Schwanger sein: 40. Woche (7)

*seufz*

immernoch Samstag (39+5):

Gestern Abend gegen 21:30: ordentlich Regelschmerzen-artiges Ziehen im Unterleib. 10-Minuten-Abstände etwa. Versuche, mir nichts darauf einzubilden. Natürlich aber doch wieder Hoffnung. „Oh, ich will-will-will es nicht denken, aber… vielleicht… es könnte doch… vielleicht heute Nacht… und dann morgen… Oh bitte, ihr Kontraktionen… Nun werdet endlich stärker…“ Das Ziehen ist ziemlich stark. Kein Appetit jetzt. Glaube nicht, dass ich das Essen von K. runterkriege. Bin aufgeregt. Versuche, zu unterdrücken. NeinNeinNein! Das heißt nichts. Ich will mich nicht heißt machen. Nicht schon wieder.

Etwa eine Stunde später: Das Ziehen wird deutlich weniger. Dann fast nichts mehr. Was soll ich dazu jetzt noch sagen? Ich finde es einfach nicht gerecht. Echt jetzt. Gegen 23:50 beleidigt ins Bett. Kein Avena Sativa heute. Einschlafen dauert.

Sonntag (39+6):

Nach der frühmorgendlichen Pinkelpause gegen 4 Uhr zum Glück wieder eingepennt. Jetzt 8:30 rum. Aufwachen, pinkeln müssen, harter Bauch, das große Seufzen. Wieder nichts… Immernoch schwanger. P. kommt schlaftrunken ins Bad, auch Pinkeln. Erschreckt sich, dass ich schon da bin. „Meine liebe, liebe Mami“ – hach. Erstmal Kuscheln. Und nochmal alle zusammen ins Bett. Das besänftigt das Muttertier.

Woar… Mein Kreislauf. Das hatte ich schon vor zwei Wochen Mal im Krankenhaus. Niedriger Blutdruck war das da… Ist es das jetzt auch? Schwindel, zittrig, Schweißausbrüche, Hitzewallungen. Was ist das? Trinke ein Glas Wasser auf Ex, ein Glas Saft, Kakao und Kaffee. Keine Verbesserung. Reiße die Fenster auf, lasse kaltes Wasser über die Unterarme laufen. Mir wird schlecht. Das soll weggehen. P. beschäftigt sich damit, ihre Kinderpflaster auf eine gemalte Figur zu kleben. K. wird mit ihr später zu einem Familienfest gehen. Fühle mich total zerstört. Warum?

Seminareinschreibung. Ich habe keine Ahnung, wie ich in drei Wochen in der Uni sitzen soll… Wenn ich das nicht tue, bekomme ich aber kein Bafög. Und das können wir uns nicht leisten. Dilemma.

K. und P. sind weg. Studienleistung schreiben. Hypothesen und Theorien… Theoriebildung… Falsifikation… Hypothesenprüfung… Erstmal wieder reinkommen. Pffft… Kopf schwirrt, Bauch wird hart. Gedanken schweifen… Hypothesen sind… Verdammt, T., warum kommst du nicht da raus? Du bist bestimmt schon voll der Klops… Warum machst du es dir so gemütlich da drin?… SummSumm… What’s App ist ’ne scheiß ablenkende Erfindung… „Nee, nichts Neues.“… Also… Theorien im Rahmen quantitativer Forschung stellen in der Regel… „ssw 40 baby groß keine wehen“… Verdammt, das hast du schon 1000 Mal gegoogelt… Jede Schwangeschaft ist anders… Natürlicher Prozess und so… SummSumm… „Nee, ich kann gerade schlecht planen, Sorry.“… Aua, Bauch hart… Wo war ich? Die induktive Schließlogik ist die übliche Vorgehensweise bei qualitativen Forschungsprojekten und dient zumeist… Ob T. am Ende vielleicht doch eine Punktlandung hinlegt? Na das wär’s ja…

 

Alles andere wäre Wiederholung von bereits vielfach Beklagtem. Ich habe wieder zu viel sinnlos gegoogelt, eine halbe Stunde lang mit Pausen meine BW massiert und vor mich hingestunken. Fühle mich extrem ausgelaugt heute. Gegen Mittag auch nochmal so ein Kreislaufabfall… Sehr unangenehm.

