Schwanger sein: So war die 39. Woche (Teil 2)

Donnerstag (38+3):

Ich schlafe nachts tatsächlich wie ein Stein. Mein Wecker rummst mich aus dem Schlaf. Ich muss zum Frauenarzt. Scheiße, ist das früh! Regt mich auf… Ich muss vor 8 da sein, weil ich den Termin am Dienstag nicht geschafft hab. Mäh. Erfreulich: Ich komme gut hoch. Die Körperfunktionen sind gar nicht sooo zickig wie in den letzten Tagen und Wochen heute. Ein gutes Zeichen? Tatsächlich habe ich gestern ohne Schmerzmittel mit viel Kirschkernkissen rumgebracht. Und abends sogar Abendbrot für alle gemacht, ohne danach zusammenzubrechen. Cool. Der Schmerz in der Flanke ist dumpf, aber erträglich.

Bei der Frauenärztin begrüßt mich überraschenderweise meine Lieblings-Hebamme aus dem Krankenhaus vom Wochenende. CTG, Urin, Muttermund. T. ist – den Herzfrequenzen nach zu urteilen – wie immer eher aufgeregt. Zwischen 155 und 170. Zwei stärkere Wehen, mehrere kleine Hügel. Das Köpfchen ist aber gut ins Becken gerutscht und sitzt laut Hebamme auch fest. Nicht sonderlich verwunderlich, wenn ich mir meinen Bauch so anschaue…

Die Hebamme macht mir Mut. Erzählt, wie das mit der Einleitung im Krankenhaus genau abläuft und dass ich sofort eine bekommen würde, wenn ich dort wieder aufschlage und danach verlange. Dass sie mit Kapseln einleiten, die in der Regel Wehen machen oder eben nicht. Also nicht tagelang mit wirkungslosen Wehen rumrennen und sich entkräften, wie das beim Wehentropf nicht selten der Fall ist. Dass ich den Vorteil habe, dass ich das ganze Team nun schon kenne und die mich (und meine Vorgeschichte). Dass man quasi auf mich eingestellt sei. Dass die Chancen sehr gut stehen, dass es dieses Mal anders laufen wird. Das Gespräch bestärkt mich. Es war eine gute Entscheidung, gewartet zu haben. Ich fühle mich viel fitter als noch vor drei Tagen.

Bei der Ärztin: „Tja, der Muttermund ist noch zu. Das wollten Sie jetzt nicht hören, hm? Nun ja… Das kann sich ja alles ganz schnell ändern. Wenn heute Abend die Blase springt…“ und dann noch „Immerhin wurde er ja auch schon beim letzten Mal so groß geschätzt…“ Vielen Dank für die freundliche Erinnerung… Arrrgh. Ich ärgere mich fast, dass ich noch einmal zu ihr reingegangen bin. Obwohl ich meine Ärztin eigentlich tatsächlich mag.

Nach der Untersuchung fühle ich mich trotzdem fast beflügelt. Ja, das Baby darf kommen. Ja, ich bin bereit. Ja, wir schaffen das. Fast bin ich ein bisschen euphorisch. Die Schmerzen spüre ich kaum noch. Ich treffe mich mit K, wir erledigen die Vaterschaftsanerkennung und die Sache mit dem Sorgerecht. Jetzt ist wirklich endgültig alles erledigt. Danach Geburtstagsgeschenke kaufen für ein befreundetes Kind und eine Kleinigkeit essen gehen. Das alles fast ohne Schmerzen. Ich könnte gerade heulen vor Glück darüber! Ich bete, dass es so bleibt und frage K., ob wir die Sache heute vielleicht noch… äh… „anstupsen“ wollen. So hat es die Hebamme nämlich empfohlen. Im männlichen Sperma wäre der selbe Stoff wie in den Einleitungsmedikamenten drin (Prostaglandin, das Teufelszeug…)

Freitag (38+4):

Hey… Ich fühl mich geradezu gut! Okay geschlafen und früh nach dem Aufstehen nicht einmal Kreislaufprobleme. Das wird am Ende doch noch was mit dem positiven Geburtserlebnis…

Mein Bauch wird regelmäßig hart. Ich habe sogar ausreichend Elan, etwas für die Uni zu machen. Schwrrrrinnng… Rennt die Zeit weg an diesem Vormittag. Kaum ist der Kopf halbwegs bei anderen Dingen, geht alles viel schneller. Schon muss P. aus der Kita geholt werden. Wir bekommen Besuch von J&J (*guck guck*). Die Kinder toben, wir tauschen Schwangeren-Wehwehchen aus. Merke, dass ich den Tag über zu viel gesessen habe. Als ich meine Socken ausziehe, ist zwischen Unterschenkel und Fuß eine heftige Kerbe zu sehen, die mehrere Stunden lang nicht weg geht. Verdammte geschwollene Füße! Hoffe, dass mir meine normalen Schuhe nach der Entbindung wieder passen werden… Und meine ISG-Schmerzen sind auch wieder da. Aber immerhin keine schlimmen Nierenschmerzen… Und fast ALLES ist besser als das.

