„Meine Kinder sind so anstrengend!“ (?)

Ich arbeite an einem Text für die Uni. Die Zeit rennt. Ich muss los. 16:00 Uhr muss ich die Kinder von der Kita abholen. Ich spüre Stress. Ich spüre Widerstand. Und ich spüre Unlust.

Sie sind 3 und 6. Menschen, die mit Kindern in dieser Altersspanne und insbesondere in der Kombination zu tun haben, werden vermutlich wissen, was das bedeutet… Es kann irre anstrengend sein, sie in diesem Alter zu begleiten. Sie sind unfassbar laut, so gut wie immer und überall. Egal wie klein oder voll der Raum ist. Sie streiten sich, sie schlagen sich, sie haben unendlich viel Energie… Dazu kommt das, was ich „Übergangssensibilität“ nennen will. Nach der Kita brauchen sie zum Beispiel eine gewissen Zeit, um sich „umzugewöhnen“: Es kommt mir vor, als müssten viele, über den Tag angestaute, weil vielleicht runtergeschluckte Frustrationen nun, da die Hafenwärterin (*zeigt auf sich selbst*) am Start ist Stück für Stück – oder alle auf einmal – herausventiliert werden. Weinen, schreien, empfindsam sein. Sie gehen auf mich los, sie gehen aufeinander los und vor allem strömt ein tosender Fluss an Wollen auf mich ein. Ein Wollen, für das in der Kita mit 200 anderen Kindern kein oder nur wenig Platz zu sein scheint und für das jetzt ausschließlich ich verantwortlich oder zumindest Ansprechpartnerin bin. Auf das ich reagieren muss. Ich, die ich auch meist einen vollen Tag voller Denk- und Kommunikationsarbeit hinter mir habe und es oft nicht schaffe, mit Gedanken, Wünschen, Bedürfnissen bei ihnen zu sein. Nicht selten überfordert mich das maßlos. Denn irgendwie geht’s mir ja gar nicht so anders als ihnen. Ich bin auch überreizt. Nur sehne ich mich statt nach Action nach Pause, nach Auszeit, Freiraum und Selbstbestimmung.

In einem Gefühlszug damit rammt mich mein schlechtes Gewissen:

„Wie kannst du nur? Es sind DEINE KINDER! DU hast dich dafür entschieden, sie auszutragen! Man muss sich vorher überlegen, ob man bereit ist, die Anstrengungen der Elternschaft zu tragen! Was meinst du, wie es deinen Kindern damit geht, dass du keinen Bock auf sie hast?“

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man Kind ist und Kopf und Körper der Eltern zu fertig, zu überlastet sind. Am Nachmittag, Abend, Wochenende – eigentlich gefühlt fast immer – keine Kapazität für das haben, was Kinder an Belastung für ihre primären Bezugspersonen nun einmal bedeuten: Verfügbar sein, ansprechbar sein, Bedürfnisse sehen und begleiten, Wünsche erfüllen, diskutieren, sich einlassen, persönliche Grenzen klar machen, dabei die eigenen Altlasten reflektieren statt ausagieren – in jedem Fall: reagieren, reagieren, reagieren müssen. Manchmal ist das einfach zu viel verlangt.

Also versuche ich zu atmen, versuche zu begleiten, versuche mich nicht triggern zu lassen, heftige Emotionsäußerungen nicht zu beurteilen und da – präsent – zu sein. Je nach Tagesform gelingt mir das mal mehr… und oft eher weniger.

Da sind wir nun also. Allesamt fertig von unseren vollen Arbeitstagen. Denn klar: Auch ein Tag in der Kita ist Arbeit, ist anstrengend, ist voller Input und Regulation, voller Reagieren, sich zurücknehmen, Regeln einhalten, Rücksicht nehmen müssen – kurz: Voll Sozialität. Und die geht nun einmal nicht auf in dem, was der einzelne Mensch will. Und gerade nicht, wenn es sich dabei um junge Menschen handelt, deren Bedürfnisse und Wünsche häufig nicht nur anklopfen, sondern sich stürmend und ununterdrückbar ihren Weg nach außen zu erstürmen versuchen.

Da bin ich nun also. Mit meinem großen Rucksack an Altlasten, an Triggerpunkten, die durch meine Kinder so heftig gereizt werden, wie sonst nur in Beziehung zu meinem Partner.

Und ich weiß, dass es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit wäre (und ist), scheiße, genervt, ungerecht, gereizt gegenüber Kindern zu sein, einfach weil sie sich „altersgemäß“ verhalten. Wir Erwachsenen erwarten – oder wünschen – ständig zu viel von ihnen: „Sei doch mal nicht so laut!“, „Hör doch mal auf, so rumzuzappeln die ganze Zeit!“, „Musst du bei jeder kleinen Sache gleich so rumschreien?“, „Hör doch mal auf, deinen Bruder zu provozieren!“, „Nein, du kannst jetzt nicht…“, „Nein, wir können jetzt jetzt nicht…“, „Musst du immer…?“, „Kannst du nicht einfach mal…?“

Dabei müssen Kinder – in einer rational eingerichteten Welt – eigentlich „nerven“. 1. Steht ihr kindliches Sein so ziemlich allem, was eine rational geprägte Erwachsenensicht ausmacht, entgegen. Und damit unseren Routinen, Gewohnheiten und Erwartungen. Und nicht zuletzt: Unserer Bequemlichkeit. 2. bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als lautstark auf sich aufmerksam zu machen. Sonst laufen sie ja – angesichts des Machtgefälles zwischen Kindern und Erwachsenen in einer adultistischen Welt – ständig Gefahr, dass ihre Bedürfnisse – dass sie – übersehen werden. Mir kommt es manchmal so vor als würde es im Leben eines Heranwachsenden eigentlich ständig darum gehen, die eigene Stellung zu behaupten. „Ich bin wichtig! Übersieh mich nicht!“ Und das ist vollkommen verständlich! Es ist nicht fair, sie dafür verantwortlich zu machen, sie dafür schuldig zu sprechen und unsere Erwachsenenüberforderung ungebremst und unreflektiert an ihnen auszuagieren. Soweit der Verstand. Aha, aha… Got it!

ABER: Es verlangt mir so irre viel ab! Die Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle und Selbstdisziplin, die dazu nötig ist, muss man erst einmal leisten können. Besonders dann, wenn man eh schon überfordert ist…

Nun könnte man natürlich entgegnen – und nicht wenige tun das -, dass die Erwachsenen die Verantwortung zu tragen hätten. Dass man sich das – Hallo innere Stimme! – halt vorher überlegen müsse, bevor man „Kinder in die Welt setzt“. „Das weiß man doch!“ Ganz ehrlich? Ich wusste es nicht. Ich hab es so nicht kommen sehen. Ich wusste nicht, worauf ich mich da wirklich einlasse. Was es bedeutet als Eltern mit Kindern seine Tage zu bestreiten. Ich wusste nicht, wie das für mich sein würde, wie ich drauf sein würde, wie ich klarkommen würde. Und ich behaupte: Niemand kann das vorher wirklich wissen. Deshalb halte ich diese vorwurfsvolle Polemik für Schwachsinn! Selbst wenn man sich halbwegs informiert und vorbereitet fühlt und den Eindruck hat, man weiß so in etwa, wie man drauf ist und wie das so wird als Eltern…. Vergesst es einfach! Wisst ihr nicht! Könnt ihr gar nicht. Und nun? Das Zusammensein mit Kindern ist für Erwachsene oft anstrengend. „Kinder nerven“. Wie klären wir die Schuldfrage?

Ich halte nichts von dem Weg, die Schuld auf dem Rücken der Kinder abzuladen, den leider noch immer sehr viele Erwachsene zumindest handelnd verofolgen. Gar nichts! Sie sind eben heranwachsend, müssen das meiste erst im Lauf ihres Heranwachsens lernen – mussten wir alle. Das gilt insbesondere für sowas wie Impulskontrolle,  Frustrationstoleranz, soziale Rücksicht – kurz:  „Gesellschaftsfähigkeit“. Und genau das sage ich P. zum Beispiel auch. „Als ich noch ein Kind war, habe ich mich auch immer total geärgert, wenn ich beim Spielen verloren habe. Ich habe sogar Spiele durch den Raum geschmissen, so wütend und traurig war ich…“ Ich merke immer, wie sich P. fast augenblicklich entspannt angesichts solcher Erfahrungsberichte, die ihr (hoffentlich) etwas von dem giftigen Eindruck nehmen, dass sie in ihrer Emotionalität irgendwie nicht in Ordnung ist. „Das wird sich nicht immer so doll anfühlen, das wird besser. Die meisten Menschen müssen das üben und lernen es mit der Zeit. Ich hab’s auch gelernt, heute stört es mich gar nicht mehr.“ Manchmal sagt sie dann kleinlaut: „Ich habe Angst, ich werde das nie lernen, Mama.“ oder auch „Da ist einfach so ein Wirrwarr in meinem Kopf und das kommt dann einfach so raus.“

Einen aushaltbaren und akzeptierten Platz im großen Spannungsfeld von Individuum (Was will ich? Was sind meine Bedürfnisse? Wie bin ich drauf?) und Gesellschaft (Welches Verhalten ist auch für meine Mitmenschen auf Dauer zumindest halbwegs erträglich?) zu finden halte ich für eine der größten Herausforderungen menschlichen Seins in stark rationalisierten, technologisierten Gesellschaften. (Nur die kenne ich, über andere mag ich mir diesbezüglich kein Urteil erlauben.) Das können und dürfen wir nicht einfach von Kindern erwarten und voraussetzen. Das meine ich, wenn ich sage, dass es „normal“ und völlig logisch ist, dass Kinder oft „nerven“ und von uns als anstrengend empfunden werden.

Trotzdem halte ich auch nichts davon, alle Schuld und Verantwortung diesbezüglich den Eltern zuzuschieben. Es verlangt ihnen – uns – in dieser Gesellschaft schlichtweg verdammt viel ab als Familie mit kleinen Kindern zu leben und klarzukommen.

Mein Problem ist, dass ich – wenn ich ehrlich bin – fast immer mehr Lust auf andere Dinge hätte. Und das tut mir leid und es tut mir weh. Ich will das nicht. Aber es ist die – meine – traurige Wahrheit. Und nein, das habe ich verdammt nochmal so nicht kommen sehen. Es ist selten, dass ich mir kurz vor der Abholzeit denke „Ach, was freue ich mich auf meine Kinder.“ Meist denke ich eher „Was? Schon wieder sind die Betreuungsstunden aufgebraucht? Verdammt!“ Fast alles, was ich wirklich gern mache, ist leider ziemlich Kinder-inkompatibel: Schreiben, lesen, denken, Musikhören, mit dem Rad um den See fahren, mich bilden, abends ausgehen… All das mache ich einfach sehr viel lieber als zum Beispiel meine Kinder von der Kita abzuholen, heftige Emotionen und Streits zu begleiten, Eis essen zu gehen, auf dem Spielplatz rumzuhängen oder oder oder…  Ich versuche mittlerweile, mit ihnen Dinge zu machen und unser Leben so einzurichten, dass wir alle es genießen… Aber oft haben die Kinder einfach so ganz andere Böcke als wir Erwachsenen. Deshalb versuche ich vor allem, mich so oft wie möglich mit anderen Familien zusammenzutun.

Und (Überraschung!) darauf läuft die „Schuld“-Frage letztendlich für mich auch hinaus:

BLAME THE SYSTEM!

In Zeiten, in der Kleinfamilien die Norm darstellen und jede Familie abgetrennt in ihrer Einzel-Parzelle lebt und haushaltet, sind Eltern so ziemlich alles, was in Formen gemeinschaftlichen Lebens von verschiedenen Personen erfüllt würde: Mutter, Vater, Tante, Onkel, Cousin, Cousine, Großeltern, Heilerin, Gesprächspartnerin, Spielpartnerin, Tröstende, Geschichtenerzählerin, Pädagogin, Ernährerin, und und und… Wir müssen einfach viel zu viele Rollen ausfüllen. Und das neben unserem „anderen“, also  neben dem „vielen vielen Anderen“, was wir noch so im Leben tun. Das kann gar nicht funktionieren!