Morgen ist der errechnete Termin, auf den ich mir die ganze Schwangerschaft über nichts einbilden wollte und auch nichts eingebildet habe. Weil ich mir viel zu sicher war, dass T. früher kommen wird. Ich habe keine Erfahrung mit dem hier und hätte echt drauf verzichten können. Ich hasse diesen Zustand und ich glaube, ich werde heulen, sobald ich die Geburt hinter mir habe. Und zwar 5 Tage lang. Vor Erleichterung! Ich will nienienie wieder schwanger sein! Ich fühle mich eingesperrt, festgenagelt, unausgeglichen und scheiße. Ich ertrage dieses Pulverfass nicht, ja weil ich halt scheiße ungeduldig und schon unschwanger ständig super-nervös bin. Weil es mich ankotzt, unbeweglich zu sein und weil es mich ankotzt, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann! Das ist bei mir einfach so ein Problem. Wenn was ansteht, dann ist das in meinem Kopf und nur das. Und was anderes kommt da nur ganz schlecht und schwer rein. Das ist bei Prüfungen so, bei Dates, bei Auftritten, manchmal schon bei ganz normalen Treffen… Und erst recht bevor ich entbinde. Diese scheiß Unklarheit. Diese scheiß Ungewissheit. Dieses scheiß Vorgeplänkel. Diese scheiß Stimmungsschwankungen. Dieser scheiß-ätzende körperlich eingeschränkte Zustand. Dieses sich schlapp fühlen. Bääääääh!!!

Ich ertrage das übrigens insbesondere deshalb nicht, weil ich mich so nicht ertrage und weil ich nicht ertrage, wie ich daran scheitere, entspannt-locker-lässig-laid back zu sein oder den Zustand wenigstens so halbwegs mit Würde hinzunehmen.

Ach Mist. Und dabei wollte ich heute nicht jammern.

Schwanger sein: So war die 30. Woche

Antibiotikum bekommen wegen der Kieferhöhlensache. Jetzt endlich wieder atmen können. Dafür Nebenwirkungen des AB.

4 Tage sturmfrei über’s Wochenende: Herrlich! Ich merke, dass mir der Alltag mit dauerkrank sein, Kleinkind, für Prüfungen lernen, zur Uni zu den Veranstaltungen fahren und noch diverse Projekte, die ich daneben laufen habe einfach zu viel ist. Bis zum 23.07. muss ich da jetzt noch durch. Danach mach ich nichts mehr, so gut es geht. Danach ist vor allem Urlaub! Den haben wir hier alle ziemlich nötig.

Ich versuche mich wegen der Prüfungen nicht so heiß zu machen. Aber es will nicht wirklich klappen… Irgendwelche Tipps zum Runterfahren? Ich bin immer viel zu nervös. Vorrangig wegen der mündlichen Prüfung. Am liebsten würde ich mich irgendwie drücken…

T. bewegt sich wahnsinnig viel… Meine Träume von Baby-Gliedmaßen, die plötzlich aus dem Bauch rausgucken, spiegeln das wieder.

Trächtigkeitsstatus jetzt aktuell:

  • Letztes Schwangerschaftsdrittel, 8. Monat
  • 31. SSW (rechnerisch), 30 Wochen + 0–6 Tage schwanger
  • 10 Wochen bis zum ET
  • 6 Monate nach Befruchtung
  • T. ist 28 Wochen alt
  • 197. bis 203. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby komplett: ca. 40 cm
  • Scheitel-Steiß-Länge: ca. 27 cm
  • Durchmesser des Köpfchens: 7 – 8 cm
  • Gewicht: ca. 1700 g
  • Fußlänge: ca. 6 cm

Noch 68 Tage bis zum Termin.

Schwanger sein: So war die 25. Woche

Hey, ich hatte letzte Woche falsch beziffert… Die 25. Woche war ja am Montag erst durch.

