbend fortzubewegen. Daran erinnere ich mich. Aber das, was sich so schön anfühlt, am Babyhaben, das kann man nicht konservieren. Wie sich P. an meine Schulter gekuschelt hat, wenn der Wind ihr ins Gesicht blies. Ich liebe diese vielen kleinen Dinge, die T. gerade macht so sehr und beim Betrachten von P.s Fotos wird mir schmerzlich bewusst, dass auch seine kleinen Baby-Eigenarten nur temporär sind, Episoden, Phasen… Dass die meisten davon verschwinden werden, weil er ihnen einfach entwachsen wird. Und meine Erinnerung daran wird mit dem Verschwinden verblassen.

Und natürlich: Es werden neue Eigenarten, neue schöne Sachen zwischen uns dazukommen. Kinder verändern sich… Sie verschwinden ja nicht, sie wachsen. Und das ist schön. Aber die Babys und das Gefühl, was einem Babys geben können… Die verschwinden. Und das hat doch irgendwie – bei aller Schönheit – auch etwas trauriges… Zumindest etwas, das mich ab und zu melancholisch stimmt.

6 Monate 2+2 = 4 (Erziehungsfragen-Sermon)

16.03.2014. Verdammte Axt! Echt jetzt? Ein halbes Jahr?! Gibbet doch nich…

Es gäbe viel zu schreiben darüber, was oftmals zu lesen ist, wenn Leute monatliche Feedbacks zur Entwicklung der Kinder geben: Klar, er ist gewachsen, enorm sogar… Und er hat sich entwickelt wie sich Babys halt entwickeln. Am Anfang war er sehr empfindlich und hat ’ne ganze Weile gebraucht, um sowas wie anzukommen, in der Welt. Viel geschrien, hat er. Und gar nicht geschlafen tagsüber. P. hat das alles super weggesteckt, denke ich. Keine großen Eifersüchteleien – abgesehen von „Eyä, du sollst das nicht ablutschen!“.

In den letzten Wochen haben wir uns gefunden, es ist rhythmisch. T. schläft abends sehr schnell und zuverlässig (mit Pre HA) ein – Versuch mit Pre ohne HA ist KLÄGLICH gescheitert – und wacht nach 4-5 Stunden wieder auf. Danach wird er gestillt und schläft bei/an mir. Wie er nachts nach der ersten Phase wach wird, kann ich gar nicht sagen. Ab 6/7 ist er morgens endgültig wach und ich auch, mehr oder weniger. Morgens fühle ich mich ziemlich gerädert. Aber seit 2,5 Wochen schenkt er mir und sich – auch sehr zuverlässig – vormittags gute 2-3 Stunden Schlaf. Und das ist wirklich ein Geschenk! Dann komme ich dazu, was für die Uni zu machen. Oder Haushalt. Oder Klarkommen. Ich gewöhne mich leider immer zu schnell an sowas und erwische mich dabei, enttäuscht und unterschwellig genervt zu sein, wenn er schon nach 1,5 Stunden wieder wach ist und ich nicht das schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Genau genommen schaffe ich das nie.

Uni zu machen in diesem 2-3-Stunden-Fenster ist ein bisschen irre. „So. Wo war ich. Ah ja. Bourdieu…“ Ich brauche eine halbe Stunde, um mich wieder an die Stelle zu denken, an der ich am Vormittag des vorherigen Tages aufgehört habe. 10 Minuten, um mich wieder in die Texte reinzufuchsen. Und es fällt mich wahnsinnig schwer, sie zu durchsteigen, geschweige denn, sie in Zusammenhang mit meinem Thema zu bringen. TickTickTick… Deine Küche sieht aus wie Sau… TickTickTick… Quäääk…. TickTickTick… Sport müsste ich auch mal wieder machen… TickTickTick… TickTickTick – Die Heranwachsenden müssen „die Fähigkeit zur Unbestimmtheit und strukturellen Umformung und Wandlung“ erwerben, um „Entwicklungs- und Modernisierungsprozesse zu ermöglichen“ – Waaaaasmüssendie? TickTickTick… TICK TICK TICK… Dann wird er wach, mein Kopf dampft und ich muss wieder in einen anderen Gang schalten, dabei schreit alles nach Pause… Kleines Kind wach, versorgen. Zeit im Blick haben, großes Kind abholen, Nachmittagsaction, abends werden alle nölig, dann noch Abendessen und Bett und danach theoretisch das ganze Chaos des Tages beseitigen. Und abends dann noch was Uni machen? Ich schaffe es einfach nicht, mich dann noch durch meine wissenschaftlichen Texte zu kämpfen. Beide Kinder sind zur Zeit nicht vor 21:30 endgültig im Bett. Dann könnte ich erst anfangen und müsste es auch direkt tun, damit es sich lohnt… Das packe ich nicht. Ich erinnere mich an diese Gefühle… Ich hatte das so bei P. auch als ich wieder angefangen hatte, selbstständig von Zuhause aus zu arbeiten. Es ist zu wenig Tag für all das, was zu tun wäre. Vereinbarkeit Kinder und „Karriere“ MY ASS!!!

(Deshalb auch die Stille hier, die ich sehr bedauere.)

Jesper Juul treibt mich auch mal wieder um. Auslöser war seine Kolumne im Standard, die ich erst jetzt entdeckt habe. Ich find den ja immernoch ziemlich toll… Ich habe P., die nach wie vor häufig Heulattacken-Phasen hat, in letzter Zeit häufiger gesagt, dass sie in ihr Zimmer gehen kann, um sich auszutoben und dass sie ja dann wiederkommen kann, wenn sie fertig ist und mag. Ich hielt das für ’ne okaye Methode. Ist sie aber eigentlich gar nicht, denk ich jetzt. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr mies und heulig drauf seid und euer Partner würde zu euch sagen: „Geh ins Schlafzimmer und heul dich aus. Du darfst wiederkommen, wenn du nicht mehr weinst.“ Irgendwie ist das total das falsche Signal… Sie soll doch nicht denken, dass sie nur akzeptiert wird, wenn sie „genehm“ ist… Und auch nach wie vor extrem richtig und wichtig finde ich das, was er zur „persönlichen Autorität“ bzw. „persönlichen Sprache“ sagt… Dass es nämlich für Kinder vor allem wichtig ist, man selbst zu sein und sich nicht zu verstellen. Er beschreibt oft und gern von seiner Beobachtung, dass Eltern (und Großeltern oder Erwachsene allgemein) Kindern gegenüber Rollen spielen anstatt aufrichtig und echt zu sein. Anstatt z.B. zu sagen „Du, ich hab da jetzt echt keinen Nerv drauf.“ benehmen sie sich so, wie sie meinen, dass sich Eltern Kindern gegenüber benehmen müssten… Dabei sprechen sie von sich in der dritten Person („Nicht die Mama hauen!“ … „Gib der Mama mal die Schere wieder!“ *gruselig*) und 3 Oktaven höher als es ihrer natürlichen Stimmhöhe entspricht. Und obwohl ich das sehe und meine, muss ich mich selbst immer mal wieder daran erinnern, einfach echt zu sein und nicht „mich selbst“ abzukapseln und zum Eltern-Roboter zu werden. Ein passendes, plakatives Beispiel: Gestern hatte ich ein Freundin mit ihrer Tochter und ihrem neuen Partner zu Besuch. Wir haben versucht, uns zu unterhalten, während die Kinder uns lautstark im Wohnzimmer umkreisten und ohne Unterlass auf uns einquatschten. Wir haben abwechselnd – wahlweise mit netten Worten oder Lockmitteln („Zeig ihr doch mal…“) – versucht, die Kinder loszuwerden, damit wir uns einfach mal unterhalten können. Irgendwann sagte ihr Partner zu uns: „Warum sagt ihr ihnen nicht einfach, dass ihr mal eure Ruhe haben wollt? Dann gehen sie doch.“ – „Klappt bei P. nicht.“ habe ich gesagt, es kurz darauf aber ausprobiert (und seitdem mehrmals) und echt Bauklötze gestaunt, weil P. tatsächlich ohne ein Wort verständnisvoll nickt und sich verzieht, um sich allein zu beschäftigen. Manchmal macht man sich’s halt echt unnötig schwer. Weil? Ja, weil wir beliebt sein wollen (auch bei unseren Kindern) und Angst haben, sie vor den Kopf zu stoßen. Vor nichts haben wir größere Angst, als sie zu traumatisieren… Vor nichts fürchten wir uns mehr, als schlechte Eltern für sie zu sein.

