Man vergisst sich immer wieder…

Hallo. Mein Name ist moody. Ich bin 25 Jahre alt. Und ich bin Tagebuch-Schreiberin.

Ich schreibe Tagebuch seitdem ich etwa 7 Jahre alt war. Das kindliche und Teenie-Schreiben hat sich mittlerweile zu einer Art „therapeutischen Schreiben“ gemausert. Vor einigen Monaten war ich bei einer Familienberatung. Als der Therapeut mich gefragt hat, wie ich mich selbst aus Krisen heraus manövriere – welches „Werkzeug“ ich quasi mein Eigen nennen würde – fiel mir nur ein: „Ich schreibe gern. Und viel. Ich reflektiere, verarbeite, begrabe und entscheide eigentlich alles schreibend…“

Dass ich das kann und dass mir das was bringt habe ich zum ersten Mal so wirklich begriffen, als ich das Ende (bzw. die Zeit mit) meiner Band auf diese Art und Weise verarbeitet habe. Da gab es eine Menge Baustellen und einiges, was ich erst einmal für mich und mit mir klären musste. K und ich haben eine winzige Holzhüte an einem norwegischen Fjordsee für 3 Wochen gemietet und ich habe fast nur geschrieben. Und so konnte ich mit der Sache ins Reine gekommen, bevor P. auf die Welt kam. Das war gut.

Seitdem zelebriere ich das. Wenn ich merke, dass ich irgendwie nicht mehr klarkomme, nicht ausgeglichen bin, scheinbar grundlos gereizt oder mir der Überblick fehlt, versuche ich das schreibend zu ergründen. Meist klappt das auch. Im Urlaub verfalle ich spätestens nach 2-3 Tagen in einen akuten Schreibwahn. Oft kommt mir dabei ein Aha-Moment nach dem anderen. Wie ich die Dinge sehe. Wie ich mich sehe. Wo ich Sand im Getriebe vermute. Was ich anders machen will. Wie ich die Dinge in Zukunft angehen möchte. Mein Inneres, mein Äußeres, das große Ganze und wie alles zusammenhängt. Vieles werfe ich dabei komplett um, denke anders und neu und versuche, mir eine neue Basis zu verschaffen, auf der ich aufbauen kann. Danach bin ich gestärkt, motiviert und voller neuer Ansätze für’s Weiterleben. Ich fühle mich dann irgendwie sowas wie erleuchtet. Obwohl ich dann immer schwer vom Schreiben ablassen kann. Manchmal stecke ich zu tief in meinem Denkgebäude und habe dann Schwierigkeiten, mich im Draußen zurechtzufinden. Direkt zu reagieren, außer-ich’iges Kontra zu bekommen und überhaupt mit einem Gegenüber umzugehen… Das kann dann schon irgendwie schwerfallen und stressen.

Worauf ich hinaus will:

Als ich heute angespannt den F.Berg am Ende meiner Straße mit T. im Tuch hoch- und wieder runter gelatscht bin und meine Gedanken rumirrten und sich zu sortieren versuchten, fiel mir auf, dass Vieles von dem, was da kam schon tausend Mal da war. „Eigentlich sehe ich es doch so und so… Eigentlich finde ich,… Viel richtiger wäre doch… Ich muss echt mehr… Es kommt mir doch eigentlich viel mehr darauf an… Warum verhalte ich mich dann oft so seltsam und dem so gar nicht entsprechend?“ Ich könnte es nachlesen. An vielen Stellen in meinen Grübel-Büchern.

Beim Schreiben bemerke (und -merkte) ich zunehmend, dass die Aha’s nicht mehr original sind. Dass es oft keine neuen Gedanken und Schlüsse sind, sondern Aufgewärmtes, schon Mal da Gewesenes. Schon mehrfach Erkanntes und für richtig Erachtetes, aber mit der Zeit wieder unter’m Morast des stickigen Alltags Versunkenes. Das ist frustrierend!

Da gibt man sich Mühe und schreibt und schreibt und schreibt, um bis zum Kern der (eigenen) Dinge vorzudringen, ihn zu zertrümmern und (mal mehr, mal weniger) behutsam abzutragen und keine drei Monate später muss man feststellen, dass sich einfach ein neuer Ekel-Kern gebildet hat, bestehend aus dem gleichen Mist wie der Alte. Bestehend aus dem gleichen alten, hässlichen, unreifen, unreflektierten, zickigen Ich.

