Ich gegen mich.

1) Immer wieder spülen meine Timelines Artikel in mein Blickfeld wie jüngst „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ von Franziska Schutzbach. Artikel also, die irgendwie mehr oder weniger mit dem „regretting  motherhood“-Ding zu tun haben.

2) Mein letzter Artikel ist vom 13. Dezember. In meinen jüngsten Artikeln ging es häufig nicht oder nur am Rande um Elternschaft, Mutterschaft, Leben mit Kindern.

3) Ich stecke mitten in einem Morbus Crohn-Schub und bin aktuell zusätzlich auf Cortison-Entzug. Ich fühle mich wie von jemandem ausgekackt, der einen dauerhaft entzündeten Darm hat. Sorry, für die Direktheit. Ich schlafe abends 21 Uhr mit den Kindern ein, wache kur nach 7 auf und fühle mich wie vom LKW überfahren. Meine Augen sind entzündet, ich hab Akne und ein Neurodermitis-Schub kündigt sich an. Wie schon so oft habe ich das Gefühl, dass mein verdammter Körper nicht für dieses verdammte Leben gemacht ist. Im Dschungel wäre ich vermutlich längst tot. Mit oder ohne Schamane.

4) Prüfungsphase. Ich müsste für die Statistik-Klausur lernen. Ich fühle mich zu alt für Klausuren. Ich habe Hass auf diese Form des Geprüft-werdens. Ich will das nicht mehr! Aber ich mag das Studieren (manchmal) noch immer ganz gern. Wenn nur der Zeitdruck nicht wäre.

5) Schlechtes Gewissen und Hass auf mich selbst. Ich will nicht jammern. Ich will nicht jammern. ICH WILL NICHT JAMMERN!!!

Ich denke ständig an diesen Blog. Ich denke daran, wie gerne ich schreibe. Aber ich fühle mich leer. Habe ich nichts mehr zu sagen? Habe ich mich eingefunden, in die Elternschaft? Nicht wirklich oder: Mal mehr, mal weniger. Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Meine Kraft verlässt mich nach kurzer Zeit. In mir und in der Couch sind Magnete befestigt, die sich beständig zueinander hingezogen fühlen. Ich will die Rollläden schließen, mich in eine Decke einigeln und mich tagelang mit Steinzeit-Dokus ablenken vom hier und meinem erschöpften Körper.

ICH WILL NICHT JAMMERN!!!

„Durchziehen“ denkt ein Teil in mir. „Fresse halten und DURCHZIEHEN! Reiss dich mal zusammen!!!“ Wenn ich indigene Frauen sehe, die in brasilianischen oder venezuelanischen Regenwaldgebieten schweres Zeug auf dem Kopf kilometerlang von A nach B tragen… und daran denke, wie ich fertig, schwitzend, keuchend in der Bahn stehe und fast zusammenbreche, nachdem ich einige Meter rennen musste… METER! NICHT KILOMETER!!! „Verzärtelt“ nennt Nietzsche das. Die Arschlöchin in mir spuckt mir das Wort vor die Füße: VERZÄRTELT! Und ich fauche zurück: Und? Nietzsche war ein herrischer Antisemit! Warum sollt ich mir von DEM was vorwerfen lassen?!

Es gäbe so viel zu sagen. In meinem Kopf denkt sich so viel zusammen… Und so vieles davon halte ich durchaus für mitteilenswert. Aber der Flow fehlt. Die Zweifel hingegen sind erdrückend. Hört sich alles so bescheuert an. Ist nicht zu Ende gedacht, nicht rund. Ich bin damit noch nicht fertig. Und kurze Zeit später ist der Gedanke schon überholt und ich bin ganz froh, ihn für mich behalten zu haben. Außerdem leidet auch meine Koordination unter meinem körperlichen Zustand. Ich treffe kaum die Tasten, verschreibe mich ständig. Lange am Rechner arbeiten geht auch nicht, Augen sind entzündet.

ICH WILL NICHT JAMMERN!!!

Franziska Schutzbach schreibt: „Nicht selten fühlte es sich so an, als sei ich in einem viel zu schwierigen Job, den ich aber nicht wechseln, nicht künden konnte.“ – das kann ich nachvollziehen. So geht’s mir oft auch. Womit wir beim schlechten Gewissen wären. Gestern habe ich meinen Körper zur Kita geschleift, um die Kinder abzuholen. Menschen, die sich mit Depressionen herumschlagen, können vielleicht nachvollziehen, was für eine monströse Aufgabe das sein kann, wenn man eine üble Phase hat. Oft schleift man dann auch tatsächlich nur den Körper, führt Automatismen aus, spult Abläufe ab. Anwesend bin ich nicht wirklich. Ich mache Dienst nach Vorschrift, an solchen Tagen. „Ich hatte ‚Dienst am Kind'“ zu sagen, fühlt sich dann gar nicht mehr so lustig an, wie ich es sonst meine. Aber zurück zum Gestern.

Die Mutter einer Freundin von P. schlug vor, gemeinsam mit den Kindern in die Bibliothek zu gehen. Der Sprachautomat am oberen Ende meines Körpers sagte „Ja, gerne.“ – der antwortete übrigens auch kurz zuvor „Alles gut.“ auf die Frage, wie es mir geht. Der verbannte Teil im Kopf plärrte: „NEIN! NEIN! NEIN! NACH HAUSE! WIR WOLLEN NACH HAUSE!!! BIST DU BESCHEUERT??!?“ Ich zog den Kindern ihre gefühlten 4000 Lagen Winterklamotten an, schwitzte dabei wie ein Schwein, Schwindel… P.s Freundin ging es dann nicht gut, Bibliothek fiel also aus, wir gingen also doch nach Hause. „Couch, Couch, Couch“ hallte es durch meinen Kopf. „Du kannst doch nicht immer. nur. rumhängen! Du bist noch nicht einmal 30 Jahre alt! Was bist du für ein Vorbild?“ wettert die Arschlöchin. Ich ducke mich weg, fühle mich schuldig. Ich will gerade nicht sein und schon gar kein Vorbild für irgendwen.

Wir gingen, weil ich das für eine gute Idee hielt. An den kalt-regnerischen Tagen gehen die in der Kita nicht viel raus. Frische Luft, gesundheitlich und pädagogisch wertvoll und so. Es pisste, es wurde dunkel und nach kurzer Zeit wollte T. getragen werden. Ich hab das einfach nicht länger als ein paar Minuten hinbekommen. Erklär das mal einem 2,5-jährigen. P. stellte derweil Fragen am laufenden Band. Zuhause sollte ich vorlesen. Eine Geschichte reicht nicht. Wenn ich einwerfe, dass ich lieber nur eine vorlese, weil ich es sinnlos finde, 10 hintereinander vorzulesen: „Du bist gemein!“-Geschrei. „Ich halte das heute nicht aus!“ in meinem Kopf. Immer wieder. „Reiß dich zusammen!“ Immer wieder. Gucke auf die Uhr: 17:00. Rechne nach, wie viele Stunden es noch dauert, bis Bettzeit. Schon die Frage macht mir ein schlechtes Gewissen. Ich wähle den Notausgang und schalte die Glotze an. Sie läuft mehrere Stunden, bis zum Abendbrot. Ja, auch vor T.s 2,5-jähriger Nase. Wir gucken „Frozen Partyfieber“, „Maulwurf“ und fast alle Folgen „PeppaWutz“. Und nein, das ist kein ganz außergewöhnliches „ausnahmsweise mal“. Es ist zwar nicht alltäglich – wir versuchen irgendwie die 2 Folgen-Sache durchzuziehen… Aber: Der Geist ist willig… und der Geist ist schwach. Oder so. Als ich den Fernseher endlich ausschalte, weil ich den Tisch für’s Abendbrot gedeckt habe: Geschrei. Gebrüll. „Du bist gemein!“ Die Kinder sind eindeutig drüber, ich merke das und ärger mich über mich selbst. „Selbst schuld!“ raunz die Arschlöchin. „Das ist sehr hilfreich“ blaffe ich zurück. P. zetert lautstark vor mir rum. „Ich klatsch dir gleich eine!“ sage ich. Plötzlich. Ja, das habe ich wirklich gesagt. (Aber noch nie – ich schwöre! – gemacht!) P. war natürlich entrüstet und weinte „Sowas darf man nicht sagen!“ noch lauter, zurecht, natürlich. „So redet man nicht mit Kindern!“ Ja, sie hat Recht. Und ich schäme mich. Und ich bin so fassungslos über mich selbst: Immer wieder ist da diese unglaubliche Wut, die Hilflosigkeit und immer wieder der Drang, das laute Kind überzeugen zu können, abzustellen… Und nichts funktioniert. Keine Rücksicht, keine Einsicht, nur laut und kräh. Und die eigenen Ideale, an denen ich immer und immer wieder scheitere. Verständnisvoll sein, ruhig bleiben, … Später versuch ich ihr, mich zu erklären. „Schon gut“ sagt sie, wie immer in solchen Situationen.