Juuls Frage, ob wir uns (bzw. wer sich denn) wirklich aufrichtig starke und selbstbewusste Kinder wünschen würde, finde ich so unglaublich richtig gestellt und spannend, dass es weh tut. Er meint, die meisten Menschen wollen in Wahrheit – ohne sich dessen bewusst zu sein – genau das nicht, sondern liebe, artige, tüchtige und folgsame Kinder. Vorzeige-Exemplare halt… Ja-Sager. Ich will das nicht! Wirklich aufrichtig! Manchmal, denke ich, sollte ich mir das wieder häufiger bewusst machen, wenn ich die „Trotzreaktionen“ meines Kindes mal wieder ätzend und anstrengend-nervig finde…

Einen Widerspruch kann ich aber auch mit Juul nicht lösen: Aufrichtig soll und will ich sein. Ich selbst, meinen Kindern gegenüber. Beim oben genannten Beispiel (10 Heulanfälle in 5 Minuten) bin ich ehrlich extrem genervt und angekotzt. So sehr, dass ich schreien will. Oder Türen schmeißen. Ich möchte kann das Gebrüll manchmal einfach nicht mehr hören ertragen. Es macht mich wahn-si-nnig! Irgendwie scheiße zu reagieren, das wäre die ehrliche Reaktion in den Momenten… Aber natürlich keine Gute. Ich finde nicht, dass sie das verdient hat. Den Fehler macht ja nicht sie. Denn sie ist klein und frustiert, weil irgendwas nicht geht. Und ich bin groß und kann reflektieren und mich zusammenreißen. Anzuerkennen, dass sie pissed ist und sie auch in diesem Moment zu akzeptieren, anzunehmen und ihr beizustehen ist dann doch richtiger. Aber ja eiiiigentlich nicht mehr authentisch. Also was denn nun? Und was ist mit der Süßigkeiten-Flatrate? Juul meint, Erziehung wäre eh ziemlich sinnlos, weil Kinder eh nur vom dauerhaften Vorleben lernen und jedes gewollte Erziehen (im Sinne von dranherumziehen) verschenkte Liebesmüh ist… Keine Belehrungen über gesundes Essen am Essenstisch. Kein Zwang oder Überedeversuche, Gemüse zu essen… Also einfach essen lassen, was und wann sie will? „Noch niemand ist an 3 Wochen nur Nudeln mit Soße essen gestorben.“ sagt er sinngemäß und auch: „Die Eltern sind verantwortlich. Dann dürfen sie halt nichts im Haus haben, was sie nicht gut finden.“ Hm. Vielleicht wahr, aber ziemlich unrealistisch, oder? (Und Herr Juul himself ist in der Hinsicht wohl auch kein nachahmenswertes Vorbild, by the way… Check) Und wie sieht das aus mit iPad-Spielen und Fernsehen? Irgendwie fühlt es sich schon so an, als müsste man den Kids in der Hinsicht ein Maß mit auf den Weg geben. Ich fühl mich dafür verantwortlich… verpflichtet… Ist das falsch? Kann… Muss… Sollte man denn immer richtig sein (wollen)?

Und dann noch die Sache mit dem „Mann sollte die Kinder einfach mitlaufen lassen“… Man würde seine Kinder heute viel zu sehr mit Aufmerksamkeit überhäufen, viel zu viel Kinder-Animation betreiben… Ja, sehe ich auch so. Sehr sogar. Und wenn man auf’m Bauernhof arbeitet oder auf dem Feld, dann mag das vielleicht auch toll funktionieren… Sich die Kinder einfach auf den Rücken schnallen und ab geht’s. A.B.E.R: Das berücksichtigt irgendwie nicht, wie die Realität Vieler heute aussieht. Was machen wir nämlich? Wir sitzen vorm Rechner. Und dabei kann man die Kinder nicht „einfach mitmachen / mitlaufen“ lassen. Man läuft ja nicht. Man sitzt. Und man muss sich konzentrieren. Für’s Kind ist dabei kein Platz. Es gibt nichts zu gucken, nichts zu erleben. Es gibt nur Stille, Geticker und Stören. Computerarbeit und Kinder sind nicht vereinbar. Jedenfalls nicht gleichzeitig.

Hach ja. Schön rumgekreist und vom Weg abgekommen…

Wie die Bilanz nach einem halben Jahr zu viert nun ausfällt?

Medaillenseite 1: Wir sind ziemlich durch. Wir sind spätestens 16 Uhr nachmittags sackmüde, können uns aber meistens nicht dazu entschließen, einfach mal direkt mit den Kindern ins Bett zu gehen. Also tun wir das regelmäßig viel zu spät, denn uns fehlt selbstbestimmte Zeit! Die ziehen wir vom Schlaf ab, wodurch wir natürlich noch müder werden. Wir müssen weitermachen. Immer, immer weitermachen… Auszeiten gibt’s nicht. Oder nicht wirklich. Im Moment wüssten wir nicht einmal wofür wir sie nutzen könnten. Das Quietschen und Quaken des kleinen Kindes bringt uns in den letzten Tagen beinahe um den Verstand. Er ist krank und wahrscheinlich im 26-Wochen-Schub (obwohl ich nicht an das Vorhandensein von Wochenschüben glaube). Die Große macht’s uns auch nicht einfacher durch ihre „Ich kann das aber alleine – ich will aber erster sein – Nein! Das geht so aber nicht – Ihr seid gemein!“-Heul-Tiraden. Abends wünschen wir uns nicht selten, wir könnten die Zeit vordrehen bis zu dem Punkt, an dem die Kinder endlich im Bett sind. *seufz* Mit uns als Menschen, als Denkende, als Aktionisten, als Künstler, als Freunde, als Paar ist im Moment nicht viel los…

Medaillenseite 2: Wir sind ziemlich zufrieden. Wir werden früh von einem glucksenden, ungeheuer niedlichen Baby geweckt. Das erste, was du siehst, ist das verliebteste und ehrlichste Strahlen der Welt. An jedem Morgen ist das erste, was ich tue, meinem kleinen Baby, das direkt neben mir liegt, über den Kopf zu streicheln, ihn aus seinem Schlafsack zu befreien und meine Wange ganz dicht neben seine zu legen. Er streckt sich dann ausgiebig, erzählt ein bisschen und dreht suchend den Kopf umher. Ich flüstere zu K., dass er mal gucken soll, weil sein Sohn ihn begrüßen möchte… Dann rufen wir P., die meist schon seit einer Stunde leise in ihrem Zimmer spielt. Ich höre die tappelnden Schritte, wir ziehen unsere Decken hoch und P. springt mit zu uns in die Kiste. Wir schieben ein Stück vom Rollo nach oben, Sonnenlicht fällt auf’s Bett… K. und ich beobachten, wie unsere Tochter unserem Sohn erzählt, was sie in der vergangenen Nacht geträumt hat und er lacht sich darüber kaputt. Manchmal kriegt man ziemlich feuchte Augen vor Rührung. Und da ist man gerade einmal seit 10 Minuten wach…

Keine Eifersuchtsdramen. Größere gesundheitliche Downs gemeinsam gemeistert. Ziemlich gut auf einem Nenner gelandet. Und immer wieder überrascht, dass wir das doch irgendwie alles hinbekommen und es sich zwar ständig so anfühlt, als würde die Energie uns im Stich lassen, sie es aber halt nie endgültig tut.