Könnte man nun sagen:

„Trotzdem tragt ihr Eltern die Verantwortung! Ihr könntet ja einfach weniger  oder arbeiten, ihr könntet reduzieren, ihr könntet (und solltet) eure Altlasten aufarbeiten und einfach mal klarkommen, Prioritäten klar (auf eure Familie) setzen, andere Dinge rausschmeißen und mit anderen Menschen in ein Gemeinschaftsprojekt ziehen, wenn ihr das für die Lösung haltet.“

Da mag irgendwie was dran sein. ABER! Ein gemeinschaftliches Hausprojekt auf die Beine zu stellen – dafür braucht man – neben der passenden Gemeinschaft – Kohle, Raum, Energie und Zeit. Ich habe seit der Geburt meiner Kinder mit so vielen Familien gesprochen, die sich gern mit anderen Familien zusammentun möchten. Die meisten haben ja ähnliche Probleme! Aber es entspricht einfach nicht dem, was in Städten Wohnungsbau-mäßig in großem Stil angedacht und geplant ist. Das ist – abgesehen von Einzelprojekten – einfach nicht vorgesehen… Darauf ist unsere neokapitalistische Gesellschaft, in der es nun einmal vorrangig um individuelles Kapital geht, nicht ausgelegt. Ich habe (gerade) weder Geld, noch Zeit, noch Raum dafür. Leider. Menschen habe ich. Und Visionen. Zur Genüge. Aber ich fühle mich diesbezüglich wie gelähmt und weiß nicht, wie ich aus meinem eh schon sehr vollen Alltag noch Kraft und Zeit dafür herausschälen soll. Obwohl ich es mir so sehr wünsche und für das richtige halte. Das macht mich traurig. Ich finde, gemeinschaftliche Wohnprojekte sollten viel stärker unterstützt und supportet werden – von Kommunen, Ländern, dem Bund. Es wäre eine Win-Win-Win-Win-Situation. Dafür müssten Menschen sich stark machen. Und ich würde das gern tun… Aber ach, auch dafür bräuchte es wieder die gerade genannten Ressourcen. *seufz* Mich deprimiert das.

Und was ist mit Reduktion und Aufarbeitung? Achtsamkeit? Prioritäten? An den ersteren arbeite ich, mehr oder weniger. Dem Familien-„Caring“ aber absolute Priorität einzuräumen halte ich für problematisch. Es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Habe ich! Nach der Geburt von P. hatte ich 1,5 Jahre Elternzeit, und sonst (fast) nichts anderes. Das war für mich fast traumatisch. Die Einsamkeit. Die Eintönigkeit. Das Hamsterrad. Der fehlende Input. Ich bin fast daran kaputt gegangen. Auch deshalb habe ich es nach T.s Geburt anders gemacht, saß einige Wochen nach der Geburt wenigstens an einem Tag in der Woche wieder in der Uni. Und ich habe es genossen.

Ende der Geschichte?

Wir leben also in dieser – ich sage mal – spannungsreichen Situation. Und wir versuchen sie täglich zu handeln, auszuhalten, mit ihr umzugehen. Das bedeutet, immer wieder auszutarieren, zu balancieren, zu organisieren. Es verlangt der Beziehung von K. und mir viel ab: Kommunikation, Bedürfnisse äußern, Freiräume sichern. Hilfe und Entlastung holen. Andere in die Zeit mit den Kindern einbeziehen. Ab und zu ausbrechen. Selbstreflexion und – erkenntnis. Bewusster Umgang mit den Kindern und mit den inneren Stürmen. Auch mit ihnen reden. Ehrlich sein, ohne zu verletzen. Nach wie vor eine meiner größten Herausforderungen. Ich will ihnen nicht das Gefühl geben, dass sie mich nerven. Und dennoch fühl ich mich oft überlastet und genervt. Aber daran sind nicht sie schuld und dafür sind sie nicht verantwortlich. Ich bin es vielleicht zu einem großen Teil. Und ich arbeitete beständig daran, mich dem zu stellen. Und der Rest ist (oder wäre): Politik.

Also ihr Eltern-Leute: Werdet aktiv für eure Interessen! Lasst euer Privates politisch werden! Engagiert euch! Kämpft! Nur – oder eigentlich gerade – weil ihr jetzt Kinder habt, solltet ihr nicht biedermeiern. Ich versuche jedenfalls, das (nicht) zu tun. Zum Beispiel hier und hier.

Bitte hör auf mit dem Gebrüll. BITTE!

Heute ist es mal wieder passiert. Und gestern. Und irgendwann in den Tagen davor auch. Ich hab rumge… naja… „brüllt“ wäre übertrieben… „rumgeschnauzt“ trifft es vielleicht besser.

Ich versuche so so sehr gerade nicht mehr so stark die Anstrengung zu empfinden, sondern im Moment zu sein, gerade, wenn ich mit den Kindern zusammen bin. Nicht immer vergleichen, nicht immer an’s nächste Denken… Positiver sein, bei ihnen sein. Aber wie soll ich es hinkriegen, die Dinge positiv zu sehen, wenn stundenlang nur-nur-nur gebrüllt wird? Wie soll das gehen? Ich e-r-t-r-a-g-e das einfach manchmal nicht mehr. Also wortwörtlich… Eigentlich ist es mir dermaßen zu viel, dass es nicht mehr geht, ich halt’s eigentlich nicht aus. Aber ich kann ja nicht einfach weg, ich muss ja in der Situation bleiben, wenn ich mit den Kindern allein bin. Heute habe ich mich 19:30 mitten auf den Gehweg gesetzt und 10 Minuten gewartet. T. wollte (brüllend) auf den Arm, nicht im Buggy bleiben. Ich hatte Einkäufe zu tragen. P. wollte spontan auch nicht mehr weiterlaufen, hat den Buggy besetzt, was wiederum T. nicht passte, der spätestens dann vollkommen außer sich war und die Straße zusammenschrie. Ich hab versucht rauszufinden, was T. will, ihm erklärt, dass das nicht geht, er wütete weiter rum, ich setzt mich und nahm ihn auf den Schoß. Das war ganz schön kalt.

Man ist ja erwachsen, ne? Aber in diesen Momenten… An solchen Tagen, brodelt’s früher oder später in mir hoch… Das kindische „Wann nimmt eigentlich mal wieder jemand Rücksicht auf mich?„-Gefühl. Dann muss ich ganz oft (runter-)schlucken und mir vergegenwärtigen, wie alt meine Kinder sind, um nicht einen verdammten Hals zu kriegen, angesichts der kleinen „Ego-Nummern“, die sich da vor mir abspielen.

Irgendwann waren wir dann Zuhause. Aber das Brüllen hörte nicht auf.

Ich bemühe mich. Ich bemühe mich wirklich. Ich will geduldig sein und verständnisvoll, ich gehe auf die Kinder ein, ich rede mit ihnen, frage, mache, tue, … Ich versuche es wirklich. Aber irgendwann geht’s nicht mehr, dann hakt es aus, und ein Schalter legt sich um.

Erst habe ich mich in die Mitte des Wohnzimmers gestellt und einfach „AAAAAAAAH!“ geschrien. Als das Brüllen der Kinder auch dann nicht aufhörte, bin ich ins Schlafzimmer gegangen, habe die Tür zugeknallt und mir die Ohren zugehalten. Mehrere Male habe ich versucht, mich zu beruhigen, ruhig zurück zur Brüll-Szene zu kehren, in der meine beiden Kinder schon seit Nachmittag die Hauptdarsteller waren.

Szene jetzt: Küche. P. hatte sich jetzt (auch noch) am Kopf gestoßen. Wieder ein neuer Grund für Gebrüll. Aber ich war nicht mehr in der Lage, zu trösten, zu streicheln, zu beschwichtigen. Ich flehte sie an, mit dem Geschrei aufzuhören. „Du kannst weinen, sag mir was passiert ist, aber bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte hör auf mit dem Gebrüll. BITTE!“ Jede, die das schon mal probiert hat, weiß, dass das mit 99%iger Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass das Kind noch mehr, noch lauter, noch eindringlicher kreischt.

Und dann kam sie, die Standpauke.

Ständig versuchen wir, es euch recht zu machen, Tag und Nacht. Wir nehmen immer Rücksicht auf euch, richten uns dauernd nach dem, was ihr wollt. Seit Tagen haben wir nicht mehr richtig geschlafen haben, weil T. permanent alles vollkotzt. Die Nachmittage, die Morgen, die Wochenenden, der Urlaub, die Mahlzeiten… Ständig versuchen wir, euch ganz besonders zu berücksichtigen. Und trotzdem findet ihr immer, immer, immer, immer einen Grund, unzufrieden zu sein. Ihr findet immer einen Grund, euch zu beschweren, mich zu treten oder zu hauen, zu brüllen, uns „doof“ zu nennen oder rumzuschreien! Und manchmal, ja, manchmal, da kann ich einfach nicht mehr. Ich WILL jetzt kein Gebrüll mehr hören, weder von dir, noch von dir. Gar nicht mehr heute! Kein einziges bisschen!

P. guckt mich mit großen, geschwollenen Augen an. Sogar T. hat mit dem Geplärre aufgehört. *schnief* macht sie. Ich fühle mich wie einem französischen Familiendrama.

„Weißt du…“, sage ich kleinlaut zu P., „ich wünschte, ich könnte immer ganz ruhig bleiben und auf alles ganz entspannt reagieren. Ich wünscht, ich wäre immer fröhlich und hätte immer gute Laune. Aber ich schaffe das einfach nicht immer so wie ich will. Und dann raste ich manchmal aus und meckere oder brülle auch. Das heißt nicht, dass ich euch total doof finde, aber ich halte es manchmal einfach nicht mehr aus… Das tut mir ehrlich leid. Ich hab euch trotzdem lieb.“ *schnief-schnief* macht P. nochmal und sagt: „Mama, schon okay, Mama, das muss doch auch mal raus, die Wut, sonst kriegt man Bauchschmerzen. Man kann nicht immer fröhlich sein.“

Ach Mensch. Und dann schniefte ich.

Im Bett sagte sie, als ich sie fragte, was sie träumen möchte „dass du immer bei mir bist“.

Man kann nicht mehr wirklich zurückfühlen, wie Kinder ticken. Wenn ich von K. ne Standpauke kriege, dann reagiere ich da jedenfalls mit sehr viel weniger Verständnis als meine 5-jährige Tochter. Ich brauche mindestens bis zum nächsten Morgen, um mich abzuregen.

(P.S.: Ich hab dann abends mal endlich mitbekommen, dass T. zahnt. Supermutter, ich.)

Geschwistergedanken (4) nach 2,5 Jahren

Als ich mit T. schwanger war, habe ich mir wirklich viele Gedanken darüber gemacht, wie P. auf die Thronteilung reagieren würde. Ich hatte echt Schiss. P. war (ist) ziemlich aufmerksamkeitsbedürftig und schnell gekränkt. Am Anfang – P. war ca. 3 bei T.s Geburt – war alles dann tatsächlich viel stressfreier als ich dachte. P. war wider meiner Erwartungen sehr, sehr vorsichtig und liebevoll mit und zu T.