Abends absondert mein Körper merkwürdige Dinge. Schleimpropf? Lasst euch das Wort echt Mal auf der Zunge zergehen: SCHLEEEEIMMMMPFROOOOPFFFF… Jedenfalls mehrmals solche Absonderungen. Die Frauen im Forum sagen „Ja, Schleimpfropf, geht bestimmt bald los…“ Oh ja… Schön, schön, schön wär’s.

Haue mich momentan allerspätestens 24 Uhr ins Bett. Ich will den guten Zustand auf keinen Fall verspielen.

Samstag (38+5):

Ich schleime immernoch. Ich kann nicht glauben, dass T. echt immernoch in meinem Bauch ist! Das ist echt fies… Weil P. zwei Wochen eher kam, bin ich total darauf eingestellt gewesen, dass T. Ende August / Anfang September kommt. Und nun sitze ich hier nach inzwischen über 38 Wochen, absondere schleimige Substanzen und hoffe inständig, dass es dieses Mal ganz normal losgehen und nicht so ewig dauern möge. Ich kann meine Gedanken nur ganz schwer davon wegbekommen, dass T. schon längst auf 3,5 Kilo geschätzt wurde. „Ich will kein dickes, großes, schweres Baby!“ denke ich und fühle mich total blöd, ob solcher beknackt-oberflächlichen Gedanken… Ich will nicht so doll reißen… So ein schweres Kind ist doch sicher schwerer rauszupressen… „Kommt doch nur auf den Kopfumfang an, der Körper flutscht hinterher“ sagen die Frauen im Forum. Ich grübel schon wieder zu viel.

Er bewegt sich heute deutlich weniger… Ich habe gelesen, dass das auch auf die bevorstehende Geburt hindeuten kann… „Was Sie brauchen, sind Wehen!“… Den Spruch halte ich mir immer und immer und immer wieder vor. Menno. Ich will keine Hysterie-Schwangere sein, bin es aber leider total. War das ein Ziepen? War das eine Wehe? War die eher im Rücken oder eher vorne? War das der Schleimpfropf? Sitzt der Kopf schon fest im Becken? Geht es jetzt bald los? Geht es jetzt bald los? Geht es jetzt bald los? Oh Gott, was ist, wenn seine Nabelschnur um den Hals gewickelt ist und er sich deshalb jetzt weniger bewegt???

Jaaaaa, ich bin mir selber ein bisschen peinlich gerade…

Ich kann aber einfach nicht total tiefenentspannt im Lotus-Sitz hier verharren und entspannt den Dingen entgegenblicken, die da kommen, mit einem beruhigenden „Er kommt, wenn es richtig ist“-Mantra im Kopf. Ich hab Schiss, dass es mir wieder schlechter geht. Dass sich mein Körper die nächste fiese Scheiße ausdenkt, mit der er mich umhaut. Wir sind echt kein gutes Team, mein Körper und ich. Eh schon nicht und in dieser Schwangerschaft schon gar nicht. Ich vertraue dem nicht, dem Sack! Was ich mir aber denke (oder versuche zu denken), ist: Jetzt hat das Baby eine ziemlich automatische All-Inclusive-Vollversorgung. Die wird man sich nach der Geburt an nicht wenigen Tagen zurückwünschen. Das Baby ist immer ernährt, immer warm genug und immer automatisch dabei. Ich muss es nicht anziehen, nicht die Kacke abwischen, habe keine wunden Brustwarzen und ich mache mir jetzt noch halb so viele Sorgen im Vergleich zu dem Zeitpunkt, an dem er auf die kalt-fiese Welt geplumpst sein wird… Also: „Enjoooooooy the silence!“ wäre für das Ende der Schwangerschaft eigentlich das viel bessere Mantra.

Sonntag (38+6):

Mein Bauch ist viel kleiner. Oder? Nicht sicher… Am Ende wird das Fruchtwasser noch weniger… Unlogisch… Bei P. hatte ich tendenziell eher viel Fruchtwasser. Aber was, wenn doch? Die Gyn hat das nicht mehr kontrolliert in letzter Zeit und überhaupt: Irgendwie kommt sie mir so „nachlässig“ vor… Aber auch diese Gedanken sind wahrscheinlich typisch für hysterisch -schwangere.