„Wir schuften weiter, immer weiter.“

Geschwistergedanken (3)

Bevor T. auf die Welt  kam, gab es bei uns die üblichen Befürchtungen… (Das kann man sogar nachlesen, hier zum Beispiel:

Ich hab mir heute versucht, uns vorzustellen, uns 4. Und ich habe uns überfordert gesehen. Ich bilde mir ein, mich ertappt zu haben. Ich möchte auf jeden Fall ein 2. Kind. Aber vielleicht möchte ich es nicht jetzt. Ich glaube, der Gedanke das mehr oder weniger unfreiwillige zweite Jahr Elternzeit mit einer Schwangerschaft und einem weiteren persönlichen “Großereignis” am Ende (klingt das jetzt sehr furchtbar?) wortwörtlich zu “füllen”, hat mir gefallen und den Wunsch verstärkt… Andererseits denke ich immer noch, dass es auf lange Sicht gesehen eine gute Entscheidung wäre. Die positiven Dinge daran, dass ich schon früh meine beiden Kinder bekommen habe und diese einen kurzen Abstand zueinander haben, würden wir aber erst nach vermutlich recht anstrengenden Anfangsjahren (mit zwei sehr kleinen Kindern) haben… Ich weiß es nicht. Ich will einerseits und finde unsere Gedanken und Argumente überzeugend, andererseits habe ich Angst und bin mir nicht sicher, ob es nicht “zu viel des Guten” wäre. Wir würden es schaffen, wenn es passieren würde. Aber sollten wir es wirklich darauf anlegen?)

K. und ich sind nicht unbedingt das, was man als „stressresistent“ bezeichnen kann. Und wir sind keine Honigkuchenpferd-Eltern. (Was nicht heißt, dass uns nicht in so manchen Alltagssituation die Augen feucht werden, weil irgendwas (mit Kind) so schön oder berührend ist.) Wir gehen einfach nicht absolut, einzig und allein in diesem Familiending auf. Wir haben beide daneben noch unsere persönlichen Baustellen… bzw. ganz einfach das Bedürfnis, uns geistig auf die ein oder andere Art (jenseits der Kinder) herumzutollen und überhaupt und sowieso gebe ich einfach keine gute „Hausfrau und Mutter“ ab.

Wir fragten uns: Wie wird Prinzessinenkind 1 reagieren? Kann man das 2. Mini-We überhaupt auch nur annähernd so lieben wie das 1.? Werden wir das packen? Wie soll das alles gehen?? Unser Freiheitsdrang und das Fremdbestimmtwerden durch noch ein Kind, was niemals das Gefühl haben soll, nur noch ein Stressfaktor mehr zu sein… Immer wieder war mir doch mit P. aufgefallen, dass ich viel zu selten genieße, ein Kind zu haben und mich – wie ein unreifer Teenager – oft nach dem sehne, was gerade nicht ist: Selbstbestimmtheit. Entfaltung. Sein Ding machen.

Kinder haben. Das heißt unter Anderem auch: Fremdbestimmung. Zwei kleine Kinder heißt, das stelle ich gerade fest, dass auch schon Mal Tage und Wochen vergehen können, ohne dass es auch nur fünf Minuten gebe, die man selbstbestimmt irgendetwas tun kann. Zwischenzeitlich kommt man sich vor, wie ein Roboter: Rabbäääääh! Registriere: Kind 1 brüllt… Check-Check-Was ist? Hunger-Pipi-Durst-Langeweile? Quäääk! Registriere: Kind 2 schreit. Check-Check-Was ist? Man kommt gar nicht mehr dazu, in sich hinein zu horchen und festzustellen, was man selber eigentlich will oder braucht. Abends klatscht man aufs Sofa und fragt sich, wann man sich wohl wieder sowas wie „beieinander“ fühlen wird. Letze Woche fand ich mich im Drogeriemarkt, mit plärrendem T. im Bondolino, wütender P. an der Hand (die unbedingt rein-raus aus dem Einkaufswagen spielen wollte), vor einem nicht funktionierenden Kartenlesegerät und mit einer, mich lynchen wollenden Menge ungeduldiger „nur noch schnell was besorgen“-Menschen im Nacken sowas von weeeeeit weg von nur Überforderung. Das war ein TOTAL-TILT. Eigentlich. Aber es muss halt weitergehen. Und das geht es auch, man macht halt einfach weiter…

ABER: Mich hat in meinem Leben bisher wahrscheinlich nichts so nachhaltig verändert, wie das Eltern(da)sein. Und: Ich hatte eigentlich immer zwei Kinder im Kopf. Gerade weil wir keine Kinder-Animateure sein wollen.

Nun ist T. 3 Monate alt. 1/4 Jahr. Er hat 2 Kilo zugenommen und ist 11 cm gewachsen. Während er in den ersten Wochen wahnsinnig (!) viel gebrüllt hat – und zwar immer, wenn er wach war – ist er nun wirklich geradezu entspannt. Er nuckelt immernoch gern an der Brust und verweigert jede Art von Schnuller. Er greift inzwischen ziemlich bewusst nach Dingen, muss immer irgendwas angrabbschen (und wenn’s die eigene Haut ist) und sabbert ohne Ende. Ob auch er wie P. schon mit 4 Monaten seinen ersten Zahn bekommen wird? Gerade heute hat er angefangen, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen und jaaaaa, man feiert Feste wie beim 1. Kind bei jedem kleinen Meilenstein. Er liegt gern auf dem Bauch und will sowohl tagsüber als auch nachts etwa aller 3 Stunden HappaHappa. Er bleibt entspannt, solange er dabei sein darf und man ihn aller 2-3 Minuten mal nett angrinst. Dann grinst er charmant zurück und alle freuen sich.

grins

Die großen Befürchtungen bezüglich der P.’schen Eifersucht haben sich verflüchtigt. Die Geschwisterei ist bisher seltsam unspektakulär. P. knutscht ihren Bruder regelmäßig ab, hatte bisher exakt einen kleinen mini-Eifersuchtsanfall – sie hatte ihm ihr Tuch zum Spielen hingehalten, er hat (wider Erwarten) zugegriffen und sich geweigert, loszulassen – und will ihm regelmäßig Dinge zeigen („Guck mal T., hier ist meine Bibi!“). Sie will ihn ab und zu mal halten und ihm Gute Nacht sagen. Es kommt manchmal vor, dass sie sowas sagt wie „Aber Papa, Mama kann doch T. ins Bett bringen“, wenn sie von ihm was vorgelesen bekommen möchte und er T. aber gerade betten wollte. Als meine Oma hier war und aus Spaß zu ihr sagte: „Komm wir tauschen, du kriegst meine Katze und ich nehme den T. mit.“ ist P. sofort in Tränen ausgebrochen, weil sie ihren Bruder auf gar keinen Fall eintauschen wollte. Das fand ich ja schon sehr herzergreifend… Für sie scheint T. einfach schon total zu uns zu gehören.