Ich fühl mich ständig wie die Ärzte in dem Zeit-Artikel „Kranker Job“.

Szenenwechsel.

Mitte Januar bin ich fünf Tage auf einer Seminarfahrt gewesen. Davon abgesehen, dass mich das Thema interessiert hat, stelle ich rückblickend (fast mit Erschrecken) fest: Das Burn-Out-Gefühl war weg. Ich hab interessante Gespräche geführt, gute Leute kennengelernt, konnte spontan sein und trotz wenig Schlaf fühlte ich mich geradezu energiegeladen. Als K. mich am Abreisetag abholte, war ich euphorisch, ich fühlte mich wie als hätte jemand den Akku gewechselt… Und ich freute mich so richtig, meine Kinder wiederzusehen! Die hatte ich nämlich tatsächlich nach drei Tagen vermisst. Und als wir wieder zusammen waren, konnte ich sie wieder sehen! Und vor allem sehen, dass ich sie vorher nicht mehr gesehen hatte, vor lauter Trott. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir dieses Gefühl und diesen Blick auf K. und die Kinder irgendwie zu erhalten. Das ist jetzt 2,5 Wochen her. Immer mal raus, immer mal Abstand, das wäre so wichtig. Aber ich habe das Gefühl (die Befürchtung), dass mein Bedürfnis danach zu groß ist. Es wundert mich nicht, dass getrennt lebende Eltern, die sich die Betreuung der Kinder teilen, oft sehr viel entspannter wirken. (Wie’s den Kindern damit geht, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt.)

„Mutterschaft ist für mich etwas schmerzhaft Ambivalentes.“ zitiert Franziska Schutzbach eine Mutter in ihrem Artikel. Ja und ja und ja! Diese Ambivalenz ist für mich derart spürbar, dass ich sie manchmal kaum aushalten kann. Wenn ich abends mit den Kindern im Bett liege und darauf warte, dass sie schlafen, spüre ich sie. Weil ich es liebe, so nah bei ihnen zu sein, ihren Atem zu hören, für sie da zu sein. Und weil ich es gleichzeitig kaum ertragen kann, diese Nähe, das Gewusel, die laaaaange Zeit, die sie brauchen, um zur Ruhe zu kommen, der Termindruck im Nacken, weil es noch etwas zu erledigen gibt oder einfach der nicht wegzudrückende Wunsch meinerseits, mal machen zu können, was ich will. Wenn ich in irgendwelchen Kinder-Ghettos bin, spüre ich es. Weil ich Kinder mag und Kinder gern beim Spielen zusehe, aber ich möchte eigentlich Beobachterin bleiben. Ich will und muss da nicht mitmachen. Ich halte das auch für Quatsch. Aber das interessiert meine Kinder ja nicht, die von mir fordern, mit ihnen auf dem doofen Klettergerüst rumzukraxeln. Wenn mein Körper am Ende ist – wenn ich am Ende bin – spüre ich es extrem deutlich. Wenn sich alles nach Auszeit, Rücksichtnahme, Ruhe, Regeneration sehnt, das aber einfach nicht drin ist. Und ich auch gar nicht einschätzen kann, ob wirklich mein Körper die Ruhe braucht oder meine depressiven Anteile mal wieder zuschlagen. Ist es richtig, sich immer wieder selbst anzutreiben, durchzuziehen, sich die Ruhe nicht zu gönnen, weil ich damit einer depressiven Phase die Stirn biete? Oder wäre es angebracht, zur Ruhe zu kommen, zu regenerieren, um den Schub nicht noch schlimmer werden zu lassen oder zumindest einzugestehen, dass so viele Entzündungsherde im Körper zu Energieverlusten und Schlappheit führen?? Oder ist meine Schlappheit am Ende doch der Versuch, die Verantwortung abzugeben, ein Weg, mich zurückzuziehen? So habe ich das als Kind schon (unbewusst) gemacht, um mir Auszeiten zu verschaffen.

Franziska Schutzbach schreibt weiter:

Der Punkt ist, dass diese Hyper-Verantwortlichkeit in Konflikt steht zu jenem bis heute gültigen Menschenideal: dem autonomen Subjekt. Selbstbestimmtheit und Individualismus sind die Prämissen unserer Zeit und heute auch bei Frauen verbreitet. Gleichzeitig schaffen es gerade die Frauen qua kulturellen Zuschreibungen und fortbestehender ungleicher Arbeitsteilung selten, dieses Phantasma zu erreichen. Manche können den Konflikt einigermaßen lösen, weil sie trotz oder gerade wegen des vorherrschenden Individualismus Befriedigung daraus ziehen, gebraucht zu werden (sei es, weil sie sich mit dieser Art ‘Mutterrolle’ identifizieren, sei es aus anderen Gründen). Aber was, wenn das nicht funktioniert? Wenn dieser Konflikt nicht lösbar ist? Mich persönlich machen das Gebraucht-Werden, die Unausweichlichkeit der Eltern-Funktion nervös, sie bedroht oft genug meine schiere Existenz. Auch gibt mir das Bemühen um das “Richtige” (die passende Musikförderung, die wirksamsten homöopathischen Kügelchen, die richtige Erziehungsmethode, die beste Kita) wenig Befriedigung, ich kann mit dieser Art Tätigkeiten einfach nicht viel anfangen. All dies ist übrigens – wie bei den Müttern in besagter Studie – unabhängig von der Liebe, die ich für meine Kinder empfinde.

Die Sache mir der Autonomie, dem Subjekt-sein, dem Individualismus, dem freien Willen und Wollen gehört zu so einem Komplex, über den ich so viel mitzuteilen hätte. Aber ich kriege die Gedanken nicht geordnet, finde überall schlaue Worte von Menschen, die schon alles dazu gesagt zu haben scheinen. Braucht es meinen Senf noch dazu? Das Gefühl, dass alles schon viel besser gewusst, gesagt, getan worden ist, hat mich schon als Kind eingeschüchtert und gelähmt.

Franziska Schutzbachs Gefühle kann ich nachvollziehen und ich teile sie zum Teil mit ihr. Wenn ich mittwochs mit meinen Kindern zu Kawi gehe, um dort die Musikkurse der Kinder mitzumachen – zumindest bei T., P. geht mittlerweile allein -, dann kommt mir diese Szenerie manchmal völlig bekloppt vor: Wie diese erwachsenen Menschen (meist Frauen) dort im Kreis sitzen, ihre Kinder auf dem Schoß, „Babababa“ wiederholen, Tücher wie Schneebälle werfen oder auf allen vieren durch den Raum robben, die Kinder auf dem Rücken sitzend… Und manchmal denke ich mir auch: Warum stellt man sich eigentlich so an? Was hat es auf sich, mit diesen Gefühlen der Peinlichkeit und Scham in solchen Situationen? Warum kommen die gerade dann, wenn wir mit unseren Kindern singen und tanzen? Warum fühlen sich überhaupt fast alle unwohl, beim laut singen und haben sogar fremdschäm-Gefühle angesichts von Leuten, die ohne Rücksicht auf Schönheit singen und tanzen. Fast neidvoll denke ich an die Bilder der Himba (und auch vieler anderer indiginen Stämme), die ausgelassen in Gruppen singen und tanzen… Was ist der Unterschied zwischen unserem Leben und deren? Warum können sie so ausgelassen sein und wir nicht?

