6 Monate 2+2 = 4 (Erziehungsfragen-Sermon)

16.03.2014. Verdammte Axt! Echt jetzt? Ein halbes Jahr?! Gibbet doch nich…

Es gäbe viel zu schreiben darüber, was oftmals zu lesen ist, wenn Leute monatliche Feedbacks zur Entwicklung der Kinder geben: Klar, er ist gewachsen, enorm sogar… Und er hat sich entwickelt wie sich Babys halt entwickeln. Am Anfang war er sehr empfindlich und hat ’ne ganze Weile gebraucht, um sowas wie anzukommen, in der Welt. Viel geschrien, hat er. Und gar nicht geschlafen tagsüber. P. hat das alles super weggesteckt, denke ich. Keine großen Eifersüchteleien – abgesehen von „Eyä, du sollst das nicht ablutschen!“.

In den letzten Wochen haben wir uns gefunden, es ist rhythmisch. T. schläft abends sehr schnell und zuverlässig (mit Pre HA) ein – Versuch mit Pre ohne HA ist KLÄGLICH gescheitert – und wacht nach 4-5 Stunden wieder auf. Danach wird er gestillt und schläft bei/an mir. Wie er nachts nach der ersten Phase wach wird, kann ich gar nicht sagen. Ab 6/7 ist er morgens endgültig wach und ich auch, mehr oder weniger. Morgens fühle ich mich ziemlich gerädert. Aber seit 2,5 Wochen schenkt er mir und sich – auch sehr zuverlässig – vormittags gute 2-3 Stunden Schlaf. Und das ist wirklich ein Geschenk! Dann komme ich dazu, was für die Uni zu machen. Oder Haushalt. Oder Klarkommen. Ich gewöhne mich leider immer zu schnell an sowas und erwische mich dabei, enttäuscht und unterschwellig genervt zu sein, wenn er schon nach 1,5 Stunden wieder wach ist und ich nicht das schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Genau genommen schaffe ich das nie.

Uni zu machen in diesem 2-3-Stunden-Fenster ist ein bisschen irre. „So. Wo war ich. Ah ja. Bourdieu…“ Ich brauche eine halbe Stunde, um mich wieder an die Stelle zu denken, an der ich am Vormittag des vorherigen Tages aufgehört habe. 10 Minuten, um mich wieder in die Texte reinzufuchsen. Und es fällt mich wahnsinnig schwer, sie zu durchsteigen, geschweige denn, sie in Zusammenhang mit meinem Thema zu bringen. TickTickTick… Deine Küche sieht aus wie Sau… TickTickTick… Quäääk…. TickTickTick… Sport müsste ich auch mal wieder machen… TickTickTick… TickTickTick – Die Heranwachsenden müssen „die Fähigkeit zur Unbestimmtheit und strukturellen Umformung und Wandlung“ erwerben, um „Entwicklungs- und Modernisierungsprozesse zu ermöglichen“ – Waaaaasmüssendie? TickTickTick… TICK TICK TICK… Dann wird er wach, mein Kopf dampft und ich muss wieder in einen anderen Gang schalten, dabei schreit alles nach Pause… Kleines Kind wach, versorgen. Zeit im Blick haben, großes Kind abholen, Nachmittagsaction, abends werden alle nölig, dann noch Abendessen und Bett und danach theoretisch das ganze Chaos des Tages beseitigen. Und abends dann noch was Uni machen? Ich schaffe es einfach nicht, mich dann noch durch meine wissenschaftlichen Texte zu kämpfen. Beide Kinder sind zur Zeit nicht vor 21:30 endgültig im Bett. Dann könnte ich erst anfangen und müsste es auch direkt tun, damit es sich lohnt… Das packe ich nicht. Ich erinnere mich an diese Gefühle… Ich hatte das so bei P. auch als ich wieder angefangen hatte, selbstständig von Zuhause aus zu arbeiten. Es ist zu wenig Tag für all das, was zu tun wäre. Vereinbarkeit Kinder und „Karriere“ MY ASS!!!

(Deshalb auch die Stille hier, die ich sehr bedauere.)

Jesper Juul treibt mich auch mal wieder um. Auslöser war seine Kolumne im Standard, die ich erst jetzt entdeckt habe. Ich find den ja immernoch ziemlich toll… Ich habe P., die nach wie vor häufig Heulattacken-Phasen hat, in letzter Zeit häufiger gesagt, dass sie in ihr Zimmer gehen kann, um sich auszutoben und dass sie ja dann wiederkommen kann, wenn sie fertig ist und mag. Ich hielt das für ’ne okaye Methode. Ist sie aber eigentlich gar nicht, denk ich jetzt. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr mies und heulig drauf seid und euer Partner würde zu euch sagen: „Geh ins Schlafzimmer und heul dich aus. Du darfst wiederkommen, wenn du nicht mehr weinst.“ Irgendwie ist das total das falsche Signal… Sie soll doch nicht denken, dass sie nur akzeptiert wird, wenn sie „genehm“ ist… Und auch nach wie vor extrem richtig und wichtig finde ich das, was er zur „persönlichen Autorität“ bzw. „persönlichen Sprache“ sagt… Dass es nämlich für Kinder vor allem wichtig ist, man selbst zu sein und sich nicht zu verstellen. Er beschreibt oft und gern von seiner Beobachtung, dass Eltern (und Großeltern oder Erwachsene allgemein) Kindern gegenüber Rollen spielen anstatt aufrichtig und echt zu sein. Anstatt z.B. zu sagen „Du, ich hab da jetzt echt keinen Nerv drauf.“ benehmen sie sich so, wie sie meinen, dass sich Eltern Kindern gegenüber benehmen müssten… Dabei sprechen sie von sich in der dritten Person („Nicht die Mama hauen!“ … „Gib der Mama mal die Schere wieder!“ *gruselig*) und 3 Oktaven höher als es ihrer natürlichen Stimmhöhe entspricht. Und obwohl ich das sehe und meine, muss ich mich selbst immer mal wieder daran erinnern, einfach echt zu sein und nicht „mich selbst“ abzukapseln und zum Eltern-Roboter zu werden. Ein passendes, plakatives Beispiel: Gestern hatte ich ein Freundin mit ihrer Tochter und ihrem neuen Partner zu Besuch. Wir haben versucht, uns zu unterhalten, während die Kinder uns lautstark im Wohnzimmer umkreisten und ohne Unterlass auf uns einquatschten. Wir haben abwechselnd – wahlweise mit netten Worten oder Lockmitteln („Zeig ihr doch mal…“) – versucht, die Kinder loszuwerden, damit wir uns einfach mal unterhalten können. Irgendwann sagte ihr Partner zu uns: „Warum sagt ihr ihnen nicht einfach, dass ihr mal eure Ruhe haben wollt? Dann gehen sie doch.“ – „Klappt bei P. nicht.“ habe ich gesagt, es kurz darauf aber ausprobiert (und seitdem mehrmals) und echt Bauklötze gestaunt, weil P. tatsächlich ohne ein Wort verständnisvoll nickt und sich verzieht, um sich allein zu beschäftigen. Manchmal macht man sich’s halt echt unnötig schwer. Weil? Ja, weil wir beliebt sein wollen (auch bei unseren Kindern) und Angst haben, sie vor den Kopf zu stoßen. Vor nichts haben wir größere Angst, als sie zu traumatisieren… Vor nichts fürchten wir uns mehr, als schlechte Eltern für sie zu sein.

Juuls Frage, ob wir uns (bzw. wer sich denn) wirklich aufrichtig starke und selbstbewusste Kinder wünschen würde, finde ich so unglaublich richtig gestellt und spannend, dass es weh tut. Er meint, die meisten Menschen wollen in Wahrheit – ohne sich dessen bewusst zu sein – genau das nicht, sondern liebe, artige, tüchtige und folgsame Kinder. Vorzeige-Exemplare halt… Ja-Sager. Ich will das nicht! Wirklich aufrichtig! Manchmal, denke ich, sollte ich mir das wieder häufiger bewusst machen, wenn ich die „Trotzreaktionen“ meines Kindes mal wieder ätzend und anstrengend-nervig finde…

Einen Widerspruch kann ich aber auch mit Juul nicht lösen: Aufrichtig soll und will ich sein. Ich selbst, meinen Kindern gegenüber. Beim oben genannten Beispiel (10 Heulanfälle in 5 Minuten) bin ich ehrlich extrem genervt und angekotzt. So sehr, dass ich schreien will. Oder Türen schmeißen. Ich möchte kann das Gebrüll manchmal einfach nicht mehr hören ertragen. Es macht mich wahn-si-nnig! Irgendwie scheiße zu reagieren, das wäre die ehrliche Reaktion in den Momenten… Aber natürlich keine Gute. Ich finde nicht, dass sie das verdient hat. Den Fehler macht ja nicht sie. Denn sie ist klein und frustiert, weil irgendwas nicht geht. Und ich bin groß und kann reflektieren und mich zusammenreißen. Anzuerkennen, dass sie pissed ist und sie auch in diesem Moment zu akzeptieren, anzunehmen und ihr beizustehen ist dann doch richtiger. Aber ja eiiiigentlich nicht mehr authentisch. Also was denn nun? Und was ist mit der Süßigkeiten-Flatrate? Juul meint, Erziehung wäre eh ziemlich sinnlos, weil Kinder eh nur vom dauerhaften Vorleben lernen und jedes gewollte Erziehen (im Sinne von dranherumziehen) verschenkte Liebesmüh ist… Keine Belehrungen über gesundes Essen am Essenstisch. Kein Zwang oder Überedeversuche, Gemüse zu essen… Also einfach essen lassen, was und wann sie will? „Noch niemand ist an 3 Wochen nur Nudeln mit Soße essen gestorben.“ sagt er sinngemäß und auch: „Die Eltern sind verantwortlich. Dann dürfen sie halt nichts im Haus haben, was sie nicht gut finden.“ Hm. Vielleicht wahr, aber ziemlich unrealistisch, oder? (Und Herr Juul himself ist in der Hinsicht wohl auch kein nachahmenswertes Vorbild, by the way… Check) Und wie sieht das aus mit iPad-Spielen und Fernsehen? Irgendwie fühlt es sich schon so an, als müsste man den Kids in der Hinsicht ein Maß mit auf den Weg geben. Ich fühl mich dafür verantwortlich… verpflichtet… Ist das falsch? Kann… Muss… Sollte man denn immer richtig sein (wollen)?

Und dann noch die Sache mit dem „Mann sollte die Kinder einfach mitlaufen lassen“… Man würde seine Kinder heute viel zu sehr mit Aufmerksamkeit überhäufen, viel zu viel Kinder-Animation betreiben… Ja, sehe ich auch so. Sehr sogar. Und wenn man auf’m Bauernhof arbeitet oder auf dem Feld, dann mag das vielleicht auch toll funktionieren… Sich die Kinder einfach auf den Rücken schnallen und ab geht’s. A.B.E.R: Das berücksichtigt irgendwie nicht, wie die Realität Vieler heute aussieht. Was machen wir nämlich? Wir sitzen vorm Rechner. Und dabei kann man die Kinder nicht „einfach mitmachen / mitlaufen“ lassen. Man läuft ja nicht. Man sitzt. Und man muss sich konzentrieren. Für’s Kind ist dabei kein Platz. Es gibt nichts zu gucken, nichts zu erleben. Es gibt nur Stille, Geticker und Stören. Computerarbeit und Kinder sind nicht vereinbar. Jedenfalls nicht gleichzeitig.

Hach ja. Schön rumgekreist und vom Weg abgekommen…

Wie die Bilanz nach einem halben Jahr zu viert nun ausfällt?

Medaillenseite 1: Wir sind ziemlich durch. Wir sind spätestens 16 Uhr nachmittags sackmüde, können uns aber meistens nicht dazu entschließen, einfach mal direkt mit den Kindern ins Bett zu gehen. Also tun wir das regelmäßig viel zu spät, denn uns fehlt selbstbestimmte Zeit! Die ziehen wir vom Schlaf ab, wodurch wir natürlich noch müder werden. Wir müssen weitermachen. Immer, immer weitermachen… Auszeiten gibt’s nicht. Oder nicht wirklich. Im Moment wüssten wir nicht einmal wofür wir sie nutzen könnten. Das Quietschen und Quaken des kleinen Kindes bringt uns in den letzten Tagen beinahe um den Verstand. Er ist krank und wahrscheinlich im 26-Wochen-Schub (obwohl ich nicht an das Vorhandensein von Wochenschüben glaube). Die Große macht’s uns auch nicht einfacher durch ihre „Ich kann das aber alleine – ich will aber erster sein – Nein! Das geht so aber nicht – Ihr seid gemein!“-Heul-Tiraden. Abends wünschen wir uns nicht selten, wir könnten die Zeit vordrehen bis zu dem Punkt, an dem die Kinder endlich im Bett sind. *seufz* Mit uns als Menschen, als Denkende, als Aktionisten, als Künstler, als Freunde, als Paar ist im Moment nicht viel los…

Medaillenseite 2: Wir sind ziemlich zufrieden. Wir werden früh von einem glucksenden, ungeheuer niedlichen Baby geweckt. Das erste, was du siehst, ist das verliebteste und ehrlichste Strahlen der Welt. An jedem Morgen ist das erste, was ich tue, meinem kleinen Baby, das direkt neben mir liegt, über den Kopf zu streicheln, ihn aus seinem Schlafsack zu befreien und meine Wange ganz dicht neben seine zu legen. Er streckt sich dann ausgiebig, erzählt ein bisschen und dreht suchend den Kopf umher. Ich flüstere zu K., dass er mal gucken soll, weil sein Sohn ihn begrüßen möchte… Dann rufen wir P., die meist schon seit einer Stunde leise in ihrem Zimmer spielt. Ich höre die tappelnden Schritte, wir ziehen unsere Decken hoch und P. springt mit zu uns in die Kiste. Wir schieben ein Stück vom Rollo nach oben, Sonnenlicht fällt auf’s Bett… K. und ich beobachten, wie unsere Tochter unserem Sohn erzählt, was sie in der vergangenen Nacht geträumt hat und er lacht sich darüber kaputt. Manchmal kriegt man ziemlich feuchte Augen vor Rührung. Und da ist man gerade einmal seit 10 Minuten wach…

Keine Eifersuchtsdramen. Größere gesundheitliche Downs gemeinsam gemeistert. Ziemlich gut auf einem Nenner gelandet. Und immer wieder überrascht, dass wir das doch irgendwie alles hinbekommen und es sich zwar ständig so anfühlt, als würde die Energie uns im Stich lassen, sie es aber halt nie endgültig tut.

„Wir schuften weiter, immer weiter.“

Vom Produzenten zum Konsumenten

Beim Geburtstag meiner Mutter. Es wird „so langsam spät“ – also das „so langsam spät“ von Kleinkind-Eltern… meint so gegen 8 etwa. Mein (Zieh-)Vater meint (mehr oder weniger ironisch), was denn dann mit den Gesellschaftsspielen sei, wenn wir jetzt schon nach Hause gehen wollen. „Ach… Hmmmmnnn… Ach, lass mal. Müde.“ höre ich mich sagen und fletze mich betont fertig in den großen Chefsessel am Ende des Tisches, um meine Schlaffness noch einmal deutlich zu machen. „Ach, du bist wohl vom Produzenten zum Konsumenten verkommen oder was?“

Das sollte wohl sowas wie ein Witz sein.

Das fasst allerdings ziemlich gut zusammen, was mir in den letzten Tagen-Wochen-Jahren – seitdem ich Mutter bin – immer mal wieder im Kopf rumgeistert. Bringt es auf dem Punkt. Ich will es nicht wirklich wahr haben. Aber es stimmt… irgendwie.

Vor meiner Mutterschaft hatte ich eine Band, habe getextet, Konzerte gegeben, organisiert, gemachtgetan… Ich war ständig unterwegs, hab immer irgendwas gemacht. Das hat mich am Ende ausgelaugt und ich hatte schon mit 20 ein unglaubliches Verlangen danach, einfach mal nichts (tun) zu müssen. Seele baumeln, zu mir kommen. Aber ich fühlte mich immerzu getrieben-gehetzt, hatte ständig das unbestimmte Gefühl, irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen. Das hat mich letztendlich so sehr aufgerieben, dass ich nur noch raus wollte. Weg von der Bühne, weg vom bewertenden Publikum, weg von der Verantwortung meinen Bandmitgliedern gegenüber. Ich bin schwanger geworden und es war, als hätte mir mein Körper sagen wollen: „So. Jetzt REICHT’S! Wenn du es selber nicht hinbekommst, einen Schlusstrich zu ziehen und endlich auf dich Acht zu geben, dann haue ich dir jetzt ein Ding rein, was dein Leben so oder so komplett umkrempeln wird.“ Am Abend des positiven Schwangerschaftstests – ich war 1 Woche überfällig – fühlt ich zum ersten Mal so etwas wie eine innere Ruhe. Das war am 22. Februar 2010.