Inzwischen ist T. kein Baby mehr. Er wird bald 2 Jahre alt (himmelwiediezeitvergeht!) und liegt nicht mehr einfach nur rum oder klebt an mir dran. T. ist verdammt aktiv, viel mobiler als P. damals, redet dafür aber deutlich weniger. Ziemlich genau jetzt fängt das an, was ich mir damals so vorgestellt habe und was ich auch noch aus meiner Kinderzeit erinnere: „Das ist geeeemeeeeeeeeein, dass T. der Erste ist!“, „Das ist geeeeeeeemein, weil T. mehr hat!“, „Das ist aber mein Schüüüüürm!“. Die streiten sich eigentlich ständig. T. will grundsätzlich alles haben, was P. gerade hat. P. will grundsätzlich alles haben, was T. gerade hat. P. haut T. auf den Kopf, T. haut P. mit dem Schirm. Ich versuche, die beiden das klären zu lassen und mich so wenig wie möglich einzumischen. Andererseits ist T. P. ja eindeutig unterlegen… Muss ich ihm deswegen grundsätzlich helfen? Wenn ich das tun würde, würde P. sich sofort zurückgesetzt fühlen.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich mich als Kind immer ungerecht behandelt gefühlt habe. Grundsätzlich immer. Die realen Verhältnissen waren dabei gar nicht ausschlaggebend. Ich hatte zum Beispiel lange ein riesiges Zimmer, mein Bruder nur eine Kammer. Tatsächlich ist sowas aber gar nicht der Punkt. Dieses sich ungerecht behandelt-Fühlen ist vermutlich eher Ausdruck von Angst. Jesper Juul hatte das, glaub ich, mal irgendwo so anschaulich beschrieben, indem er meinte, man solle sich vorstellen, der Partner würde einen anderen Menschen mit nach Hause bringen und sagen „Du, x wohnt ab jetzt mit bei uns, ich liebe jetzt nicht mehr nur dich, sondern x auch, aber hey!, keine Angst! Ich liebe dich genau so wie x.“ – schwierig. Und tatsächlich bringt es auch gar keine Erleichterung, wenn man in diesen Situationen auf die realen Verhältnisse hingewiesen wird („Ihr habt doch beide das selbe.“). Darum geht’s irgendwie nicht. Man hat diese Gefühle ja nicht unter Kontrolle, die sind nicht rational und deshalb können rationale „aber schau doch mal“-Argumente auch nichts dagegen ausrichten. Und trotzdem sage auch ich manchmal sowas zu P. und verstehe diese Sprüche, Rationalisierungsversuche und Genervtheit meiner Eltern um einiges besser.

Was könnte ich denn sagen oder tun, um P. in der akuten Angst-Situation… hmmmm… aufzufangen? In meiner eigenen Erinnerung zu kramen bringt nur bedingt etwas… Was hätte mir damals gut getan? Ich versuche, zu verhindern, dass wir sowas wie „Das ist doch Quatsch!“ sagen. Denn das ist echt verletzend und macht alles noch schlimmer. Dann fühlt man sich zusätzlich zu dem doofen Gefühl nämlich auch noch als falsch-Fühlerin, merkt aber, dass das Gefühl dadurch nicht verschwindet, dass man also gar nichts dagegen tun kann. Das bringt ein echtes Dilemma mit sich: Hier ist mein Gefühl und da sind meine Eltern, die sagen, dass mein Gefühl „Quatsch“ ist. Das Gefühl geht aber nicht einfach weg. Dass die Eltern falsch liegen, schreit und weint man dann als Kind gern raus… Was zu noch mehr Genervtheit ihrerseits führt. Tatsächlich ist es aber wahrscheinlich unmöglich, seine Eltern in dem Alter komplett abzulehnen oder das, was sie sagen. Vermutlich ist man noch viel zu sehr verbunden und abhängig von ihnen. Also verinnerlicht man, dass mit dem eigenen Fühlen irgendwas nicht in Ordnung ist. Und das will ich P. auf gar keinen Fall vermitteln. Ich versuche also manchmal, offensiv auf das einzugehen, was ich dahinter vermute. Ich sage ihr sowas wie „Hey, ich hab dich lieb“ oder frage „Hast du gerade Angst, dass wir T. lieber haben als dich?“, was sie meist bejaht, und sage ihr, dass es mir auch so ging, als ich klein war. Das scheint ein bisschen zu helfen. Tatsächlich ist das angesichts der krassen Gefühlsausbrüche von P. oft gar nicht so leicht, verständnisvoll zu reagieren… Denn das triggert mich zuweilen enorm. (Den Artikel über den Umgang mit diesen heftigen Gefühlsäußerungen von Kindern hab ich immer noch rumliegen, aber nach wie vor nicht fertig.)

Puh, es ist schon echt manchmal hart, damit „cool“ umzugehen… Vor kurzem hat K. T. ins Bett gebracht und ihn gerade in den Schlaf geschuckelt. (Für P. war das gerade eine sehr K.-lastige Woche.) P. wollte ins Kinderzimmer stürmen, um K. rauszuholen, ich hielt sie davon ab, sagte, dass ich mit ihr ins Bad gehen kann. P. warft sich mit verschränkten Armen auf den Boden und sagte „Aber ich hab Papa lieber!“. Danach brach sie in Tränen aus und warf sich in meine Arme… Mir kam es vor, als fänd sie das selber irgendwie Mist, dass es so ist. Und Alter, ja, sowas tut echt weh! Wie soll man denn da bitte drauf reagieren? Ich meinte sowas wie „Das ist okay, aber es macht mich trotzdem irgendwie traurig.“ – der Inbegriff dieses schwierigen Spagats: Verständnisvoll und authentisch sein wollen. Wie kann ich verständnisvoll sein, wenn ich einfach total wütend oder meine Nerven echt am Ende sind? Wie kann ich authentisch sein, wenn ich in einer Situation eigentlich schreien will „Lass mich jetzt in Ruhe mit deinem Scheiß!“? Später erklärte sie mir: „Das ist einfach so, ich weiß auch nicht warum.“ und dass sie so traurig war, weil K. bei T. war… Sie dachte, er hat T. lieber als sie. An einem anderen Tag stritten, heulten, brüllten die beiden fast eine halbe Stunde darum, wer auf meinem Schoß sitzen darf.

Gestern hat P. T. gerettet. T. war so seltsam auf die Heizung geklettert, dass der Kopf schon ziemlich weit aus dem Fenster guckte. P. hielt ihn fest und rief uns. Wir erklärten ihr, dass das sehr gut war. Das machte sie stolz, sehr sogar. Und für den gesamten Tag gab es keine weitere Eifersuchts-Streierei. Im Gegenteil, sie waren ein Herz und eine Seele, spielten gemeinsam, jagten sich durch die Wohnung und kuschelten sich abends zusammen in ihr gemeinsames Bett. Bei P. gibt’s da gerade nur entweder-oder, wuterfüllter Hass oder überschäumende Liebe.

Aktivitäten zu vereinbaren ist auch nicht immer leicht: Für viele Dinge, die mit T. cool wären, ist P. schon zu groß. Viele Dinge, die mit P. jetzt gehen, ist T. zu klein und er funkt immer dazwischen (Spiele spielen zum Beispiel). Challenge: Finde immer etwas, was für beide cool ist. Gerade sind das z.B. Spielplätze – ich hasse Spielplätze! Aber so what… Ich denke, dass es auch wichtig ist, dass jeder von uns Zeit allein mit P. hat. Und im Moment ist K. bei P. mehr am Zug als ich. Vielleicht sollte ich darauf vermehrt achten.

Ich merke auch in mir etwas, was sicher auch meinen Eltern so ging: T. ist einfach (im Moment noch) sehr viel entspannter als P. Er hat meist gute Laune, ist fröhlich und insgesamt nicht so wahnsinnig sensibel wie sie. P. hat gerade eine Phase, in der sie schnell weint und wütend über Dinge ist, die für uns wirklich schwer nachvollziehbar sind. Sie redet ständig in diesem echt anstrengenden Befehlston mit uns, verdreht die Augen, brüllt und kreischt uns an usw. Ich arbeite an mir, ihr Verhalte nicht (negativ) zu (be)werten, aber oft bringt mich das echt an meine Grenzen. Ich kann (und will) mich einfach nicht ständig anbrüllen oder rumscheuchen lassen… Und irgendwie will ich ihr das auch zeigen. Aber dann fühlt sie sich doch wieder abgewertet… Ich war auch ein forderndes Kind. Und mein Bruder im Vergleich dazu gerade phlegmatisch. Dieser Umstand sollte aber nichts am Verhalten den Kindern gegenüber ändern. Und das empfinde ich als echte Herausforderung. Ich versuche jeden Tag unvoreingenommen anzufangen und P. nicht von vornherein als „das anstrengende Kind“ zu sehen. Aber ich merke, dass es mir an manchen besonders ausbruchsgeladenen Tagen echt nicht leicht fällt.

Hach ja, da ist sie wieder, diese schwierige Gratwanderung zwischen den eigenen Grenzen und Baustellen auf der einen und dem Anspruch, seinen Kindern Rückhalt und sicherer Hafen sein zu wollen auf der anderen Seite. Mich erdrückt das manchmal so sehr, dass ich mich eigentlich nur noch dazu im Stande fühle, mich auf die Couch zu legen und an die Decke zu starren. Nicht denken, nicht reflektieren, nicht schuldig fühlen, nicht angesprochen werden, nicht gefordert sein, nicht reagieren, nichts müssen.

10 Monate

Bei P. kam es mir vor, als wären die ZEHN MONATE ein ganz entscheidender Moment im Aufwachsen. Sogar bedeutender als 6M oder 12M oder 18… Und T. bestätigt das mit seiner Entwicklung. (Gefühlt) Von einem Tag auf dem anderen ist er *swuuuush* ganz weit weg vom Baby und deutlich mehr am Kleinkind dran.

Mit 10 Monaten kam hier ziemlich plötzlich das selbstständige Sitzen, die ersten Male (kurzes) freies Stehen, das Zeigen (mit dem Zeigefinger) auf Dinge, die er haben will, Hochstrecken beider Arme, wenn er auf den Arm genommen werden will, Highspeed-Krabbeling… Er kommuniziert richtig mit uns! Ist sauer, wenn wir ihn allein im Zimmer lassen oder wenn er etwas nicht machen soll oder er etwas nicht bekommt. Und lacht sich kaputt, wenn seine Schwester rumblödelt. Er LIEBT Wasser!

Seit zwei Monaten schläft er bei der Schwester mit im Zimmer (sie in ihrem Bett, er im Gitterbett) und nun hören wir morgens vergnügtes Gebrabbel (beider Kinder) aus dem Kinderzimmer. Sie spielen! P. sitzt vor seinem Bett und schneidet Grimassen, singt ihm Lieder vor oder wirft ihm Spielzeug ins Bett. Seitdem er drüben bei ihr schläft, schläft er übrigens auch durch! Jackpot! So in etwa haben wir uns das doch gedacht…

Ich war und bin der Meinung: Nach 10 Monaten ist man tatsächlich aus dem (ersten) Gröbsten raus. Das ist einerseits schön, weil die Freiheiten und Freizeiten der Eltern wieder zunehmen und andererseits *schnüff*, weil das Baby kaum noch Baby ist.

Morgens, wenn wir die Kinder zu uns ins Bett holen, ich T. stille – die letzte verbliebene Stillmahlzeit – und P. zwischen uns rumkuschelt, ist die Welt ziemlich in Ordnung… Kurz danach bricht dann das Chaos aus, der Haushalt über uns herein und die Zeit läuft konsequent gegen uns… Aber das morgendliche Aufstehen könnte besser kaum sein und fühlt sich nach „alles soweit richtig gemacht“ an.

 

tim

Viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel

Seit Beginn des Jahres bin entweder ich krank oder eines der Kinder ist es.

Die Bilanz im Mai?

  • 4 grippale Infekte bei P.
  • 1x Krankenhaus mit Impetigo Contagiosa (P.)
  • 1,5x Scharlach (P. / ich)
  • 4 grippale Infekte bei T. (natürlich stets zeitlich versetzt zu P., nicht etwas zeitgleich)
  • 3-5 grippale Infekte (ich)
  • 4x Brustentzündung (ich)
  • 1x Seitenstrangangina-Bindehautentzündung-Superinfektion (ich)

Hm. Es reicht dann jetzt auch mal damit, finde ich. Ich habe inzwischen eine gewisse Panik vor Bakterien und Viren entwickelt. Ich bekomme innerliche Heulkrämpfe, wenn eines der Kinder Krankheitssymptome zeigt.

