Geschwistergedanken (3)

Bevor T. auf die Welt  kam, gab es bei uns die üblichen Befürchtungen… (Das kann man sogar nachlesen, hier zum Beispiel:

Ich hab mir heute versucht, uns vorzustellen, uns 4. Und ich habe uns überfordert gesehen. Ich bilde mir ein, mich ertappt zu haben. Ich möchte auf jeden Fall ein 2. Kind. Aber vielleicht möchte ich es nicht jetzt. Ich glaube, der Gedanke das mehr oder weniger unfreiwillige zweite Jahr Elternzeit mit einer Schwangerschaft und einem weiteren persönlichen “Großereignis” am Ende (klingt das jetzt sehr furchtbar?) wortwörtlich zu “füllen”, hat mir gefallen und den Wunsch verstärkt… Andererseits denke ich immer noch, dass es auf lange Sicht gesehen eine gute Entscheidung wäre. Die positiven Dinge daran, dass ich schon früh meine beiden Kinder bekommen habe und diese einen kurzen Abstand zueinander haben, würden wir aber erst nach vermutlich recht anstrengenden Anfangsjahren (mit zwei sehr kleinen Kindern) haben… Ich weiß es nicht. Ich will einerseits und finde unsere Gedanken und Argumente überzeugend, andererseits habe ich Angst und bin mir nicht sicher, ob es nicht “zu viel des Guten” wäre. Wir würden es schaffen, wenn es passieren würde. Aber sollten wir es wirklich darauf anlegen?)

K. und ich sind nicht unbedingt das, was man als „stressresistent“ bezeichnen kann. Und wir sind keine Honigkuchenpferd-Eltern. (Was nicht heißt, dass uns nicht in so manchen Alltagssituation die Augen feucht werden, weil irgendwas (mit Kind) so schön oder berührend ist.) Wir gehen einfach nicht absolut, einzig und allein in diesem Familiending auf. Wir haben beide daneben noch unsere persönlichen Baustellen… bzw. ganz einfach das Bedürfnis, uns geistig auf die ein oder andere Art (jenseits der Kinder) herumzutollen und überhaupt und sowieso gebe ich einfach keine gute „Hausfrau und Mutter“ ab.

Wir fragten uns: Wie wird Prinzessinenkind 1 reagieren? Kann man das 2. Mini-We überhaupt auch nur annähernd so lieben wie das 1.? Werden wir das packen? Wie soll das alles gehen?? Unser Freiheitsdrang und das Fremdbestimmtwerden durch noch ein Kind, was niemals das Gefühl haben soll, nur noch ein Stressfaktor mehr zu sein… Immer wieder war mir doch mit P. aufgefallen, dass ich viel zu selten genieße, ein Kind zu haben und mich – wie ein unreifer Teenager – oft nach dem sehne, was gerade nicht ist: Selbstbestimmtheit. Entfaltung. Sein Ding machen.

Kinder haben. Das heißt unter Anderem auch: Fremdbestimmung. Zwei kleine Kinder heißt, das stelle ich gerade fest, dass auch schon Mal Tage und Wochen vergehen können, ohne dass es auch nur fünf Minuten gebe, die man selbstbestimmt irgendetwas tun kann. Zwischenzeitlich kommt man sich vor, wie ein Roboter: Rabbäääääh! Registriere: Kind 1 brüllt… Check-Check-Was ist? Hunger-Pipi-Durst-Langeweile? Quäääk! Registriere: Kind 2 schreit. Check-Check-Was ist? Man kommt gar nicht mehr dazu, in sich hinein zu horchen und festzustellen, was man selber eigentlich will oder braucht. Abends klatscht man aufs Sofa und fragt sich, wann man sich wohl wieder sowas wie „beieinander“ fühlen wird. Letze Woche fand ich mich im Drogeriemarkt, mit plärrendem T. im Bondolino, wütender P. an der Hand (die unbedingt rein-raus aus dem Einkaufswagen spielen wollte), vor einem nicht funktionierenden Kartenlesegerät und mit einer, mich lynchen wollenden Menge ungeduldiger „nur noch schnell was besorgen“-Menschen im Nacken sowas von weeeeeit weg von nur Überforderung. Das war ein TOTAL-TILT. Eigentlich. Aber es muss halt weitergehen. Und das geht es auch, man macht halt einfach weiter…

ABER: Mich hat in meinem Leben bisher wahrscheinlich nichts so nachhaltig verändert, wie das Eltern(da)sein. Und: Ich hatte eigentlich immer zwei Kinder im Kopf. Gerade weil wir keine Kinder-Animateure sein wollen.