Vier Jahre, zwei Kinder und eine neue Studier- und Lebensrichtung später.

Meine Kinder geben mir das Gefühl, gebraucht zu werden. Durch meine Kinder komme ich endlich einer gewissen Selbstakzeptanz näher. Meine Kinder sind ein verdammt guter Grund, morgens aufzustehen. Ich bin stolz auf sie und irgendwie auch auf mich und uns, weil wir das alles doch ganz gut hinbekommen.

 

Jetzt bin ich wieder in Elternzeit. Mir fällt es manchmal ziemlich schwer, das hinzunehmen und zu genießen. T. schläft tagsüber so gut wie gar nicht, er klebt an mir. ImmerIn manchen Momenten macht mich das wahnsinnig, ich lechze nach ein bisschen selbstbestimmter Zeit. Nach Freiräumen… Und dann tun sich wieder altbekannte Löcher auf: Freizeit… Freiräume… Selbstbestimmte Zeit… Um was damit zu tun???  Alles kommt mir sinnlos vor, nichts springt mich an. Es gibt nichts, was ich tun müsste… obwohl… das eigentlich noch am ehesten. Viel schlimmer ist: es gibt nichts, was ich wirklich gern tun will.

Ich beobachte, was die Menschen auf Facebook miteinander teilen. Ich finde, dass Facebook ein nützliches Medium ist, um Dinge zu teilen, die man geschaffen hat. Ich schaue mir meine letztens Posts an. Kinder, Familie, Geteiltes, ein bisschen Uni…

Stimmt. Ich bin einfach kein Produzent mehr. Ich habe meine Kinder „erschaffen“ und seitdem „erschaffe“ ich nichts mehr… Und ich habe das Gefühl, dass mich das deprimiert. Dass ein Teil von mir sich weiterhin danach sehnt, etwas aus dem Nichts hervorzubringen… Das war für mich immer das Faszinierende am Musikmachen. Da ist nichts. Dann kommt eine Idee. Und am Ende steht ein Lied und man geht mit dem Gefühl nach Hause, etwas ganz Großartiges getan zu haben.

Gleichzeitig denke ich, dass es doch auch sinnlos ist, unbedingt irgendetwas „Großartiges“ schaffen zu wollen. Jedenfalls ist das ein oder andere nicht unbedingt besser oder schlechter. Und was gibt es eigentlich sinnvolleres, als für seine Kinder da zu sein, sie großzuziehen, ihnen die Welt zu zeigen?

Es reicht mir nicht.

Warum reicht es mir nicht? Ich weiß noch nicht einmal, was ich gern noch dazu hätte…

Ich denke an Camus. Das Leben ansich hat keinen Sinn, man muss es mit Sinn füllen… Ich denke an Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Ich denke an Brad Warner. Das einzige, was ist, ist das, was wir tun.

Ich sehe Tonnen von Büchern vor mir… Milliarden von Songs… „Kunst“ was ist das schon? Die Welt rette ich damit nicht… Ist doch auch nur für’s Ego, oder? Ein pausenloses sich um sich selbst drehen. Die Menschen – mich eingeschlossen – nehmen sich selbst zu wichtig.

Ich sehe hungernde Kinder, Näherinnen in Bangladesh, Flüchtlinge aus Syrien… Ich denke an das Essen, was ich weggeworfen habe, obwohl es noch essbar gewesen wäre, einfach nur, weil ich keine Lust hatte, heute noch einmal dasselbe zu essen wie gestern. Ich fühle schuld. Und Machtlosigkeit. Was ändert das schon, wenn ich es nicht getan hätte? Was ändert es, ob ich jetzt darüber nachdenke oder nicht. Was für eine Rolle spielt es, ob ich meine Zeit damit verbringe, einen mittelmäßigen Song zu schreiben, zu dichten, zu lesen, fernzusehen oder in der Nase zu popeln? Nichts ändert es. Gar nichts. Und dann wieder: Weil der Großteil der Menschen so denkt, ist die Welt so (ungerecht) wie sie ist.

Ich fühle mich schuldig dafür, dass mein größtes Problem ist, dass ich manchmal nicht weiß, was ich mit mir anfangen soll. Dabei gäbe es so viel zu tun, oder?

Was sind wir nur für Menschen? Könnten wir Bessere sein?

Ich wäre gern ein Schwein. Dann könnte ich die Menschen wenigstens in Ruhe für fiese, dumme Schweine halten und hätte alles Recht der Welt dazu! Als ich ein Kind war und über Reinkarnation nachgedacht habe, hatte ich immer und immer wieder den Gedanken, ich könnte als Schulhefter wiedergeboren werden…

 

Ich liege auf dem Sofa, mit meinem Sohn an der Brust und frage mich, was er mal für einer wird. Ich denke an die Teenies, die das Profilbild ihres besten Freundes inzwischen wahrscheinlich besser kennen als die Freunde ansich… Ich selbst bin kaum besser. Muss mein Smartphone manchmal 3 Mal am Tag aufladen. Das ist doch irre! Wohin wird uns dieser Internet-Smartphone-Wahnsinn noch führen?

Ich liege auf dem Sofa und fühle mich unfähig, aufzustehen. Ich möchte liegen bleiben mit ihm, in unserer geschützten Blase, die Zeit anhalten, konserviert werden… In unserer abartig großen Wohnung, die wir uns eigentlich gar nicht leisten können (sollten).

Ich bleibe liegen auf dem Sofa, mache mir Vorwürfe, weil ich scheiße faul bin und versuche mich mit „Naja, als stillende Mutter eines 3-Monate alten Babys ist man halt fertig…“ rauszureden. Aber ich weiß genau, dass ich einfach mal wieder eine dieser Loch-Phasen habe, in der ich mir insgeheim denke, dass ich morgen gern einfach nicht mehr aufwachen würde, damit ich mich nicht mehr mit all diesen Fragezeichen auseinandersetzen muss. Eine scheiß Loch-Phase voller Antriebslosigkeit, Missmut und Selbsthass.

Bäääääh… Wie überzogen, dumm und ungerechtfertigt das ist… meinen Kindern gegenüber… K. gegenüber… mir gegenüber, meinen Eltern gegenüber und dem Leben gegenüber, für das ich mich entschieden habe.

Es ist schon ein bisschen sehr absurd: Man kann ein großes Problem damit haben, sich selbst, die Menschen und das Leben prinzipiell zu akzeptieren und trotzdem seine Kinder über alles lieben und sich einen Loch in den Bauch freuen, wenn der Kleine sich plötzlich vom Rücken auf den Bauch dreht oder man feststellt, dass die Große sich auf einmal alleine anziehen kann.

Komisches Leben, das.

Man vergisst sich immer wieder…

Hallo. Mein Name ist moody. Ich bin 25 Jahre alt. Und ich bin Tagebuch-Schreiberin.

Ich schreibe Tagebuch seitdem ich etwa 7 Jahre alt war. Das kindliche und Teenie-Schreiben hat sich mittlerweile zu einer Art „therapeutischen Schreiben“ gemausert. Vor einigen Monaten war ich bei einer Familienberatung. Als der Therapeut mich gefragt hat, wie ich mich selbst aus Krisen heraus manövriere – welches „Werkzeug“ ich quasi mein Eigen nennen würde – fiel mir nur ein: „Ich schreibe gern. Und viel. Ich reflektiere, verarbeite, begrabe und entscheide eigentlich alles schreibend…“

Dass ich das kann und dass mir das was bringt habe ich zum ersten Mal so wirklich begriffen, als ich das Ende (bzw. die Zeit mit) meiner Band auf diese Art und Weise verarbeitet habe. Da gab es eine Menge Baustellen und einiges, was ich erst einmal für mich und mit mir klären musste. K und ich haben eine winzige Holzhüte an einem norwegischen Fjordsee für 3 Wochen gemietet und ich habe fast nur geschrieben. Und so konnte ich mit der Sache ins Reine gekommen, bevor P. auf die Welt kam. Das war gut.

Seitdem zelebriere ich das. Wenn ich merke, dass ich irgendwie nicht mehr klarkomme, nicht ausgeglichen bin, scheinbar grundlos gereizt oder mir der Überblick fehlt, versuche ich das schreibend zu ergründen. Meist klappt das auch. Im Urlaub verfalle ich spätestens nach 2-3 Tagen in einen akuten Schreibwahn. Oft kommt mir dabei ein Aha-Moment nach dem anderen. Wie ich die Dinge sehe. Wie ich mich sehe. Wo ich Sand im Getriebe vermute. Was ich anders machen will. Wie ich die Dinge in Zukunft angehen möchte. Mein Inneres, mein Äußeres, das große Ganze und wie alles zusammenhängt. Vieles werfe ich dabei komplett um, denke anders und neu und versuche, mir eine neue Basis zu verschaffen, auf der ich aufbauen kann. Danach bin ich gestärkt, motiviert und voller neuer Ansätze für’s Weiterleben. Ich fühle mich dann irgendwie sowas wie erleuchtet. Obwohl ich dann immer schwer vom Schreiben ablassen kann. Manchmal stecke ich zu tief in meinem Denkgebäude und habe dann Schwierigkeiten, mich im Draußen zurechtzufinden. Direkt zu reagieren, außer-ich’iges Kontra zu bekommen und überhaupt mit einem Gegenüber umzugehen… Das kann dann schon irgendwie schwerfallen und stressen.

Worauf ich hinaus will:

Als ich heute angespannt den F.Berg am Ende meiner Straße mit T. im Tuch hoch- und wieder runter gelatscht bin und meine Gedanken rumirrten und sich zu sortieren versuchten, fiel mir auf, dass Vieles von dem, was da kam schon tausend Mal da war. „Eigentlich sehe ich es doch so und so… Eigentlich finde ich,… Viel richtiger wäre doch… Ich muss echt mehr… Es kommt mir doch eigentlich viel mehr darauf an… Warum verhalte ich mich dann oft so seltsam und dem so gar nicht entsprechend?“ Ich könnte es nachlesen. An vielen Stellen in meinen Grübel-Büchern.

Beim Schreiben bemerke (und -merkte) ich zunehmend, dass die Aha’s nicht mehr original sind. Dass es oft keine neuen Gedanken und Schlüsse sind, sondern Aufgewärmtes, schon Mal da Gewesenes. Schon mehrfach Erkanntes und für richtig Erachtetes, aber mit der Zeit wieder unter’m Morast des stickigen Alltags Versunkenes. Das ist frustrierend!

Da gibt man sich Mühe und schreibt und schreibt und schreibt, um bis zum Kern der (eigenen) Dinge vorzudringen, ihn zu zertrümmern und (mal mehr, mal weniger) behutsam abzutragen und keine drei Monate später muss man feststellen, dass sich einfach ein neuer Ekel-Kern gebildet hat, bestehend aus dem gleichen Mist wie der Alte. Bestehend aus dem gleichen alten, hässlichen, unreifen, unreflektierten, zickigen Ich.

Heißt das, dass wenn man Verhaltensweisen an sich entdeckt, die man doof findet und gute Argumente dafür hat, warum man sie ändern sollte/möchte und vielleicht sogar einige Ideen, wie man sie ändern kann, die unliebsamen Teile des Ich letztendlich doch immer wieder nach oben graben werden? Hat man echt keine (oder nur eine kleine) Chance, sich gegen sich selbst zu behaupten? Es gibt einige impulsive Züge an mir, die ich nicht mag. Und ich habe das Gefühl, dass deren Überwindung viel mehr mir selbst entsprechen würde. Einem „mir selbst“ jedenfalls, dass ich irgendwie gut fänd.

Wofür lese ich denn all den Kram, wenn nicht auch, um Anstöße zu bekommen? Ich lese unter anderem deshalb, um Herangehens- und Sichtweisen zu finden, die ich gut und richtig finde.

Ich lese „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“ von (jaaa, jetzt lachen wieder alle…) David Schnarch und finde, dass da richtige Dinge über das Zusammenleben drin stehen. Dinge, bei denen mein Kopf automatisch nickt. Ich hab dann ein Wissen bzw. Sichtweisen aufgesammelt, die ich mir aneigne, ein bisschen weiterdenke und mir zu Eigen mache. An die Stelle, an der bisher ein unbewusstes „Der soll aber gefälligst…“ stand, soll ein „Ich bin ich und du bist du. Erwartungen und Dinge voraussetzen = böse.“ rücken. Das klappt dann auch erst einmal erstaunlich gut… Viel Stress, viele Zickereien und Missverständnisse lösen sich auf oder kommen gar nicht mehr zustande. Aber was passiert zwischen diesem Moment, in dem ich feststelle „Cool, funktioniert und es geht mir besser so.“ und dem „Arrrrrgh… Warum kann der nicht einfach Mal diesdasjenes…?“

Wenn ich an meine dämliche Nervosität vor Prüfungen (und allem, was sich danach anfühlt) denke. Oder dieses anstrengende gemocht wollen werden. Oder der Missmut und die Unzufriedenheit, die mich regelmäßig überfallen. Mein schlechtes Gewissen (wem gegenüber eigentlich?), wenn ich diesdasjenes zu viel/zu wenig tue. Meine fehlende Selbstakzeptanz, Konsumverhalten, Verzicht, … Hunderte, wahrscheinliche tausende Male habe ich das schon für mich durchgekaut und wirklich gute Antworten und wegweisende Denkmuster gefunden, die es so wert wären, die Alten zu ersetzen!

Aber es hält einfach nicht dauerhaft. Ist es nicht möglich, sich Selbst zu überwinden? Müssen wir uns einfach mit dem unzulänglichen Gebräu abfinden, was irgendwie willkürlich aus Anlagen, Erziehung und Umfeld zusammengeblubbert ist?

Sind wir uns Selbst ausgeliefert?

Die Hormonflut und die Erleichterung sind gegangen und es fühlt sich nach wie vor richtig an, ein zweites Kind bekommen zu haben.

Aber die großen Fragen… Die, nach dem Sinn von dem und allem. Nach meinem Tun und Wollen. Die Grübelei… Die verdammte schlechte Laune. Die zunehmende Unzufriedenheit. Das alles kommt wieder. Und es kotzt mich an!

Und ich dachte, dieses Mal hätte ich es wirklich geschafft, ein Genießer zu werden. Aber aus einem Misanthrop wird wohl so einfach kein Honigkuchenpferd.*

*Aber immerhin kommen mit den Fragezeichen und Leerstellen im Kopf auch die Themen wieder, über die es sich zu schreiben lohnt.

Ach komm, jetzt reiß dich mal zusammen!

oder: ICH habe ja wohl viel mehr Gründe zum Jammern!

Ich sitze T. stillend im Wohnzimmer und höre, dass K.s Nerven beim Anziehen von P. gleich zerreißen werden. Sein genervter Tonfall löst in mir ein ähnliches Unwohlsein aus wie Fingernägelkratzen auf Tafel  *brodel brodel brodel* Hinsichtlich seiner Genervtheits-Zustände sind meine Sensoren irgendwie ziemlich hypersensibel.

Ich liege morgens T. (sowas wie) stillend im Bett und versuche, K. wach zu bekommen. Der hat den 07:45-Wecker mal wieder ausgemacht hat und P. nicht geweckt. Heißt: Wieder zu spät in die Kita. Heißt: K. wird gestresst sein beim Frühstück, beim Anziehen, beim Losgehen, weil es „mal wieder viel zu spät“ ist. Vorher darf ich mich aber noch auf das oscarreife Aufstehdrama des K. freuen. Hinsichtlich seiner Müdigkeits-Zustände sind meine Sensoren irgendwie ziemlich hypersensibel.