Was soll ich also sagen? Ja, ich leide. Im Moment. Und immer wieder. Aber leide ich darunter, Eltern zu sein? Würde ich weniger leiden, wenn ich nicht verantwortlich wäre für zwei Heranwachsende?

Ich habe das Gefühl, das Falsche am „modernen Leben“, die Eingerichtetheit der Gesellschaft als Eltern sehr stark zu spüren. Das war vorher nicht so stark oder nicht so eindeutig. Die individualisierte, rationalisierte Lebensweise passt einfach nicht zusammen mit Familien und heranwachsenden (irrationalen) Menschen. Auf mich selbst gestellt käme ich damit vielleicht besser zurecht. Weil ich anpassungsfähiger wäre oder meinen Auf- und Widerstand konsequenter ausüben könnte. Weil Regeneration und Aktivität selbstbestimmter ablaufen würden. Weil mich meine sozialen Rollen vielleicht weniger Kraft kosten würden oder ich mich rausnehmen kann, wenn’s mir mal wieder zu viel wird, weil ich selbst mir in sozialen Kontexten zu viel bin. Weil ich gefallen will, weil ich nicht abgelehnt werden will, weil ich kräftezehrend aufdrehe bis mir das Gesicht glüht. Und weil ich darüber keine Kontrolle habe. Ünerhaupt wäre es vielleicht nicht so anstrengend, weil ich die Illusion, die Kontrolle zu haben über mein Leben, leichter aufrecht erhalten könnte. Vielleicht wäre die Vereinzelung auch nicht derart schmerzhaft spürbar… Weil ich mich weniger stark nach einem Clan sehnen oder einfach in irgendein Hausprojekt ziehen würde. Weil ich mich immer dann in Gesellschaft begeben würde, wenn mir danach ist. Andererseits würde ich daran und darunter leiden, dass es mir an Sinn fehlt. Die Sinnfrage würde mir das Hirn zermartern und ich würde mich vermutlich nicht viel weniger zerrissen fühlen als jetzt. Nach dem Sinn frage ich mich jetzt nicht mehr. Der Sinn krabbelt jeden morgen in zweifacher Ausführung in mein Bett.

Wenn man gelernt hat, alles zu hinterfragen, dann sind Elternschaft und die eigenen Kinder davon nicht ausgenommen. Wie Franziska Schutzbach auch schreibt, ist das Ideal unserer Zeit, in unseren Gefilden (!) Selbstbestimmtheit, kritisches Hinterfragen, das eigene Leben selbst in die Hand nehmen, autonom sein. Ich halte das grundsätzlich für eine Illusion. Autonomität ist nichts, was ich für realisierbar halte. Wir werden verantwortlich gemacht, für die Entscheidungen, die wir treffen. Dabei ist jeder Mensch beeinflusst von allen möglichen Dingen, auf die wir zum Teil noch nicht einmal Zugriff haben. Die Menschheit überschätzt sich selbst, das Denken und die eigene Rationalität gewaltig.

Wir sind es gewohnt, uns dagegen entscheiden zu können, abzubrechen, wenn uns etwas nicht passt. Mit Kindern hört genau das auf. (Obwohl der Schritt natürlich auch jenseits von Abtreibungen nach der Geburt prinzipiell möglich wäre. Man könnte sich sehr wohl dafür entscheiden, die Kinder wegzugeben, sich dagegen zu entscheiden… Aber wer geht diesen radikalen Schritt und begründet das mit dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung?)

Und dieses Hinterfragen, kritisch sehen, selbst bestimmen wollen steht womöglich in direktem Gegensatz zu den geradezu archaischen Programmen, die meiner Meinung sowohl in uns, wenn wir Eltern werden als (und besonders) auch in den Kindern ablaufen. An Kinder kommen wir mit unseren rationalen Techniken nicht ran. Und auch unsere absolut rational eingerichtete Welt passt nicht zu unseren irrationalen Kindern. Und genau das macht es so scheiße schwer. Es fühlt sich an, als müssten wir Eltern die verdammte rationale Suppe auslöffeln, die die Menschheitsgeschichte uns eingebrockt hat. Und das auch noch weitgehend jede_r für sich allein bzw. als Kleinfamilie.

Ich sehe gerade nur einen sinnvollen Ausweg: Zusammenrotten! Wir müssen weg von der Kleinfamilie und hin zum Clan! Gründet Hausgemeinschaften mit Gärten, schmeißt eure Kinder zusammen und lasst sie gemeinsam spielen, statt sie mit gezwungenem Lächeln zu bespielen. Ich kriege gerade ständig mit, dass immer mehr Familien sich danach sehen. Das Teuflische ist: Die meisten sind heute derart eingebunden in Verpflichtungen, dass ihnen Energie, Zeit und Geld dafür fehlen, etwas zu realisieren, was womöglich dazu führen könnte, mehr Energie, Zeit und Geld zu haben. Genau so geht es uns gerade. Und es kotzt mich an.

Schlechtes Gewissen revisited

Ich habe ein schlechtes Gewissen. Eigentlich immer.

Ich sitze hier, und müsste mich eigentlich auf meine Modulabschlussarbeit konzentrieren. Aber ich kann es nicht, weil ich Nachrichten über die Ströme von Zufluchtsuchenden lese. Weil ich auf Facebook über die Zustände in der Ernst-Gruber-Halle lese, über die eine Freundin berichtet:

So etwas Beklemmendes habe ich noch nicht erlebt. Über 450 Zufluchtsuchende sind zur Zeit in der Ernst-Grube-Halle. Sie liegen auf ihren Liegen. Alles was sie besitzen in einer Tasche, die gleichzeitig als Kissen dient. Alles wirkt sehr provisorisch: Bauzäune trennen grob die Liegen, Essensausgaben dauert 2 Stunden, zum Essen stehen 13 Bierzelttische zur Verfügung. Es gibt 10 Toiletten, es gibt 10 Duschen – für 450 Menschen. Es gibt keine Kühlmöglichkeiten, keine Kochmöglichkeiten, keine Waschmöglichkeiten. Wäsche wird per Hand gewaschen und auf den Bauzäunen getrocknet. Jeder Zufluchtsuchende hat einen Laufzettel, egal ob Essensausgabe oder Kleidespende, alles wird abgehakt. Die Menschen stehen an für Kleiderspenden oder fürs Handy aufladen. Die gesamte Struktur und Organisation wird von Ehrenamtlichen geleistet – es gibt nur EINEN Hauptberuflichen in der Ernst-Grube-Halle. Es zeigt sich an so vielen Stellen wie katastrophal die Kommunikation der Landesdirektion ist.

Weil mir das Kotzen kommt, angesichts der Zustände in diesem Land, in dem Unterkünfte für Schutzsuchende abgebrannt werden. Weil ich immer dieses „Da muss man doch was tun“-Gefühl habe… Also suche ich Sachen zusammen, zum Spenden. Und fühle mich schuldig, weil ich nicht mehr tun kann. Oder will? Können wir nicht vielleicht doch eine Familie aufnehmen, hier bei uns? Haben wir nicht genug – viel zu viel – Platz?

Ich fühle mich schuldig, weil meine „Probleme“ im Vergleich zu denen dieser Menschen so erbärmlich erscheinen. Aber ich kann nicht raus, aus meiner Haut; kann nicht einfach raus, aus diesem, aus meinem Leben. Ich werde das Gefühl nicht los, in diesem Leben nur schuldig sein zu können, zumindest wenn man im privilegierten Teil dieser Erde lebt. An uns allen klebt Schuld, denn wir tragen dieses kaputte System mit und wir profitieren ständig davon. Wir supporten es durch unsere Art zu konsumieren, zu arbeiten, zu leben. Selbst wenn wir versuchen, dagegen zu sein oder uns rauszuhalten, machen wir mit. Ich fühle mich schuldig, denn ich fühle mich dafür (mit-)verantwortlich. Manchmal denke ich, das einzig halbwegs richtige oder zumindest weniger falsche, was man in diesem System tun kann, ist die Missstände zu thematisieren, aufzudecken, die Fahnen hochzuhalten und den Menschen immer wieder auf’s Brot zu schmieren:

NEIN! ES IST NICHT OKAY WIE ES IST!