Es gibt Momente, in denen ist es eigentlich wie früher. Wenn einer von uns T. am Bauch hat und wir etwas unternehmen, dann fällt nur auf, dass einer von uns Erwachsenen etwas unbeweglicher ist als sonst. Spannend wird das wahrscheinlich erst, wenn T. auch krabbelt-läuft-will. Und die Momente/Tage, wenn einer mit beiden allein ist, sind eine ziemliche Herausforderung. Kind 1 will, Kind 2 wil und man selbst ist nun einmal nur eins.

Ganz offensichtlich hat P. gar keine Probleme damit, dass hier jetzt noch ein Kind wohnt und die Eltern in Beschlag nimmt. Oder?

Naja… Ich weiß nicht, ob ich paranoid bin und ob es nicht besser wäre, gar nicht zu versuchen, in das Verhalten meiner 3-Jährigen etwas in Richtung „Ich leide unter meiner Geschwisterschaft“ hinein zu interpretieren… Mir fällt nach wie vor von Tag zu Tag mehr auf, dass es immer schwerer wird, das eigene Kind zu durchblicken. Wie fühlt sie sich? Was beschäftigt sie? Wie verarbeitet sie ihren Alltag?

Es gibt so Dinge, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie damit zusammenhängen oder nicht… Und ob ihr das zu Schaffen macht. Ich glaube, dass das für mich tatsächlich die Problematischste Seite am mehr als ein Kind-Haben ist. DASS ICH ES NICHT WEISS! Ich will es aber wissen! Wie soll ich ihr Verhalten deuten? Hat es was mit T. zu tu, dass sie abends zeitweise bis zu 3 Stunden zum Einschlafen brauchte? Hat es was mit T. zu tun oder ist es eine übliche Phase von 3-Jährigen, wenn sie jetzt extrem zickig ist und ständig wegen Kleinigkeiten losheult? Hatte sie abends ein Problem mit dem Töpfchen, weil sie – geschwisterbedingt – regrediert oder war das einfach Zufall? Ich habe keine Ahnung…

Und ja: Man kann ein zweites Kind lieben. Sehr. Aber auch ja: Das zweite Kind läuft an vielen Stellen mit. Es bekommt nicht so viel exklusive Aufmerksamkeit.

Ich stelle fest, dass ich mit T. geduldiger bin. Rückblickend kommt es mir vor, als hätte ich in Ps Babyzeit ständig vor ihr gehockt und den Hampelmann gemacht, damit sie ’ne Regung zeigt, lacht oder sonstwas. Seien wir erhlich: Vielen Eltern ist in der ersten Zeit mit Baby vor allem eins: Schreeeeeecklich langweilig… (Wenn die wüssten! Hier ein ernst gemeinter Rat an alle Einfacheltern: MACHT, WAS EUCH GEFÄLLT! LEST BÜCHER! MALT BILDER! GEHT INS MUSEUM…) T. wirkt etwas entspannter, weil ich ihn einfach „kommen lassen“ kann… Und ich nicht andauernd auf ihn eingehe/-rede.

Man kennt sich besser aus, achtet auf Signale, kann Müdigkeitsanzeichen zum Beispiel viel besser erkennen. Man verzweifelt nicht an „so Dingen“. Und man himmelt sie trotzdem an…

 

2 Monate

T. ist unglaubliche zwei Monate alt. Er wiegt 5,5 kg und ist 62 cm lang. K. und ich bekommen momentan regelmäßig kleine Zuckerschocks, weil er sooooooo furchtbar niedlich gucken und „hööööarrrr“en kann. Schreien kann er auch immernoch, aber das hält sich mittlerweile echt in Grenzen. Wir können frühstücken und abendbroten und er liegt friedlich im Stubenwagen bei uns und guckt sein Mobile an. Unsere Schultern sind verspannt, weil der Herr ständigen Körperkontakt bevorzugt. Die große Schwester ist nach wie vor sehr verliebt in ihren Bruder. Der wird so viel gekuschelt, gedrückt und geknutscht. An zu wenig Liebe wird es ihm wohl nicht mangeln…

Wir sind so sehr gespannt, wie der kleine Mann später Mal aussieht! Momentan sieht er P. auf jeden Fall manchmal sehr, sehr ähnlich. Es ist so verrückt. Man kennt ja bisher nur einen Menschen, der so aussieht wie P. Sie halt. Und jetzt gibt es da noch einen, der auch so aussieht. Und doch ein bisschen anders. Dieses „Das ist so kraaaaaaaaass“-Gefühl geht immernoch nicht weg.

Ich laufe durch die Wohnung, am Kaufmannsladen vorbei, die Puzzles wegräumend, auf P.s Tripp Trapp zu… „Tja… Das ist wohl deine Wohnung. Das sind die Sachen, die du für deine Kinder besorgt hast…“

Nachdem wir aus dem Zoo zurück gekommen sind, stille ich T., koche Abendessen, wir Abendbroten, räume die Küche auf, kurz bevor wir die Kinder ins Bett bringen. Das läuft routiniert ab. „Tja… Das klappt eigentlich ganz gut.“

Ich liege neben P. in ihrem Bett, kurz nachdem wir die 2. Gute Nacht-Gesichte gelesen haben. „Meeeeeeeine Mami!“ sagt es und drückt sich an mich. „Tja. Das bin dann wohl ich…“

Eine kleine Mini-Hand bohrt sich ein bisschen zu fest in meine Brusthaut, süßlicher Atem steigt mir in die Nase. Er ist vor kaum 3 Sekunden eingeschlafen. „Tja. Das ist dann wohl mein kleiner Sohn…“

Was soll ich sagen? Stille auf meinem Blog bedeutet meist, dass es mir/uns gut geht. Und so ist es auch. Ich bin froh, über unsere Entscheidung für ein 2. Kind. Bisher ist alles super. Es fühlt sich komplett an. Ja, es ist recht viel. Nein, zu irgendetwas Anderem kommen wir gerade nicht. Aber ich weiß, dass es jetzt halt die Zeit dafür ist. Und irgendwann wird tendenziell weniger nurFamilie und wieder mehr anderesZeug da sein. Ich find’s gerade einfach echt gut. Wir kommen zurecht. Ich bin echt selten genervt. Das ist gut. Sehr gut sogar.

Geschwistergedanken (2): Hurra (?), wir sind jetzt 4

Inzwischen haben wir schon einige Stress-Momente gehabt. T. ist jetzt seit 2 Wochen auf der Welt. Die Stress-Momente habe ich daran bemerkt, dass sich das Stress-Gefühl überhaupt durchsetzen konnte, obwohl ich nach wie vor ziemlich hormonbeladen war/bin. Im Krankenhaus vor meiner Nierenstein-OP hab ich zum Beispiel angefangen zu heulen, weil die Urologin nach dem Namen meines ersten Kindes fragte… weil ich mir so einen Kopf darum gemacht habe, wie sie damit zurechtkommt, dass ich schon wieder nicht da und vor allem schon wieder im Krankenhaus bin. Mit T. und ohne sie. Letztendlich hat sie davon gar nichts mitbekommen… (K. meinte dann im Gespräch zu mir: „Naja, aber die Geburt ist ja jetzt schon ’ne Woche vorbei, das sind doch dann eigentlich nicht mehr die Geburtshormone, oder?“ – „Ähm. Im Normalfall breche ich aber nicht beim Arzt in Tränen aus, weil er mich fragt, wie mein Kind heißt…“ Soviel also dazu… Schwangerschaftshormone, Geburtshormone, Still-Hormone, Babyblues, … Watweeßick, „normal“ fühle ich mich jedenfalls noch nicht wieder.)

