Neue Reihe: Erziehungsfragen

In den letzten Wochen ist es etwas ruhig im Hause „Babykram“ geworden.

Das hat schon ein paar quasi handfeste Gründe: Zum einen war (ist) das Kind krank (Bronchitis), deswegen keine KiTa-Zeit und apathische Halbtot-Zustände meinerseits in den Abendstunden (wie ging das bitte als sie noch nicht halbtags betreut wurde???). Außerdem diverse (gemessen an den Umständen) zu viele Termine und innerlichen Stürme, die erstmal mit mir alleine ausgefochten werden mussten. Davon mal abgesehen hatte ich tatsächlich nicht wirklich das Bedürfnis… Und aus Erfahrung weiß ich, dass Blog-Artikel, die man aus so einem „ich müsste mal wieder“-schlechtem Gewissen heraus schreibt, immer irgendwie eher scheiße werden…

Aber jetzt… jeeeeeetzt… habe ich wieder ein super Thema für den Mama Blog gefunden *trommelwirbel*

ERZIEHUNGSFRAGEN

Das P. ist fast (im bald-April 2012) 18 Monate alt und es gibt einige (viele) Situatiönchen im Alltag, die ich gern mit euch teilen möchte. Das sind vorrangig Situationen, in denen sich das P. vermutlich ganz kleinkindtypisch verhält, die mich aber trotzdem a) oftmals fast zum Wahnsinn treiben und in denen ich mich b) frage, wie man eigentlich „gut“, anders oder „besser“ damit umgehen kann.

Außerdem finde ich es allgemein sehr spannend, dass anscheinend doch viele Eltern an ähnlichen Situationen „verzweifeln“ oder aber, dass andere Eltern mit Momenten, die ich extrem anstrengend finde, einen sehr entspannten Umgang gefunden haben.

Eure Meinung zu den „Erziehungsfragen“ und Kindererziehung allgemein interessieren mich brennend. Der Einfachheit halber wird es an den meisten Artikeln zu dem Thema eine „Umfrage“ geben, in der ihr, wenn ihr Lust habt einfach schnell angeben (oder eine Antwort hinzufügen) könnt, wie ihr so mit der jeweiligen Situation umgeht, falls ihr sie so oder so ähnlich auch kennt.

Darüber hinaus freue ich mich schon jetzt auf umfangreiche Kommentare zu meinen Problemchen, hoffe auf den ein oder anderen Tipp von euch und stelle mir ansonsten einfach einen entspannten „Erfahrungsaustausch“ teilzeitgestresster Eltern vor ;)

Noch was Allgemeines gleich vorneweg:

In den einzelnen „Erziehungsfragen“ werden höchstwahrscheinlich Formulierung wie „Wie reagiere ich richtig?“ oder „Wie kann ich das besser machen?“ auftauchen… Prinzipiell ist mir klar, dass jede/r (insbesondere in Erziehungsfragen) die Sache ganz unterschiedlich angeht und dass es diesbezüglich kein „richtig“ und „falsch“ geben kann und sollte. So sehe ich das auch.

Ich werde Situationen aus dem Alltag mit meinem Kind schildern, die FÜR MICH schwierig sind, in denen ICH mir nicht sicher bin, welchen Umgang damit ICH eigentlich gut finde und in denen ICH mich frage, wie ICH damit „besser“ umgehen kann, damit es für mein Kind und für mich entspannter wird. Manchmal geht es vielleicht auch gar nicht um „richtig“ oder „besser“, sondern darum, dass einem mal jemand von außen sagt: „Du machst das schon gut so“ oder „Ich weiß genau was du meinst“.

Also: Ich bin (noch ;) ) kein Pädagoge und will hier keinen Erziehungsratgeber schreiben, Leute (oder gar Kinder) verurteilen. Bitte bedenkt das, wenn ihr meine Beiträge lest ;)

Gute Mami, schlechte Mami

Eine Sache am Muttersein und -werden ist mehr oder weniger allgegenwärtig: Man muss Entscheidungen treffen. Jeden Tag. Kleine, große, übergroße, unwichtige und anscheinend unumgängliche. Manche trifft man ganz automatisch und selbstbewusst, über andere zermartert man sich tage- oder wochenlang das Hirn und ist sich danach trotzdem nicht sicher, was nun richtig oder falsch ist. Wo ist eigentlich das Problem?