Deshalb studiere ich „was mit Gesellschaft“.

(…)

Ich kann nicht raus, aus meiner Haut; kann nicht raus, aus diesem, aus meinem Leben.

In meinem Darm wütet jetzt wieder das Tier, das mir alle Energie abzieht, von der doch eh ätzenderweise nur so verdammt wenig da ist. Ich habe täglich starke Durchfälle mit Magenkrämpfen, Blut und allem drum und dran. Es ist kein schönes Thema, aber ich habe mich daran gewöhnt, darüber zu reden. Immer scheiß Durchfall haben, das bedeutet extreme Unsicherheit. Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich kein Klo in der Nähe habe. Ich habe 2008 monatelang das Haus nicht verlassen, hatte Angst, einkaufen zu gehen, zu essen, unter Leuten zu sein. Jeder Schritt und schon das Aufstehen war eine riesige Hürde. „Schwere Agoraphobie“ – unspezifische Angststörung – wurde damals diagnostiziert und sowas wie therapiert. Ich bin mit meiner Therapeutin einkaufen gegangen. Ich musste das wieder lernen. Ich weiß nicht, ob man das verstehen kann, wenn man nicht zumindest einmal im Leben eine schwere Magen-Darm-Grippe hatte. Was macht man da? Zuhause bleiben. Und was macht man, wenn das einfach nicht mehr aufhört? … Eben! Ich bekomme Schweißausbrüche, wenn ich in der Bahn sitze, wenn ich im Wartezimmer beim Arzt bin, an der Kassenschlange, im Seminar, auf dem Spielplatz. (Warum gibt es so verdammt wenig Spielplätze mit Toiletten? Schon mal aufgefallen? )Ich hasse es, Referate zu halten, obwohl ich eigentlich gut reden kann und fragt nicht, wie es war, in diesem Zustand als Frontfrau auf der Bühne Konzerte zu absolvieren.

Ich hatte den Chrohn seit 2011/12 (ungefähr) ganz gut im Griff, mit den entsprechenden Medikamenten. Die Medikamente wirkten, indem sie das Immunsystem unterdrückten. Die Nebenwirkung war, dass ich ständig irgendwelche Infekte hatte. Der Darm hat sich beruhigt, ich habe die Tabletten abgesetzt und gehofft, die „Remission“ so halten zu können. Hat offenbar nicht geklappt. Ich will nicht zurück in den Zustand von 2008, schon wegen der Kinder.

Und so bin ich wieder beim Thema: Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich gerade (mal wieder) nicht so kann wie ich will. Ich habe den Kindern gegenüber Schuldgefühle, die mich auffressen, weil ich gerade kaum noch Unternehmungen mit ihnen mache. Ich schaffe es einfach nicht, die Energie fehlt. Ich bin immer müde. Ich habe Schuldgefühle, weil ich gereizt bin und zu schnell aus der Haut fahre, weil ich nicht bei der Sache bin. Ich habe gerade zu wenig Geduld. Ich habe K. gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil er mir so viel abnehmen muss. Meine depressiven „Ich will nicht mehr“-Gedanken überfallen mich wieder regelmäßiger und unnachgiebiger.

Ich kann mir nicht einfach abnehmen, dass es mir vielleicht wirklich nicht gut geht und ich eine Pause brauche. Ich bilde mir ein, ich müsse/könnte mich doch zusammenreißen. K. ist schließlich auch am Limit. Und überhaupt: Andere Menschen haben viel größere Belastungen zu schleppen… (siehe oben) und können sich nicht einfach rausnehmen, schlapp machen.

(…)

Sie laufen hunderte von Kilometern, mit ihren Kindern, teilweise selbst todkrank. Sie kommen wochenlang ohne Essen aus. Sie haben Angehörige und Freunde verloren. Sie gehen irgendwohin, in die Fremde, lassen ihr Zuhause, ihre Sachen zurück und wissen nicht, ob sie jemals wieder zurückkommen werden. Ihnen geht es verdammt, verdammt beschissen.

Und ich? Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil meine Kinder vielleicht zu viel fernsehen und weil sie zu viel Mist in sich reinstopfen. Mich beschäftigt, was ich ihnen zum Geburtstag schenke; ob das, was wir mit ihnen machen und so, wie unser Alltag ist, gut ist und welche Route wir im September nehmen, um in den Urlaub zu fahren. Und ja, das sind Dinge, die mich wirklich stark beschäftigen. Ich engagiere mich für eine Verbesserung der Kinderbetreuungssituation anstatt für Zufluchtsuchende. Dabei sind das verdammt nochmal First. World. Problems. Oder?

(…)

Vor kurzem las ich  den Artikel „Suche Urlaub, biete Kinder“ von Jonas Ratz und erkannte unsere Gedanken darin zum Teil wieder. Gleichzeitig dachte ich: First. World. Problems. Und dann las ich die Kommentare. Das ist zum Teil echt harter Stoff. Beispiele gefällig?

Wie haben es meine Eltern nur damals geschafft mit drei kleinen Kindern zwischen denen jeweils nur ein Jahr lag jedes Jahr in ein Appartment (ohne Nachbarn, ohne Kidsclub, ohne Hörnchenbuffet (und schmieren)) am Stand zu fahren.

Kann es sein, das Frederick ein sozial unverträgliches, verwöhntes kleines Balg ist?

jeder bekommt die kinder, die er verdient, bzw. die er sich heranzieht.

Oh man, wann kommt der Bus? Sind all diese überaus witzig gemeinten, kokett-mitleidhaschenden Kinder-machen-alles-anders-aber-wir-machen-alles-mit-Berichte eigentlich von ein und der selben Person geschrieben? Bla bla bla…

Wenn man seine ganze Freizeit in die Bespassung der Sprösslinge steckt und jeder Schrei und jedes Klagen im Elterngesprächskreis thematisiert…wird auch so ein Urlaub nicht gerade zur Erholung….selbst Schuld..behaupte ich da mal.

Und besonders… äh, ja… lest selbst:

Es ist schier unmöglich den Kreischgören zu entfliehen. In den Ferienmonaten sowieso nicht. In der Nebensaison wird man von der Altersgruppe 0-5 gequält, deren Eltern mit Ohren Blagen meinen sie Urlaubsorte zu bevölkern und zwar in den Urlaubsländern. Nord- und Ostsee dafür nicht gut genug.

Was ich da rauslese – ist neben hochgradigem Arschnasentum – das Verbot, sich zu beklagen. Das ist irgendwie sozial unerwünscht. (Ein ähnliches Phänomen kann man z.B. im Kommentarbereich eines Artikels zum Thema Bachelorarbeit lesen.) Leute, die darüber schreiben, was ihnen in ihrem Leben Probleme macht, werden als Heulsusen abgestempelt. Man soll sich mal nicht so anstellen. Früher war es ja viel härter und andere haben echte Probleme, also soll man doch bitteschön mal den Rand halten. Und irgendein Teil in mir blafft mir genau das ins Gesicht, wenn das „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr“-Lamento losgeht. Ich habe eine ganze Troll-Kommentatoren-Elite in meinem Kopf! Ich fühle mich schuldig, weil ich nicht stärker bin, nicht einfach durchziehe, nicht souveräner bin. Und ich fühle mich schuldig, weil ich mich schuldig fühle. Ich habe das Gefühl, kein Recht dazu zu haben, die Dinge anstrengend zu finden, weil sie im Vergleich so nichtig sind.