Ja, ich jammere. Es zerrt echt an den Nerven, wenn nicht einmal der stinknormale Alltag – den ich leider ohnehin schon als ziemlich fordernd empfinde – einfach so läuft, sondern man andauernd damit beschäftigt ist, Schadensbegrenzung zu betreiben. Der Ausnahmezustand wird so langsam zur Routine. Nur noch irgendwie auf den Beinen halten, irgendwie den Tag überstehen, irgendwie durchhalten, irgendwie weitermachen… Das ist einfach ziemlich ätzend und macht einen mürbe. „Vorm Spiegel denkt man: „Das ist dein Gesicht?“ Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln!“ (Kästner) Ich kriege zum Teil kaum noch einen klaren Gedanken zusammen. 

Eine eigentlich gar nicht so unkomplizierte mündliche Prüfung für den Abschluss des letzten Wintersemesters habe ich bereits drei Mal verschieben müssen. Zum Einführungsseminar meiner Stiftung konnte ich nicht fahren. Die drei Male, an denen ich mir ernsthaft vorgenommen hatte, nach Einbruch der Dunkelzeit mit Freunden auszugehen – Jaha, ich meine im DUNKELN! -, sind ins (Wund-)Wasser gefallen. Jetzt nehme ich mir sowas einfach nicht mehr vor. Es frustriert mich zu sehr. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, jemals wieder tatsächlich irgendetwas tun zu können. Planen zu können. Etwas vorhaben.

Um genau zu sein nehme ich mir im Moment gar nichts „Privates“ mehr vor. Eine Kommilitonin fragte mich heute, wann ich mein Ehrenamt noch machen würde, neben den zwei Kindern und Pendelei zum Studium. „Ich weiß es nicht.“ hab ich gesagt und daran gedacht, dass das letzte Treffen der Initiative inzwischen schon viel zu lange her ist. „Und wann machst du den Kram für die Uni? Texte lesen und so?“ – „Ich weiß es nicht, ich mach es wohl kaum.“ habe ich gesagt. „Und was ist mit deinen privaten Sachen? Hobbys und so?“ – „Welche privaten Sachen? Welche Hobbys?“ habe ich gefragt. „Und dann hast du ja auch noch die Fahrten.“ – „Das ist für mich Erholung. Niemand will etwas von mir, niemand fragt mich was. Ich kann 45 Minuten lang zwei Mal am Tag einfach nur hier sitzen und tun was ich will. Es ist herrlich!“ Mein Pendeln, mein Kleinod. Der Zug ist meine Insel. Und es kotzt mich an, wenn der voll mit quatschenden Dumpfköppen ist. Ich will… Ich muss… dann meine Ruhe haben. Manchmal wünschte ich, ich könnte noch zwei Stunden weiterfahren. An den Uni-Tagen bin ich abends auch tatsächlich viel entspannter und kann gelassen Zeit mit den Kindern verbringen, trotz all der Müdigkeit.

Was soll man tun, wenn man merkt, dass alles zu viel ist? Dass man es eigentlich nicht schafft? Ich merke das gerade ziemlich deutlich. Unser Alltag ist so knapp auf Kante genäht, dass die Krankheiten einfach zu viel des Schlechten sind. Der Alltag wird dadurch gesprengt, nichts läuft mehr, alles fühlt sich nur noch schlimm an… Und wir versuchen, für die Kinder, das alles zu retten… Uns bei Laune zu halten. Es klappt noch so halbwegs für die Kinder, aber für uns klappt es nur mehr schlecht als recht. Innerlich sind wir dermaßen angespannt… Wir sind wie pfeifende Tee-Kessel, jederzeit kurz vorm Explodieren. Weil. Es. Zu. Viel. Ist. Wir führen die alten Sinnlosdiskussionen darüber, wessen Tag anstrengender war. Wer eine Pause dringender nötig hätte. Wer sich wann welche (Mini-Mini-)“Auszeiten“ genommen hat. Wer wann dringender Zeit ohne die Kinder braucht.

Ich habe vor einigen Tagen in irgendeinem Elternblog gelesen, dass das betreffende Elternpaar sich darüber streiten würde, wer mehr Zeit mit den Kindern verbringen darf. Ich wäre fast in Tränen ausgebrochen. Mein schlechtes Gewissen diesbezüglich ist unglaublich aufgebläht… Der Teufel schreit: „Dann hättet ihr euch keine Kinder zulegen dürfen!“

SCHEISSE JA, ICH FINDE ES VIEL ZU OFT VIEL ZU ANSTRENGEND, KINDER ZU HABEN!

Und ich hasse es mich wirklich dafür, so zu empfinden. Und ich bin täglich dran, mir beizubringen, es anders zu sehen, es anders wahrzunehmen, nicht so zu denken, zu genießen oder wenigstens weniger zu hadern, die Anstrengung als gegeben hinzunehmen und nicht zu verfluchen. Aber es klappt nicht. Ich empfinde es ständig als anstrengend und ich hasse es, so zu empfinden. Ich will keine zerknirschte Alte sein. Ich will nicht zu den typischen „Es ist alles so anstrengend“-Lamentierern gehören. Und ich mache K. die Hölle heiß, weil er sich ständig beklagt, wie anstrengend alles ist, weil ich in den Momenten meine eigenen Gedanken und Empfindungen gespiegelt sehe und es einfach nicht ertragen kann. Es muss doch wenigstens einer von uns das anders sehen… Es geht doch nicht, dass wir beide…

Ich finde die Ansichten und Gedanken von Jesper Juul ja toll, aber ich kriege es nicht hin, dieses Mantra. Wir sind zu oft zu fertig, zu müde, zu abgeschlafft… Das abendliche Bad-Ritual wird fast täglich zur Zerreißprobe. P. wehrt sich gegen alles, was sein muss. T. an-/auszuziehen gleich tatsächlich dem Versuch, einen lebenden Kraken so in ein Einkaufsnetz zu verfrachten, dass keine Arme heraushängen. Wir hängen im Bad und wollen einfach nur fertig sein, mit dem Tag, weil wir einfach fertig sind, mit der Welt.

Und K. hilft wirklich viel mit. Und meine Eltern nehmen ab, was sie können. Und ich lese und denke mir schlaue Sichtweisen an. Und ich habe Freunde mit Kindern, die ich regelmäßig treffe. Und nicht zuletzt liebe ich meine Kinder. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich kaputt spielen es mich einfach kaputt macht. Dass ich nicht dafür gemacht bin. Dass ich noch hätte warten sollen. Dass es vielleicht eigentlich nicht mein Ding ist, Mutter zu sein. Das ständige da sein. Die ständige Verantwortung. Diese andauernde Reagieren müssen. Das stark sein müssen, kaum mal schwach sein können.

Als ich letzte Woche hier fiebernd vor mich hin starb wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einfach nochmal selber klein zu sein und Eltern nebenan zu haben, die einem Tee und einen Marmeladentoast ans Bett bringen und ansonsten alle Anstrengungen von einem fernhalten. Stattdessen saß ich heulend mit 39,8 Fieber vor meinem kleinen Sohn, der auch heulte und ich dachte, dass genau jetzt der Moment gekommen ist, an dem ich es nicht mehr packe, an dem ich einfach aufgeben muss. Ich habe mich unglaublich hilflos gefühlt. Und schlecht auch… Weil ich das Gefühl hatte, dass ich als Mutter einfach nicht das Recht habe, „mich so aufzuführen“. Dass ich mich zusammenreißen muss. Und ich war nicht einmal sicher, ob ich mich nicht tatsächlich auch zusammenreißen könnte… Ging es mir wirklich so schlecht? War da noch Luft nach oben/unten? Es gibt schließlich Mütter mit mehr Kindern und weniger Unterstützung von Partner / Familie, die müssen ja auch… Scheiß Vergleichereimistkack halt.

Nun ja. Ich habe mich zusammengerissen, soweit es ging. Musste ja. Und nun geht es mir besser. Und den Nachmittag und Abend – nach der Uni – heute mit den Kindern fand ich sogar ziemlich schön. Ich habe mir überlegt, mir das Mantra „Meine Kinder sind meine Entspannung“ einzubläuen. Die Idee: Umetikettierung! Statt „Scheiße, am Wochenende bin ich allein mit beiden Kindern“ versuchen anders zu denken. Dem Gefühl auf die Sprünge helfen… Ich will das Kinderhaben einfach nicht ständig vorrangig anstrengend finden. Will ich nicht, echt nicht. Das muss doch irgendwie machbar sein.

 

Geschwistergedanken (3)

Bevor T. auf die Welt  kam, gab es bei uns die üblichen Befürchtungen… (Das kann man sogar nachlesen, hier zum Beispiel:

Ich hab mir heute versucht, uns vorzustellen, uns 4. Und ich habe uns überfordert gesehen. Ich bilde mir ein, mich ertappt zu haben. Ich möchte auf jeden Fall ein 2. Kind. Aber vielleicht möchte ich es nicht jetzt. Ich glaube, der Gedanke das mehr oder weniger unfreiwillige zweite Jahr Elternzeit mit einer Schwangerschaft und einem weiteren persönlichen “Großereignis” am Ende (klingt das jetzt sehr furchtbar?) wortwörtlich zu “füllen”, hat mir gefallen und den Wunsch verstärkt… Andererseits denke ich immer noch, dass es auf lange Sicht gesehen eine gute Entscheidung wäre. Die positiven Dinge daran, dass ich schon früh meine beiden Kinder bekommen habe und diese einen kurzen Abstand zueinander haben, würden wir aber erst nach vermutlich recht anstrengenden Anfangsjahren (mit zwei sehr kleinen Kindern) haben… Ich weiß es nicht. Ich will einerseits und finde unsere Gedanken und Argumente überzeugend, andererseits habe ich Angst und bin mir nicht sicher, ob es nicht “zu viel des Guten” wäre. Wir würden es schaffen, wenn es passieren würde. Aber sollten wir es wirklich darauf anlegen?)

K. und ich sind nicht unbedingt das, was man als „stressresistent“ bezeichnen kann. Und wir sind keine Honigkuchenpferd-Eltern. (Was nicht heißt, dass uns nicht in so manchen Alltagssituation die Augen feucht werden, weil irgendwas (mit Kind) so schön oder berührend ist.) Wir gehen einfach nicht absolut, einzig und allein in diesem Familiending auf. Wir haben beide daneben noch unsere persönlichen Baustellen… bzw. ganz einfach das Bedürfnis, uns geistig auf die ein oder andere Art (jenseits der Kinder) herumzutollen und überhaupt und sowieso gebe ich einfach keine gute „Hausfrau und Mutter“ ab.

Wir fragten uns: Wie wird Prinzessinenkind 1 reagieren? Kann man das 2. Mini-We überhaupt auch nur annähernd so lieben wie das 1.? Werden wir das packen? Wie soll das alles gehen?? Unser Freiheitsdrang und das Fremdbestimmtwerden durch noch ein Kind, was niemals das Gefühl haben soll, nur noch ein Stressfaktor mehr zu sein… Immer wieder war mir doch mit P. aufgefallen, dass ich viel zu selten genieße, ein Kind zu haben und mich – wie ein unreifer Teenager – oft nach dem sehne, was gerade nicht ist: Selbstbestimmtheit. Entfaltung. Sein Ding machen.