Ich hänge T. stillend im Bad auf dem großen Sitzkissen und versuche, P. zum Zähneputzen zu animieren. K. will darüber reden, unter welchen Umständen er zur Geburtstagsparty einer alten Bekannten / zur Bandprobe / zum Umzug eines Freundes gehen könnte. Ich gebe mir Mühe, nicht angepisst zu reagieren. Mal mehr, mal weniger… Sage dann sowas wie „Wenn die Kinder im Bett sind…“ oder „Hm. Musst du wissen.“ oder auch mal „Ja, klar. Ich freue mich wahnsinnig darauf, den Samstagvormittag allein mit beiden Kindern verbringen zu dürfen und dich dann irgendwann nachmittags mit Bierfahne zu empfangen. Das wird sicher toll. Apropos: ICH war übrigens seit fast einem Jahr nicht mehr…“ Und dann sind wir mitten drin, im endlos blöden Rumdiskutieren darüber, wer die größere Arschkarte gezogen / wer hier eigentlich weniger Freiheiten bzw. Freizeitvergnügen, Erholung, Schlaf und mehr Entbehrungen hat. Hinsichtlich seines Ungerechtigkeitsempfindens sind meine Sensoren irgendwie ziemlich hypersensibel.

Ich weiß nicht, ob es vorrangig an der Müdigkeit oder dem ständigen gefordert sein liegt oder an den vielen Ablageboxen mit „unerledigt“-Schildchen in meinem Kopf… Aber ich bin ständig am Brodeln wegen Dingen, die K. tut (oder nicht). Und ich kotze mich selber an, weil ich das eigentlich gar nicht will. Ich will lässig sein. Eine coole Freundin/Frau, mit der man gern zusammen ist. Ich will keinen Stress machen. Ich will, dass er ganz er selbst sein kann. Ich will einfach nicht die Olle sein, die dauernd rumnervt. Ich will doch, dass er sich wohlfühlt mit mir / mit uns / in seinem Zuhause. Und genau das ist vermutlich ein Teil vom Pudelkern. Es macht mich fertig und es versetzt mich in absoluten Stress, ständig den Eindruck zu haben, dass er alles anstrengend findet.

Beispiel Aufstehen… Riesiges Problem für ihn. Er komme halt „nun einmal schwer hoch“, das läge ja auch an seinem eher niedrigen Blutdruck, das sei schon immer so gewesen. Ich versuche wirklich ihn – und damit auch das – so hinzunehmen, wie er ist. Aber es fällt mir an der Stelle echt verdammt schwer. Ich kann nicht verhindern, dass ich denke, dass das in unserem Fall irgendwie echt ein Luxus-Problem ist. P. schläft durch seitdem sie 6 Monate alt ist! Meistens schläft sie bis um 8, nicht selten länger.  Sie schläft in ihrem Bett in ihrem Zimmer. Sie kommt nie in unser Bett. NIE! Das heißt, wir kommen meistens auf 8 Stunden Schlaf. Hm.. okay… Seitdem T. da ist, kommt nur noch er auf 8 Stunden Schlaf. Ich stille T. nachts. Ich wickle ihn (sonst laufen die Windeln aus, er pinkelt echt viel). Und ich schuckle ihn in den Schlaf, wenn er nicht wieder einschlafen kann. Er wird davon nicht wach, eschläft durch. Und trotzdem ist er es, der seiner Müdigkeit irgendwie nervtötend laut zum Ausdruck bringt. Und da kommt mir der Gedanke, der in der Überschrift zu lesen ist: Reiß dich doch mal zusammen, verdammt nochmal! Ich tue es doch auch. Und ich hätte doch objektiv (?) gesehen, viel mehr die „Berechtigung“ zu Jammern. Und ich tue es nicht. Weil ich finde, dass das niemandem was bringt und es alles nur noch nerviger macht. Aaaaber es  macht mich wirklich wütend… so wütend, dass ich es kaum unterdrückt bekomme… dass er (trotz durchschlafen und einiger Vorteile im Vergleich zu meiner Situation) es ist, der „einen auf müde“ – ja so denke ich das dann – macht.

Es brodelt und kocht in mir so stark, dass ich das Gefühl habe, gleich zu platzen. Manchmal passiert das dann auch. Und dann ätze und meckere und frotzele ich rum, maule ihn voll bis auch er wütend wird. Seine Reaktion macht das dann nicht unbedingt besser… Wenn er sein Verhalten dann auch noch verteidigt – im Übrigen eine ziemlich natürlich Reaktion, wenn man angegriffen wird – fühle ich mich dann nämlich noch „benachteiligter“ und fange irgendwann an zu heulen. Soweit ich weiß, hatte ich diese unliebsame Eigenschaft, sich ständig benachteiligt bzw. ungerecht behandelt zu fühlen, schon als kleines Kind, spätestens nachdem mein Bruder geboren war. Denn „unliebsam“, das ist sie echt. Sie taucht ab und zu ganz plötzlich auf wie ein fieses, kleines, dreckiges Monster… Wenn ich in einer Warteschlange stehe. Wenn einer mir in der Bahn den letzten Sitz wegschnappt. Wenn in der Mensa der Typ vor mir die allerletzte Spinattasche bekommt. „DAS IST SOOOO UNGERECHT!!!“ denke ich dann und würde impulsiv am liebsten auf den Boden aufstampfen, um mich danach auf eben diesen zu werfen und laut brüllend zu heulen bis der Typ mir die scheiß Spinattasche überlässt. Oder (zurück in unserem Alltag) meiner einsieht, dass er absolut kein Recht hat, sich zu beklagen und er sich ja so glücklich schätzen kann, mit einer so wunderbaren und aufopferungsvollen Frau wie mir – zu Kreuze kriecht also und hoch und heilig verspricht, sich zu bessern… „Komm ich nehm‘ den Kleinen, Schatz. Leg du dich ins Bett, schlaf dich mal richtig aus und geh heute Abend mit deinen Freundinnen was trinken. Ich mach das hier schon.“ Ääääähm ja.

Ich kenne das von anderen Paaren, die darüber streiten (oder zumindest so denken), wer eigentlich den beschisseneren/schwereren Tag hat… Der Kerl auf der Arbeit oder sie Zuhause mit dem Kind. Die übliche Anerkennungs-Diskussion. Wer macht mehr? Wer leistet mehr? Wer hat mehr Pausen verdient? (Exemplarisch hier bei Stadt-Land-Mama nachzulesen)

Ich habe uns letztens tatsächlich so eine Diskussion führen sehen/hören, wie sie kein Dialogautor eines drittklassigen MDR-Abendfilms über Eltern hätte klischeehafter schreiben können. Er musste einen Artikel schreiben. Ich hatte stundenlang versucht, den schreienden T. zu beruhigen. Es war P.s Geburtstag.

„Es kotzt mich an, dass ich hier stundenlang ein schreiendes Baby schaukele und die nicht einmal deinen Arsch hochbewegst! Für P.s Geburtstag ist noch nichts gemacht… Du interessierst dich einen Scheiß dafür!“

„Ich hab dir gesagt, dass ich das heute fertig machen muss! Mein berufliches Fortkommen ist dir völlig egal, oder?“

„Berufliches Fortkommen?! Du hast ELTERNZEIT! P. hat heute Geburtstag!“

„Ja, tut mir leid. Vorher konnte ich das aber nicht machen, weil ja immer irgendwas war.“

„Oh ja, entschuldige bitte, dass ich deine Hilfe brauche mit einem Neugeborenen.“

„Ein Artikel. Es ist EIN Artikel! Andere arbeiten Vollzeit und nehmen gar keine Elternzeit. Die kriegen das doch auch irgendwie hin!“

„Na toll. Genau. Dann such dir doch eine Andere, die das besser hinkriegt. Übrigens muss ich nächste Woche zur Uni und habe dafür auch noch nichts gemacht.“

… Naja… Und so weiter… Mit Ruhm bekleckert haben wir uns damit nicht. Aber immerhin können wir uns inzwischen gut wieder vertragen.

Ich kenne kaum Paare, bei denen das Thema in dieser oder einer ähnlichen Form nicht irgendwie früher oder später mal auftaucht. Darüber könnte man jetzt ewig schreiben… Andererseits wurde auch schon zigfach drüber geschrieben. Über die Väter, die das Problem hätte, einerseits der starke Mann und andererseits der liebevolle Vater sein zu müssen. Die sich zerrissen fühlten zwischen Job und Familie. Und über die Frauen, die immernoch überwiegend mit dem Kind Zuhause bleiben, aber heutzutage vorher meistens nicht Hausfrauenkram gemacht haben, sondern berufstätig oder in Ausbildung oder sonstwie in der Weltgeschichte unterwegs waren. Da bricht ein ganzer Pfeiler an Anerkennung weg, weswegen viele das Kind zu ihrem Hobby machen würden, von einem Kurs zum nächsten rennen und anstelle sich selbst, ihres Jobs resp. ihres Lebens nun ihr Kind optimierten. Ich bin übrigens der Meinung, dass ich damit mittlerweile gut klarkomme. Also damit, dass die Anerkennung von „draußen“ eher fehlt. Darauf angewiesen zu sein ist etwas, was ich eh gern abbauen möchte und insofern ist Elternsein dahingehend ein gutes Trainingsprogramm.

Mir geht es vorrangig um Teamwork, glaub ich. Ich möchte das Gefühl haben, dass wir zusammen an einem Strang ziehen. Dass wir das zusammen durchziehen und gut machen. Dass wir uns darüber bewusst sind, dass wir uns für diese Art des Lebens mit Kindern entschieden haben. Ich möchte nicht ständig das Gefühl vermittelt bekommen, dass er alles eigentlich ziemlich ätzend findet. Ich fühle mich nämlich dann dafür schuldig. Ich möchte, dass er mir prozentual häufiger das Gefühl gibt, dass er es gut findet, wie es gekommen ist und dass er glücklich ist mit mir, mit uns, mit dem hier. Ich möchte, dass wir unser gemeinsames Leben vorrangig gut finden. Ich reiße mich zusammen, auch wenn es manchmal anstrengend ist, weil ich es prinzipiell gut finde, wie es ist und die weniger guten Seiten als dazugehörig akzeptieren möchte. Die Kinder sind jetzt da, wir haben uns für sie entschieden, das ist jetzt unser Leben. Ich finde es total arschlos und die wertvollen Kräfte raubend, das durch andauerndes Beklagen und anstrengend finden immer und immer wieder in Frage zu stellen. Genau den Eindruck vermittelt mir das nämlich: „Früh“ aufstehen ist scheiße anstrengend. Nicht die Dinge tun können, die man tun will ist scheiße anstrengend. Sich einschränken müssen ist scheiße. Ständig gefordert sein ist scheiße. Böse Zungen könnten jetzt sagen: Dann hättest du dir keine Kinder zulegen dürfen. Und diese böse Zunge ist auch in meinem Kopf, ab und zu.

Dabei sehe, denke und weiß ich, dass er gern Kinder hat. Und er macht auch wirklich viel. Gerade mit P. unternimmt er oft mehr als ich, entlastet mich. Er bringt sie jeden Tag in die Kita, holt sie meistens ab, er kocht und wir haben den Haushalt aufgeteilt. Ich sollte dankbarer sein, oder? Ich bin das ja auch durchaus.

Aber was soll ich tun, wenn mich sein Umgang mit der ein oder anderen Sache einfach wahnsinnig macht???

Ihn länger schlafen lassen? Das kann ich nicht, weil mir da selber einfach die Energie zu fehlt und das sehe ich auch nicht ein.

Sein Geschnaufe, weil alles so aaaaanstrengend ist ignorieren? Das fällt mir sehr schwer, denn es macht die Tage trostlos. Und ich will keine trostlosen Tage. Ich hab auch ’nen echten Hang zum Beklagen und vor allem zu depressiven Phasen. Und trotzdem habe ich mir nach den letzten Wochen der Schwangerschaft vorgenommen, mich zusammenzureißen. Und es klappt auch recht gut. Außer im Bezug auf ihn und diese bestimmten Eigenheiten. Benutze ich ihn gar als Ventil für eventuell angestaute Gefühle wie Ärger, Frust und Erschöpfung?

Ich denke, es trifft sich an den Stellen einfach sehr ungünstig.

Ich neige dazu, Unmutsäußerungen direkt auf mich zu beziehen, auch wenn sie nicht auf mich gemünzt sind. Wenn er im Wohnzimmer mit dem schreienden T. auf und ab läuft und ich in der Küche mein Brötchen aufesse, dann bin ich absolut gestresst und antizipiere, dass er vermutlich total angepisst ist gerade genervt „Tz… Ooooooar…“ macht, weil er meint, ich solle ihm T. doch jetzt mal abnehmen, statt da gemütlich mein Brötchen zu vespern. Wenn er beim P.-Anziehen schier verzweifelt, weil sie ständig wegrennt und nicht „mitmacht“, dann nimmt mein Kopf schon eine Abwehrhaltung ein, bevor mir überhaupt irgendwas vorgeworfen wurde. Ich bin super-empfindlich diesbezüglich. Ich bin sofort gekränkt (ohne das zulassen zu wollen), wenn jemand den Eindruck macht, er sei irgendwie unzufrieden mit mir oder wenn Jemand so wirkt, als würde ich nicht seinen Erwartungen entsprechen… Mein Impuls-Ich ist dann sowas wie beleidigt, glaub ich. „Püh. Die Erwartungen, die du an mich stellst sind ja auch SCHEISSE und nicht gerechtfertigt! Denen will ich gar nicht entsprechend. Ich bin müde, ich habe Hunger und ich hab insgesamt viel mehr zu entbehren als du. Also hab ich hier jedes Recht der Welt, mein Brötchen mal ausnahmsweise in Ruhe zu mampfen und du bist ruhig.“ Dabei hat er noch gar nichts gesagt. Sowas beknacktes. Wie kommt denn sowas bitte zustande?

Und er neigt dazu, Dinge – auch Emotionen – als unveränderlich zu sehen. Wenn er eine Situation total stressig findet, dann sei das halt so, dann könne man daran auch nichts ändern. Ich – der Master of Versuch der Selbstmanipulation – sehe das aber ganz anders. Ich denke, dass man mit Situationen schon auf unterschiedliche Arten und Weisen umgehen kann und dass man das auch durchaus oft selbst bestimmen kann. Natürlich ist es möglich, zu bemerken, dass man sackmüde ist, aber kurz zu überlegen, wie stark und schlimm diese Empfindung nun wirklich ist und sich bewusst – ja, vielleicht auch der Partnerin zuliebe – dafür zu entscheiden, dass man das jetzt mal nicht so raushängen lässt. Stark zu sein, sozusagen. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, das klappt nicht immer. Muss es ja auch nicht. (Wenn ich gerade hormongeschwängert wie sonstwas bin, dann kriege ich halt einen halbstündigen Heulanfall beim Arzt, weil ich einfach nicht schon wieder ins Krankenhaus will. Ob ich will oder nicht.) Das ist echt verrückt. Wenn ich ihm nämlich in einer Situation, in der er nach meinem Dafürhalten übertrieben gestresst reagiert, versuche, ihm den Blick dafür zu öffnen, dass die Situation eigentlich nicht so stressig ist; dass sie im Gegenteil eher durch seinen unschönen Umgang damit stressig wird und vermutlich gar nicht so übel wäre, wenn er einfach etwas „gechillter“ damit umgehen würde, dann scheint er diesen Ansatz gar nicht so richtig zu verstehen. „Wenn ich das aber nun einmal gerade anstrengend finde, dann hilft es mir nicht, wenn du sagst, dass ich nicht gestresst reagieren soll.“ Sackgasse. Man kann jemandem ja auch nur helfen, wenn er sich helfen lassen will. Er will dann offensichtlich frotzeln. Und ich denke, er will eigentlich, dass ich ihm das jetzt abnehme. Während ich mir denke, dass ich doch ein viel größeres Recht hätte, etwas abgenommen zu bekommen.

*seufz*

Menschen sind bescheuert.

„Männer-Fakten über’s Stillen“

Letzte Woche fand ich mich mal wieder auf der Wöchnerinnen-Station „meines“ – mittlerweile kann ich es ja echt so nennen – Krankenhauses wieder.* Zum Warten wurde ich im Stillzimmer platziert. Da liegen immer viele hübsche Info-Heftchen rum. Sowohl K. als auch ich haben die Macke, ALLES lesen zu müssen, was in einer ruhigen Minute in unseren Blickwinkel fällt… Shampooflaschen, Zutatenlisten, Etiketten und also auch Broschüren.