„Nur 4% der Kinder kommen am errechneten Termin zu Welt“… „Der Großteil der Kinder wird in den 10 Tagen vor oder nach dem Termin geboren“… „Nach der Befruchtung dauert eine Schwangerschaft durchschnittlich 266 Tage“… Ich versuche, die auslösenden Faktoren einer Geburt zu verstehen.

In den letzten Wochen der Schwangerschaft folgt eine Phase der Aktivierung der uterinen Aktivität, in der vor allem durch den wachsenden Einfluss von Östrogenen im Myometrium verstärkt gap junctions ausgebildet werden. Gemeinsam mit einer Zunahme der Oxytocinrezeptorexpression und von Ionenkanälen an den Membranoberflächen werden die Kontraktionsbereitschaft des Myometriums erhöht und so die Möglichkeit einer koordinierten Kontraktionsausbreitung über den Uterus geschaffen.

Soweit klar, ne? Ich kapiere nur, dass da ziemlich viel unklar ist und es wohl ziemlich viel mit Hormonen zu tun hat. Aber wann/wie/wodurch schüttet das Baby denn die entsprechenden Hormone aus? „Wenn es fertig ist.“ Hmmmmm… Wie uuuunbefriedigend! T. drückt jedenfalls schon ordentlich nach unten. Autsch, wenn ich aufstehe zieht es und ich muss ein bisschen humpeln. „Was Sie brauchen, sind Wehen!“… Ja. Und wo sind sie? Die Wehen? FrotzelFrotzel…

Ach, bevor ich es vergesse: Ich schleime immernoch.

Trächtigkeitsstatus ab morgen:

  • Letzter Schwangerschaftsmonat (10. Monat)
  • *aaarrrrgh* 40. Woche (rechnerisch), SSW 39 (+ 0–6 Tage)
  • noch 1 Woche bis zum ET
  • 8 Monate + 2 Wochen nach Befruchtung
  • T. ist 37 Wochen alt
  • 260. bis 266. Tag der fetalen Entwicklung
  • Länge Baby: ca. 50 cm
  • Kopfumfang: ca. 36 cm
  • Gewicht: ca. 3500 g (letzte Schätzung an 36+4 = 3500 g)
  • Fußlänge: ca. 8,5 cm

Seit dem 23.12. sind heute ( 08.09.2013 ) 259 Tage vergangen. T., hörst du? 259 Tage! Meine Schwangerschaftnewsletter sind jetzt zu Ende und ich hab zu viel Zeit, um mir zu viele Gedanken über Nabelschnüre um den Hals und Gewichtszunahmen zu machen. In der nächsten Woche gibt’s nichts mehr zu lesen und hey… ich finde, du bist echt groß genug jetzt. Also bitte: KOMM! JETZT! RAUS DA!

Schwanger sein: So war die 39. Woche (Teil 1)

Montag (38+0):

01:15. Ich wache von zunehmend stärker werdenden Flankenschmerzen auf. Drücke das rote Knöpfchen. Eine Hebamme kommt ins dunkle Zimmer und bringt mir kurze Zeit später eine Infusion und ein warmes Kirschkernkissen. Die Infusion wirkt binnen Minuten. Wunderzeug!

03:06. Ein Baby schreit jämmerlich, direkt vor meiner Tür. Ich muss mich orientieren. Ach ja, ich bin Krankenhaus… Kreißsaalstation. Muss aufs Klo. Gegenüber das Zimmer, in dem die Notfallversorgungen für Neugeborene im Falle des Falles stattfinden. Hektik, Diskussionen, Krach… „Das war wirklich nicht absehbar, Frau Doktor.“ – piep-piep-piep – „Ja, aber das hätte man doch…“ – piep-piep-piep – uäh Uäh uäh uäh. Stille. Piep-piep-piep… Uäh uäh. Ich gehe zurück in mein Zimmer. Zu welcher Frau gehört das Baby? Die, die gestern im Nebenzimmer so laut getönt hat? Die, deren Baby so heftig auf die Einleitung reagiert hat, dass sie nach den wehenfördernden direkt wieder wehenhemmende Mittel bekommen musste? Ich schlafe erst über 1,5 Stunden später wieder ein, als das Baby endlich aus dem Flur gefahren wird. (Zwischendurch haben die Ärzte gelacht. Es wird also nichts Schlimmes gewesen sein…) Ich muss hier raus…

Morgens. Ich darf nichts essen. „Wenn dann doch schnell eine Schiene gelegt werden muss, müssen Sie nüchtern sein.“ Schiene? Ich will keine Schiene?!? WartenWartenWarten. CTG soll noch geschrieben werden vor der Untersuchung. Im Krankenhaus ist man nur eine Nummer. Ich bin dauernd am Warten. Schon wieder so nervös, dass mir der kalte Schweiß ausbricht. Ich hab das alles so satt… Um 7. Um 8. CTG ist okay. Keine Wehen, nur zwei kleine unregelmäßige Kontraktionen. Um 9. Mein Kreislauf sackt ab… Laufe auf der Neugeborenen-Station vorbei. Kleine Ohren, Nasen, Gequake, fertige Frauen, verliebte Typen. Das ist alles noch so weit weg.