Kinder haben. Das heißt unter Anderem auch: Fremdbestimmung. Zwei kleine Kinder heißt, das stelle ich gerade fest, dass auch schon Mal Tage und Wochen vergehen können, ohne dass es auch nur fünf Minuten gebe, die man selbstbestimmt irgendetwas tun kann. Zwischenzeitlich kommt man sich vor, wie ein Roboter: Rabbäääääh! Registriere: Kind 1 brüllt… Check-Check-Was ist? Hunger-Pipi-Durst-Langeweile? Quäääk! Registriere: Kind 2 schreit. Check-Check-Was ist? Man kommt gar nicht mehr dazu, in sich hinein zu horchen und festzustellen, was man selber eigentlich will oder braucht. Abends klatscht man aufs Sofa und fragt sich, wann man sich wohl wieder sowas wie „beieinander“ fühlen wird. Letze Woche fand ich mich im Drogeriemarkt, mit plärrendem T. im Bondolino, wütender P. an der Hand (die unbedingt rein-raus aus dem Einkaufswagen spielen wollte), vor einem nicht funktionierenden Kartenlesegerät und mit einer, mich lynchen wollenden Menge ungeduldiger „nur noch schnell was besorgen“-Menschen im Nacken sowas von weeeeeit weg von nur Überforderung. Das war ein TOTAL-TILT. Eigentlich. Aber es muss halt weitergehen. Und das geht es auch, man macht halt einfach weiter…

ABER: Mich hat in meinem Leben bisher wahrscheinlich nichts so nachhaltig verändert, wie das Eltern(da)sein. Und: Ich hatte eigentlich immer zwei Kinder im Kopf. Gerade weil wir keine Kinder-Animateure sein wollen.

Nun ist T. 3 Monate alt. 1/4 Jahr. Er hat 2 Kilo zugenommen und ist 11 cm gewachsen. Während er in den ersten Wochen wahnsinnig (!) viel gebrüllt hat – und zwar immer, wenn er wach war – ist er nun wirklich geradezu entspannt. Er nuckelt immernoch gern an der Brust und verweigert jede Art von Schnuller. Er greift inzwischen ziemlich bewusst nach Dingen, muss immer irgendwas angrabbschen (und wenn’s die eigene Haut ist) und sabbert ohne Ende. Ob auch er wie P. schon mit 4 Monaten seinen ersten Zahn bekommen wird? Gerade heute hat er angefangen, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen und jaaaaa, man feiert Feste wie beim 1. Kind bei jedem kleinen Meilenstein. Er liegt gern auf dem Bauch und will sowohl tagsüber als auch nachts etwa aller 3 Stunden HappaHappa. Er bleibt entspannt, solange er dabei sein darf und man ihn aller 2-3 Minuten mal nett angrinst. Dann grinst er charmant zurück und alle freuen sich.

grins

Die großen Befürchtungen bezüglich der P.’schen Eifersucht haben sich verflüchtigt. Die Geschwisterei ist bisher seltsam unspektakulär. P. knutscht ihren Bruder regelmäßig ab, hatte bisher exakt einen kleinen mini-Eifersuchtsanfall – sie hatte ihm ihr Tuch zum Spielen hingehalten, er hat (wider Erwarten) zugegriffen und sich geweigert, loszulassen – und will ihm regelmäßig Dinge zeigen („Guck mal T., hier ist meine Bibi!“). Sie will ihn ab und zu mal halten und ihm Gute Nacht sagen. Es kommt manchmal vor, dass sie sowas sagt wie „Aber Papa, Mama kann doch T. ins Bett bringen“, wenn sie von ihm was vorgelesen bekommen möchte und er T. aber gerade betten wollte. Als meine Oma hier war und aus Spaß zu ihr sagte: „Komm wir tauschen, du kriegst meine Katze und ich nehme den T. mit.“ ist P. sofort in Tränen ausgebrochen, weil sie ihren Bruder auf gar keinen Fall eintauschen wollte. Das fand ich ja schon sehr herzergreifend… Für sie scheint T. einfach schon total zu uns zu gehören.

Es gibt Momente, in denen ist es eigentlich wie früher. Wenn einer von uns T. am Bauch hat und wir etwas unternehmen, dann fällt nur auf, dass einer von uns Erwachsenen etwas unbeweglicher ist als sonst. Spannend wird das wahrscheinlich erst, wenn T. auch krabbelt-läuft-will. Und die Momente/Tage, wenn einer mit beiden allein ist, sind eine ziemliche Herausforderung. Kind 1 will, Kind 2 wil und man selbst ist nun einmal nur eins.

Ganz offensichtlich hat P. gar keine Probleme damit, dass hier jetzt noch ein Kind wohnt und die Eltern in Beschlag nimmt. Oder?

Naja… Ich weiß nicht, ob ich paranoid bin und ob es nicht besser wäre, gar nicht zu versuchen, in das Verhalten meiner 3-Jährigen etwas in Richtung „Ich leide unter meiner Geschwisterschaft“ hinein zu interpretieren… Mir fällt nach wie vor von Tag zu Tag mehr auf, dass es immer schwerer wird, das eigene Kind zu durchblicken. Wie fühlt sie sich? Was beschäftigt sie? Wie verarbeitet sie ihren Alltag?

Es gibt so Dinge, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie damit zusammenhängen oder nicht… Und ob ihr das zu Schaffen macht. Ich glaube, dass das für mich tatsächlich die Problematischste Seite am mehr als ein Kind-Haben ist. DASS ICH ES NICHT WEISS! Ich will es aber wissen! Wie soll ich ihr Verhalten deuten? Hat es was mit T. zu tu, dass sie abends zeitweise bis zu 3 Stunden zum Einschlafen brauchte? Hat es was mit T. zu tun oder ist es eine übliche Phase von 3-Jährigen, wenn sie jetzt extrem zickig ist und ständig wegen Kleinigkeiten losheult? Hatte sie abends ein Problem mit dem Töpfchen, weil sie – geschwisterbedingt – regrediert oder war das einfach Zufall? Ich habe keine Ahnung…

Und ja: Man kann ein zweites Kind lieben. Sehr. Aber auch ja: Das zweite Kind läuft an vielen Stellen mit. Es bekommt nicht so viel exklusive Aufmerksamkeit.

Ich stelle fest, dass ich mit T. geduldiger bin. Rückblickend kommt es mir vor, als hätte ich in Ps Babyzeit ständig vor ihr gehockt und den Hampelmann gemacht, damit sie ’ne Regung zeigt, lacht oder sonstwas. Seien wir erhlich: Vielen Eltern ist in der ersten Zeit mit Baby vor allem eins: Schreeeeeecklich langweilig… (Wenn die wüssten! Hier ein ernst gemeinter Rat an alle Einfacheltern: MACHT, WAS EUCH GEFÄLLT! LEST BÜCHER! MALT BILDER! GEHT INS MUSEUM…) T. wirkt etwas entspannter, weil ich ihn einfach „kommen lassen“ kann… Und ich nicht andauernd auf ihn eingehe/-rede.

Man kennt sich besser aus, achtet auf Signale, kann Müdigkeitsanzeichen zum Beispiel viel besser erkennen. Man verzweifelt nicht an „so Dingen“. Und man himmelt sie trotzdem an…

 

2 Monate

T. ist unglaubliche zwei Monate alt. Er wiegt 5,5 kg und ist 62 cm lang. K. und ich bekommen momentan regelmäßig kleine Zuckerschocks, weil er sooooooo furchtbar niedlich gucken und „hööööarrrr“en kann. Schreien kann er auch immernoch, aber das hält sich mittlerweile echt in Grenzen. Wir können frühstücken und abendbroten und er liegt friedlich im Stubenwagen bei uns und guckt sein Mobile an. Unsere Schultern sind verspannt, weil der Herr ständigen Körperkontakt bevorzugt. Die große Schwester ist nach wie vor sehr verliebt in ihren Bruder. Der wird so viel gekuschelt, gedrückt und geknutscht. An zu wenig Liebe wird es ihm wohl nicht mangeln…

Wir sind so sehr gespannt, wie der kleine Mann später Mal aussieht! Momentan sieht er P. auf jeden Fall manchmal sehr, sehr ähnlich. Es ist so verrückt. Man kennt ja bisher nur einen Menschen, der so aussieht wie P. Sie halt. Und jetzt gibt es da noch einen, der auch so aussieht. Und doch ein bisschen anders. Dieses „Das ist so kraaaaaaaaass“-Gefühl geht immernoch nicht weg.

Ich laufe durch die Wohnung, am Kaufmannsladen vorbei, die Puzzles wegräumend, auf P.s Tripp Trapp zu… „Tja… Das ist wohl deine Wohnung. Das sind die Sachen, die du für deine Kinder besorgt hast…“

Nachdem wir aus dem Zoo zurück gekommen sind, stille ich T., koche Abendessen, wir Abendbroten, räume die Küche auf, kurz bevor wir die Kinder ins Bett bringen. Das läuft routiniert ab. „Tja… Das klappt eigentlich ganz gut.“

Ich liege neben P. in ihrem Bett, kurz nachdem wir die 2. Gute Nacht-Gesichte gelesen haben. „Meeeeeeeine Mami!“ sagt es und drückt sich an mich. „Tja. Das bin dann wohl ich…“

Eine kleine Mini-Hand bohrt sich ein bisschen zu fest in meine Brusthaut, süßlicher Atem steigt mir in die Nase. Er ist vor kaum 3 Sekunden eingeschlafen. „Tja. Das ist dann wohl mein kleiner Sohn…“

Was soll ich sagen? Stille auf meinem Blog bedeutet meist, dass es mir/uns gut geht. Und so ist es auch. Ich bin froh, über unsere Entscheidung für ein 2. Kind. Bisher ist alles super. Es fühlt sich komplett an. Ja, es ist recht viel. Nein, zu irgendetwas Anderem kommen wir gerade nicht. Aber ich weiß, dass es jetzt halt die Zeit dafür ist. Und irgendwann wird tendenziell weniger nurFamilie und wieder mehr anderesZeug da sein. Ich find’s gerade einfach echt gut. Wir kommen zurecht. Ich bin echt selten genervt. Das ist gut. Sehr gut sogar.

Geschwistergedanken (2): Hurra (?), wir sind jetzt 4

Inzwischen haben wir schon einige Stress-Momente gehabt. T. ist jetzt seit 2 Wochen auf der Welt. Die Stress-Momente habe ich daran bemerkt, dass sich das Stress-Gefühl überhaupt durchsetzen konnte, obwohl ich nach wie vor ziemlich hormonbeladen war/bin. Im Krankenhaus vor meiner Nierenstein-OP hab ich zum Beispiel angefangen zu heulen, weil die Urologin nach dem Namen meines ersten Kindes fragte… weil ich mir so einen Kopf darum gemacht habe, wie sie damit zurechtkommt, dass ich schon wieder nicht da und vor allem schon wieder im Krankenhaus bin. Mit T. und ohne sie. Letztendlich hat sie davon gar nichts mitbekommen… (K. meinte dann im Gespräch zu mir: „Naja, aber die Geburt ist ja jetzt schon ’ne Woche vorbei, das sind doch dann eigentlich nicht mehr die Geburtshormone, oder?“ – „Ähm. Im Normalfall breche ich aber nicht beim Arzt in Tränen aus, weil er mich fragt, wie mein Kind heißt…“ Soviel also dazu… Schwangerschaftshormone, Geburtshormone, Still-Hormone, Babyblues, … Watweeßick, „normal“ fühle ich mich jedenfalls noch nicht wieder.)

