Spielzeug-Hölle

Ich starte zur Abwechslung mal wieder mit einer Umfrage:

Aus gegebenem Anlass – ich habe gerade für Weihnachten eingekauft (fragt nicht!) und vorhin mal wieder einen ganzen Batzen zeitweise weggestellt – geht’s heute mal um Spielzeug. Insbesondere: Um a) die Menge und b) die Art von eben diesem. Und um Auswahl, Beschränkung, Konsum allgemein und Verwandtschaftsgeschenke geht es bestimmt auch… So ganz nebenbei ;-)

In etwa um die Zeit der Geburt der P. habe ich mir so einiges quietschefroh-utopisch zusammengedacht. Unter anderem Dinge wie:

  • Ich werde die Zeit, in der sie viel schläft genießen und meine innere Ruhe finden.
  • Ich werde mich während der Stillzeit sehr gesund ernähren.
  • Endlich komme ich mal wieder zum Lesen!
  • Ich werde für sie frisch bio-öko-regional und ausgewogen kochen. Immer.
  • Süßkram gibt es so lange wie nur irgend möglich gar nicht.
  • Fernsehen wird mein Kind auf keinen Fall vor Schuleintritt.
  • Mein Kind soll mich nicht ständig vorm Rechner sehen.
  • Wenn man von Anfang an verständnisvoll, aber konsequent ist, dann wird das alles…

und eben auch:

  • Hier wird es keine Spielzeug-Flut geben. Plastik schon gar nicht.

Nun ja. So ziemlich gar nichts von den oben genannten Dingen habe ich so umgesetzt. Und auch das P. schwimmt irgendwie ganz schön im Spielzeug. Sie weiß, was Geschenke und Überraschungseier und Figuren wie Winni Pooh oder Spongebob sind und ist heiß auf das Zeug.

Wenn ich in der Nido dieses „Meine Welt“-Bild auf den ersten Seiten sehe (da werden immer Kinder aus aller Menschen Länder abgebildet, in ihrer Lebenswelt und mit ihren Spielsachen) und dort kleine Kinder mit einem Teddy, einer Puppe und einem Bagger stehen, dann wird’s mir anders. Weil ich mir dann vorstelle, wie ein Bild von P. in ihrer Welt und mit ihren (Spiel-)Sachen aussehen würde.

Kurz habe ich überlegt, hier eine nahezu vollständige Liste der aktuellen Spielsachen zu posten, aber… das würde den Rahmen sprengen. Verdammt! Wie konnte es nur soweit kommen? Zumal ich doch eigentlich dagegen bin? (Wie mich dieses eigentlich nervt by the way!)

Ich weiß es: Ich bin den glänzenden Kinderaugen erlegen! Und dem elterlichen Freizeit-Gesuch… Und ich bin vor allem viel zu nett.

Erklärung:

Ich erwische mich, während ich für P.s Geburtstag / Weihnachten / … einkaufe, bei Gedanken in Richtung „Oooch, sie wird sooo große Augen machen! Sie wird sich so freuen!“ Ich kann nur ganz schwer widerstehen, wenn sie im Laden irgendwas anschleppt und es „haben“ will. Ich widerstehe aber (meistens jedenfalls). Es erschreckt mich trotzdem, wie viel Härte mir das abverlangt *schüttel*

Ich erwische mich, wie ich mich mit anderen Eltern darüber austausche, was sie zu den jeweiligen Anlässen schenken.

Ich erwische mich, wie ich mir bei diversem Kleinkind-Spielzeug denke „Geil, damit beschäftigt die sich mindestens 15 Minuten am Stück! Das nehme ich!“

Und ich erwische mich vor allem, wie hier zum Geburtstag der P. eine unglaubliche Geschenkeflut reingeschwemmt wird und ich nichts dazu sage und das passieren lasse. Und das Problem ist ja: Wenn das Kind es einmal für sich entdeckt hat, dann kann man es ihm wohl kaum einfach wieder entreißen, nur weil man selber zu feige ist, sich seiner Verwandtschaft zu stellen.

Es gibt sicher „schlimmere“ Spielzeugflut-Eltern. Zum Beispiel die, die den Überfluss noch nicht einmal kritisch sehen und einfach kaufen, kaufen, kaufen… Ich versuche dem zu begegnen, in dem ich austausche… Dinge wegräume, auf die Zimmer verteile und so… Und zum Glück liebt das P. Bücher. Solange die noch interessanter sind als der ganze andere Mist, ist ja eigentlich alles roger. Oder?

Die Fragen, die ich mir, mal mehr, mal weniger ernsthaft, stelle:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass durch diesen gewissen Spielzeug-Überfluss mein Kind später potenziell ein gesichtsloser Arschloch-Kapitalist wird, die dieses System hier nicht in Frage stellt und für den Konsum, Besitz und Status irre wichtige Dinge sind?

Wie dämmt man das ein? Denn eigentlich, das weiß ich ja verstandsmäßig, brauchen Kinder gar nicht unbedingt Spielzeug. Und schon gar nicht so viel.

Wie bringt man seinem Kind einen „gesunden“ Umgang damit bei?

(Also „gesund“ würde ich in etwa so definieren: Das Kind „darf“ sich natürlich Dinge wünschen und soll sich auf über sowas freuen, aber es soll sich halt nicht alles ständig darum drehen… Und es wäre schön, wenn sie irgendwann begreifen würde, dass das nicht so wichtig ist, andere Dinge mehr zählen… Eigentlich müsste man ja mit gutem Beispiel und so… *seufz*)

Und vor allem: Wieso lässt Mensch das nicht einfach? Man ist so scheiße kulturgeprägt, oder? Oder sind wir (ich) einfach nur einmal mehr ’schwach‘ und letztendlich Verbraucher?

Wie seht ihr das? Macht ihr euch da viele bzw. überhaupt Gedanken drüber? Oder kauf ihr einfach für eure Kinder das, was euch halt gefällt oder in den Sinn kommt?