Ich weiß gar nicht, welchen Maßstab ich da anlege….. Ey! Inside! Wann wäre denn ein „sich schlecht fühlen“ genehmigt? Wehen und Geburt zum Beispiel? Das war schon – quasi objektiv – hart und schmerzhaft. Und da hast du auch nicht rumgenervt, mit deinen Vorwürfen und deinem Runtergemache. (Obwohl das Arschnasentum wahrscheinlich selbst in dem Bereich noch was anzumelden hätte – früher gab‘ schließlich auch keine PDA und überhaupt…) Also muss es offensichtlich schon zumindest existenziell sein, damit der Antrag auf Lamento von meinem inneren Verwaltungssystem durchgewunken wird. Arschloch-Ich, echt.

Ich komme mit mir selbst nicht überein. Wie stehe ich nun zum „Lamentieren“? Sollte ich mich mehr zusammenreißen, Zähne zusammenbeißen, die Dinge für mich behalten? Ist es anmaßend, sich schlecht zu fühlen, wenn es einem insgesamt aber immernoch so viel besser geht als so vielen Anderen? Ich will dieses Vergleichen nicht! Das ist doch sinnlos. Aber es passiert mir trotzdem immer wieder, ist ein Selbstläufer.

Ich erinnere mich, dass ich diesen Blog angefangen hatte zu schreiben, weil es mich echt deprimierte nur von Eltern zu lesen, die das ganze Elternsein scheinbar mit links wuppen. Ich hab mein Arschloch-Ich überwunden, das mir auch da flüsterte: „Alter, worüber beschwerst du dich eigentlich? Alle Menschen kriegen Kinder, das ist das normalste der Welt. Komm mal klar!“, weil ich zeigen wollte (und dafür eintreten wollte!), dass es auch Menschen gibt, denen das alles nicht so leicht fällt. Mir fällt das ganze scheiß Leben nicht leicht, ich finde es total anstrengend, Mensch zu sein. Und irgendwie finde ich es nicht richtig, immer preußisch die Zähne zusammenzubeißen, „das Unbehagen der Kultur“ (Freud) runterzuschlucken, hinzunehmen, weiterzumachen. Die Impulse – das Erschöpftsein, der Ärger, die Wut, die Traurigkeit, die Aggression – verschwinden ja wahrscheinlich nicht einfach, wenn man sie wegdrückt. Vielleicht lagern sie sich irgendwo in einem ab und bilden Geschwüre. Indem man solche Gefühle zulässt und äußert, betreibt man irgendwie auch aktiv Abbau, Seelenhygiene, quasi. Es wäre vielleicht schön, wenn ich positiver wär und ich arbeite dran, irgendwie. Aber ich kann die Gefühle und Gedanken nicht einfach löschen. Ein anderer Teil in mir findet es nach wie vor auch gut, ehrlich zu zeigen, dass es nicht nur honigkuchige Einhornmenschen gibt, die alles immer super-dufte finden oder knallharte Durchzieher, die mit allem super zurechtkommen. Und wenn’s nur dazu gut ist, dass sich die anderen Esel und Heulsusen da draußen nicht ganz so allein fühlen. Und für meine Seelenhygiene.

Viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel

Seit Beginn des Jahres bin entweder ich krank oder eines der Kinder ist es.

Die Bilanz im Mai?

  • 4 grippale Infekte bei P.
  • 1x Krankenhaus mit Impetigo Contagiosa (P.)
  • 1,5x Scharlach (P. / ich)
  • 4 grippale Infekte bei T. (natürlich stets zeitlich versetzt zu P., nicht etwas zeitgleich)
  • 3-5 grippale Infekte (ich)
  • 4x Brustentzündung (ich)
  • 1x Seitenstrangangina-Bindehautentzündung-Superinfektion (ich)

Hm. Es reicht dann jetzt auch mal damit, finde ich. Ich habe inzwischen eine gewisse Panik vor Bakterien und Viren entwickelt. Ich bekomme innerliche Heulkrämpfe, wenn eines der Kinder Krankheitssymptome zeigt.

Ja, ich jammere. Es zerrt echt an den Nerven, wenn nicht einmal der stinknormale Alltag – den ich leider ohnehin schon als ziemlich fordernd empfinde – einfach so läuft, sondern man andauernd damit beschäftigt ist, Schadensbegrenzung zu betreiben. Der Ausnahmezustand wird so langsam zur Routine. Nur noch irgendwie auf den Beinen halten, irgendwie den Tag überstehen, irgendwie durchhalten, irgendwie weitermachen… Das ist einfach ziemlich ätzend und macht einen mürbe. „Vorm Spiegel denkt man: „Das ist dein Gesicht?“ Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln!“ (Kästner) Ich kriege zum Teil kaum noch einen klaren Gedanken zusammen. 

Eine eigentlich gar nicht so unkomplizierte mündliche Prüfung für den Abschluss des letzten Wintersemesters habe ich bereits drei Mal verschieben müssen. Zum Einführungsseminar meiner Stiftung konnte ich nicht fahren. Die drei Male, an denen ich mir ernsthaft vorgenommen hatte, nach Einbruch der Dunkelzeit mit Freunden auszugehen – Jaha, ich meine im DUNKELN! -, sind ins (Wund-)Wasser gefallen. Jetzt nehme ich mir sowas einfach nicht mehr vor. Es frustriert mich zu sehr. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, jemals wieder tatsächlich irgendetwas tun zu können. Planen zu können. Etwas vorhaben.

Um genau zu sein nehme ich mir im Moment gar nichts „Privates“ mehr vor. Eine Kommilitonin fragte mich heute, wann ich mein Ehrenamt noch machen würde, neben den zwei Kindern und Pendelei zum Studium. „Ich weiß es nicht.“ hab ich gesagt und daran gedacht, dass das letzte Treffen der Initiative inzwischen schon viel zu lange her ist. „Und wann machst du den Kram für die Uni? Texte lesen und so?“ – „Ich weiß es nicht, ich mach es wohl kaum.“ habe ich gesagt. „Und was ist mit deinen privaten Sachen? Hobbys und so?“ – „Welche privaten Sachen? Welche Hobbys?“ habe ich gefragt. „Und dann hast du ja auch noch die Fahrten.“ – „Das ist für mich Erholung. Niemand will etwas von mir, niemand fragt mich was. Ich kann 45 Minuten lang zwei Mal am Tag einfach nur hier sitzen und tun was ich will. Es ist herrlich!“ Mein Pendeln, mein Kleinod. Der Zug ist meine Insel. Und es kotzt mich an, wenn der voll mit quatschenden Dumpfköppen ist. Ich will… Ich muss… dann meine Ruhe haben. Manchmal wünschte ich, ich könnte noch zwei Stunden weiterfahren. An den Uni-Tagen bin ich abends auch tatsächlich viel entspannter und kann gelassen Zeit mit den Kindern verbringen, trotz all der Müdigkeit.

Was soll man tun, wenn man merkt, dass alles zu viel ist? Dass man es eigentlich nicht schafft? Ich merke das gerade ziemlich deutlich. Unser Alltag ist so knapp auf Kante genäht, dass die Krankheiten einfach zu viel des Schlechten sind. Der Alltag wird dadurch gesprengt, nichts läuft mehr, alles fühlt sich nur noch schlimm an… Und wir versuchen, für die Kinder, das alles zu retten… Uns bei Laune zu halten. Es klappt noch so halbwegs für die Kinder, aber für uns klappt es nur mehr schlecht als recht. Innerlich sind wir dermaßen angespannt… Wir sind wie pfeifende Tee-Kessel, jederzeit kurz vorm Explodieren. Weil. Es. Zu. Viel. Ist. Wir führen die alten Sinnlosdiskussionen darüber, wessen Tag anstrengender war. Wer eine Pause dringender nötig hätte. Wer sich wann welche (Mini-Mini-)“Auszeiten“ genommen hat. Wer wann dringender Zeit ohne die Kinder braucht.