Ich finde es gut und richtig, dass sich viele Menschen auch bloggenderweise mit dem Gender-Thema auseinandersetzen. Das gehört im Normalfall aber nicht so zu meinen Themen… In diesem Fall kann ich einfach nicht anders. Denn gefunden haben wir dieses „Info“-Heft zum Thema Stillen und Muttermilch für junge Familien:

babys an den busen

männer stillen  männerfakten stillen

Und das passende Pendant dazu (in einem Heft):

fakten übers stillen

stillen gender

Herausgeber ist das Netzwerk Junge Familie (Link, Link). „Ziel ist, jungen Familien Wissen und Kompetenzen zu den Themen ausgewogene Ernährung und Allergieprävention zu vermitteln und sie zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren.“

Wirklich gehaltvolle Informationen finden sich in dem Ding nicht. Klar, soll ja wahrscheinlich auch vorrangig „cool“, „fresh“ und „trendy“ wirken. Grundtenor ist das altbekannte „Muttermilch ist das Beste für’s Kind, Flasche geben ist böse.“

Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Diese Broschüre ist die Entsprechung von sixx und RTL Nitro im Broschüren-Format! Als hätten die „Redakteure“ (falls solche daran überhaupt beteiligt gewesen sein sollten) einen Wettbewerb veranstaltet: Wie viel Klischee passt auf 5 Doppelseiten? Ich kann einfach nicht glauben, dass es Menschen gibt, die im Jahr 2013 noch sowas konzipieren und vermutlich davon überzeugt sind, dass das tatsächlich ansprechend auf die Zielgruppe wirkt. Und noch viel weniger möchte ich glauben, dass sie damit vermutlich sogar Recht haben könnten. „Junge Familien“, ich nehme an, dass ich mich (mit 25) durchaus zur Zielgruppe rechnen darf.

Mal davon abgesehen, dass „junge Familien“ offensichtlich nur Mini-Sätze mit einfachstem Vokabular, Ausrufezeichen am Ende und ohne Komma verstehen, sind junge Männer also offensichtlich Affen mit einem dümmlichen „Gröööööööhl.. Ich bin ein MANN!“-Duktus („Wir stehen auf Brüste!“) und Frauen dauershoppende, debil grinsende Schminkweiber. Hallo?! DAS soll also die nachwachsende Generation ansprechen bzw. darstellen? Puuuh… Na vielen Dank auch!

Ich befürchte, dass die Macher von dem Teil nicht nur recht passabel dafür bezahlt worden sind – wurde nicht gerade das Schwarzbuch der Steuerzahler herausgegeben? -, sondern auch noch davon ausgehen, dass das irgendwie sowas wie modern ist. Ist es nicht. Ich finde es echt verwerflich, was da für ein Bild gezeichnet wird. Weil es den Eindruck vermittelt, es wäre „normal“ bzw. irgendwie erwünscht, dass Frauen und Männer genau so (und nicht anders) sind. Es wäre sehr, sehr traurig, wenn „die da oben“ solche Bilder von Menschen im Kopf haben, wenn sie Politik machen. Autsch.

Es gibt im Familien/Nachwuchs/Baby-Infobereich übrigens erstaunlich viele unterschiedliche Frauen-Männer-Versionen. Bei Baby-Apps, auf Webseiten, Schwangerschaftskalender… Überall finden sich die ausführlichen, gefühlsbetonten, in rosa gehaltenen „Infos für werdende Mamis“ mit Blümchen und Herzchen auf der einen und die in blau-schwarz-grau getünchten, wahlweise kumpelhaft-männlich oder straight-knapp formulierten „Informationen für werdende Väter“ auf der anderen Seite.

Hallo? Menschen da draußen: Wollt ihr das? Seid ihr so? Spricht euch das echt an?

Aber ich habe ja auch gehofft, dass die CDU/CSU nicht regierungsfähig sein wird nach dieser Bundestagswahl. Und ich will ja auch nicht glauben, dass eine „Zeitung“ wie die Bild tatsächlich die auflagenstärkste sein soll. Ich fürchte, ich traue den Menschen in diesem Land nach wie vor zu viel zu.

Hach. Da fragt man sich doch… Windmühlen und so… Kopf –> Tisch.

* Ich wollte per Ultraschall klären lassen, ob es sich bei der, trotz Antibiotikum nicht verschwinden wollenden Verhärtung in meiner linken Brust um einen Abszess handelt. Nach 3 Stunden Wartezeit wurden wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt, weil eine Not-Sectio dazwischen kam und meine Brust nicht lebensgefährlich aussah. Es war Freitag Abend. Montag bin ich zu meiner Gyn. Die war auch ein bisschen ratlos. Flüssigkeit sei schon drin, aber das müsse ja kein Eiter sein. Aufstechen würde sie das nicht wollen. „Wissen Sie, das wird dann ein elendiges Geschnitze und dann trifft man das vielleicht nichtmal…“ – Ich sollte ruhigstellen, kühlen, Baby versuchen nicht da direkt anzulegen. Heute ist es nicht mehr ganz so schmerzhaft, es sieht auch nicht mehr so rot aus. Die Stelle ist aber noch da und tut auch beim Stillen noch ziemlich weh. Subjektiv hilft Kühlen am besten… Gyn meinte, dass das auch eine Zyste oder sonstwas sein könnte. Beobachten und melden, wenn’s schlimmer wird.

„T. ist 4 Wochen alt“

4 Wochen ist T. jetzt also schon auf der Welt… Gedankenkarussell:

Heute vor 4 Wochen + 1 Tag:

Ich hasse diesen Zustand und ich glaube, ich werde heulen, sobald ich die Geburt hinter mir habe. Und zwar 5 Tage lang. Vor Erleichterung! Ich will nienienie wieder schwanger sein! Ich fühle mich eingesperrt, festgenagelt, unausgeglichen und scheiße. Ich ertrage dieses Pulverfass nicht, ja weil ich halt scheiße ungeduldig und schon unschwanger ständig super-nervös bin. Weil es mich ankotzt, unbeweglich zu sein und weil es mich ankotzt, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann! (…) Diese scheiß Ungewissheit! Dieses scheiß Vorgeplänkel! Diese scheiß Stimmungsschwankungen! Dieser scheiß-ätzende körperlich eingeschränkte Zustand! Dieses sich schlapp fühlen! Bääääääh!!!

Während der Wehen:

Es. soll. auf. hören!!! Ich will nicht mehr! Ich kann nicht mehr! Es tut so weeeeeeh… Ich will sterben. Auf der Stelle… Aber ich will mein Baby. Ich hab keine Ahnung, wie das klappen soll. Ich schaffe das nicht… Ich stehe das nicht durch… *wimmer wimmer*

Kurz nach der Geburt:

ICH HABE ES GESCHAFFT!!! ES IST VORBEI!!! OH MEIN GOTT!!!! ES IST VORBEI! ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!! ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!! ER IST DA!!!! OH GOTT!!!!!

Am Tag nach der Geburt:

Wir haben es wirklich geschafft. Er ist gesund, ich bin nicht mehr schwanger und ICH BIN EINE VERDAMMTE SUPERHELDIN! Ich muss nie wieder ein Kind bekommen! Das Thema GEBURT ist für mich DURCH… Und hach… Er ist so süß und weich und… okay, er ist ganz schön propper… Aber trotzdem: MEIN BABY IST DA! ENDLICH IST ER DA!

In den ersten Wochen 1:

Muss er jetzt schon regelmäßig pullern/kackern? Wird er denn überhaupt satt? Ich hab doch noch gar keine Milch. Ist das okay, wenn der Nabel so eitert und der Schnurrest so schwarz aussieht? Sind die Blutergüsse auf dem Kopf normal? Er hat ganz ganz rote Flecken in den Augen? Ist das okay oder ein Grund zu Beunruhigung? Ah! Er hat verklebte Augen, bestimmt eine Bindehautentzündung! Woher weiß mann denn, dass das Kind was sieht? Oh Mann… Er ist bestimmt blind! Die Augen rollern rum und seine sehen ganz gruselig aus, wegen der Blutungen drinnen. Scheiße… Er hat richtig richtig viele Pickel und Rötungen überall. Ist das noch Babyakne? Oder Neurodermitis? Eine Kinderkrankheit? Eine Unverträglichkeit? *

In den ersten Wochen 2:

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er eigentlich quasi immer, wenn er wach ist?

Warum schreit er?

Warum schreit er?

Warum schreit er andauernd?**

Heute:

Diese doofe Akne! T. sieht total bemitleidenswert aus. Und irgendwie ist er gerade echt nicht „süß“… Also zumindest nicht, wenn ich ihn so ganz nah sehe… Wenn K. ihn auf dem Arm hat, dann sehe ich diese fiesen Rötungen und Pickel nicht so vorrangig. Dann kann ich besser anhimmeln. Wenn er so nah ist – und das ist er ja meistens, dann kann ich nicht daran vorbeischauen. Meine Fresse… Was bin ich oberflächlich, oder? Das ist ja furchtbar… Störe ich mich jetzt echt daran, dass mein Kind nicht hübsch (also babywerbungshübsch) ist?? Ich mach mir einfach Sorgen. Und ich kann und will einfach nicht mehr irgendwelche Symptome deuten. Ich hab das echt satt. Unsere Körper sollen uns in Ruhe lassen… … … Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er in 6 Monaten sitzt und irgendwelche bewussten Geräusche von sich gibt… Dass ich irgendwann mal mit ihm reden werde wie mit P. jetzt. Wie er wohl wird? Ich kann es mir nicht vorstellen, wenn ich dieses kleine hilflose, schreiende Bündel so sehe… Wenn ich versuche, irgendwie mit ihm zu kommunizieren und nicht einmal weiß, ob davon irgendwas bei ihm ankommt. Hach, dieser Moro-Reflex… Der ist so niedlich. Und wenn er sich so einkugelt. Immernoch. Obwohl schon weniger.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er wirklich mal ein sitzendes, krabbelndes, stehendes, laufendes, sprechendes, denkendes, die Kita besuchendes Kind werden wird. Mein Sohn… Verrückt.

 

Hm. Ich glaube, aus mir wird in diesem Leben einfach keine Honigkuchenpferd-Wolke 7-Mammmiiiii mehr werden.

 

*

Pinkeln wäre schon gut, Kackern kann auch ein bisschen dauern/unregelmäßig sein. Von 6x am Tag bis aller 6 Tage scheint okay zu sein. Am Anfang brauchen die Babys eigentlich kaum was. Trotzdem viel Anlegen. Für den Milcheinschuss. Glibber-Nabel ist ziemlich normal. Ein verformter Schädel und „Hämatome“ auf dem Kopf können durch die Presswehen/den Weg durch den Geburtskanal kommen. Die roten Flecken im Auge kommen davon, dass er quasi mitgepresst hat, da sind Äderchen in den Augen geplatzt. Das kann 6-8 Wochen dauern bis das ganz weg ist. Auch verklebte Augen haben viele Babys. Das ist nicht schlimm. Die Tränenkanäle sind oft noch nicht offen, da passiert das mal. Mit abgekochtem Wasser und/oder Muttermilch von außen nach innen streichen. Die Unterlieder massieren. Kann eine Weile dauern, bis es weg ist. Auf ’ne Bindehautentzündung deutet es hin, wenn es stark gerötet ist. Ob ein Kind „normal“ sehen kann (und hören), kann man anfangs nicht wissen. Ich kann aber sagen, dass ich diese Sorge jetzt (nach 4 Wochen) nicht mehr habe. Er schielt deutlich weniger und guckt „normal“, wach und offen. Die Babyakne kann echt fies aussehen, ist aber auch normal (4 von 10 Säuglingen). Kann einige Wochen dauern bis es weggeht. Salben verschlimmern es eher, es hilft eigentlich nur: GEDULD.

**

In den ersten Tagen konnte ich das noch entspannt unter „Naja, er muss halt erstmal ankommen“ ablegen. Ich konnte ja zum Glück fast bis zum Ende der Schwangerschaft gut schlafen und hab da auch drauf geachtet. Ich hab mir einen Schlaf-Depot angelegt. Das hat sich dann bezahlt gemacht. Die Geburt hat mich kaum mitgenommen (also bezüglich des sich fertig fühlens) und ich kam lange echt gut klar. Hatte dann aber zunehmend mehr das Gefühl, dass er schon echt viel brüllt… Wollte die Gedanken aber nicht zulassen, meine Verstrahltheit hielt auch angenehm lange an. Das brachte mich kaum aus der Ruhe. Ich hab ihm immer die Brust gegeben und da das am Anfang auch echt Sinn macht, hab ich mir angenehm wenig Köpfe darüber gemacht. Und dann kamen sie doch. Hat er vielleicht Hunger? Tut ihm was weh? Braucht er Nähe? Naja… Ich hab das ja ausführlich an anderer Stelle beschrieben. Das mit dem Hunger haben wir ausgeschlossen. Der Nuckel klappt seit heute und ich habe die Hoffnung, dass ich mich dadurch weniger wie eine wandelnde Brust fühle. Außerdem hab ich für mich beschlossen, zu akzeptieren, dass mein Kind einfach recht nähebedürftig zu sein scheint.

 

Geschwistergedanken (2): Hurra (?), wir sind jetzt 4

Inzwischen haben wir schon einige Stress-Momente gehabt. T. ist jetzt seit 2 Wochen auf der Welt. Die Stress-Momente habe ich daran bemerkt, dass sich das Stress-Gefühl überhaupt durchsetzen konnte, obwohl ich nach wie vor ziemlich hormonbeladen war/bin. Im Krankenhaus vor meiner Nierenstein-OP hab ich zum Beispiel angefangen zu heulen, weil die Urologin nach dem Namen meines ersten Kindes fragte… weil ich mir so einen Kopf darum gemacht habe, wie sie damit zurechtkommt, dass ich schon wieder nicht da und vor allem schon wieder im Krankenhaus bin. Mit T. und ohne sie. Letztendlich hat sie davon gar nichts mitbekommen… (K. meinte dann im Gespräch zu mir: „Naja, aber die Geburt ist ja jetzt schon ’ne Woche vorbei, das sind doch dann eigentlich nicht mehr die Geburtshormone, oder?“ – „Ähm. Im Normalfall breche ich aber nicht beim Arzt in Tränen aus, weil er mich fragt, wie mein Kind heißt…“ Soviel also dazu… Schwangerschaftshormone, Geburtshormone, Still-Hormone, Babyblues, … Watweeßick, „normal“ fühle ich mich jedenfalls noch nicht wieder.)

Der Stress-Peak ist hier definitiv abends. T. hat nämlich zwischen 18 und 22 Uhr seine „Clusterfeeding„-Zeit und es ist so ziemlich unmöglich, gemeinsam zu essen. Er ist irgendwie wach, ab und zu dann doch schon schläfrig, findet aber nicht endgültig in den Schlaf, will an die Brust, dockt aber immer wieder ab, quietscht, sucht dann aber gleich wieder, wird wütend (scheint die Brust nicht zu finden?)… Puh, ein bisschen anstrengend, diese Zeit. Ich versuche manchmal, ihn am Tisch weiter zu stillen. Dabei kann ich zwar nicht wirklich was essen, aber immerhin sind wir so alle zusammen und unser Ritual geht nicht ganz flöten… Gemeinsames Abendessen finde ich sehr wichtig. An einigen Tagen konnte ich T. auch schon mit ins Bad nehmen und wickeln/waschen, wenn K. das P. bettfertig macht. Anstrengend – neben einem zunehmend müder und entsprechend zickiger werdenden großen Kind und einem Tag-verarbeitenden Säugling – ist für mich aber auch vor allem, dass K. genau dann auch die Puste ausgeht und er (verständlicherweise) eigentlich nur noch fertig werden will… Er hat dann nur noch wenig Geduld für die Dauer-Sperenzchen einer 3-Jährigen übrig, die jede Aktion gefühlt ins Unendliche ausufern lassen… und die Nerven echt ziemlich überstrapazieren. Insbesondere dann, wenn nebenher immer ein Baby brüllt. Dann muss ich ganz viel ein- und ausatmen, um nicht selbst in Stress und Ätz zu verfallen und mich T. ohne Hektik zu widmen und K. so quasi seinem Schicksal zu überlassen… Mir bleibt aber nichts anderes übrig. Und ich kann mich in diesen Momenten nicht noch um ein 3. Kind kümmern. Da muss er wohl durch… Am ehestens knallt’s dann trotzdem zwischen K. und mir, weil ich (wohl vor allem aufgrund meiner Müdigkeit) seine kaum vorhandene Stressresistenz in diesen Momenten nur gaaaanz, ganz schwer ertragen kann. Mehr Teamwork und an einem Strang ziehen, bitteschön!