Tjaja… Irgendwie war das anstrengend. Am Anfang der Woche hatte ich echt mit meiner Müdigkeit zu tun und ab mittags Kreislaufprobleme – ich hab da so ein beengendes Gefühl im Brustkorb und es fühlt sich an, als hätte ich Herzrasen (was ich de facto aber gar nicht hab), total unangenehm. Und wie immer: P. reagiert dementsprechend und ist genauso angespannt und schlecht gelaunt wie ich selbst. Das Wetter tat natürlich sein übriges. Seit Pfingsten hat’s hier ja dauergeregnet… Die Prüfungen rücken näher, die tägliche Pendelei, mein Kopf kann sich nicht konzentrieren, ich schaffe es kaum die Texte zu den Seminaren zu lesen, das BA-System nervt mich, weil man sich eigentlich überhaupt nicht tiefergehend mit einem Thema beschäftigen kann und überall nur so durchrast. Ich hatte ’nen ganz schönen Hänger und mich laufend gefragt, wo meine positive Stimmung aus dem April eigentlich hin ist… Wahrscheinlich mit dem Regen in L.s Kanalisation gespült.

T. veranstaltet währenddessen andauernd Pränatalgymnastik im Bauch, die auch von außen gut zu sehen ist. Bupp… Bupp… BuppBupp. Ist das seltsam, wenn ich im Seminar sitze und gerade ganz bei einem Thema bin und plötzlich hüpft es unter den Rippen… Da kommt man ja sowas von raus ;-) Wie soll das erst bei den Prüfungen werden?

Verrückt ist das doch: Am Anfang der Schwangerschaft war ich sooooo hibbelig (ob es klappt?) und dann besorgt (ob es bleibt?) und dann hysterisch (wah! es bleibt!) und dann am zweifeln (oh je, ob das mal gut geht…) und dann übermüdet (ich! will! nicht! lass! mich!), dann ganz zufrieden (hach, Frühling, hach, wachsender Bauch, hach, tolle Familie…) und ab der 23. Woche kamen dann die Wehwehchen wieder, die Überforderung und Genervtheit… Ganz schönes auf und ab…

Beim Laufen hatte/habe ich ja diesen heftigen Druck nach unten hin zum Schambein und das Stechen im Bauch. Meine Ärztin hat mir Magnesium aufgeschrieben und ja, es ist besser seitdem. Ich soll vor allem auch etwas ruhiger machen. An diesem Freitag habe ich einen Termin bei meiner Hebamme… Meine Gyn hat auch einen Innen-Ultraschall aufgrund meiner Beschwerden gemacht und mir erklärt, dass der Muttermund noch sehr fest verschlossen ist und der Gebärmutterhals laaaaaaaang (6,5 cm). Wieder was gelernt: Offensichtlich verkürzt sich der GMH zum Ende der Schwangerschaft. Und ich frage mich jetzt: Hat die Geburt bei P. deshalb vielleicht so lang gedauert? Hat sie sich deshalb nicht so richtig gedreht oder einmal zu viel (sie lag unten dann quer)? Oder lag das mit der ewigen Dauer eher daran, dass ich einen vorzeitigen Blasensprung (38+0) hatte und der Druck auf den Muttermund dadurch einfach zu schwach war? Der war ja nach 16 Stunden erst bei 3 cm

T. liegt/lag übrigens bereits mit dem Kopf nach unten, beim letzten FÄ-Termin jedenfalls.

Am Ende der Woche hatte ich das Gefühl, aus dem Loch wieder raus zu sein. Dafür war ich dann von K. genervt. Das ist ja so eine Sache, die ich wirklich den Hormonen (oder der Belastung?) zuschiebe: Ich kann nicht an mich halten. Wenn ich genervt bin, bin ich genervt und kann das nicht einfach unterdrücken oder nicht so tragisch nehmen. Wenn ich traurig-sauer-müde bin genauso.

Ich frage mich, was P. denn nun von der Sache wirklich versteht. Sie kuschelt und küsst den Bauch und redet mit T… Aber wie wird sie dann reagieren, wenn er da ist?

Das interessiert mich wirklich: An die Mehrfachmamas: Wie haben eure Kinder auf den Neuankömmling reagiert? 