Ich habe vor einigen Tagen in irgendeinem Elternblog gelesen, dass das betreffende Elternpaar sich darüber streiten würde, wer mehr Zeit mit den Kindern verbringen darf. Ich wäre fast in Tränen ausgebrochen. Mein schlechtes Gewissen diesbezüglich ist unglaublich aufgebläht… Der Teufel schreit: „Dann hättet ihr euch keine Kinder zulegen dürfen!“

SCHEISSE JA, ICH FINDE ES VIEL ZU OFT VIEL ZU ANSTRENGEND, KINDER ZU HABEN!

Und ich hasse es mich wirklich dafür, so zu empfinden. Und ich bin täglich dran, mir beizubringen, es anders zu sehen, es anders wahrzunehmen, nicht so zu denken, zu genießen oder wenigstens weniger zu hadern, die Anstrengung als gegeben hinzunehmen und nicht zu verfluchen. Aber es klappt nicht. Ich empfinde es ständig als anstrengend und ich hasse es, so zu empfinden. Ich will keine zerknirschte Alte sein. Ich will nicht zu den typischen „Es ist alles so anstrengend“-Lamentierern gehören. Und ich mache K. die Hölle heiß, weil er sich ständig beklagt, wie anstrengend alles ist, weil ich in den Momenten meine eigenen Gedanken und Empfindungen gespiegelt sehe und es einfach nicht ertragen kann. Es muss doch wenigstens einer von uns das anders sehen… Es geht doch nicht, dass wir beide…

Ich finde die Ansichten und Gedanken von Jesper Juul ja toll, aber ich kriege es nicht hin, dieses Mantra. Wir sind zu oft zu fertig, zu müde, zu abgeschlafft… Das abendliche Bad-Ritual wird fast täglich zur Zerreißprobe. P. wehrt sich gegen alles, was sein muss. T. an-/auszuziehen gleich tatsächlich dem Versuch, einen lebenden Kraken so in ein Einkaufsnetz zu verfrachten, dass keine Arme heraushängen. Wir hängen im Bad und wollen einfach nur fertig sein, mit dem Tag, weil wir einfach fertig sind, mit der Welt.

Und K. hilft wirklich viel mit. Und meine Eltern nehmen ab, was sie können. Und ich lese und denke mir schlaue Sichtweisen an. Und ich habe Freunde mit Kindern, die ich regelmäßig treffe. Und nicht zuletzt liebe ich meine Kinder. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich kaputt spielen es mich einfach kaputt macht. Dass ich nicht dafür gemacht bin. Dass ich noch hätte warten sollen. Dass es vielleicht eigentlich nicht mein Ding ist, Mutter zu sein. Das ständige da sein. Die ständige Verantwortung. Diese andauernde Reagieren müssen. Das stark sein müssen, kaum mal schwach sein können.

Als ich letzte Woche hier fiebernd vor mich hin starb wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einfach nochmal selber klein zu sein und Eltern nebenan zu haben, die einem Tee und einen Marmeladentoast ans Bett bringen und ansonsten alle Anstrengungen von einem fernhalten. Stattdessen saß ich heulend mit 39,8 Fieber vor meinem kleinen Sohn, der auch heulte und ich dachte, dass genau jetzt der Moment gekommen ist, an dem ich es nicht mehr packe, an dem ich einfach aufgeben muss. Ich habe mich unglaublich hilflos gefühlt. Und schlecht auch… Weil ich das Gefühl hatte, dass ich als Mutter einfach nicht das Recht habe, „mich so aufzuführen“. Dass ich mich zusammenreißen muss. Und ich war nicht einmal sicher, ob ich mich nicht tatsächlich auch zusammenreißen könnte… Ging es mir wirklich so schlecht? War da noch Luft nach oben/unten? Es gibt schließlich Mütter mit mehr Kindern und weniger Unterstützung von Partner / Familie, die müssen ja auch… Scheiß Vergleichereimistkack halt.

Nun ja. Ich habe mich zusammengerissen, soweit es ging. Musste ja. Und nun geht es mir besser. Und den Nachmittag und Abend – nach der Uni – heute mit den Kindern fand ich sogar ziemlich schön. Ich habe mir überlegt, mir das Mantra „Meine Kinder sind meine Entspannung“ einzubläuen. Die Idee: Umetikettierung! Statt „Scheiße, am Wochenende bin ich allein mit beiden Kindern“ versuchen anders zu denken. Dem Gefühl auf die Sprünge helfen… Ich will das Kinderhaben einfach nicht ständig vorrangig anstrengend finden. Will ich nicht, echt nicht. Das muss doch irgendwie machbar sein.

 

Impetigo Contagiosa

P ist über den Damm. Seit Montag Mittag sind wir wieder Zuhause.

staphylokokken auge schmierinfektion
Das, was sie hatte, schimpft sich impetigo contagiosa. Auf dem Bild seht ihr den Zustand im Krankhaus (Tag 2).

Eigentlich ist das relativ harmlos und soll wohl normalerweise gut mit Salbe zu behandeln sein. Bei P. waren aber die Augen besiedelt. Da hier einerseits die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden können und vor allem hinter den Augen Nerven langgehen, die direkt ins Hirn führen, wurde uns nahegelegt, sie stationär aufnehmen zu lassen. Deshalb hat sie eine Woche lang Antiobiotikum (Cefuroxim?) intravenös und Augentropfen (Floxal) bekommen. Inzwischen hat sich der Schorf gelöst und die Haut darunter ist gesund… Montag darf sie wieder in die Kita.

Eine zeitlang stand Herpes im Raum, das wurde aber per Abstrich ausgeschlossen.

Die Woche war natürlich für uns alle ziemlich stressig… P. durfte das Zimmer nicht verlassen – weil halt Herpes so lange im Raum stand und das Zeug wohl sehr ansteckend ist. Sie durfte nicht ins Spielzimmer, sich nichtmal beim Essenholen anstellen, gar nichts. Erklärt das Mal einer Dreijährigen. Sie hat das alles aber echt tapfer mitgemacht… 2-3-stündlich Augentropfen. 5x am Tag Antibiotikum, d.h. eine halbe Stunde im Bett bleiben. Zweimal neuer Zugang. K. hat im Krankenhaus geschlafen, war tagsüber arbeiten und ich mit dem Kleinen dann im Krankenhaus (der hat zum Glück nix abbekommen). Zum Glück (!) hatten wir sehr viel Hilfe von meiner Familie, die im Schichtdienst angetreten sind, damit wir nicht allein dastehen. Hammer!

Mein unbedingter Tipp nach der Sache ist: Wenn Kinder eine offene Stelle haben – (und sei sie noch so winzig! Es war bei P. am Anfang wirklich nur ein Pickel auf der Nase) – dann heißt es:  Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen und darauf achten, dass die das nicht aufknibbeln / dran rumspielen. Am besten Pflaster drauf oder direkt beim Öfnnen eine antibiotische Salbe drauf geben. Vielleicht auch die Hände ab und zu desinfizieren. Das kann sonst – im wahrsten Sinne des Wortes – ins Auge gehen! Und einige Tage hatte ich echt Angst.

Das „Gute“ an der Sache?

Über die Woche habe ich meinen achsoöden Alltag echt schätzen gelernt UND ich bin mittlerweile fit darin, mit beiden Kindern allein gut klarzukommen. Wenn man erstmal ’ne Woche mit einer Dreijährigen in quasi-Isolationshaft verbracht hat, dann kommt einem die eigene Wohnung und Freiheit vor wie das Paradies.

Auch gut zu spüren: Bei aller fehlenden Resilienz unsererseits: In Krisen klappen wir Eltern als Team doch gut. Und: Familiäres Backup = Top!

Am Rande des…

Ich habe gerade – wie erwähnt – dank Antibiotikum meine 5. Brüstentzündung seit T.s Geburt halbwegs überstanden.