Das P. geht dann ins Bett, ich lese ihr vor (mit Kind 2 an der Brust) und haue mich dann auf’s Sofa (mit Kind 2 an der Brust). Ohne iPhone wäre ich – zugegeben – wohl schon ziemlich frustriert, aber dank der Entertainment-Wundermaschine lese ich viel und kommuniziere (mit Kind 2 an der Brust), höre Nachrichten und Hörspiele (mit Kind 2 an der Brust) und google bescheuerte Fragen und Themen (mit Kind 2 an der Brust). Das geht ja zum Glück alles einhändig heutzutage. Gegen 22/23 Uhr pennt T. dann und kommt meist erst gegen 2 Uhr das nächste Mal. Ich versuche, halbwegs zeitig ins Bett zu gehen. Manchmal schläft K. den ersten Teil der Nacht mit T. auf dem Sofa und ich hau mich allein ins Bett und schlafe ein paar Stunden ohne offenes T-Shirt und Verrenkung um’s Baby… K. bringt ihn mir dann zur ersten Nachtmahlzeit frisch gewickelt gegen 2 Uhr ins Bett. Das ist eigentlich ’ne ganz gute Taktik, find ich…

P. findet es inzwischen auf jeden Fall super, beim Babwickeln mitzumachen. Sie guckt dann immer, ob der Streifen vorn auf der Windel gelb oder blau ist. Sie weiß, dass blau heißt, dass die Windel vollgepullert ist und er ’ne neue braucht. (Ich bete gerade, dass die 2er-Windeln auch so ’nen dämlichen Indikatorstreifen haben…) Außerdem sucht sie morgens ab und zu die Sachen für T. raus. Sie hält seine Händchen beim Wickeln fest, so wie K. ihr das gezeigt hat. Sie weiß, dass ihn das beruhigt. Sie fragt „Warum quäkert er?“, wenn er schreit. Sie sagt zwar noch immer ab und zu „Das ist anstrengend. Das ist mir zu laut!“, aber immerhin nicht mehr bei jedem Schreien… Sie kann da inzwischen wohl auch schon ganz gut weghören. Sie gibt ihren Baby-Puppen abends vorm Schlafengehen die Brust. Sie hat verstanden, dass Babys noch keine Salzstangen und Zuckerperlen essen dürfen, weil: „Der hat noch gar keine Zähne!“. Sie bringt mir Wasser und drückt auf den Lichtschalter, wenn ich wegen der Stillerei an’s Sofa genagelt bin. Sie scheint es toll zu finden, wenn sie eine Aufgabe bekommt und mir helfen kann. Wir werden abends auch nicht mehr aus dem Zimmer geschmissen. Ich bekomme es mittlerweile – T. ist 2 Wochen alt – hin, ihr vorzulesen und ihn gleichzeitig zu stillen. K. war auch schon mit T. und P. in der Wanne. T. schaut immer ganz aufmerksam, wenn seine große Schwester neben ihm ist und erzählt oder auf ihn einredet. Manchmal kommt P. auch von selbst an, streichelt ihn, will ihn anfassen oder ihm einen Kuss geben. Noch ist das zwar eher zurückhaltend, aber trotzdem sehr herzerwärmend…

Ich bin sehr viel zuversichtlicher, dass sich das alles irgendwie einspielen wird zwischen P. und T und uns so insgesamt… Ich frage mich aber trotzdem immernoch, was es mit P. macht, dass ich sie weder zur Kita bringen noch sie abholen oder auf Spielplätzen mit ihr rumtoben kann. Was macht das mit ihr, dass fast jede Action außerhalb der Wohnung von K. oder ihrer Omi übernommen werden? Dass das plötzlich ein kleines Etwas ist, was Zeit und Liebe in Anspruch nimmt. Ist es ein halbwegs hinreichender Ausgleich, dass ich versuche, sie wenigstens früh zu wecken, mit ihr zu frühstücken, sie anzuziehen und abends ihre Geschichten vorzulesen und sie in die Decke zu mummeln? Nimmt sie das überhaupt besonders wahr? Oder nehmen Kinder in dem Alter die Dinge einfach so, wie sie sind? Vermissen sie schon jemanden, der eher wenig Zeit mit ihnen verbringt? Spürt sie schon sowas wie Eifersucht T. gegenüber? Äußern tut sie das jedenfalls bisher nicht so direkt… Und zu T. ist sie auch recht liebevoll… Heute haben wir sie alle zusammen von der Kita abgeholt und danach den Nachmittag zu viert „draußen“ verbracht. T. ist in der Trage ja quasi unsichtbar und für P. alles ein bisschen so wie früher.

Ein bisschen Angst und Bange wird’s mir, wenn ich daran denke, dass die Uni in zwei Wochen wieder losgeht… Und dass K. ja irgendwann auch wieder arbeiten gehen muss. Wie der (echte) Alltag ohne Urlaub/Elternzeit/frei haben dann aussehen wird und wie ich es hinkriege, ein Baby und eine dreijährige morgens rausgeh- und abends bettfertig zu machen… Wie ich mich auf irgendwelche philosophisch-gesellschaftstheoretischen Uni-Themen einlassen können soll… Wie ich für Prüfungen lernen und Hausarbeiten schreiben können soll… Wie ich überhaupt irgendwas machen soll, außer mein Baby, mich und meine Tochter über den Tag zu bekommen… Das ist mir noch sehr, sehr schleierhaft. Es bleibt uns aber nichts anderes übrig als uns einfach reinzustürzen und zu sehen, was passieren wird. Vielleicht klappt’s ja auch einfach. Irgendwie. Ächem… Ja… Ich bin gespannt.

Und naja… Ich kann nicht wirklich viel gegen meine ab und zu aufkommenden „Buhuuuhuhuuuu“-Gedanken machen. Ich fühle mich für P. einfach ziemlich unzulänglich im Moment. Als wäre ich gar nicht so richtig für sie da und dadurch irgendwie auch nicht so wirklich von… nun ja… von „Belang“. Ängste kriechen in mir hoch, dass sie mich vorübergehend sowas wie „abschreiben“ könnte… Mama ist jetzt halt nicht mehr so wirklich da, egal, dann nehm‘ ich halt Papa oder Oma. Mit Mama ist ja eh nicht zu rechnen, die hat ja eh nie Zeit. Mir ist natürlich eigentlich (vom Kopf her) schon klar, dass das Quark ist. Ich bin wahrscheinlich das Backup. Weil wir in den letzten Jahren ein gutes Verhältnis und eine gute Bindung aufgebaut haben, steckt sie die ganze neue Sache hier vermutlich so gut weg und kann auch ohne Probleme viel Zeit mit Papa und Omi verbringen ohne durchzudrehen. Und eben auch ohne dass unser Verhältnis komplett krachen geht. Oder?

Und was kann ich schon groß tun? Ich kann nur versuchen, sie in die T.-Pflege mit einzubeziehen, sie wenigstens 1-2 Mal in der Woche mit abzuholen, wenigstens einmal am Tag mit ihr Zeit zu verbringen (und wenn’s nur kurz ist), ihr in der Zeit viel Nähe und Kuscheln zu geben und einige unserer festen Rituale und Abläufe beizubehalten. Dabei laufe ich aber Gefahr, die Zeit mit ihr „zu schwer“ zu machen, glaub ich. Also die Situationen von meiner Seite her emotional zu sehr aufzuladen… (Es ist dabei zwar nicht das, was vielleicht vielen passiert… Die „Ich bin jetzt mal nicht so streng“-Schiene – siehe hier, irgendwo in der Mitte des Artikels… Es ist irgendwie anders…) Ich habe so ein starkes Bedürfnis, ihr in den kurzen gemeinsamen Zeiten ganz viel Liebe zu geben. Also ihr zu zeigen, dass ich sie wirklich lieb habe und ihr unbedingt zu beweisen, dass sich nichts daran geändert hat, nur weil nun das Baby da ist. Es gelingt mir nur schwer, mich einfach halbwegs normal ihr gegenüber zu verhalten. Das passiert wohl auch wieder aus Angst. Es ist das Resultat meiner Befürchtungen, sie könnte… hm… vergessen, dass ich für sie da bin und sie lieb habe… oder aus Angst, sie könnte aufgrund meiner akuten Kaum-Verfügbarkeit einen Mama-Liebesmangel haben und darunter leiden. Eigentlich würde ich mit ihr gern dauernd darüber reden, wie die Situation ist und wie das für sie gerade ist. Dann muss ich mich aber daran erinnern, dass meine Tochter erst drei Jahre alt ist und nicht wirklich reflektieren, durchdenken, angeben kann, wie die Situation für sie so ist… Dass sie eher irritiert darauf reagiert, wenn man ihr „wie findest du das denn?“-Fragen stellt. Sie kann ja noch nicht über’s Denken und Empfinden nachdenken… Was soll sie schon groß sagen? Ich denke, dass sie sowas noch echt überfordert… Und übertriebene Liebesbekundungen und Nähe-Aufrdängelei würde es wahrscheinlich auch… Also schlucke ich meinen Kloß im Hals weitgehend runter, drücke sie nur kurz und versuche, so normal wie möglich zu und mit ihr zu sein. Und Mann… Das fällt mir echt ganz schön schwer! Genau wie das nicht überinterpretieren… Es ist einfach total schwer einzuschätzen, ob sie an Nachmittag xyz nun gerade so zickig und anstrengend nah am Wasser ist, weil sie übermüdet, überreizt, einfach nur doof drauf, ganz normal dreijährig drauf oder emotional verletzt und überfordert durch die neue Situation mit plötzlich kleinem Bruder ist… Ist es eine gute Idee, das zu thematisieren? Mit einer dreijährigen? Und wenn ja, wie? Und dann fühl ich mich manchmal so unfähig, weil ich zu doof bin, die Signale meiner eigenen Tochter zu deuten… Obwohl ich ja weiß und auch einsehe, dass auch die eignen Kinder nun einmal dahingehend kein offenes Buch sind. Aber ich ärgere mich so ein bisschen darüber. Ich würde sie gern besser und eindeutiger lesen und verstehen können und frage mich, wie der richtige Weg ist, um das zu erreichen. Irgendwann will ich gern mal etwas besser einschätzen können, ob meine Tochter nun gerade komisch reagiert, weil sie ein ernsthaftes Problem hat oder ihr nur ein undramatischer Pups (im Kopf) quer sitzt.

Es fällt mir übrigens ganz allgemein sehr schwer, Menschen einfach mal in Ruhe zu lassen und nicht krampfhaft zu versuchen, in ihre Köpfe und/oder Herzen zu steigen. Ich neige da durchaus auch zum (ungewollten) Bedrängen. Ich will unbedingt wissen, was in ihnen vorgeht, wie es ihnen geht und dann am liebsten auch noch ganz viel klug-hilfreichen Senf dazu abgeben. Dabei vergesse ich oft, dass viele (wenn nicht sogar die meisten?) Menschen gar nicht ständig reflektieren wollen. Viele Menschen grübeln nicht ständig darüber nach, wie es ihnen geht, wie ihr Leben gerade so abläuft und wie/wodurch es ihnen vielleicht besser gehen könnte. Vielleicht können das manche auch einfach nicht… Davon mal abgesehen, dass die meisten Menschen (irgendwie ja auch zu Recht) eher allergisch auf gut gemeinte Ratschläge reagieren. Ich bin damit jedenfalls schon sehr oft gegen Wände gelaufen und hab auch schon einige eingerissen.

Ich befürchte, dass es für mich eine echt harte Probe werden dürfte, mein armes Kind nicht ständig krampfhaft zum Reden über seine Gedanken, Gefühle und Probleme bringen zu wollen. Das würde nämlich vermutlich ganz gewaltig nach hinten losgehen und dürfte wohl am ehesten dazu führen, dass sie mir gar nichts erzählen werden…

Woher kommt nur diese „Gier“ nach anderer Leute Probleme und Seelenstrips? Letztendlich betreibe ich auf dem Blog hier ja nichts anderes als Selbstentblößung. Gefühle, Gedanken, Reflektion… Es gibt kaum was, was mich mehr interessiert… Auch bei Filmen oder Büchern interessieren mich die tiefen, ehrlichen Gedanken- und Gefühlswelten immer am meisten. Komisches Faible… Ist das reine Neugier? Eine Variante des Voyeurismus? Ich weiß es nicht… Aber es war… ich war dahingehend nie anders. Ich hab schon als Teenie am liebsten mit Menschen stundenlang über ihre Baustellen geredet und versucht, Lösungen dafür zu finden.

Zurück zum Thema: T. ist jetzt seit zwei Wochen auf der Welt. Schon jetzt kann ich ganz gut nachvollziehen, was es bedeutet, sich zerrissen zu fühlen. Von dem Gefühl berichten Mehrfacheltern ja oft. Man fühlt sich zerrissen, weil man plötzlich mehr als einem Kind (mit jeweils ganz unterschiedlichen Bedürfnissen) gerecht werden muss und auch möchte. Ich will für T. da sein und weiß, dass ich mich schonen muss, damit die Krankenhaus-/Krankheitskacke endlich Mal ein Ende hat. Dadurch muss ich aber dabei zusehen, wie meine Tochter den größten Teil der Tage mit anderen Menschen verbringt. Mit der Kindergärtnerin, mit ihrem Vater, mit ihrer Omi… Seufz… Das macht mich betroffen, weil ich nicht weiß, ob das für sie schlimm ist, ob und was es für Auswirkungen auf sie bzw. für uns haben wird.

Ich hoffe sehr , dass ich irgendwann mehr mit „meinen Kindern“ anstatt mit dem einen und dem anderen kommunizieren und umgehen werde und es schaffe, dabei trotzdem die persönliche Individualität der beiden zu respektieren und zu bewahren.

Tja. Das ist wohl ein weiterer dieser schwierigen Balanceakte, die man auf die Reihe kriegen muss, wenn man ein Stück Eltern ist…

Schwanger sein: 40. Woche (4)

noch immer Mittwoch, 39+2:

Der Tag verlief alles in allem stimmungsschwankend zwischen Ablenkungsversuchen (mal mehr, mal weniger erfolgreich), Resignation (Ich glaub, es wird einfach nicht von allein losgehen…), Selbstberuhigung (Mensch, du hast doch noch Zeit!) und Frustration. Trinke Chai und Himbeerblättertee im Wechsel. Beziehe unser Bett neu, räume unter’m Bett auf, gucke Schrott-TV, gehe heiß baden, … Heule ein bisschen rum, versuche es mit (Galgen-)Humor zu nehmen (wenn mein Kind über 6,5 Kilo wiegt, dann hab ich nach der Geburt wenigstens fast wieder mein Ausgangsgewicht. Ha. Ha. Haaaa…) und mir immer wieder zu sagen:

EINE MENSCHLICHE SCHWANGERSCHAFT DAUERT ZWISCHEN 38 und 42 WOCHEN! ES IST NOCH ALLES VOLLKOMMEN IM RAHMEN. T. GEHT ES GUT. ER KOMMT, WENN ER FERTIG IST.