Der Stress-Peak ist hier definitiv abends. T. hat nämlich zwischen 18 und 22 Uhr seine „Clusterfeeding„-Zeit und es ist so ziemlich unmöglich, gemeinsam zu essen. Er ist irgendwie wach, ab und zu dann doch schon schläfrig, findet aber nicht endgültig in den Schlaf, will an die Brust, dockt aber immer wieder ab, quietscht, sucht dann aber gleich wieder, wird wütend (scheint die Brust nicht zu finden?)… Puh, ein bisschen anstrengend, diese Zeit. Ich versuche manchmal, ihn am Tisch weiter zu stillen. Dabei kann ich zwar nicht wirklich was essen, aber immerhin sind wir so alle zusammen und unser Ritual geht nicht ganz flöten… Gemeinsames Abendessen finde ich sehr wichtig. An einigen Tagen konnte ich T. auch schon mit ins Bad nehmen und wickeln/waschen, wenn K. das P. bettfertig macht. Anstrengend – neben einem zunehmend müder und entsprechend zickiger werdenden großen Kind und einem Tag-verarbeitenden Säugling – ist für mich aber auch vor allem, dass K. genau dann auch die Puste ausgeht und er (verständlicherweise) eigentlich nur noch fertig werden will… Er hat dann nur noch wenig Geduld für die Dauer-Sperenzchen einer 3-Jährigen übrig, die jede Aktion gefühlt ins Unendliche ausufern lassen… und die Nerven echt ziemlich überstrapazieren. Insbesondere dann, wenn nebenher immer ein Baby brüllt. Dann muss ich ganz viel ein- und ausatmen, um nicht selbst in Stress und Ätz zu verfallen und mich T. ohne Hektik zu widmen und K. so quasi seinem Schicksal zu überlassen… Mir bleibt aber nichts anderes übrig. Und ich kann mich in diesen Momenten nicht noch um ein 3. Kind kümmern. Da muss er wohl durch… Am ehestens knallt’s dann trotzdem zwischen K. und mir, weil ich (wohl vor allem aufgrund meiner Müdigkeit) seine kaum vorhandene Stressresistenz in diesen Momenten nur gaaaanz, ganz schwer ertragen kann. Mehr Teamwork und an einem Strang ziehen, bitteschön!

Das P. geht dann ins Bett, ich lese ihr vor (mit Kind 2 an der Brust) und haue mich dann auf’s Sofa (mit Kind 2 an der Brust). Ohne iPhone wäre ich – zugegeben – wohl schon ziemlich frustriert, aber dank der Entertainment-Wundermaschine lese ich viel und kommuniziere (mit Kind 2 an der Brust), höre Nachrichten und Hörspiele (mit Kind 2 an der Brust) und google bescheuerte Fragen und Themen (mit Kind 2 an der Brust). Das geht ja zum Glück alles einhändig heutzutage. Gegen 22/23 Uhr pennt T. dann und kommt meist erst gegen 2 Uhr das nächste Mal. Ich versuche, halbwegs zeitig ins Bett zu gehen. Manchmal schläft K. den ersten Teil der Nacht mit T. auf dem Sofa und ich hau mich allein ins Bett und schlafe ein paar Stunden ohne offenes T-Shirt und Verrenkung um’s Baby… K. bringt ihn mir dann zur ersten Nachtmahlzeit frisch gewickelt gegen 2 Uhr ins Bett. Das ist eigentlich ’ne ganz gute Taktik, find ich…

P. findet es inzwischen auf jeden Fall super, beim Babwickeln mitzumachen. Sie guckt dann immer, ob der Streifen vorn auf der Windel gelb oder blau ist. Sie weiß, dass blau heißt, dass die Windel vollgepullert ist und er ’ne neue braucht. (Ich bete gerade, dass die 2er-Windeln auch so ’nen dämlichen Indikatorstreifen haben…) Außerdem sucht sie morgens ab und zu die Sachen für T. raus. Sie hält seine Händchen beim Wickeln fest, so wie K. ihr das gezeigt hat. Sie weiß, dass ihn das beruhigt. Sie fragt „Warum quäkert er?“, wenn er schreit. Sie sagt zwar noch immer ab und zu „Das ist anstrengend. Das ist mir zu laut!“, aber immerhin nicht mehr bei jedem Schreien… Sie kann da inzwischen wohl auch schon ganz gut weghören. Sie gibt ihren Baby-Puppen abends vorm Schlafengehen die Brust. Sie hat verstanden, dass Babys noch keine Salzstangen und Zuckerperlen essen dürfen, weil: „Der hat noch gar keine Zähne!“. Sie bringt mir Wasser und drückt auf den Lichtschalter, wenn ich wegen der Stillerei an’s Sofa genagelt bin. Sie scheint es toll zu finden, wenn sie eine Aufgabe bekommt und mir helfen kann. Wir werden abends auch nicht mehr aus dem Zimmer geschmissen. Ich bekomme es mittlerweile – T. ist 2 Wochen alt – hin, ihr vorzulesen und ihn gleichzeitig zu stillen. K. war auch schon mit T. und P. in der Wanne. T. schaut immer ganz aufmerksam, wenn seine große Schwester neben ihm ist und erzählt oder auf ihn einredet. Manchmal kommt P. auch von selbst an, streichelt ihn, will ihn anfassen oder ihm einen Kuss geben. Noch ist das zwar eher zurückhaltend, aber trotzdem sehr herzerwärmend…

Ich bin sehr viel zuversichtlicher, dass sich das alles irgendwie einspielen wird zwischen P. und T und uns so insgesamt… Ich frage mich aber trotzdem immernoch, was es mit P. macht, dass ich sie weder zur Kita bringen noch sie abholen oder auf Spielplätzen mit ihr rumtoben kann. Was macht das mit ihr, dass fast jede Action außerhalb der Wohnung von K. oder ihrer Omi übernommen werden? Dass das plötzlich ein kleines Etwas ist, was Zeit und Liebe in Anspruch nimmt. Ist es ein halbwegs hinreichender Ausgleich, dass ich versuche, sie wenigstens früh zu wecken, mit ihr zu frühstücken, sie anzuziehen und abends ihre Geschichten vorzulesen und sie in die Decke zu mummeln? Nimmt sie das überhaupt besonders wahr? Oder nehmen Kinder in dem Alter die Dinge einfach so, wie sie sind? Vermissen sie schon jemanden, der eher wenig Zeit mit ihnen verbringt? Spürt sie schon sowas wie Eifersucht T. gegenüber? Äußern tut sie das jedenfalls bisher nicht so direkt… Und zu T. ist sie auch recht liebevoll… Heute haben wir sie alle zusammen von der Kita abgeholt und danach den Nachmittag zu viert „draußen“ verbracht. T. ist in der Trage ja quasi unsichtbar und für P. alles ein bisschen so wie früher.

Ein bisschen Angst und Bange wird’s mir, wenn ich daran denke, dass die Uni in zwei Wochen wieder losgeht… Und dass K. ja irgendwann auch wieder arbeiten gehen muss. Wie der (echte) Alltag ohne Urlaub/Elternzeit/frei haben dann aussehen wird und wie ich es hinkriege, ein Baby und eine dreijährige morgens rausgeh- und abends bettfertig zu machen… Wie ich mich auf irgendwelche philosophisch-gesellschaftstheoretischen Uni-Themen einlassen können soll… Wie ich für Prüfungen lernen und Hausarbeiten schreiben können soll… Wie ich überhaupt irgendwas machen soll, außer mein Baby, mich und meine Tochter über den Tag zu bekommen… Das ist mir noch sehr, sehr schleierhaft. Es bleibt uns aber nichts anderes übrig als uns einfach reinzustürzen und zu sehen, was passieren wird. Vielleicht klappt’s ja auch einfach. Irgendwie. Ächem… Ja… Ich bin gespannt.