Nun ist T. 3 Monate alt. 1/4 Jahr. Er hat 2 Kilo zugenommen und ist 11 cm gewachsen. Während er in den ersten Wochen wahnsinnig (!) viel gebrüllt hat – und zwar immer, wenn er wach war – ist er nun wirklich geradezu entspannt. Er nuckelt immernoch gern an der Brust und verweigert jede Art von Schnuller. Er greift inzwischen ziemlich bewusst nach Dingen, muss immer irgendwas angrabbschen (und wenn’s die eigene Haut ist) und sabbert ohne Ende. Ob auch er wie P. schon mit 4 Monaten seinen ersten Zahn bekommen wird? Gerade heute hat er angefangen, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen und jaaaaa, man feiert Feste wie beim 1. Kind bei jedem kleinen Meilenstein. Er liegt gern auf dem Bauch und will sowohl tagsüber als auch nachts etwa aller 3 Stunden HappaHappa. Er bleibt entspannt, solange er dabei sein darf und man ihn aller 2-3 Minuten mal nett angrinst. Dann grinst er charmant zurück und alle freuen sich.

grins

Die großen Befürchtungen bezüglich der P.’schen Eifersucht haben sich verflüchtigt. Die Geschwisterei ist bisher seltsam unspektakulär. P. knutscht ihren Bruder regelmäßig ab, hatte bisher exakt einen kleinen mini-Eifersuchtsanfall – sie hatte ihm ihr Tuch zum Spielen hingehalten, er hat (wider Erwarten) zugegriffen und sich geweigert, loszulassen – und will ihm regelmäßig Dinge zeigen („Guck mal T., hier ist meine Bibi!“). Sie will ihn ab und zu mal halten und ihm Gute Nacht sagen. Es kommt manchmal vor, dass sie sowas sagt wie „Aber Papa, Mama kann doch T. ins Bett bringen“, wenn sie von ihm was vorgelesen bekommen möchte und er T. aber gerade betten wollte. Als meine Oma hier war und aus Spaß zu ihr sagte: „Komm wir tauschen, du kriegst meine Katze und ich nehme den T. mit.“ ist P. sofort in Tränen ausgebrochen, weil sie ihren Bruder auf gar keinen Fall eintauschen wollte. Das fand ich ja schon sehr herzergreifend… Für sie scheint T. einfach schon total zu uns zu gehören.

Es gibt Momente, in denen ist es eigentlich wie früher. Wenn einer von uns T. am Bauch hat und wir etwas unternehmen, dann fällt nur auf, dass einer von uns Erwachsenen etwas unbeweglicher ist als sonst. Spannend wird das wahrscheinlich erst, wenn T. auch krabbelt-läuft-will. Und die Momente/Tage, wenn einer mit beiden allein ist, sind eine ziemliche Herausforderung. Kind 1 will, Kind 2 wil und man selbst ist nun einmal nur eins.

Ganz offensichtlich hat P. gar keine Probleme damit, dass hier jetzt noch ein Kind wohnt und die Eltern in Beschlag nimmt. Oder?

Naja… Ich weiß nicht, ob ich paranoid bin und ob es nicht besser wäre, gar nicht zu versuchen, in das Verhalten meiner 3-Jährigen etwas in Richtung „Ich leide unter meiner Geschwisterschaft“ hinein zu interpretieren… Mir fällt nach wie vor von Tag zu Tag mehr auf, dass es immer schwerer wird, das eigene Kind zu durchblicken. Wie fühlt sie sich? Was beschäftigt sie? Wie verarbeitet sie ihren Alltag?

Es gibt so Dinge, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie damit zusammenhängen oder nicht… Und ob ihr das zu Schaffen macht. Ich glaube, dass das für mich tatsächlich die Problematischste Seite am mehr als ein Kind-Haben ist. DASS ICH ES NICHT WEISS! Ich will es aber wissen! Wie soll ich ihr Verhalten deuten? Hat es was mit T. zu tu, dass sie abends zeitweise bis zu 3 Stunden zum Einschlafen brauchte? Hat es was mit T. zu tun oder ist es eine übliche Phase von 3-Jährigen, wenn sie jetzt extrem zickig ist und ständig wegen Kleinigkeiten losheult? Hatte sie abends ein Problem mit dem Töpfchen, weil sie – geschwisterbedingt – regrediert oder war das einfach Zufall? Ich habe keine Ahnung…

Und ja: Man kann ein zweites Kind lieben. Sehr. Aber auch ja: Das zweite Kind läuft an vielen Stellen mit. Es bekommt nicht so viel exklusive Aufmerksamkeit.

Ich stelle fest, dass ich mit T. geduldiger bin. Rückblickend kommt es mir vor, als hätte ich in Ps Babyzeit ständig vor ihr gehockt und den Hampelmann gemacht, damit sie ’ne Regung zeigt, lacht oder sonstwas. Seien wir erhlich: Vielen Eltern ist in der ersten Zeit mit Baby vor allem eins: Schreeeeeecklich langweilig… (Wenn die wüssten! Hier ein ernst gemeinter Rat an alle Einfacheltern: MACHT, WAS EUCH GEFÄLLT! LEST BÜCHER! MALT BILDER! GEHT INS MUSEUM…) T. wirkt etwas entspannter, weil ich ihn einfach „kommen lassen“ kann… Und ich nicht andauernd auf ihn eingehe/-rede.