Der Stress-Peak ist hier definitiv abends. T. hat nämlich zwischen 18 und 22 Uhr seine „Clusterfeeding„-Zeit und es ist so ziemlich unmöglich, gemeinsam zu essen. Er ist irgendwie wach, ab und zu dann doch schon schläfrig, findet aber nicht endgültig in den Schlaf, will an die Brust, dockt aber immer wieder ab, quietscht, sucht dann aber gleich wieder, wird wütend (scheint die Brust nicht zu finden?)… Puh, ein bisschen anstrengend, diese Zeit. Ich versuche manchmal, ihn am Tisch weiter zu stillen. Dabei kann ich zwar nicht wirklich was essen, aber immerhin sind wir so alle zusammen und unser Ritual geht nicht ganz flöten… Gemeinsames Abendessen finde ich sehr wichtig. An einigen Tagen konnte ich T. auch schon mit ins Bad nehmen und wickeln/waschen, wenn K. das P. bettfertig macht. Anstrengend – neben einem zunehmend müder und entsprechend zickiger werdenden großen Kind und einem Tag-verarbeitenden Säugling – ist für mich aber auch vor allem, dass K. genau dann auch die Puste ausgeht und er (verständlicherweise) eigentlich nur noch fertig werden will… Er hat dann nur noch wenig Geduld für die Dauer-Sperenzchen einer 3-Jährigen übrig, die jede Aktion gefühlt ins Unendliche ausufern lassen… und die Nerven echt ziemlich überstrapazieren. Insbesondere dann, wenn nebenher immer ein Baby brüllt. Dann muss ich ganz viel ein- und ausatmen, um nicht selbst in Stress und Ätz zu verfallen und mich T. ohne Hektik zu widmen und K. so quasi seinem Schicksal zu überlassen… Mir bleibt aber nichts anderes übrig. Und ich kann mich in diesen Momenten nicht noch um ein 3. Kind kümmern. Da muss er wohl durch… Am ehestens knallt’s dann trotzdem zwischen K. und mir, weil ich (wohl vor allem aufgrund meiner Müdigkeit) seine kaum vorhandene Stressresistenz in diesen Momenten nur gaaaanz, ganz schwer ertragen kann. Mehr Teamwork und an einem Strang ziehen, bitteschön!

Das P. geht dann ins Bett, ich lese ihr vor (mit Kind 2 an der Brust) und haue mich dann auf’s Sofa (mit Kind 2 an der Brust). Ohne iPhone wäre ich – zugegeben – wohl schon ziemlich frustriert, aber dank der Entertainment-Wundermaschine lese ich viel und kommuniziere (mit Kind 2 an der Brust), höre Nachrichten und Hörspiele (mit Kind 2 an der Brust) und google bescheuerte Fragen und Themen (mit Kind 2 an der Brust). Das geht ja zum Glück alles einhändig heutzutage. Gegen 22/23 Uhr pennt T. dann und kommt meist erst gegen 2 Uhr das nächste Mal. Ich versuche, halbwegs zeitig ins Bett zu gehen. Manchmal schläft K. den ersten Teil der Nacht mit T. auf dem Sofa und ich hau mich allein ins Bett und schlafe ein paar Stunden ohne offenes T-Shirt und Verrenkung um’s Baby… K. bringt ihn mir dann zur ersten Nachtmahlzeit frisch gewickelt gegen 2 Uhr ins Bett. Das ist eigentlich ’ne ganz gute Taktik, find ich…

P. findet es inzwischen auf jeden Fall super, beim Babwickeln mitzumachen. Sie guckt dann immer, ob der Streifen vorn auf der Windel gelb oder blau ist. Sie weiß, dass blau heißt, dass die Windel vollgepullert ist und er ’ne neue braucht. (Ich bete gerade, dass die 2er-Windeln auch so ’nen dämlichen Indikatorstreifen haben…) Außerdem sucht sie morgens ab und zu die Sachen für T. raus. Sie hält seine Händchen beim Wickeln fest, so wie K. ihr das gezeigt hat. Sie weiß, dass ihn das beruhigt. Sie fragt „Warum quäkert er?“, wenn er schreit. Sie sagt zwar noch immer ab und zu „Das ist anstrengend. Das ist mir zu laut!“, aber immerhin nicht mehr bei jedem Schreien… Sie kann da inzwischen wohl auch schon ganz gut weghören. Sie gibt ihren Baby-Puppen abends vorm Schlafengehen die Brust. Sie hat verstanden, dass Babys noch keine Salzstangen und Zuckerperlen essen dürfen, weil: „Der hat noch gar keine Zähne!“. Sie bringt mir Wasser und drückt auf den Lichtschalter, wenn ich wegen der Stillerei an’s Sofa genagelt bin. Sie scheint es toll zu finden, wenn sie eine Aufgabe bekommt und mir helfen kann. Wir werden abends auch nicht mehr aus dem Zimmer geschmissen. Ich bekomme es mittlerweile – T. ist 2 Wochen alt – hin, ihr vorzulesen und ihn gleichzeitig zu stillen. K. war auch schon mit T. und P. in der Wanne. T. schaut immer ganz aufmerksam, wenn seine große Schwester neben ihm ist und erzählt oder auf ihn einredet. Manchmal kommt P. auch von selbst an, streichelt ihn, will ihn anfassen oder ihm einen Kuss geben. Noch ist das zwar eher zurückhaltend, aber trotzdem sehr herzerwärmend…

Ich bin sehr viel zuversichtlicher, dass sich das alles irgendwie einspielen wird zwischen P. und T und uns so insgesamt… Ich frage mich aber trotzdem immernoch, was es mit P. macht, dass ich sie weder zur Kita bringen noch sie abholen oder auf Spielplätzen mit ihr rumtoben kann. Was macht das mit ihr, dass fast jede Action außerhalb der Wohnung von K. oder ihrer Omi übernommen werden? Dass das plötzlich ein kleines Etwas ist, was Zeit und Liebe in Anspruch nimmt. Ist es ein halbwegs hinreichender Ausgleich, dass ich versuche, sie wenigstens früh zu wecken, mit ihr zu frühstücken, sie anzuziehen und abends ihre Geschichten vorzulesen und sie in die Decke zu mummeln? Nimmt sie das überhaupt besonders wahr? Oder nehmen Kinder in dem Alter die Dinge einfach so, wie sie sind? Vermissen sie schon jemanden, der eher wenig Zeit mit ihnen verbringt? Spürt sie schon sowas wie Eifersucht T. gegenüber? Äußern tut sie das jedenfalls bisher nicht so direkt… Und zu T. ist sie auch recht liebevoll… Heute haben wir sie alle zusammen von der Kita abgeholt und danach den Nachmittag zu viert „draußen“ verbracht. T. ist in der Trage ja quasi unsichtbar und für P. alles ein bisschen so wie früher.

Ein bisschen Angst und Bange wird’s mir, wenn ich daran denke, dass die Uni in zwei Wochen wieder losgeht… Und dass K. ja irgendwann auch wieder arbeiten gehen muss. Wie der (echte) Alltag ohne Urlaub/Elternzeit/frei haben dann aussehen wird und wie ich es hinkriege, ein Baby und eine dreijährige morgens rausgeh- und abends bettfertig zu machen… Wie ich mich auf irgendwelche philosophisch-gesellschaftstheoretischen Uni-Themen einlassen können soll… Wie ich für Prüfungen lernen und Hausarbeiten schreiben können soll… Wie ich überhaupt irgendwas machen soll, außer mein Baby, mich und meine Tochter über den Tag zu bekommen… Das ist mir noch sehr, sehr schleierhaft. Es bleibt uns aber nichts anderes übrig als uns einfach reinzustürzen und zu sehen, was passieren wird. Vielleicht klappt’s ja auch einfach. Irgendwie. Ächem… Ja… Ich bin gespannt.

Und naja… Ich kann nicht wirklich viel gegen meine ab und zu aufkommenden „Buhuuuhuhuuuu“-Gedanken machen. Ich fühle mich für P. einfach ziemlich unzulänglich im Moment. Als wäre ich gar nicht so richtig für sie da und dadurch irgendwie auch nicht so wirklich von… nun ja… von „Belang“. Ängste kriechen in mir hoch, dass sie mich vorübergehend sowas wie „abschreiben“ könnte… Mama ist jetzt halt nicht mehr so wirklich da, egal, dann nehm‘ ich halt Papa oder Oma. Mit Mama ist ja eh nicht zu rechnen, die hat ja eh nie Zeit. Mir ist natürlich eigentlich (vom Kopf her) schon klar, dass das Quark ist. Ich bin wahrscheinlich das Backup. Weil wir in den letzten Jahren ein gutes Verhältnis und eine gute Bindung aufgebaut haben, steckt sie die ganze neue Sache hier vermutlich so gut weg und kann auch ohne Probleme viel Zeit mit Papa und Omi verbringen ohne durchzudrehen. Und eben auch ohne dass unser Verhältnis komplett krachen geht. Oder?

Und was kann ich schon groß tun? Ich kann nur versuchen, sie in die T.-Pflege mit einzubeziehen, sie wenigstens 1-2 Mal in der Woche mit abzuholen, wenigstens einmal am Tag mit ihr Zeit zu verbringen (und wenn’s nur kurz ist), ihr in der Zeit viel Nähe und Kuscheln zu geben und einige unserer festen Rituale und Abläufe beizubehalten. Dabei laufe ich aber Gefahr, die Zeit mit ihr „zu schwer“ zu machen, glaub ich. Also die Situationen von meiner Seite her emotional zu sehr aufzuladen… (Es ist dabei zwar nicht das, was vielleicht vielen passiert… Die „Ich bin jetzt mal nicht so streng“-Schiene – siehe hier, irgendwo in der Mitte des Artikels… Es ist irgendwie anders…) Ich habe so ein starkes Bedürfnis, ihr in den kurzen gemeinsamen Zeiten ganz viel Liebe zu geben. Also ihr zu zeigen, dass ich sie wirklich lieb habe und ihr unbedingt zu beweisen, dass sich nichts daran geändert hat, nur weil nun das Baby da ist. Es gelingt mir nur schwer, mich einfach halbwegs normal ihr gegenüber zu verhalten. Das passiert wohl auch wieder aus Angst. Es ist das Resultat meiner Befürchtungen, sie könnte… hm… vergessen, dass ich für sie da bin und sie lieb habe… oder aus Angst, sie könnte aufgrund meiner akuten Kaum-Verfügbarkeit einen Mama-Liebesmangel haben und darunter leiden. Eigentlich würde ich mit ihr gern dauernd darüber reden, wie die Situation ist und wie das für sie gerade ist. Dann muss ich mich aber daran erinnern, dass meine Tochter erst drei Jahre alt ist und nicht wirklich reflektieren, durchdenken, angeben kann, wie die Situation für sie so ist… Dass sie eher irritiert darauf reagiert, wenn man ihr „wie findest du das denn?“-Fragen stellt. Sie kann ja noch nicht über’s Denken und Empfinden nachdenken… Was soll sie schon groß sagen? Ich denke, dass sie sowas noch echt überfordert… Und übertriebene Liebesbekundungen und Nähe-Aufrdängelei würde es wahrscheinlich auch… Also schlucke ich meinen Kloß im Hals weitgehend runter, drücke sie nur kurz und versuche, so normal wie möglich zu und mit ihr zu sein. Und Mann… Das fällt mir echt ganz schön schwer! Genau wie das nicht überinterpretieren… Es ist einfach total schwer einzuschätzen, ob sie an Nachmittag xyz nun gerade so zickig und anstrengend nah am Wasser ist, weil sie übermüdet, überreizt, einfach nur doof drauf, ganz normal dreijährig drauf oder emotional verletzt und überfordert durch die neue Situation mit plötzlich kleinem Bruder ist… Ist es eine gute Idee, das zu thematisieren? Mit einer dreijährigen? Und wenn ja, wie? Und dann fühl ich mich manchmal so unfähig, weil ich zu doof bin, die Signale meiner eigenen Tochter zu deuten… Obwohl ich ja weiß und auch einsehe, dass auch die eignen Kinder nun einmal dahingehend kein offenes Buch sind. Aber ich ärgere mich so ein bisschen darüber. Ich würde sie gern besser und eindeutiger lesen und verstehen können und frage mich, wie der richtige Weg ist, um das zu erreichen. Irgendwann will ich gern mal etwas besser einschätzen können, ob meine Tochter nun gerade komisch reagiert, weil sie ein ernsthaftes Problem hat oder ihr nur ein undramatischer Pups (im Kopf) quer sitzt.