Und naja… Ich kann nicht wirklich viel gegen meine ab und zu aufkommenden „Buhuuuhuhuuuu“-Gedanken machen. Ich fühle mich für P. einfach ziemlich unzulänglich im Moment. Als wäre ich gar nicht so richtig für sie da und dadurch irgendwie auch nicht so wirklich von… nun ja… von „Belang“. Ängste kriechen in mir hoch, dass sie mich vorübergehend sowas wie „abschreiben“ könnte… Mama ist jetzt halt nicht mehr so wirklich da, egal, dann nehm‘ ich halt Papa oder Oma. Mit Mama ist ja eh nicht zu rechnen, die hat ja eh nie Zeit. Mir ist natürlich eigentlich (vom Kopf her) schon klar, dass das Quark ist. Ich bin wahrscheinlich das Backup. Weil wir in den letzten Jahren ein gutes Verhältnis und eine gute Bindung aufgebaut haben, steckt sie die ganze neue Sache hier vermutlich so gut weg und kann auch ohne Probleme viel Zeit mit Papa und Omi verbringen ohne durchzudrehen. Und eben auch ohne dass unser Verhältnis komplett krachen geht. Oder?

Und was kann ich schon groß tun? Ich kann nur versuchen, sie in die T.-Pflege mit einzubeziehen, sie wenigstens 1-2 Mal in der Woche mit abzuholen, wenigstens einmal am Tag mit ihr Zeit zu verbringen (und wenn’s nur kurz ist), ihr in der Zeit viel Nähe und Kuscheln zu geben und einige unserer festen Rituale und Abläufe beizubehalten. Dabei laufe ich aber Gefahr, die Zeit mit ihr „zu schwer“ zu machen, glaub ich. Also die Situationen von meiner Seite her emotional zu sehr aufzuladen… (Es ist dabei zwar nicht das, was vielleicht vielen passiert… Die „Ich bin jetzt mal nicht so streng“-Schiene – siehe hier, irgendwo in der Mitte des Artikels… Es ist irgendwie anders…) Ich habe so ein starkes Bedürfnis, ihr in den kurzen gemeinsamen Zeiten ganz viel Liebe zu geben. Also ihr zu zeigen, dass ich sie wirklich lieb habe und ihr unbedingt zu beweisen, dass sich nichts daran geändert hat, nur weil nun das Baby da ist. Es gelingt mir nur schwer, mich einfach halbwegs normal ihr gegenüber zu verhalten. Das passiert wohl auch wieder aus Angst. Es ist das Resultat meiner Befürchtungen, sie könnte… hm… vergessen, dass ich für sie da bin und sie lieb habe… oder aus Angst, sie könnte aufgrund meiner akuten Kaum-Verfügbarkeit einen Mama-Liebesmangel haben und darunter leiden. Eigentlich würde ich mit ihr gern dauernd darüber reden, wie die Situation ist und wie das für sie gerade ist. Dann muss ich mich aber daran erinnern, dass meine Tochter erst drei Jahre alt ist und nicht wirklich reflektieren, durchdenken, angeben kann, wie die Situation für sie so ist… Dass sie eher irritiert darauf reagiert, wenn man ihr „wie findest du das denn?“-Fragen stellt. Sie kann ja noch nicht über’s Denken und Empfinden nachdenken… Was soll sie schon groß sagen? Ich denke, dass sie sowas noch echt überfordert… Und übertriebene Liebesbekundungen und Nähe-Aufrdängelei würde es wahrscheinlich auch… Also schlucke ich meinen Kloß im Hals weitgehend runter, drücke sie nur kurz und versuche, so normal wie möglich zu und mit ihr zu sein. Und Mann… Das fällt mir echt ganz schön schwer! Genau wie das nicht überinterpretieren… Es ist einfach total schwer einzuschätzen, ob sie an Nachmittag xyz nun gerade so zickig und anstrengend nah am Wasser ist, weil sie übermüdet, überreizt, einfach nur doof drauf, ganz normal dreijährig drauf oder emotional verletzt und überfordert durch die neue Situation mit plötzlich kleinem Bruder ist… Ist es eine gute Idee, das zu thematisieren? Mit einer dreijährigen? Und wenn ja, wie? Und dann fühl ich mich manchmal so unfähig, weil ich zu doof bin, die Signale meiner eigenen Tochter zu deuten… Obwohl ich ja weiß und auch einsehe, dass auch die eignen Kinder nun einmal dahingehend kein offenes Buch sind. Aber ich ärgere mich so ein bisschen darüber. Ich würde sie gern besser und eindeutiger lesen und verstehen können und frage mich, wie der richtige Weg ist, um das zu erreichen. Irgendwann will ich gern mal etwas besser einschätzen können, ob meine Tochter nun gerade komisch reagiert, weil sie ein ernsthaftes Problem hat oder ihr nur ein undramatischer Pups (im Kopf) quer sitzt.

Es fällt mir übrigens ganz allgemein sehr schwer, Menschen einfach mal in Ruhe zu lassen und nicht krampfhaft zu versuchen, in ihre Köpfe und/oder Herzen zu steigen. Ich neige da durchaus auch zum (ungewollten) Bedrängen. Ich will unbedingt wissen, was in ihnen vorgeht, wie es ihnen geht und dann am liebsten auch noch ganz viel klug-hilfreichen Senf dazu abgeben. Dabei vergesse ich oft, dass viele (wenn nicht sogar die meisten?) Menschen gar nicht ständig reflektieren wollen. Viele Menschen grübeln nicht ständig darüber nach, wie es ihnen geht, wie ihr Leben gerade so abläuft und wie/wodurch es ihnen vielleicht besser gehen könnte. Vielleicht können das manche auch einfach nicht… Davon mal abgesehen, dass die meisten Menschen (irgendwie ja auch zu Recht) eher allergisch auf gut gemeinte Ratschläge reagieren. Ich bin damit jedenfalls schon sehr oft gegen Wände gelaufen und hab auch schon einige eingerissen.

Ich befürchte, dass es für mich eine echt harte Probe werden dürfte, mein armes Kind nicht ständig krampfhaft zum Reden über seine Gedanken, Gefühle und Probleme bringen zu wollen. Das würde nämlich vermutlich ganz gewaltig nach hinten losgehen und dürfte wohl am ehesten dazu führen, dass sie mir gar nichts erzählen werden…

Woher kommt nur diese „Gier“ nach anderer Leute Probleme und Seelenstrips? Letztendlich betreibe ich auf dem Blog hier ja nichts anderes als Selbstentblößung. Gefühle, Gedanken, Reflektion… Es gibt kaum was, was mich mehr interessiert… Auch bei Filmen oder Büchern interessieren mich die tiefen, ehrlichen Gedanken- und Gefühlswelten immer am meisten. Komisches Faible… Ist das reine Neugier? Eine Variante des Voyeurismus? Ich weiß es nicht… Aber es war… ich war dahingehend nie anders. Ich hab schon als Teenie am liebsten mit Menschen stundenlang über ihre Baustellen geredet und versucht, Lösungen dafür zu finden.