P. ist in der Wanne und ich hänge auf dem überdimensionalen Sitzkissen daneben rum. T. ist ausnahmsweise sehr aktiv. Wenn er sich bewegt, wird mein Bauch auf einer Seite ganz leer und auf der anderen sieht man eine riesen Beule. Ich weiß immernoch nicht, was das immer ist, was da rausragt. Von der Form her kann es eigentlich nur sein Po sein. Aber es ist so „kantig“… Wuaaaah! So 3 cm über dem geploppten Nabel ist ein kleingliedriges irgendwas… Ich kann die Umrisse ziemlich genau sehen und abtasten… Ein Füßchen? Oder ein Knie? Von dem rund-ovalen Ding kann ich schräg nach unten einen längeren Knochen oder so fühlen… Mein Herz klopft. K. fühlt auch. Ich erinnere mich wieder, worum es geht: MEIN BABY! Es ist total abgefahren, da zu liegen, die Hand auf dem Bauch und auf einer nicht wirklich definierbaren winzigen Baby-Gliedmaße rumzustreicheln… Eigentlich sind da nur wenige Zentimeter – wenige Milimeter! – Haut dazwischen. Und trotzdem ist es noch so ein irre beschwerlicher Weg bis man das Baby dann endlich (endlich, endlich, endlich) so richtig angucken, festhalten, riechen, … kann. Ach ja…

Nachdem P. (endlich) in der Falle ist – ist eine durchschnittliche Zubettgehzeit zwischen 21:00 und 21:30 eigentlich für eine knapp 3-Jährige zu spät? – sammle ich sämtlichen Müll zusammen, jogge die Treppen runter, einmal um den Block. Okaaaay… Joggen ist jetzt ein bisschen übertrieben… Beim Laufen bekomme häufiger einen sehr sehr harten Bauch und ich nicht selten ein tierisches Stechen zwischen den Beinen. Ganz plötzlich. Es durchfährt mich wie ein Blitz und es fühlt sich an… nun ja… als würde jemand mit einem Messer sorgfältig die innere Scheidenwand (in Richtung Symphyse) aufschlitzen. Auuuutsch! Ich muss dann kurz stehen bleiben, mich konzentrieren, um dann langsam und in Trippelschritten weiterzulaufen. Dann ist es aber sofort vorbei… Was ist das nun wieder? Kann sich die Verkürzung des Gebärmutterhalses – am Montag waren ja noch 1,5 cm übrig – oder die Öffnung des Muttermundes so anfühlen? Oder deutet das wieder in Richtung Blasenentzündung? Da spricht der Hypochonder aus mir. Kopf lieber aus jetzt. Hinter mir laufen Leute. Mit Hunden, ohne Hunde, in Bauarbeiterkluft. Ich bin langsamer als alle. Wie man in der 40. Woche wohl so von hinten aussieht? Ich versuche testweise so zu laufen, als hätte ich keinen Medizinball umgeschnallt. Wie ging das gleich? Wie laufe ich unschwanger?

Wie bin ich überhaupt, wenn ich nicht schwanger bin? Was hab ich so gemacht? Ich erinnere mich an einen Morgen (muss so gegen 4 gewesen sein, irgendwann im Frühling), als ich genau hier langgelaufen bin und mich (noch nicht so wirklich nüchtern) über die rosa Schäfchenwolken und den Sonnenaufgang gefreut habe… Als in meinem Kopf kein Wust und in meinem Bauch keine Wassermelone war. Dafür aber die Freude auf’s Bett und die Aussicht, in 2,5 Stunden mit P. aufstehen zu müssen. Das war keine schlechte Zeit. Wahnsinn, dass jetzt einfach Mal so – schuuuuuiii – ein 3/4 Jahr weg ist… Wie lange werde ich dieses Mal brauchen, bis ich wieder zu mir finde? Ich weiß, dass es nach der Schwangerschaft mit P. eine Weile gedauert hat. Da war die ganze Situation aber eine vollkommen andere… Ich musste da ganz neue Lebensinhalte finden, weil der Abschnitt vorher mit dem letzten Konzert schlichtweg komplett vorbei war. Dieses Mal könnte das schneller gehen. Mein Leben ist ja schon auf Kind und Familie eingestellt. Ich bin zufrieden damit. In meiner Vorstellung fühle ich mich schon kurz nach der Geburt wieder viel mehr ich selbst. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt…

Donnerstag (39+3):

Nüchterne Information, der Vollständigkeit halber: Es wurde angestupst. (Was ist „stupsen“ eigentlich für ein niedlich-abgefahren-seltsames Wort? „Stupsen“… Lach.) Bisher (wir schreiben 13:45) ist aber keine Veränderung feststellbar. Heute morgen wurde 2-3 Mal der Bauch hart und es zog etwas heftiger dabei im Rücken. Sonst aber nichts weiter. Wir schlagen uns mit Nerv-Scheiß wie unserem neuen doofen Vodafone-Router rum. Im Forum hat eine Mitschwangere heute Vormittag entbunden. 40+1. Bei Mrs. Elch startet heute der zweite Einleitungsversuch. 40+6… Kloß im Hals… Schlucke ihn runter.

Ich befinde mich jetzt gerade in so einem Zustand, in dem ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, dass eben dieser überhaupt noch ein Ende haben wird. Und das in sogar sehr absehbarer Zeit. Als Mensch ist man wahrscheinlich schon irgendwie darauf gepolt, sich zu arrangieren, sich an Dinge zu gewöhnen. Ich hab mich an diesen Zustand gewöhnt. So wie ich mich an meine Krankheit gewöhnt habe, die mich kaum einen Einkaufsladen ohne Schweißausbruch durchqueren und kaum eine soziale Situation ohne Aufregung überstehen lässt. Es ist jetzt so. Mein Bauch ist riesig. Ich bin total unbeweglich. Alle um mich herum werfen ihre Babys raus. Und ich sitze immernoch hier. Renne zum Arzt, sehe wunderbare Wehen auf dem CTG, merke mein sich bewegendes Baby im Bauch, bekomme regelmäßig einen steinharten Bauch, habe Ziehen im Rücken und absondere seltsames Zeug, renne permanent aufs Klo und kann nicht länger wach sein als bis 23:30. Ja, so ist das jetzt. Und ich vergesse immer wieder, dass es ganz bald wieder ganz anders sein wird. Dann werde ich ein süßes kleines Baby haben, mich fragen, ob die Pusteln was Schlimmes sind und ob er genug Milch bekommt, meine wunden Brustwarzen pflegen, mir über den Uni-Start Sorgen machen, versuchen, P. und T. unter einen Hut zu bringen, Babykacke weg machen, zwischendurch fasziniert T. beim Grimmassen schneiden zugucken, morgens über meinen labrig-gerissenen Bauch ganz schnell etwas drüber ziehen und ziemlich, ziemlich übermüdet sein.

Und so schliddern wir Menschen von Phase zu Phase, von Sommer zu Herbst zu Winter, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Sammeln Erinnerungen, an das, was war, machen uns Vorstellungen von dem, was kommt und sehnen uns nach Dingen, die vorbei sind. Über andere sind wir auch ganz froh… Eine überstandene Schwangerschaft gehört für mich eindeutig dazu. Wir wünschen uns oft, dass die Dinge anders wären… Dass wir uns besser fühlten, fitter wären oder unser Leben ein kleines bisschen anders.

Hardcore Zen von Brad Warner hab ich im Urlaub gelesen. Das überzeugte mich nicht in Gänze und ich persönlich brauche auch keinen Buddhismus, um die Denk- und Fühl-Ansätze, von denen er da spricht, gut zu finden. Für mich war das Buch aber in dem Moment genau das, was ich brauchte. (Ich lese gern Bücher und Gedanken von Menschen, die zweifeln und über die Welt grübeln und mit denen ich mich dadurch identifizieren kann. Ich bin immer auf der Suche nach Büchern, in denen mich Menschen – ob nun über eine fiktive Story oder vermittels ihrer eigenen Lebensgeschichte – in ihre Köpfe gucken lassen. Mich interessiert, wie Andere die Welt sehen. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie selten man wirklich nahes und authentisches in die Finger bekommt.) Brad Warner ist Punkrocker einerseits und buddhistischer Mönch andererseits. Bei ihm fand ich zum genau richtigen Zeitpunkt „Take it or leave it“-Ansätze, die ich mir vorbeten kann und die mich dazu bringen, mich runterzufahren und Momente so hinzunehmen, wie sie sind. Das ist für mich nach wie vor eine enorm schwere Übung. Ich habe schon als Kind beim Karussellfahren gefragt, was wir danach machen. Ich könnte tagelang vorm Geburtstag nicht schlafen vor lauter Aufregung. Ich bin ungeduldig und übertrieben ehrgeizig seit ich das Reflektieren und soweit ich mich zurückerinnern kann.

So in etwa sehen meine „Mantren“ aus:

  1. Tu, was jetzt gerade dran ist.
  2. Konzentrier dich nur darauf, was du jetzt gerade in diesem Moment tust.
  3. Hör auf damit, die Dinge einfach nur hinter dich zu bringen und im Moment schon beim danach zu sein. Sei hier!
  4. Es gibt nichts, was irgendwie eindeutig besser oder schlechter ist. Alles ist zunächst einmal.
  5. Versuche, nur wahrzunehmen, was du jetzt wirklich wahrnehmen kannst. Ohne Vergleich. Ohne Bewertung. Ohne Einordnung. Ohne Abwerten.
  6. Frag nicht, was jetzt besser wäre oder was anders sein müsste, damit es besser wäre.
  7. Wenn du krank bist, nimm auch den Zustand so wie er ist, ohne ihn mit dem Gesundsein zu vergleichen.
  8. Tu, Tu, Tu es einfach und tu es ganz bewusst!

Man hat schließlich (fast) immer die Wahl: Man kann sich fertig und alles noch viel anstrengender machen durch Grübelei, Gejammer im Sinne von „viel besser-schöner-toller wäre es jetzt, wenn…“ und Selbstbemitleidung (das kann ich zum Beispiel ganz hervorragend). Oder man versucht, wahrzunehmen, was ist: Aha. Ich habe gerade echt starke Rückenschmerzen. Draußen fährt ein Müllauto lang und macht krach. Der Regen trommelt auf mein Fenster, durch den Wind schwillt er an und wieder ab… Das ist wirklich eine gute Übung, hab ich festgestellt – ich glaub, in der Psychotherapie nennt man das „Achtsamkeitstraining“. Schon mal versucht, dich beim Zähneputzen nur und ausschließlich auf’s Zähneputzen zu konzentrieren? Also wirklich einzig und allein auf diesen Vorgang? Durch sowas kann man wirklich in Trance-ähnliche Zustände kommen. Wenn ich merke, dass meine Gedanken, mein Gegrübel und Gehader mal wieder aus dem Ruder laufen, versuche ich mich mit Hilfe dieser „Gedächtnisstützen“ zu „besinnen“. Und das klappt bei mir bisher noch mit am besten… Also besser als autogenes Training, Yoga oder Muskelrelaxion zum Beispiel. Weil ich es viel akuter anwenden kann. Und weil es bei mir schon alles eher über den Kopf geht.

Huch… Was für ein weites Abschweifen war das denn jetzt? Naja… Herzlich Willkommen in meinem Kopf. So sieht’s hier aus, so geht’s hier zu. Tadaaaa… Und eigentlich war ich total motiviert, meine Studienleistung heute zu schreiben…

…. …. ….

Oh Mann.. Ich schwöre, ab morgen gehe ich nur noch mit Schild auf die Straße! Auf dem steht: JA. ES IST EIN ENORMER BAUCH. JA, ES MÜSSTE BALD KOMMEN. JAAAA, GENAU, ES WERDEN SICHER ZWILLINGE. Gääääähn… Schon deshalb wäre es toll, wenn’s dann doch so langsam ein Ende hätte.

Nachdem wir uns mit J&J und K&T im Kinder-Spieledings getroffen habe, gehen wir essen. Ja, entspannt ein bisschen. Außerdem haben wir seit Wochen nicht mehr wirklich was zu Essen im Haus… Bzw. Nur für die nächsten 2-3 Tage. Könnte ja was dazwischen kommen. Ich bekomme langsam Paranoia. Alle starren mich an… Wo ist mein Schild, wenn ich es brauche?? „Was ist los?“ fragt mich K. „Ich kann einfach nicht glauben, dass ich Immernoch schwanger bin…“ Ich glaub, er kann es überhaupt nicht mehr hören. Aber er gibt sich echt Mühe, das zu überspielen. Dafür verdient er Liebe, finde ich.

Plötzlich bekomme ich wieder Geburtspanik. Hä? Was soll das denn? Die ganzen Tage jetzt war ich fast „heiß“ auf die Geburt und jetzt plötzlich wieder Schiss? Nee, nee… Komm schon, Hirn! So jetzt nicht. Mir geht’s aber gerade irgendwie echt nicht gut. Mir ist schummerig, die Niere tut weh, ich bin kaputt.. Jetzt gerade hab ich wieder ein bisschen Angst, dass es in so einem „ungünstigen“ Moment losgeht… Nö Mann! Es gab auch gute Tage. Wenn ich schon warten muss, dann soll es bitte an so einem energetischen losgehen.

Die unerträgliche Angst, nicht mehr „cool“ zu sein…

In den letzten Tagen habe ich das hier:

buch

gelesen. Andere Themen finden momentan eh keinen Weg in meinen Kopf, insofern passte das gerade ganz gut. Das hier wird jetzt wahrscheinlich eine Mischung aus Rezension / Nachdenken über das Gelesene und eigenem Senf dazu werden…

Schon im März haben mir die Autorinnen das Buch („Ich glaub, mich tritt ein Kind! Bekenntnisse einer Schwangeren… Und schonungslose Wahrheiten einer dreifachen Mutter„) zukommen lassen. (Die beiden haben auch einen gemeinsamen Blog: Stadt-Land-Mama). Und jetzt überlege ich, was ich dazu schreibe ohne dass es… zu doof / gemein ist. Irgendwie finde ich nämlich, dass Jede/r, der es schafft, sein Buch bei einem Verlag rauszubringen, erst einmal meinen Respekt verdient hat. Ich kann mir vorstellen, dass sich so ein Buch nicht einfach von heute auf morgen schreibt und dass damit viel Schweiß und Angst verbunden ist. Auch Angst vor den Reaktion, die da kommen… Andererseits muss man mit dem Risiko wohl klarkommen, wenn man veröffentlicht… Ob es sich dabei nun um Buch, Blog, Musik, Bilder oder Filme handelt… Man stellt sich ja immer irgendwie einer kritischen Masse.

Lisa und Caro sind Ende 20 / Anfang 30. Das Buch ist im Stil eines Brief- bzw. E-Mail-Wechsels zwischen den Beiden verfasst. Die Idee find ich ganz gut. Caro ist schwanger mit ihrem ersten Kind und bombadiert Lisa, die bereits eine Tochter und Jungs-Zwillinge hat, mit Gedanken und Fragen zu Schwangerschafts-Wehwehchen, Körperflüssigkeiten, Notwendigkeiten und Ängsten. Caro ordnet sich selber in die Schwangeren-Schublade „hypochondrisch-panisch“ ein und ja, das trifft es wohl tatsächlich auch ganz gut. Denn Caro googelt und Caro grübelt viiiiel zu viel… (Trifft ja auf mich zum Glück so gar nicht zu *hust*) Caro hat Stimmungsschwankungen, Komplexe und ’ne Menge Fragen. An Lisa. Lisa – ja, die, die übrigens auch für nusenblaten.de verantwortlich ist – wiederum antwortet vor dem Hintergrund ihrer Mutterschaft und ihres Alltags mit drei Kindern und versucht, Caro oft den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auf oft ziemlich witzige Weise. Teilweise könnte man meinen, die beiden zicken sich geradezu an. Aber ich glaube, das soll auch so.

Hmmm… Ich hab mich beim Lesen durchaus gut unterhalten gefühlt. Zum Beispiel an der Stelle hier:

buch1

Manchmal wirkte es ein bisschen durcheinander… Da kamen dann schon irgendwo vorn Bezüge auf Dinge, die dann erst später kamen oder sich da wiederholt haben. Ich hab mich zum Teil wiedererkannt in Schilderungen von Caro („Oh Gott, da ist ein Ziehen in meiner rechten Leiste! –> Google, sag mir, was das heißt… Wird mein Baby jetzt sterben?“), aber auch in den Erwiderungen von Lisa („Alteeeeer, komm doch mal runter!“). Irgendwie war’s zwischen „kenn ich“, laut lachen und Kopf schütteln. Und das Letztere ist – Sorry, Caro und Lisa – auch das Spannende für mich.

Ehrlich ist das Buch geschrieben… Lässt nichts so richtig aus, Caro erklärt auch offen, dass ihr Kippen und Alkohol fehlen. (Kenn ich!) Aber ich würde mir immernoch ein Elternbuch wünschen, hinter dem noch etwas „unkonventionellere“ Köpfe stecken… Unkonventionell über das betont unkonventionelle hinaus… Mir gefällt zwar, dass die Beiden versuchen – ähnlich wie auch ich hier – „frei“ zu schreiben. Also ohne rosa Wattebausch und HutziDutziHasileinMäusekeks-Sprache und ohne Supermami-Keule… Aber das ist nun auch schon seit ’ner ganzen Weile das „neueAnders“ der Eltern, die was von sich geben  und schon deshalb gar mehr so anders-neu. Ich wünsche mir Köpfe… Die… Da muss ich ausholen…

Denn vor was das kleine Werk an vielen Stellen – vor allem bei Caros Beiträgen – nur so tropft, das ist die Angst, nicht mehr „hipp“, nicht mehr „cool“, nicht mehr „aufregend anders“ zu sein. Caro wirkt wie eine Frau, der es (bis dato) enorm wichtig war, sooo hipp, sooo fashion, sooo crazy und soooo beliebt, weil soooo anders-tough-stylish-cool zu sein. Und eine der größten Ängste im Bezug auf die bevorstehende Mutterschaft scheint die zu sein, irgendwie nicht mehr zum Club der exklusiv-coolen Leute zu gehören, die unerschrocken die Welt erkunden und sich abends bei der Vernissage treffen. Und noch genauer: Dass „die Anderen“ sie nicht mehr cool finden könnten…

  • Hab ich dann etwa keinen versauten Sex mehr?
  • Muss ich dann etwa auch peinliche Funktionsjacken anziehen?
  • Rede ich dann etwa auch ÖFFENTLICH über Babythemen und nicht mehr über Kunst und Mode?