Trächtigkeitsstatus aktuell:

  • 2. Schwangerschaftsdrittel, im 7. Monat
  • 26. SSW (rechnerisch, nach Durchschnitts-Mens)
  • 25 Wochen + 0–6 Tage (ärztliche Berechnung)
  • Fruchtwassermenge: ca. 0,5 Liter
  • “echtes” Alter meines Babys: 23 Wochen (5,5 Monate, nach Befruchtung)
  • 162. bis 168. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge insgesamt: ca. 33 – 35 cm
  • Scheitel-Steiß-Länge: ca. 23 cm
  • Durchmesser des Köpfchens: 6,5-7,5 cm
  • Gewicht: ca. 800 – 900 g
  • Fußlänge: ca. 5 cm

T. soll wohl jetzt langsam auf Licht reagieren. Ich werde das nächste Woche mal probieren und euch berichten. Außerdem übt er Atmen… Ach und das Baby isst/schmeckt mit.

Noch 103 Tage bis zum errechneten Termin.

 

Quellen:
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/Embryology/Woche24.htm
http://www.liliput-lounge.de/schwangerschaft/schwangerschaftskalender/26-woche/

Schwanger sein: So war die 18. Woche

Die Uni schlaucht doch ziemlich, ich habe meinen Plan umgestellt, sodass ich nur noch an drei statt vier Tagen pendeln muss. Im Moment mache ich mir sehr viele Gedanken darüber, ob ich nach der Geburt wirklich zwei Semester pausiere und dann nach einem Jahr ins dritte Semester einsteige. Eigentlich würde ich gern „ein bisschen“ weiter studieren und das 3. und 4. Semester strecken… Ich bin mir aber nicht sicher, ob das so ohne weiteres geht. Bei uns hängt das 3. und 4. Semester ziemlich eng zusammen. Hat jemand von euch das gemacht? Also recht zeitnah nach Geburt eines Kindes Lehrveranstaltungen besucht und Prüfungen abgelegt?

Sobald ich P. abends hingelegt habe und mich auf’s Sofa fallen lasse, beginnt die Beele zu tanzen. Das kann ja lustig werden, wenn Nr. 2 dann geboren ist. Ich hab schon überlegt, ob ich mir mal die Strampelzeiten (übrigens genau auch JETZT in diesem Augenblick!) notiere und dann schaue, ob Baby auch zu den Zeiten etwa wach ist ;)

Meine B*üste verändern sich noch immer weiter, werden dunkler und sind regelmäßig sehr warm. Die juckenden BW nerven mich auch ständig. Ich versuche, es auszuhalten. Ich will nicht so viel cremen, weil ich denke, dass das beim Stillen nicht förderlich sein wird, wenn die BW so weich sind.

Meine Neurodermitis fängt wirklich wieder stärker an. Das ist doch doof!

Ich wiege zwischen 70 und 71 Kilo. Vor der Schwangerschaft war ich bei etwa 65. Also 5 bis 6 kg Zunahme in etwa 20 Wochen. Am liebsten wäre es mir, ich würde jetzt bis zum Ende nicht noch mehr als 9 zunehmen. Mal sehen…

Beele-Facts jetzt aktuell:

  • 2. Schwangerschaftsdrittel
  • 5. Schwangerschaftsmonat (4 Monate)
  • 19. SSW (rechnerisch nach der letzten Menstruation)
  • 18 Wochen + 0–6 Tage (ärztliche Berechnung)
  • Alter des Babys: 16 Wochen (nach Befruchtung)
  • 113. bis 119. Tag der fetalen Entwicklung
  • Kopf-Po-Länge: ca. 12,5 – 14,5 cm
  • Durchmesser des Köpfchens: 42-51 mm
  • Gewicht: ca. 220 g
  • Fußlänge: 27 mm

Die Plazenta ist jetzt voll ausgereift und nimmt nur noch an Breite zu, nicht an Dicke. Das Baby hat jetzt schon seinen eigenen Fingerabdruck. Das Gesicht wird noch etwas „knöchern“ wirken, das Fettpolster ist noch nicht da. Noch bis zum Ende dieses Monats – hoffentlich wirklich nur noch bis dahin – ist die Beele für uns ohne Geschlecht, momentan tendieren wir vom Gefühl her wieder eher zu einem Mädchen. Ich bin jetzt wirklich wahnsinnig gespannt! Wenn ich den Angelsound nutze (nur noch etwa 1x pro Woche, wenn überhaupt), dann höre ich das Herz sofort und sehr laut. Es ist fast egal, wohin ich den Knopf drehe oder wo ich ihn genau auflege. Nächste Woche = Halbzeit. Nur noch 152 Tage bis zur Geburt.