Heißt das, dass wenn man Verhaltensweisen an sich entdeckt, die man doof findet und gute Argumente dafür hat, warum man sie ändern sollte/möchte und vielleicht sogar einige Ideen, wie man sie ändern kann, die unliebsamen Teile des Ich letztendlich doch immer wieder nach oben graben werden? Hat man echt keine (oder nur eine kleine) Chance, sich gegen sich selbst zu behaupten? Es gibt einige impulsive Züge an mir, die ich nicht mag. Und ich habe das Gefühl, dass deren Überwindung viel mehr mir selbst entsprechen würde. Einem „mir selbst“ jedenfalls, dass ich irgendwie gut fänd.

Wofür lese ich denn all den Kram, wenn nicht auch, um Anstöße zu bekommen? Ich lese unter anderem deshalb, um Herangehens- und Sichtweisen zu finden, die ich gut und richtig finde.

Ich lese „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“ von (jaaa, jetzt lachen wieder alle…) David Schnarch und finde, dass da richtige Dinge über das Zusammenleben drin stehen. Dinge, bei denen mein Kopf automatisch nickt. Ich hab dann ein Wissen bzw. Sichtweisen aufgesammelt, die ich mir aneigne, ein bisschen weiterdenke und mir zu Eigen mache. An die Stelle, an der bisher ein unbewusstes „Der soll aber gefälligst…“ stand, soll ein „Ich bin ich und du bist du. Erwartungen und Dinge voraussetzen = böse.“ rücken. Das klappt dann auch erst einmal erstaunlich gut… Viel Stress, viele Zickereien und Missverständnisse lösen sich auf oder kommen gar nicht mehr zustande. Aber was passiert zwischen diesem Moment, in dem ich feststelle „Cool, funktioniert und es geht mir besser so.“ und dem „Arrrrrgh… Warum kann der nicht einfach Mal diesdasjenes…?“

Wenn ich an meine dämliche Nervosität vor Prüfungen (und allem, was sich danach anfühlt) denke. Oder dieses anstrengende gemocht wollen werden. Oder der Missmut und die Unzufriedenheit, die mich regelmäßig überfallen. Mein schlechtes Gewissen (wem gegenüber eigentlich?), wenn ich diesdasjenes zu viel/zu wenig tue. Meine fehlende Selbstakzeptanz, Konsumverhalten, Verzicht, … Hunderte, wahrscheinliche tausende Male habe ich das schon für mich durchgekaut und wirklich gute Antworten und wegweisende Denkmuster gefunden, die es so wert wären, die Alten zu ersetzen!

Aber es hält einfach nicht dauerhaft. Ist es nicht möglich, sich Selbst zu überwinden? Müssen wir uns einfach mit dem unzulänglichen Gebräu abfinden, was irgendwie willkürlich aus Anlagen, Erziehung und Umfeld zusammengeblubbert ist?

Sind wir uns Selbst ausgeliefert?

Die Hormonflut und die Erleichterung sind gegangen und es fühlt sich nach wie vor richtig an, ein zweites Kind bekommen zu haben.

Aber die großen Fragen… Die, nach dem Sinn von dem und allem. Nach meinem Tun und Wollen. Die Grübelei… Die verdammte schlechte Laune. Die zunehmende Unzufriedenheit. Das alles kommt wieder. Und es kotzt mich an!

Und ich dachte, dieses Mal hätte ich es wirklich geschafft, ein Genießer zu werden. Aber aus einem Misanthrop wird wohl so einfach kein Honigkuchenpferd.*

*Aber immerhin kommen mit den Fragezeichen und Leerstellen im Kopf auch die Themen wieder, über die es sich zu schreiben lohnt.

Ich geh einfach nicht mehr raus!

Ich blogge gerade nicht. Warum eigentlich?