Für meinen Geschmack lassen sich (zu) viele Fragen und Bedenken  von Caro reduzieren auf: „Ich werde doch trotzdem hipp-stylish-sexy-cool bleiben, auch wenn ich dann ein Kind habe, oder? ODER?“ – da fehlt es mir irgendwie an Denkschritten – an Selbstreflexion -, die weitergehen als bis zu dem Punkt. Irgendwie finde ich nämlich die Aussicht, zu einem Funktionsjacken-tragenden Wickelzubehör-Schlepper zu werden weit weniger „schlimm“ als die (ziemlich unreflektiert wirkende) Panik von Caro, durch Schwangerschaft, Geburt und Muttersein nicht mehr zum Club der coolen Leute zu gehören. Dass solche Gedanken mal aufploppen kann ich ja durchaus verstehen…

Ich will mich jetzt nämlich gar nicht hinstellen und behaupten, dass mir niemals nie Gedanken dieser Art durch den Kopf schwirren / geschwirrt sind. Okay, nicht genau dieser, aber ähnliche… Zum Beispiel:

  • Worüber redet man denn dann mit Leuten, die keine Kinder haben? Wie hält man Kontakt zu denen?
  • Wie kann ich eine Freundschaft aufrecht erhalten, wenn ich de facto keine Erlebnisse mehr mit der anderen Person teile?

Tatsächlich ließen sich auch viele von meinen Fragen vor der Geburt von P. runterrechnen auf: Wie kommt man eigentlich klar, wenn der Lebensinhalt so ziemlich voll mit Babykram & Kinderkacke – ja, daher rührt auch der Name meines Blogs – ist und nur noch ziemlich wenig damit zu hat, wie man sich selbst gern sieht?

… aber bei mir setzt dann schon auch ein Denken übers Denken ein, Also noch bevor ich diese ziemlich oberflächlichen Gedanken großartig ausformuliere und zu Ende denken kann, denke ich: „Ey, verdammt! ist das nicht SCHEISSEGAL!?!“ Schließlich sind Befürchtungen dieser Art im Prinzip ja nichts weiter als ein IMAGE-Problem. Und hey… Wollte / Sollte es mir nicht eigentlich egal sein, was „die Anderen“ von mir denken? Gerade auch, wenn ich daran denke, was ich für ein Vorbild für meine Kinder abgeben will.

Da kommt mir zum Beispiel eine Situation in den Kopf, die K. und ich erst letzte Woche so erlebt haben:

K., P. und ich waren mit meinen Eltern verabredet, um gemeinsam zum Open Air-Konzert der B52’s zu gehen. Vorher waren wir noch zu dritt in einem Restaurant in der Nähe der Parkbühne etwas essen. P. ist noch nicht sooo lange „sauber“, sodass beim vertieften Spielen etwas in die Hose ging. K. eilte also schnell mit ihr zu den Klos. Und wohin? Auf’s Herrenklo… Normal für ihn. Ich „renne“ – watschele so schnell ich kann – hinter ihm her, schließlich braucht er Feuchttücher und Wechselklamotten. Als wir gerade dabei sind, mit der ziemlich problematischen Situation klarzukommen (es war eng und P. ziemlich… äh… „dreckig“ überall…) kommt ein Typ aus der hintersten Klokabine. Ein Typ mit Rastas, Bandshirt und allem drum und dran. Ich nicke ihm freundlich und ein bisschen hilflos zu, da blögt der uns an: „SAGT MAL: TICKT IHR EIGENTLICH NOCH GANZ RICHTIG?? HIER GIBT ES VIELLEICHT MAL AUCH FRAUENTOILETTEN?? DA GIBT ES BESTIMMT AUCH WAS FÜR KINDER??! ICH MEIN, DAS IST DOCH JETZT ECHT NICHT EUER ERNST HIER…“ – blablabla. K. und ich wussten tatsächlich nicht, was wir diesem hirnverbrannten Scheiß entgegnen sollen… Und ich weiß auch heute noch nicht, was eigentlich sein Problem war.

Was würde die Caro aus dem Buch – ist ja auch immer fragwürdig, wie viel das mit der „echten“ Caro zu tun hat und ob sie heute vielleicht schon anders drauf ist – denn in so einer Situation denken, empfinden und machen? Nach dem zu urteilen, was aus ihren Einträgen durchklingt, wäre ihr die Situation unglaublich peinlich und sie würde mit hochrotem Kopf das Lokal verlassen.

Man gewinnt den Eindruck, dass auch beim Schwanger- und Muttersein das „Ich bin so eine…“ / „Hoffentlich bin ich nicht so eine…“ / „Oh Gott, ich werde doch etwa nicht zu so einer?!“ eine große Rolle spielt und weniger darum, den ganz eigenen Weg zu finden und sich dabei „von den Anderen“ frei zu machen… Aber schließlich muss ich ja zugeben, dass ich auch darauf bestehe „Nicht so eine Supermami“ sein zu wollen und ich schüttle auch den Kopf, wenn Eltern ihren 2,5-Jährigen Eistee als Tagesgetränk geben oder bei Eltern, die dem RTL II-Klischee viel zu sehr entsprechen. Und auch ich fühle mich oft zu fett. Und auch ich will (zumindest ab und zu) gut aussehen. Obwohl ich den Magerwahn und die Standardmaße scheiße finde und obwohl ich eigentlich gern viel weniger Konsumieren würde. Auch ich bin impulsiv scharf auf Anerkennung, Schulterklopfer und Applaus. Auch ich freue mich, wenn ihr unter meine Artikel schreibt „Toller Text!“ und auch ich finde es nicht immer leicht, cool zu bleiben, wenn das Kind ’ne halbe Stunde lang den Supermarkt zusammenbrüllt, um nicht wie ’ne hysterische Alte dazustehen. So anders ist das alles ja eigentlich auch nicht.

Aber ich will weg davon. Ich denke unglaublich viel genau über das Thema nach… Über das Thema Anerkennung, Lob, Zuspruch und warum „wir Menschen“ so scharf darauf sind… Und wie ich das loswerden kann. Ich habe das Gefühl,dass es mir heute schon sehr viel egaler ist, ob ich nun zu den „coolen Leuten“ gehöre und arbeite hart an einer „Ich bin wie ich bin“-Einstellung. Weil es das ist, was ich meinen Kindern vorleben will und weil es das ist, was ich für gut und richtig halte. Das ist gar nicht so leicht…

Tatsächlich ist es aber so, dass man durchs Kinder haben lernen muss, mit sich selbst zu sein… Mit sich selbst im Reinen. Mit einem Baby ist man plötzlich total auf sich selbst zurückgeworfen. Das kann verdammt hart sein, wenn man daran gewöhnt ist, sich durch das Feedback von und den Umgang mit Anderen zu definieren. Wenn man daran gewöhnt ist, eine Reflexion der Reflexion von sich zu sein.

Wenn du ein Kind hast, kannst du dich nicht mehr über Leistung, Look oder „Smartness“ profilieren. All das interessiert dein Baby nämlich nicht. Dein Baby will seine Bedürfnisse befriedigt haben. Von dir. Scheiß egal, ob du dabei gut aussiehst oder nicht. Scheiß egal, ob du das „besser“ oder „richtiger“ machst als Andere. Dein Baby sagt nicht „Danke!“ und es kommt sehr, sehr lange erstmal niemand, der zu dir sagt „Das hast du toll gemacht!“. Wenn dein Baby dann zum Kleinkind mutiert, wird es in der Hinsicht noch schlimmer. Dann nämlich hast du wahrscheinlich längst gelernt, alles zu geben und dich selbst hinten anzustellen, dich auch manchmal zu vergessen… Aber dann bekommt dein Kind einen eigenen Willen und es dankt dir deine Aufopferung nicht selten mit Wutanfällen, körperlichen Übergriffen oder fiesen Worten…

Aber schließlich kriegst du als Mutter auch einen unendlichen Liebeskredit! Auch das ist ein Teil der Wahrheit. Dein Kind liebt dich. Bedingungslos. Egal, ob du dabei gut aussiehst oder nicht. Egal, ob es im Vergleich zu Anderen besser abschneidest. Egal, ob du besonders klug bist oder doof. Ob du genau weißt, was du tust oder ob du keinen blassen Schimmer hast. Ob du schon ganz ohne Geld durch China getrampt bist oder noch nie dein Viertel verlassen hast. Es ist. Ihnen scheiß. Egal.

Dein Kind reagiert auf genau das, was du bist und zwar genau in dem Moment, der gerade da ist.

Es rechnet nicht auf, zieht nicht ab, trägt nicht nach und sammelt nicht an. Aber es zahlt sich aus. Ganz sicher…

Ich finde Eltern super, die es schaffen, sich frei zu machen von „den Anderen“. Die Funktionsjacken tragen (oder nicht). Die mit Elan Sandburgen bauen (oder nicht). Deren Kinder ausschließlich Selbstgenähtes tragen (oder nicht). Die nur Bio und alles selbst kochen (oder nicht). Die stillen (oder nicht). Die ständig im Wald rumrennen (oder nicht)… Die all die Dinge mit ihren Kindern tun, weil es sich für sie richtig anfühlt und es nicht darum geht, irgendjemandem irgendetwas zu beweisen.

Das ist in einer Welt wie dieser tatsächlich verdammt schwer, finde ich. Für mich ist das aber ein echt erstrebenswerter Zustand. Und für mich zeugt das von Klugheit, Freiheit und… ja… vielleicht auch von echter Coolness… wenn man es denn so nennen will.

Caro… du bist in der Hinsicht also ziemlich uncool. Aber sicher nicht, weil du vielleicht jetzt doch angefangen hast „spießige“ Funktionsjacken zu tragen oder du dich „voll Ökomuddi-mäßig“ gegen Parabene in der Babycreme einsetzt… Sondern weil du es nicht schaffst, „die Anderen“ aus deinem Kopf zu verbannen. Ich schaff’s aber auch nicht so wie ich will… Also: Wenn jemand ’nen ultimativen Tipp hat?

Was ist richtig für uns?

(Oder: Sind wir einfach nicht für’s Kinder haben gemacht?)

Stan, wir können nicht einfach tun und lassen, was wir wollen! Wir haben Kinder! Meinst du, ich würde mir nicht gerne jeden Tag ’ne dicke, fette Line Koks reinziehen? Das geht aber nicht, weil ich morgen zum Elternabend muss. Und du musst die Garage aufräumen, ein paar Rechnungen bezahlen, die Regenrinne säubern, das Auto braucht einen Ölwechsel, …  

Ich habe in den letzten Tagen wieder einmal in das Buch „Die ersten fünf Jahre – Wie sich Ihr Kind entwickelt“ von Richard Michaelis geschaut. (Übrigens ein Buch zum Thema kindliche Entwicklung, was mir persönlich viel besser gefällt als Klassiker wie „Oh je, ich wachse“ oder auch „Babyjahre„, die mich immer eher verunsichert als wohltuend informiert haben.) Das Thema kindliche Entwicklung interessiert mich einfach und auf Basis der Studienveranstaltungen zur Entwicklungspsychologie, die ich besucht habe, kann ich sagen, dass ich dieses Buch für wissenschaftlich fundiert halte und es trotzdem leicht verständlich finde. Ich mag die Einstellung, mit der der Autor die Erkenntnisse vorträgt… An einigen Stellen könnte es für meinen Geschmack noch etwas ausführlicher sein. Zum Beispiel an der, um die es mir hier geht…

In dem Buch gibt es einen Abschnitt „Kinder in der Familie“. Thema ist dort, dass Kinder in der westlichen Welt heute vorrangig in Kleinfamilien aufwachsen und Eltern häufig damit zurechtkommen müssen, dass… ja, womit eigentlich?

Eltern müssen damit zurechtkommen, dass sie nicht mehr (tendenziell) egoistisch, selbstbestimmt und „mal gucken, wo mich meine Nase hinbringt“-mäßig durch’s Leben gehen können. Eltern müssen damit klarkommen, dass ihre frei verfügbare Zeit sehr viel eingeschränkter und anders abläuft als vor dem Elternsein. Eltern müssen damit umgehen lernen, dass ständig etwas von ihnen verlangt wird und sie müssen sich fragen, was sie davon auf welche Weise geben wollen, könne und müssen in einer Zeit, in der sie theoretisch so gut wie alles geben können und es viel weniger Grenzen des Erreichbaren und Möglichen gibt.

Ich komme als „erziehendes“, mit einem Kind zusammenlebendes Stück Mensch immer und immer wieder zu Punkten, an denen ich mir nicht sicher bin, wie ich es eigentlich machen will und sehe. Wie ich es richtig finde. Wie es für mich okay ist. Oft geht es dabei darum, was ich will, kann, brauch und/oder muss und was mein Kind gerade braucht, verlangt, kann, will und/oder muss.

Die Frage ist: Wie viel ist gut für mich, für uns und für das hier?

Wie viel Bespaßung? Wie viel an kindermäßigen Freizeitaktivitäten? Wie viel von dem, was heute so gern als „Anregung“ bezeichnet wird? Und welche? Wie viel „Mitlaufen“ im Alltag? Wie viel Langeweile? Wie viel Action? Wie viel Fernsehen? Wie viele Süßigkeiten? Wie viel Gemüse? Wie viel Trinken? Wie viel Schlaf? Wie viel Sonnencreme? Wie viele Klamottenschichten? Wie viele Termine? Wie viele Regeln? Wie viele Vorschriften? Wie viele „Maßregelungen“? Wie viele Freiheiten? Wie viel „Laissez-faire“? Wie viel „Lass mich jetzt mal machen“? Wie viel „Mach mal dein Ding“?  Wie viel „Ich muss jetzt aber mal…“? Wie viel Ehrlichkeit? Wie viele Nachfragen? Wie viel Trösten? Wie viel eingehen auf’s Gemecker? Wie viel Beibringen? Wie viel Vorsagen? Wie viel selbst herausfinden lassen?

(„Wie viel“ ist dafür natürlich nur ’ne Helikopter-Fragestellung, die es gar nicht genau trifft. Es geht ja dabei ja schließlich nicht um die Menge, sondern vor allem um das „Wie will ich das machen?“)

Ich versuche beständig, meinen/unseren eigenen Weg zu finden und stoße dabe natürlich ständig auf Unklarheiten, faule Kompromisse, Widersprüche, Gegensätze und Gewissensbisse.