Quellen:

http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/Embryology/Woche17.htm
http://www.mamawissen.de/schwangerschaftswochen-17-bis-20-ssw-der-funfte-monat/
http://www.swissmom.ch/schwangerschaft/woche-fuer-woche/von-der-14-bis-zur-26-schwangerschaftswoche/medschwwfw19/

Es funktioniert! (+ Liebeserklärung)

Die vielen Gespräche der letzten Zeit mit K. und anderen Menschen, das viele Schreiben und auch eure Antworten auf meine Fragen, vielleicht auch der Beginn des Studiums, in dem ich mich ja nun auch fachlich mit pädagogischen Themen auseinandersetze, scheint etwas zu bewirken. Weniger bei meinem kleinen P. als bei mir.

Ja, ich komme zunehmend besser klar. Auch wenn das komisch klingt, weil mein Artikel über die „Grenzen-Problematik“ (höhö!) ja erst vorgestern hier erschienen ist. Das gärt und entwickelt sich ja alles schon länger. Und was soll ich sagen? Es funktioniert. JUHUUU!

Ich bin konsequenter. Und ich weiß, dass das gut ist. Ich sage Dinge wie „Ja, das Messer ist runtergefallen. Du kannst es selbst aufheben oder es bleibt liegen. Ich hebe es nicht auf.“ oder auch „P, wenn du einfach rumbrüllst, dann möchte ich nicht mehr weiter essen.“ Wundersamerweise Dinge, die ich vorher nie so klar ausgesprochen habe, die aber ganz einfach funktionieren. Das P. sagt dann „Doch Essen!“ und es geht friedlich weiter.

Ich bin interessierter. Eine Kommilitonin meinte, sie fände meinen Tipp mit der „Geschwister-Taktik“ total gut. Das hatte ich bis dato vor Gram über die schlechte Stimmung von mir und P. schon wieder fast vergessen. Aber es ist tatsächlich ein guter Tipp! Und wenn ich bei all der Mütterlichkeit und den Fragen im Kopf meinem Kind einfach mal wieder interessiert beim Spielen und „sich verhalten“ zugucke, dann löst sich ganz viel „Ätz!!!“ in „Hach…“ oder „Ach deshalb!“ auf. So einem Kleinkind beim Welterkunden und Reagieren beobachten kann nämlich echt spannend sein.

Ich bin ausgeglichener. Tatsächlich bewirkt die „gerechtere“ Verteilung des D.A.K. („Dienst am Kind“) in und mit mir wahre Wunder. Trotz organisatorischem Stress und innerer Anspannung ob all der neuen Menschen, Themen und Fristen, die auf mich einströmen, fühle ich mich mit meiner Familie wohler. Weil ich nicht mehr immer und jeden Nachmittag alleine entscheide, was ich mit meinem Kind nun anstellen soll, auch dann, wenn ich eigentlich das Bedürfnis habe, meinen Kopf und mich mal mit etwas anderem zu beschäftigen. K.’s Dienste sind jetzt verteilter, er holt das P. regelmäßig aus der Kita ab und die beiden mich dann vom Bahnhof. K. ist nicht mehr einmal im Monat eine Woche ganz weg. K. und ich waren sogar 2x in dieser Woche gemeinsam OHNE KIND frühstücken! Luxus! Es kommt so etwas wie Paarzeit auf und es tut uns gut. Uns allen! (Btw. bestätigt sich hier meine Vermutung, dass MEINE ideal-utopische (?) Vorstellung von Familie wäre: Beide Eltern = Teilzeit.)