Die Gedankenmaschine läuft und läuft. Grübelzwang und so. Aber was wirklich prächtiges kommt nicht heraus dabei. Der Alltag ha(ss)t mich. K. hat wieder die eine Woche im Monat auswärts gearbeitet. Das schafft mich. Ich bin morgens zu müde zum Aufstehen und abends nicht bereit früh genug ins Bett zu gehen. Jeder Tag ist genau wie der Tag vorher. Es passiert (weitgehend) nichts außer der Reihe. Ja, sicher. Es gibt schlimmeres. Aber sie kotzt mich gerade mal wieder an diese Welt, wegen… ach… wegen Syrien und Griechenland und dem Iran, wegen sexistisch-rassistischen Arschlöchern und unlösbaren Konflikten überall. Wegen: Ich wäre lieber ein Schwein und hätte keine Wahl.

Dazwischen ist das Kind mal süßsüßsüß und mal zum Kotzen. Grenzen testen vs. Sprechen lernen. Die Gefühlsachterbahn ist da schlimmer als zu hochpubertären Zeiten, finde ich. Ich liebe sie. Das merke ich immer häufiger und klarer. Sie macht mich stark und schwach zugleich. Aber für sie ziehe ich durch. Ich wette, sonst hätte ich jetzt wieder mal eine „Ich geh einfach nicht raus… So zwei oder drei Monate“-Phase. Durch sie hab ich’s nicht.

Scheiß Luxusprobleme! Ich weiß. Und das ist es ja gerade. Ich will mich nicht beschweren. Tolle Wohnung, ertragbare Stadt, ertragbares Land, tolles Kind, in Ordnunge Beziehung, Essen im Kühlschrank. Aber zwischen alldem sind viel zu große Fragezeichen und die überrennen mich. Darf ich das genießen obwohl es anderen dreckig geht? „Nicht auf Kosten anderer“ geht hier ja kaum… Und da sind wir wieder im: Karussell. Ich bin raus.

(Waaah! Der Pizzabote gerade sah aus wie Anthony Hopkins)

KiTa-Eingewöhnung: Woche 4 + Wochensoße

Das P. war letzte Woche krank und nur halb in der KiTa, also ist diese Woche die eigentliche vierte Woche der Eingewöhnung gewesen. K. hat sie hingebracht und meistens auch abgeholt, ich kann also nur von Erzählungen berichten und davon auch nicht unendlich viel. Aber: Es läuft gut.

Wir bringen das P. um 9 in die Krippe. Wir kommen an, ziehen sie aus. Sie stiefelt zum Krippenraum und seit dieser Woche geht sie auch direkt relativ freudestrahlend los und fängt an zu spielen. Geheult wird nicht mehr, Tschüss gesagt auch nicht. Eltern verzieht euch, ich will spielen. Super also.

Mittags will sie meistens Nachschlag (wie überraschend!), sie bleibt beim Essen am Tisch sitzen (im Gegensatz zu den ersten Wochen) und sie trinkt alleine aus der Tasse und stellt die sogar auch wieder hin (wäre schön, wenn das Zuhause auch so wäre). Mit dem Löffel essen klappt noch nicht so, das sollen wir mal „üben“. Jaaaa, machen wir. Klappt hier immerhin schon beim „Dogat?!“.

Momentan holen wir sie nach wie vor kurz vor 12 (also kurz vorm Mittagsschlaf ab), sie wird schon „ritualmäßig“ mit gewickelt und ins Bettchen gestellt, denkt aber noch nicht ans Schlafen und hat den Sinn und Zweck, glaub ich, auch noch nicht so richtig verstanden. Die EZinnen sind aber zuversichtlich, dass das werden wird. Muss ja auch.

Wir gehen nach Hause und legen sie ins Bett, sie quatscht noch ’ne Stunde vor sich hin und pennt dann irgendwann so von 13 bis 15 Uhr. Ich weiß nicht, wie das in der Krippe funktionieren soll, weil die EZinnen ja im Raum bleiben. Hier macht das P. auch keine Anstalten zu schlafen, wenn jemand im Zimmer ist. Aber das ist ja zum Glück dann deren Problem, haha, und nicht meins.

Nächste Woche wird der Mittagsschlaf dann aktiv angegangen und JA! ich freue mich drauf, wenn wir bei 5 Stunden am Tag angekommen sind und ich tatsächlich effektiv zu was komme in den Vormittags- und Mittagsstunden. Es ist ja schon ziemlich und wird sowieso bestimmt alles guuuuut.

Und sonst so?

Hmmm… Streit gab’s. Vertragen gab’s. Jetzt ist es wieder gut soweit. Ich bin außerdem krank und fühle mich so ziemlich ausgekotzt, das nervt.