Das Gefühl, lieber irgendwie was Anderes machen zu wollen als den Tag im überfüllten Zoo, im Schwimmbad, auf dem Spielplatz oder sonstwo „kindgerecht“ zu verbringen lässt sich nicht so leicht rechtfertigen, wenn man gar nicht genau weiß, was man eigentlich lieber täte. Wenn das kein „ich muss“ dahinter steht… Denn die „ich muss“-Sachen lassen sich hier meistens irgendwie organisieren… Noch weniger leicht lässt sich das Gefühl abstellen. Die Erleichterung, wenn die Oma das Kind aus der Kita abholt und erst kurz vor dem Schlafengehen bringt, führt zu einem fiesen Zwicken im Nacken: „RABENMUTTER, DU BIST EINE VERDAMMTE RABENMUTTER, DIE IHR KIND BEI JEDER GELEGENHEIT LOSWERDEN WILL!“

Ich sehe Frauen und Männern, die mit ihren Kindern Juchzend alle Rutschen und Kletterstangen des Indoor-Spielplatzes ausprobieren, die hochmotiviert stundenlang Türmchen bauen und wieder einreißen, Blumenkärtchen basteln und sich nichts Schöneres vorstellen können als drei Wochen ganz allein mit der Familie in ihren Center Parcs-Urlaub zu fahren… Ich. Mache. Sowas. Überhaupt. Nicht. Gerne. Ich muss mich echt extrem motivieren und zusammenreißen, um bei diesen Dingen halbwegs erträglich und dabei sein zu können. Ja, andere Eltern sehe ich natürlich auch. Die etwa, die im Indoor-Spielplatz rumhängen mit ’ner übelsten Fresse, die ihre Kinder in einer Tour anmotzen und total unbeteiligt sind. Zu denen will ich auch nicht gehören. Aber auch nicht zu den Aufgesetzten, denen man anmerkt, dass sie eigentlich keinen Nerv haben, die aber denken, sie müssten andauernd total freudig ihre Kinder bespielen, damit sie keinen Schaden kriegen. Oder die Leistungsorientierten… Da wird angestrengt betüddelt und betaddelt und geplant und organisiert als gäbe es kein Morgen… Soweit das Bild, was davon ja auch allgemein so gern gezeichnet wird, wie zum Beispiel erst kürzlich vom Spiegel wieder: Elterntypen. Tatsächlich gibt es solche und solche Eltern, genau wie es halt solche und solche Fahrradfahrer und solche und solche Einstellungen zum Thema Haustiere gibt…

Ich weiß nicht, welchem Elterntyp ich angehöre. Ich will natürlich, dass es meinem Kind gut geht. Ich möchte nicht, dass mein Kind ein verwöhntes Arschloch-Kind ist oder wird. Ich wünsche mir, dass mein Kind kein bestmöglichst angepasster Ja-Sager-Mensch wird. Ich wünsche mir, dass mein Kind sein Hirn benutzt und sich eine eigene Meinung zu Dingen bildet. Ich will nicht, dass sich mein Kind irgendwie von mir abgelehnt oder ungewollt fühlt, ich will für sie da sein und sie neugierig machen. Ich möchte gern, dass mein Kind etwas findet, wofür es brennen kann und was es gerne macht. Wenn das dann noch halbwegs sinnvoll ist und über „Shoppen“ hinausgeht, wäre ich glücklich. Ich möchte, dass mein Kind mitkriegt, wer und wie ihre Eltern sind und ich halte es für notwendig, dass mein Kind mitkriegt, dass nicht alles immer gleich geht, dass nicht alles nach ihrer Nase läuft, dass sie nicht alles haben kann und muss und dass andere Menschen auch Bedürfnisse haben, die respektiert werden sollten (siehe „Arschloch-Kind“). Soviel zum Rahmen. Und zu was für einem „Elterntypen“ macht mich das jetzt? Und welche Schlüsse ziehe ich daraus für mein erzieherisches Handeln, Dr. Rogge? Kategorien sind ja per sé eher schwierig. Und wie viel Wahrheit hinter dem steckt, was man von einem Stück Eltern auf dem Spielplatz so mitbekommt, das sei jetzt mal dahingestellt… Also lassen wir das lieber…

Diese ständige Kinderbespaßung ist jedenfalls echt nicht mein Ding. Mein Kind und dessen Wohlergehen liegen mir aber trotzdem am Herzen und es ist auch nicht so, dass ich mich nie mit ihr beschäftigen möchte… Was zum Beispiel gut geht, ist das Treffen mit „echten“ Freunden, die auch Kinder haben. Das versuche ich zu tun, so oft es geht. Ich kann in der Hinsicht Tom Hodgkinson nur zustimmen:

Meine Idealvorstellung von Kindererziehung ist eine große Wiese. Auf der einen Seite der Wiese ein Festzelt mit Bar, an der das heimische Ale ausgeschenkt wird. Dort versammeln sich die Eltern. Auf der anderen Seite der Wiese, ein gutes Stück entfernt, spielen die Kinder. Ich gehe ihnen nicht auf die Nerven, und sie gehen mir nicht auf die Nerven.

Aber genau genommen hab ich davon nur drei. Das ist ein Problem. Andere Leute, die ich noch so kenne und schätze haben mit Kindern und Kinder-Spaß nichts am Hut, die Kontakte schwinden. Ich will mich nicht aufdrängen. Ich bin die, die in ihrer Generation anders ist.

Ich lese also von Großfamilien und Clans und dass diese Art des Zusammenlebens mit Kindern der Menschheit viel eher (und wenn man die gesamte Menschheit betrachtet wohl auch sehr viel häufiger) entspricht als dieses seltsame Modell, in dem sich ein oder zwei Menschen mehr oder weniger all around the clock allein dem hoffentlich „erfolgreichen“ Gedeih – und damit wohl eher dem Verderb – von ihrem Nachwuchs widmen.

Ich frage mich, wo unser Weg ist zwischen „Guck mal, so funktioniert das“ und „Guck selbst, wie das funktioniert“. Zwischen „Guck mal, so sind die Leute da draußen und das erwarten die“ und „Guck mal, so sind wir und so bist du“. Zwischen „Man muss (nicht)“, „Man kann (nicht)“, „Man sollte (nicht)“ und „Man darf (nicht)“. Und überhaupt eigentlich weg vom „man“ und hin zum „ich, du, wir, hier“.

Ich kann nicht einfach guten Gewissens in diesen (irgendwie auch ekelhaft) überheblich-belächelnd-belehrenden „Lasst doch eure Kinder einfach mal in Ruhe“-Chor einstimmen, der in den verschiedensten Medien so einstimmig erklingt, wenn sie uns von der neuen Elterngeneration der Kinderoptimierer und/oder Überfürsorglichen erzählen (BeispielBeispiel). Ich war auch mit P. beim Pekip, da war sie kaum sechs Monate alt. Und wir gehen mit ihr einmal in der Woche zu einer Musikstunde, die wohl auch in den Bereich der musikalischen Früherziehung fallen dürfte. Ich sehe mich überteuerte Kinderschuhe kaufen, wegen dem besseren Fußbett und so. Ich denke über den Kauf eines Kindersitzes für über 500 Euro nach, wegen der Sicherheit und so. Ich sehe mich den Kopf schütteln, wenn Eltern mit einer BabyBjörn-Trage vorbeikommen und das Kind auch noch nach vorn drin hängt, wegen der unnatürlichen Haltung und so. Ich erwische mich dabei, wie ich zu P. sage „Der Arzt hat aber gesagt, dass du viel Obst und Gemüse essen musst“, weil mir keine gute Begründung jenseits von „weil’s gesund ist“ einfällt und nicht auf „weil ich das sage“ zurückgreifen will. Ich erwische mich aber halt auch dabei, wie ich morgens einen halben Wutanfall bekomme, weil sie kurz vorm Losgehen in den Kindergarten das Seifenblasenwasser komplett verkippt hat und ich mir gerade nichts sehnlicher wünsche, als dass K. sie endlich raus aus der Wohnung und rein in die Kita befördert, damit ich mich mal ein paar Stunden nicht um sie, sondern um meinen eigenen Scheiß kümmern kann. Immerhin hab ich mich danach für’s Ausrasten entschuldigt. Mommy’s not perfect. Soweit komme ich ja inzwischen schon klar mit mir und uns. Aber diese ständige zu füllende Zeit… Dieser Zwang zur Aktivität…

Clans und Großfamilien. Das ist heute nicht mehr. Das dem Zeitgeist entsprechende Modell wäre dann wohl das der befreundeten Familien, die sich zusammen ein Haus mit großem Garten für alle kaufen oder so… Oder nachbarschaftlich enge Kontakte. Zum Pekip und zur Musikstunde ging/gehe ich vor allem deshalb, weil das ein fester wöchentlicher Termin ist, bei dem mein Kind sich mit anderen Kindern trifft und ich mir nicht jede Woche auf’s Neue einen Kopf darum machen muss, wie ich diesen (Nachmit)Tag fülle. UND weil es in einem Rahmen stattfindet, für den ich nicht persönlich verantwortlich bin. Niemand muss sich persönlich beleidigt fühlen, wenn ich dort nicht mehr auftauche. Und hier kommen wir zu einem Teil des Kerns vom Pudel, denke ich. ICH will gar keine 100.00 Kontakte zu irgendwelchen neuen Leuten, denn persönliche Kontakte bedeuten für mich immer auch Verbindlichkeiten. Und was Verbindlichkeiten angeht… Diesbezüglich hab ich einen enormen Knacks. Ich bin so ziemlich die unzuverlässigste Person des Universums, weil mich beinahe jede Art von „Deadline“ stresst und unter Druck setzt. Ich brauche die Möglichkeit des Ja oder Nein und will dabei niemanden vor den Kopf stoßen müssen und auch kein schlechtes Gewissen haben. Das hatte ich in meinem Leben zur Genüge. Ein „ich muss“ setzt mich unter Druck. Und ich bin wählerisch. Menschen gehen mir schnell auf den Keks. Und eigenartig bin ich auch. Ich brauch ’ne Weile, um mich mit Leuten so wohl zu fühlen, dass ich sie ein Teil von meinem Leben lassen sein kann und mich deren Vorhandensein trotzdem nicht stresst. Vielleicht geht es aus den unterschiedlichsten Gründen vielen Menschen so, dass sie keine Lust haben, sich ständig nah auf neue Menschen einzulassen. Fremdheit ist ein kostbares, schützenswertes Gut!„, das ist so ein Slogan, den sich einige Soziologen auf die Fahne geschrieben haben… Darüber kann man sicher diskutieren. Vielleicht sitzen Eltern deshalb vormittags jeweils einzeln auf den fünf Bänken des Spielplatzes und starren lieber in ihre Smartphones, Magazine, Bücher oder ihre Kinder an, anstatt ihre Telefonnummern untereinander auszutauschen und sich zu verabreden… Das kann eine Erklärung sein, bringt mich aber wieder zurück zum Punkt…

Wenn das Modell Kleinfamilie Fakt ist und damit einher viele, viele Stunden gehen, in denen wir weder Essen jagen, noch unsere bedrohte Existenz vor Feinden schützen oder zum nächsten belebbaren Fleck Erde ziehen müssen, die Welt aber gerade nicht verändern/-bessern können und/oder wollen… Welche Spielregeln gelten dann in dieser Zeit? Davon ausgehend, dass man nicht der geborene Spielkamerad ist, einem aber trotzdem sehr viel an seinem Kind liegt… Wie viel Bespaßung finde ich gut und richtig und wo hört der Spaß auf? Beim 10. Buch in Folge, dass ich vorlese? Sobald ich keinen Bock mehr habe, wenn ich ehrlich zu mir und ihr bin? Ist es okay seiner 2 1/2-Jährigen zu sagen, dass man keinen Nerv auf Arztspielen hat? Darf ich sie fragen, ob sie in ihrem Zimmer weiter lauthals singen kann, wenn’s mir gerade auf den Keks geht und was mache ich, wenn sie sagt „Nein.“? Will ich wirklich jedes Wochenende diesen typischen Familien-Späßchen nachgehen? Was ist die Alternative? Was mache ich denn gerne? Was würde ich machen, wenn keine Kinder da wären und lässt sich das nicht irgendwie vereinbaren? Woran könnten wir alle Freude haben, ohne dass jemand – wahlweise K. oder ich, wir ticken da nämlich leider sehr ähnlich – dabei ständig denkt „anstrengend. das ist anstrengend-anstrengend-anstrengend.“?

Das wirklich Traurige ist, dass ich nicht einmal konkret sagen kann, was ich eigentlich gerne mache, um das einfach zu vereinbaren. Auch nicht dann, wenn ich versuche mir vorzustellen, was ich gerade „freiwillig“ tun würde, wenn da nicht das Kind wäre… Ich lese gerne. Ich beschäftige mich gern mit Dingen. Ich studiere gerne. Ich hänge viel am Rechner. Ich denke über alle möglichen Sachen nach und schreibe mir andere Sachen dazu auf. Oh, ich gucke gern Filme. „Früher“ bin ich abends gern mit Freunden ausgegangen, hab mich angetütert gemacht und mir dann die Nächte um die Ohren gehauen… Hab mir Bands angeguckt, bin selbst auf Tour gefahren, hab Konzerte gegeben, mich mit unseren Songs beschäftigt, geprobt… Oder wir haben tage- und nächtelang in irgendwelchen Parks rumgehangen und Mist gequatscht. Alles nicht unbedingt Dinge, die ich jetzt noch so unbedingt machen muss und auch keine, die ich der Kategorie „kinder- / familientauglich“ zuordnen würde… Wie wunderbar passend dazu war der (hier ganz oben stehende) Spruch, den ich gestern Muster-Ehefrau Francine bei „American Dad“ (Staffel 7, Folge 1: „Zu heiß gebadet“) habe sagen hören und sehr lachen musste…

Sind wir einfach eigentlich nicht für’s Kinder haben gemacht und müssen da jetzt durch? Ich bin nicht unbedingt froh darüber, dass im Wald rumlatschen und Stöcker-Häuser für Regenwürmer basteln, Gärtnern, Tieren beim Lausen zugucken oder Fußballspielen nicht zu meinen Hobbys gehören. Aber das sind die Fakten, mit denen ich zu dealen habe. Ich lese meiner Tochter gern Bücher vor. Aber nicht unendlich oft hintereinander. Ich geh auch gern mit ihr Schwimmen. Aber nicht an jedem Wochenende und ungern allein ohne K. Ich treffe gern befreundete Eltern und tummle mich dann auch durchaus auf Spielplätzen. Aber das geht nicht immer. Soll es ja auch gar nicht. Langeweile fördert ja angeblich die Kreativität und die Selbstentfaltung, habe ich gelesen.

Mein Kind interessiert es aber ziemlich wenig, wenn ich ihm erkläre, dass ich gerade nicht spielen will und dass es mit seiner Langeweile klarkommen muss, weil es dadurch seine Potenziale entfalten wird. Dann will es ja trotzdem noch Jemanden zum Spielen haben. Momentan befindet sich dieser Jemand aber noch in meinem Bauch. Muss ich also ständig mit Farben matschen, Burgen aus Holzklötzern bauen, die Kletterburg erklimmen und Puppendoktor spielen, damit mein Kind sich geliebt fühlt? Oder Alternativ ein ausgeklügeltes Freizeitgestaltungsprogramm abliefern? Dafür fehlt mir oft auch einfach die Energie und auch das halte ich nicht für richtig für uns. Im Moment geht das aufgrund der Umstände sowieso nicht. K. bespielt allgemein häufiger und ausdauernder als ich. Er sagt dann sowas wie „Die Forderung, beschäftigt zu werden bzw. mitzuspielen passiert ja unter Androhung von Krawall. Also spiele ich lieber mit…“

Ich denke, dass es sogar wichtig ist, sein Kind nicht andauernd zu bespaßen und zu beschäftigen. Tatsächlich halte ich diesen Weg für schwieriger als den des Dauerprogramms. Insbesondere dann, wenn die Zeit für viel Bespaßung theoretisch oft da ist. Ich putze nicht wie ’ne Irre die Wohnung, wasche Wäsche nur wenn’s nötig ist, ich bügele nicht und knalle unsere Zeit nicht mit tausenden von Termin voll und renne auch nicht andauernd von A nach B. Die Zeit für gemeinsame Aktivitäten ist jenseits von der Kita fast immer da… Die Zeit ist da und es setzt mich unter Druck, dass die irgendwie genutzt, gefüllt oder rumgebracht werden muss und zwar Kleinkind-gemäß. Aaaahhh! FREIZEIT-STRESS!!! HORROR!!! Manchmal türmen sich die Minuten und Stunden geradezu bedrohlich vor mir auf und in meinem Kopf schwebt ein „Genieß gefälligst diese wertvolle Zeit aktiv mit deinem Kind!“ Ja, also nein, also natürlich ja, aber doch nicht immer und ständig … … … Oder?

Was ist denn mit Muse? Ausruhen? Kräfte tanken? Faulheit? Nicht immer irgendwas machen oder vorhaben? Entspannen mit einem Buch? Denken? Sich auf etwas einlassen? Den Kopf erweitern?

Sind das nicht auch Dinge, die Kinder sehen und quasi durch Vorbilder „lernen“ sollten? Bringen wir Kinder nicht damit, dass immer irgendetwas los ist, genau in die Spur dieser elendig rastlos-gehetzten „Mach dich nützlich“-Zeit? Muss denn echt immer irgendwas los sein?

Ich finde, dass Elternsein einem schon manchmal Superkräfte abverlangt. Punkt. Und ich habe keine Superkräfte. Auch Punkt.

Un‘ nu?