Kleinkinder sind (auch) toll! Ehrlich! ;-)

Das versprochene Nach-Reichen der Gegenseite. Das ist mir wirklich, wirklich wichtig! Ich nutze diesen Blog (so wie übrigens jegliche „Output-Optionen“) immer eher als Spucknapf und Kompensations-Instrument. Ich bin nicht so gut über Sachen zu schreiben, die ganz toll und entzückend sind und ich komme auch selbst mit den Zuckerguss-über’s-Kind-Artikeln nicht gut klar. Ich les das nicht so gerne. Das klingt immer so nach übertriebener Mutterliebe und Protzen und Schürze tragen und Putzfimmel und Reihenhaus und Angst vor Nonkonformität… Ich krieg davon jedenfalls immer ein kleines bisschen Gänsehaut. Ich kaue lieber Probleme und Fragen durch, zeige lieber die andere, irgendwie auch normale Seite des Elternseins und… ja… kotze ein bisschen ab. Aber zugegeben: Vielleicht entsteht dadurch ein bisschen der falsche Eindruck?

Nun ja: Hier also mein Versuch für alle Eltern, die vielleicht hier mitlesen, jüngere Kinder haben und sich bei jedem neuen Artikel denken: „ACH DU SCHEISSE! WIE WERDE ICH MEIN KIND LOS BEVOR DAS MIT IHM PASSIERT???“, von den anderen, total schönen Kleinkind-Seiten zu erzählen:

  1. Sie lernen sprechen!

    Das ist das tollste und lustigste und beste überhaupt. Der wundervolle „Quark“, der jeden Tag aus P. rauspurzelt ist so entzückend und herzallerliebst, dass auch ich die Zuckerguss-Quetsche nicht unterdrücken kann. Oder auch einfach: Wenn Kinder sprechen lernen, das fetzt! Die ganze unverdorbene Kreativität und Phantasie kommt da zum Ausdruck. P. singt z.B. ganz oft Phantasie-Liedchen, manchmal Quatsch-Texte auf bekannte Kinderlied-Melodien („Alle meine Hüte, swimmen aufen See!“) oder ganz neue Kreationen wie „Kommt die kleine Schnecke. Und die Augen. Und die kleine geeeeeeelbe Erdbeere“.

    Das wollt und dürft ihr nicht verpassen, schon allein dafür „lohnt“ sich jede Kleinkind-Phase allemal!

  2. Sie zeigen uns die Welt!

    Zum Beispiel: „Alles ist Spielzeug! Ich brauche kein extra Spielzeug, Mama. Kauf nicht immer so viel Rotz!“ Kleinkinder kommen auf so viele tolle Ideen… Diese Art von Phantasie, die hat man als Erwachsener einfach nicht mehr. Und ein bisschen erklären sie uns damit die Welt neu, finde ich. Das P. hat bei einem unserer letzten Abendbrote zum Beispiel eine Sandwich-Gurke über ihren Finger gelegt und festgestellt, dass das nun eine Rutsche ist. Woraufhin erst ihre Finger und dann die Physalis die Gurken-Rutsche ausprobieren durften. Kuscheltier-Mäuse werden genauso verabschiedet wie Bücher, Lineale und Schränke. Alle Menschen werden begrüßt, egal ob man sie kennt oder nicht. Überall wird Freundschaft geschlossen, kleinste Gemeinsamkeiten (und sei es nur ein Blick, der sich trifft) reichen aus, um kurzfristige Freundschaften zu schließen.

  3. Sie zeigen uns, wer wir sind!

    Immer wieder faszinierend: Kleine Kinder spüren, womit oder mit wem ihre Eltern ein Problem haben, bevor sie sich selbst darüber im klaren sind. Bist du unentspannt, sind sie es auch. Bist du dir bei einer Sache nicht sicher, sind sie es sich auch nicht. Kannst du etwas oder jemanden nicht leiden, reagieren sie dementsprechend auf die Situation. Willst du dich aus Angst (die du aber eigentlich überwinden willst) vor etwas drücken, drängen sich dich dazu es doch zu tun. Kleinkinder sind ein Spiegel ihrer Eltern. Sagt man nicht, dass Großeltern erst an ihren Enkeln sehen, ob sie gute Eltern gewesen sind? Ich denke, dass das sowas von wahr ist!