Untersuchung bei der Urologin. Sie sagt, dass sich schon Harn in den Nieren staut, aber nicht schlimm. Aber da wäre wohl viel Zeugs im Urin. Empfiehlt nochmal ein stärkeres Antibiotikum gegen den Infekt. Entlasten der betroffenen Seite, Ruhe, viel trinken. Sie sieht keinen Grund, einzuleiten. Ich soll wiederkommen, wenn Fieber, Schüttelfrost, Extreme Schmerzen. „So schlimm ist das jetzt alles nicht, das habe ich schon schlimmer gesehen!“ Man selber hat so zu tun damit und für die ist das alles so harmlos… Aber: Ich darf nach Hause! Ich freu mich! Die Schmerzen fangen aber gleich wieder an. Ich lasse mir noch eine Paracetamol-Infusion geben, die Nadel wird aus dem Handeglenk gezogen, ich bekomme Antibiotikum und Buscopan-Zäpfchen mit. „Gut Frau J., dann beehren Sie uns bald wieder.“ – „Ja, aber hoffentlich erst zur Geburt“ sage ich.

Es ist so seltsam. Im Krankenhaus steht die Zeit still. Man ist so festgelegt auf nur das, was da passiert. Auf seinen Körper. Die nächste Untersuchung. Die Schmerzen. Draußen ist Herbst geworden. Ich war da nur zwei Tage drin und trotzdem fühlt sich draußen alles anders an. Ich habe großen Respekt vor allen, die schon Wochen und Monate im Krankenhaus verbracht haben. Ich glaube, man muss da echt aufpassen, nicht durchzudrehen…

Decke mich mit Kirschkernkissen und Tee ein. Zuhause auf’s Sofa. K. ist wahnsinnig fürsorglich. Ich fühle mich gleich viel besser. Das fehlt einem im Krankenhaus. Echte Fürsorge. Berührungen. Liebe!

Dienstag (38+1):

P. wacht morgens um 6 schreiend auf. Sie hat von einem Fahrstuhl im Krankenhaus geträumt, der plötzlich zu gegangen ist und sie ist allein drin. Gott, mein armes Kind… Sie nimmt das alles ziemlich mit. Dazu noch der grippale Infekt… Ich fühle mich mies, weil ich so wenig für sie da bin gerade.

Die Schmerzen sind auch spürbar. Auch Schmerzen beim Pinkeln zunehmend. Mistmistmist, verdammter Kackmist!!! Wieder Krankenhaus? Sie hat gesagt, wenn es beim Pinkeln brennt, soll ich kommen. Bloß nicht. Hab kein Fieber, kein Erbrechen, kann noch reden. Was soll ich nur machen? Buscopan rein. Auf’s Sofa. Ich bin so durch den Wind… Einleiten? Kaiserschnitt? Abwarten? Gehe immer wieder die Optionen durch, die alle so überhaupt nicht verlockend sind. Ein weiterer Tiefpunkt: Ich will nicht mehr, ich kann keine Schmerzen mehr ertragen!! Ich kann einfach nicht mehr. Ich bin total erschöpft. Am Ende. Total kraft- und willenlos. Fühle mich zu schwach, um vom Sofa zum Bad zu gehen und bin danach völlig erledigt. Wie soll ich denn in der Verfassung ein Kind zur Welt bringen???? Wie???? „Lass ’nen Kaiserschnitt machen“ sagen die Frauen im Forum. Ich will das aber nicht. Glaub ich… Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was ich diesbezüglich will oder kann… Ich will einfach nur noch aus sein. Ich will, dass es vorbei ist.

… … …

Die Schmerzen lassen langsam nach. Aber ständig schießt die Panik fies in Kopf und Bauch… Schweißausbruch, Zittern… Ich hab wirklich richtig Angst. Panik vor Schmerzen. Ich hab das Gefühl, verrückt zu werden. Angst. Einfach nur wahnsinnige Angst! Ich komme überhaupt nicht mehr runter… Will irgendwie flüchten, weiß doch aber, dass das nicht geht.