K. hat hustet-würgt-rotzt grippal vor sich hin und fühlt sich wie zertreten.

T. hat Fieber, Schnupfen und bellenden Reizhusten.

P. hat – neben dem obligatorischen grippalen Infekt – … ja, was eigentlich? Es fing an, mit einer ganzganz kleinen offenen Stelle auf dem Nasenrücken. Die wurde langsam größer, wahrscheinlich hat P. auch daran rumgefummelt… Einige Tage danach: Verschiedene kleine Pickelchen in ihrem Gesicht. Am Donnerstag plötzlich: Rötung und Schwellung des linken Augenlids, mit kleinen weißen Punkten drauf. Am nächsten Tag: Vereiterung/fast zugeschwollenes Auge. Sieht total fies aus. Ärztin. „Schmierinfektion“ sagt die. Streptokokken, sei nichts ungewöhnliches. Antibiotische Salbe verschrieben. Heute: Die Stelle auf der Nase ist doppelt so groß. Das Auge komplett zugeschwollen, tränt/eitert. Haut auf dem Augenlid ist offen… P. ist den dritten Tag in Folge einfach eingeschlafen beim Vorlesen – passiert sonst NIE!

Was ist das nur???

Es steht eine scheiß-harte Woche an. K. arbeitet. P. kann natürlich nicht in die Kita. Wir müssen das hinbekommen. Ich mache mir schreckliche Sorgen… Und fühle mich hoffnungslos überfordert.

Worst-Case-Szenario.

Oh toll… Mastitis.

(T. ist 3 Wochen + 1 Tag alt.)

Klar, nach der Schwangerschaft mit all ihrem Wasser, den Schmerzen am Iliosakralgelenk, den Plattfüßen, der Kieferhöhlenentzündung im Juni, den Nierenkoliken, dem Nierenstau, den Harnwegs- und den grippalen Infekten, der Hypernervosität meinerseits, der 10 Stunden-Geburt und der Nierenstein-Operation eine Woche später wäre es ja auch echt viel zu langweilig, wenn jetzt alles okay wäre.

Seit einer Woche habe ich Schmerzen in der Brust. Also eigentlich gingen sie direkt über von den „normalen“ anfänglichen Schmerzen beim Stillen in das jetzt. Seit einer Woche ist es links ziemlich unerträglich, weil total druckempfindlich und Aua… Ich könnte Heulen vorm Stillen, weil ich weiß, dass jetzt wieder dieser scheiß-fiese Schmerz kommt. Zuerst dachte ich an einen Milchstau. Es fühlt sich an, wie ein großer blauer Fleck. Ich kann keine Knötchen oder so tasten. Sie ist auch nicht sonderlich rot oder geschwollen, obwohl sie deutlich größer als die andere ist und auch deutlich schneller „überläuft“. Nach dem Trinken ist sie weich, keine Verhärtungen. Das war komisch. Ich hab alles probiert, was man so rät in dieser Situation: Gut sitzender BH, Wärmen vor dem Stillen, Kühlen nach dem Stillen, Arnica, Retterspitz-Umschläge, Quarkwickel, Massieren/Ausstreichen unter der Dusche. Nichts hilft. Gestern waren die Schmerzen durchgehend da und so fies, dass ich vorm Schlafen eine Ibupofen einwerfen musste.

Heute Vormittag also zur Gyn. Die guckte sich Brust nur kurz an, zeigt auf das kleine, feine Adersystem, das rund um die Brustwarze deutlich zu erkennen ist und diagnostiziert: Brustentzündung. „Das wird durch Bakterien aus dem Mund des Kindes ausgelöst, die durch feine Risse in der Brustwarze in die Brust gelangen und dort eine Entzündung auslösen.“ Und weil ich ja ein Immunsuppressivum nehme, ist das wohl kein Wunder und sollte auch schleunigst behandelt werden. Mit… Ratet mal? Aaaaaaantibiotikum! Welche Freude! Hatte ich ja schon seit ganzen 2 Wochen nicht mehr.  *ironie off*

Mal ehrlich: DAS IST DOCH SCHEISSE!  Nach wie vor ist mein Kopf eigentlich relativ entspannt und ich bin ziemlich ausgeglichen. Trotz der nervigen Schwangerschaft, der anstrengenden Geburt und dem ganzen Krankheitsätz.. Ich hab ’nen Stress-Darm, ich erkenne sofort, wenn ich gestresst bin… Und im Moment bin ich es eiiiigentlich nicht. Warum kann mein gottverdammter Körper eigentlich nicht einfach mal auch einen Moment lang… … … zufrieden sein und mich in Ruhe lassen?? WARUM MUSS ICH EIGENTLICH DAUERND SCHMERZEN HABEN??? Das ist doch echt nicht mehr feierlich… Und irgendwie ist es auch echt nicht fair, finde ich. Und es geht dermaßen an die Substanz… so auf Dauer.

Den Uni-Beginn nächste Woche hab ich jetzt für mich erstmal gecancellt und hoffe, dass die Profs Verständnis für meine missliche Lage haben und ich so 2-3 Wochen Schonfrist rausholen kann.

Langsam kann ich den Blog umtaufen, glaub ich. Mittlerweile geht’s ja hier mehr um meine Krankheiten als um meine Gedanken *seufz* Ach Menno :-(

Nierenstein-OP :-( Schon wieder Krankenhaus

Ach ja, auch hier nochmal der Vollständigkeit halber: Ich war die letzten Tage nochmal mit T. im Krankenhaus…

Der Nierenstau, der in der 38. Woche festgestellt wurde und wegen dem ich schon da für 2-3 Tage im Krankenhaus lag, wurde nämlich doch nicht vom drückenden T. verursacht. Sondern von einem Stein! Da der 1,5 cm groß war und den Harnleiter verschlossen hatte, musste ich direkt operiert werden… Am Dienstag kam’s raus, am Mittwoch sollte schon die OP stattfinden. Ich bin zur Urologin gegangen, weil ich am Montag plötzlich wieder so fiese Nierenschmerzen hatte, dass ich beim Laufen vor Schmerzen heulen musste.

Puh! Ich fand das alles echt scheiße und ungerecht… Hab mir vor allem Sorgen um P. gemacht, die ja schon mit meinem ersten Krankenhaus-Aufenthalt Probleme hatte und wegen der ich den zweiten (nach der Geburt von T.) extra kurz gehalten habe. Aber das lies sich nun nicht ändern…

T. und ich sind also am Mittwoch wieder auf die Wöchnerinnen-Station gezogen *seufz* Als wäre es einfach unmöglich, sich davor zu drücken… Das Team begrüßte mich wie eine alte Bekannte. Irgendwie frustrierend. Insgesamt hab ich nun 6 Nächte dort verbracht. Ich wurde Mittwoch gegen 13:00 operiert, zum Glück unter Vollnarkose! Ich hatte echt Angst, dass die mich nur örtlich betäuben wollen. T. bekam dann Pre-Nahrung von K. – Zeit für’s Abpumpen war leider nicht mehr und eine Milchladung musste ich verwerfen nach der Propofol-Narkose. Der Stein konnte zum Glück komplett entfernt werden (Endoskopisch gesucht und zertrümmert). Hurra! Das Schlimmste war der riesige Kathether, den sie mir gelegt haben und der mich komplett (!) lahm gelegt hat… Ich konnte T. nicht allein aus dem Bett heben, nicht wickeln und mich kaum bewegen. Toll! Doch noch eine quasi-Kaiserschnitt-Erfahrung. Wir nehmen halt irgendwie alles mit…

Bis heute – Freitag – mussten wir drin bleiben. Die OP ist aber wirklich sehr gut verlaufen und weil meine Harnleiter gut ausgesehen haben, hat mir der Doc noch nicht einmal so ne beknackte Doppel J-Schiene eingesetzt. Davor hatte ich wirklich Angst, weil ich von so vielen schlechten Erfahrungen damit gelesen hatte… Alles gut soweit also. Auch mit P. Dadurch dass der Krankenhaus-Aufenthalt viel kürzer als befürchtet war, hat P. einfach 2 schöne Tage mit ihrer Omi verbracht und von dem Mist gar nichts mitbekommen. Glück im Unglück irgendwie.