Man kennt sich besser aus, achtet auf Signale, kann Müdigkeitsanzeichen zum Beispiel viel besser erkennen. Man verzweifelt nicht an „so Dingen“. Und man himmelt sie trotzdem an…

 

Über Vorzeigetum und Geschwistergedanken

5 Tage waren wir in der tschechischen Pampa, um den Teil der Familie zu besuchen. Ewig lange Zugfahrten bei glühender Hitze, viele fremde Gesichter und eine unbekannte Sprache inklusive. Vor der Reise haben wir uns echt Gedanken gemacht, wie das P. das so mitmachen wird. Mit Bravour.

Kleine Kinder sind anscheinend doch echt belastbarer als ich oftmals so denke. Man muss sie einfach mitnehmen, mitmachen lassen und sie einbinden. Das P. ist ja eh immer ausgeglichener, wenn viel Action ist. Sie wird eher „unangenehm“, wenn nichts los ist und sie sich langweilt. Auf jeden Fall war und bin ich schwer begeistert von meinem Kind, das den ganzen, teilweise echt anstrengenden Trip sehr gut mitgemacht hat. Mit lachen und brabbeln und Leute bespaßen und all den Dingen, weshalb kleine Kinder halt Spaß machen. Woher kommen nur diese frohen Gemüter? Ist das vielleicht tatsächlich ein Zeichen dafür, dass wir (bisher) nicht so viel „falsch“ gemacht haben?

Das P. ist total aufgeweckt und quatscht mit noch nicht einmal 2 schon wie ein Wasserfall. Neuerdings sagt sie „unser“ (unser Bad, unser Hause, …) und das finde ich schon echt weit. Wir haben einfach immer normal mit ihr geredet und nicht wie mit einem verblödeten Halb-Menschen oder für was auch immer Eltern ihre Kinder halten, die sie tagaus tagein mit so einem „Dutzi“-Gesäusel belatschern… Sie schläft wirklich, wirklich gut und zwar bis 8:30 morgens – und das schon seit Ewigkeiten. Ohne schreien lassen oder sonstige Dramen. Wir haben einfach von Anfang an abends feste Abläufe und die immer beibehalten bzw. leicht ergänzt oder verändert. Sie isst ein bisschen zu viel Süßkram, das müssen wir echt krampfhaft eindämmen und sie ist ein recht forderndes Kind… Aber ansonsten… Glück gehabt? Gut gemacht? Keine Ahnung.

Was mir aber auch wieder aufgefallen ist: Ich kann nicht so dauerhaft und ständig Kinderbespaßung machen. Ich will dann einfach mal ab und zu meinen Kopf wegbewegen von der Kinderaktion und hin zu meinen Sinnfragen bzw. der dazu passenden Lektüre. Unterwegs fiel mir das wieder extrem auf. Sowohl mein Bruder als auch K. halten die Kleinkindbespaßung länger und Buddha-mäßiger durch als ich. Ich hab darauf einfach irgendwann keine Lust mehr und versuche das mit „Mein Kind soll ja auch für sich oder mit Gleichaltrigen die Welt entdecken, ich find’s doof, sie andauernd zu bespielen“-Kram zu rechtfertigen. Manchmal bekomme ich die Quittung dafür: „Gibst du Mama deine Hand?“ – „Nein. Papi!“ Hm. Aber ich KANN und ich WILL einfach nicht dauernd… Ist das jetzt schlimm? Kümmere ich mich dann echt zu wenig direkt um sie? Muss ich dauernd, dauernd, dauernd total bei ihr und ihrem Kram sein? Ich bin mir da nach wie vor manchmal unsicher.

Und dann gibt es da aktuell noch so ein Thema im Kopf: Kaum hab ich den Studienplatz sicher – und auch aus anderem aktuellem Anlass – dreht sich das Gedankenkarussell ((jedes Mal muss ich googeln wie dieses blöde Wort geschrieben wird! K-A-R-U-S-S-E-L-L)) in eine andere Richtung… Japp, es ist: Die Geschwisterfrage. Es soll eins geben und das P. wird nicht jünger. Mein Bruder und ich sind 4 Jahre auseinander und das ist schon fast zu viel. Andererseits: Das P. ist gerade aus dem ersten gröbsten raus und ich bin froh, mich mal wieder anderen Dingen zuwenden zu können und freue mich auf mein Studium. Das dann gleich wieder unterbrechen für die Babyzeit? Und überhaupt: Ein Säugling? Jetzt ganz bald? Kann ich mir gar nicht vorstellen… Andererseits bin ich mir fast sicher, dass ich es in 10 Jahren lieber eher und damit näher zusammen gemacht hätte… Und wer weiß schon, wann und ob es noch ein 2. Mal so schnell klappt? Und dann kommen da auch noch solche Artikel

achduscheisse!

Da hab ich mich in den letzten Tagen endlich ziemlich auf ein Wunschstudium festgelegt, da höre ich meinen Kopf plötzlich denken: „Hach ja… So ein zweites Babykind, das wäre schon ’ne tolle Sache“

Binichvollkommenbeklopptoderwas?

Mütter! DAS versteh mal einer *kopf schüttel*