Zurück zum Thema: T. ist jetzt seit zwei Wochen auf der Welt. Schon jetzt kann ich ganz gut nachvollziehen, was es bedeutet, sich zerrissen zu fühlen. Von dem Gefühl berichten Mehrfacheltern ja oft. Man fühlt sich zerrissen, weil man plötzlich mehr als einem Kind (mit jeweils ganz unterschiedlichen Bedürfnissen) gerecht werden muss und auch möchte. Ich will für T. da sein und weiß, dass ich mich schonen muss, damit die Krankenhaus-/Krankheitskacke endlich Mal ein Ende hat. Dadurch muss ich aber dabei zusehen, wie meine Tochter den größten Teil der Tage mit anderen Menschen verbringt. Mit der Kindergärtnerin, mit ihrem Vater, mit ihrer Omi… Seufz… Das macht mich betroffen, weil ich nicht weiß, ob das für sie schlimm ist, ob und was es für Auswirkungen auf sie bzw. für uns haben wird.

Ich hoffe sehr , dass ich irgendwann mehr mit „meinen Kindern“ anstatt mit dem einen und dem anderen kommunizieren und umgehen werde und es schaffe, dabei trotzdem die persönliche Individualität der beiden zu respektieren und zu bewahren.

Tja. Das ist wohl ein weiterer dieser schwierigen Balanceakte, die man auf die Reihe kriegen muss, wenn man ein Stück Eltern ist…

Geschwistergedanken (1): Dem Kind das Herz brechen…

Da ist es nun, das zweite Kind.

Ich habe nicht ewig darüber gegrübelt, ob und wie das Sinn macht oder nicht. Ich hatte einen kleinen Bruder, habe an unsere gemeinsamen Urlaube gedacht und daran, wie viel Zeit ich mit ihm und wie viel mit meinen Eltern verbracht habe und dachte: Ja, ein Kind allein und immer nur allein, das find ich nicht gut. Und habe dabei auch an mich selbst gedacht. Weil ich halt echt kein guter mit einem Kind-Spieler bin. Weil ich viel mehr mit mehreren Kindern anfangen kann. Denen kann ich einen Rahmen bieten, in dem sie sich herrlich austoben können. Aber ich tobe halt nicht so gern (und gut) mit. Ich freunde mich auch langsam damit an, wirklich die Überzeugung zu vertreten, dass man das als Erwachsener auch nicht tun muss, wenn es einem nicht liegt.

P. ist eine ziemliche Prinzessin. K. verwöhnt sie ganz schön, bespielt und -spaßt viel. P. läuft nicht einfach mit, wir machen viele kinderfreundliche Dinge. Zoo, Hüpfburg-Fest, Schwimmbad, … All sowas. Tatsächlich fand ich das oft ziemlich anstrengend, mit ihr allein. Gerade in den letzten Monaten, seitdem sie so ca. 2,5 Jahre alt ist und so richtig tobt und fordert, dachte ich schon oft aaaaaaaanstrengend… und hab mir die Momente schön gemalt, wenn nicht mehr ich oder K. mit auf’s Riesen-Trampolin müssen, sondern P. und T. Die Kinder machen Kindersachen, die Erwachsenen machen Erwachsenensachen. Und alle sind glücklich. So sieht das aus in meiner Phantasie und so in etwa erinnere ich mich auch an meine Kindheit.

Abgesehen von dem Moment im Disneyland, als ich noch etwa 3,5 cm zu klein für die coole große Achterbahn war und mit meinem kleinen Bruder draußen gewartet habe, während meine Eltern Achterbahn fahren waren… Maaaaann, war das gemein! Heute rechne ich ihnen ihren Egoismus in dem Moment echt hoch an irgendwie… Ich würde das wahrscheinlich nicht machen… Ich hab halt ständig Angst, meinen Kindern das Herz zu brechen.

Und schon bin ich beim Thema. Meinem Kind das Herz brechen.

268 Tage war ich schwanger. Wir haben viel mit P. darüber gesprochen, dass sie einen kleinen Bruder bekommt und am Ende war nicht nur ich, sondern auch sie ungeduldig. Sie hat den dicken Bauch noch vor mir begrüßt und mit ihrem Bruder geredet: „Komm endlich raus, T.! Ich will dich sehen!“ In ihrer Musikgruppe haben drei gleichaltrige Kinder in den letzten Monaten Geschwisterkinder bekommen und auch ihre allerliebste Kindergartenfreundin hat eine kleine Schwester bekommen. Alles ganz gute Voraussetzungen für unsere Erweiterung, fand (und finde) ich. Sie schien sich wirklich auf ihren Bruder zu freuen. Ich glaube nicht, dass sie eine echte Vorstellung davon hatte, was das eigentlich genau bedeutet. Wir haben ihr erzählt, dass T. bald raus kommt, der Bauch dann weg ist, T. dann bei uns wohnen wird, Milch aus meiner Brust trinkt und am Anfang noch nicht viel kann, außer schreien und schlafen. Der Bauch bekam Küsse und ihre zwei Babypuppen – Arthur und Ella – wurden heftig betüddelt.

Jetzt ist T. tatsächlich da.

Am Tag nach seiner Geburt kam P. mit meinen Eltern ins Krankenhaus. Sie hatte Geschenke für ihren Bruder dabei und er hat ihr einen Lolly mitgebracht (Tipp von der Hebamme). Sie ist aufs Bett geklettert und hat ihn begrüßt, seine Hand gestreichelt, schüchtern gegrinst, ist dann aber gleich zurück zur Oma geflüchtet. Oder zum Papa. Jedenfalls nicht zu mir. Als er anfing, zu quaken, hat sie gefragt „Warum weint er denn?“ … Die Frage wird uns noch lange begleiten, schätze ich. Wir haben uns dann angezogen und sind alle zusammen losgegangen. Dass T. noch mit im Auto saß, fand sie ganz witzig. Zuhause hatte sie dann einen ziemlichen Zickenanfall, fand alles doof und war irgendwie unwirrsch. Okay… Das wäre sie vielleicht so oder so gewesen. Nach der Kita ist sie oft müde, wenn sie dort mittags nicht geschlafen hat. Aber normalerweise sagt sie nicht sowas wie „Ich will nicht, dass du hier bist, Mama! Papa soll hier sein!“ – Auuuuutsch!

Der erste Nachmittag und Abend mit zwei Kindern hat sich – im Bezug auf’s Geschwisterthema – komisch angefühlt. Es war nicht so richtig ein Familiengefühl da, sondern T. – der Säugling – auf der einen Seite und P. – die 3-Jährige – auf der anderen. Als ich mit T. auf dem Sofa saß und ihn gestillt habe, war mir P., die draußen rumgeschrien hat, ein bisschen zu viel. Als ich mit P. abends im Bett lag und ihr Geschichten vorgelesen habe, habe ich kurz vergessen, dass ich gestern Abend ein Kind zur Welt gebracht habe, dass im Wohnzimmer gerade schlummert.

Dann einerseits so tolle Momente – Vorgeschmacks-Momente – wie der Morgen und P. kommt ins Bett und wir liegen da zu viert. Und dann gleich die andere Seite: T. fängt an zu weinen und P. fragt „Warum weint der?“, verzieht das Gesicht und sagt „Mir ist das zu laut. Das nervt / Das ist anstrengend.“ oder auch „Nein, T., du darfst nicht in mein Zimmer!“ als ich mich mit ihm zu ihr und K. legen will, während sie sich ein Buch angucken… Ist ja toll, dass sie das so klar sagen kann… Aber auch ein Dämpfer, der Befürchtungen schürt.