Jetzt hoffe ich einfach, dass wir endlich mal ankommen dürfen, die Nierenstauung zurückgeht und mein Körper mich und meine Familie jetzt erst einmal eine Weile in Ruhe lässt. Es nervt nämlich. Und eigentlich habe ich gerade weder Zeit noch Lust, genervt zu sein. Eigentlich bin ich nämlich nach wie vor ganz schön glücklich.

Wenn schon Kacke, dann aber…

Ist doch nicht zu fassen!

Nicht nur, dass ich krank bin, die letzte Woche nicht arbeiten konnte, P. die letzten Tage ebenfalls kränkelte, nachts nicht schlief, K. seine Dienste abgeben musste, aber auch selbst mit den Nerven fertig ist und mir deshalb nicht so viel abnimmt, wie ich es gern hätte… Wir sind ALLE total kaputt.

Neeeeeeeein! Das wäre eindeutig zu einfach.

Gestern durfte ich dann feststellen, dass mir mein (8 Monate altes, einzelangefertigtes tolles neues Lieblings-)Fahrrad geklaut wurde. Ich hab’s sonst IMMER in den Keller gebracht. Am Dienstag nach dem Einkaufen habe ich es mit Tüten und meinem Krank-Zustand aber nicht geschafft und dann vergessen, dass ich es noch runterbringen wollte. Ich hab das verdammte Fahrrad tatsächlich zu ALLERERSTEN Mal über Nacht im eingezäunten Hof an die Fahrradständer angeschlossen – mit einem dicken, fetten STAHL-SCHLOSS. Und jetzt ist es weg. (Hab ich nicht letztens erst darüber gegrübelt, warum so viele Menschen so niederträchtig sind?)

Aber niiiiiicht, dass das reichen würde.

Wir waren heute noch einmal beim Kinderarzt und das P. hat: Mittelohrentzündung. Das heißt, es gibt jetzt Antibiotika. Das heißt, es geht nächste Woche nicht in die Krippe. Das heißt, ich bin eine weitere Woche alleine mit einem quängelnden, schreienden, brüllenden Kleinkind Zuhause. Das heißt, ich kann eine weitere Woche nicht arbeiten. Das heißt, ich werde demnächst auswandern.

Könnt ihr mir bitte bitte bitte alle Geheimtipps verraten, wie man – vor allem wenn man a) selber krank und b) innerlich total gestresst ist, weil man sein Arbeitspensum als Freiberuflerin nicht einmal annähernd schafft – ein 1,5-jähriges dauerkrankes, nölendes, schreiendes Kind erträgt?

Versteht mich nicht falsch! Sie tut mir wahnsinnig leid, man merkt ja richtig, dass es ihr nicht gut geht. Sie ruft nachts nach mir und ich hole sie in unser Bett. Sie wacht früh auf und weint, lässt sich nicht beruhigen. Das kenne ich gar nicht von ihr! Ich versuche wirklich ihr gerecht zu werden, sie zu beschäftigen, abzulenken, mit ihr zu spielen…  kuschele viel mit ihr oder halte sie einfach nur fest, wenn sie weint… Aber… Oh Mann! Ich finde es wirklich wahnsinnig anstrengend… Sie will wirklich jede Sekunde etwas anderes, weiß aber oft selbst nicht, was sie eigentlich möchte oder sie will unmögliches. Ich hab aber gerade einfach nicht die Kraft die ganze Zeit zu springen, hin und her, hier und da… Dann fängt sie sofort an zu brüllen, zu schreien, zu weinen, zu ningeln, wenn ihrer Forderungen nicht sofort Folge geleistet wird. Meine Ohren klingeln, mein Kopf pulsiert…

Ich weiß nicht, wie oft K. und ich in den letzten Tag gedacht und/oder gesagt haben: „Ich halte es nicht mehr aus!!!“ Was macht man denn, wenn man es mal WIRKLICH (kurzfristig) nicht mehr aushält? Dafür gibt es einfach keinen Plan, oder?

*seufz*

DasGehtVorbeiDasGehtVorbeiDasGehtVorbeiDasGehtVorbei….

Land unter!

(Jammer!)

Wir haben unser Osterwochenende in Berlin gut überstanden und den Kopf fein frei gekriegt. Am Sonntag hatte ich schon tierische Halsschmerzen und böse Befürchtungen, weil: Unsere Gastgeberfamilie war auch krank. Wir folgten also.

Ostermontag-Nachmittag haben wir uns dann vermutlich im (vollkommen überbuchten) Inter Connex von Berlin nach L. den Rest geholt und siechen nun vor uns hin.

Ich fühle mich total kacke. Hals weh, Husten weh, Nase weg, Kopf weh und ich leide wie es sonst nur Kerle können (ist das jetzt sexistisch bzw. gender-mäßig ungut? Wahrscheinlich… Aber dafür wisst ihr sicher, was ich damit meine…).

Gestern Abend hatte das P. dann auch noch fast 40 Fieber, das hielt die ganze Nacht. Sie hat de facto NICHT geschlafen und wir waren heute Morgen dementsprechend durch. K. hat seine Dienste abgeben müssen, weil ich (Loser, ich) es nicht hinbekomme, mich in meinem Zustand „adäquat“ um mein Kind zu kümmern. Ich will einfach meine Ruhe. Durch die abgegebenen Dienste fehlt dementsprechend nicht nur mein, sondern auch sein Einkommen für eine ganze Woche. Hoch lebe die Freiberuflichkeit!

Aber immerhin hat er mal seine Dienste abgeben… ICH finde zwar, dass er ein ziemlich großes Drama daraus macht (für jemanden, der quasi NIE „krank macht“ im Gegensatz zu seinen Kolleg_inn_en), aber: er nimmt mir das kränkelnde Kind ab.

Sonst hier das grippale Standard-Programm: Viel trinken, viel Ruhe, viel Schlaf, Paracetamol-Zäpfchen für P., -Tabletten für mich, erstmals Nurofen-Saft für sie. Und dann wird das wieder. Hoffentlich. Das Wochenende habe ich allerdings allein mit Kind vor mir. Ich bete, dass es mir bis dahin besser geht.

(Zusatz)

Da er sich um die Kleine kümmert, komme ich neben meinem Leiden zu diversen Dingen, die man sonst im Kleinkindalltag gar nicht erst versucht: Lesen, Denken und Schreiben. (Ja! Ich fühle mich schlecht dabei! Zum LesenSchreibenDenken reicht’s, aber um das Kind zu bespaßen nicht…)

Worüber ich dabei so nachdenke, suppe ich mal im nächsten Post.

Ringelröteln!

Aha, das Kind hatte also am Wochenende Ringelröteln. Ist ja gut zu wissen. Jedenfalls hat das die EZ1 vermutet, deren Tochter am Wochenende ebenfalls welche hatte.

Symptome?

– Fieber (muss wohl aber nicht) – das P. hatte bis 39.6 °C

– KNALLrote Wangen, schmetterlingsförmige Rötung – P. hatte knallerote, ganz raue Wangen

– Hautausschlag / Frieseln / Pusteln –  bei P. kleine (Hitze?-)Frieseln überall

– Erkältungssymptome – jupp. Verrotzt und schleimiger Husten

– Gliederschmerzen – möglich. Das kann sie mir ja schlecht sagen

 

Wird wohl auch als „die fünfte Kinderkrankheit“ bezeichnet. Das scheint aber nicht weiter schlimm zu sein – es ist nur super ansteckend, kündigt sich überhaupt nicht an, ist 1-3 Tage da und dann wieder vorbei. Schwangere sollten aber aufpassen, weil die Viren Schäden beim Ungeborenen verursachen könnten!

Wahrscheinlich haben wir das fast alle gehabt, wir wissen es nur nicht ;)

Den Link zum Thema fand ich ganz hilfreich. Das Bild haut aber nicht hin… Bemüht dafür lieber die Go.gle-Bildersuche zum Thema „Ringelröteln“.

 

Morgen beginnt übrigens das Experiment „Mittagsschlaf“ in der KiTa – ab morgen also wird das P. zum ersten Mal fast 5 Stunden in der KiTa sein! Ich bin seeeeehr gespannt, ob die sie dort zum schlafen bekommen…