Mit „Vertrau einfach dir selbst“ ist es nicht getan

Gibt man bei Google die Suchbegriffe: „Wie ist man eine gute Mutter?“ ein, bekommt man erstaunlich viele unterschiedliche Antworten. Meistens geht es in die Richtung: „Lass dir nichts erzählen – du musst nur an dich glauben – Hauptsache ihr seid glücklich“. Obwohl es natürlich lobenswert ist, dass wir uns vom 50er Jahre-Mutti-Bild wegbewegen, sind diese Aussagen undurchdacht und ohne Hintergrund. Denn hinter der Frage steckt viel mehr als: „Wie bekomme ich es hin, dass alle anderen mich für eine gute Mutter halten?“

Sich selbst hinterfragen

Mir geht es dabei auch und vor allem darum, welchen Anspruch ich an mich selbst als Mutter stelle. Wer bin ich und wer bin ich für mein Kind? Wer und wie will und kann ich sein? Welche Standpunkte vertrete ich? Wie kann ich das in meinem Leben und mit Familie umsetzen? Was ist für uns alle der richtige Weg? Wie kann ich, bei all der Hinterfragerei, mir selbst treu bleiben? Und wäre es nicht eigentlich am besten, die Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen und ganz natürlich auf alles was kommt zu reagieren? Wie verhält und erzieht man sich (und das Kind), damit am Ende ein erträgliches Stück Mensch heraus kommt, dass sich nicht mit spätestens 25 von einem Therapeuten erzählen lassen muss, welche Schalter die Eltern in der Kindheit falsch umgelegt haben? Macht es überhaupt Sinn, das vermeiden zu wollen?

Sicher wäre es der beste Weg, einfach locker zu lassen, sich selbst zu vertrauen und sich einfach seiner Natur gemäß zu verhalten. Für verkopfte Menschen nicht unbedingt die leichteste Übung. Und mal ehrlich: Wer hat sich eine oder mehrere der oben stehenden Fragen noch nicht gestellt?

Geborgenheit und Akzeptanz sind das oberste Gebot

Bestimmte Dinge setze ich voraus: Man versucht dem Kind ein liebevolles Zuhause zu geben und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Man versucht es zu akzeptieren, wie es ist, es nicht unter Druck zu setzen und es mit der gut gemeinten Förderung nicht zu übertreiben. Man versucht ihm zu vermitteln, dass es okay ist, wie es ist und dass man da ist, wann immer es einen braucht. Dass es auf seine Eltern zählen kann. Und natürlich liefert man die Basics: Pflege, Schlaf und Fraß.

Schon die grundlegenden Fragen können zum Problem werden

Und dabei geht es ja genau genommen schon los. Essen: Was? Ab wann? Wie viel? Welche Konsistenz? Welche Zutaten? Welche Farbe? Wie viel Salz? Ausreichend? Schlafen: Ab wann? Wie viel? Ausreichend? Durch? Mit Flasche? Mit Decke? Im Schlafsack? In Baumwolle? Wie viel Grad? Bei offenem Fenster? Mit laufender Heizung? Mit Nestchen? Mit Himmel? Pflege: Wie? Wann? Wie viel? Ausreichend? Und so weiter… Irgendwann stellt man dann (hoffentlich) fest, dass man sich die ganze Zeit viel zu heiß gemacht hat und dass irgendwie alles okay ist. Irgendwann, früher oder später, wird das Kind essen und trinken, es wird schlafen und sauber sein. Das fügt sich, das bekommt man hin, wenn man weitgehend normal tickt.