  4. Es macht Spaß und es macht Sinn!

    Ich frage mich das immer mal, wenn ich gerade den Impuls verspüre, dass ich keine Lust ein Kleinkind-Kram habe: Was würde ich jetzt tun, wenn ich kein Kind hätte? Rumhängen. Smalltalk mit irgendwelchen Leuten führen. Irgendwas tun. Jede Kneipentour und jedes Konzert mitnehmen. Tolles Ding. In diesen Momenten wird mir sehr oft klar, dass ich froh bin. Froh, dass ich nach der Uni nicht in meine WG fahre und abends ein paar Drinks zum einschlafen brauche. Froh, dass ich irgendwelchen Quatsch machen nicht mehr als meinen Lebensinhalt bezeichne. Froh, dass ich mich nie allein fühle. Froh, dass ich mich nicht mehr ständig fragen muss, wohin mich mein Leben führen soll und wofür ich das alles tue. Froh, dass ich einen Grund habe, nach Hause zu fahren. Froh, dass ich mich auf mein Zuhause freue. Froh, dass ich eine Familie habe.

  5. Liebe.

    Die Liebe, die Mensch von seinen eigenen Kindern entgegengebracht bekommt ist immens. Ehrlich, unvoreingenommen, rein… Das haut mich immer wieder um. Das war so von Anfang an. Aber ein Kleinkind hat ja noch einmal ganz neue Möglichkeiten, zu zeigen, dass es einen mag und braucht. Wenn dem Plapperkind dann plötzlich, neben haufenweise anderen Wörtern, „Hab Mama auch lieb“ aus dem Mund purzelt und es einen anstrahlt. Wenn das Kind beim Abholen in einem Affenzahn von gaaaaaanz hinten im Kita-Garten bis nach gaaaaaaaaaaaanz vorn zur Eingangstür gerannt kommt, um sich einem in die Arme zu werfen. Wenn man abends zusammen auf dem Sofa hängt und das kleine Große zu einem auf den Bauch geklettert kommt und man dann da so liegt und kuschelt und „Der kleine Maulwurf“ guckt. Wenn man am Samstagmorgen 10:00 die Zimmertür aufmacht, um das Kind zu wecken und man es 1. so vorfindet:

und man 2. mit einem fröhlichen „Hallo Mamaaaaaaaa! Gut deslafen?“ empfangen wird. Wenn man abends im Bad bei gedämpften Licht tanzend Ella Fitzgeralds „Tenderly“ hört und sich ein kleiner Kopf ganz entspannt in den Nacken schmiegt und sich zwei Ärmchen um den Hals schlingen…

Dann… ja, dann ist der ganze Nerv vergessen und es ist einfach toll, ein kleines Kind zu haben, mit dem man seine Zeit verbringen darf.

Studieren mit Kind?

Ein Monat also noch bis zum Studium. Leise – okay manchmal auch laute – Bedenken schwirren mir im Kopf… Wie war das bei euch so mit dem Uni-Kind/Familie-Spagat? Hat’s gut geklappt? Habt ihr Geheim-Tipps und Achtung-Schreie für mich?

Mir schwirrt’s da so um:

  • Geld

Ich habe immer noch keinen BaFög-Bescheid. Und eigentlich keinen Bock auf die Rückzahlung, die mir dann in ein paar Jahren im Nacken hängt. Versuch 1 ein Stipendium zu bekommen ist in der letzten Etappe gescheitert. Da gäbe es zusätzlich zum BaFög-Satz noch 150 Euro für Bücher + extra Kinderzuschuss. Versuch 2 für ein Teilstipendium läuft. Info darüber bekomme ich Ende September. Nächste Versuche für Vollstipendium werden im 2. Semester – oder so – gestartet. Ich studiere nicht in meiner Stadt, sondern muss täglich pendeln zu beschissenen Tarifen. 110 Euro Semesterticket für die Stadt dort und jeden Monat um die 80 für die andere Hälfte der Strecke hier.