Irgendwie hab ich gerade mal wieder ein Gewitter im Gehirn. Die Tage verkorksen so vor sich hin, ich bin nur in der Lage sinnlosen Mist zu tun und habe aber auch gerade gar keine Lust auf Sinnvollitäten. (Zum Glück ist das von der Auftragslage her auch gerade so mehr oder weniger drin…) Ich denke „zu viel“ nach, über nicht lösbare Weltprobleme und vergesse darüber mein Leben zu leben… So oder so ähnlich. Irgendwie verschwimmt gerade alles, Woche um Woche geht und alles fühlt sich ein bisschen eklig an. Ich komme auch mit dem scheiß-kalten Wetter nicht klar, echt nicht.

Das P.: Entwickelt sich rasant. Wirklich verrückt. Sie hat total viele Haare bekommen und mittlerweile ’ne ordentliche Matte. Sie quatscht die ganze Zeit vor sich hin und die ein oder anderen Worte versteht man auch schon. In diesem Monat sind unter anderem neu dazu gekommen:

– „anna“ = Windel
– „duggu“ = dunkel
– „darra“ = Gitarre
– „Dogat“ = Joghurt

Manchmal wirkt es wirklich, als wolle sie uns etwas ganz bestimmtes sagen und ist dann richtig frustriert, weil wir sie offensichtlich nicht verstehen. Ansonsten geht mir das „Giii“-Keks-Dilemma echt auf den Keks (im wahrsten Sinne). Ich bin auch manchmal einfach zu schwach und gebe nach, das P. ist aber maßlos. Am Wochenende z.B. hatte ich soooo sehr keinen Bock auf diese Endlos-„Diskussion“ und das Gebrüll und Geschrei, dass ich ihr einfach die verdammte Keks-Packung hingestellt habe und zu ihr meinte: „So. Bitte. Da hast du Keks. Iss und iss bitte so viel bis du kotzt.“ (Echt jetzt) Sie hat die alle aufgegessen und wollte danach noch mehr. Waaaas geeeeeht dennnn???

Übrigens habe ich auch festgestellt,dass sie mittlerweile an die obersten Schubladen des Apothekerschranks im Flur kommt. Vor einigen Tagen schleicht Madame sich also dahin, während ich in ihrem Zimmer döse, schnappt sich die Keks-Schachtel aus der Schublade setzt sich hin und fängt an die wegzuknuspern. Ich wundere mich nach ein paar Minuten, warum es so still ist, gehe in den Flur und? Das P. erschreckt sich TIERISCH, guckt schuldbewusst, hält kurz inne, dreht mir den Rücken zu und kaut weiter ihre Kekse weg. Ist das zu fassen? Sie weiß das g-a-n-z- genau, dass Mama das höchstwahrscheinlich nicht toll finden wird. Aber versuchen kann man’s ja…

Sonst passiert hier an allen Ecken gerade das, was man wohl „Grenzen testen“ nennt. Wenn ihr was nicht passt, dreht sie durch. Aber RICHTIG. Die EZ1 hat uns auch schon bescheinigt: „Sie hat auf jeden Fall eine starke Persönlichkeit„. Ich persönlich finde trotzdem, dass sie sich mit der Phase schon noch hätte Zeit lassen können… Aber naja. Nächste Woche dann also 16 Monate. Bald 1,5 Jahre… Woooooooow.

Und ach ja: Ich verspüre immer häufiger, dass ich es gut fände, wenn ein zweites Kind da wäre. Ein Geschwisterchen. Ich habe aber absolut keinen Nerv gerade auf alles, was davor steht: Schwanger werden wollen, hibbeln, schwanger sein, die Sorgen und Ängste, Geburt, Neugeborenes (also alles das, was über „süüüüüüß“ hinaus geht)… Tatsächlich haben wir vor einigen Tagen schon einmal leise über eine Adoption nachgedacht… Kennt sich jemand damit aus? Was haltet ihr davon? Geht das so „einfach“ (nein, natürlich nicht)… Es ist wirklich nur mal ein Gedanke in eine andere Richtung… Wegen meinen Krankheiten hab ich einfach auch Schiss. Das P. scheint es gut getroffen zu haben, aber wer weiß, wie es beim zweiten Kind werden würde…