Es fällt mir übrigens ganz allgemein sehr schwer, Menschen einfach mal in Ruhe zu lassen und nicht krampfhaft zu versuchen, in ihre Köpfe und/oder Herzen zu steigen. Ich neige da durchaus auch zum (ungewollten) Bedrängen. Ich will unbedingt wissen, was in ihnen vorgeht, wie es ihnen geht und dann am liebsten auch noch ganz viel klug-hilfreichen Senf dazu abgeben. Dabei vergesse ich oft, dass viele (wenn nicht sogar die meisten?) Menschen gar nicht ständig reflektieren wollen. Viele Menschen grübeln nicht ständig darüber nach, wie es ihnen geht, wie ihr Leben gerade so abläuft und wie/wodurch es ihnen vielleicht besser gehen könnte. Vielleicht können das manche auch einfach nicht… Davon mal abgesehen, dass die meisten Menschen (irgendwie ja auch zu Recht) eher allergisch auf gut gemeinte Ratschläge reagieren. Ich bin damit jedenfalls schon sehr oft gegen Wände gelaufen und hab auch schon einige eingerissen.

Ich befürchte, dass es für mich eine echt harte Probe werden dürfte, mein armes Kind nicht ständig krampfhaft zum Reden über seine Gedanken, Gefühle und Probleme bringen zu wollen. Das würde nämlich vermutlich ganz gewaltig nach hinten losgehen und dürfte wohl am ehesten dazu führen, dass sie mir gar nichts erzählen werden…

Woher kommt nur diese „Gier“ nach anderer Leute Probleme und Seelenstrips? Letztendlich betreibe ich auf dem Blog hier ja nichts anderes als Selbstentblößung. Gefühle, Gedanken, Reflektion… Es gibt kaum was, was mich mehr interessiert… Auch bei Filmen oder Büchern interessieren mich die tiefen, ehrlichen Gedanken- und Gefühlswelten immer am meisten. Komisches Faible… Ist das reine Neugier? Eine Variante des Voyeurismus? Ich weiß es nicht… Aber es war… ich war dahingehend nie anders. Ich hab schon als Teenie am liebsten mit Menschen stundenlang über ihre Baustellen geredet und versucht, Lösungen dafür zu finden.

Zurück zum Thema: T. ist jetzt seit zwei Wochen auf der Welt. Schon jetzt kann ich ganz gut nachvollziehen, was es bedeutet, sich zerrissen zu fühlen. Von dem Gefühl berichten Mehrfacheltern ja oft. Man fühlt sich zerrissen, weil man plötzlich mehr als einem Kind (mit jeweils ganz unterschiedlichen Bedürfnissen) gerecht werden muss und auch möchte. Ich will für T. da sein und weiß, dass ich mich schonen muss, damit die Krankenhaus-/Krankheitskacke endlich Mal ein Ende hat. Dadurch muss ich aber dabei zusehen, wie meine Tochter den größten Teil der Tage mit anderen Menschen verbringt. Mit der Kindergärtnerin, mit ihrem Vater, mit ihrer Omi… Seufz… Das macht mich betroffen, weil ich nicht weiß, ob das für sie schlimm ist, ob und was es für Auswirkungen auf sie bzw. für uns haben wird.

Ich hoffe sehr , dass ich irgendwann mehr mit „meinen Kindern“ anstatt mit dem einen und dem anderen kommunizieren und umgehen werde und es schaffe, dabei trotzdem die persönliche Individualität der beiden zu respektieren und zu bewahren.

Tja. Das ist wohl ein weiterer dieser schwierigen Balanceakte, die man auf die Reihe kriegen muss, wenn man ein Stück Eltern ist…

Geschwistergedanken (1): Dem Kind das Herz brechen…

Da ist es nun, das zweite Kind.

Ich habe nicht ewig darüber gegrübelt, ob und wie das Sinn macht oder nicht. Ich hatte einen kleinen Bruder, habe an unsere gemeinsamen Urlaube gedacht und daran, wie viel Zeit ich mit ihm und wie viel mit meinen Eltern verbracht habe und dachte: Ja, ein Kind allein und immer nur allein, das find ich nicht gut. Und habe dabei auch an mich selbst gedacht. Weil ich halt echt kein guter mit einem Kind-Spieler bin. Weil ich viel mehr mit mehreren Kindern anfangen kann. Denen kann ich einen Rahmen bieten, in dem sie sich herrlich austoben können. Aber ich tobe halt nicht so gern (und gut) mit. Ich freunde mich auch langsam damit an, wirklich die Überzeugung zu vertreten, dass man das als Erwachsener auch nicht tun muss, wenn es einem nicht liegt.

P. ist eine ziemliche Prinzessin. K. verwöhnt sie ganz schön, bespielt und -spaßt viel. P. läuft nicht einfach mit, wir machen viele kinderfreundliche Dinge. Zoo, Hüpfburg-Fest, Schwimmbad, … All sowas. Tatsächlich fand ich das oft ziemlich anstrengend, mit ihr allein. Gerade in den letzten Monaten, seitdem sie so ca. 2,5 Jahre alt ist und so richtig tobt und fordert, dachte ich schon oft aaaaaaaanstrengend… und hab mir die Momente schön gemalt, wenn nicht mehr ich oder K. mit auf’s Riesen-Trampolin müssen, sondern P. und T. Die Kinder machen Kindersachen, die Erwachsenen machen Erwachsenensachen. Und alle sind glücklich. So sieht das aus in meiner Phantasie und so in etwa erinnere ich mich auch an meine Kindheit.

Abgesehen von dem Moment im Disneyland, als ich noch etwa 3,5 cm zu klein für die coole große Achterbahn war und mit meinem kleinen Bruder draußen gewartet habe, während meine Eltern Achterbahn fahren waren… Maaaaann, war das gemein! Heute rechne ich ihnen ihren Egoismus in dem Moment echt hoch an irgendwie… Ich würde das wahrscheinlich nicht machen… Ich hab halt ständig Angst, meinen Kindern das Herz zu brechen.

Und schon bin ich beim Thema. Meinem Kind das Herz brechen.

268 Tage war ich schwanger. Wir haben viel mit P. darüber gesprochen, dass sie einen kleinen Bruder bekommt und am Ende war nicht nur ich, sondern auch sie ungeduldig. Sie hat den dicken Bauch noch vor mir begrüßt und mit ihrem Bruder geredet: „Komm endlich raus, T.! Ich will dich sehen!“ In ihrer Musikgruppe haben drei gleichaltrige Kinder in den letzten Monaten Geschwisterkinder bekommen und auch ihre allerliebste Kindergartenfreundin hat eine kleine Schwester bekommen. Alles ganz gute Voraussetzungen für unsere Erweiterung, fand (und finde) ich. Sie schien sich wirklich auf ihren Bruder zu freuen. Ich glaube nicht, dass sie eine echte Vorstellung davon hatte, was das eigentlich genau bedeutet. Wir haben ihr erzählt, dass T. bald raus kommt, der Bauch dann weg ist, T. dann bei uns wohnen wird, Milch aus meiner Brust trinkt und am Anfang noch nicht viel kann, außer schreien und schlafen. Der Bauch bekam Küsse und ihre zwei Babypuppen – Arthur und Ella – wurden heftig betüddelt.

Jetzt ist T. tatsächlich da.

Am Tag nach seiner Geburt kam P. mit meinen Eltern ins Krankenhaus. Sie hatte Geschenke für ihren Bruder dabei und er hat ihr einen Lolly mitgebracht (Tipp von der Hebamme). Sie ist aufs Bett geklettert und hat ihn begrüßt, seine Hand gestreichelt, schüchtern gegrinst, ist dann aber gleich zurück zur Oma geflüchtet. Oder zum Papa. Jedenfalls nicht zu mir. Als er anfing, zu quaken, hat sie gefragt „Warum weint er denn?“ … Die Frage wird uns noch lange begleiten, schätze ich. Wir haben uns dann angezogen und sind alle zusammen losgegangen. Dass T. noch mit im Auto saß, fand sie ganz witzig. Zuhause hatte sie dann einen ziemlichen Zickenanfall, fand alles doof und war irgendwie unwirrsch. Okay… Das wäre sie vielleicht so oder so gewesen. Nach der Kita ist sie oft müde, wenn sie dort mittags nicht geschlafen hat. Aber normalerweise sagt sie nicht sowas wie „Ich will nicht, dass du hier bist, Mama! Papa soll hier sein!“ – Auuuuutsch!

Der erste Nachmittag und Abend mit zwei Kindern hat sich – im Bezug auf’s Geschwisterthema – komisch angefühlt. Es war nicht so richtig ein Familiengefühl da, sondern T. – der Säugling – auf der einen Seite und P. – die 3-Jährige – auf der anderen. Als ich mit T. auf dem Sofa saß und ihn gestillt habe, war mir P., die draußen rumgeschrien hat, ein bisschen zu viel. Als ich mit P. abends im Bett lag und ihr Geschichten vorgelesen habe, habe ich kurz vergessen, dass ich gestern Abend ein Kind zur Welt gebracht habe, dass im Wohnzimmer gerade schlummert.

Dann einerseits so tolle Momente – Vorgeschmacks-Momente – wie der Morgen und P. kommt ins Bett und wir liegen da zu viert. Und dann gleich die andere Seite: T. fängt an zu weinen und P. fragt „Warum weint der?“, verzieht das Gesicht und sagt „Mir ist das zu laut. Das nervt / Das ist anstrengend.“ oder auch „Nein, T., du darfst nicht in mein Zimmer!“ als ich mich mit ihm zu ihr und K. legen will, während sie sich ein Buch angucken… Ist ja toll, dass sie das so klar sagen kann… Aber auch ein Dämpfer, der Befürchtungen schürt.

Und dann hatte ich natürlich einen ordentlichen Heulanfall…

Es ist komisch. Ich bin so… ich bin so traurig für P., weil sie nun einfach nicht mehr die Nummer 1 ist und ich mir vorstellen kann, dass das echt hart für sie ist. Und ich selbst finde es für mich schwierig, weil die Hormone mich total an T. binden und ich ihn wirklich mit Herzchen-Augen angucke, den ganzen Tag…  Ich finde es schwierig, weil ich nicht in P.s Kopf gucken kann und Kinder in dem Alter ja auch noch nicht reflektiert sagen können „Du, damit komme ich gerade ganz schwer zurecht.“ Sie verhält sich einfach irgendwie und ich muss, glaub ich, aufpassen, dass ich da jetzt nicht zuuuu viel rein interpretiere… Ich versuche, Rituale bewusst mit ihr durchzuziehen. Wie immer mit ihr aufzustehen, zu frühstücken und sie anzuziehen. K. bringt sie in die Kita. Es tut mir ein bisschen weh, weil es für sie sicher traurig ist, dass ich sie schon seit Monaten nur noch selten abhole und den Nachmittag mit ihr verbringe, und jetzt geht das ja noch einen Moment so weiter. Ich wäre gern mal wieder uneingeschränkt da für sie. Und ich weiß nicht bzw. ich will nicht, dass sie mir das irgendwie nachträgt bzw. dass sich das allzu sehr auf unsere Beziehung auswirkt. Dass das irgendwas kaputt geht, was nicht mehr wieder gut zu machen ist.

Mein Mutterherz krampft ein bisschen zusammen vor Angst, wir könnten uns vor dem Hintergrund dieser neuen Situation total entfremden…

Ja, ich hab echt ein bisschen Herzschmerz. Einfach nur aufgrund der Tatsache, dass es zwischen uns nie, nie, nie wieder so sein wird, wie es einmal war. Das ist etwas, das ich mir vorher hätte etwas bewusster machen sollen. Das heißt nicht, dass ich jetzt denke, dass es ganz schrecklich anders ist als sonst oder so oder niemals gut werden wird. Es wird nur nie wieder so sein, wie es war. Sie wird einfach nie mehr mein eines Kind sein. Ach herrje… Ich könnte schon wieder heulen *schluck* (Jaja, die AfterGeburt-Hormonladung tut da sicher auch ihren Teil dazu…)

Davon abgesehen bin ich mir eigentlich ja sicher, dass sich das alles einspielen wird. Wenn sie erst einmal feststellt, dass wir auch alle zusammen wieder raus gehen, Dinge unternehmen und es nicht ewig bei dieser Ausnahmesituation bleiben wird. Wenn es einfach normal wird, dass T. da ist. Wenn T. für sie einfach selbstverständlich dazu gehört. Außerdem tut es der kleinen Prinzessin – so auf lange Sicht – schon eher gut, nicht mehr ständig in unserem Mittelpunkt zu stehen.