Schwieriger wird es bei Erziehungsfragen

Wie sieht es aber mit den grundsätzlichen Fragen aus, die man nur im eigenen Kopf beantworten kann und die vorher beantwortet werden müssen? Fragen, die weitreichende Folgen für Kind, Eltern und Leben haben könnten. Welchen Erziehungs“stil“ verfolge ich und welchen mein Partner? Komme ich damit klar, dass er/sie es anders macht als ich? Was kann ich akzeptieren? Wie setze ich meinem Kind Grenzen? Und wo? Was ist erlaubt, was nicht? Wie schütze ich es, ohne einzuschränken? Wie lasse ich es Erfahrungen sammeln, ohne dass es gefährlich wird? Wie viel Lob? Überhaupt Verbote? Was finde ich denn „nicht okay“? Wie soll man eine Konstante sein, wenn man sich selbst so gar nicht konstant fühlt? Darf das Kind Fleisch essen, wenn man selbst Vegetarier ist?

Und was ist mit den Abgründen?

Was machen die Choleriker? Die Manischen? Die Temperamentvollen? Die Melancholischen? Die Tagträumer? Die Langschläfer? Die Partygänger? Die Seitenspringer? Wie soll man die eigenen Abgründe damit vereinbaren, dass man jetzt Mutter / Vater / Eltern und damit Vorbild ist? Wohin mit Genervtsein? (Ja! Auch vom Kind!) Wohin mit: „Ich kann nicht mehr“? Wohin mit: „Ich will nicht mehr“? Wohin mit lauten Streit und lautem Sex? Wohin mit Tränen? Und Wut? Wohin mit Fernweh? Was darf raus und wann sollte man an sich halten, Kompromisse machen und Abstriche? Wie bekommt man es hin, nicht zu sehr zu versuchen DAS richtig machen zu wollen, was die eigenen Eltern immer falsch gemacht haben?

Was helfen kann

Natürlich: Sich locker machen. Loslassen. Alles nicht so eng sehen. Kinder geben Eltern erstmal einen enormen Liebeskredit. Ganz einfach so, ohne große Zutun. Außerdem hat man einen gewissen „Heimvorteil“, wenn man es hinbekommt dem Kind ein solches zu schaffen. Und was noch? Mit dem Kind Dinge machen, die einem auch selber Spaß machen. Seine eigenen Ideale nicht verraten. Mit anderen und den eigenen Eltern sprechen. Überlegen, wie man selbst als Kind die Eltern wahrgenommen hat. Versuchen die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Und auch: Sich zusammenreißen. Versuchen Wut und andere überschwappende Emotionen nicht am Kind auszulassen, weil es das nicht verstehen kann. Und wenn es doch mal passiert, ist es wahrscheinlich, dass das Kind verzeiht. Man ist schließlich kein Roboter. Aber dann: Unbedingt entschuldigen. Sich Auszeiten und Freiräume schaffen, wo und wie immer es geht. Bei Fernweh auch mal wegfahren können. Und natürlich: Liebe, Liebe, Liebe.

Und wenn das alles nicht reicht?

Wenn nichts mehr geht bleibt einem immer noch eins: Ratgeber lesen. Und Blogs. Auch die schlechten. Weil man sofort all die Sachen erkennt, die man intuitiv und ohne großes Nachdenken schon lange anders und vom eigenen Empfinden her „richtiger“ macht. Weil man vielleicht doch die ein oder andere Herangehensweise findet, die man so noch nicht gesehen hat. Weil es beruhigend ist zu sehen, dass andere sich auch den Kopf zerbrechen. Weil das bestätigen kann und manchmal auch einfach hilfreich ist. Und: Weil man sich dafür eine Auszeit nehmen muss ;)

(Ich habe übrigens in diesem Artikel ein etwas anderes Format mit Zwischenüberschriften, Fettungen usw. ausprobiert. Mir würde eine kurze Einschätzung eurerseits helfen: Bevorzugt ihr den blogmäßigen Fließtext ohne Unterbrechung oder empfindet ihr das Lesen so als angenehmer? Euren Senf dazu gerne im Kommentarbereich.)