Und ich muss realistischerweise eingestehen: Wir leben über unseren Verhältnissen, bezahlen einfach zu viel Miete. Aber jetzt umziehen? Ich will in diesem Viertel bleiben. Und hier eine familientaugliche und bezahlbare Wohnung zu bekommen, ist echt nicht so easy. Ich mache mir Sorgen, wegen dem Geld. Weiß, dass neben Studium und P. kaum Zeit sein wird, richtig zu arbeiten. Und eine chronische Krankheit schleppe ich ja auch noch rum. Für die wäre das ein gefundenes Fressen.

  • Zeit

Wie wird das mit dem pendeln? Kriegen wir (ich und der Crohn) das auf die Reihe ohne durchzudrehen? Wird das mit K.s Arbeits- und P.s Betreuungszeiten klappen? Der Studiengang setzt viel auf Selbststudium. Schaffe ich das… rein zeitlich? Kommt das P. dann nicht zu kurz? 40 Stunden pro Woche soll man schon einplanen… motiviert bin ich auch. Aber dann seh ich wieder das P. vor mir… „Mama… Bilän?“

  • Druck

Ich kenne mich doch. Ich mach mich immer viel zu heiß, mir selbst zu viel Druck. Falls irgendein Stipendium klappen sollte, wird sich das noch erhöhen. Auch da wird das Bauchmonster sich freuen. („Juhu, die stresst sich, dann leg ich mal mit los!“) Werde ich es dieses Mal schaffen, halbwegs entspannt zu bleiben, meinen Fähigkeiten zu vertrauen? Immerhin bin ich nun doch ein paar Jahre und Erfahrungen älter und benehme mich hoffentlich nicht mehr so… seltsam.

  • Zukunft

Wir haben uns auf einen Zeitraum für Nr. 2 geeinigt. Ab Anfang nächsten Jahres werden wir das Thema angehen. Das fühlt sich richtig an, auch wenn sich der etwaige Studienabschluss dadurch wieder verschiebt. Aber ich denke, dass dieses erneute Babyjahr für mich in 10 Jahren weniger eine Rolle spielen wird als der Fakt, dass ich dann 2 Kinder mit einem guten Altersabstand habe. Denn was den angeht, spielen die Jahre ja irgendwie doch eine Rolle. Aber: Wie wird die Organisation dann laufen? Wird das so einfach sein, wieder zu unterbrechen und dann mit 2 Kindern Haus- und Abschlussarbeiten zu schreiben? Und dann stünde auch wieder die Suche nach einem Betreuungsplatz an *seufz*

  • Engagement

Und bei all den Dingen: Wo bleibt die Zeit für die Rettung der Welt? Bisher hab ich zwar viel im Kopf, aber wenig „vorzuweisen“. Ich versuche mir einzuhämmern, dass das, was ich studiere und damit vorhabe ja in gewisser Weise schon zu „etwas Gutes tun“ zählt.

  • Gernemach

Haha. Singen, Musik schreiben, Texten, Nähen, Kultur… Verschieb ich dann wohl alles auf in 10 Jahren.

Ich stelle immer wieder fest, dass ich zu viel auf einmal will und deshalb ständig innerlich unaufgeräumt bin. Ich hab ständig so ein „Hmmm… Wieder nicht geschafft / genug gemacht“-Gefühl, was mir regelmäßig von der Innenseite meines Kopfes gegen den Schädel zu knallen scheint und mich zuweilen nicht schlafen lässt.

Und diese GedankenGedankenGedanken… Uaaaaaaah!!! Einerseits bin ich total verkopft-grübelt und mache mir über jeden Scheiß Gedanken. Andererseits bin ich aber der Meinung, dass Mensch sich selbst nicht so immens wichtig nehmen sollte und Sinnfragen allgemein ziemlich sinnlos sind, weil es nun einmal keine großen Antworten gibt. Ergo: Nicht nur die Welt ist widersprüchlich, sondern auch ich. Daraus kann jetzt irgendjemand schlau-begabtes ein fantastisches Gleichnis machen-texten-malen, ich lass es mal einfach so stehen. Oder versuche es zumindest.