Aber trotzdem… hach… Ich wünschte, ich könnte in ihren Kopf reinschauen und genau sehen, was die Situation gerade mit ihr macht. Man muss ziemlich genau beobachten, um das rauszukriegen. Ich kann nur mutmaßen, wie es in ihr aussieht gerade und ob sie wirklich schlimm daran zu knabbern hat oder ob alles okay ist. Ich denk, die Zeit mit ihrer Omi tut ihr ganz gut gerade. Sie hat sich gestern – 4 Tage nach T.s Geburt – auch ausdrücklich gewünscht, bei ihrer Omi zu schlafen… Und ich weiß, dass es ihr dort gut geht. Und ehrlich gesagt tut es mir auch gut, dass sie weg ist und ich merke, dass sie mir fehlt und ich mich darauf freue, wenn sie wieder hier ist.

Mein großes Kind kommt mir wirklich irre groß vor gerade! Wenn ich den ganzen Tag mit T. zu tun hatte, sie abends nach Hause kommt und ich ihre Hand anfasse, ihre Kopf streichle… Das ist ein Weltenunterschied. Wahnsinn! Daran muss ich mich auch erst einmal gewöhnen. Auch daran, dass man einen Säugling ganz anders anfasst und kuschelt als ein 3-Jähriges Kind.

Becoming pregnant: Making Of

(oder: Eine Hysterikerin wird schwanger)

Prolog

Wer sich das hier reinziehen will, dem empfehle ich die Lektüre in möglichst entspannter Haltung und häppchenweise. Mitzudenken ist hier weder von Nöten noch zu erwarten. Diese Schilderungen bedienen lediglich den allgemeinen Voyeurismus oder wahlweise die Langweile ;) 

Teil 1 – Vorgeplänkel, Hirnsülze, Erklärendes

(Ja, das Making of wird veröffentlicht vor Beginn der eigentlichen Dokumentation. Crazy, ne? Im ernst: Das ist wichtig, um zu verstehen, warum und so… Na, lest selbst:)

Ich beichte: Ich bin hysterisch. Raserei, Hysterie, Aufregung, Unentspanntheit, Gereiztheit, Angespanntheit, … Alles Wörter, die auf mich und meine Zustände wahrscheinlich oft zutreffen.

Ich bin zum Beispiel wahnsinnig aufgeregt vor ersten Dates. War ich schon immer. Ich kann an nichts – also: an GAR NICHTS – anderes denken, wenn ich mich verknallt habe. Ich komme mit Prüfungssituationen nicht klar. Ich habe Lampenfieber. Okay, das klingt wahrscheinlich noch ziemlich normal. Bis zu einem gewissen Grad ist es das wohl auch.

Aber: Ich kann Ereignisse, die unaufhaltbar näher kommen, deren Zeitpunkt ich aber nicht selbst bestimmen kann und die eine gewisse Wichtigkeit mit sich bringen, nicht einfach auf mich zukommen lassen. Genau genommen kann ich eigentlich gar nichts und niemanden einfach auf mich zukommen lassen, wenn es mir auch nur ein kleinwenig wichtig ist. Ich bin ein Kontrollfreak! Eine zeitlang hat mich selbst der Gedanke, die Wohnung verlasen zu müssen, extrem unter Druck gesetzt, sodass ich es ein halbes Jahr lang nur noch im äußersten Notfall getan habe.

Wenn etwas mehr oder weniger Großes ansteht, dann kreisen meine Gedanken NUR noch – will heißen: ausschließlich und immer wieder von vorn – um diese eine Sache. Das ist total anstrengend. Ich kann unter gar keinen Umständen davon ablassen, mich mit etwas anderem beschäftigen oder mich ablenken. Ich schlafe schlecht, bekomme Kopfschmerzen, bin gereizt und vermutlich unausstehlich. Ich wandle in einer eigenen Welt herum, will in Ruhe gelassen werden, bin kaum ansprechbar, bevor „es“ nicht endlich überstanden ist. Ich kann es einfach nicht ertragen, nicht zu wissen, was mich erwartet, wie und ob etwas so klappt wie ich es will oder nicht… Die Spannung macht mich volkommen wahnsinnig! So sehr, dass ich in einer solchen Situation wirklich denke, den Verstand zu verlieren. So sehr, dass ich flüchten, weglaufen, mich einfach davor drücken will. Ich habe mit verschiedenen Techniken versucht das in den Griff zu bekommen – Yoga, Entspannungstechniken, nachgeben, mich dafür nicht verurteilen, mir die (nicht schlimmen) Konsequenzen klarmachen, an Leute denken, denen es viel schlimmer geht, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, Saufen, viel weggehen, gar nicht weggehen, Beziehung führen, keine Beziehung führen, reden, nicht reden und schreiben, schreiben, schreiben… Alles mögliche (außer Tabletten). Unter anderem deshalb habe ich meine Bandtätigkeiten (vorerst) aufgegeben und stark daran gezweifelt, ein Studium (bzw. eine gewisse Zeit über selbst das Verlassen des Hause) bewältigen zu können. Unter anderem deshalb existiert dieser Blog.

Eine entspannte Schwangerschaft, in der man einfach alles so auf sich zukommen lassen kann, ist unmöglich, wenn man so ein Mensch ist. Trotzdem: Irgendwann Ende 2012 entschieden wir uns also tatsächlich, dass wir ein zweites P. möchten. Eigentlich irgendwie wahnwitzig.

Irgendwie dachte ich, obwohl ich mich durch meine ständige Selbstbeobachtung mittlerweile ziemlich gut kenne, es würde nicht ganz so schlimm werden. Ich dachte, ich wäre mittlerweile etwas älter geworden, hätte dazu gelernt, könnte besser mit mir und ‚damit‘ umgehen… „Ich hab gar nicht die Zeit dafür, mich da extrem hineinzusteigern. Schließlich studiere ich und habe ein Kind zu versorgen! Check DAS mal, Kopf!“ dachte ich mir. Dabei drückte ich auf den „Ja, ich möchte die 40er-Packung Ovulationstests bestellen“-Button und schrieb meine Top 5 der männlichen und weiblichen Vornamen ins Tagebuch. Das war ein halbes Jahr bevor das Hibbeln überhaupt wirklich losging! *kopfschüttel* Wie bescheuert das ist!

Teil 2: Vorbereitungen

Ovulationstests, 40 Stück. 10 verschiedene Zyklus-Apps. ALLES, wirklich ALLES lesen über Ovulation, Zyklus, Befruchtung, … (Ich könnte jetzt vermutlich jemandem bei seiner Doktorarbeit über ein verwandtes Thema sachdienliche Hinweise geben.)

Mit K. sprechen. Mindestens 300 Mal: „Willst du das auch wirklich? Haben wir uns das gut überlegt? Ist das für uns die richtige Entscheidung? Sag mir nochmal, warum du das willst!“

Berechnen. Wenn Befruchtung im Dezember, dann Geburtstermin im August, Befruchtung Januar – Geburtstermin September usw. Wenn meine letzte Menstruation dann und dann war, ist mit dem ES ab da zu rechnen, also Testen ab dem und dem Tag.

Mit K. streiten über DIE wichtigste Sache.

Testen. Beobachten. Hyperventilieren. (Warum sind Hormontests für Hysterikerinnen überhaupt frei verkäuflich??)

Femibion 1 nehmen.

Warum kann ich die Sache nicht einfach entspannt angehen? Warum bin ich nur so … unentspannt? Ich ärgere mich, denn ich muss zugeben: Mir bereitet das doch teilweise einen gewissen (Hmmmmnn… Wie würde meine Therapeutin es ausdrücken?) ‚Lustgewinn‘. Ich liebe es, mich in Themen zu vergraben, sie mir nach und nach zu erschließen und schließlich zu verstehen. Noch mehr liebe ich es, wenn ich durch (Denk- und Horizonterweiterungs-)Arbeit zu einem gewünschten Ergebnis/Ziel komme. HA! Und geklappt hat’s ja schließlich, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Es wäre mir echt recht geschehen, wenn ich hätte länger warten müssen. Dann hätte ich mal wieder üben können, dass man geduldig sein muss. Mein ‚Fleiß‘ zahlt sich leider viel zu oft aus.

Was tut die gemeine Hysterikerin, wenn sie sich vermehren will?

Zunächst: Sie informiert sich. Sie liest, sie wälzt, sie studiert, sie untersucht, sie vergleicht, sie findet heraus und sie denkt. sie denktdenkt viel, denkt mehr und noch mehr und zu viel… viel zu viel!, sie hinterfragt, googelt, googelt lange, liest Foren, Bücher, Hilfeseiten, Erfahrungsberichte… Und das alles vorbereitend (!!!) Während andere schon längst auf ihrem (im Idealfall) potenten Partner hocken und (im noch idealeren Fall) einfach oft genug im Monat p*ppen, sitzt die Hysterikerin nächtelang vorm Rechner und plant. Bloß nichts dem Zufall überlassen!

Ich wälzte Foren und Statistiken. Ich habe in gefühlt mindestens 300 verschiedene „Quellen“ gelesen, wann so ein Ovu-Test im Normalfall wirklich positiv ist (wenn die Testlinie dicker ist als die Kontrolllinie), wann der ES dann voraussichtlich bevorsteht (in max. 48 Stunden), warum das überhaupt so ist (LH = ‚Eisprungauslöser‘ –> wird ausgeschüttet und verursacht Freigabe der Eizelle an den Eileiter), wie lange die Eizelle dann befruchtungsfähig ist (12-24 Stunden), wie lange S*ermien überlebensfähig sind (normalerweise etwa 3 Tage, manchmal 5 in Ausnahmefällen 7), wohin die Eizelle wandert und wie lange sie braucht (unterschiedlich), wie die Sperm*en die überhaupt finden (Duftstoffe), wann mit der Einnistung zu rechnen ist (5 bis 10 Tage nach Eisprung), wie die genau abläuft (hochspannend! Unser Körper ist so eine alienmäßige Angelegenheit!) und wann die Ausschüttung von Schwangerschaftshormonen beginnt. Phieuw…

Teil 3: Wir stellen uns scharf

Wir einigen uns. Wir wollen. Ab November 2012. Uhuuu, wie aufregend! (Ach ja: wir wollten nach September 2011 schon einmal, dann aber wieder doch nichtUnd dann also doch… Mann, sind wir konsequent!) Nur doof, dass mein Körper gerade dann (scheinbar) nicht mitmachen wollte: Weder Regelblutung noch Eisprung liesen sich nach dem 17.11. blicken. Der nächste Eisprung kam erst zu Weihnachten…

Ab dem Moment, in dem es ausgesprochen war, konnte ich kaum an etwas anderes denken: WannistmeinEisprung WannwarenmeineTage Wannbinichfruchtbar Wannkönnteesklappen WannwäreGeburtstermin WannistmeinEisprung WannwarenmeineTage…

Warum eigentlich? Ich bin nicht einmal so eine Übermutter und will eigentlich auch gar keine sein! Ich möchte vor allen Dingen zwei Kinder, die füreinander als Kinder „da sein“ können, gemeinsam spielen, streiten und alles in allem eine coole Kindheit zusammen haben, mit jemandem der sie viel besser versteht als die doofen Erwachsenen. Nicht mehr. Und nicht weniger. Warum also die ganze Aufregung? Und dann waren auch noch Weihnachtsferien… Keine UNI, die mir das Hirn verstopft und freie Bahn für’s heiß machen…

Ich habe mich wohl in dieser Hinsicht einfach nicht unter Kontrolle.

K. meint, ich müsste mal lernen, das (und damit mich) so zu akzeptieren wie es ist (ich bin). Wahrscheinlich hat er recht damit. Natürlich hat er recht damit! Dann bin ich halt bescheuert. Akzeptiert (oder so ähnlich).

Weihnachten war hier jedenfalls ziemlich… kuschelig ;-)