Und dann hatte ich natürlich einen ordentlichen Heulanfall…

Es ist komisch. Ich bin so… ich bin so traurig für P., weil sie nun einfach nicht mehr die Nummer 1 ist und ich mir vorstellen kann, dass das echt hart für sie ist. Und ich selbst finde es für mich schwierig, weil die Hormone mich total an T. binden und ich ihn wirklich mit Herzchen-Augen angucke, den ganzen Tag…  Ich finde es schwierig, weil ich nicht in P.s Kopf gucken kann und Kinder in dem Alter ja auch noch nicht reflektiert sagen können „Du, damit komme ich gerade ganz schwer zurecht.“ Sie verhält sich einfach irgendwie und ich muss, glaub ich, aufpassen, dass ich da jetzt nicht zuuuu viel rein interpretiere… Ich versuche, Rituale bewusst mit ihr durchzuziehen. Wie immer mit ihr aufzustehen, zu frühstücken und sie anzuziehen. K. bringt sie in die Kita. Es tut mir ein bisschen weh, weil es für sie sicher traurig ist, dass ich sie schon seit Monaten nur noch selten abhole und den Nachmittag mit ihr verbringe, und jetzt geht das ja noch einen Moment so weiter. Ich wäre gern mal wieder uneingeschränkt da für sie. Und ich weiß nicht bzw. ich will nicht, dass sie mir das irgendwie nachträgt bzw. dass sich das allzu sehr auf unsere Beziehung auswirkt. Dass das irgendwas kaputt geht, was nicht mehr wieder gut zu machen ist.

Mein Mutterherz krampft ein bisschen zusammen vor Angst, wir könnten uns vor dem Hintergrund dieser neuen Situation total entfremden…

Ja, ich hab echt ein bisschen Herzschmerz. Einfach nur aufgrund der Tatsache, dass es zwischen uns nie, nie, nie wieder so sein wird, wie es einmal war. Das ist etwas, das ich mir vorher hätte etwas bewusster machen sollen. Das heißt nicht, dass ich jetzt denke, dass es ganz schrecklich anders ist als sonst oder so oder niemals gut werden wird. Es wird nur nie wieder so sein, wie es war. Sie wird einfach nie mehr mein eines Kind sein. Ach herrje… Ich könnte schon wieder heulen *schluck* (Jaja, die AfterGeburt-Hormonladung tut da sicher auch ihren Teil dazu…)

Davon abgesehen bin ich mir eigentlich ja sicher, dass sich das alles einspielen wird. Wenn sie erst einmal feststellt, dass wir auch alle zusammen wieder raus gehen, Dinge unternehmen und es nicht ewig bei dieser Ausnahmesituation bleiben wird. Wenn es einfach normal wird, dass T. da ist. Wenn T. für sie einfach selbstverständlich dazu gehört. Außerdem tut es der kleinen Prinzessin – so auf lange Sicht – schon eher gut, nicht mehr ständig in unserem Mittelpunkt zu stehen.

Aber trotzdem… hach… Ich wünschte, ich könnte in ihren Kopf reinschauen und genau sehen, was die Situation gerade mit ihr macht. Man muss ziemlich genau beobachten, um das rauszukriegen. Ich kann nur mutmaßen, wie es in ihr aussieht gerade und ob sie wirklich schlimm daran zu knabbern hat oder ob alles okay ist. Ich denk, die Zeit mit ihrer Omi tut ihr ganz gut gerade. Sie hat sich gestern – 4 Tage nach T.s Geburt – auch ausdrücklich gewünscht, bei ihrer Omi zu schlafen… Und ich weiß, dass es ihr dort gut geht. Und ehrlich gesagt tut es mir auch gut, dass sie weg ist und ich merke, dass sie mir fehlt und ich mich darauf freue, wenn sie wieder hier ist.

Mein großes Kind kommt mir wirklich irre groß vor gerade! Wenn ich den ganzen Tag mit T. zu tun hatte, sie abends nach Hause kommt und ich ihre Hand anfasse, ihre Kopf streichle… Das ist ein Weltenunterschied. Wahnsinn! Daran muss ich mich auch erst einmal gewöhnen. Auch daran, dass man einen Säugling ganz anders anfasst und kuschelt als ein 3-Jähriges Kind.

Nierenstein-OP :-( Schon wieder Krankenhaus

Ach ja, auch hier nochmal der Vollständigkeit halber: Ich war die letzten Tage nochmal mit T. im Krankenhaus…

Der Nierenstau, der in der 38. Woche festgestellt wurde und wegen dem ich schon da für 2-3 Tage im Krankenhaus lag, wurde nämlich doch nicht vom drückenden T. verursacht. Sondern von einem Stein! Da der 1,5 cm groß war und den Harnleiter verschlossen hatte, musste ich direkt operiert werden… Am Dienstag kam’s raus, am Mittwoch sollte schon die OP stattfinden. Ich bin zur Urologin gegangen, weil ich am Montag plötzlich wieder so fiese Nierenschmerzen hatte, dass ich beim Laufen vor Schmerzen heulen musste.

Puh! Ich fand das alles echt scheiße und ungerecht… Hab mir vor allem Sorgen um P. gemacht, die ja schon mit meinem ersten Krankenhaus-Aufenthalt Probleme hatte und wegen der ich den zweiten (nach der Geburt von T.) extra kurz gehalten habe. Aber das lies sich nun nicht ändern…

T. und ich sind also am Mittwoch wieder auf die Wöchnerinnen-Station gezogen *seufz* Als wäre es einfach unmöglich, sich davor zu drücken… Das Team begrüßte mich wie eine alte Bekannte. Irgendwie frustrierend. Insgesamt hab ich nun 6 Nächte dort verbracht. Ich wurde Mittwoch gegen 13:00 operiert, zum Glück unter Vollnarkose! Ich hatte echt Angst, dass die mich nur örtlich betäuben wollen. T. bekam dann Pre-Nahrung von K. – Zeit für’s Abpumpen war leider nicht mehr und eine Milchladung musste ich verwerfen nach der Propofol-Narkose. Der Stein konnte zum Glück komplett entfernt werden (Endoskopisch gesucht und zertrümmert). Hurra! Das Schlimmste war der riesige Kathether, den sie mir gelegt haben und der mich komplett (!) lahm gelegt hat… Ich konnte T. nicht allein aus dem Bett heben, nicht wickeln und mich kaum bewegen. Toll! Doch noch eine quasi-Kaiserschnitt-Erfahrung. Wir nehmen halt irgendwie alles mit…

Bis heute – Freitag – mussten wir drin bleiben. Die OP ist aber wirklich sehr gut verlaufen und weil meine Harnleiter gut ausgesehen haben, hat mir der Doc noch nicht einmal so ne beknackte Doppel J-Schiene eingesetzt. Davor hatte ich wirklich Angst, weil ich von so vielen schlechten Erfahrungen damit gelesen hatte… Alles gut soweit also. Auch mit P. Dadurch dass der Krankenhaus-Aufenthalt viel kürzer als befürchtet war, hat P. einfach 2 schöne Tage mit ihrer Omi verbracht und von dem Mist gar nichts mitbekommen. Glück im Unglück irgendwie.

Jetzt hoffe ich einfach, dass wir endlich mal ankommen dürfen, die Nierenstauung zurückgeht und mein Körper mich und meine Familie jetzt erst einmal eine Weile in Ruhe lässt. Es nervt nämlich. Und eigentlich habe ich gerade weder Zeit noch Lust, genervt zu sein. Eigentlich bin ich nämlich nach wie vor ganz schön glücklich.