Erziehungsfragen (3): Fordern, Verlangen, Drängen

(Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, denn irgendwie ähnelt es diesem Thema (klick!), aber es muss einfach noch einmal sein und irgendwie ist das Thema ja auch ein Dauerbrenner bei Kleinkind-Eltern…

Ich bin derzeit ziemlich schnell überspannt. Das liegt vermutlich daran, dass ich mit dem Kopf bei ganz vielen Sachen bin – Studium, Arbeit, Nachhaltigkeit, Beziehungskram, Problemchen – und zu wenig bei meinem Kind. Das P. ist jetzt 19 Monate alt.

Ich weiß nicht, ob es wirklich daran liegt, dass sie mitbekommt wie schwer es mir manchmal fällt, mich auf sie zu konzentrieren und meine (intellektuellen?) Bedürfnisse und Gedanken ihrem Spiel und ihrem Willen unterzuordnen. Ich würde mich im Moment einfach lieber ausgiebig mit „Erwachsenen-Themen“ beschäftigen als auf Spielplätze zu gehen und rumzublödeln. Ich tue das natürlich trotzdem und ich gebe mir Mühe den Kinderkram zu genießen, aber im Moment fühlt es sich für mich halt häufiger als sonst (natürlich nicht immer!) auch nach Mühe an. Und ich habe ein schlechtes Gewissen deswegen.

In den letzten Tagen ist das P. auf jeden Fall vergleichsweise unausgeglichen und FORDERND. Und das ist genau das Thema. Von meiner komischen Laune mal abgesehen, die dafür eventuell mitverantwortlich ist, hat sie immer mal solche Phasen, in denen sie viel fordernder ist als in anderen. Und das ist ja auch normal für ein Kleinkind in dem Alter, nehme ich an. Aber ich frage mich trotzdem oft, wie man denn nun damit umgeht.

Das P. verlangt in solchen Phasen jede Minute nach etwas anderem. Unter anderem: „Tuuus!!“ (Toast) – „Ti! Ti! Ti“ (Trinken) – „Dogguuu!“ (Joghurt) – „Miiiis!“ (Milch) – „Rira!“ (Riegel) – „Bösn“ (Brötchen) – „aaaaauf!“ (der/die/das aufmachen) – „suuuuu“ (zumachen) – „Budda dauuuf!“ (etwas aufs Brot schmieren) – „Saba guggä!“ (Sandmann gucken) … In etwa dieser Reihenfolge, immer lautstark, immer sofort und immer schon halb brüllend-weinend-zeternd. Klar, die Feinheiten bzgl. des Tonfalls checkt so ein kleines Kind noch nicht, ABER:

Kann mir bitte irgendjemand verraten, was man tun soll, wenn die Nerven das an dem ein oder anderen Tag einfach nicht mehr mitmachen wollen ? ? ?

Wie geht man damit um, dass ein Kleinkind STÄNDIG etwas haben will? Ständig etwas anderes, oft etwas unerreichbares oder wahlweise unmögliches… Ständig diese Wutanfälle, wenn man dem Fordern nicht unmittelbar nachkommt. Ständig dieser Lautstärkepegel…

Erster Gedanke: Versuchen abzulenken. Gut. Das klappt auch manchmal.

Aber was ist mit den Tagen, an denen es definitiv nicht klappt (was bei uns an 9 von 10 Tagen der Fall sein dürfte)?

Wie reagiert man am sinnvollsten, wenn das Kind andauernd lautstark etwas anderes willwillwill – gefühlt rund um die Uhr – sodass keine wirkliche „Aktivität“ mehr möglich geschweige denn schön ist? Wenn es Kind dann brüllt (und zwar immer und immer wieder) und es sich auch nicht ablenken lässt? Wenn es an einem rumzerrt und anfängt zu hauen, weil man dem Willen nicht nachkommt? Wenn man den darauffolgenden Ausraster nach dem 50. Mal an dem Tag einfach nicht mehr erträgt, selbst wenn man die Bedürfnisse des Kindes im Prinzip verstehen kann (und man es deshalb nichtmal „guten Gewissens“ sowas wie bestrafen kann)?? Was ist, wenn man nicht mal mehr ausreichend starke Nerven hat, das Gebrüll zu ignorieren????

DARF MAN DANN ZU DEM KIND SAGEN:

„HÖR MAL ZU, DU KLEINES, EINGEBILDETES, GRÖßENWAHNSINNIGES ETWAS! ICH BIN NICHT IRGENDEIN PLÖPPS, KEIN WUNSCHERFÜLLUNGS-AUTOMAT UND AUCH NICHT DEIN BUTLER, ICH BIN DEINE MUTTER! UND DAVON HAST DU NUR EINE, ALSO SOLLTEST DU ES DIR VERDAMMT NOCHMAL NICHT MIT MIR VERSCHEIßEN! ICH HABE DICH NEUN MONATE LANG IN MEINEM KÖRPER MIT MIR RUMGESCHLEPPT, MIR MEINE FIGUR RUINIERT, MIR VON DIR IN DIE BRÜSTE BEIßEN LASSEN UND ICH VERZICHTE JETZT SEIT 2 JAHREN AUF FAST ALLES, WAS ICH EIGENTLICH GERNE MACHEN WÜRDE! DEINE BEDÜRFNISSE, DEIN TAGESABLAUF, DEIN SCHLAFBEDÜRFNIS, DEIN APPETIT, DEINE GESUNDHEIT UND DEINE TAGESFORM BESTIMMEN A-L-L-E-S UND AN 364 VON 365 TAGEN HABE ICH KEIN PROBLEM DAMIT! DU BIST KLEIN. DU DARFST FORDERN, DU DARFST WOLLEN, DU DARFST MÜSSEN UND SCHREIEN UND BRÜLLEN UND ZETERN UND NERVEN UND NICHT SCHLAFEN UND NICHTS ESSEN WOLLEN UND EINSCHEIßEN… ABER JETZT R – E – I – C – H – T’S MIR GERADE MAL!!!! ICH HABE GERADE EINFACH AUSNAHMSWEISE MAL DIE SCHNAUZE VOLL UND ICH WILL JETZT AUCH MAL WAS: UND ZWAR DEIN VERDAMMTES GEBRÜLL NICHT MEHR HÖREN!!! KÖNNTEST DU ALSO BITTE SO FREUNDLICH SEIN UND MICH NUR MAL FÜR FÜNF MINUTEN IN RUHE LASSEN???? GEHT DAS???? DANKE!!

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Heeeeeeey… Mama hat dich trotzdem lieb. Du brauchst jetzt nicht weinen, mein Schatz… Och, Bärchen, komm mal her…“

Also. Ich bin – wie immer – sehr dankbar für Ideen eurerseits, wie man an einem „IchwillIchwillIchwillIchwillMaaaaaamaaaaaaaaaaaaaa“-Tag mit seiner eigenen Überreiztheit klarkommt und wie man auf das ständige Fordern des Kindes (am besten total pädagogisch wertvoll) reagiert.

BITTE!