Gucke aus lauter Verzweiflung doof-TV. Das hätte ich schon viel eher machen sollen… Lenkt gut ab. Und dann endlich ein sinnvoller Gedanken-Dreh: „Hey! Es geht doch hier um unser Baby! Um mein Kind!“ Tatsächlich habe ich das vor lauter Gedanken an Schwangerschaft, Geburt, Schmerzen, Entscheidungsdruck und „es soll aufhören“ fast komplett aus den Augen verloren. Mache mir Notizen. Denke an das Baby. Stelle mir vor, dass er in meinem Bauch so aussieht wie die Babys der Station 9… Das hilft! Versuche, die Gedanken festzuhalten und die Panik wegzuschieben. Es geht mir schon besser… Ich komme über den Tag mit viel Fernsehen, Liegen, Trinken, aber dafür ohne Schmerzmittel. Bin endlich nicht mehr so verzweifelt. Vielleicht geht der Plan doch noch auf? Vielleicht wirkt das Antibiotikum, die Schmerzen gehen weg und ich komme wirklich nochmal zu Kräften? Komm, mein Baby! Wir schaffen das… Nach der Geburt wird alles das hier so egal sein.

Abends dann ein gemeiner Dämpfer. Kaum sind P. und K. wieder da und ich beginne, mich ein bisschen zu bewegen, kommen auch die scheiß Schmerzen zurück. Wieder so extrem, wie sie seit Tagen nicht mehr waren. NeinNeinNein! Verdammte scheisse!!! Kann mich nur noch in die Wanne schmeißen und heulen. Nehme wieder ein Zäpfchen. Die Schmerzen lassen nach. Mir wird schlecht. Ich schiebe mir trotzdem etwas Essen rein. Denke bei jeder Nahrungsaufnahme daran, dass ich das später auskotzen werde, wenn die Geburt jetzt beginnen sollte. Versuche, P. ins Bett zu bringen. Schaffe es nicht. Schleppe mich nur wieder zum Sofa. Armer K., der übernimmt hier alles gerade. Schmeiße Avena Sativa ein und hoffe auf einen schnellen, steinernen Schlaf…

Mittwoch (38+2):

Schlafe fast durch. Wirre Träume mit Inhalten aus Schultagen. P. hat wieder normal geschlafen, benimmt sich heute morgen aber wie ein pubertierender Teenager. Weint ständig los, meckert nur rum, sagt „Lass mich in Ruhe!“ – sie wirkt auch ziemlich durch den Wind. Schmerzen bisher immerhin nur dumpf. Heute aber wieder mehr Panik. Ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend. Bekomme die Angst nicht weg… Versuche, wirklich ganz bewusst ans Baby zu denken. Streichle meinen 120 cm-Bauch.

Frage mich, woher die Schmerzen in der Flanke eigentlich kommen. Von der gestauten Niere? Von der Entzündung? Vom Infekt? Oder liegt da ein Nerv? Es ist seltsam, weil die linke Niere laut Urologin weniger gestaut ist ist als die rechte. Aber ich hab die Schmerzen linksseitig, immer an exakt der selben („selbsten“, wie P. sagen würde) Stelle. Google verrät mir nichts. Stoße nur wieder auf Horrorgeschichten. Lasse das sein. Schreibe lieber einen Bericht über die letzte Woche und das Krankenhaus-Wochenende. Schreiben hilft. Wie schon so oft…

Heute traue ich mich, wider etwas mehr zu sitzen. Laufe rum. Ignoriere den dumpfen Schmerz. Bin nach wie vor ziemlich fertig, habe seltsame Hitzewallungen und den grippalen Infekt von P. mit abbekommen. Aber keine Schmerzmittel bisher gebraucht. Ablenkung und… Da! Der Bauch wird hart!! Zum ersten Mal seit Tagen wird mein Bauch wieder hart! Ich freue mich darüber tatsächlich total… In den nächsten Stunden wird er alle halbe Stunde hart. Und dann? Eine Wehe! „Back in the Game“ denke ich und erkläre meinem Bauch: „Morgen, mooooorgen, T. – morgen ist ein toller Tag!“ Meine Mutter würde P. aus der Kita holen, sie könnte übers Wochenende bei meinen Eltern sein. Ich stelle mit das gut vor. Fühle mich gar nicht mal so unbereit plötzlich. Komm, T., wir schaffen das! Dann sparen wir uns auch den beknackten 8-Uhr-Termin bei der Gyn… Ha! Ich hab meinen Galgenhumor wieder.

Es geht bergauf!!!